Thun
| Thun | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Kanton Bern |
| Verwaltungsregion | Oberland |
| Verwaltungskreis | Verwaltungskreis Thun |
| Gemeindenummer | 0942 |
| Gemeindetyp | Einwohnergemeinde und Stadt |
| Fläche | 21,57 km² |
| Höhe | rund 560 m ü. M. |
| Einwohner | 44'663 (31. Dezember 2025) |
| Postleitzahlen | 3600, 3602–3604, 3608 und 3624 |
| Sprache | Deutsch |
| Stadtpräsidentin | Eveline Salzmann |
| Exekutive | Fünfköpfiger Gemeinderat |
| Legislative | 40-köpfiger Stadtrat |
| Gewässer | Thunersee und Aare |
| Website | www.thun.ch |
Thun ist eine Stadt und politische Gemeinde im Kanton Bern. Sie liegt am unteren Ende des Thunersees, wo die Aare den See verlässt, und ist der Hauptort des gleichnamigen Verwaltungskreises Thun. Mit 44'663 Einwohnerinnen und Einwohnern Ende 2025 gehört Thun zu den grösseren Städten der Schweiz und ist nach der Stadt Bern die zweitgrösste Stadt des Kantons.[1]
Die Stadt gilt als wichtiges Wirtschafts-, Bildungs-, Kultur-, Verkehrs- und Verwaltungszentrum des Berner Oberlands. Sie wird häufig als «Tor zum Berner Oberland» bezeichnet. Das Stadtbild wird durch die Aare, die mittelalterliche Altstadt, den Schlossberg mit dem Schloss Thun, den Thunersee und das Panorama der Berner Alpen geprägt.
Thun besitzt seit dem Mittelalter eine besondere strategische Lage. Der Ort kontrollierte den Übergang vom schweizerischen Mittelland zu den Tälern und Pässen des Berner Oberlands. In der Neuzeit entwickelten sich die Stadt und ihr Umland zu einem bedeutenden Militärstandort. Heute sind neben öffentlichen Einrichtungen und dem Militär vor allem Dienstleistungen, Handel, Industrie, Tourismus, Gesundheitswesen und Bildung wirtschaftlich bedeutend.
Name
Der Name Thun erscheint im Mittelalter in unterschiedlichen Formen, darunter Tuno und Tunum. Er wird gewöhnlich auf das keltische Wort dūnon beziehungsweise dunum zurückgeführt, das eine befestigte Anhöhe oder Burg bezeichnet.
Die Namensdeutung passt zur topografischen Lage der frühen Siedlung am Schlossberg. Ein sicherer Nachweis für eine keltische Befestigung an genau dieser Stelle ist jedoch nicht vorhanden.
Im Schweizerdeutschen wird der Stadtname ungefähr als Tuun ausgesprochen. Die französische und italienische Bezeichnung lautet ebenfalls Thun.
Geografie
Lage
Thun liegt am Nordwestende des Thunersees, ungefähr 25 Kilometer südöstlich von Bern. Die Aare verlässt den See im Stadtgebiet und fliesst von dort durch das Aaretal weiter in Richtung Bern.
Die Stadt befindet sich an der Übergangszone zwischen dem Schweizer Mittelland und den Alpen. Im Süden öffnet sich der Blick über den Thunersee auf die Bergwelt des Berner Oberlands. Besonders markant erscheinen die Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau sowie der Niesen und das Stockhorn.
Das Gemeindegebiet umfasst den historischen Stadtkern, dicht bebaute Wohn- und Gewerbequartiere in der Ebene sowie ländlich und voralpin geprägte Gebiete bei Goldiwil. Der höchste Punkt liegt auf dem Goldiwiler Egg auf mehr als 1170 Metern über Meer.
Nachbargemeinden sind unter anderem Steffisburg, Schwendibach, Homberg, Heiligenschwendi, Hilterfingen, Spiez, Amsoldingen, Thierachern und Uetendorf.
Aare und Bälliz
Die Aare prägt das Zentrum Thuns. Im Bereich der Altstadt teilt sie sich in zwei Arme, die das langgestreckte Bälliz umschliessen. Die Insel ist heute eine zentrale Einkaufs- und Geschäftszone.
Mehrere Brücken verbinden die Altstadt, das Bälliz und die neueren Stadtteile. Zu den bekanntesten Übergängen gehören die gedeckten Holzbrücken beim Oberen und Unteren Schleusenwehr.
Die Wehre regulieren den Abfluss des Thunersees. Sie besitzen daher nicht nur städtebauliche, sondern auch wasserwirtschaftliche Bedeutung. Der Wasserstand des Sees und der Abfluss der Aare müssen insbesondere bei Schneeschmelze und starken Niederschlägen sorgfältig gesteuert werden.
Thunerseeufer
Das Stadtgebiet besitzt einen längeren Uferabschnitt am Thunersee. Vom Stadtzentrum führen Promenaden entlang der Aare und des Sees bis nach Hünibach sowie in südwestlicher Richtung nach Schadau, Dürrenast und Gwatt.
Zu den bedeutenden Grün- und Erholungsräumen gehören:
- der Schadaupark;
- der Bonstettenpark;
- das Strandbad Thun;
- das Gwattlischenmoos;
- die Aare- und Seequais;
- die Wälder und Aussichtspunkte bei Goldiwil.
Der See wird für Schifffahrt, Schwimmen, Segeln, Rudern und weitere Wassersportarten genutzt.
Quartiere
Thun ist administrativ in 13 Quartiere gegliedert. Diese unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Geschichte, Bebauung und Landschaft.[2]
Die Innenstadt umfasst die mittelalterliche Altstadt, das Bälliz und die angrenzenden Geschäftsgebiete. Dürrenast, Neufeld, Gwatt, Schoren und Buchholz entwickelten sich vor allem im 20. Jahrhundert zu grossen Wohnquartieren.
Das Lerchenfeld entstand nördlich der Aare in der Nähe des Militärgebiets und besitzt eine ausgeprägte Quartieridentität. Goldiwil liegt deutlich höher als das übrige Stadtgebiet und ist teilweise ländlich geprägt.
Die heutige Stadtfläche wurde wesentlich durch die Eingemeindung von Goldiwil im Jahr 1913 und der Gemeinde Strättligen im Jahr 1920 erweitert.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet um Thun war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Archäologische Funde stammen unter anderem aus den Uferzonen des Thunersees und aus dem Gebiet von Strättligen.
Aus der Bronzezeit sind Siedlungsreste, Gräber und Gegenstände bekannt. Der Thunersee und die Aare bildeten wichtige Verkehrs- und Siedlungsräume.
In der Eisenzeit gehörte das Gebiet zum Lebensraum keltischer Bevölkerungsgruppen. Während der römischen Zeit bestanden in der Region Gutshöfe, Strassenverbindungen und kleinere Siedlungen.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen nieder. Frühmittelalterliche Gräber und Kirchen weisen auf eine kontinuierliche Besiedlung hin.
Mittelalterliche Stadtgründung
Die heutige Altstadt entwickelte sich im Hochmittelalter unter den Zähringern. Herzog Berchtold V. von Zähringen liess um 1190 auf dem Schlossberg eine mächtige Burg errichten. Der bis heute erhaltene Hauptturm des Schlosses gehört zu den bedeutendsten hochmittelalterlichen Profanbauten der Schweiz.
Am Fuss des Schlossbergs entstand eine befestigte Stadtanlage. Ihre Lage an der Aare und am Zugang zum Berner Oberland begünstigte Handel und Handwerk.
Nach dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 fiel Thun an die Grafen von Kyburg. Gräfin Elisabeth von Kyburg erteilte der Stadt 1264 ein Stadtrecht. Dieses Ereignis gilt als formelle Bestätigung der städtischen Rechtsstellung.[3]
Die mittelalterliche Stadt war von Mauern und Türmen umgeben. Märkte, Brücken, Mühlen und die Schifffahrt auf dem See bildeten wichtige wirtschaftliche Grundlagen.
Übergang an Bern
Die Grafen von Kyburg gerieten im 14. Jahrhundert in finanzielle und politische Schwierigkeiten. 1384 gelangte Thun an die Stadt und Republik Bern.
Thun wurde Teil des bernischen Territoriums, behielt jedoch eine weitgehende kommunale Selbstverwaltung. Die Stadt besass einen eigenen Rat, Gerichte, Marktprivilegien und Herrschaftsrechte über umliegende Gebiete.
Das Schloss diente als Sitz eines bernischen Schultheissen. Dieser vertrat die Obrigkeit und verwaltete das Amt Thun.
Die Stadt blieb ein bedeutender Umschlagplatz für Waren aus dem Oberland. Holz, Vieh, Käse, Wein, Getreide und Salz wurden über Thun gehandelt.
Reformation
Bern führte 1528 die Reformation ein. Thun übernahm die neue evangelisch-reformierte Kirchenordnung.
Klösterliche und kirchliche Besitzverhältnisse wurden neu geregelt. Die Stadtkirche wurde zur reformierten Hauptkirche. Die Reformation beeinflusste Bildung, Armenfürsorge, Verwaltung und gesellschaftliches Leben.
Die Bevölkerung blieb über Jahrhunderte überwiegend reformiert. Seit dem 19. Jahrhundert nahm durch Zuwanderung der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung wieder zu.
Kanderkorrektion
Bis zum frühen 18. Jahrhundert floss die Kander nicht direkt in den Thunersee, sondern durch die Ebene westlich von Thun zur Aare. Der Fluss führte grosse Mengen Geschiebe mit und verursachte wiederholt Überschwemmungen.
Zwischen 1711 und 1714 wurde die Kander durch einen künstlichen Einschnitt in den Thunersee geleitet. Die sogenannte Kanderkorrektion gehört zu den frühesten grossen Flussbauprojekten der Schweiz.
Die Ableitung verringerte die Überschwemmungsgefahr in Teilen des unteren Kandertals, erhöhte jedoch die Wassermenge, die durch den Thunersee und die Aare abfliessen musste. Dadurch wurden neue Regulierungs- und Hochwasserschutzmassnahmen notwendig.
Helvetik und 19. Jahrhundert
Mit dem französischen Einmarsch von 1798 endete die Herrschaft des alten Bern. Während der Helvetischen Republik wurde Thun Hauptort eines Distrikts im Kanton Oberland.
Nach der Mediationsakte von 1803 kam die Stadt wieder zum Kanton Bern. Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts führten zu einem starken Wandel.
1819 wurde in Thun die Eidgenössische Zentralschule für Offiziere und Unteroffiziere eingerichtet. Daraus entwickelte sich der bedeutende Militär- und Waffenplatz Thun.
Die militärischen Einrichtungen förderten den Bau von Strassen, Kasernen, Werkstätten und Dienstleistungsbetrieben. Thun wurde zu einem Zentrum der schweizerischen Militärausbildung und Rüstungsindustrie.
1859 erhielt die Stadt mit der Bahnstrecke Bern–Thun Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Spätere Verbindungen führten weiter nach Interlaken, in das Simmental und durch den Lötschbergtunnel ins Wallis.
Tourismus und Stadtentwicklung
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Thunersee zu einem wichtigen Reiseziel. Dampfschiffe, Eisenbahnen und Hotels erleichterten die Anreise.
Die Aussicht auf See und Alpen zog Reisende, Kunstschaffende und wohlhabende Gäste an. In Schadau und am Seeufer entstanden repräsentative Gebäude und Parkanlagen.
Die Stadt wuchs über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus. Neue Quartiere entstanden beim Bahnhof, entlang der Ausfallstrassen und auf den ehemaligen Allmend- und Schwemmflächen.
Goldiwil wurde 1913 teilweise nach Thun eingemeindet. 1920 folgte die hoch verschuldete Gemeinde Strättligen mit den Ortschaften und Siedlungen Scherzligen, Dürrenast, Gwatt, Schoren, Buchholz und Allmendingen.[4]
20. und 21. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wuchs Thun zu einer modernen Mittelstadt. Neue Wohnquartiere, Schulen, Industriegebiete und Verkehrsanlagen entstanden.
Militär, Maschinenindustrie und Bundesbetriebe blieben wichtige Arbeitgeber. Gleichzeitig nahmen Dienstleistungen, Detailhandel, Gesundheitswesen, Bildung und Tourismus an Bedeutung zu.
Die Stadtentwicklung verlagerte sich zunehmend auf die Gebiete westlich und nördlich des historischen Zentrums. Seit dem späten 20. Jahrhundert stehen die Verdichtung bestehender Quartiere, die Umnutzung ehemaliger Industrie- und Militärareale sowie der Schutz von Landschaft und Seeufer im Mittelpunkt.
Das Stadtentwicklungskonzept STEK 2035 definiert langfristige Ziele für Siedlung, Verkehr, Freiräume, Wirtschaft und Klima. Zu den bedeutenden Entwicklungsgebieten gehören Thun Nord, Thun West und das Bahnhofquartier.[5]
Bevölkerung
Ende 2025 lebten 44'663 Personen in Thun. Davon besassen 7'681 beziehungsweise 17,2 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit.[1]
Die Bevölkerungsentwicklung wurde durch Eingemeindungen, Industrialisierung und das Wachstum der regionalen Arbeitsplätze beeinflusst.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1764 | rund 1'800 |
| 1850 | rund 6'000 |
| 1900 | rund 10'200 |
| 1920 | rund 16'500 |
| 1950 | rund 24'200 |
| 1970 | rund 36'500 |
| 2000 | rund 40'400 |
| 2010 | rund 42'600 |
| 2020 | rund 43'500 |
| 2025 | 44'663 |
Historisch war Thun überwiegend evangelisch-reformiert. Ende 2025 gehörten rund 42,8 Prozent der registrierten Bevölkerung einer evangelisch-reformierten und rund 11,4 Prozent einer römisch-katholischen Landeskirche an. Ein grosser Teil der Bevölkerung gehörte keiner staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft an.
Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend ein berndeutscher Dialekt gesprochen. Durch Zuwanderung sind zahlreiche weitere Sprachen vertreten.
Politik
Die politische Gemeinde Thun besitzt eine parlamentarische Organisation. Ihre wichtigsten Organe sind die Stimmberechtigten, der Stadtrat und der Gemeinderat.[6]
Stadtrat
Der Stadtrat ist die Legislative. Er besteht aus 40 Mitgliedern, die nach dem Verhältniswahlverfahren für jeweils vier Jahre gewählt werden.
Der Stadtrat erlässt kommunale Reglemente, beschliesst das Budget und kontrolliert den Gemeinderat und die Stadtverwaltung. Bedeutende finanzielle und politische Vorlagen können dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterliegen.
Die Sitzungen finden im Rathaus statt und sind grundsätzlich öffentlich.
Gemeinderat
Der Gemeinderat ist die fünfköpfige Stadtregierung. Jedes Mitglied führt eine Direktion der Stadtverwaltung.
Zu den Aufgaben des Gemeinderats gehören:
- die strategische Leitung der Stadt;
- der Vollzug der Beschlüsse von Volk und Stadtrat;
- die Vorbereitung politischer Vorlagen;
- die Führung der Stadtverwaltung;
- die Finanz- und Entwicklungsplanung;
- die Vertretung der Stadt nach aussen.
Seit Juli 2026 ist Eveline Salzmann Stadtpräsidentin. Sie ist die erste Frau in diesem Amt. Der bisherige Stadtpräsident Raphael Lanz trat nach seiner Wahl in den Regierungsrat des Kantons Bern zurück.[7]
Volksrechte
Die Stimmberechtigten wählen den Stadtrat, den Gemeinderat und das Stadtpräsidium. Sie entscheiden ausserdem über kommunale Abstimmungsvorlagen.
Mit Initiative und Referendum können die Stimmberechtigten Einfluss auf die Gesetzgebung und auf grössere politische oder finanzielle Entscheidungen nehmen.
Wappen
Das Thuner Stadtwappen zeigt auf rotem Grund einen silbernen Schrägbalken und darüber einen goldenen Stern.
Das Motiv ist seit dem Mittelalter belegt. Auf frühen Darstellungen war der Stern teilweise schwarz. Nach späterer Überlieferung wurde er nach der Schlacht bei Murten von 1476 golden dargestellt.
Die Stadtfarben Rot und Weiss erscheinen auf Fahnen, Gebäuden und städtischen Publikationen.
Wirtschaft
Thun ist das wirtschaftliche Zentrum einer Region, die grosse Teile des westlichen Berner Oberlands und des Aaretals umfasst.
Der Dienstleistungssektor stellt den grössten Teil der Arbeitsplätze. Bedeutend sind insbesondere:
- öffentliche Verwaltung;
- Gesundheits- und Sozialwesen;
- Detailhandel;
- Tourismus und Gastronomie;
- Finanz- und Unternehmensdienstleistungen;
- Bildung;
- Verkehr und Logistik.
Daneben besitzt Thun eine lange industrielle Tradition. Maschinenbau, Metallverarbeitung, Präzisionstechnik, Bauwirtschaft und militärnahe Betriebe spielen weiterhin eine Rolle.
Der Militärstandort und die bundeseigenen Betriebe im Gebiet Thun Nord verfügen über grosse Flächen. Teile dieser Areale sollen schrittweise für zivile Gewerbe-, Technologie- und Dienstleistungsnutzungen geöffnet werden.[8]
Die Innenstadt mit Bälliz, Hauptgasse und angrenzenden Strassen ist ein bedeutendes regionales Einkaufszentrum. Weitere Einkaufs- und Gewerbegebiete liegen im Westen und Norden der Stadt.
Militärstandort
Thun gehört zu den wichtigsten Militärstandorten der Schweiz. Die Anfänge reichen bis zur Gründung der Eidgenössischen Zentralschule im Jahr 1819 zurück.
Heute befinden sich in Thun unter anderem:
- Ausbildungs- und Kasernenanlagen;
- die Panzerschule;
- militärische Logistik- und Unterhaltsbetriebe;
- Anlagen des Bundesamts für Rüstung Armasuisse;
- Betriebe der RUAG;
- Schiess- und Übungsplätze.
Der Waffenplatz beeinflusste die Stadtentwicklung, die lokale Wirtschaft und die Verkehrsinfrastruktur stark. Gleichzeitig beanspruchen die militärischen Anlagen grosse Flächen im Norden und Westen der Stadt.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Thun ist ein wichtiger Eisenbahnknoten. Er liegt an der Hauptstrecke Bern–Thun–Spiez.
Direkte Fernverkehrsverbindungen bestehen unter anderem nach:
- Bern und Basel;
- Zürich;
- Interlaken;
- Brig;
- Visp;
- Domodossola;
- Mailand.
Regionale Bahnlinien führen durch das Aaretal, das Gürbetal und in Richtung Konolfingen. Thun ist in das Netz der S-Bahn Bern eingebunden.
Busverkehr
Die Verkehrsbetriebe STI betreiben ein dichtes Stadt- und Regionalbusnetz. Die Linien verbinden den Bahnhof mit den Quartieren und den Gemeinden rund um den Thunersee sowie im östlichen und westlichen Berner Oberland.
Der Bahnhofplatz ist der wichtigste Umsteigepunkt zwischen Bahn, Bus und Schifffahrt.
Schifffahrt
Vom Schiffskanal beim Bahnhof verkehren Kursschiffe der BLS Schifffahrt auf dem Thunersee.
Sie verbinden Thun unter anderem mit Hilterfingen, Oberhofen, Gunten, Spiez, Beatenbucht, Beatushöhlen und Interlaken West. Neben Motorschiffen wird auch der historische Schaufelraddampfer Blümlisalp eingesetzt.
Strassenverkehr
Die Autobahn A6 verbindet Thun mit Bern und Spiez. Von Spiez führen wichtige Strassen weiter ins Berner Oberland, ins Simmental und in Richtung Wallis.
Die Aare, die Bahnlinien und die historische Stadtstruktur begrenzen den verfügbaren Verkehrsraum. Staus treten besonders auf den Zufahrtsachsen und im Umfeld des Bahnhofs auf.
Mit dem Bypass Thun Nord wurde eine zusätzliche Verbindung zwischen den Stadtteilen beidseits der Aare geschaffen. Die Stadt fördert zudem den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr.
Bildung
Thun besitzt ein breites Angebot an Volksschulen, Berufsbildungsstätten und weiterführenden Schulen.
Zu den bedeutenden Einrichtungen gehören:
- das Gymnasium Thun;
- das Bildungszentrum Wirtschaft Thun;
- das Berufsbildungszentrum IDM;
- die Wirtschaftsschule Thun;
- die Musikschule Region Thun;
- verschiedene private Bildungsinstitutionen.
Die Stadt ist zudem Standort von Ausbildungsstätten des Militärs sowie regionaler Angebote in Gesundheit, Technik, Wirtschaft und Sozialwesen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Thun
Das Schloss Thun steht auf dem Schlossberg über der Altstadt. Sein mächtiger Hauptturm wurde um 1190 durch Herzog Berchtold V. von Zähringen errichtet.
Der Turm besitzt vier markante Ecktürme. Im Innern befindet sich der grosse Rittersaal, der auf einer Höhe von rund 14 Metern angelegt wurde.
Heute beherbergt das Schloss ein historisches Museum. Die Ausstellungen behandeln die Geschichte der Stadt und Region, die Herrschaftsverhältnisse, das Militärwesen und das kulturelle Leben.[9]
Von den Türmen und Terrassen bietet sich eine weite Aussicht über Stadt, See und Alpen.
Altstadt
Die Thuner Altstadt liegt am Fuss des Schlossbergs und an den beiden Aarearmen. Sie besitzt einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Grundriss.
Besonders charakteristisch ist die Obere Hauptgasse. Vor den Häusern liegen erhöhte Gehwege, die sogenannten Hochtrottoirs. Unter ihnen befinden sich Geschäftsräume und Keller.
Weitere bedeutende Orte sind:
- der Rathausplatz;
- das Rathaus;
- der Mühleplatz;
- das Bälliz;
- der Schlossberg;
- die gedeckten Schleusenbrücken;
- die Aarequais.
Die Altstadt ist ein wichtiges Einkaufs-, Gastronomie- und Veranstaltungszentrum.
Stadtkirche
Die reformierte Stadtkirche steht auf dem Schlossberg neben dem Schloss. Ein mittelalterlicher Turm aus dem 14. Jahrhundert blieb erhalten.
Das heutige Kirchenschiff wurde im 18. Jahrhundert neu erbaut. Die Kirche bildet zusammen mit Schloss, Pfarrhaus und Altstadt ein weithin sichtbares Ensemble.
Schloss Schadau
Das Schloss Schadau liegt im gleichnamigen Park am Thunersee. Es wurde zwischen 1846 und 1854 im historistischen Stil errichtet.
Das Gebäude verbindet neugotische und französisch inspirierte Architekturelemente. Nach einer umfassenden Restaurierung wird es als Hotel und Restaurant genutzt.
Der öffentlich zugängliche Schadaupark gehört zu den bedeutendsten historischen Parkanlagen der Region.
Thun-Panorama
Das Thun-Panorama im Schadaupark ist das älteste erhaltene Rundbild der Welt.
Der Basler Künstler Marquard Wocher schuf das Panorama zwischen 1809 und 1814. Es zeigt den Blick aus einem Hausdach über die damalige Stadt Thun und ihre Umgebung.
Das Rundbild ist rund 38 Meter lang und mehr als sieben Meter hoch. Es vermittelt ein detailliertes Bild des städtischen Alltags zu Beginn des 19. Jahrhunderts.[10]
Kirche Scherzligen
Die Kirche Scherzligen liegt beim Schadaupark nahe dem See. Ihre Ursprünge reichen bis in das Frühmittelalter zurück.
Das Gotteshaus besitzt bedeutende mittelalterliche Wandmalereien. Seine Lage am Wasser und an historischen Pilgerwegen machte es zu einem wichtigen kirchlichen Ort.
Kunstmuseum Thun
Das Kunstmuseum Thun befindet sich im Thunerhof an der Aare. Es zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst.
Das Museum besitzt eine Sammlung mit Werken schweizerischer und internationaler Kunstschaffender. Es betreut zugleich das Thun-Panorama.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten und Kulturorten gehören:
- der Thunerhof;
- das Rathaus;
- das Wocher-Panorama;
- der Schadaupark;
- der Bonstettenpark;
- die Ruine Strättligburg;
- das Schweizerische Gastronomiemuseum;
- die Konzepthalle 6;
- das Kultur- und Kongresszentrum Thun;
- das Theater Alte Oele;
- das Kleintheater Alte Schmitte.
Veranstaltungen
Thun besitzt ein vielfältiges Kultur- und Veranstaltungsleben.
Regelmässig stattfinden unter anderem:
- die Thunerseespiele mit Freilichtmusicals am See;
- das Thunfest;
- die Schweizer Künstlerbörse;
- die Fasnacht;
- Märkte in der Innenstadt;
- Konzerte und Theateraufführungen;
- Sportveranstaltungen;
- Veranstaltungen im Kultur- und Kongresszentrum.
Die Thunerseespiele nutzen die besondere Kulisse von See und Alpen. Sie gehören zu den bekanntesten sommerlichen Freilichtproduktionen der Schweiz.
Sport
Der bekannteste Sportverein der Stadt ist der FC Thun. Der Fussballclub trägt seine Heimspiele im Stadion Thun im Westen der Stadt aus.
Der Verein spielte wiederholt in der höchsten Schweizer Liga. International bekannt wurde er durch die Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League in der Saison 2005/06.
Weitere bedeutende Sportarten sind:
- Eishockey;
- Handball;
- Rudern;
- Segeln;
- Schwimmen;
- Leichtathletik;
- Schiesssport;
- Radsport;
- Laufsport.
Der Thunersee und die umliegenden Berge bieten zahlreiche Möglichkeiten für Wassersport, Wandern, Bergsport und Wintersport.
Tourismus
Thun verbindet eine historische Stadtlandschaft mit See und Alpenpanorama. Die Stadt ist sowohl eigenständiges Reiseziel als auch Ausgangspunkt für Ausflüge ins Berner Oberland.
Zu den häufig besuchten Zielen gehören Schloss und Altstadt, die Aarequais, der Schadaupark, das Thun-Panorama und die Schifffahrt auf dem Thunersee.
Von Thun aus sind Spiez, Interlaken, das Simmental, das Kandertal, das Stockhorngebiet und die Jungfrauregion gut erreichbar.
Der Tourismus ist eng mit Gastronomie, Hotellerie, Detailhandel, Kultur und Schifffahrt verbunden.
Persönlichkeiten
Mit Thun verbunden sind unter anderem:
- Marquard Wocher, Maler des Thun-Panoramas;
- Johannes Brahms, Komponist, der mehrere Sommer am Thunersee verbrachte;
- Ferdinand Hodler, Maler;
- Paul Klee, Maler und Grafiker mit familiären Beziehungen zur Region;
- Friedrich Dürrenmatt, Schriftsteller, der zeitweise in der Region lebte;
- Markus Ryffel, Langstreckenläufer;
- Tanja Frieden, Snowboarderin und Olympiasiegerin;
- Roman Josi, Eishockeyspieler;
- Benjamin Lüthi, Fussballspieler.
Bedeutung
Thun nimmt innerhalb des Kantons Bern eine wichtige Stellung zwischen der Bundesstadt Bern und den alpinen Regionen ein.
Die Stadt erfüllt zentrale Funktionen für:
- Verwaltung und Justiz;
- Gesundheitsversorgung;
- Bildung und Berufsbildung;
- Handel und Dienstleistungen;
- Verkehr;
- Kultur;
- Tourismus;
- militärische Ausbildung.
Die Verbindung aus mittelalterlicher Stadt, See, Fluss und Alpenlandschaft verleiht Thun ein besonders charakteristisches Erscheinungsbild. Gleichzeitig ist die Stadt Teil einer wachsenden Agglomeration mit Steffisburg, Heimberg, Uetendorf, Hilterfingen und weiteren Gemeinden.
Zeittafel
| Zeitraum oder Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Jungsteinzeit | Früheste bekannte Siedlungen im Gebiet des Thunersees. |
| Römische Zeit | Gutshöfe und Verkehrswege im Gebiet von Thun und Strättligen. |
| 12. Jahrhundert | Früheste schriftliche Erwähnungen Thuns. |
| um 1190 | Bau des Hauptturms von Schloss Thun durch Berchtold V. von Zähringen. |
| 1218 | Übergang Thuns an die Grafen von Kyburg. |
| 1264 | Bestätigung des Stadtrechts durch Gräfin Elisabeth von Kyburg. |
| 1384 | Thun gelangt unter die Herrschaft Berns. |
| 1528 | Einführung der Reformation. |
| 1711–1714 | Ableitung der Kander in den Thunersee. |
| 1798 | Thun wird während der Helvetischen Republik Hauptort eines Distrikts im Kanton Oberland. |
| 1819 | Gründung der Eidgenössischen Zentralschule und Beginn der Entwicklung zum bedeutenden Militärstandort. |
| 1859 | Eröffnung der Bahnstrecke Bern–Thun. |
| 1913 | Eingemeindung eines Teils von Goldiwil. |
| 1920 | Eingemeindung der Gemeinde Strättligen. |
| 2005 | Internationale Aufmerksamkeit durch die Teilnahme des FC Thun an der UEFA Champions League. |
| 2009 | Eröffnung des sanierten Thun-Panoramas im neuen Rundbau. |
| 2026 | Eveline Salzmann wird als erste Frau zur Stadtpräsidentin gewählt. |
Siehe auch
- Thunersee
- Aare
- Schloss Thun
- Thun-Panorama
- Schloss Schadau
- Strättligen
- Kanderkorrektion
- Verwaltungskreis Thun
- Berner Oberland
- FC Thun
- Liste der Gemeinden im Kanton Bern
- Liste der Städte in der Schweiz
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Thun
- Geschichte der Stadt Thun
- Thun im Historischen Lexikon der Schweiz
- Thunerseespiele
- Schloss Thun
- Thun-Panorama
- Tourismusregion Thunersee
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Bevölkerungsstatistik, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Quartiere, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Geschichte und Stadtarchiv, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Strättligen, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Grundlagen und Pläne, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Politik, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Eveline Salzmann ist die erste Stadtpräsidentin von Thun, Stadt Thun, 5. Juli 2026.
- ↑ Wirtschaft, Stadt Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schloss Thun, Stiftung Schloss Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Thun-Panorama, Kunstmuseum Thun, abgerufen am 23. Juli 2026.