Swissmint

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Swissmint
Vollständiger Name Eidgenössische Münzstätte Swissmint
Staat Schweiz
Art Eidgenössische Münzstätte
Zuständigkeit Prägung der Schweizer Umlauf- und Sondermünzen
Übergeordnete Behörde Eidgenössische Finanzverwaltung
Departement Eidgenössisches Finanzdepartement
Sitz Bern
Adresse Bernastrasse 28
3003 Bern
Gründung 1855
Standort im Kirchenfeld seit 1906
Münzzeichen B
Website www.swissmint.ch

Swissmint, offiziell Eidgenössische Münzstätte Swissmint, ist die staatliche Münzprägestätte der Schweiz. Sie befindet sich im Kirchenfeldquartier in Bern und ist eine selbstständige Einheit der Eidgenössischen Finanzverwaltung, die dem Eidgenössischen Finanzdepartement untersteht. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Herstellung der Schweizer Umlaufmünzen für den täglichen Zahlungsverkehr.[1]

Neben den regulären Münzen prägt Swissmint Sonder- und Gedenkmünzen, Münzsätze sowie weitere numismatische Erzeugnisse. Die von ihr hergestellten Münzen tragen als Zeichen des Prägeorts Bern den Buchstaben «B». Banknoten werden hingegen nicht von Swissmint, sondern von der Schweizerischen Nationalbank ausgegeben.

Aufgaben

Die zentrale Aufgabe von Swissmint besteht darin, die Schweiz mit Umlaufmünzen zu versorgen. Dazu gehören die Münzen zu 5, 10 und 20 Rappen sowie zu ½, 1, 2 und 5 Franken. Die jährlich benötigte Prägemenge wird vom Eidgenössischen Finanzdepartement im Einvernehmen mit der Schweizerischen Nationalbank festgelegt. Sie richtet sich insbesondere nach dem Bedarf des Zahlungsverkehrs und nach den vorhandenen Münzbeständen.[2]

Nach der Herstellung übergibt Swissmint die Umlaufmünzen der Schweizerischen Nationalbank. Diese dient dem Bund als Zentralstelle für den Münzaustausch, bringt neue Münzen in den Verkehr und zieht beschädigte, abgenutzte oder nicht mehr benötigte Stücke ein. Swissmint selbst ist somit für die technische Produktion verantwortlich, während die Nationalbank die Versorgung des Zahlungsverkehrs organisiert.[2]

Zum Tätigkeitsgebiet gehören ausserdem die Entwicklung und Ausgabe von Sondermünzen. Diese erinnern an bedeutende Persönlichkeiten, historische Ereignisse, kulturelle Leistungen, Landschaften, Tiere oder technische Entwicklungen der Schweiz. Sondermünzen besitzen einen staatlich garantierten Nennwert, werden jedoch vor allem für Sammler hergestellt. Sie erscheinen unter anderem in Silber, Gold und Bimetall sowie in unterschiedlichen Prägequalitäten.

Swissmint veröffentlicht zudem Prägelisten, Prägeprogramme und numismatische Dokumentationen. Die Prägeliste enthält Angaben zu den seit 1850 hergestellten Schweizer Umlauf- und Gedenkmünzen und dient als Informationsquelle für Sammler, Händler und Forschende.[3]

Geschichte

Entstehung des eidgenössischen Münzwesens

Vor der Gründung des modernen Schweizer Bundesstaates im Jahr 1848 besassen zahlreiche Kantone und weitere Herrschaftsgebiete eigene Münzrechte. Dadurch waren in der Schweiz viele unterschiedliche Münzsorten im Umlauf. Die Bundesverfassung von 1848 übertrug das Münzrecht dem Bund und schuf damit die Grundlage für ein einheitliches schweizerisches Währungssystem.

Mit dem Bundesgesetz über das eidgenössische Münzwesen von 1850 wurde der Schweizer Franken als landesweite Währung eingeführt. Die ersten Bundesmünzen mussten teilweise im Ausland hergestellt werden, weil der Bund zunächst noch über keine geeignete eigene Produktionsstätte verfügte.

Im Jahr 1855 übernahm der Bund die ehemalige Berner Münzstätte am Gerberngraben. Dort begann die dauerhafte eidgenössische Münzproduktion in Bern. Seit diesem Zeitpunkt werden die Münzen des Schweizer Frankens in der Bundesstadt hergestellt.[4]

Neubau im Kirchenfeld

Die Anlage am Gerberngraben genügte den technischen und räumlichen Anforderungen der wachsenden Münzproduktion mit der Zeit nicht mehr. Deshalb wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Kirchenfeldquartier eine neue Eidgenössische Münzstätte errichtet.

Das Gebäude an der Bernastrasse entstand von 1903 bis 1906 nach Plänen des Architekten Theodor Gohl. Es wurde als repräsentativer Bundesbau im Stil der Neorenaissance gestaltet. Seit 1906 befindet sich die Münzproduktion an diesem Standort.[5]

Der Bau wurde so geplant, dass die verschiedenen Produktionsschritte innerhalb eines zusammenhängenden Industriegebäudes ausgeführt werden konnten. Im Laufe der Zeit wurde die Anlage mehrfach technisch modernisiert und an neue Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Arbeitsabläufen und Produktionsverfahren angepasst.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts stellte die Eidgenössische Münzstätte einen grösseren Teil der für die Münzprägung erforderlichen Vorprodukte selbst her. Dazu gehörten zeitweise auch die Rondellen, also die noch ungeprägten Metallplättchen. Später wurden solche Vorprodukte zunehmend von spezialisierten Zulieferern bezogen.

Seit 1936 gibt die Eidgenössische Münzstätte regelmässig Sondermünzen heraus. Diese Ausgaben entwickelten sich zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Tätigkeit und dokumentieren gesellschaftliche, politische und kulturelle Themen der Schweiz.[6]

Die technischen Produktionsmethoden wandelten sich im Verlauf des Jahrhunderts erheblich. Mechanische Verfahren wurden zunehmend durch automatisierte Anlagen ergänzt. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Genauigkeit der Prägung, die gleichbleibende Qualität der Münzen und den Schutz vor Fälschungen.

Name Swissmint

Die Einrichtung trug lange die Bezeichnung «Eidgenössische Münzstätte». Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts verwendet sie den international verständlichen Namen «Swissmint». Die amtliche deutsche Bezeichnung «Eidgenössische Münzstätte Swissmint» verbindet den traditionellen Namen mit dem modernen Markenauftritt.

Herstellung von Münzen

Die Münzherstellung beginnt mit der gestalterischen und technischen Vorbereitung. Bei neuen Münzmotiven werden Entwürfe entwickelt und geprüft. Auf Grundlage des ausgewählten Entwurfs entsteht ein Prägemodell, aus dem die für die industrielle Herstellung benötigten Werkzeuge gefertigt werden.

Als Ausgangsmaterial dienen Rondellen aus einer für die jeweilige Münze vorgesehenen Metalllegierung. Vor der Prägung werden die Rondellen kontrolliert und je nach Verfahren gereinigt oder vorbehandelt. In der Prägemaschine werden sie zwischen zwei Stempeln unter hohem Druck geprägt. Dabei übertragen sich das Bild der Vorder- und Rückseite sowie weitere Merkmale auf das Metall.

Bei bestimmten Münzen wird zusätzlich der Rand bearbeitet. Er kann glatt, geriffelt oder mit einer Randschrift versehen sein. Anschliessend werden die fertigen Münzen auf Gewicht, Abmessungen, Prägequalität und mögliche Materialfehler kontrolliert. Umlaufmünzen werden gezählt, verpackt und für die Übergabe an die Schweizerische Nationalbank vorbereitet.

Sammlermünzen können mit besonderer Sorgfalt und in höheren Prägequalitäten hergestellt werden. Zu den gebräuchlichen Ausführungen gehören «Stempelglanz» und «Polierte Platte». Bei der Qualität «Polierte Platte» werden speziell behandelte Rondellen und polierte Prägestempel verwendet, wodurch ein starker Kontrast zwischen den spiegelnden Flächen und dem matten Münzmotiv entsteht.

Umlaufmünzen

Swissmint prägt die offiziellen Münzen des Schweizer Frankens. Das gegenwärtige Münzsystem umfasst sieben Nennwerte:

Nennwert Übliche Bezeichnung Hauptmerkmal
5 Rappen Fünfräppler kleinste reguläre Schweizer Umlaufmünze
10 Rappen Zehnräppler gehört zu den ältesten weitgehend unverändert geprägten Münztypen
20 Rappen Zwanzigräppler trägt wie die kleineren Rappenmünzen einen Helvetiakopf
½ Franken Fünfzigräppler zeigt die stehende Helvetia
1 Franken Einfränkler trägt die stehende Helvetia und den Schweizer Wappenschild
2 Franken Zweifränkler entspricht gestalterisch weitgehend der Einfrankenmünze
5 Franken Fünfliber grösste reguläre Umlaufmünze der Schweiz

Die Schweizer Umlaufmünzen zeichnen sich durch eine aussergewöhnliche gestalterische Kontinuität aus. Mehrere Münzbilder sind seit dem 19. Jahrhundert nur geringfügig verändert worden. Dadurch gehören verschiedene Schweizer Münztypen zu den ältesten noch regelmässig verwendeten Münzgestaltungen der Welt.

Die Jahreszahl auf einer Münze bezeichnet das Prägejahr. Das kleine «B» kennzeichnet Bern als Herstellungsort. Nicht jeder Nennwert wird in jedem Jahr in gleicher Menge geprägt. Die Produktion hängt vom Bedarf ab, weshalb einzelne Jahrgänge deutlich geringere Auflagen aufweisen können als andere.

Sondermünzen

Swissmint gibt Sondermünzen mit einem amtlichen Nennwert heraus. Sie gelten grundsätzlich als gesetzliche Zahlungsmittel, sind jedoch in erster Linie für den Sammlermarkt bestimmt. Ihr Verkaufspreis kann aufgrund des verwendeten Edelmetalls, der Prägequalität, der Auflage und der Verpackung über dem Nennwert liegen.

Die Themen der Sondermünzen beziehen sich häufig auf die Geschichte, Natur und Kultur der Schweiz. Gewürdigt werden beispielsweise Jubiläen staatlicher Institutionen, Schweizer Persönlichkeiten, Bauwerke, Verkehrs- und Technikgeschichte, Sportereignisse, Landschaften sowie Tier- und Pflanzenarten.

Die erste regelmässige Tradition eidgenössischer Gedenkmünzen setzte in den 1930er-Jahren ein. Seither haben sich die Materialien und Nennwerte mehrfach verändert. In neuerer Zeit werden vor allem Silbermünzen, Goldmünzen und Bimetallmünzen ausgegeben.

Die Gestaltung erfolgt durch Künstlerinnen, Künstler, Grafiker oder Medailleure. Manche Motive werden im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt. Neben der künstlerischen Wirkung müssen die Entwürfe technische Anforderungen erfüllen, damit sie sich in ein widerstandsfähiges und klar erkennbares Relief übertragen lassen.

Münzsätze

Neben einzelnen Sondermünzen bietet Swissmint vollständige Jahressätze der Schweizer Umlaufmünzen an. Diese enthalten sämtliche Münznennwerte eines bestimmten Prägejahres und werden in einer schützenden Verpackung ausgegeben.

Münzsätze erscheinen in verschiedenen Prägequalitäten und teilweise in thematischen Ausführungen. Dazu gehören reguläre Jahressätze sowie Geschenk- und Sonderausgaben. Sie richten sich hauptsächlich an Sammler und werden nicht für den normalen Zahlungsverkehr hergestellt.

Verhältnis zur Schweizerischen Nationalbank

Swissmint und die Schweizerische Nationalbank erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb des schweizerischen Geldwesens. Swissmint prägt im Auftrag des Bundes die Münzen. Die Nationalbank ist dagegen für die Ausgabe der Banknoten verantwortlich und übernimmt bei den Münzen die Funktion der zentralen Verteilstelle.

Die Nationalbank ermittelt gemeinsam mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement den Bedarf an neuen Münzen. Nach der Produktion liefert Swissmint die Münzen an die Nationalbank, die sie über das Bankensystem in Umlauf bringt. Gleichzeitig nimmt sie überschüssige und nicht mehr verkehrsfähige Münzen zurück.[1]

Der aus der Ausgabe von Münzen entstehende finanzielle Ertrag fällt grundsätzlich dem Bund zu. Grundlage dafür ist das Münzregal, also das ausschliessliche Recht des Bundes, Münzen auszugeben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind insbesondere in der Bundesverfassung sowie in der eidgenössischen Münz- und Währungsgesetzgebung geregelt.[7]

Organisation

Swissmint ist eine vergleichsweise kleine Organisationseinheit der Bundesverwaltung. Das Team umfasst rund 18 bis 20 Mitarbeitende.[8] Zu den Tätigkeitsbereichen gehören die Produktionsplanung, Werkzeugherstellung, Prägung, Qualitätskontrolle, Logistik, Produktentwicklung, Vermarktung von Sammlerprodukten und Verwaltung.

Die Münzstätte ist organisatorisch der Eidgenössischen Finanzverwaltung zugeordnet. Diese wiederum gehört zum Eidgenössischen Finanzdepartement. Die Leitung von Swissmint ist für den Betrieb, die Produktionssicherheit, die wirtschaftliche Herstellung und die Umsetzung des vom Bund festgelegten Prägeprogramms verantwortlich.

Gebäude

Das Swissmint-Gebäude an der Bernastrasse 28 gehört zu den markanten historischen Bundesbauten im Berner Kirchenfeldquartier. Der zwischen 1903 und 1906 errichtete Bau ist funktional als Industriegebäude angelegt, besitzt jedoch eine repräsentative, symmetrisch gestaltete Fassade.

Der Haupteingang ist zur Bernastrasse ausgerichtet. Architektonische Elemente wie Pilaster, Halbsäulen, Rundbogenformen und eine Wappenkartusche mit Schweizerkreuz unterstreichen den staatlichen Charakter des Gebäudes. Die Gestaltung verbindet industrielle Zweckmässigkeit mit der repräsentativen Architektur der Bundesbauten des frühen 20. Jahrhunderts.[5]

Wegen der Sicherheitsanforderungen und der laufenden Produktion ist das Gebäude nicht allgemein frei zugänglich. Einblicke in die Arbeit der Münzstätte werden unter anderem durch Publikationen, Filme, Medienbeiträge und gelegentliche Veranstaltungen vermittelt.

Bedeutung

Swissmint nimmt eine zentrale Stellung im schweizerischen Bargeldsystem ein. Obwohl elektronische Zahlungsmittel an Bedeutung gewonnen haben, bleiben Münzen für zahlreiche alltägliche Zahlungen, Automaten, den Detailhandel und die Rückgeldversorgung erforderlich.

Darüber hinaus bewahrt Swissmint ein bedeutendes handwerkliches und technisches Kulturerbe. Die Münzen dokumentieren staatliche Symbole, politische Veränderungen, künstlerische Strömungen und gesellschaftliche Themen. Aufgrund ihrer langen Lebensdauer können sie noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach ihrer Herstellung als historische Quellen dienen.

Die Sondermünzen tragen dazu bei, Ereignisse, Persönlichkeiten und kulturelle Besonderheiten der Schweiz einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Für die Numismatik stellt die umfangreiche Schweizer Münzprägung seit der Einführung des Frankens im Jahr 1850 ein wichtiges Forschungs- und Sammelgebiet dar.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Eidgenössische Finanzverwaltung: Öffentliche Zahlungsmittel, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Swissmint: Prägeprogramm, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. Swissmint: Prägeliste, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. Eidgenössische Sondermünzen: Unternehmen, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Eidgenössische Sondermünzen: Architektonische Highlights der Swissmint, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Swissmint: Schweizer Sprachenvielfalt auf einer Goldmünze, abgerufen am 26. Juli 2026.
  7. Swissmint: Münzregal und Münzordnung, abgerufen am 26. Juli 2026.
  8. Swissmint: Unternehmen, abgerufen am 26. Juli 2026.

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