Bezirk Gersau

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Bezirk Gersau
Wappen des Bezirks Gersau
Lage des Bezirks Gersau im Kanton Schwyz
Kanton Schwyz
Hauptort Gersau
BFS-Nummer 0502
Gemeinden 1
Landfläche 14,35 km²
Gesamtfläche mit Seeanteil rund 23,70 km²
Einwohner 2'439
Einwohnerstand 31. Dezember 2024
Bevölkerungsdichte rund 170 Einwohner je km² Landfläche
Höchster Punkt 1699 m ü. M.
Tiefster Punkt 433 m ü. M.
Koordinaten 46,991° N, 8,525° E
Website gersau.ch

Der Bezirk Gersau ist einer der sechs Bezirke des Kantons Schwyz. Er besteht ausschliesslich aus der politischen Gemeinde Gersau, die am Nordufer des Vierwaldstättersees und am Südhang der Rigi liegt. Bezirks- und Gemeindegebiet sind territorial identisch; die Bezirksorgane erfüllen zugleich die Aufgaben der politischen Gemeinde. Gersau gehört damit neben den Bezirken Einsiedeln und Küssnacht zu den drei sogenannten Eingemeinde-Bezirken des Kantons Schwyz.[1]

Mit 2439 Personen in der ständigen Wohnbevölkerung Ende 2024 ist Gersau der bevölkerungsärmste Bezirk des Kantons Schwyz. Seine vom Bundesamt für Statistik ausgewiesene Landfläche beträgt 14,35 Quadratkilometer. Unter Einbezug des zum historischen und administrativen Gebiet gerechneten Anteils am Vierwaldstättersee umfasst der Bezirk rund 23,7 Quadratkilometer.[2]

Besondere Bekanntheit besitzt Gersau aufgrund seiner Geschichte als selbstständige Republik Gersau. Der Ort kaufte sich 1390 von fremden Herrschaftsrechten frei, erhielt 1433 die Bestätigung seiner Freiheiten durch Kaiser Sigismund und bewahrte seine weitgehende Selbstständigkeit bis 1798 sowie nochmals von 1814 bis 1817. Seit 1818 bildet Gersau einen Bezirk des Kantons Schwyz.[3]

Geographie

Lage

Der Bezirk Gersau liegt in der Zentralschweiz zwischen dem Südhang der Rigi und dem Gersauer Becken des Vierwaldstättersees. Das Dorf Gersau erstreckt sich auf einem Schwemmkegel unmittelbar am See. Dahinter steigt das Gelände steil über Wiesen, Wälder und verstreute Bergsiedlungen zu den Höhen der Rigi an.

Das Bezirksgebiet bildet einen schmalen, nach Süden geöffneten Landschaftsraum. Im Westen grenzt es an die Luzerner Gemeinde Vitznau, im Norden an Arth und Lauerz, im Osten an Ingenbohl. Über den Vierwaldstättersee bestehen Sicht- und Verkehrsverbindungen zu Gemeinden der Kantone Nidwalden und Uri.

Die abgelegene Lage zwischen See und Bergen prägte die Entwicklung Gersaus über Jahrhunderte. Bis ins 19. Jahrhundert war der Ort hauptsächlich über den See oder über den Gätterlipass von Lauerz aus erreichbar.[3]

Gelände und Höhenlage

Der tiefste Punkt des Bezirks liegt auf ungefähr 433 Metern über Meer am Ufer des Vierwaldstättersees. Das Gelände steigt gegen Norden rasch an. Den höchsten Punkt bildet die 1699 Meter hohe Rigi Hochflue. Weitere markante Erhebungen und Landschaftspunkte sind die Rigi Scheidegg, der Vitznauerstock beziehungsweise Gersauerstock und die Höhen um Burggeist und Obergschwend.[2]

Die Landfläche beträgt 14,35 Quadratkilometer. Ein grosser Teil davon ist bewaldet oder wird land- und alpwirtschaftlich genutzt. Die Siedlungsflächen konzentrieren sich auf den flacheren Uferbereich sowie auf Terrassen und Schwemmkegel oberhalb des Dorfzentrums.

Neben dem eigentlichen Dorf gehören zahlreiche Einzelhöfe, Weiler, Alpen und Bergsiedlungen zum Bezirk. Dazu zählen unter anderem Obergschwend, Rigi Burggeist und Teile des Gebiets um Rigi Scheidegg.

Gewässer

Der wichtigste Landschafts- und Verkehrsraum ist der Vierwaldstättersee. Der Abschnitt vor Gersau wird auch als Gersauer Becken oder Gersauer See bezeichnet. Er liegt zwischen der Enge von Treib im Osten und dem Übergang zum Kreuztrichter im Westen.

Mehrere steile Bäche entwässern die Hänge der Rigi in den See. Nach starken Niederschlägen können sie rasch anschwellen und Geschiebe mitführen. Zum Schutz des Siedlungsgebiets wurden die Dorfbäche verbaut und abschnittsweise in befestigte Gerinne gelegt.

Die Wuhrkorporation Gersauer Dorfbäche ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Ihre Aufgabe besteht darin, das Dorf vor Überschwemmungen und die höher gelegenen Grundstücke, Wälder und Alpen vor Rutschungen und Erosion zu schützen.[4]

Klima und Vegetation

Gersau liegt in einer gegen Norden geschützten und nach Süden zum See geöffneten Bucht. Der Vierwaldstättersee gleicht die Temperaturen zusätzlich aus. Dadurch besitzt der Bezirk ein vergleichsweise mildes Klima.

In tiefen Lagen gedeihen neben einheimischen Laubbäumen auch Edelkastanien, Feigen und verschiedene wärmeliebende Zierpflanzen. Aufgrund des milden Klimas und der geschützten Lage wird Gersau touristisch gelegentlich als «Riviera der Zentralschweiz» bezeichnet.[5]

Mit zunehmender Höhe gehen die Laub- und Mischwälder in Nadelwälder, Bergwiesen und Alpweiden über. Die unterschiedlichen Höhenstufen bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Administrative Stellung

Der Bezirk Gersau umfasst nur eine politische Gemeinde:

Gemeinde BFS-Nummer Einwohner Einwohnerstand
Gersau 1311 2'439 31. Dezember 2024

Die offizielle Einwohnerzahl bezeichnet die ständige Wohnbevölkerung. Ende 2024 bestand sie aus 1730 Schweizer Staatsangehörigen und 709 ausländischen Staatsangehörigen. Hinzu kamen 22 Wochenaufenthalterinnen und Wochenaufenthalter sowie zwölf Personen der nichtständigen ausländischen Wohnbevölkerung und mit Schutzstatus S.[6]

Obwohl Gersau im amtlichen Gemeindeverzeichnis als politische Gemeinde geführt wird, bestehen keine getrennten Bezirks- und Gemeindeorgane. Der Bezirksrat übernimmt gleichzeitig die Aufgaben eines Gemeinderats, und die Bezirksgemeindeversammlung erfüllt die Funktion der kommunalen Legislative.[1]

Die BFS-Nummer des Bezirks lautet 0502, jene der Gemeinde Gersau 1311.

Geschichte

Frühe Geschichte

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass das Gebiet bereits in vorgeschichtlicher und frühmittelalterlicher Zeit begangen wurde. Bei der Kindlimordkapelle wurde eine Dolchklinge aus der mittleren Bronzezeit gefunden. Aus dem Vierwaldstättersee stammt zudem ein einschneidiges Hiebschwert aus dem 7. Jahrhundert.[3]

Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte im 11. Jahrhundert. Im Stifterbuch des Klosters Muri erscheint der Name in der Form «Gersouwe». Das Kloster hatte den Hof Gersau von den Grafen von Lenzburg erhalten und war der früheste bekannte kirchliche Grundherr.

Die Bauern und Fischer Gersaus mussten dem Kloster Abgaben in Form von Fischen, Käse, Vieh, Wolle, Fellen, Nüssen und anderen Erzeugnissen entrichten. Nach dem Aussterben der Lenzburger gelangten weltliche Herrschaftsrechte über die Kyburger schliesslich an die Habsburger.[7]

Bündnis mit den Waldstätten

Im Jahr 1359 schloss Gersau ein Bündnis mit Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern. Der Ort erhielt damit eine den zugewandten Orten der Alten Eidgenossenschaft vergleichbare Stellung.

Die Waldstätte übernahmen den Schutz Gersaus. Im Gegenzug verpflichtete sich Gersau, bei kriegerischen Auseinandersetzungen ein eigenes Kontingent zu stellen. Gersauer Kämpfer nahmen 1386 an der Schlacht bei Sempach teil.[3]

Loskauf und freie Republik

Die habsburgischen Rechte über Gersau waren an Angehörige der Luzerner Familie von Moos verpfändet. Am 3. Juni 1390 kauften sich die Gersauer für 690 Pfund von dieser Pfandschaft und den damit verbundenen Vogtei-, Steuer- und Gerichtsrechten frei.

Der Loskauf bildete die Grundlage der späteren Republik Gersau. Die Bewohner übten ihre Herrschaftsrechte fortan selbst aus und regelten die inneren Angelegenheiten durch eine Landsgemeinde, einen Landammann, einen Rat und ein eigenes Gericht.

Am 31. Oktober 1433 bestätigte Kaiser Sigismund während des Konzils von Basel die Rechte und Freiheiten Gersaus. Der Ort wurde als reichsunmittelbarer Freistaat anerkannt. Das Hof- und Eherecht von 1436 regelte die politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse.[3]

Die höchste Gewalt lag bei der Landsgemeinde. Sie wählte den Landammann und die Mitglieder des Rats, beschloss über öffentliche Angelegenheiten und übte die Gesetzgebung aus. Der Landammann leitete zugleich das Gericht. Gersau besass auch die hohe Gerichtsbarkeit.

Die Republik stand unter dem Schutz der vier Waldstätte, war jedoch kein vollberechtigter eidgenössischer Ort. Sie wird deshalb als zugewandter Ort beziehungsweise als eigenständiger Kleinstaat innerhalb des politischen Systems der Alten Eidgenossenschaft eingeordnet.

Helvetische Republik und Mediation

Mit dem französischen Einmarsch und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft verlor Gersau 1798 seine staatliche Selbstständigkeit. Es wurde eine Munizipalität des helvetischen Kantons Waldstätten.

Durch die Mediationsakte von 1803 kam Gersau zum wiederhergestellten Kanton Schwyz. Von 1804 bis 1814 bildete es einen Bezirk des Kantons.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft stellte Gersau 1814 seine Republik wieder her. Der Kanton Schwyz anerkannte diese Wiederherstellung zunächst. Die staatsrechtliche Zukunft blieb jedoch umstritten.

Eingliederung in den Kanton Schwyz

Die eidgenössische Tagsatzung beschloss 1817, Gersau dauerhaft dem Kanton Schwyz einzugliedern. Sie berief sich dabei unter anderem auf die am Wiener Kongress geschaffene europäische Ordnung und den Bundesvertrag von 1815.

Der Beschluss stiess in Gersau auf Widerstand, konnte jedoch nicht verhindert werden. Am 1. Januar 1818 endete die staatliche Selbstständigkeit endgültig. Seither ist Gersau zugleich Bezirk und politische Gemeinde des Kantons Schwyz.[3]

Die Erinnerung an die Republik blieb ein wichtiger Bestandteil der lokalen Identität. Gersau bezeichnet sich bis heute häufig als «altfrye Republik».

Trennung von Bezirks- und Genossamevermögen

Während der Republik bestanden keine klar getrennten Vermögen einer politischen Gemeinde und einer Bürgerkorporation. Wälder, Alpen, Weiden und weitere gemeinschaftlich genutzte Güter wurden gemeinsam verwaltet.

Im Jahr 1838 wurden das Vermögen des Bezirks und jenes der Genossame rechtlich voneinander getrennt. Die Genossame Gersau verwaltet seither die traditionellen Allmendgüter. Nutzungsberechtigt sind Angehörige bestimmter alteingesessener Gersauer Geschlechter, sofern sie die statutarischen Voraussetzungen erfüllen.[8]

Bevölkerung

Die Bevölkerungsentwicklung wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert stark von der Seidenindustrie beeinflusst. Wirtschaftliche Krisen führten zeitweise zu Abwanderung und Auswanderung.

Jahr Einwohner
1774 rund 1'000
1850 1'585
1870 2'270
1880 1'775
1900 1'887
1910 2'263
1950 1'890
2000 1'934
2024 2'439

Der starke Rückgang zwischen 1870 und 1880 war eine Folge der Krise der Gersauer Seidenindustrie. Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner verliessen den Ort; ungefähr 90 Personen wanderten zwischen 1875 und 1892 mit finanzieller Unterstützung des Bezirks in die Vereinigten Staaten aus.[3]

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wächst die Bevölkerung wieder. Gründe dafür sind die attraktive Wohnlage am Vierwaldstättersee, die verbesserte Verkehrsanbindung und die Nähe zu den Arbeitszentren von Brunnen, Schwyz, Küssnacht und Luzern.

Die Alltagssprache ist überwiegend Schweizerdeutsch. Amtssprache ist Deutsch. Die römisch-katholische Tradition prägte die Geschichte und Kultur des Bezirks stark, während die Bevölkerung heute konfessionell vielfältiger zusammengesetzt ist.

Politik und Verwaltung

Bezirksgemeindeversammlung

Die Bezirksgemeindeversammlung ist das oberste gesetzgebende Organ des Bezirks und der politischen Gemeinde. Sie besteht aus den stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohnern.

An der Versammlung werden unter anderem Voranschlag, Rechnung, Sachgeschäfte, Verpflichtungskredite und Reglemente beraten. Je nach Rechtsgrundlage erfolgt der endgültige Entscheid an der Versammlung oder in einer anschliessenden Urnenabstimmung.[9]

Diese direktdemokratische Organisationsform knüpft in veränderter Form an die historische Landsgemeinde der Republik Gersau an.

Bezirksrat

Der Bezirksrat ist die Exekutive. Er leitet die Verwaltung, vollzieht die Beschlüsse der Bezirksgemeinde und vertritt Gersau nach aussen. An seiner Spitze steht der Bezirksammann. Weitere traditionelle Amtsbezeichnungen sind Bezirksstatthalter und Bezirkssäckelmeister.

Da Gersau ein Eingemeinde-Bezirk ist, übernimmt der Bezirksrat zugleich die Aufgaben, die in anderen Teilen des Kantons einem Gemeinderat zukommen. Die Verwaltung wird daher als Bezirksverwaltung bezeichnet.

Justiz

Gersau besitzt ein eigenes Bezirksgericht. Es behandelt die ihm nach kantonalem Recht zugewiesenen Zivil- und Strafsachen. Daneben bestehen eine Schlichtungsbehörde im Mietwesen und ein Vermittler beziehungsweise Friedensrichter.

Die eigenständige Gerichtsorganisation erinnert an die historische hohe und niedere Gerichtsbarkeit der Republik, beruht heute jedoch vollständig auf dem Recht des Kantons Schwyz und des Bundes.

Vertretung im Kantonsrat

Der Bezirk Gersau bildet einen eigenen Wahlkreis für den Kantonsrat des Kantons Schwyz. Aufgrund seiner kleinen Bevölkerungszahl verfügt er über eine entsprechend begrenzte Zahl von Sitzen, besitzt jedoch wie die anderen Bezirke eine eigenständige politische Vertretung.

Wirtschaft

Landwirtschaft und Gewerbe

Bis in die frühe Neuzeit lebte die Bevölkerung hauptsächlich von Landwirtschaft, Alpwirtschaft, Fischerei und Waldnutzung. Auf den steilen Hängen wurden Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben. Die gemeinschaftlich genutzten Wälder und Alpen bildeten eine wichtige wirtschaftliche Grundlage.

Daneben bestanden früh handwerkliche und kleingewerbliche Betriebe. Überliefert sind Kalkbrennereien, Ziegeleien und Nagelschmieden. Gersauer Nägel und Eisenspitzen wurden aus Rohmaterial hergestellt, das unter anderem aus dem Raum Sargans stammte.

Seidenindustrie

Im Jahr 1730 erhielt Sebastian Melchior Rigert die Erlaubnis, Seidenabfälle zu verarbeiten. Daraus entwickelte sich eine für Gersau aussergewöhnlich bedeutende Textilindustrie.

Zunächst wurde die Arbeit dezentral in Heimarbeit ausgeführt. Gersauer Unternehmer liessen die Seidenabfälle in umliegenden Regionen einweichen, kämmen und verspinnen. Im 19. Jahrhundert entstanden mechanisierte Spinnereien: 1846 in der Eggi, 1856 in der Bläui und 1861 am See.

Gersau wurde zu einem führenden Zentrum der Schappespinnerei in der Zentralschweiz. Die Industrie beschäftigte einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung und beeinflusste das Wachstum des Dorfs.

Zwischen 1875 und 1892 geriet die Branche in eine schwere Krise. Nach der Übernahme der drei Fabriken durch Camenzind & Co. erholte sie sich zeitweise. Strukturveränderungen und die internationale Konkurrenz führten im 20. Jahrhundert jedoch zu einem starken Rückgang ihrer Bedeutung.[3]

Tourismus und Dienstleistungen

Der Tourismus entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Begünstigt wurde er durch die Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee, den Strassenbau und die Erschliessung der Rigi.

Gersau wurde wegen seines milden Klimas als Kur- und Ferienort bekannt. Um 1875 bestanden mehr als dreissig Hotels, Restaurants und Pensionen. Zu den bekannten historischen Betrieben gehörten die Hotel-Pension Scheidegg und das Hotel Müller.

Heute bilden Tourismus, Gastronomie, Handel, Baugewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen sowie weitere Dienstleistungen wichtige Teile der lokalen Wirtschaft. Zahlreiche Erwerbstätige pendeln in andere Gemeinden der Zentralschweiz.

Verkehr

Die wichtigste Strassenverbindung verläuft entlang des Vierwaldstättersees von Brunnen über Gersau nach Vitznau und weiter in Richtung Weggis und Küssnacht. Die Strasse nach Brunnen wurde zwischen 1861 und 1867, jene nach Vitznau zwischen 1884 und 1886 gebaut.[3]

Buslinien verbinden Gersau mit Brunnen, Vitznau, Weggis und weiteren Orten der Region. Am Bahnhof Brunnen bestehen Anschlüsse an das nationale Eisenbahnnetz.

Die Schiffstation Gersau wird von Kursschiffen der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees bedient. Eine Autofähre verbindet Gersau über den See mit Beckenried im Kanton Nidwalden.

Vom Tal führen Strassen und Seilbahnen zu höher gelegenen Siedlungen und Ausflugsgebieten. Die Luftseilbahn Obergschwend–Rigi Burggeist erschliesst das Wandergebiet am Südhang der Rigi.

Bildung

Der Bezirk führt Kindergärten sowie Schulen der Primar- und Sekundarstufe. Die Bezirksschule Gersau übernimmt einen wesentlichen Teil des örtlichen Bildungsangebots.

Für weiterführende Schulen und Berufsbildungsangebote besuchen Jugendliche Einrichtungen in anderen Gemeinden des Kantons, insbesondere in Brunnen, Schwyz, Goldau und Pfäffikon.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Altes Rathaus

Das Alte Rathaus wurde 1745 errichtet und war das politische Zentrum der Republik Gersau. In ihm tagten der Rat und das Gericht. Das Gebäude beherbergt heute das Ortsmuseum.

Die Ausstellung behandelt die Geschichte der Republik, die Seidenindustrie, die Entwicklung des Tourismus und das Alltagsleben der Bevölkerung. Teile der historischen Rats- und Gerichtsräume sind erhalten.[10]

Pfarrkirche St. Marzellus

Die katholische Pfarrkirche St. Marzellus wurde von 1806 bis 1812 erbaut. Der Bau entstand auf Initiative des aus Gersau stammenden Einsiedler Abts Beat Küttel.

An der Ausstattung wirkten bekannte Künstler und Handwerker mit. Johann Josef Moosbrugger schuf Altäre und Stuckaturen, Josef Anton Mesmer die Deckengemälde und Martin Braun die Orgel. Die feierliche Weihe erfolgte 1821.[3]

Kapellen

Zu den weiteren historischen Sakralbauten gehören die Kindlimordkapelle, die Kapelle St. Josef am Käppeliberg, das Büölchäppeli sowie die Kapelle auf Rigi Scheidegg.

Mit der Kindlimordkapelle ist eine lokale Sage verbunden. Der heutige Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert und war zeitweise ein Wallfahrtsort.

Brauchtum

Gersau besitzt ein ausgeprägtes lokales Brauchtum. Dazu gehören die Fasnacht mit der Figur des «Gerfaz», das Mittfastenfeuer, die Älplerchilbi und der traditionelle Nikolausumzug.

Die Erinnerung an die ehemalige Republik zeigt sich in Festen, historischen Darstellungen, Vereinsnamen und der Verwendung der Bezeichnung «altfrye Republik Gersau».

Natur und Freizeit

Das Bezirksgebiet ist durch ein dichtes Netz von Wanderwegen erschlossen. Wege führen unter anderem zur Rigi Scheidegg, zur Rigi Hochflue, nach Burggeist und über das Gätterli nach Lauerz.

Der Uferbereich des Vierwaldstättersees bietet Badeplätze, Schiffverbindungen und Möglichkeiten für Wassersport. Die höher gelegenen Wälder und Alpen dienen der Erholung und besitzen zugleich eine wichtige Schutzfunktion gegen Steinschlag, Hochwasser und Rutschungen.

Von den Höhenlagen bestehen weite Ausblicke auf den Vierwaldstättersee, die Urner und Nidwaldner Alpen sowie das Schwyzer Becken.

Wappen

Das Wappen von Gersau zeigt einen senkrecht geteilten Schild in Blau und Rot. Es ist in ähnlicher Form seit dem späten 16. beziehungsweise frühen 17. Jahrhundert belegt.

Die einfache Zweifarbigkeit entspricht der Tradition älterer Länder- und Gemeindewappen. Das Gersauer Wappen ähnelt dem später entstandenen Wappen des Kantons Tessin, unterscheidet sich jedoch teilweise in der Anordnung der Farben und in der jeweiligen heraldischen Tradition.

Literatur

  • Albert Müller: Gersau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Albert Müller: Gersau – 3. Juni 1390. In: Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz. Band 82, 1990, S. 81–87.
  • Albert Müller: Gersau zur Zeit der Helvetik 1798–1803. Gersau 1998.
  • Gersauer Bibliographie. In: Schwyzer Hefte. Band 40, 1987.
  • Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz. Band II: Die Bezirke Gersau, Küssnacht und Schwyz. Birkhäuser, Basel 1930.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Kanton Schwyz: Gesetz über die Organisation der Gemeinden und Bezirke, insbesondere § 3, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Bundesamt für Statistik: Geographische Kennzahlen der Schweizer Gemeinden, Gemeindestand vom 6. April 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 Albert Müller: Gersau. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 8. Dezember 2006, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Bezirk Gersau: Die Wuhrkorporation Gersauer Dorfbäche, abgerufen am 3. August 2026.
  5. RigiPlus AG: Gersau, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Amt für Wirtschaft des Kantons Schwyz: Wohnbevölkerung im Kanton Schwyz per 31. Dezember 2024, publiziert am 20. Februar 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Bezirk Gersau: Gersau – ein historisches Unikum in der Schweiz und Europa, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Bezirk Gersau: Die Genossame Gersau, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Bezirk Gersau: Bezirksgemeindeversammlung, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Bezirk Gersau: Ortsmuseum Gersau, abgerufen am 3. August 2026.

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