Lebensmitteleinzelhandel in der Schweiz

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Lebensmitteleinzelhandel in der Schweiz
Übliche Schweizer Bezeichnung Lebensmitteldetailhandel
Wirtschaftszweig Detailhandel
Wichtigste Vertriebsformen Supermärkte, Discounter, Dorfläden, Fachgeschäfte, Convenience-Shops und Online-Handel
Grösste Anbietergruppen Coop, Migros, Denner, Aldi Suisse, Lidl Schweiz, Volg und SPAR Schweiz
Marktstruktur Stark konzentrierter Markt
Zuständige Bundesbehörden Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Bundesamt für Landwirtschaft, Wettbewerbskommission
Rechtliche Grundlagen Lebensmittelgesetz, Kartellgesetz, Arbeitsgesetz, Preisbekanntgabeverordnung
Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel 2,6 Prozent, ausgenommen alkoholische Getränke

Der Lebensmitteleinzelhandel in der Schweiz, im schweizerischen Sprachgebrauch meist als Lebensmitteldetailhandel bezeichnet, umfasst den Verkauf von Lebensmitteln, Getränken und weiteren Gütern des täglichen Bedarfs an private Haushalte. Zu ihm gehören Supermärkte, Discounter, Dorfläden, Warenhaus-Supermärkte, Lebensmittel-Fachgeschäfte, Convenience-Shops, Tankstellenshops, Wochenmärkte und der Online-Lebensmittelhandel.

Im engeren wettbewerbsrechtlichen Sinn werden unter dem Schweizer Lebensmitteldetailhandel vor allem physische und virtuelle Verkaufsstellen verstanden, die ein umfassendes Sortiment an Lebensmitteln sowie ergänzenden Near- und Non-Food-Artikeln anbieten. Tankstellen- und andere Convenience-Shops werden bei einer solchen engen Abgrenzung teilweise nicht einbezogen, da ihr Angebot meist kleiner und auf den Sofortbedarf ausgerichtet ist.[1]

Der Markt wird von den beiden genossenschaftlich organisierten Grossverteilern Coop und Migros geprägt. Daneben bestehen mit Denner, Aldi Suisse und Lidl Schweiz bedeutende Discountketten sowie mit Volg und SPAR Anbieter, die besonders in kleineren Gemeinden, Wohnquartieren und an Verkehrslagen vertreten sind. Warenhaus-Supermärkte, regionale Ketten, selbstständige Detaillisten, Hofläden und spezialisierte Lebensmittelgeschäfte ergänzen das Angebot.

Eine Marktbeobachtung der eidgenössischen Preisüberwachung von 2026 bezeichnete den Schweizer Lebensmitteldetailhandel als stark konzentriert. Die Markteintritte von Aldi und Lidl hätten den Preiswettbewerb im Discountsegment verstärkt, die grundlegende Marktstruktur jedoch nicht verändert. Ausserhalb des Discountsegments werde der Markt weiterhin von Coop und Migros dominiert.[1]

Abgrenzung

Der Lebensmitteleinzelhandel bildet die letzte gewerbliche Stufe der Versorgungskette zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Grosshandel und privaten Konsumentinnen und Konsumenten. Seine Unternehmen beschaffen Lebensmittel bei landwirtschaftlichen Betrieben, Produzenten, Importeuren und Grosshändlern und verkaufen sie in haushaltsüblichen Mengen weiter.

Zum Kernsortiment gehören gewöhnlich:

  • Brot, Backwaren und Getreideprodukte;
  • Früchte und Gemüse;
  • Milch, Milchprodukte und Käse;
  • Fleisch, Fisch und Eier;
  • Tiefkühl- und Konservenprodukte;
  • Getränke;
  • Süsswaren und Snacks;
  • Fertiggerichte und andere Convenience-Produkte.

Supermärkte und Discounter führen zusätzlich sogenannte Near-Food-Produkte wie Waschmittel, Reinigungsmittel, Kosmetik, Hygieneartikel, Tiernahrung und Haushaltswaren. In grösseren Märkten kommen Textilien, Elektrogeräte, Gartenartikel, Spielwaren und weitere Non-Food-Produkte hinzu.

Nicht alle zum Lebensmittelverkauf gehörenden Unternehmen sind klassische Supermärkte. Bäckereien, Metzgereien, Käsereien, Reformhäuser, Getränkemärkte, Hofläden und ethnische Lebensmittelgeschäfte besitzen meist ein spezialisiertes Sortiment. Convenience-Shops an Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen konzentrieren sich auf Getränke, Snacks, Fertiggerichte und kleinere Einkäufe ausserhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten.

Geschichte

Krämerläden und Konsumvereine

Bis ins 19. Jahrhundert wurden Lebensmittel überwiegend auf Wochenmärkten, in kleinen Krämerläden sowie unmittelbar bei landwirtschaftlichen und handwerklichen Produzenten verkauft. Bäckereien, Metzgereien, Molkereien und Kolonialwarenhandlungen prägten die lokale Versorgung.

Mit der Industrialisierung und dem Wachstum der Städte entstanden die ersten Konsumvereine. Sie sollten Arbeiterfamilien mit preisgünstigen und unverfälschten Waren versorgen. Der 1851 gegründete Konsumverein Zürich gehörte zu den frühen schweizerischen Organisationen dieser Art. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich die Konsumvereine in allen Landesteilen.[2]

1890 schlossen sich zahlreiche Vereine zum Verband Schweizerischer Konsumvereine zusammen. Der Verband organisierte den gemeinsamen Einkauf und baute später eigene Produktionsbetriebe auf. Er entwickelte sich zum Vorläufer der heutigen Coop-Gruppe.[3]

Entstehung der Migros

1925 gründete Gottlieb Duttweiler in Zürich die Migros. Die ersten Lebensmittel wurden aus fünf zu Verkaufswagen umgebauten Lastwagen verkauft. Durch ein begrenztes Sortiment, direkten Einkauf, raschen Warenumschlag und niedrige Handelsspannen wollte Duttweiler die damals hohen Endverbraucherpreise senken.[4]

Das Unternehmen stiess bei bestehenden Händlern, Produzentenverbänden und Markenartikelherstellern auf erheblichen Widerstand. Lieferboykotte führten dazu, dass die Migros eigene Produktionsbetriebe aufbaute und verstärkt Eigenmarken entwickelte.

Von 1933 bis 1945 galt in der Schweiz ein bundesrechtliches Verbot, neue Warenhäuser, Filialgeschäfte und Einheitspreisläden zu eröffnen oder bestehende Betriebe wesentlich auszubauen. Die Regelung sollte den selbstständigen Detailhandel schützen, verlangsamte aber auch die Expansion von Migros und anderen Ketten.[5]

1941 wandelte Duttweiler die Migros in regionale Genossenschaften um. Diese wurden im Migros-Genossenschafts-Bund zusammengeschlossen. Die Kundschaft konnte Mitglied der Genossenschaften werden und damit indirekt an der Organisation des Unternehmens teilnehmen.

Einführung der Selbstbedienung

1948 eröffneten Migros und kurz darauf auch der Verband Schweizerischer Konsumvereine die ersten Selbstbedienungsläden der Schweiz. Die Kundinnen und Kunden entnahmen die Waren nun selbst aus den Regalen und bezahlten an einer zentralen Kasse.[6]

Die Selbstbedienung verringerte den Personalaufwand je verkauftem Artikel, erleichterte die Einführung verpackter Marken- und Eigenmarkenprodukte und ermöglichte grössere Sortimente. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten zum Standard des Lebensmitteldetailhandels.

Supermärkte und Einkaufszentren

Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen Einkommen, Motorisierung und Kühlschrankbesitz. Die Bevölkerung konnte grössere Mengen einkaufen und Lebensmittel länger zu Hause lagern. Kleine Bedienungsläden wurden zunehmend durch Selbstbedienungsgeschäfte und Supermärkte ersetzt.

Seit den 1960er-Jahren entstanden Einkaufszentren mit grossen Lebensmittelmärkten, zahlreichen Fachgeschäften und umfangreichen Parkierungsanlagen. Gleichzeitig bauten Migros und Coop regionale Verteilzentren, zentrale Beschaffungssysteme und eigene Produktionsbetriebe aus.

Der Verband Schweizerischer Konsumvereine führte ab 1970 den einheitlichen Namen Coop. Die ursprünglich zahlreichen regionalen Konsumgenossenschaften wurden schrittweise zusammengeführt. 2001 entstand durch die Fusion der verbliebenen regionalen Genossenschaften die heutige Coop Genossenschaft.[3]

Discounter und neue Vertriebsformen

Denner entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten schweizerischen Discounter. 2007 übernahm Migros die Kontrolle über Denner. Die Wettbewerbskommission genehmigte den Zusammenschluss unter Auflagen.

Aldi Suisse trat 2005 in den Schweizer Markt ein, Lidl Schweiz folgte 2009. Die beiden deutschen Discounter eröffneten vor allem mittelgrosse Filialen mit standardisiertem Sortiment, hohem Eigenmarkenanteil und vergleichsweise einfacher Ladengestaltung.

Seit den 1990er-Jahren gewannen Convenience-Shops an Bahnhöfen und Tankstellen an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelten sich Hauslieferdienste, Online-Supermärkte, Abholstationen und hybride Vertriebsmodelle. Die Grenzen zwischen klassischem Supermarkt, Gastronomie, Take-away und digitalem Handel wurden dadurch zunehmend fliessend.

Marktstruktur

Der schweizerische Lebensmitteldetailhandel weist eine im europäischen Vergleich hohe Konzentration auf. Zwei vertikal integrierte Unternehmensgruppen verfügen über landesweite Vollsortimente, ausgedehnte Verkaufsstellennetze, eigene Produktionsbetriebe, Logistiksysteme, Kundenbindungsprogramme und zahlreiche Eigenmarken.

Die eidgenössische Preisüberwachung berechnete für den Markt im Jahr 2023 einen Herfindahl-Hirschman-Index von 3'352. Ein solcher Wert gilt als Hinweis auf einen hoch konzentrierten Markt. Der gemeinsame Marktanteil von Coop und Migros beziehungsweise Migros einschliesslich Denner lag bei jeder von der Preisüberwachung untersuchten Marktabgrenzung über der Schwelle von 50 bis 60 Prozent, die als Indiz für eine mögliche kollektive marktbeherrschende Stellung herangezogen wird.[1]

Die Preisüberwachung konnte 2026 nicht ausschliessen, dass Coop und Migros gemeinsam eine marktmächtige oder kollektiv marktbeherrschende Stellung einnehmen. Sie stellte jedoch keine hinreichenden Hinweise auf missbräuchlich überhöhte Gewinne fest. Die Nettomargen und die Kapitalrentabilität der untersuchten Schweizer Händler waren mit jenen des europäischen Lebensmitteldetailhandels vergleichbar. Die hohen Bruttomargen dienten demnach unter anderem zur Deckung der ebenfalls hohen Betriebs-, Personal-, Immobilien- und Logistikkosten.[1]

Aldi und Lidl erhöhten den Wettbewerbsdruck vor allem bei preisgünstigen Grundnahrungsmitteln und Eigenmarken. Migros und Coop reagierten unter anderem mit dem Ausbau ihrer Preiseinstiegslinien M-Budget und Prix Garantie. Bei breiten Vollsortimenten, Markenartikeln, Bio-Produkten und zusätzlichen Dienstleistungen blieb die Konkurrenzwirkung der Discounter nach Einschätzung der Preisüberwachung begrenzter.

Grosse Supermarktketten

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die jeweils zuletzt veröffentlichten Unternehmenszahlen. Die Zahlen sind nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Einige Unternehmen zählen ausschliesslich klassische Supermärkte, andere beziehen Partnerläden, Kleinformate oder Convenience-Shops mit ein.

Kette Trägerschaft Hauptprofil Verkaufsstellen in der Schweiz Stand der Angabe
Coop Coop Genossenschaft Vollsortiment, Supermärkte und weitere Food-Formate 982[7] Ende 2025
Denner Denner AG, Teil der Migros-Gruppe Discount und Nahversorgung 872 einschliesslich Denner Partner[8] 2026
Migros Zehn regionale Migros-Genossenschaften Vollsortiment in den Formaten M, MM und MMM 659 eigenständige Supermärkte[9] Ende 2025
Volg Volg Konsumwaren AG, Teil der Fenaco Dorfläden und ländliche Nahversorgung 593 Volg-Läden[10] Ende 2025
Aldi Suisse Aldi Suisse AG, Teil der Unternehmensgruppe Aldi Süd Discount rund 245[11] 2025/2026
Lidl Schweiz Lidl Schweiz, Teil der Schwarz-Gruppe Discount über 190[12] 2026
SPAR Schweiz SPAR Handels AG, Tannenwaldholding AG Supermärkte, Nachbarschafts- und Convenience-Formate über 350 Märkte verschiedener Formate[13] 2026
Manor Food Manor AG Warenhaus-Supermärkte mit Schwerpunkt Frische und Premiumsortiment 21[14] 2026

Migros

Die Migros ist aus dem 1925 von Gottlieb Duttweiler gegründeten Verkaufswagenunternehmen hervorgegangen. Das Supermarktgeschäft wird von zehn regionalen Genossenschaften getragen. Die regionale Marktbearbeitung, der operative Vertrieb und die Verantwortung für die Verkaufsstellennetze liegen weiterhin bei diesen Genossenschaften, während zentrale Aufgaben wie Beschaffung, Sortimentsentwicklung und Marketing durch die Migros Supermarkt AG koordiniert werden.[15]

Die klassischen Verkaufsstellen werden nach ihrer Grösse und Sortimentsbreite als M, MM und MMM bezeichnet. Ende 2025 bestanden 394 M-, 214 MM- und 51 MMM-Supermärkte. Zusammen erzielten die Migros-Supermärkte einschliesslich Migros Online 2025 einen Umsatz von rund 12,7 Milliarden Franken.[9]

Die Migros führt zahlreiche Eigenmarken, darunter M-Budget als Preiseinstiegslinie. Daneben werden regionale Produkte, Bio-Lebensmittel und ein wachsendes Angebot an vegetarischen, veganen und verzehrfertigen Produkten angeboten.

Die Supermärkte, Restaurants und Take-aways der zehn regionalen Genossenschaften verkaufen keinen Alkohol. In Urabstimmungen von 2022 entschieden die Genossenschaftsmitglieder aller Regionen, das seit 1928 bestehende Alkoholverkaufsverbot beizubehalten.[16] Das Verbot gilt nicht für andere Unternehmen der Migros-Gruppe wie Denner oder migrolino.

Coop

Coop geht auf die Konsumgenossenschaftsbewegung des 19. Jahrhunderts zurück. Das Unternehmen ist seit 2001 als landesweit tätige Genossenschaft organisiert. Sein Supermarktnetz reicht von kleineren Quartierläden bis zu grossen Megastores.

Die Coop-Supermärkte und Food-Formate erzielten 2025 einen Nettoerlös von 12,4 Milliarden Franken. Coop gab für Ende 2025 insgesamt 982 Verkaufsstellen in diesen Formaten an.[7]

Zum Sortiment gehören klassische Markenartikel und zahlreiche Eigenmarken. Prix Garantie bildet das Preiseinstiegssortiment. Weitere Linien decken Bio-Produkte, regionale Lebensmittel, vegetarische und vegane Produkte, Fairtrade-Angebote, Bergprodukte und traditionelle Nutztierrassen beziehungsweise Pflanzensorten ab.

Neben den klassischen Supermärkten betreibt die Coop-Gruppe unter anderem Coop City, Coop to go und gemeinsam mit Partnerunternehmen Verkaufsstellen an Tankstellen und Verkehrslagen. Durch eigene Produktionsunternehmen und Beteiligungen ist die Gruppe auch in der Fleisch-, Backwaren-, Schokolade-, Getränke- und Gastronomieproduktion tätig.

Denner

Denner ist der grösste Schweizer Discounter und bezeichnet sich als drittgrössten Lebensmitteldetailhändler des Landes. Das Unternehmen betreibt sowohl eigene Filialen als auch Denner-Partnerbetriebe. Insgesamt bestanden 2026 rund 872 Verkaufsstellen.[8]

Das Sortiment ist schmaler als jenes der klassischen Vollsortimenter. Denner führt Lebensmittel, Frischprodukte, Getränke, Haushaltsartikel und ein umfangreiches Weinangebot. Einen besonderen Stellenwert besitzen wöchentlich wechselnde Aktionen.

Seit 2007 steht Denner unter der Kontrolle der Migros. Das Unternehmen tritt jedoch mit eigener Marke, eigener Preispositionierung und separatem Filialnetz auf. In wettbewerbsrechtlichen Untersuchungen werden die Marktanteile von Migros und Denner deshalb häufig gemeinsam betrachtet.[1]

Aldi Suisse

Aldi Suisse eröffnete 2005 seine ersten Schweizer Filialen. Das Unternehmen gehört zur deutschen Unternehmensgruppe Aldi Süd und betreibt rund 245 Verkaufsstellen in der Schweiz.[11]

Das Geschäftsmodell beruht auf einem vergleichsweise kompakten Sortiment, einem hohen Anteil eigener Handelsmarken, standardisierten Ladenabläufen und regelmässigen Non-Food-Aktionen. Das Schweizer Angebot enthält zugleich zahlreiche im Inland hergestellte oder verarbeitete Produkte.

Die Filialen befinden sich häufig in gut mit dem Auto erreichbaren Gewerbegebieten, zunehmend aber auch in städtischen Quartieren, Einkaufszentren und gemischt genutzten Überbauungen. Aldi baut bestehende Läden schrittweise um und ergänzt das Netz durch kleinere urbane Standorte.

Lidl Schweiz

Lidl trat am 19. März 2009 mit zunächst 13 Filialen in den Schweizer Markt ein. Das Unternehmen gehört zur deutschen Schwarz-Gruppe und verfügte 2026 über mehr als 190 Filialen.[17][12]

Wie Aldi arbeitet Lidl mit einem begrenzteren Sortiment als die Vollsortimenter, einem hohen Eigenmarkenanteil und wöchentlich wechselnden Non-Food-Angeboten. Frischbackwaren, Früchte und Gemüse, Fleisch, Molkereiprodukte und Fertiggerichte besitzen innerhalb des Ladens einen hohen Stellenwert.

Lidl erweiterte sein Filialnetz besonders in den 2010er- und 2020er-Jahren. Neben freistehenden Märkten entstanden Verkaufsstellen in Einkaufszentren, Bahnhofsgebieten und urbanen Neubauquartieren.

Volg

Volg ist auf die Versorgung kleinerer Gemeinden und ländlicher Regionen ausgerichtet. Die meist kompakten Dorfläden führen Lebensmittel, Frischprodukte, Getränke, Haushaltswaren und lokale Spezialitäten. Ende 2025 bestanden 593 Volg-Läden.[10]

Die Volg Konsumwaren AG gehört zur landwirtschaftlich getragenen Fenaco Genossenschaft. Fenaco befindet sich im Eigentum von LANDI-Genossenschaften, deren Mitglieder überwiegend Schweizer Bäuerinnen und Bauern sind.[18]

Ein Teil der Volg-Läden wird unmittelbar durch die Volg Detailhandels AG geführt, weitere durch LANDI-Genossenschaften oder selbstständige Detaillisten. Ergänzend beliefert Volg Prima-Läden, freie Detaillisten und TopShops an Agrola-Tankstellen.

SPAR Schweiz

SPAR ist in der Schweiz seit 1989 als landesweite Lebensmittelmarke tätig. Zum Netz gehören klassische SPAR-Supermärkte, grössere EUROSPAR-Märkte, SPAR mini und SPAR express. Zahlreiche Verkaufsstellen werden von selbstständigen Franchisepartnern betrieben.

Nachdem die Schweizer SPAR-Gruppe seit 2016 mehrheitlich zur südafrikanischen SPAR Group gehört hatte, wurde sie im September 2025 von der schweizerischen Tannenwaldholding AG übernommen. Die SPAR-Formate und die Verbindung mit SPAR International blieben bestehen.[19]

SPAR gab 2026 ein Netz von über 350 Märkten verschiedener Formate an.[13] Dazu zählen auch kleinflächige Convenience-Standorte, weshalb die Zahl nicht unmittelbar mit den klassischen Supermarktstandorten anderer Anbieter vergleichbar ist.

Manor Food

Manor Food ist die Lebensmittelabteilung der Schweizer Warenhausgruppe Manor. Die 21 Supermärkte befinden sich überwiegend in Stadtzentren und grösseren Einkaufszentren.[14]

Das Angebot ist stärker auf Frischprodukte, Bedienungstheken, Spezialitäten, Delikatessen und verzehrfertige Gerichte ausgerichtet als jenes klassischer Discounter. Manor arbeitet im Rahmen seines Lokal-Programms mit mehreren hundert regionalen Produzentinnen und Produzenten zusammen.

Weitere Anbieter

Neben den grossen Ketten bestehen zahlreiche kleinere und regionale Anbieter. Dazu gehören selbstständige Lebensmittelgeschäfte, Metzgereien, Bäckereien, Käsereien, Reformhäuser, Getränkemärkte und internationale Spezialitätengeschäfte.

In der Westschweiz ist Aligro mit grossflächigen Märkten vertreten, die sowohl private Haushalte als auch Gastronomie- und Gewerbekunden bedienen. In einzelnen Regionen bestehen weitere Cash-and-Carry-Märkte, Einkaufskooperationen und unabhängige Detaillisten.

Hofläden und bäuerliche Direktvermarktung spielen besonders in ländlichen und stadtnahen Gebieten eine Rolle. Verkauft werden unter anderem Eier, Milchprodukte, Fleisch, Obst, Gemüse, Wein und verarbeitete Hofprodukte. Einige Betriebe führen Selbstbedienungsläden mit langen oder durchgehenden Öffnungszeiten.

Wochenmärkte sind vor allem in Städten und regionalen Zentren verbreitet. Sie ermöglichen landwirtschaftlichen Betrieben, Bäckereien, Käsereien und anderen Produzenten den direkten Verkauf an die Kundschaft.

Vertriebsformen

Supermärkte

Supermärkte führen ein breites Sortiment an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Kleinere Quartiermärkte konzentrieren sich auf den täglichen Einkauf, während grössere Verkaufsstellen zusätzlich umfangreiche Non-Food-Sortimente, Bedienungstheken und gastronomische Angebote besitzen.

Die Verkaufsflächen unterscheiden sich erheblich. Migros verwendet die Bezeichnungen M, MM und MMM zur Unterscheidung der Grössenklassen. Coop bezeichnet besonders grosse Verkaufsstellen als Megastores.

Discounter

Discounter bieten ein kleineres, rasch umschlagendes Sortiment an. Sie arbeiten mit einem hohen Anteil an Eigenmarken, standardisierten Einrichtungen und vergleichsweise wenigen Artikelvarianten je Produktgruppe.

Denner verbindet das Discountmodell mit einem besonders dichten Netz kleiner und mittlerer Filialen. Aldi und Lidl betreiben im Durchschnitt grössere Verkaufsstellen und ergänzen das Lebensmittelsortiment durch zeitlich begrenzte Non-Food-Aktionen.

Dorf- und Quartierläden

Kleine Nahversorger besitzen vor allem in ländlichen Gemeinden, Berggebieten und städtischen Wohnquartieren eine wichtige Funktion. Sie bieten kürzere Wege, persönliche Bedienung und häufig regionale Produkte, müssen jedoch mit kleineren Absatzmengen und höheren Betriebskosten je Artikel arbeiten.

Volg und SPAR sind in diesem Segment stark vertreten. Daneben bestehen unabhängige Dorfläden, Genossenschaftsläden, Prima-Verkaufsstellen und kommunal unterstützte Versorgungslösungen.

Convenience-Shops

Convenience-Shops richten sich an Reisende, Berufspendler und Personen, die kleinere Einkäufe ausserhalb der üblichen Ladenzeiten erledigen. Zu den verbreiteten Marken gehören Coop Pronto, migrolino, avec und SPAR express.

Das Sortiment umfasst Getränke, Snacks, Sandwiches, Backwaren, Fertiggerichte, Zeitungen und eine begrenzte Auswahl an Grundnahrungsmitteln. Die Preise liegen wegen kleinerer Verkaufsmengen, langer Öffnungszeiten und teurer Standorte häufig über jenen klassischer Supermärkte.

Lebensmittel-Fachgeschäfte

Fachgeschäfte konzentrieren sich auf bestimmte Warengruppen oder Ernährungskonzepte. Dazu gehören Metzgereien, Fischgeschäfte, Bäckereien, Konditoreien, Käsereien, Weinhandlungen, Bioläden, Reformhäuser und Geschäfte für internationale Lebensmittel.

Insbesondere in den Städten besteht ein vielfältiges Netz türkischer, italienischer, portugiesischer, asiatischer, osteuropäischer, afrikanischer und nahöstlicher Lebensmittelgeschäfte. Sie ergänzen das Sortiment der Grossverteiler um spezielle Zutaten, Marken und Frischwaren.

Online-Handel

Der Online-Lebensmittelhandel umfasst Hauslieferung, Abholung in Filialen und Abholstationen sowie Bestellungen über Apps. Zu den grössten Angeboten gehören Migros Online und Coop.ch. Daneben bestehen spezialisierte Plattformen, regionale Lieferdienste und Online-Shops landwirtschaftlicher Produzenten.

Die Bestellung von Frisch- und Tiefkühlprodukten stellt hohe Anforderungen an Lagerung, Kommissionierung und Kühlkette. Lieferfenster, Mindestbestellwerte und Zustellkosten beeinflussen die Attraktivität der Angebote.

Der Online-Handel ersetzt den stationären Supermarkt bisher nicht, sondern ergänzt ihn. Besonders gefragt sind Hauslieferungen bei grösseren Wocheneinkäufen, für Haushalte ohne Auto und für Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Sortiment und Eigenmarken

Eigenmarken besitzen im Schweizer Lebensmitteldetailhandel einen hohen Stellenwert. Sie ermöglichen den Händlern, Sortiment, Rezepturen, Verpackungen und Preise stärker selbst zu kontrollieren. Gleichzeitig verringern sie die unmittelbare Vergleichbarkeit mit identischen Markenartikeln anderer Anbieter.

Die grossen Händler führen Eigenmarken in mehreren Preis- und Qualitätsstufen. Typische Kategorien sind:

  • Preiseinstiegsprodukte;
  • Standardsortimente;
  • Premiumprodukte;
  • Bio-Lebensmittel;
  • regionale Produkte;
  • vegetarische und vegane Produkte;
  • Fairtrade- und Nachhaltigkeitslinien;
  • allergenfreie und ernährungsspezifische Produkte.

Migros baute früh eigene Produktionsunternehmen auf, nachdem Markenhersteller das neue Unternehmen teilweise nicht beliefern wollten. Auch Coop verfügt über eigene oder kontrollierte Produktionsbetriebe. Die vertikale Integration reicht bei beiden Gruppen von der Verarbeitung über Logistik und Grosshandel bis zum Verkauf.

Markenartikel bleiben besonders bei Getränken, Süsswaren, Kaffee, Körperpflege und Haushaltsprodukten bedeutend. Die Händler verhandeln mit nationalen und internationalen Herstellern über Einkaufspreise, Aktionen, Platzierung, Logistik und Werbekosten.

Preise und Preiswettbewerb

Das Schweizer Preisniveau für Lebensmittel wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Löhne, Mieten, Energiepreise, Transportkosten, landwirtschaftliche Produktionsbedingungen, Zölle, Importregelungen, regulatorische Anforderungen und die im Vergleich zu grossen Nachbarländern kleinere Absatzbasis.

Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel beträgt 2,6 Prozent. Alkoholische Getränke unterliegen dem Normalsatz von 8,1 Prozent.[20]

Die Preisüberwachung stellte für 2022 und 2023 deutlich höhere Bruttomargen als im europäischen Vergleich fest. Nach Abzug der Betriebskosten waren die Netto- und Kapitalrenditen der Schweizer Händler jedoch ungefähr mit jenen europäischer Vergleichsunternehmen vergleichbar. Als mögliche Ursachen nannte die Behörde das allgemeine Kostenniveau, regulatorische Anforderungen, Konsumpräferenzen und eine im Vergleich zum Ausland geringere Effizienz. Sie schloss zugleich nicht aus, dass der begrenzte Wettbewerbsdruck zur hohen Kostenstruktur beiträgt.[1]

In den Jahren 2024 und 2025 kündigten Aldi, Migros und Coop umfangreiche Preissenkungen an. Nach Einschätzung der Preisüberwachung deuteten diese Runden darauf hin, dass zuvor noch nicht ausgeschöpfter Spielraum für tiefere Preise bestand. Ob daraus ein dauerhaft stärkerer Preiswettbewerb entsteht, liess die Behörde offen.[1]

Preisgünstige Eigenmarken wie M-Budget und Prix Garantie stehen in direkter Konkurrenz zu den Discountern. Aktionen, Mehrfachpackungen, digitale Gutscheine und Kundenkarten bilden weitere wichtige Instrumente des Preiswettbewerbs.

In Grenzregionen konkurrieren Schweizer Händler zusätzlich mit Supermärkten in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich. Wechselkurse, ausländische Mehrwertsteuerrückerstattungen und Unterschiede bei Markenpreisen beeinflussen den Einkaufstourismus.

Kundenbindungsprogramme

Die beiden grössten Vollsortimenter betreiben umfangreiche Kundenbindungsprogramme. Migros verwendet das Programm Cumulus, Coop die Supercard. Kundinnen und Kunden sammeln bei Einkäufen Punkte und erhalten Gutscheine, Rabatte oder personalisierte Angebote.

Die Programme liefern den Unternehmen zugleich Informationen über Einkaufsverhalten, Aktionsnutzung und regionale Nachfrage. Apps verbinden Kundenkarte, digitale Kassenbons, Einkaufslisten, Gutscheine und teilweise mobile Bezahlung.

Der Umgang mit Einkaufs- und Personendaten unterliegt dem schweizerischen Datenschutzrecht. Die zunehmende Personalisierung von Preisen und Werbung führt regelmässig zu Diskussionen über Transparenz, Datenschutz und Gleichbehandlung.

Schweizer und regionale Produkte

Die Herkunft von Lebensmitteln ist für viele Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ein wichtiges Kaufkriterium. Die Grossverteiler kennzeichnen Schweizer Produkte mit eigenen Herkunftsangaben, Gütesiegeln und regionalen Marken.

Die Verwendung des Schweizerkreuzes und von Bezeichnungen wie «Schweiz» oder «Swiss» unterliegt der Swissness-Gesetzgebung. Bei Lebensmitteln muss ein vorgeschriebener Mindestanteil der Rohstoffe aus der Schweiz stammen; zugleich muss die wesentliche Verarbeitung im Inland erfolgen. Die Anforderungen berücksichtigen, ob bestimmte Rohstoffe in der Schweiz überhaupt oder in ausreichender Menge verfügbar sind.[21]

Regionale Sortimente ermöglichen kleineren Produzenten den Zugang zu den Verkaufsstellen grosser Händler. Beispiele sind die Programme «Aus der Region. Für die Region.» der Migros, «Miini Region» von Coop und «Feins vom Dorf» von Volg.

Bei Produkten wie Kaffee, Kakao, Bananen, Reis, Gewürzen und tropischen Früchten ist die Schweiz auf Importe angewiesen. Fairtrade-Programme sollen in diesen Lieferketten soziale und ökologische Mindeststandards fördern.

Biologische Lebensmittel

Bio-Lebensmittel besitzen in der Schweiz einen hohen Marktanteil. 2025 erreichte der Schweizer Bio-Markt einen Umsatz von rund 4,266 Milliarden Franken. Der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt betrug 12,3 Prozent; die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben lagen bei 468 Franken.[22]

Coop und Migros sind die wichtigsten Absatzkanäle für Bio-Produkte. Beide Unternehmen führen umfangreiche Bio-Eigenmarken. Auch Aldi, Lidl, Denner, Volg, SPAR, Bioläden und Hofläden haben ihre Bio-Sortimente ausgebaut.

Die Bezeichnung «Bio» ist gesetzlich geschützt. Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel müssen die Anforderungen der schweizerischen Bio-Verordnung erfüllen. Mindestens 95 Prozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs eines als Bio bezeichneten verarbeiteten Lebensmittels müssen biologischer Herkunft sein.[23]

Neben den gesetzlichen Mindestanforderungen bestehen private Standards. Besonders verbreitet ist die Knospe von Bio Suisse. Weitere Programme betreffen biodynamische Landwirtschaft, Tierwohl, integrierte Produktion und fairen Handel.

Lebensmittelrecht und Kontrolle

Das Lebensmittelgesetz soll die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten schützen, den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln gewährleisten und vor Täuschung bewahren. Die Unternehmen sind zur Selbstkontrolle verpflichtet und müssen sicherstellen, dass ihre Produkte sicher und korrekt gekennzeichnet sind.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erarbeitet gemeinsam mit weiteren Bundesstellen die rechtlichen Grundlagen. Der Vollzug in Verkaufsstellen, Lagern und Produktionsbetrieben liegt weitgehend bei den kantonalen Lebensmittelkontrollen.

Bei vorverpackten Lebensmitteln müssen je nach Produkt unter anderem folgende Informationen angegeben werden:

  • Sachbezeichnung;
  • Zutatenverzeichnis;
  • Allergene;
  • Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum;
  • Nettofüllmenge;
  • Nährwertangaben;
  • Produktionsland oder Herkunft;
  • Name und Adresse der verantwortlichen Unternehmung;
  • Lagerungs- und Gebrauchshinweise.

Die Adresse der herstellenden, einführenden, abpackenden oder abgebenden Person beziehungsweise Firma muss auf der Etikette aufgeführt sein.[24]

Bei offenen Lebensmitteln müssen die erforderlichen Informationen schriftlich oder mündlich verfügbar sein. Für Allergene gelten besondere Informationspflichten.

Werden gesundheitlich gefährliche Produkte festgestellt, können Unternehmen Rückrufe durchführen. Bei einem erheblichen Risiko veröffentlicht das Bundesamt öffentliche Warnungen.

Ladenöffnungszeiten

Die Ladenöffnungszeiten werden vor allem durch kantonales und kommunales Recht bestimmt. Dadurch unterscheiden sich die zulässigen Öffnungszeiten zwischen den Kantonen und teilweise zwischen einzelnen Gemeinden.

Das eidgenössische Arbeitsgesetz begrenzt die Beschäftigung von Personal nachts und an Sonntagen. Sonntagsarbeit ist grundsätzlich verboten und nur in gesetzlich vorgesehenen Fällen oder mit einer Bewilligung möglich.[25]

Besondere Regeln gelten unter anderem für Verkaufsstellen an bedeutenden Bahnhöfen, Flughäfen, Autobahnraststätten und Tankstellen. Diese Ausnahmen erklären, weshalb Lebensmittelgeschäfte an Verkehrslagen häufig sonntags und bis spät am Abend geöffnet sind.

Mehrere Kantone erlauben jährlich eine begrenzte Zahl bewilligungsfreier Sonntagsverkäufe. Diese finden häufig in der Adventszeit statt. Kleinere, ohne Personal betriebene Hof- und Selbstbedienungsläden fallen teilweise unter andere Regelungen.

Logistik und Kühlkette

Die grossen Händler betreiben zentrale und regionale Verteilzentren. Von dort werden die Filialen täglich oder mehrmals wöchentlich mit Trocken-, Frisch-, Tiefkühl- und Non-Food-Produkten beliefert.

Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Tiefkühlwaren benötigen kontrollierte Temperaturbedingungen. Die Kühlkette muss vom Produktionsbetrieb über Lager und Transport bis zum Verkaufsregal eingehalten werden.

Moderne Logistiksysteme prognostizieren die Nachfrage anhand historischer Verkäufe, Wetterdaten, Feiertage und Aktionen. Elektronische Bestellsysteme sollen sowohl leere Regale als auch überschüssige Waren vermeiden.

Die Belieferung städtischer Filialen stellt wegen Verkehrsbelastung, beschränkter Zufahrten und knapper Lagerflächen besondere Anforderungen. Coop beliefert in Zürich seit 2025 mehr als 70 Verkaufsstellen über ein kombiniertes Bahn- und Strassenlogistiksystem.[26]

Lebensmittelverluste

Nicht verkaufte oder beschädigte Lebensmittel entstehen im Detailhandel unter anderem durch falsche Nachfrageprognosen, Qualitätsanforderungen, beschädigte Verpackungen und das Erreichen von Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdaten.

Die Händler reduzieren Verluste durch Preisabschriften kurz vor Ablauf des Datums, kleinere Bestellmengen, optimierte Prognosen, Weiterverarbeitung, Tiefkühlung und Spenden an gemeinnützige Organisationen. Digitale Plattformen vermitteln zudem überschüssige Lebensmittel zu reduzierten Preisen.

Entlang der gesamten Schweizer Lebensmittelkette entstehen jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle. Der Bundesrat verfolgt das Ziel, die vermeidbaren Verluste bis 2030 gegenüber 2017 zu halbieren.[27]

Nach einer Zwischenbilanz von 2026 gingen die Lebensmittelverluste zwischen 2017 und 2024 schweizweit um rund fünf Prozent zurück. Besonders deutliche Verringerungen wurden bei jenen Detailhandels- und Gastronomieunternehmen festgestellt, die ihre Verluste systematisch messen.[28]

Verpackungen und Recycling

Verpackungen schützen Lebensmittel vor Beschädigung, Verunreinigung und Verderb. Gleichzeitig verursachen Kunststoff, Karton, Glas und Metall erhebliche Materialströme.

Die Händler versuchen, Verpackungen leichter, wiederverwendbar oder besser recycelbar zu gestalten. Bei Früchten und Gemüse werden lose Angebote sowie Verpackungen aus Karton, Papier oder dünneren Kunststoffen eingesetzt.

In vielen Supermärkten bestehen Sammelstellen für PET-Getränkeflaschen, Kunststoffflaschen, Batterien, Leuchtmittel, Kaffeekapseln und teilweise weitere Wertstoffe. Die Rücknahmesysteme werden von Händlern, Produzenten und branchenspezifischen Organisationen gemeinsam finanziert und betrieben.

Mehrwegbehälter spielen vor allem in der Getränkelogistik, bei Transportkisten und im Grosshandel eine Rolle. Im Verkauf an private Haushalte dominieren weiterhin Einwegverpackungen.

Arbeitsmarkt

Der Lebensmitteldetailhandel beschäftigt eine grosse Zahl von Verkaufs-, Logistik-, Verwaltungs- und Produktionsmitarbeitenden. Zu den Tätigkeiten gehören Kassenarbeit, Warenbewirtschaftung, Kundenberatung, Bäckerei, Metzgerei, Filialleitung, Transport, Informatik und Einkauf.

Die Branche ist ein bedeutender Ausbildungsbereich. Die Unternehmen bilden insbesondere Detailhandelsfachleute, Detailhandelsassistentinnen und -assistenten, Logistiker, Kaufleute, Bäcker, Metzger und Informatiker aus.

Die Arbeit ist häufig durch frühe oder späte Schichten, Samstagsarbeit und körperliche Belastung geprägt. In Convenience-Shops und an Verkehrslagen kommt Nacht- und Sonntagsarbeit hinzu. Gesamtarbeitsverträge bestehen unter anderem bei Coop, Lidl und weiteren Unternehmen.

Digitalisierung und Selbstbedienungskassen verändern die Aufgaben im Verkauf. Während klassische Kassentätigkeiten teilweise zurückgehen, gewinnen Beratung, Warenpräsentation, Online-Kommissionierung und die Betreuung digitaler Systeme an Bedeutung.

Digitalisierung

Elektronische Preisschilder, Selbstbedienungskassen und mobile Scanner sind in vielen Schweizer Supermärkten verbreitet. Kundinnen und Kunden können ihre Einkäufe teilweise während des Rundgangs selbst erfassen und anschliessend an einer speziellen Kasse oder direkt über eine App bezahlen.

Digitale Systeme unterstützen Bestellungen, Lagerverwaltung, Personalplanung und Preisänderungen. Mit elektronischen Regaletiketten lassen sich Preise gleichzeitig in zahlreichen Filialen anpassen.

Künstliche Intelligenz und statistische Prognosemodelle werden eingesetzt, um Nachfrage, Warenverfügbarkeit und Abschriften zu optimieren. Kameras und Sensoren können Warteschlangen, Regallücken oder den Reifezustand bestimmter Produkte erkennen.

Die Digitalisierung erhöht zugleich die Anforderungen an Datenschutz, Cybersicherheit und Ausfallsicherheit. Störungen zentraler Warenwirtschafts- oder Zahlungssysteme können zahlreiche Filialen gleichzeitig betreffen.

Herausforderungen und Entwicklung

Der Schweizer Lebensmitteldetailhandel steht vor mehreren strukturellen Herausforderungen. Dazu gehören der hohe Kostendruck, die Konzentration des Marktes, der Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und die Veränderung des Einkaufsverhaltens.

Die Preisüberwachung erwartet für Aldi und Lidl ein weiteres, aber eher langsames Wachstum. Wesentliche Veränderungen der Marktkonzentration seien kurzfristig nicht zu erwarten. Coop und Migros dürften ausserhalb des Discountsegments weiterhin eine dominierende Stellung einnehmen.[1]

In den Städten entstehen vermehrt kleinere Supermärkte in Bahnhofsgebieten, Wohnüberbauungen und gemischt genutzten Quartieren. Diese Standorte sind auf schnelle Einkäufe, längere Öffnungszeiten und verzehrfertige Lebensmittel ausgerichtet. Grosse Märkte am Stadtrand bleiben dagegen für Wocheneinkäufe und umfangreiche Sortimente wichtig.

In ländlichen Gebieten besteht die Herausforderung darin, Dorfläden trotz kleiner Kundenbasis wirtschaftlich zu betreiben. Franchise-Systeme, lokale Genossenschaften, Selbstbedienung und die Verbindung mit Post-, Paket- oder Gastronomiedienstleistungen können zur Sicherung der Nahversorgung beitragen.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte sind:

  • Ausbau günstiger Eigenmarken;
  • stärkere Personalisierung von Angeboten;
  • Wachstum vegetarischer und veganer Sortimente;
  • Reduktion von Lebensmittelverlusten;
  • energieeffizientere Kühlanlagen;
  • weniger und besser recycelbare Verpackungen;
  • Ausbau regionaler Lieferketten;
  • Automatisierung von Lagern und Kassen;
  • Verbindung von stationärem und digitalem Einkauf.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Stefan Meierhans; Matthias Gehrig; Jennifer Pullen: Schweizer Lebensmittel-Detailhandel – Ergebnisse der Marktbeobachtung. Hrsg.: Preisüberwachung. 2026-06-05. Abgerufen am 2026-08-03.
  2. Konsumvereine . In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2008-10-30, abgerufen am 2026-08-03.
  3. 3,0 3,1 Bernard Degen: Coop . In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2004-03-08, abgerufen am 2026-08-03.
  4. Migros . In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2010-01-14, abgerufen am 2026-08-03.
  5. Ingrid Liebeskind Sauthier: Warenhäuser . In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2015-05-01, abgerufen am 2026-08-03.
  6. Konsumverhalten . In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2008-10-30, abgerufen am 2026-08-03.
  7. 7,0 7,1 Geschäftsbereich Detailhandel – Supermärkte und Food-Formate. In: Geschäftsbericht 2025. Hrsg.: Coop-Gruppe. Abgerufen am 2026-08-03.
  8. 8,0 8,1 Fakten und Zahlen. Hrsg.: Denner AG. Abgerufen am 2026-08-03.
  9. 9,0 9,1 Food Retail. In: Geschäftsbericht 2025. Hrsg.: Migros-Genossenschafts-Bund. Abgerufen am 2026-08-03.
  10. 10,0 10,1 Wer wir sind. Hrsg.: Volg Konsumwaren AG. Abgerufen am 2026-08-03.
  11. 11,0 11,1 Über Aldi Suisse. Hrsg.: Aldi Suisse AG. Abgerufen am 2026-08-03.
  12. 12,0 12,1 Standorte. Hrsg.: Lidl Schweiz. Abgerufen am 2026-08-03.
  13. 13,0 13,1 Über uns. Hrsg.: SPAR Handels AG. Abgerufen am 2026-08-03.
  14. 14,0 14,1 Informationen und Hintergründe zum Unternehmen. Hrsg.: Manor AG. Abgerufen am 2026-08-03.
  15. Migros Supermarkt AG. Hrsg.: Migros-Genossenschafts-Bund. Abgerufen am 2026-08-03.
  16. Migros-Filialen bleiben schweizweit alkoholfrei. Hrsg.: Migros-Genossenschafts-Bund. 2022-06-16. Abgerufen am 2026-08-03.
  17. Über Lidl Schweiz. Hrsg.: Lidl Schweiz. Abgerufen am 2026-08-03.
  18. Organisation der Fenaco Genossenschaft. Hrsg.: Fenaco. Abgerufen am 2026-08-03.
  19. Ein neues Kapitel beginnt bei der SPAR Gruppe Schweiz. Hrsg.: SPAR Handels AG. 2025-09-09. Abgerufen am 2026-08-03.
  20. Schweizer Mehrwertsteuersätze. Hrsg.: Eidgenössische Steuerverwaltung. Abgerufen am 2026-08-03.
  21. Swissness bei Lebensmitteln. Hrsg.: Bundesamt für Landwirtschaft. Abgerufen am 2026-08-03.
  22. Bio in Zahlen 2025. Hrsg.: Bio Suisse. Abgerufen am 2026-08-03.
  23. Verarbeitung und Handel von Bio-Produkten. Hrsg.: Bundesamt für Landwirtschaft. Abgerufen am 2026-08-03.
  24. Informationen auf der Lebensmitteletikette. Hrsg.: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Abgerufen am 2026-08-03.
  25. Nacht- und Sonntagsarbeit in der Schweiz. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft. Abgerufen am 2026-08-03.
  26. Wichtige Stationen 2025. In: Geschäftsbericht 2025. Hrsg.: Coop-Gruppe. Abgerufen am 2026-08-03.
  27. Lebensmittelverluste. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt. 2025-09-12. Abgerufen am 2026-08-03.
  28. Zwischenbericht zum Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt. 2026-05. Abgerufen am 2026-08-03.