Greyerz
Greyerz (französisch Gruyères, im Freiburger Patois Grevire) ist eine politische Gemeinde im Greyerzbezirk des Kantons Freiburg in der Schweiz. Das historische Städtchen liegt auf einem Hügel am Eingang des Intyamon und wird vom weithin sichtbaren Schloss Greyerz überragt. Greyerz gehört zu den bekanntesten mittelalterlichen Ortsbildern der Westschweiz und gab der umliegenden Region sowie dem Käse Le Gruyère AOP ihren Namen.
Die Gemeinde umfasst neben dem historischen Städtchen die Ortschaften Epagny, Pringy und Moléson-sur-Gruyères. Landschaftlich reicht das Gemeindegebiet von der Talebene bei Bulle und der Saane bis an die Hänge des 2002 Meter hohen Moléson.
| Greyerz | |
|---|---|
| Französischer Name | Gruyères |
| Kanton | Freiburg |
| Bezirk | Greyerz |
| BFS-Nr. | 2135 |
| Postleitzahl | 1663 |
| Fläche | 28,44 km² |
| Einwohner | 2'350 |
| Einwohnerstand | 31. Dezember 2025 |
| Höhe des historischen Städtchens | ca. 830 m ü. M. |
| Amtssprache | Französisch |
| Ortschaften | Gruyères, Epagny, Pringy, Moléson-sur-Gruyères |
| Website | www.gruyeres.ch |
Geographie
Greyerz liegt im Süden des Kantons Freiburg, rund fünf Kilometer südöstlich von Bulle und etwa 33 Kilometer von der Stadt Freiburg entfernt. Die Gemeinde befindet sich in einer Übergangszone zwischen dem Schweizer Mittelland und den Freiburger Voralpen. Das historische Städtchen liegt auf einem markanten Hügel oberhalb der Talebene und bildet zusammen mit dem Schloss eine weithin sichtbare Silhouette.[1]
Das Gemeindegebiet ist mit 28,44 km² vergleichsweise gross und weist erhebliche Höhenunterschiede auf. Im Osten und Süden steigt das Gelände zu den Freiburger Voralpen an. Bedeutendster Berg ist der Moléson, dessen Gipfel 2002 m ü. M. erreicht. Weitere markante Erhebungen in der Umgebung sind die Dent de Broc und die Dent du Chamois.
Die Landschaft wird durch Wälder, Alpweiden und landwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt. Im Tal fliesst die Saane, französisch Sarine, die das Greyerzerland durchzieht. Mehrere kleinere Gewässer entwässern die Hänge in Richtung Saane.
Gemeindegliederung
Die politische Gemeinde besteht aus mehreren deutlich voneinander getrennten Siedlungen. Das historische Gruyères liegt auf dem befestigten Hügel unterhalb des Schlosses. In der Ebene nördlich davon befindet sich Epagny, während Pringy am Fuss des Burghügels liegt. Weiter südwestlich, an den Hängen des Moléson, entstand der Ferien- und Tourismusort Moléson-sur-Gruyères.[1]
Zum Gemeindegebiet gehören ausserdem kleinere Weiler und Einzelhöfe. Dadurch unterscheidet sich die politische Gemeinde deutlich vom historischen Städtchen selbst, in dem nur ein kleiner Teil der gesamten Gemeindebevölkerung lebt.
Name und Wappen
Der Name Greyerz ist seit dem Hochmittelalter belegt. Im Jahr 1144 erscheint ein Willelmus comes de Grueria in den Quellen.[2] Die französische Form Gruyères und die deutsche Form Greyerz entwickelten sich aus mittelalterlichen Namensformen wie Grueria.
Eng mit dem Namen verbunden ist der Kranich. Auf Französisch bedeutet grue Kranich. Der Vogel ist das traditionelle Wappentier der Grafen von Greyerz und erscheint bis heute im Gemeindewappen. Ob der Ortsname tatsächlich unmittelbar vom Kranich abgeleitet wurde oder ob die Verbindung erst später entstand, ist nicht abschliessend geklärt.
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Das Gebiet von Greyerz war bereits lange vor der Entstehung des mittelalterlichen Städtchens besiedelt. Besonders bedeutende archäologische Funde stammen aus Epagny. Dort wurden Spuren aus der Bronzezeit und der Hallstattzeit, Gräber aus der Latènezeit sowie Überreste einer römischen Villa entdeckt. Die Villa war im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus bewohnt. Ebenfalls nachgewiesen wurde ein frühmittelalterliches Gräberfeld.[3]
Auch eine Besiedlung des späteren Burghügels während der Römerzeit gilt als wahrscheinlich.
Entstehung des mittelalterlichen Ortes
Die Entwicklung von Greyerz ist eng mit den Grafen von Greyerz verbunden. Auf dem strategisch günstig gelegenen Hügel liessen sie eine Burg errichten, von der aus sich das obere Saanetal kontrollieren liess. Unterhalb der Burg entstand ein befestigter Marktort mit einer zentralen Strasse, Mauern, Toren und Türmen.
Greyerz besass bereits vor 1195 beziehungsweise 1196 Marktrechte. Diese wurden zeitweise zugunsten von Bulle aufgehoben, später jedoch wiederhergestellt. Der Markt entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz für Käse, Getreide und Vieh.[3]
Im 13. Jahrhundert wurde die Stellung des Ortes weiter ausgebaut. Graf Rudolf III. liess die Kirche Saint-Théodule errichten, die 1254 geweiht wurde. Damit wurde Greyerz auch zum Zentrum einer eigenen Pfarrei.
Graf Rudolf IV. bestätigte 1397 die Freiheiten des Ortes. Ab 1434 bestand ein Rat aus zwölf Mitgliedern. Die städtische Gemeinschaft gewann damit innerhalb der Grafschaft eine gewisse politische Selbstständigkeit.
Hauptstadt der Grafschaft Greyerz
Über mehrere Jahrhunderte war Greyerz der politische Mittelpunkt der Grafschaft Greyerz. Das Herrschaftsgebiet der Grafen erstreckte sich über grosse Teile des oberen Saanetals und zeitweise weit über das Gebiet des heutigen Greyerzbezirks hinaus.
Die Grafen standen zunächst in einem komplexen Verhältnis zu den Bischöfen von Lausanne und später zum Haus Savoyen. Ab dem 13. Jahrhundert befand sich die Grafschaft unter savoyischer Lehnshoheit, bewahrte jedoch eine beträchtliche Eigenständigkeit.
Das Städtchen profitierte vom Durchgangsverkehr und vom Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Besonders die Käseproduktion entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig des Greyerzerlandes.
Ende der Grafschaft
Im 16. Jahrhundert gerieten die Grafen zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Der letzte Graf, Michael von Greyerz, war schliesslich nicht mehr in der Lage, seine Schulden zu begleichen. 1554 kam es zum finanziellen Zusammenbruch der Grafschaft.
Die Gläubiger Bern und Freiburg teilten die Gebiete unter sich auf. Greyerz selbst kam 1555 unter die Herrschaft Freiburgs und wurde zum Sitz der freiburgischen Vogtei Greyerz. Das Schloss diente fortan als Residenz der Freiburger Vögte.[3]
Greyerz blieb bis 1814 Hauptort der Vogtei und anschliessend Sitz einer Präfektur beziehungsweise eines Bezirks. Erst 1848 wurde Bulle zum Hauptort des Greyerzbezirks bestimmt.
Frühe Neuzeit
1611 wurde Greyerz von einer schweren Pestepidemie getroffen. Nach historischen Angaben starben innerhalb kurzer Zeit rund 140 Menschen. Als Folge der Epidemie wurde 1612 die dem heiligen Sebastian und dem heiligen Rochus geweihte Chapelle du Berceau errichtet.[3]
Auch Brände prägten die Geschichte des Ortes. Die Pfarrkirche wurde 1670 und erneut 1856 durch Feuer schwer beschädigt. Nach dem zweiten Brand blieben insbesondere Turm und Chor erhalten; die restaurierte Kirche wurde 1860 erneut geweiht.
Bis 1767 verlief eine wichtige Strasse ins obere Greyerzerland über den Hügel von Greyerz. Mit dem Bau einer bequemeren Strasse durch die Ebene bei Epagny verlor das Städtchen einen Teil seiner Bedeutung als Verkehrs- und Marktort.
Schloss Greyerz
Hauptartikel: Schloss Greyerz
Das Schloss Greyerz gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken des Kantons Freiburg. Seine ältesten heute erhaltenen Teile stammen im Wesentlichen aus dem 13. Jahrhundert. Die Anlage wurde nach dem Vorbild savoyischer Burgen errichtet und im Lauf der Jahrhunderte von einer militärischen Festung zu einer repräsentativen Residenz umgestaltet.[4]
Nach einem Brand von 1493 wurden Teile der Anlage erneuert. Im 15. und 16. Jahrhundert erfolgten weitere Umbauten, welche das heutige Erscheinungsbild wesentlich prägten.
Nach dem Ende der Grafschaft residierten die Freiburger Vögte und später die Präfekten im Schloss. 1849 verkaufte der Kanton Freiburg die Anlage an die Genfer Familie Bovy. 1861 gelangte sie durch Heirat an die Familie Balland. Künstler aus dem Umfeld der beiden Familien gestalteten mehrere Räume neu.
1938 kaufte der Kanton Freiburg das Schloss zurück. Seit 1939 ist es als Museum öffentlich zugänglich. Die Ausstellung verbindet mittelalterliche Geschichte, Kunst und die Geschichte der Grafen von Greyerz.[5]
Historisches Ortsbild
Das mittelalterliche Zentrum von Greyerz besteht im Wesentlichen aus einer langgezogenen Hauptgasse, die von historischen Bürgerhäusern gesäumt wird. Teile der ehemaligen Stadtmauer, Tore und Befestigungsanlagen sind erhalten geblieben.
Der historische Kern ist weitgehend frei vom gewöhnlichen motorisierten Verkehr. Dadurch hat sich das geschlossene Erscheinungsbild des früheren Marktstädtchens erhalten. Am oberen Ende der Hauptgasse liegt der Zugang zum Schloss.
Zu den bedeutenden Sakralbauten gehört die Kirche Saint-Théodule. Ihre Ursprünge reichen ins 13. Jahrhundert zurück, wenngleich das heutige Gebäude durch spätere Brände und Wiederaufbauten geprägt ist.
Wirtschaft
Die traditionelle Wirtschaft von Greyerz beruhte auf Landwirtschaft, Viehzucht, Milchwirtschaft, Forstwirtschaft und Handel. Die grossen Alpweiden der Umgebung ermöglichten eine intensive Käseproduktion. Daneben bestanden Mühlen, Sägereien und weitere kleinere Gewerbebetriebe.
Im 20. Jahrhundert gewann der Tourismus stark an Bedeutung. Heute bildet er zusammen mit Gastronomie, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Dienstleistungen einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Gemeinde.
Greyerzer Käse
Greyerz und die gleichnamige Region sind international mit dem Greyerzer Käse verbunden. Die Käseherstellung im Greyerzerland ist bereits seit dem Mittelalter belegt. Der Name Gruyère bezeichnet heute einen geschützten Schweizer Hartkäse mit der Herkunftsbezeichnung AOP.[6]
Das heutige Produktionsgebiet des Le Gruyère AOP ist wesentlich grösser als die Gemeinde oder der Greyerzbezirk. Es umfasst den Kanton Freiburg sowie Gebiete in den Kantonen Waadt, Neuenburg, Jura und Bern.
In Pringy befindet sich die Schaukäserei La Maison du Gruyère. Bereits am 24. Juni 1969 wurde dort die erste Schweizer Schaukäserei eröffnet. Sie machte die traditionelle Herstellung des Greyerzer Käses einem breiten Publikum zugänglich.[7]
Tourismus
Greyerz gehört zu den bedeutenden touristischen Orten des Kantons Freiburg. Zu den wichtigsten Zielen gehören das mittelalterliche Städtchen, das Schloss, die Schaukäserei in Pringy und das Berggebiet des Moléson.
Seit 1998 befindet sich im Château St-Germain innerhalb des historischen Städtchens das HR Giger Museum. Es zeigt Werke des Schweizer Künstlers HR Giger, der insbesondere durch seine biomechanischen Bildwelten und seine Gestaltung für den Film Alien international bekannt wurde.[8]
Ein weiterer touristischer Schwerpunkt ist Moléson-sur-Gruyères. Der Ferienort wurde ab den 1960er Jahren ausgebaut. Von dort führen Bergbahnen in Richtung des 2002 Meter hohen Moléson. Das Gebiet wird sowohl im Winter für Schneesport als auch im Sommer zum Wandern und für weitere Freizeitaktivitäten genutzt.
Verkehr
Greyerz ist über die Region Bulle an das übergeordnete Strassennetz angeschlossen. Der historische Ortskern selbst ist für den allgemeinen Autoverkehr weitgehend gesperrt; grössere Parkplätze befinden sich ausserhalb der mittelalterlichen Befestigung.
Der Bahnhof Gruyères liegt in der Ebene bei Pringy an der meterspurigen Bahnstrecke zwischen Bulle und Montbovon. Die Strecke wird von den Transports publics fribourgeois (TPF) betrieben und stellt Verbindungen nach Bulle sowie in Richtung Montbovon her.
In Epagny befindet sich ausserdem der Flugplatz La Gruyère. Er wurde 1963 eröffnet und dient vor allem der allgemeinen Luftfahrt.[3]
Bevölkerung
Die politische Gemeinde Greyerz zählte am 31. Dezember 2025 insgesamt 2'350 Einwohner.[1] Damit ist die Bevölkerungszahl deutlich höher als jene des historischen Städtchens, da ein grosser Teil der Einwohner in Epagny, Pringy und den neueren Siedlungsgebieten lebt.
1850 hatte die Gemeinde 972 Einwohner. Bis 1900 stieg die Zahl auf 1'389 und erreichte 1920 bereits 1'711 Personen. Danach ging sie zeitweise zurück; 1950 wurden 1'302 Einwohner gezählt. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wächst Greyerz wieder deutlich. Im Jahr 2000 lebten 1'546 Menschen in der Gemeinde, 2005 waren es 1'630 und 2023 bereits mehr als 2'300.[1]
Die Gemeinde gehört zum überwiegend französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg.
Kultur und Bedeutung
Greyerz nimmt in der kulturellen Wahrnehmung der Schweiz eine besondere Stellung ein. Das mittelalterliche Ortsbild, das Schloss, die alpine Landschaft und der weltweit bekannte Käse bilden eine enge Verbindung zwischen Geschichte, Landwirtschaft und Tourismus.
Das Bild des Kranichs, das bereits von den Grafen von Greyerz verwendet wurde, ist bis heute ein wichtiges Symbol der Region. Die Bezeichnung Greyerzerland beziehungsweise französisch La Gruyère wird nicht nur für den Bezirk, sondern auch für eine historische und kulturelle Landschaft verwendet, deren Zentrum der Raum zwischen Bulle, Greyerz und dem oberen Saanetal bildet.
Siehe auch
- Greyerzbezirk
- Grafschaft Greyerz
- Schloss Greyerz
- Moléson
- Le Gruyère AOP
- Bulle FR
- Intyamon
- Freiburger Voralpen
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Gruyères
- Schloss Greyerz
- La Maison du Gruyère
- Tourismusregion La Gruyère
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Commune de Gruyères: Généralités, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Greyerz (Grafschaft, Bezirk), abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Commune de Gruyères: Détails historiques, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Château de Gruyères, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Commune de Gruyères: Château & musées, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Interprofession du Gruyère: The history of Le Gruyère AOP, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ La Maison du Gruyère: Co-operative Laiterie de Gruyères, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Commune de Gruyères: Château St-Germain – Musée Giger, abgerufen am 15. August 2026.