Tierpark Bern
Tierpark Bern ist der öffentliche zoologische Garten der Stadt Bern und besteht aus zwei räumlich getrennten Bereichen: dem Dählhölzli-Zoo im Dählhölzliwald an der Aare und dem BärenPark beim historischen Bärengraben. Der Tierpark gehört organisatorisch zur Stadtverwaltung Bern und ist der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie zugeordnet.[1]
Der Dählhölzli-Zoo wurde am 5. Juni 1937 eröffnet. Seine Gestaltung unterscheidet sich in wesentlichen Bereichen von einem klassischen städtischen Zoo: Ein grosser Teil der Anlagen ist in den bestehenden Wald und in die Landschaft am Aareufer eingebettet. Der Tierpark verfolgt das Leitmotiv, Tieren möglichst naturnahe und grosszügige Lebensräume zur Verfügung zu stellen. Neben der Tierhaltung gehören Artenschutz, Naturschutz, Forschung und Bildung zu seinen zentralen Aufgaben.
Ende 2025 hielt der Tierpark Bern insgesamt 217 Tierarten mit rund 5'280 Individuen. Dazu gehörten 33 Säugetier-, 30 Vogel-, 28 Reptilien-, 12 Amphibien-, 56 Fisch- und 58 Wirbellosenarten.[2]
| Tierpark Bern | |
|---|---|
| Ort | Bern, Kanton Bern |
| Eröffnung Dählhölzli | 5. Juni 1937 |
| Bereiche | Dählhölzli-Zoo, BärenPark |
| Tierarten | 217 |
| Tiere | rund 5'280 |
| Tierbestand | 31. Dezember 2025 |
| Trägerschaft | Stadt Bern |
| Direktion | Friederike von Houwald |
| Adresse | Tierparkweg 1, 3005 Bern |
| Website | tierpark-bern.ch |
Lage und Gliederung
Der Tierpark Bern verteilt sich auf zwei Hauptstandorte innerhalb der Stadt. Das Dählhölzli liegt südlich der Berner Altstadt am rechten Ufer der Aare. Der grössere Teil des Zoos ist in den Dählhölzliwald eingebettet. Die bewaldete Umgebung bestimmt das Erscheinungsbild vieler Anlagen und ermöglicht die Haltung verschiedener Tierarten in vergleichsweise naturnah gestalteten Lebensräumen.
Der zweite Standort ist der BärenPark am Aarehang bei der Nydeggbrücke, unmittelbar unterhalb der Berner Altstadt. Er ist räumlich vom Dählhölzli getrennt, gehört organisatorisch jedoch ebenfalls zum Tierpark Bern.[1]
Eine Besonderheit des Tierparks ist die Kombination aus kostenpflichtigen und frei zugänglichen Bereichen. Der eigentliche Dählhölzli-Zoo mit dem Grossteil der gehaltenen Arten ist eintrittspflichtig. Die Anlagen entlang der Aare, Teile des Kinderzoos und der BärenPark können dagegen ohne Eintritt besucht werden.[3]
Dadurch ist der Tierpark eng mit dem öffentlichen Naherholungsraum entlang der Aare verbunden. Spazierwege führen unmittelbar an verschiedenen Tieranlagen vorbei.
Vorgeschichte
Die Geschichte zoologischer Tierhaltung in Bern reicht wesentlich weiter zurück als die Gründung des heutigen Dählhölzli-Zoos.
Bereits seit Jahrhunderten werden in Bern Bären gehalten. Die älteste überlieferte Nachricht über einen Bärengraben beim Käfigturm stammt aus dem Jahr 1441. Im Laufe der Zeit wechselten die Standorte der Berner Bären mehrfach. Der noch heute bestehende historische Bärengraben am östlichen Ende der Nydeggbrücke wurde 1857 eröffnet.[4]
Auch die Idee eines eigentlichen zoologischen Gartens entstand bereits im 19. Jahrhundert. 1871 warb eine Gruppe von Berner Bürgern für die Einrichtung eines Zoos mit hauptsächlich europäischen Tierarten im westlichen Kirchenfeld und gründete dafür einen Akklimatisationsverein. Das Projekt scheiterte zwei Jahre später, weil sich nicht genügend Aktionäre fanden.[5]
Stattdessen entstand an der Engehalde unterhalb des Bierhübeli ein kleiner Tiergarten. Dort wurden unter anderem Hirsche und Bisons gehalten. Der sogenannte Hirschenpark beziehungsweise Tiergarten blieb über Jahrzehnte eine Berner Einrichtung und kann als unmittelbarer Vorgänger des Dählhölzli-Zoos betrachtet werden.
Entstehung des Dählhölzli-Zoos
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm der Wunsch nach einem grösseren und zeitgemässeren Tierpark wieder zu.
Eine wesentliche Voraussetzung für dessen Verwirklichung war die Möglichkeit, Teile des Dählhölzliwaldes für eine zoologische Anlage zu nutzen. Die Stadt Bern entschied sich schliesslich für diesen Standort, der wegen seiner Waldlandschaft und seiner Lage an der Aare besondere Möglichkeiten für eine naturnahe Gestaltung bot.
Am 28. und 29. Dezember 1935 beschloss die Stadt Bern die Aufhebung des bisherigen Hirschenparks an der Engehalde und die Einrichtung eines neuen Tierparks im Dählhölzli.[6]
Ein bedeutender Teil der Finanzierung wurde aus dem sogenannten Gabus-Fonds ermöglicht. Die Berner Stimmberechtigten unterstützten das Projekt.
Die Planung übernahm der Berner Architekt Emil Hostettler. Sein Konzept sah keinen Zoo vor, in dem möglichst viele exotische Tiere auf engem Raum gezeigt werden sollten. Vielmehr sollten vergleichsweise wenige grössere Tiere in grosszügigen, in die Landschaft eingebetteten Anlagen leben.
Eröffnung 1937
Am 5. Juni 1937 wurde der neue Tierpark im Dählhölzliwald mit einem grossen Fest eröffnet. An der Einweihung nahm auch der damalige Bundesrat Rudolf Minger teil.[7]
Zu den damals gezeigten grösseren Tieren gehörten unter anderem Bisons, Lamas, Mähnenschafe und Steinböcke. Im Vivarium konnten Besucherinnen und Besucher Vögel, Reptilien und Amphibien beobachten.[7]
Mit der Eröffnung des Dählhölzli wurde auch der Bärengraben organisatorisch dem Tierpark zugeordnet.[4]
Der neue Tierpark entwickelte sich rasch zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bevölkerung der Stadt und der Region Bern.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
In den Jahrzehnten nach der Eröffnung veränderte sich der Tierpark kontinuierlich. Neue Anlagen entstanden, bestehende Gehege wurden umgebaut und der Tierbestand änderte sich entsprechend den jeweils geltenden zoologischen Vorstellungen.
Wie in vielen europäischen Zoos lag der Schwerpunkt zunächst stärker auf der Präsentation einer möglichst vielfältigen Tierwelt. Historische Statistiken zeigen, dass zeitweise wesentlich mehr Arten gehalten wurden als heute. Ende 1954 verzeichnete der Tierpark beispielsweise 1'675 Tiere in 335 Arten und Rassen.
Im späteren 20. Jahrhundert wandelten sich die Anforderungen an die Zootierhaltung grundlegend. Erkenntnisse aus Verhaltensbiologie, Tiermedizin und Ökologie führten dazu, dass die Qualität und Grösse der Lebensräume zunehmend wichtiger wurden als die reine Anzahl der präsentierten Arten.
Dieser Wandel prägte auch die Entwicklung des Tierparks Bern.
«Mehr Platz für weniger Tiere»
Besonders deutlich wurde die Neuausrichtung unter dem langjährigen Tierparkdirektor Bernd Schildger, der den Tierpark während mehr als zwei Jahrzehnten leitete.
Unter dem Motto «Mehr Platz für weniger Tiere» wurde ein grosser Teil der Tierparkfläche umgestaltet. Das Ziel bestand darin, weniger Tierarten zu zeigen und ihnen dafür grössere, komplexere und stärker an den natürlichen Lebensräumen orientierte Anlagen zur Verfügung zu stellen.[7]
Nach Angaben des Tierparks wurden während Schildgers Amtszeit fast 90 Prozent der Tierparkfläche neu gestaltet.[7]
Das Konzept prägt den Tierpark bis heute. Tiere sollen möglichst viele für ihre Art typische Verhaltensweisen ausleben können. Dazu gehören beispielsweise Nahrungssuche, Rückzug, Sozialkontakte, Fortbewegung und die selbstständige Nutzung unterschiedlich strukturierter Bereiche.
Für die Besucherinnen und Besucher bedeutet dies zugleich, dass Tiere nicht zu jedem Zeitpunkt sichtbar sein müssen. Rückzugsmöglichkeiten gelten als wichtiger Bestandteil einer tiergerechten Haltung.
Dählhölzliwald
Der Dählhölzliwald bildet einen wesentlichen Bestandteil des Tierparkkonzepts. Im Gegensatz zu einem vollständig künstlich angelegten Zoo nutzt das Dählhölzli den vorhandenen Wald als Landschafts- und Lebensraumelement.
Zwischen den Anlagen verlaufen Waldwege, und zahlreiche alte Bäume bleiben Bestandteil der Tiergehege oder ihrer Umgebung. Der Wald bietet zugleich Lebensraum für zahlreiche frei lebende Vögel, Säugetiere, Insekten, Pilze und Pflanzen.
Der Tierpark versteht deshalb nicht nur die gehaltenen Zootiere, sondern auch die einheimische Biodiversität seines Areals als Teil seiner Naturschutzarbeit.
Aareufer
Eine Besonderheit des Tierparks sind die frei zugänglichen Anlagen entlang der Aare. Sie verbinden den Zoo unmittelbar mit dem öffentlichen Spazier- und Erholungsraum am Fluss.
Zu den dort traditionell gehaltenen beziehungsweise präsentierten Tierarten gehören einheimische und europäische Arten. Die Gestaltung dieses Bereichs nutzt die Hanglage zwischen Wald und Fluss.
Mit den AareAlpen wurde am Aarehang eine neue Landschaft für Steinböcke und weitere alpine Tierarten geschaffen. Die Steinböcke gehören bereits seit der Eröffnung von 1937 zum Tierpark Bern. Die ursprüngliche Anlage wurde nach mehr als acht Jahrzehnten grundlegend erneuert; 2020 konnten die Tiere die neue Anlage beziehen.[8]
Vivarium
Das Vivarium gehört seit der Eröffnung des Tierparks zu dessen zentralen Einrichtungen. In ihm werden vor allem Fische, Amphibien, Reptilien und wirbellose Tiere gezeigt.
Im Laufe seiner Geschichte wurde das Gebäude mehrfach verändert und modernisiert. Heute vermitteln verschiedene Aquarien, Terrarien und Landschaftsanlagen Einblicke in Ökosysteme aus unterschiedlichen Teilen der Welt.
Ein Schwerpunkt liegt nicht nur auf auffälligen Tierarten, sondern auch auf kleineren Organismen, deren ökologische Bedeutung in klassischen Zoos lange weniger Beachtung fand.
Der grosse Anteil an Fischen und wirbellosen Tieren erklärt auch, weshalb die Zahl der Individuen im Tierpark deutlich höher ist als die Zahl der für Besucherinnen und Besucher auf den ersten Blick sichtbaren grösseren Tiere.
Ende 2025 umfasste der Tierbestand unter anderem 56 Fischarten und 58 Wirbellosenarten.[2]
Tierwelt
Der Tierpark Bern hält eine Mischung aus einheimischen, europäischen und aussereuropäischen Tierarten.
Zu den bekannten Säugetieren gehören unter anderem:
- Braunbären
- Wölfe
- Luchse
- Europäische Wildkatzen
- Persische Leoparden
- Fischotter
- Seehunde
- Alpensteinböcke
- Gämsen
- Wisente
- Elche
- Moschusochsen
- Europäische Waldrentiere
- Wildschweine
- Alpenmurmeltiere
- verschiedene Primaten
Zum Bestand gehören darüber hinaus zahlreiche Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose.
Nach dem offiziellen Tierbestand vom 31. Dezember 2025 lebten im Tierpark 217 Arten mit insgesamt rund 5'280 Individuen.[2]
| Tiergruppe | Arten Ende 2025 | Individuen Ende 2025 |
|---|---|---|
| Säugetiere | 33 | 194 |
| Vögel | 30 | 179 |
| Reptilien | 28 | 174 |
| Amphibien | 12 | 267 |
| Fische | 56 | 1'700 |
| Wirbellose | 58 | 2'766 |
| Gesamt | 217 | 5'280 |
Quelle: Geschäftsbericht 2025 des Tierpark Bern.[2]
BärenPark
Hauptartikel: BärenPark
Der BärenPark ist der zweite grosse Standort des Tierparks Bern. Er befindet sich am Aarehang unterhalb der historischen Altstadt beim Bärengraben.
Die Haltung von Bären besitzt für Bern eine besondere historische und symbolische Bedeutung. Der Bär ist das Wappentier der Stadt und des Kantons Bern. Über Jahrhunderte wurden deshalb lebende Bären in der Stadt gehalten.
Der traditionelle Bärengraben an der Nydegg wurde 1857 eröffnet. Im Laufe des 20. Jahrhunderts geriet die Haltung der Tiere in dem vergleichsweise kleinen steinernen Graben zunehmend in die Kritik.
Als grundlegende Verbesserung entstand deshalb der neue BärenPark am Aarehang. Er wurde 2009 eröffnet. Seitdem können die Bären ein Gelände von rund 5'000 Quadratmetern nutzen, das sich vom historischen Bärengraben bis hinunter an die Aare erstreckt.[9]
Das Gelände bietet natürliche Bodenflächen, Vegetation, Höhenunterschiede, Rückzugsbereiche und Zugang zu Wasser. Zwischen dem historischen Bärengraben und den modernen Anlagen bestehen Verbindungen, sodass die Tiere unterschiedliche Bereiche nutzen können.
Der BärenPark ist kostenlos zugänglich und gehört zu den stark frequentierten Sehenswürdigkeiten Berns.
Berner Bären
Die Geschichte der Berner Bären ist eng mit der Identität der Stadt verbunden. Der Bär erscheint spätestens seit dem Mittelalter in der Heraldik Berns.
Die erste dokumentierte Bärenhaltung wird für das 15. Jahrhundert erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte bestanden mehrere Bärengräben an unterschiedlichen Standorten.
Der heutige historische Bärengraben entstand 1857 am östlichen Ende der Nydeggbrücke. 1925 wurde zusätzlich ein kleinerer Graben errichtet, der ursprünglich unter anderem der Aufzucht von Jungtieren diente.[4]
Seit der Eröffnung des BärenParks 2009 bildet der historische Graben nur noch einen Teil des wesentlich grösseren Lebensraums der Tiere.
Tierwohl
Das Tierwohl bildet einen zentralen Grundsatz der heutigen Ausrichtung des Tierparks.
Die Tieranlagen sollen den gehaltenen Arten Möglichkeiten bieten, ihr natürliches Verhaltensrepertoire möglichst umfassend auszuleben. Dazu werden Gehege strukturiert und beispielsweise mit Vegetation, Wasser, Felsen, unterschiedlichen Bodenarten, Verstecken und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet.
Auch die Fütterung dient nicht ausschliesslich der Nahrungsversorgung. Futter kann so angeboten werden, dass Tiere danach suchen oder es erarbeiten müssen. Solche Massnahmen werden als Beschäftigung beziehungsweise Enrichment bezeichnet.
Die Haltung wird laufend aufgrund neuer zoologischer, tiermedizinischer und verhaltensbiologischer Erkenntnisse weiterentwickelt.
Natur- und Artenschutz
Der Natur- und Artenschutz zählt zu den Kernaufgaben des Tierparks Bern. Neben der Haltung bedrohter Arten beteiligt sich der Tierpark an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen, Wiederansiedlungen, Forschungsprojekten und Massnahmen zur Förderung einheimischer Lebensräume.
Der Tierpark arbeitet mit anderen Zoos, Behörden, Hochschulen und Naturschutzorganisationen zusammen. Ein Teil der Tiere wird im Rahmen koordinierter Programme gezüchtet.
2025 betreute beziehungsweise unterstützte der Tierpark zahlreiche Artenschutzprojekte. In den drei Jahren bis Ende 2025 wurden insgesamt 422 im Tierpark gezüchtete oder betreute Tiere ausgewildert.[2]
Zu den Arten, für deren Wiederansiedlung Tiere abgegeben wurden, gehörten unter anderem die Europäische Sumpfschildkröte, der Schlichtziesel, der Steinkauz und das Auerhuhn.
Im Jahr 2025 wurden beispielsweise zehn Schlichtziesel für ein Wiederansiedlungsprojekt in Tschechien abgegeben. Sieben Auerhähne kamen in ein Projekt im Thüringer Schiefergebirge. 24 Europäische Sumpfschildkröten wurden im Kanton Freiburg ausgewildert.[2]
Europäische Sumpfschildkröte
Die Zucht der Europäischen Sumpfschildkröte besitzt für den Tierpark Bern besondere Bedeutung.
Sie ist die einzige ursprünglich in der Schweiz vorkommende Schildkrötenart und gilt hier als stark gefährdet. Der Tierpark beteiligt sich an Programmen, mit denen geeignete Nachzuchten später wieder in natürlichen Lebensräumen angesiedelt werden können.
Die Arbeit umfasst neben der Zucht auch tiermedizinische Forschung. Untersuchungen beschäftigen sich beispielsweise mit Krankheitserregern bei frei lebenden und in menschlicher Obhut gehaltenen Sumpfschildkröten.[2]
Wisent
Der Wisent ist ein weiteres Beispiel für eine Tierart, bei der zoologische Gärten eine wichtige Rolle bei der Erhaltung spielten.
Nachdem der Wisent in freier Wildbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgestorben war, konnte die Art aus den wenigen in zoologischen Einrichtungen verbliebenen Tieren wieder aufgebaut werden.
Der Tierpark Bern beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Wisente. 2025 übernahm er zudem eine Funktion als Vizekoordinator innerhalb des entsprechenden EAZA-Programms.[2]
Tiere aus Bern wurden in der Vergangenheit auch für Projekte abgegeben, bei denen Wisente wieder unter naturnahen beziehungsweise freilebenden Bedingungen angesiedelt werden.
Papageitaucher
Eine zoologische Besonderheit des Tierparks ist die Haltung und Zucht von Papageitauchern.
Der Tierpark Bern gehört zu den vergleichsweise wenigen zoologischen Einrichtungen, die diese nordatlantischen Seevögel regelmässig erfolgreich züchten. Für die Haltung sind besondere klimatische, räumliche und ernährungsbiologische Bedingungen erforderlich.
2025 wurden erstmals erwachsene Papageitaucher zwischen Bern und dem Zoo Rotterdam ausgetauscht. Ziel des Austausches war die Erhaltung der genetischen Vielfalt der Population in menschlicher Obhut.[2]
Forschung
Neben Tierhaltung und Artenschutz betreibt und unterstützt der Tierpark wissenschaftliche Forschung.
Zu den Themen gehören Tiermedizin, Verhaltensbiologie, Fortpflanzung, Ernährung, Haltungsmethoden und der Schutz gefährdeter Arten.
Der Tierpark kooperiert dabei mit Universitäten, Forschungsinstitutionen und anderen zoologischen Einrichtungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus diesen Projekten können sowohl der Verbesserung der Tierhaltung als auch dem Schutz wild lebender Populationen dienen.
2025 liefen beispielsweise Forschungsarbeiten zur Gesundheit Europäischer Sumpfschildkröten sowie zur Anästhesie von Wildwiederkäuern.[2]
Bildung
Der Tierpark versteht sich als ausserschulischer Lernort. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen Tiere nicht nur betrachten, sondern Zusammenhänge zwischen Tierwelt, Lebensräumen, Biodiversität und menschlichem Handeln kennenlernen.
Für Schulen bestehen spezielle Unterrichtsangebote. Hinzu kommen Führungen, Veranstaltungen und Programme für unterschiedliche Altersgruppen.
Im Jahr 2025 wurden 582 Schullektionen durchgeführt. Zusätzlich fanden 388 Führungen und 103 besondere Veranstaltungen und Erlebnisangebote statt.[2]
Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dabei werden ökologische Themen mit Fragen des menschlichen Konsums, der Nutzung natürlicher Ressourcen und des Schutzes von Lebensräumen verbunden.
Biodiversität im Tierpark
Neben den eigentlichen Tieranlagen werden im Dählhölzli zunehmend Flächen gezielt für wild lebende Arten aufgewertet.
Dazu gehören Ruderalflächen, Totholzstrukturen, Wildhecken, Ast- und Steinhaufen sowie speziell angelegte Lebensräume für Insekten.
Bis Ende 2025 waren rund 630 Quadratmeter neue Biodiversitätsflächen geschaffen worden. Eine Untersuchung wies dort 71 lokale Wildbienenarten nach, darunter auch gefährdete Arten.[2]
Der Tierpark beteiligt sich ausserdem an Projekten für Käfer, Amphibien und andere einheimische Tiergruppen.
Im Rahmen eines Berner Käferprojekts werden beispielsweise Nashorn- und Hirschkäfer gezüchtet und an geeigneten Standorten wieder angesiedelt. 2025 wurden unter anderem 70 erwachsene Nashornkäfer und 25 Hirschkäferlarven an verschiedenen Standorten der Stadt Bern ausgewildert.[2]
Besucherinnen und Besucher
Der Tierpark gehört zu den bedeutenden Freizeit- und Bildungsangeboten der Region Bern.
Dabei müssen die Besucherzahlen differenziert betrachtet werden, weil grosse Teile der Anlage frei zugänglich sind und deshalb nicht über verkaufte Eintrittskarten erfasst werden können.
2025 besuchten mehr als 310'000 Menschen den eintrittspflichtigen Dählhölzli-Zoo. Für den BärenPark wurden mehr als 1,8 Millionen Besuche geschätzt. Weitere rund 1,2 Millionen Besuche entfielen auf den Dählhölzliwald, den Kinderzoo und die frei zugänglichen Anlagen entlang der Aare. Insgesamt verzeichnete der Tierpark damit mehr als drei Millionen Besuche.[2]
Die hohen Zahlen des frei zugänglichen Bereichs zeigen die besondere Funktion des Tierparks als Teil des öffentlichen Stadt- und Erholungsraums.
Organisation
Der Tierpark Bern ist keine eigenständige private Zoogesellschaft, sondern eine Organisationseinheit der Stadt Bern. Er gehört zur Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie.[1]
Der laufende Betrieb wird hauptsächlich durch die Stadt Bern getragen. Für den Bau und die Erneuerung von Tieranlagen spielen zusätzlich Beiträge von privaten Unterstützern, Stiftungen und weiteren Geldgebern eine wichtige Rolle.[1]
Seit dem 1. September 2021 wird der Tierpark von der Tierärztin Friederike von Houwald geleitet. Sie folgte auf Bernd Schildger, der nach mehr als 24 Jahren als Tierparkdirektor in den Ruhestand trat.[7] Auch 2026 ist Friederike von Houwald Direktorin des Tierparks.[10]
Tierparkverein Bern
Eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des Zoos spielt der Tierparkverein Bern. Er wurde 1930 gegründet, also mehrere Jahre vor der Eröffnung des Dählhölzli-Zoos.
Der Verein unterstützt Projekte des Tierparks, Tieranlagen und weitere zoologische und pädagogische Aufgaben. Über Jahrzehnte stellte er erhebliche finanzielle Mittel für die Entwicklung des Tierparks zur Verfügung.
Die Unterstützung durch den Tierparkverein, Stiftungen, Unternehmen und private Spender ermöglicht Projekte, die aus den ordentlichen Mitteln der Stadt allein nicht oder nur schwer realisierbar wären.
Stadttauben
Auch das Management der Stadttauben gehört zu den Aufgaben des Tierparks Bern.
In den 1980er- und 1990er-Jahren lebten in Bern schätzungsweise mehr als 10'000 Stadttauben. Der Tierpark entwickelte in der Folge ein Taubenmanagement mit dem Ziel eines kleineren und gesünderen Bestands.
Seit einem Entscheid des Gemeinderats von 2010 liegt die Zuständigkeit für die Taubenkontrolle bei der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie und damit beim Tierpark Bern. Durch betreute Taubenschläge und weitere Massnahmen konnte die Population stark reduziert werden.[11]
Besucherbereiche und Infrastruktur
Das Dählhölzli verfügt über ein weitläufiges Wegenetz durch Wald und entlang der Aare. Neben den Tieranlagen gehören gastronomische Einrichtungen, Spielmöglichkeiten, Informationsangebote und Veranstaltungsräume zur Infrastruktur.
Zu den charakteristischen Bereichen zählen das Vivarium, der Kinderzoo, die Anlagen im Dählhölzliwald sowie die frei zugänglichen Anlagen am Aareufer.
Der Tierpark ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet.[12]
Durch seine Lage in der Stadt ist das Dählhölzli gut mit dem öffentlichen Verkehr, mit dem Velo und zu Fuss erreichbar. Ein Spazierweg entlang der Aare verbindet die Umgebung des Zoos mit anderen Teilen des Berner Naherholungsgebiets.
Gesamtplanung 2023–2033
Die langfristige Entwicklung des Tierparks wird durch die Gesamtplanung Tierpark Bern 2023–2033 bestimmt. Sie wurde von der Stadt als strategische Grundlage für die weitere Entwicklung der Anlagen ausgearbeitet.[13]
Zentrale Themen sind Tierwohl, Artenschutz, ökologische Infrastruktur, Bildung, Mobilität, Energie, Besucherangebote und die zukünftige Gestaltung des BärenParks.
Zu den grösseren Vorhaben gehört die Weiterentwicklung des Familienbereichs zu einem neuen FamilienZoo. Das Konzept soll Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen und Tieren mit modernen Anforderungen an das Tierwohl verbinden.
Die Planung folgt damit der langfristigen Entwicklung des Tierparks weg von einer möglichst grossen Artenzahl hin zu qualitativ hochwertigen Lebensräumen und einer stärkeren Verbindung zwischen Zoo, Naturschutz und Bildung.
Nachhaltigkeit
Der Tierpark verfolgt neben dem Schutz von Tierarten auch betriebliche Nachhaltigkeitsziele.
Im Energiebereich besteht das Ziel, bis 2035 eine Netto-Null-Institution zu werden. Dazu sollen Energieverbrauch, Eigenproduktion und die Nachhaltigkeit der Infrastruktur schrittweise verbessert werden.[14]
Auch bei Lebensmitteln, Materialien und der Gestaltung neuer Anlagen sollen regionale und nachhaltige Lösungen berücksichtigt werden.
Die ökologische Aufwertung des eigenen Geländes ist Bestandteil dieser Strategie. Damit soll der Tierpark nicht nur Arten in seinen Gehegen erhalten, sondern selbst einen Lebensraum für die städtische Biodiversität bilden.
Bedeutung für Bern
Der Tierpark besitzt für Bern eine besondere Stellung, weil er zoologische Einrichtung, Naherholungsgebiet, Bildungsstätte und Teil der Stadtgeschichte zugleich ist.
Das Dählhölzli ist eng mit dem Aareufer und dem Dählhölzliwald verbunden und wird auch von Menschen genutzt, die keinen eigentlichen Zoobesuch planen. Der BärenPark wiederum verbindet die moderne Tierhaltung unmittelbar mit dem historischen Symbol Berns.
Die Berner Bären gehören zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Durch die organisatorische Verbindung von Dählhölzli und BärenPark verbindet der Tierpark daher moderne zoologische Aufgaben mit einer Tradition, deren Ursprünge bis ins Mittelalter reichen.
Gleichzeitig hat sich der Schwerpunkt des Tierparks stark gewandelt. Während zoologische Gärten früher hauptsächlich Orte zur Ausstellung möglichst vieler Tierarten waren, stehen heute Tierwohl, Artenschutz, wissenschaftliche Arbeit und Umweltbildung im Mittelpunkt.
Tierbestand Ende 2025
Zu den Ende 2025 im Tierpark gehaltenen Säugetierarten gehörten unter anderem Europäische Wildkatzen, Karpatenluchse, Persische Leoparden, Europäische Wölfe, Eisfüchse, Braunbären, Seehunde, Fischotter, Elche, Wisente, Moschusochsen, Alpensteinböcke und Alpengämsen.[2]
Mehrere dieser Arten werden innerhalb von Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) gehalten. Ziel solcher Programme ist die koordinierte Erhaltung genetisch gesunder Populationen in zoologischen Einrichtungen.
Der Tierbestand verändert sich laufend durch Geburten, Todesfälle, Transfers zwischen zoologischen Einrichtungen sowie Auswilderungen. Zahlen zum Tierbestand beziehen sich deshalb jeweils auf einen bestimmten Stichtag.
Siehe auch
- BärenPark
- Bärengraben Bern
- Bern
- Aare
- Zoo Basel
- Zoo Zürich
- Tierpark Goldau
- Tierpark Langenberg
- Wildnispark Zürich
- Artenschutz in der Schweiz
Literatur
- Bernd Schildger, Stephanie von Erlach, Mathias Haupt, Sebastian Bentz: Mehr Platz für weniger Tiere – Die Geschichte des Tierparks Bern. Bern.
- Tierpark Bern: Geschäftsbericht 2025. Bern 2026.
- Stadt Bern: Tierpark Bern – Gesamtplanung 2023–2033. Bern.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Organisation des Tierpark Bern, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 Geschäftsbericht 2025, Tierpark Bern, 2026.
- ↑ Eintrittspreise, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Botschaft zum Reglement über den Tierpark Dählhölzli, Stadt Bern.
- ↑ Die Dählhölzli-Geschichte, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Tierpark – Verwaltungsgeschichte, Stadtarchiv Bern.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Geschichte des Tierpark Bern, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Der König der Alpen erhält ein neues Königreich, Tierpark Bern, 12. Mai 2020.
- ↑ BärenPark, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Wie die Tiere im Tierpark Bern die Hitzewelle meistern, Medienmitteilung des Tierpark Bern, 25. Juni 2026.
- ↑ Stadttauben in Bern, Stadt Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Zoobesuch, Tierpark Bern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Tierpark Bern – Gesamtplanung 2023–2033, Stadt Bern.
- ↑ Nachhaltig, saisonal und regional mit der Kraft der Natur, Tierpark Bern, 15. April 2024.
Wikimedia Commons: Medien zu Tierpark Bern