Bernina Express

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Bernina Express
Bernina Express auf dem Kreisviadukt von Brusio
Zuggattung Panorama- und Touristikzug
Einführung 3. Juni 1973
Betreiber Rhätische Bahn
Ausgangspunkte Chur oder St. Moritz
Endpunkt Tirano in Italien
Hauptstrecken Albulabahn und Berninabahn
Spurweite 1'000 mm
Höchster Punkt Ospizio Bernina, 2'253 m ü. M.
Tiefster Punkt Tirano, rund 429 m ü. M.
Maximale Steigung 70 ‰
Zahnstange keine
Reisezeit Chur–Tirano rund vier Stunden, St. Moritz–Tirano rund 2¼ Stunden
Kunstbauten auf der langen Route 196 Brücken und 55 Tunnel
Welterbe Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina
Website rhb.ch

Der Bernina Express ist ein international bekannter Panoramazug der Rhätischen Bahn (RhB). Er verbindet Chur oder St. Moritz im Kanton Graubünden mit der norditalienischen Stadt Tirano in der Provinz Sondrio. Die Reise führt über die Albulabahn, durch das Engadin, über den 2'253 Meter hohen Berninapass und durch das Puschlav ins italienische Veltlin.

Die lange Verbindung von Chur nach Tirano überquert 196 Brücken und durchfährt 55 Tunnel. Zu den bekanntesten Bauwerken und Landschaften entlang der Strecke gehören der Landwasserviadukt, die Kehrtunnel bei Bergün, der Albulatunnel, die Montebellokurve, der Morteratschgletscher, der Lago Bianco, Alp Grüm und der Kreisviadukt von Brusio.

Der Bernina Express überwindet zwischen dem höchsten Punkt bei Ospizio Bernina und Tirano einen Höhenunterschied von mehr als 1'800 Metern. Die Berninalinie besitzt Steigungen von bis zu 70 Promille und kommt vollständig ohne Zahnstange aus. Sie gilt als höchstgelegene ganzjährig betriebene Eisenbahnverbindung über die Alpen.

Seit Juli 2008 gehören die Albula- und Berninalinie zum UNESCO-Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina». Die UNESCO würdigt die beiden Strecken als aussergewöhnliches technisches, architektonisches und landschaftliches Ensemble.[1]

Bezeichnung und Angebot

Der Name des Zuges bezieht sich auf das Berninamassiv und den Berninapass. Die Berninagruppe bildet eine der höchsten Gebirgslandschaften der Ostalpen. Ihr höchster Gipfel ist der 4'049 Meter hohe Piz Bernina, der einzige Viertausender der Ostalpen.

Der Bernina Express ist keine eigenständige Bahngesellschaft und keine separate Eisenbahnstrecke. Es handelt sich um ein touristisch vermarktetes Zugangebot der Rhätischen Bahn, das auf den regulären Gleisen der Albula- und Berninabahn verkehrt.

Die Züge führen moderne Panoramawagen mit grossen Fenstern, die bis weit in den Dachbereich reichen. Angeboten werden Wagen der ersten und zweiten Klasse. Für die Fahrt ist zusätzlich zum gültigen Fahrausweis eine Sitzplatzreservierung erforderlich.

Neben den durchgehenden Verbindungen ab Chur verkehren Bernina-Express-Züge ab St. Moritz. Je nach Saison und Fahrplan können einzelne Züge an weiteren Ausgangspunkten beginnen oder nur auf Teilstrecken verkehren. Das konkrete Angebot wird jährlich dem Fahrplan, der Nachfrage und den Bauarbeiten im RhB-Netz angepasst.

In den Sommermonaten kann die Bahnreise mit dem Bernina Express Bus von Tirano nach Lugano verlängert werden. Die Busverbindung führt durch das Veltlin und entlang des Comer Sees in den Kanton Tessin.[2]

Streckenvarianten

Der Bernina Express wird hauptsächlich auf zwei Varianten angeboten. Die lange Route beginnt in Chur und befährt sowohl die Albulabahn als auch die Berninalinie. Die kürzere Route beginnt in St. Moritz und führt unmittelbar über die Berninalinie nach Tirano.

Durchgehende Züge von Chur fahren gewöhnlich über Thusis, Tiefencastel, Filisur, Bergün, den Albulatunnel, Samedan und Pontresina. Sie bedienen St. Moritz nicht zwingend, da der Bahnhof abseits der direkten Verbindung zwischen Samedan und Pontresina liegt.

Züge, die in St. Moritz beginnen, fahren zunächst nach Pontresina und vereinigen sich dort mit der Berninalinie.

Hauptabschnitte des Bernina Express
Abschnitt Strecke Bedeutende Orte und Sehenswürdigkeiten
Chur–Thusis RhB-Stammnetz Bündner Rheintal, Domleschg und Hinterrhein
Thusis–Samedan Albulabahn Schinschlucht, Solisviadukt, Landwasserviadukt, Filisur, Bergün und Albulatunnel
Samedan–Pontresina Engadiner Verbindungslinie Oberengadin, Anschluss aus St. Moritz
Pontresina–Ospizio Bernina Berninabahn Morteratsch, Montebellokurve, Diavolezza, Lago Bianco und Berninapass
Ospizio Bernina–Poschiavo Berninabahn Alp Grüm, Palügletscher, Cavaglia und Val Poschiavo
Poschiavo–Tirano Berninabahn Lago di Poschiavo, Kreisviadukt von Brusio, Campocologno und Strassenbahnabschnitte in Tirano

Chur und Bündner Rheintal

Die lange Reise beginnt beziehungsweise endet in Chur, der Hauptstadt Graubündens. Der Bahnhof verbindet das meterspurige Netz der Rhätischen Bahn mit dem normalspurigen Netz der Schweizerischen Bundesbahnen.

Von Chur führt die Strecke zunächst durch das Bündner Rheintal nach Reichenau-Tamins. Dort zweigt die Linie nach Disentis/Mustér von der Strecke nach Thusis ab. Der Bernina Express folgt dem Hinterrhein durch das Domleschg.

Das Domleschg ist für seine zahlreichen Burgen und Schlösser bekannt. Zu den sichtbaren historischen Anlagen gehören unter anderem Schloss Rhäzüns, Schloss Ortenstein und die Burganlage Hohen Rätien.

Bei Thusis beginnt die eigentliche Albulabahn. Von hier steigt die Strecke durch die Schinschlucht und das Albulatal ins Engadin an.

Albulabahn

Die Albulabahn zwischen Thusis und dem Engadin wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Der Abschnitt bis Celerina wurde 1903 eröffnet, die Verlängerung nach St. Moritz folgte 1904.

Die Strecke gilt als ein bedeutendes Werk des frühen Gebirgsbahnbaus. Der grosse Höhenunterschied wird ohne Zahnstange überwunden. Die Ingenieure verlängerten die Strecke mit weiten Schleifen, Kehrtunneln und Viadukten, um die Steigung auf ein für den Adhäsionsbetrieb geeignetes Mass zu begrenzen.

Die 67 Kilometer lange Welterbestrecke der Albulabahn besitzt nach Angaben der UNESCO 42 Tunnel und Schutzgalerien sowie 144 Viadukte und Brücken.[1]

Solisviadukt

Der Solisviadukt führt die Bahn hoch über die Albula. Das Bauwerk besitzt einen Hauptbogen mit einer Spannweite von 42 Metern. Es gehört zu den höchsten Brücken der Rhätischen Bahn und liegt in einer tief eingeschnittenen Schlucht.

In der Nähe befindet sich die historische Soliserbrücke der alten Strasse. Bahnlinie, Fluss und Verkehrswege bilden hier eine besonders eindrückliche Gebirgslandschaft.

Landwasserviadukt

Der Landwasserviadukt bei Filisur ist das bekannteste Bauwerk der Rhätischen Bahn. Die aus dunklem Kalkstein errichtete Brücke ist rund 142 Meter lang und etwa 65 Meter hoch.

Sechs Hauptbogen tragen das in einer Kurve liegende Gleis. Der Viadukt mündet unmittelbar in eine senkrechte Felswand, in der sich das Portal des Landwassertunnels befindet.

Das zwischen 1901 und 1902 errichtete Bauwerk wurde zu einem Wahrzeichen des Bernina Express und des schweizerischen Eisenbahntourismus. Bilder des roten Panoramazugs auf dem Viadukt werden weltweit für die touristische Werbung verwendet.

Filisur und Bergün

In Filisur zweigt die Strecke nach Davos von der Albulabahn ab. Der Bernina Express folgt dem Albulatal nach Bergün/Bravuogn.

Zwischen Bergün und Preda überwindet die Bahn auf kurzer Luftlinie einen grossen Höhenunterschied. Mehrere Kehrtunnel und offene Schleifen führen dazu, dass Reisende denselben Talabschnitt aus unterschiedlichen Höhen betrachten können.

Das Bahnmuseum Albula in Bergün dokumentiert die Geschichte, Technik und gesellschaftliche Bedeutung der Rhätischen Bahn. Modelle, historische Fahrzeuge und multimediale Anlagen erklären den Bau der Gebirgsstrecke.

Albulatunnel

Bei Preda erreicht die Bahn den Albulatunnel. Der ursprüngliche Tunnel wurde zwischen 1898 und 1903 errichtet. Er führt unter dem Albula-Hauptkamm nach Spinas im Val Bever.

Seit Juni 2024 wird der reguläre Verkehr durch einen neuen, 5,86 Kilometer langen Albulatunnel geführt. Der historische Tunnel wurde zu einem Sicherheits- und Rettungsstollen umgebaut. Das Gesamtprojekt verbessert Sicherheit, Barrierefreiheit und langfristige Betriebsstabilität der Strecke.[3]

Oberengadin

Nach dem Albulatunnel erreicht der Zug das breite Hochtal des Engadins. Die Strecke führt durch das Val Bever nach Bever und Samedan.

Samedan ist ein regionaler Verkehrsknoten. Von hier bestehen Verbindungen nach St. Moritz, Pontresina, Scuol und ins Unterengadin. Die durchgehenden Bernina-Express-Züge aus Chur fahren von Samedan direkt nach Pontresina.

Die in St. Moritz beginnenden Züge folgen zunächst dem Inn und erreichen über Celerina und Punt Muragl ebenfalls Pontresina.

St. Moritz ist einer der bekanntesten Ferien- und Wintersportorte der Schweiz. Der Ort war Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1928 und 1948. Der Bahnhof liegt am oberen Ende des St. Moritzersees und ist Endpunkt der Albulabahn.

Berninabahn

Die Berninabahn verbindet St. Moritz mit Tirano. Die Strecke ist rund 61 Kilometer lang und überquert den Alpenhauptkamm offen über den Berninapass. Anders als viele andere Alpenbahnen benutzt sie keinen langen Scheiteltunnel.

Die Linie besitzt 13 Tunnel und Schutzgalerien sowie 52 Viadukte und Brücken. Ihre maximale Steigung beträgt 70 Promille. Trotz dieser grossen Neigung wird sie ohne Zahnstange ausschliesslich im Adhäsionsbetrieb befahren.[4]

Der höchste Punkt bei Ospizio Bernina liegt auf 2'253 Metern über Meer. Tirano liegt dagegen auf ungefähr 429 Metern. Die Bahn durchquert dadurch innerhalb weniger Stunden hochalpine, subalpine und mediterran beeinflusste Landschaften.

Pontresina und Stromsystemwechsel

Pontresina ist der wichtigste betriebliche Übergang zwischen dem Stammnetz der Rhätischen Bahn und der Berninalinie. Auf der Albulabahn wird Wechselstrom mit 11 Kilovolt und 16,7 Hertz verwendet. Die Berninalinie ist mit 1'000 Volt Gleichstrom elektrifiziert.

Je nach Fahrzeug- und Betriebseinsatz wird in Pontresina das Triebfahrzeug gewechselt oder ein Zweisystemfahrzeug verwendet, das unter beiden Stromsystemen verkehren kann. Die Panoramawagen können ihre Reise ohne Umsteigen fortsetzen.

Der Bahnhof besitzt Gleise, die den unterschiedlichen Stromsystemen zugeordnet oder entsprechend umgeschaltet werden können. Der Stromsystemwechsel gehört zu den technischen Besonderheiten der durchgehenden Verbindung.

Morteratsch und Montebellokurve

Südlich von Pontresina folgt die Bahn zunächst dem Tal des Berninabachs. Beim Bahnhof Morteratsch befindet sich der Ausgangspunkt des Weges zum Morteratschgletscher.

In der Montebellokurve öffnet sich bei guter Sicht ein weiter Blick auf den Morteratschgletscher, den Piz Bernina und die umliegenden Gipfel. Die Kurve gehört zu den meistfotografierten Abschnitten des Bernina Express.

Der Rückgang des Morteratschgletschers ist entlang des Gletscherwegs deutlich sichtbar. Markierungen zeigen, bis wohin das Eis in früheren Jahren reichte. Der Ort veranschaulicht besonders anschaulich die Folgen des Klimawandels in den Alpen.

Die Bahn steigt anschliessend an den Stationen Bernina Suot, Bernina Diavolezza und Bernina Lagalb vorbei weiter zum Pass an. Die Talstationen der Bergbahnen erschliessen die Aussichtspunkte Diavolezza und Lagalb.

Berninapass und Lago Bianco

Am Berninapass verläuft die Bahn oberhalb der Waldgrenze durch eine offene Hochgebirgslandschaft. Der Lago Bianco liegt unmittelbar neben der Strecke.

Der Name «Weisser See» bezieht sich auf die helle Färbung seines Gletscherwassers. Der See wurde durch Stauanlagen vergrössert und dient der Energiegewinnung. Auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs Ospizio Bernina liegt der dunklere Lej Nair.

In diesem Gebiet verläuft die kontinentale Wasserscheide. Das Wasser auf der Nordseite gelangt über Inn und Donau ins Schwarze Meer. Das Wasser auf der Südseite fliesst über Poschiavino, Adda und Po in die Adria.

Der Bahnhof Ospizio Bernina ist mit 2'253 Metern über Meer der höchste Bahnhof der Rhätischen Bahn. Die Strecke bleibt im Winter geöffnet, obwohl starke Schneefälle, Verwehungen und Lawinengefahr einen erheblichen betrieblichen Aufwand verursachen.

Schneeschleudern, Pflüge, Lawinenverbauungen und Schutzgalerien ermöglichen den ganzjährigen Betrieb. Bei aussergewöhnlichen Wetterverhältnissen kann der Verkehr dennoch zeitweise eingeschränkt werden.

Alp Grüm

Südlich des Passes erreicht der Zug Alp Grüm. Der auf rund 2'091 Metern gelegene Bahnhof ist auf der Strasse nicht erreichbar und wird ausschliesslich durch die Bahn und Wanderwege erschlossen.

Von der Bahnhofsterrasse bietet sich ein weiter Blick auf den Palügletscher, den Palüsee und das Puschlav. Die Landschaft zeigt den Übergang vom hochalpinen Berninamassiv zum südlich ausgerichteten Tal.

Unterhalb von Alp Grüm verliert die Bahn mit engen Kurven und Schleifen rasch an Höhe. Die Trasse wurde offen an die steilen Berghänge gelegt und bietet wiederholt Ausblicke auf dieselben Landschaftsteile aus unterschiedlichen Höhen.

Alp Grüm ist ein beliebter Zwischenhalt für Wanderungen und Ausflüge. Regionalzüge ermöglichen es, die Fahrt zu unterbrechen und später fortzusetzen.

Cavaglia und Gletschergarten

Die Bahn erreicht anschliessend das Hochtal von Cavaglia. In der Nähe des Bahnhofs befindet sich der Gletschergarten Cavaglia, der für seine grossen Gletschermühlen bekannt ist.

Die zylindrischen Vertiefungen entstanden durch Schmelzwasser, das Steine in kreisende Bewegung versetzte und damit den Fels ausschliff. Die Formen wurden nach dem Rückzug des Palügletschers freigelegt.

Von Cavaglia fährt die Bahn durch bewaldete Hänge nach Poschiavo hinunter. Die Landschaft wird zunehmend grüner und stärker landwirtschaftlich genutzt.

Poschiavo und Lago di Poschiavo

Poschiavo ist der Hauptort des Puschlavs. Das historische Ortsbild wird von steinernen Bürgerhäusern, Kirchen und engen Gassen geprägt. Italienisch ist die vorherrschende Sprache des Tals.

Die Berninabahn besitzt in Poschiavo ein Depot und Werkstattanlagen. Der Bahnhof ist ein wichtiger Kreuzungs- und Betriebsort der eingleisigen Strecke.

Südlich von Poschiavo folgt der Zug dem Lago di Poschiavo. Die Bahn verläuft teilweise unmittelbar am Ufer. Der See wird vom Poschiavino durchflossen und ist von steilen bewaldeten Berghängen umgeben.

Das Klima wird auf dem weiteren Weg zunehmend milder. Kastanienbäume, Weinreben und südliche Pflanzen lösen die hochalpine Vegetation des Passgebiets ab.

Kreisviadukt von Brusio

Der Kreisviadukt von Brusio ist neben dem Landwasserviadukt das bekannteste Bauwerk des Bernina Express. Die offene, kreisförmige Schleife wurde gebaut, um auf engem Raum Höhe zu gewinnen beziehungsweise zu verlieren.

Der steinerne Viadukt besitzt neun Bogen und beschreibt einen grossen Teil eines Kreises. Der Zug fährt zunächst auf dem Viadukt und anschliessend unter einem Abschnitt der eigenen Strecke hindurch.

Anders als bei einer gewöhnlichen Spitzkehre muss der Zug weder anhalten noch die Fahrtrichtung wechseln. Das Bauwerk zeigt anschaulich, wie die Ingenieure die maximale Steigung der Adhäsionsbahn einhielten.

Der Kreisviadukt liegt offen in der Landschaft und ist von Strassen und Wanderwegen gut sichtbar. Er gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Rhätischen Bahn.

Campocologno und Tirano

Bei Campocologno erreicht die Bahn das untere Puschlav und nähert sich der italienischen Grenze. Nach dem Grenzübertritt führt die Strecke durch dicht besiedeltes Gebiet nach Tirano.

In Tirano fährt der Zug teilweise wie eine Strassenbahn durch die Strassen. Besonders bekannt ist die Passage über den Platz vor der Wallfahrtskirche Madonna di Tirano.

Der RhB-Bahnhof liegt unmittelbar neben dem Bahnhof der italienischen Staatsbahn. Dort bestehen Verbindungen über das Veltlin nach Sondrio, Lecco und Mailand.

Tirano bildet einen starken landschaftlichen Gegensatz zum Berninapass. Das deutlich mildere Klima ermöglicht Weinbau, Obstbau und das Wachstum mediterran wirkender Pflanzen.

Technische Merkmale

Der Bernina Express verkehrt auf einem meterspurigen Netz. Die engen Kurven und vergleichsweise kleinen Fahrzeuge ermöglichen eine Linienführung, die sich eng an die Gebirgslandschaft anpasst.

Zu den wichtigsten technischen Kenndaten gehören:

Technische Merkmale der befahrenen Hauptstrecken
Merkmal Albulabahn Berninabahn
Spurweite 1'000 mm 1'000 mm
Betriebsart Adhäsionsbahn Adhäsionsbahn
Zahnstange keine keine
Stromsystem 11 kV, 16,7 Hz Wechselstrom 1'000 V Gleichstrom
Höchster Punkt Albulatunnel, rund 1'820 m ü. M. Ospizio Bernina, 2'253 m ü. M.
Maximale Steigung rund 35 ‰ 70 ‰
Charakteristische Bauwerke Kehrtunnel, Landwasser- und Solisviadukt Montebellokurve, Galerien und Kreisviadukt von Brusio

Die Strecke ist überwiegend eingleisig. Zugkreuzungen finden in Bahnhöfen und auf dafür vorgesehenen Doppelspurabschnitten statt. Der Fahrplan muss Panorama-, Regional-, Güter-, Dienst- und Bauzüge miteinander koordinieren.

Fahrzeuge

Die Panoramawagen des Bernina Express besitzen grosse, gebogene Fensterflächen. Sie bieten freie Sicht auf die Berggipfel, Viadukte und Täler, können jedoch wegen der Klimatisierung normalerweise nicht geöffnet werden.

In der ersten Klasse sind die Sitze grosszügiger angeordnet. Auf einer Seite des Mittelgangs befinden sich Einzelsitze, auf der anderen Seite Zweiergruppen. In der zweiten Klasse stehen gewöhnlich je zwei Sitze auf beiden Seiten des Gangs.

Die Panoramawagen besitzen 30 Plätze in der ersten Klasse beziehungsweise 47 Plätze in der zweiten Klasse. Die tatsächliche Zuglänge wird der Saison, der Nachfrage und den betrieblichen Möglichkeiten angepasst.[5]

Für die Traktion werden unterschiedliche Lokomotiven und Triebzüge der Rhätischen Bahn eingesetzt. Zweisystemtriebzüge der Reihe ABe 8/12 «Allegra» können sowohl unter Wechselstrom als auch unter Gleichstrom verkehren und eignen sich deshalb besonders für durchgehende Einsätze.

Billette und Reservation

Für den Bernina Express werden ein gültiger Fahrausweis und eine separate Sitzplatzreservierung benötigt. Der Zuschlag richtet sich nach Strecke, Saison und Angebot.

Anerkannt werden unter anderem gewöhnliche Streckenbillette, das Generalabonnement, der Swiss Travel Pass, Interrail- und Eurail-Pässe sowie weitere Fahrausweise des schweizerischen öffentlichen Verkehrs. Die Reservierungsgebühr ist in diesen Pässen grundsätzlich nicht enthalten.

Die Reservation weist einen bestimmten Sitzplatz in einem bestimmten Zug zu. Dies unterscheidet den Bernina Express von den Regionalzügen auf derselben Strecke, die normalerweise ohne Platzreservation benutzt werden können.

Einzelne Plätze sind für Reisende mit eingeschränkter Mobilität eingerichtet. Die benötigte Unterstützung beim Ein- und Aussteigen muss im Voraus angemeldet werden.

Die selbstständige Mitnahme von Fahrrädern ist im Bernina Express nicht vorgesehen. Fahrräder können je nach Platzangebot und Vorschriften mit Regionalzügen auf der Berninalinie transportiert werden.[2]

Service an Bord

Der Bernina Express besitzt keinen klassischen Speisewagen. Ein Catering-Team verkauft Getränke, Snacks und regionale Produkte direkt am Sitzplatz.

Über ein digitales Informationssystem erhalten Reisende auf dem eigenen Mobilgerät Angaben zur Strecke, zu Sehenswürdigkeiten, Geschwindigkeit, Höhenlage und Reisefortschritt. Das Angebot wird in mehreren Sprachen bereitgestellt.

In den Panoramawagen steht WLAN zur Verfügung, wobei die Verbindung in abgelegenen Gebirgstälern und Tunneln zeitweise eingeschränkt sein kann.

An ausgewählten Reisetagen wird ausserdem eine Bernina Express Pullman Class angeboten. Sie verbindet die Fahrt in einem historischen Pullmanwagen im Art-déco-Stil mit persönlicher Betreuung und einem gastronomischen Programm.[6]

Regionalzüge als Alternative

Die gesamte Strecke des Bernina Express wird auch von regulären Regionalzügen befahren. Reisende können die Landschaft deshalb ohne Panoramawagen und ohne obligatorische Sitzplatzreservation erleben.

Auf der langen Strecke von Chur nach Tirano sind dabei mehrere Umstiege erforderlich. Übliche Umsteigepunkte sind Samedan, Pontresina oder St. Moritz.

Regionalzüge halten an mehr Stationen als der Bernina Express. Sie eignen sich deshalb besonders für Wanderungen, Zwischenaufenthalte und Besuche kleinerer Orte.

Einige Regionalwagen besitzen Fenster, die geöffnet werden können. Dies erleichtert das Fotografieren ohne Spiegelungen. Dafür bieten sie nicht die grossen Dachfenster und die durchgehende touristische Betreuung der Panoramawagen.

Geschichte

Bau der Albula- und Berninabahn

Die Albulabahn wurde zwischen 1898 und 1904 gebaut, um das Engadin dauerhaft mit dem übrigen RhB-Netz zu verbinden. Sie wurde von Anfang an als leistungsfähige Bahnstrecke für Personen- und Güterverkehr geplant.

Die Berninabahn entstand einige Jahre später als eigenständiges Unternehmen. Erste Teilstrecken wurden 1908 eröffnet. Seit 1910 war die Verbindung zwischen St. Moritz und Tirano durchgehend befahrbar.[7]

Ursprünglich war die Berninabahn stark vom Sommer- und Ausflugsverkehr abhängig. Der Winterbetrieb wurde schrittweise verbessert. Grosse Schneemengen und Lawinen machten den Betrieb auf der offenen Passstrecke jedoch anspruchsvoll.

Die private Bernina-Bahngesellschaft geriet in finanzielle Schwierigkeiten. 1943 wurde sie von der Rhätischen Bahn übernommen. Die RhB erneuerte anschliessend Fahrzeuge, Fahrleitungen, Gleise und Sicherungsanlagen.

Einführung des Bernina Express

Ende der 1960er-Jahre entstanden Pläne für eine internationale Tagesverbindung aus der Deutschschweiz über Graubünden und Tirano nach Mailand. Die Weiterfahrt von Tirano nach Mailand erreichte jedoch nicht die erwartete Nachfrage.

Die direkte Alpenüberquerung von Chur nach Tirano erwies sich dagegen als touristisch attraktiv. Die Rhätische Bahn führte zunächst direkte Kurswagen ein.

Mit dem Fahrplanwechsel vom 3. Juni 1973 wurde die Verbindung erstmals als eigenständiger Zug unter dem Namen Bernina Express geführt. Es war das erste Mal, dass die Rhätische Bahn eine Strecke systematisch als touristisches Markenprodukt vermarktete.[8]

Die Vermarktung stiess zunächst auch innerhalb der Bahn- und Tourismusbranche auf Skepsis. Der Zug gewann jedoch rasch internationale Bekanntheit. Bereits 1975 wurde er auf Fach- und Publikumsmessen im Ausland vorgestellt.

Entwicklung der Panoramawagen

1983 erhielt der Bernina Express erstmals neu gebaute Wagen mit besonders grossen Fenstern. Sie galten zur damaligen Zeit als aussergewöhnlich moderne Schmalspurwagen.

Zwischen 2000 und 2007 wurde der Zug schrittweise mit einer neuen Generation klimatisierter Panoramawagen ausgerüstet. Gleichzeitig wurden Catering und Fahrgastinformation ausgebaut.[8]

Seit 1992 verlängert der Bernina Express Bus die Reise während der Sommersaison von Tirano nach Lugano. Damit entstand eine touristische Rundreisemöglichkeit durch Graubünden, Norditalien und das Tessin.

Aufnahme ins UNESCO-Welterbe

Am 7. Juli 2008 nahm das UNESCO-Welterbekomitee die Albula- und Berninalinie sowie die sie umgebenden Kulturlandschaften in die Welterbeliste auf.

Die Stätte erstreckt sich über die Schweiz und Italien. Sie umfasst nicht nur Gleise, Tunnel, Brücken und Bahnhöfe, sondern auch eine ausgedehnte Pufferzone in der umgebenden Alpenlandschaft.

Die UNESCO betont, dass die Strecken den Zugang zu zuvor abgelegenen Siedlungen wesentlich verbesserten und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Berggebiete langfristig veränderten. Zugleich gelten sie als herausragende Beispiele für die harmonische Einfügung technischer Bauwerke in eine anspruchsvolle Landschaft.[1]

Touristische Bedeutung

Der Bernina Express gehört zusammen mit dem Glacier Express zu den bekanntesten Zügen der Schweiz. Er ist ein wichtiges Aushängeschild der Rhätischen Bahn und des Bündner Tourismus.

Nach Angaben der Rhätischen Bahn nutzten in den Jahren vor dem 50-Jahr-Jubiläum jährlich ungefähr 240'000 bis 260'000 Gäste aus zahlreichen internationalen Märkten das Angebot. Bis 2023 hatten seit der Einführung rund zehn Millionen Menschen den Bernina Express benutzt.[8]

Der Zug verbindet mehrere Ferienregionen, darunter Chur, das Albulatal, das Oberengadin, das Puschlav und das Veltlin. Viele Gäste verbinden die Fahrt mit Hotelaufenthalten, Wanderungen oder weiteren Bahnreisen.

Die Strecke wird besonders häufig von internationalen Reisegruppen und Bahnreisenden besucht. Sie ist zugleich Teil des regulären öffentlichen Verkehrs und dient der lokalen Bevölkerung im Engadin und Puschlav als wichtige Verbindung.

Landschaft und Klima

Die Fahrt führt innerhalb weniger Stunden durch aussergewöhnlich unterschiedliche Landschafts- und Klimazonen.

Bei Chur und im Bündner Rheintal herrscht ein inneralpines Tal- und Übergangsklima. Auf dem Berninapass prägen Schnee, Frost, Gletscher und alpine Vegetation die Landschaft. Im Puschlav nimmt der südliche Einfluss deutlich zu. In Tirano wachsen Weinreben, Kastanien und Palmen.

Die Werbeformel «Von den Gletschern zu den Palmen» beschreibt diesen schnellen landschaftlichen Wechsel. Sie gehört zu den bekanntesten Slogans des Bernina Express.

Der Klimawandel verändert jedoch mehrere charakteristische Landschaftselemente. Morteratsch- und Palügletscher haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Fläche und Volumen verloren. Gleichzeitig können Starkniederschläge, Murgänge, auftauender Permafrost und Felsstürze die Bahninfrastruktur gefährden.

Die Rhätische Bahn unterhält deshalb Schutzgalerien, Lawinenverbauungen, Messanlagen und Überwachungssysteme. Gefährdete Hänge und Bäche werden regelmässig kontrolliert.

Bedeutung als Gebirgsbahn

Die Albula- und Berninalinie zeigen zwei unterschiedliche Lösungen für den Bau einer Eisenbahn durch die Hochalpen.

Auf der Albulabahn wird die Höhe mit langen Tunneln, Kehrschleifen und grossen Steinviadukten überwunden. Die Berninabahn folgt dagegen einer offenen Passroute und bewältigt starke Steigungen mit engen Kurven und leistungsfähigem Adhäsionsbetrieb.

Beide Strecken wurden weitgehend vor dem Ersten Weltkrieg gebaut. Ein grosser Teil ihrer ursprünglichen Linienführung und Bauwerke wird weiterhin im täglichen Verkehr genutzt.

Diese Verbindung von historischem Bestand und modernem Bahnbetrieb war ein wesentlicher Grund für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Die Bahn ist kein stillgelegtes Denkmal, sondern ein lebendiges Verkehrssystem.

Abgrenzung zum Glacier Express

Der Bernina Express wird häufig mit dem Glacier Express verwechselt. Beide sind touristische Panoramazüge in Graubünden, bedienen jedoch unterschiedliche Strecken.

Der Glacier Express verbindet St. Moritz mit Zermatt und fährt über die Albulabahn, die Rheinschlucht, den Oberalppass und das Wallis. Er bleibt vollständig in der Schweiz.

Der Bernina Express verbindet Chur oder St. Moritz mit Tirano in Italien. Er überquert den Berninapass und besitzt damit einen grenzüberschreitenden Zuglauf.

Beide Züge benutzen die Albulabahn und fahren über den Landwasserviadukt, sofern der Bernina Express in Chur beginnt. Nur der Bernina Express befährt jedoch die Berninalinie, Alp Grüm und den Kreisviadukt von Brusio.

Kulturelle Wahrnehmung

Der rote Zug vor Gletschern, Bergseen und Steinviadukten wurde zu einem international verbreiteten Bild der Schweiz. Besonders der Kreisviadukt von Brusio und der Landwasserviadukt erscheinen häufig in Reiseführern, Filmen und Werbekampagnen.

Der Bernina Express steht für eine Form des langsamen Reisens, bei der nicht die kürzeste Fahrzeit, sondern das Landschaftserlebnis im Mittelpunkt steht.

Modelle der Züge und Panoramawagen werden von verschiedenen Modelleisenbahnherstellern angeboten. Die Strecke gehört wegen ihrer Kunstbauten und engen Kurven zu den beliebtesten Vorbildern alpiner Modellbahnanlagen.

Dokumentarfilme und Fernsehsendungen begleiten regelmässig den Winterbetrieb, die Schneeräumung und die Arbeit des Bahnpersonals auf dem Berninapass.

Literatur

  • Gian Brüngger, Tibert Keller, Renato Mengotti: Abenteuer Berninabahn. AS Verlag, Zürich 2010.
  • Patrick Belloncle, Gian Brünger, Rolf Grossenbacher, Christian Müller: Das grosse Buch der Rhätischen Bahn 1889–2001. Verlag Viafer, Kerzers 2002.
  • Claude Jeanmaire: Die Gleichstromlinien der Rhätischen Bahn. Verlag Eisenbahn, Villigen 1975.
  • Rhätische Bahn: Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina. Chur.
  • UNESCO World Heritage Centre: Rhaetian Railway in the Albula/Bernina Landscapes. Paris.
  • Katharina Hess, Paul Emanuel Müller: Über den Bernina. Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen Bahnlinie. Chur.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 UNESCO World Heritage Centre: Rhaetian Railway in the Albula/Bernina Landscapes, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Rhätische Bahn: Bernina Express, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Rhätische Bahn: Albulatunnel, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Rhätische Bahn: Infrastruktur in Zahlen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Rhätische Bahn: Panoramawagen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Rhätische Bahn: Bernina Express Pullman Class, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Rhätische Bahn: Geschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 Rhätische Bahn: 50 Jahre Bernina Express, 2. Juni 2023, abgerufen am 23. Juli 2026.