Steffisburg
| Steffisburg | |
|---|---|
| Politische Gemeinde | |
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Bern |
| Verwaltungskreis | Thun |
| BFS-Nummer | 939 |
| Postleitzahlen | 3612 Steffisburg 3613 Steffisburg 3624 Schwendibach |
| Koordinaten | 46° 47′ 00″ N, 7° 38′ 00″ O |
| Höhe | 585 m ü. M. |
| Fläche | 14,84 km² |
| Einwohner | 16'547 |
| Einwohnerstand | 31. Juli 2026[1] |
| Bevölkerungsdichte | rund 1'115 Einwohner pro km² |
| Amtssprache | Deutsch |
| Gemeindepräsident | Reto Jakob |
| Region | CH-BE |
| Website | www.steffisburg.ch |
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Lage von Steffisburg im Verwaltungskreis Thun
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Steffisburg ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Thun des Kantons Bern in der Schweiz. Sie liegt unmittelbar nördlich der Stadt Thun am Ausgang des Zulgtals und gehört zur Agglomeration Thun. Mit mehr als 16'500 Einwohnern ist Steffisburg eine der bevölkerungsreichsten Gemeinden des Kantons Bern.
Trotz ihrer städtischen Grösse bezeichnet sich die Gemeinde häufig weiterhin als Dorf. Das Ortsbild weist sowohl dicht bebaute Wohn- und Gewerbegebiete als auch einen historischen Dorfkern, landwirtschaftlich genutzte Flächen und voralpine Streusiedlungen auf. Seit dem 1. Januar 2020 gehört die zuvor selbstständige Gemeinde Schwendibach zu Steffisburg.
Die Gemeinde wird von der Zulg durchflossen, die aus dem östlich gelegenen Zulgtal kommt und westlich des Siedlungsgebiets in die Aare mündet. Steffisburg ist eng mit Thun verflochten, besitzt jedoch eine eigene politische Verwaltung, ein Gemeindeparlament, mehrere Schulen, bedeutende Industrie- und Gewerbebetriebe sowie ein ausgeprägtes kulturelles und gesellschaftliches Leben.
Geographie
Steffisburg liegt am nordöstlichen Rand des breiten Thuner Beckens, dort, wo die voralpine Hügellandschaft des Zulgtals in die Ebene der Aare übergeht. Das Gemeindezentrum befindet sich rund zwei Kilometer nördlich der Thuner Altstadt.
Die Zulg durchquert das Gemeindegebiet von Osten nach Westen. Der Gebirgsfluss entspringt im Gebiet zwischen Hohgant und Honegg und sammelt das Wasser eines grossen Teils des Zulgtals. Bei Steffisburg verlässt er das engere Tal, fliesst durch das bebaute Gemeindegebiet und mündet wenig später in die Aare.
Das Gemeindegebiet umfasst 14,84 Quadratkilometer. Es reicht von den dicht besiedelten Quartieren im Aaretal über das historische Ober- und Unterdorf bis zu den höher gelegenen, ländlich geprägten Gebieten von Schwendibach. Neben Siedlungsflächen bestehen Wälder, Wiesen, landwirtschaftliche Nutzflächen und naturnahe Abschnitte entlang der Zulg.
Nachbargemeinden sind Thun im Süden und Südwesten, Uetendorf im Westen, Heimberg im Nordwesten, Fahrni im Norden, Unterlangenegg und Homberg im Osten. Die Siedlungsgebiete von Steffisburg und Thun gehen insbesondere im Bereich Schwäbis und Sonnenfeld nahezu ohne sichtbare Unterbrechung ineinander über.
Ortsteile und Quartiere
Das historische Zentrum von Steffisburg besteht aus dem Oberdorf und dem Unterdorf. Das Oberdorf liegt leicht erhöht auf einer Nagelfluhrippe. Dort befinden sich die reformierte Dorfkirche, das Grosse und das Kleine Höchhus sowie zahlreiche ältere Wohn- und Bauernhäuser.
Das Unterdorf entwickelte sich entlang der Zulg und der früher für Mühlen, Sägen und Gewerbebetriebe wichtigen Wasserläufe. Der Mühlebach wurde seit Jahrhunderten zur Versorgung handwerklicher und gewerblicher Anlagen genutzt.
Zu den weiteren Siedlungsgebieten und Quartieren gehören unter anderem:
- Bernstrasse
- Flühli
- Glockenthal
- Hardegg
- Ortbühl
- Schwäbis
- Sonnenfeld
- Schwendibach
Schwäbis und Sonnenfeld liegen unmittelbar an der Grenze zu Thun. Sie sind durch grössere Wohnüberbauungen, Gewerbebetriebe, Schulen und Verkehrsanlagen geprägt. In den höher gelegenen Gemeindeteilen überwiegen dagegen Einzelhöfe, kleinere Häusergruppen und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Zulg und Hochwasserschutz
Die Zulg prägt die Landschaft und die Geschichte der Gemeinde. Bei starken Niederschlägen kann der Fluss innerhalb kurzer Zeit grosse Wassermengen und Geschiebe aus dem Zulgtal mitführen. Historische Dokumente berichten wiederholt über Überschwemmungen und Schäden im Siedlungsgebiet.
Nach mehreren Hochwasserereignissen liess die Gemeinde ab 2004 Studien zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erstellen. Daraus entstand das Projekt «Hochwasserschutz und Längsvernetzung Zulg». Es verbindet bauliche Schutzmassnahmen mit einer ökologischen Aufwertung des Gewässers.[2]
Zu den vorgesehenen und teilweise bereits ausgeführten Massnahmen gehören die Verbreiterung des Flussraums, die Anpassung von Schwellen, die Sicherung von Ufern und Brücken sowie die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserlebewesen. Gleichzeitig sollen Wege und Erholungsräume entlang des Flusses aufgewertet werden.
Geschichte
Name und frühe Besiedlung
Der Name Steffisburg wurde 1133 erstmals urkundlich erwähnt. Als frühe Namensform ist Stevensburc beziehungsweise eine vergleichbare Schreibweise überliefert. Der Ortsname wird aus dem Heiligennamen Stephan und dem althochdeutschen Wort burg zusammengesetzt. Die ursprüngliche Bedeutung lautet demnach «Burg des heiligen Stephan».[3]
Der heilige Stephan galt als Schutzpatron der mittelalterlichen Pfarrkirche. Ob die namensgebende Burg unmittelbar bei der Kirche oder an einer anderen Stelle lag, ist nicht abschliessend geklärt. Die Baugruppe des Grossen und Kleinen Höchhus geht jedoch auf einen hochmittelalterlichen Herrschaftssitz zurück.
Archäologische Untersuchungen bei der Dorfkirche belegen eine wesentlich ältere Besiedlung. Am Standort der heutigen Kirche bestand wahrscheinlich bereits im 7. oder 8. Jahrhundert ein erstes christliches Gotteshaus. Noch ältere Baustrukturen könnten auf eine profane Nutzung des Platzes hinweisen.[4]
Mittelalter
Im Hochmittelalter gehörte Steffisburg zum Einflussgebiet der Freiherren von Heimberg. Deren Herrschaft erstreckte sich über weite Teile des Zulgtals. Neben weltlichen Grundherren verfügten auch geistliche Institutionen über umfangreiche Rechte und Besitzungen. Zu den wichtigsten gehörte das Kloster Interlaken.
Steffisburg entwickelte sich zum politischen, kirchlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt einer grossen Landschaft. Das mittelalterliche Kirchspiel umfasste nicht nur das heutige Gemeindegebiet, sondern weite Teile des Zulgtals und mehrere benachbarte Orte.
Von besonderer Bedeutung war das Freigericht Steffisburg. Dessen Gebiet umfasste zeitweise das ganze Zulgtal sowie Heiligenschwendi, Schwendibach, Goldiwil, Herbligen und Brenzikofen.[5] Steffisburg war Sitz des Gerichts und damit ein regionales Verwaltungszentrum.
Mit dem Niedergang des einheimischen Adels gelangten Güter und Herrschaftsrechte zunehmend an Bürger und Patrizier aus Bern und Thun. Im frühen 15. Jahrhundert kam die Anlage des Höchhus an die Berner Familie Matter. Heinrich Matter gehörte zur politischen Führungsschicht der Stadt Bern und liess 1415 im Bereich der älteren Anlage ein repräsentatives Wohnhaus errichten.[3]
Um 1526 baute Peter Surer, Statthalter des Freigerichts Steffisburg, das Grosse Höchhus zu einem spätgotischen Herrenhaus aus. Der Bau vereinte Wohn-, Repräsentations- und Wirtschaftsräume. Bis 1543 diente er als Gerichtshaus.
Berner Herrschaft und Reformation
Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts wurde Steffisburg vollständig in das Herrschaftsgebiet der Stadt Bern einbezogen. Die örtlichen Gerichts- und Nutzungsrechte blieben jedoch teilweise erhalten. Die Dorfgemeinschaft verwaltete gemeinschaftlich genutzte Wälder, Weiden, Gewässer und Allmenden.
Mit der Berner Reformation von 1528 wurde auch Steffisburg reformiert. Kirchliche Besitzungen gingen teilweise an den bernischen Staat über. Die Dorfkirche wurde fortan für den evangelisch-reformierten Gottesdienst genutzt.
Das kirchliche Einzugsgebiet blieb zunächst ausserordentlich gross. Einwohner aus abgelegenen Teilen des Zulgtals mussten weite Wege zum Gottesdienst nach Steffisburg zurücklegen. Später entstanden in verschiedenen Orten eigene Kirchen und Kirchgemeinden.
Landwirtschaft, Viehzucht und Waldwirtschaft bildeten während der frühen Neuzeit die wirtschaftliche Grundlage. Daneben bestanden Mühlen, Sägen, Schmieden, Gerbereien und weitere Handwerksbetriebe. Die Wasserkraft der Zulg und des Mühlebachs spielte für das Gewerbe eine wichtige Rolle.
Helvetik und moderne Gemeinde
Nach dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft wurde Steffisburg 1798 Teil der Helvetischen Republik. Während dieser Zeit bestand ein Distrikt Steffisburg. Mit der Mediationsakte von 1803 wurde die Gemeinde dem Oberamt Thun zugeteilt, aus dem später der Amtsbezirk Thun hervorging.
Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts beendeten schrittweise die alten grundherrschaftlichen und korporativen Verhältnisse. Aus der historischen Dorfgemeinschaft entwickelten sich die moderne Einwohnergemeinde und die Burgergemeinde.
Die Landwirtschaft blieb weiterhin bedeutend, doch nahmen Heimarbeit, Handwerk und Gewerbe zu. Die Nähe zu Thun, die Verbesserung der Strassenverbindungen und später der Anschluss an die Eisenbahn förderten die Entwicklung neuer Wohn- und Betriebsstandorte.
Töpferei und Industrialisierung
Die Region Heimberg–Steffisburg entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Töpfereigebiete des Kantons Bern. Entlang der Strasse zwischen Thun und Bern bestanden zeitweise zahlreiche Werkstätten. Um 1850 wurden in der Region ungefähr 80 Töpfereien gezählt.[6]
Die Töpfer stellten zunächst vor allem Gebrauchsgeschirr her. Später entstanden reich verzierte Schüsseln, Teller, Krüge, Vasen und andere Zierobjekte. Das sogenannte Thuner Majolika-Geschirr wurde über die Region hinaus bekannt. An der Weltausstellung von Paris im Jahr 1878 erzielten Töpfer aus der Region internationale Aufmerksamkeit.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden grössere keramische Betriebe und Kunsttöpfereien. Die lokale Keramiktradition beeinflusste das Erscheinungsbild und die wirtschaftliche Entwicklung von Steffisburg, verlor jedoch im Verlauf des 20. Jahrhunderts aufgrund industrieller Konkurrenz und veränderter Konsumgewohnheiten an Bedeutung.
Neben der Töpferei entwickelten sich Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus, der Holzverarbeitung, des Baugewerbes und der Lebensmittelproduktion. Die 1912 gegründete Fritz Studer AG wurde zu einem bedeutenden Hersteller von Präzisions-Rundschleifmaschinen.[7]
Wachstum im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wandelte sich Steffisburg von einer vorwiegend landwirtschaftlich und handwerklich geprägten Gemeinde zu einem Wohn-, Gewerbe- und Industriestandort der Agglomeration Thun.
Das Bevölkerungswachstum beschleunigte sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Neue Wohnquartiere entstanden in der Ebene, entlang der Hauptverkehrsachsen und an den Hängen rund um den historischen Dorfkern. Die Siedlungsgebiete von Steffisburg und Thun wuchsen zunehmend zusammen.
Mit der steigenden Einwohnerzahl wurden neue Schulhäuser, Sportanlagen, Kirchen, Verwaltungsgebäude und soziale Einrichtungen gebaut. Zugleich entstanden neue Gewerbezonen. Ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen pendelt seither nach Thun, Bern oder in andere Gemeinden der Region.
Am 1. Januar 1947 trat erstmals der Grosse Gemeinderat zusammen. Das neue Gemeindeparlament löste die Gemeindeversammlung als gesetzgebendes Organ ab.[8]
Fusion mit Schwendibach
Die Gemeinden Steffisburg und Schwendibach arbeiteten bereits vor ihrer Fusion in verschiedenen Bereichen zusammen. Schwendibach war eine kleine, ländlich geprägte Gemeinde mit einer Streusiedlung an den Hängen südlich der Zulg.
Nach Vorabklärungen und der Ausarbeitung eines Fusionsvertrags stimmten der Grosse Gemeinderat von Steffisburg und die Gemeindeversammlung von Schwendibach am 3. Mai 2019 dem Zusammenschluss zu. Die Fusion wurde am 1. Januar 2020 vollzogen.[9]
Steffisburg übernahm die Rechtsnachfolge der bisherigen Einwohnergemeinde Schwendibach. Deren politische Organe und Gemeindeverwaltung wurden aufgehoben. Der Name Schwendibach blieb als Ortsbezeichnung und Postadresse erhalten.
Durch die Fusion vergrösserte sich das Gemeindegebiet um rund 1,5 Quadratkilometer. Gleichzeitig erhielt Steffisburg zusätzliche landwirtschaftliche Flächen, Wälder und ländliche Siedlungsgebiete.
Bevölkerung
Am 31. Juli 2026 lebten 16'547 Personen in Steffisburg.[1] Damit gehört die Gemeinde zu den grössten Einwohnergemeinden des Kantons Bern.
Die Bevölkerung wuchs insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark. Gründe waren die Nähe zur Stadt Thun, die gute verkehrstechnische Erschliessung, die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben sowie die Entstehung neuer Wohnquartiere.
Steffisburg besitzt heute sowohl städtisch geprägte Quartiere als auch ländliche Gemeindeteile. In Schwäbis, Sonnenfeld und entlang der Bernstrasse ist die Bebauung vergleichsweise dicht. Im Oberdorf, in den Hanglagen und in Schwendibach bestehen dagegen zahlreiche Einfamilienhäuser, Bauernhöfe und kleinere Siedlungsgruppen.
Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine Variante des Berndeutschen gesprochen. Durch die Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und aus dem Ausland haben weitere Sprachen an Bedeutung gewonnen.
Die Bevölkerung war historisch fast vollständig evangelisch-reformiert. Heute bestehen neben der reformierten Kirchgemeinde eine römisch-katholische Pfarrei, evangelische Freikirchen und weitere religiöse Gemeinschaften. Zugleich ist der Anteil konfessionsloser Einwohner gestiegen.
Politik und Verwaltung
Die politische Organisation von Steffisburg besteht aus dem Gemeindepräsidenten, dem Gemeinderat und dem Grossen Gemeinderat. Die Gemeinde verfügt damit im Unterschied zu kleineren Berner Gemeinden über ein eigenes Parlament.
Gemeindepräsidium und Gemeinderat
Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Er besteht aus sieben Mitgliedern und führt die Gemeinde nach den Vorgaben des Grossen Gemeinderats und der Stimmberechtigten. Die verschiedenen Aufgabenbereiche sind auf Departemente verteilt.
Für die Legislaturperiode 2023–2026 gehören dem Gemeinderat Vertreter der SVP, der SP, der EVP, der GLP und der FDP an. Gemeindepräsident ist seit dem 1. Januar 2022 Reto Jakob von der SVP.[10]
Zu den Departementen gehören unter anderem:
- Präsidiales
- Bildung
- Finanzen
- Hochbau und Planung
- Sicherheit
- Soziales
- Tiefbau und Umwelt
Der Gemeindepräsident wird von den Stimmberechtigten gewählt. Er leitet die Sitzungen des Gemeinderats und vertritt die Gemeinde nach aussen.
Grosser Gemeinderat
Der Grosse Gemeinderat ist die Legislative von Steffisburg. Er zählt 34 Mitglieder und wird nach dem Verhältniswahlverfahren für jeweils vier Jahre gewählt.[11]
In der Legislaturperiode 2023–2026 verteilen sich die Sitze wie folgt:
| Partei | Sitze |
|---|---|
| Schweizerische Volkspartei | 9 |
| Sozialdemokratische Partei | 6 |
| Grünliberale Partei | 5 |
| Evangelische Volkspartei | 4 |
| FDP.Die Liberalen | 4 |
| Eidgenössisch-Demokratische Union | 3 |
| Grüne Steffisburg | 2 |
| Die Mitte Zulg | 1 |
Das Parlament beschliesst unter anderem das Budget, grössere Ausgaben, Reglemente, Planungsvorlagen und politische Aufträge an den Gemeinderat. Seine Sitzungen sind grundsätzlich öffentlich und finden in der Regel mehrmals jährlich statt.
Über besonders wichtige Geschäfte entscheiden die Stimmberechtigten in kommunalen Volksabstimmungen. Dazu gehören beispielsweise grössere Investitionskredite, Änderungen der Gemeindeordnung und grundlegende Planungsvorlagen.
Burgergemeinde
Neben der Einwohnergemeinde besteht die Burgergemeinde Steffisburg. Sie ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft des Kantons Bern und umfasst die burgerberechtigten Personen.
Die Burgergemeinde verwaltet eigenes Vermögen sowie Wald- und Grundbesitz. Zu ihren traditionellen Aufgaben gehören die Bewirtschaftung des Waldes, die Pflege des burgerlichen Kulturguts und die Unterstützung gemeinnütziger Anliegen.
Wirtschaft
Steffisburg besitzt eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Neben Industrie und Gewerbe sind der Dienstleistungssektor, das Bauwesen, der Detailhandel, das Gesundheitswesen und die öffentliche Verwaltung von Bedeutung.
Die landwirtschaftliche Nutzung konzentriert sich vor allem auf die höher gelegenen Gemeindeteile und auf Schwendibach. Wichtig sind Milch- und Viehwirtschaft, Ackerbau, Futterproduktion und einzelne Spezialkulturen. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts zurückgegangen, während die durchschnittliche Betriebsfläche zunahm.
Industrie- und Gewerbegebiete befinden sich vor allem im westlichen und südwestlichen Teil der Gemeinde. Dort bestehen Maschinenbauunternehmen, Metall- und Holzverarbeitungsbetriebe, Logistikunternehmen, Bauunternehmen, Garagen und zahlreiche kleinere Gewerbebetriebe.
Ein bedeutendes Unternehmen ist die Fritz Studer AG. Das 1912 in Steffisburg gegründete Unternehmen entwickelt und produziert Präzisionsmaschinen für das Rundschleifen. Seine Produkte werden weltweit in der Automobilindustrie, im Werkzeugbau, in der Luft- und Raumfahrt, in der Medizintechnik und in weiteren Industriezweigen eingesetzt.[7]
Steffisburg ist zudem eine wichtige Wohngemeinde. Viele Einwohner arbeiten in Thun, Bern oder anderen Orten der Region. Umgekehrt ziehen die örtlichen Industrie-, Gewerbe-, Schul- und Dienstleistungsbetriebe zahlreiche Pendler aus den umliegenden Gemeinden an.
Die Gemeinde gehört zum Wirtschaftsraum Thun und arbeitet bei der Standortförderung mit regionalen Organisationen zusammen. Wichtige Themen sind die Bereitstellung von Gewerbeflächen, die Entwicklung ehemaliger Betriebsareale und die Verbindung von Arbeitsplatzentwicklung, Wohnungsbau und öffentlichem Verkehr.
Verkehr
Eisenbahn
Steffisburg liegt an der Bahnstrecke Thun–Konolfingen–Burgdorf. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen Steffisburg und Schwäbis.
Die Bahnverbindungen gehören zum Netz der S-Bahn Bern und werden von der BLS AG betrieben. Die Linien S41 und S42 verbinden Steffisburg mit Thun, Heimberg, Oberdiessbach, Konolfingen, Hasle-Rüegsau, Burgdorf und teilweise Solothurn.[12]
Der Bahnhof Thun ist von Steffisburg in wenigen Minuten erreichbar. Dort bestehen Anschlüsse an Fernverkehrszüge nach Bern, Basel, Zürich, Luzern, Interlaken, Visp und Brig.
Busverkehr
Für die innerörtliche Erschliessung und die Verbindung mit Thun ist das Busnetz der STI Bus AG von grosser Bedeutung. Die Linien bedienen unter anderem Steffisburg Dorf, Kirche, Flühli, Glockenthal, Schwäbis, Sonnenfeld und die höher gelegenen Ortsteile.
Die Buslinie 1 verbindet Steffisburg Flühli über das Zentrum von Thun mit Spiez. Weitere Linien führen von Thun über Steffisburg in Richtung Fahrni, Unterlangenegg, Schwarzenegg, Heimenschwand und Eriz.[13]
Die dicht bebauten Quartiere verfügen damit über direkte Verbindungen zum Bahnhof Thun, zum Stadtzentrum, zu Schulen, Einkaufszentren und Arbeitsgebieten.
Strassenverkehr
Steffisburg liegt nahe der Autobahn A6, die Bern mit Thun und dem Berner Oberland verbindet. Der Autobahnanschluss Thun-Nord befindet sich unmittelbar westlich der Gemeinde.
Wichtige Strassenverbindungen führen nach Thun, Heimberg, Uetendorf und in das Zulgtal. Die Bernstrasse bildet eine der wichtigsten innerörtlichen Verkehrsachsen. Weitere Hauptverbindungen verlaufen über die Thunstrasse, die Oberdorfstrasse und die Schwarzeneggstrasse.
Das hohe Verkehrsaufkommen in der Agglomeration stellt die Gemeinde vor Herausforderungen. Zu den kommunalen Zielen gehören die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, sichere Schulwege, die Aufwertung von Ortszentren und der Ausbau des Fuss- und Velowegnetzes.
Bildung
Steffisburg verfügt über ein umfangreiches Angebot an Kindergärten, Primarschulen und Schulen der Sekundarstufe I. Im Jahr 2025 bestanden 15 Kindergärten, acht Primarschulhäuser und zwei Oberstufenschulhäuser. Insgesamt wurden rund 1'554 Schülerinnen und Schüler in 82 Klassen unterrichtet.[1]
Zu den Schulstandorten gehören unter anderem:
- Au
- Bernstrasse
- Erlen
- Flühli
- Glockenthal
- Kirchbühl
- Schönau
- Zulg
Die Gemeinde ist für die Schulgebäude, den Betrieb der Volksschule, die Tagesschule und verschiedene unterstützende Angebote zuständig. Für die gymnasiale Bildung, Berufsbildung und höhere Ausbildung nutzen Jugendliche vor allem die Einrichtungen in Thun, Spiez, Interlaken und Bern.
Die Gemeindebibliothek bietet Bücher, Zeitschriften, audiovisuelle Medien und digitale Angebote an. Sie dient zugleich als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt.
Die Schul-, Kultur- und Sportanlage Schönau wird im Rahmen eines langfristigen Projekts erneuert und erweitert. Sie soll zeitgemässe Räume für Unterricht, Sport, Kultur und Veranstaltungen bereitstellen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Dorfkirche
Die reformierte Dorfkirche steht auf einer Nagelfluhrippe über dem Oberdorf. Sie wurde 1224 erstmals urkundlich erwähnt, doch archäologische Untersuchungen weisen auf mehrere wesentlich ältere Vorgängerbauten hin.[4]
Bereits im 7. oder 8. Jahrhundert entstand am Standort ein erstes christliches Gotteshaus. Im 10. oder 11. Jahrhundert bestand eine dreischiffige romanische Basilika. Deren Dachstuhl wurde um 1300 durch einen Brand zerstört.
Die heutige Kirche wurde 1681 nach Plänen des Berner Münsterwerkmeisters Abraham Dünz I. als protestantischer Predigtsaal errichtet. Teile der südlichen und westlichen Mauern stammen noch von der frühromanischen Basilika.
Der gemauerte Kirchturm entstand um 1320. Die hölzerne Glockenlaube und der Turmhelm wurden 1740 errichtet. Zwischen 1980 und 1983 wurde die Kirche umfassend restauriert. Sie dient neben den Gottesdiensten auch als Konzert- und Veranstaltungsraum.
Grosses und Kleines Höchhus
Das Grosse Höchhus und das Kleine Höchhus bilden eine bedeutende historische Baugruppe im Oberdorf. Ihr Ursprung liegt in einem hochmittelalterlichen Herrschaftssitz.
Das Grosse Höchhus erhielt seine heutige Grundform im 15. und frühen 16. Jahrhundert. Der mächtige Steinbau besitzt ein hohes Vollwalmdach und vereint Wohn-, Repräsentations- und frühere Wirtschaftsräume. Er zählt zu den bedeutendsten erhaltenen spätmittelalterlichen ländlichen Herrensitzen im Kanton Bern.[3]
Das Gebäude diente zeitweise als Gerichtshaus. Nach späteren Umbauten wurde es über Jahrhunderte von mehreren Parteien bewohnt. Eine umfassende Restaurierung erfolgte von 2006 bis 2008.
Das Kleine Höchhus ergänzt die historische Anlage. Gemeinsam mit der Dorfkirche und den umliegenden Häusern prägen die beiden Gebäude das Ortsbild des Oberdorfs.
Landhaus
Das Landhaus wurde im 16. Jahrhundert als Gerichtshaus der Landschaft Steffisburg errichtet. Es war während Jahrhunderten ein politischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde.
Im Gebäude fanden Gerichtsverhandlungen, Versammlungen und öffentliche Anlässe statt. Auch der 1947 erstmals zusammengetretene Grosse Gemeinderat hielt seine erste Sitzung im Gasthof Landhaus ab.
Kunsthaus Steffisburg
Das Kunsthaus Steffisburg nutzt historische Gebäude im Oberdorf für Ausstellungen und kulturelle Projekte. Es zeigt zeitgenössische Kunst und setzt sich zugleich mit der Geschichte, Architektur und gesellschaftlichen Entwicklung der Gemeinde auseinander.
Einige Ausstellungen widmen sich der regionalen Töpfereitradition. Dabei werden historische Keramikarbeiten mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen verbunden.
Museum zur alten Töpferei
Das Museum zur alten Töpferei befindet sich im Grenzgebiet zwischen Steffisburg und Heimberg. Es wurde 2023 eröffnet und dokumentiert die Geschichte der Keramikproduktion in der Region Heimberg–Steffisburg.[6]
Die Sammlung umfasst Gebrauchskeramik, Majolika, Ziergeschirr, Werkzeuge, historische Dokumente und Arbeiten verschiedener Töpferfamilien. Das Museum erinnert an eine Handwerkstradition, die während des 18. und 19. Jahrhunderts für die regionale Wirtschaft und Kultur von grosser Bedeutung war.
Ortsbild
Das Oberdorf besitzt zahlreiche historische Wohnhäuser, Bauernhäuser, Speicher und ehemalige Gewerbebauten. Verschiedene Gebäude sind im Bauinventar des Kantons Bern als schützens- oder erhaltenswert eingestuft.
Im Unterdorf erinnern Mühlen, Wasserläufe und ältere Gewerbebauten an die frühere Nutzung der Wasserkraft. Die später entstandenen Quartiere zeigen die Entwicklung vom Bauerndorf zur Agglomerationsgemeinde.
Natur und Freizeit
Die Zulg ist einer der wichtigsten Natur- und Erholungsräume der Gemeinde. Wege entlang des Flusses werden zum Spazieren, Wandern, Joggen und Velofahren genutzt. An geeigneten Stellen bestehen Bade- und Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die Wälder und Hügel oberhalb des Dorfes erschliessen ein ausgedehntes Wanderwegnetz. Von den höher gelegenen Gebieten bieten sich Ausblicke auf das Thuner Becken, den Thunersee und die Berner Alpen.
Zu den Sportanlagen gehören Fussballplätze, Turnhallen, Tennisanlagen, Schiessanlagen und weitere Einrichtungen. Die neue beziehungsweise erneuerte Anlage Schönau dient dem Schul-, Vereins- und Breitensport.
Der 1952 gegründete FC Steffisburg betreibt mehrere Aktiv-, Junioren- und Nachwuchsmannschaften. Auch der Turnverein Steffisburg besitzt eine lange Tradition. Besonders bekannt ist die Handballabteilung, die im Leistungs- und Breitensport mit Vereinen aus der Region Thun zusammenarbeitet.
Zahlreiche Musik-, Kultur-, Sport-, Quartier- und Interessenvereine prägen das gesellschaftliche Leben. Wiederkehrende Veranstaltungen, Konzerte, Märkte und Vereinsanlässe finden im Dorfzentrum, in Schul- und Sportanlagen sowie in historischen Gebäuden statt.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt auf rotem Grund eine silberne Burg mit zwei gedeckten Türmen und einem zweistufigen Giebel. Die Burg steht auf einem grünen Dreiberg.
Die Blasonierung lautet: In Rot auf einem grünen Dreiberg eine silberne Burg mit zwei gedeckten Türmen und einem zweistufigen Giebel.[3]
Das Wappen nimmt unmittelbar auf den Ortsnamen Bezug. Die Burg ist ein redendes Wappenmotiv, während die Verbindung zum heiligen Stephan durch die historische Namensdeutung hergestellt wird.
Persönlichkeiten
- Ferdinand Hodler (1853–1918), Maler, verbrachte einen Teil seiner Jugend in Steffisburg
- Michael Stettler (1913–2003), Architekt, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Denkmalpfleger
- David Tschanz (1717–1784), reformierter Geistlicher und Vertreter des Pietismus
- Fritz Studer (1891–1976), Unternehmer und Gründer der Fritz Studer AG
Literatur
- Anne-Marie Dubler: Steffisburg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Hans Zeller: Steffisburg. Bilder aus der Geschichte von Dorf und Landschaft. Ott Verlag, Thun.
- Hermann Buchs: Heimberger Keramik. Bern 1980.
- Adriano Boschetti-Maradi: Gefässkeramik und Hafnerei in der Frühen Neuzeit im Kanton Bern. Bern 2006.
Weblinks
- Offizielle Website der Einwohnergemeinde Steffisburg
- Anne-Marie Dubler: Steffisburg. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- Geschichte von Steffisburg
- Burgergemeinde Steffisburg
- Kunsthaus Steffisburg
- Museum zur alten Töpferei
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Zahlen, Daten und Fakten, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Hochwasserschutz und Längsvernetzung Zulg, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Aus der Geschichte, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Die Dorfkirche, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Anne-Marie Dubler: Steffisburg. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- ↑ 6,0 6,1 Museum zur alten Töpferei, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 7,0 7,1 Fritz Studer AG, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Von der Gemeindeversammlung zum Grossen Gemeinderat, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Gemeindefusion Steffisburg–Schwendibach, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Gemeinderat, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Grosser Gemeinderat, Einwohnergemeinde Steffisburg, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Die Linien der BLS, Fahrplan 2026, BLS AG, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ STI-Fahrplan 2026, STI Bus AG, abgerufen am 6. August 2026.
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