Meyrin
| Kanton | Genf |
|---|---|
| Amtliche Sprache | Französisch |
| BFS-Nummer | 6630 |
| Postleitzahlen | 1216 und 1217 |
| Koordinaten | 46° 14′ N, 6° 05′ O |
| Höhe | etwa 440 m ü. M. |
| Fläche | 9,94 km² |
| Einwohner | 27'365 |
| Einwohnerstand | 31. Dezember 2025 |
| Bevölkerungsdichte | 2'754 Einwohner je km² |
| Website | www.meyrin.ch |
Meyrin ist eine politische Gemeinde und Stadt im Kanton Genf in der Schweiz. Sie liegt nordwestlich der Stadt Genf an der Grenze zu Frankreich und gehört zum dicht besiedelten Kern der grenzüberschreitenden Agglomeration Grand Genève. Ende 2025 lebten 27'365 Menschen in der Gemeinde. Meyrin ist damit nach Genf, Vernier und Lancy eine der bevölkerungsreichsten Gemeinden des Kantons.[1]
Meyrin ist international vor allem als Standort des europäischen Kernforschungszentrums CERN bekannt. Auch Teile des Genfer Flughafens, grosse Gewerbe- und Industriegebiete sowie die erste nach modernen städtebaulichen Grundsätzen geplante Satellitenstadt der Schweiz prägen die Gemeinde. Neben den dicht bebauten Stadtquartieren gehören die älteren Dörfer Meyrin, Mategnin und Cointrin, das moderne Ökoquartier Les Vergers und landwirtschaftlich genutzte Gebiete zum Gemeindegebiet.
Geographie
Meyrin liegt im äussersten Nordwesten des Kantons Genf auf der rechten Seite der Rhone. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der französisch-schweizerischen Grenze im Norden und Westen bis zu den dicht bebauten Gebieten von Vernier und Le Grand-Saconnex im Osten und Süden.
Die Gemeinde grenzt im Kanton Genf an Satigny, Vernier und Le Grand-Saconnex. Auf französischer Seite liegen die Gemeinden Saint-Genis-Pouilly, Prévessin-Moëns und Ferney-Voltaire im Département Ain.
Das 9,94 Quadratkilometer grosse Gemeindegebiet liegt auf einem leicht gewellten Plateau. Die mittlere Höhenlage beträgt rund 440 Meter über Meer. Die Landschaft wird von Siedlungen, Industrie- und Verkehrsanlagen, dem Flughafen, dem CERN-Gelände sowie verbliebenen Landwirtschafts- und Naturflächen geprägt.[2]
Zu den kleineren Wasserläufen gehören der Nant d’Avril und mehrere teilweise eingedolte Bäche. Sie entwässern das Gebiet in Richtung Rhone. Im Nordwesten und bei Mategnin sind Teile der traditionellen Genfer Kulturlandschaft mit Feldern, Hecken und kleineren Waldflächen erhalten.
Stadtgliederung
Meyrin besitzt kein einheitlich gewachsenes Stadtzentrum. Die Gemeinde besteht aus mehreren Siedlungsbereichen, die sich in Entstehungszeit, Bebauung und Funktion deutlich unterscheiden.
Zu den wichtigsten Ortsteilen und Quartieren gehören:
- Meyrin-Village
- Meyrin-Cité
- Cointrin
- Mategnin
- Maisonnex
- Champs-Fréchets
- Citadelle
- Les Vergers
- das CERN-Gelände
- die Industrie- und Gewerbezone ZIMEYSA
Meyrin-Village
Meyrin-Village ist der historische Kern der Gemeinde. Das frühere Bauerndorf entwickelte sich entlang der Strasse zwischen Genf und dem französischen Pays de Gex. Im Ortsbild sind ältere Bauernhäuser, Wohngebäude, öffentliche Einrichtungen und historische Strassenstrukturen erhalten.
Das Dorf blieb auch nach dem Bau der grossen Satellitenstadt als eigener Siedlungsteil erkennbar. In seiner Umgebung entstanden jedoch neue Wohnquartiere, Schulen, Sportanlagen und das Ökoquartier Les Vergers.
Meyrin-Cité
Meyrin-Cité entstand hauptsächlich in den 1960er- und 1970er-Jahren. Die Siedlung war die erste grosse Satellitenstadt der Schweiz. Sie wurde errichtet, um den starken Bedarf an Wohnraum in der wachsenden Genfer Agglomeration zu decken.
Die Planung orientierte sich an den damals modernen Grundsätzen des Städtebaus. Mehrgeschossige Wohnhäuser wurden in grosszügige Grünflächen eingebettet und räumlich von den wichtigsten Verkehrsachsen getrennt. Schulen, Geschäfte, Sportanlagen und soziale Einrichtungen sollten eine weitgehend eigenständige Stadt bilden.
Meyrin-Cité besitzt keinen traditionellen geschlossenen Stadtkern. Das Zentrum entstand rund um die Avenue de Feuillasse, die Place des Cinq-Continents, das Einkaufszentrum Meyrin Centre und das Forum Meyrin. Die weitläufigen Freiräume und die klare Trennung zwischen Wohngebieten, Verkehrsflächen und öffentlichen Einrichtungen gelten als typische Merkmale der Nachkriegsmoderne.
Cointrin
Cointrin liegt im Osten der Gemeinde in unmittelbarer Nähe des Genfer Flughafens. Der historische Weiler erstreckt sich heute über Teile der Gemeinden Meyrin, Vernier und Le Grand-Saconnex.
Der zu Meyrin gehörende Teil ist vor allem durch Wohnhäuser, Villen, Hotels, Gewerbebetriebe und Verkehrsanlagen geprägt. Die Entwicklung des Quartiers wurde seit dem frühen 20. Jahrhundert stark durch den Ausbau des Flughafens beeinflusst.
Mategnin und Maisonnex
Mategnin ist ein ehemaliges Bauerndorf im Nordwesten der Gemeinde. Es hat seinen ländlichen Charakter teilweise bewahrt. Historische Bauernhäuser, landwirtschaftliche Flächen und kleinere Wohngebiete prägen das Ortsbild.
Im Mittelalter besass Mategnin eine dem heiligen Mauritius geweihte Kirche. Sie wurde während der Französischen Revolution profaniert und später als landwirtschaftliches Gebäude genutzt. Der Bau wurde 1943 abgebrochen.[3]
Maisonnex liegt westlich von Meyrin-Village nahe dem CERN. Der Weiler ist seit dem Mittelalter belegt und war lange durch ein grosses landwirtschaftliches Gut geprägt. Heute befinden sich dort Wohnhäuser, Sportanlagen und verbliebene Landwirtschaftsflächen.[4]
Les Vergers
Les Vergers ist ein modernes Ökoquartier nördlich von Meyrin-Cité. Es umfasst 30 Gebäude mit insgesamt rund 1'350 Wohnungen. Auf einer Fläche von ungefähr 16 Hektaren entstanden Wohnraum für etwa 3'000 Menschen sowie rund 10'000 Quadratmeter Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. Das Quartier wurde 2023 fertiggestellt.[5]
Die Planung beruht auf den Grundsätzen der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Zu den Zielen gehören energieeffiziente Gebäude, eine soziale Durchmischung, gemeinschaftlich genutzte Freiräume, ein geringer motorisierter Verkehr und eine starke Beteiligung der zukünftigen Bewohner.
Ein bedeutender Teil der kommunalen Baurechte wurde Wohnbaugenossenschaften und der Fondation Nouveau Meyrin übertragen. Die Gebäude wurden von verschiedenen Architekturbüros entworfen, wodurch ein vielfältiges Erscheinungsbild entstand.
Die Innenbereiche sind überwiegend als Fussgänger- oder Begegnungszonen gestaltet. Unterirdische Parkierungsanlagen ermöglichen es, einen grossen Teil der Oberfläche von abgestellten Autos freizuhalten. Zum Quartier gehören Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Geschäfte, Gemeinschaftsräume, Sportanlagen und die Ferme de la Planche.
Geschichte
Frühzeit und Mittelalter
Archäologische Funde weisen darauf hin, dass das Gebiet von Meyrin bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit besiedelt oder genutzt wurde. Die Nähe zur antiken Stadt Genava und zu Verkehrswegen zwischen dem Genferseegebiet und dem Jura begünstigte die frühe Erschliessung.
Im Mittelalter war das heutige Gemeindegebiet auf mehrere Herrschaften verteilt. Die Herren von Meyrin besassen ihren Sitz im Bereich des heutigen Dorfes. Die Familie de Livron verfügte über Lehen in Cointrin und Mategnin.[6]
Das Gebiet gehörte zum Pays de Gex, das seit dem 14. Jahrhundert unter der Herrschaft des Hauses Savoyen stand. 1536 wurde die Region von Bern besetzt. Während der rund dreissigjährigen bernischen Herrschaft wurde die Reformation eingeführt.
Nach der Rückgabe des Gebiets an Savoyen im Jahr 1564 setzte sich schrittweise wieder der katholische Glaube durch. Mit dem Vertrag von Lyon gelangte das Pays de Gex 1601 unter die Herrschaft des französischen Königs Heinrich IV.
Französische Herrschaft und Anschluss an Genf
Die Französische Revolution beseitigte die alten feudalen Herrschaftsverhältnisse. Meyrin erhielt gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Status einer politischen Gemeinde. Seit dieser Zeit wird die Gemeinde von gewählten kommunalen Behörden verwaltet.
Nach der französischen Annexion der Republik Genf im Jahr 1798 gehörten Genf und Meyrin zum selben französischen Staatsgebiet. Während der napoleonischen Zeit war die Gemeinde Teil des Département du Léman.
Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreichs besetzten österreichische Truppen das Pays de Gex. Die Besetzung Meyrins dauerte vom 31. Dezember 1813 bis zum 24. März 1814. Die damals etwa 600 Einwohner mussten Soldaten unterbringen und versorgen. Am 3. März 1814 kam es zu Plünderungen.[7]
Die Neuordnung der Grenzen nach den Napoleonischen Kriegen sollte dem neu geschaffenen Kanton Genf eine Landverbindung mit der übrigen Schweiz sichern. Frankreich trat Meyrin zusammen mit weiteren Gemeinden des rechten Genferseeufers an den Kanton Genf ab. Die offizielle Übergabe erfolgte am 10. Oktober 1816.[6]
Vom Bauerndorf zum Vorort
Meyrin blieb während des 19. Jahrhunderts eine überwiegend landwirtschaftliche Gemeinde. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich in Meyrin-Village, Mategnin, Maisonnex und Cointrin. Getreidebau, Viehzucht und der Anbau von Gemüse und Reben bildeten wichtige Erwerbsgrundlagen.
Der Bau der Eisenbahnstrecke Genf–La Plaine–Bellegarde verbesserte die Verkehrsverbindungen. Dennoch blieb die Gemeinde bis ins frühe 20. Jahrhundert ländlich geprägt.
Einen entscheidenden Entwicklungsschub brachte der Bau des Flugplatzes Cointrin. 1922 wurde die erste befestigte Flugpiste angelegt. Der Flugplatz entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zum internationalen Flughafen Genf. Wohnhäuser, Hotels, Lager- und Gewerbebetriebe entstanden in seiner Umgebung.
Ansiedlung des CERN
1954 nahm die Europäische Organisation für Kernforschung CERN ihren Betrieb in Meyrin auf. Für das Forschungszentrum wurde ein grosses Gelände unmittelbar an der französisch-schweizerischen Grenze bereitgestellt. Später dehnten sich die Anlagen auf französisches Staatsgebiet aus.
Der CERN-Hauptstandort in Meyrin umfasst Laboratorien, Werkstätten, Rechenzentren, Verwaltungsgebäude und technische Anlagen. Die unterirdischen Teilchenbeschleuniger und Experimente erstrecken sich über ein wesentlich grösseres Gebiet beidseits der Staatsgrenze.
Die Ansiedlung des CERN veränderte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur Meyrins. Wissenschaftler, Ingenieure und Fachkräfte aus zahlreichen Ländern liessen sich in der Region nieder. Gleichzeitig entstanden neue Arbeitsplätze bei Zulieferbetrieben, technischen Unternehmen und Dienstleistern.
Am CERN wurde 1989 von Tim Berners-Lee das World Wide Web entwickelt. Es sollte zunächst den Informationsaustausch zwischen den weltweit an CERN-Projekten beteiligten Forschern erleichtern.
Seit Oktober 2023 befindet sich beim Haupteingang das öffentlich zugängliche Besucher- und Bildungszentrum CERN Science Gateway. Der vom italienischen Architekten Renzo Piano entworfene Gebäudekomplex umfasst Ausstellungen, Laborräume, ein Auditorium und Bildungsangebote.[8]
Entstehung der Satellitenstadt
In den 1950er-Jahren führte das starke Wachstum der Genfer Agglomeration zu einem zunehmenden Wohnungsmangel. Der Kanton Genf bestimmte Meyrin als Standort für eine gross angelegte neue Wohnstadt.
Ab 1960 entstand die Cité de Meyrin. Sie war die erste Satellitenstadt der Schweiz und wurde nach städtebaulichen Vorstellungen geplant, die unter anderem durch die Ideen von Le Corbusier beeinflusst waren.[6]
Die Wohnhäuser wurden in offenen Bauformen errichtet und von Grünflächen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen umgeben. Der Autoverkehr sollte auf wenige Hauptachsen konzentriert werden, während Fusswege die Wohngebiete miteinander verbanden.
Die Bevölkerungszahl stieg in kurzer Zeit ausserordentlich stark. Aus einer Gemeinde mit etwa 3'200 Einwohnern wurde in den 1960er-Jahren eine Stadt mit mehr als 14'000 Einwohnern. 1980 lebten bereits annähernd 19'000 Menschen in Meyrin.[6]
Mit der Satellitenstadt entstanden neue Schulen, Sportanlagen, Kirchen, Einkaufszentren und soziale Einrichtungen. Die Entwicklung führte jedoch auch zu einem deutlichen Bruch zwischen dem historischen Dorf und der neuen Stadt.
Entwicklung seit dem späten 20. Jahrhundert
Seit den 1980er-Jahren konzentriert sich die Gemeinde auf die Erneuerung bestehender Quartiere, die Verbesserung der öffentlichen Räume und die Ergänzung der ursprünglichen Satellitenstadt.
1995 wurden das Theater und die Bibliothek im Forum Meyrin eröffnet. Das Gebäude entwickelte sich zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum der Gemeinde.[9]
Mit dem Ökoquartier Les Vergers entstand im 21. Jahrhundert ein neuer grosser Wohnstandort. Das Projekt verband den Bau von zusätzlichem Wohnraum mit Genossenschaftsmodellen, Energieeffizienz, lokaler Lebensmittelversorgung und partizipativer Quartierentwicklung.
Weitere Projekte betreffen die Aufwertung des Zentrums von Meyrin-Cité, neue Verwaltungs- und Kulturbauten sowie die Sanierung älterer Wohnsiedlungen.
Bevölkerung
Ende 2025 zählte Meyrin 27'365 Einwohner. Bei einer Fläche von 9,94 Quadratkilometern entsprach dies einer Bevölkerungsdichte von 2'754 Einwohnern pro Quadratkilometer.[1]
Die Bevölkerung ist stark international geprägt. Die Nähe zum CERN, zum Flughafen, zu internationalen Organisationen und zum französischen Grenzgebiet hat seit der Mitte des 20. Jahrhunderts Menschen aus zahlreichen Ländern angezogen.
Die amtliche und im öffentlichen Leben vorherrschende Sprache ist Französisch. Daneben werden unter anderem Englisch, Portugiesisch, Italienisch, Spanisch, Albanisch, Arabisch und verschiedene süd- und osteuropäische Sprachen gesprochen.
Zwischen den Quartieren bestehen deutliche Unterschiede. Meyrin-Cité wird vorwiegend von grossen Mehrfamilienhäusern geprägt, während in Cointrin, Mategnin und Teilen von Meyrin-Village Einfamilienhäuser und ältere dörfliche Bebauung verbreitet sind. Les Vergers verbindet Genossenschafts-, Miet- und Eigentumswohnungen mit gemeinschaftlichen Einrichtungen.
Politik und Verwaltung
Die Exekutive der Gemeinde ist der Conseil administratif. Er besteht aus drei Mitgliedern, die für jeweils fünf Jahre gewählt werden. Die Mitglieder leiten die verschiedenen Verwaltungsbereiche und vertreten die Gemeinde nach aussen. Das Amt des Maire wechselt grundsätzlich jährlich zwischen den Mitgliedern.[10]
Die Legislative bildet der Conseil municipal mit 35 Mitgliedern. Er entscheidet unter anderem über das Budget, die Jahresrechnung, Baukredite, kommunale Reglemente und grössere Investitionsprojekte.[11]
Die Sitzungen des Conseil municipal sind öffentlich. Die Sitzungen des Conseil administratif finden dagegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich an der Rue des Boudines. Die Sitzungen des Gemeindeparlaments werden seit 1996 in der renovierten Ferme de la Golette abgehalten.
Zu den bedeutenden Aufgaben der Gemeinde gehören Raumplanung, Schule, Kinderbetreuung, Kultur, Sport, soziale Integration, Energiepolitik, Grünflächenpflege und die Unterhaltung kommunaler Gebäude und Strassen.
Wirtschaft
Meyrin gehört zu den wichtigsten Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandorten des Kantons Genf. Die Zahl der Arbeitsplätze ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl aussergewöhnlich hoch.
Das CERN ist der international bekannteste Arbeitgeber. Es beschäftigt Wissenschaftler, Ingenieure, Informatiker, Techniker und Verwaltungsfachleute aus zahlreichen Mitgliedstaaten und arbeitet mit Universitäten und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt zusammen.
Eine weitere zentrale Bedeutung besitzt der Flughafen Genf. In seinem Umfeld befinden sich Fluggesellschaften, Logistikunternehmen, Hotels, Autovermietungen, Wartungsbetriebe und zahlreiche Dienstleister.
Im Süden und Westen der Gemeinde erstreckt sich die Industriezone ZIMEYSA. Die Bezeichnung setzt sich aus den Namen der Gemeinden beziehungsweise Gebiete ZI Meyrin, Satigny und Vernier zusammen. Die Zone gehört zu den grössten Industrie- und Gewerbegebieten der Westschweiz.
Zu den vertretenen Branchen gehören:
- Maschinen- und Präzisionstechnik
- Chemie- und Duftstoffindustrie
- Informationstechnologie
- Logistik und Grosshandel
- Bauwirtschaft
- Luftfahrt und Verkehr
- Forschung und Entwicklung
- Unternehmens- und Finanzdienstleistungen
- Gastronomie und Hotellerie
Die gute Erreichbarkeit über Eisenbahn, Autobahn und Flughafen macht Meyrin zu einem bedeutenden Standort für international ausgerichtete Unternehmen. Gleichzeitig bestehen zahlreiche kleinere Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe in Meyrin-Cité, Meyrin-Village und Les Vergers.
Verkehr
Meyrin ist durch Eisenbahn-, Tram-, Bus-, Autobahn- und Flugverkehr eng mit Genf und der französischen Grenzregion verbunden.
Eisenbahn
Die Gemeinde besitzt die Bahnhöfe Meyrin und Zimeysa an der Strecke Genf–La Plaine–Bellegarde. Sie werden von Regionalzügen des Léman Express bedient.
Die Züge verbinden Meyrin mit dem Genfer Hauptbahnhof Genève-Cornavin, Vernier, Satigny, Russin und La Plaine. Einzelne Verbindungen führen weiter nach Bellegarde in Frankreich.
Der Bahnhof Meyrin wurde 2022 umfassend modernisiert. Dabei entstanden längere und höhere Perrons, hindernisfreie Zugänge und zusätzliche Gleisanlagen. Die Arbeiten waren Teil der Modernisierung der gesamten Strecke Genf–La Plaine.[12]
Tram und Bus
Meyrin wird von mehreren Linien der Transports publics genevois erschlossen. Die Tramachse entlang der Route de Meyrin verbindet die Gemeinde direkt mit den Quartieren Servette und Grottes sowie mit dem Stadtzentrum von Genf.
Die Tramlinie 14 führt nach Meyrin-Gravière. Die Linie 18 verbindet den Genfer Hauptbahnhof mit dem CERN und besitzt ihre Endhaltestelle unmittelbar beim Haupteingang des Forschungszentrums.[13]
Buslinien erschliessen Meyrin-Village, Cointrin, Mategnin, Les Vergers, den Flughafen, die Bahnhöfe Meyrin und Zimeysa sowie die Industriegebiete. Grenzüberschreitende Busverbindungen führen in die französischen Gemeinden Saint-Genis-Pouilly, Prévessin-Moëns und Ferney-Voltaire.
Strassenverkehr
Die wichtigste Strassenachse ist die Route de Meyrin. Sie führt vom Genfer Stadtzentrum über Vernier und Meyrin bis zur französischen Grenze. Weitere bedeutende Verbindungen sind die Avenue Louis-Casaï, die Route de Pré-Bois und die Route du Nant-d’Avril.
Die Autobahn A1 verläuft nahe der südöstlichen Gemeindegrenze und bietet Anschlüsse in Richtung Lausanne, Bern, Frankreich und Genfer Innenstadt. Die Nähe zum Flughafen und zu den Industriegebieten führt zu einem hohen Verkehrsaufkommen.
Die Gemeinde fördert den Ausbau von Fuss- und Velowegen. Besonders in Les Vergers und im Zentrum von Meyrin-Cité wurden verkehrsberuhigte Bereiche und vom motorisierten Verkehr getrennte Verbindungen geschaffen.
Flughafen
Der Flughafen Genf liegt unmittelbar östlich und südöstlich von Meyrin. Teile der Flughafenanlagen befinden sich im Raum Cointrin. Der Flughafen ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde von grosser Bedeutung, verursacht jedoch auch Lärm- und Verkehrsbelastungen.
Bildung und Forschung
Meyrin verfügt über mehrere Primarschulen, Einrichtungen der Kinderbetreuung und Angebote für Jugendliche. Weiterführende Schulen befinden sich in Meyrin und in den benachbarten Gemeinden der Genfer Agglomeration.
Das CERN macht Meyrin zu einem Forschungsstandort von weltweiter Bedeutung. Neben der Grundlagenforschung in der Teilchenphysik entwickelt das Zentrum Technologien in den Bereichen Beschleunigertechnik, Informatik, supraleitende Magnete, Detektoren, Medizin und Datenverarbeitung.
Das CERN arbeitet mit Hochschulen und Forschungsinstituten aus zahlreichen Ländern zusammen. Veranstaltungen, Ausstellungen und Bildungsprogramme richten sich auch an Schüler, Lehrpersonen und die breite Öffentlichkeit.
Das 2023 eröffnete CERN Science Gateway ergänzt die wissenschaftlichen Einrichtungen um ein grosses Besucher- und Bildungszentrum. Die interaktiven Ausstellungen befassen sich mit Teilchenphysik, dem Universum, wissenschaftlichen Methoden und den am CERN entwickelten Technologien.
Kultur
Das kulturelle Zentrum der Gemeinde ist das Forum Meyrin an der Place des Cinq-Continents. Es umfasst ein Theater, die kommunale Bibliothek, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie weitere öffentliche Einrichtungen.
Der Theaterbetrieb wurde 1995 eröffnet. Das Programm umfasst Schauspiel, Tanz, Musik, Zirkus, Kinderveranstaltungen und spartenübergreifende Produktionen. Während baulicher Veränderungen im Zentrum werden Veranstaltungen teilweise an anderen Orten der Gemeinde durchgeführt.
Die kommunale Bibliothek dient als Informations-, Bildungs- und Begegnungszentrum. Sie bietet Bücher, Zeitschriften, digitale Medien, Arbeitsplätze, Veranstaltungen und Angebote zur Leseförderung.
Die Gemeinde besitzt einen Fonds für zeitgenössische Kunst. Kunstwerke werden in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Parks und Wohnquartieren gezeigt. Kulturelle Aktivitäten finden ausserdem im Jardin botanique alpin, in Quartierzentren, Schulen und im Jugendkulturzentrum Undertown statt.
Sehenswürdigkeiten
CERN und Science Gateway
Das CERN ist die bekannteste Sehenswürdigkeit von Meyrin. Der Besucherbereich liegt an der Esplanade des Particules nahe der französischen Grenze. Zu den auffälligen Bauwerken gehört der kugelförmige Globe of Science and Innovation.
Das CERN Science Gateway wurde von Renzo Piano entworfen. Seine röhrenförmigen Gebäudeteile erinnern an technische Anlagen und Teilchenbeschleuniger. Eine Brücke verbindet die Baukörper beidseits der Route de Meyrin.
Das Zentrum bietet kostenlose Ausstellungen, geführte Besuche, Vorführungen und experimentelle Lernangebote. Der Zugang zu den eigentlichen Forschungs- und Beschleunigeranlagen ist nur im Rahmen bestimmter Führungen möglich.
Jardin botanique alpin
Der Jardin botanique alpin liegt zwischen Meyrin-Cité und Meyrin-Village. Das Gelände gehörte seit 1915 dem Genfer Textilhändler Amable Gras und wurde 1960 von der Gemeinde erworben.[14]
Der Garten umfasst Steingärten, seltene Gehölze, alpine Pflanzen, Feuchtbereiche, einen Duftweg, eine kleine Tierhaltung und die historische Villa du Jardin. Er erfüllt Aufgaben in den Bereichen Naturschutz, Bildung, Kultur und Erholung.[15]
Der Garten wurde 2019 vom Schweizer Heimatschutz mit dem Schulthess Gartenpreis ausgezeichnet.
Cité de Meyrin
Die Cité de Meyrin besitzt als frühes Beispiel einer schweizerischen Satellitenstadt eine besondere architektur- und sozialgeschichtliche Bedeutung. Die grosszügigen Freiräume, Wohnzeilen, Hochhäuser und öffentlichen Einrichtungen veranschaulichen die städtebaulichen Vorstellungen der 1950er- und 1960er-Jahre.
Zu den architektonisch bedeutenden Wohnanlagen gehören Meyrin-Parc und Le Ciel Bleu. Sie bestehen aus parallel angeordneten Wohnblöcken und offenen Grünräumen.
Historische Gebäude
In Meyrin-Village, Mategnin, Cointrin und Maisonnex sind mehrere ältere Bauernhäuser, Landsitze und religiöse Gebäude erhalten. Dazu gehören die ehemalige Ferme de la Golette, die Maison Vaudagne und das Château de Feuillasse.
Die Ferme de la Golette wurde restauriert und dient seit 1996 als Sitzungssaal des Conseil municipal und als Traulokal.
In Cointrin befindet sich die 1885 errichtete Chapelle de la Persécution. Sie wurde für römisch-katholische Gläubige während des Genfer Kulturkampfs gebaut und wird seit 1994 von der koptisch-orthodoxen Kirche genutzt.
Natur und Umwelt
Trotz der starken Verstädterung besitzt Meyrin zahlreiche Parks, Gärten, Landwirtschaftsflächen und naturnahe Lebensräume. Besonders bedeutend sind der Jardin botanique alpin, die Campagne Charnaux, die Umgebung von Mategnin und die Grünräume innerhalb der Cité de Meyrin.
Die Gemeinde verfolgt eine Politik zur Förderung der biologischen Vielfalt. Grünflächen werden teilweise extensiv bewirtschaftet. Hecken, Feuchtgebiete, Trockenstandorte und einheimische Pflanzen sollen Lebensräume für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere schaffen.
Les Vergers wurde mit hohen Anforderungen an Energieeffizienz, Regenwassermanagement, Freiraumgestaltung und umweltfreundliche Mobilität entwickelt. Eine Quartierfarm und lokale Lebensmittelangebote sollen die Verbindung zwischen Stadt und Landwirtschaft stärken.
Wegen des Flughafens, der Autobahn, der Hauptstrassen und der Industriegebiete ist Meyrin zugleich von Flug-, Strassen- und Gewerbelärm betroffen. Lärmschutz und die Abstimmung zwischen Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur gehören deshalb zu den zentralen Aufgaben der Raumplanung.
Sport und Freizeit
Das Sportzentrum Les Vergers gehört zu den wichtigsten Freizeitanlagen der Gemeinde. Es umfasst Schwimmbecken, Fussballplätze, Tennisanlagen, Sporthallen und weitere Einrichtungen.
Weitere Sportplätze und Turnhallen befinden sich in Meyrin-Cité, Cointrin und bei den Schulen. Zahlreiche Vereine bieten Fussball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik, Kampfsport, Turnen, Schwimmen und weitere Sportarten an.
Parks, Fusswege und Velorouten verbinden die einzelnen Quartiere. Die ländlichen Gebiete bei Mategnin, Maisonnex und der französischen Grenze werden zum Spazieren, Joggen und Velofahren genutzt.
Wappen
Das Gemeindewappen wurde am 11. November 1924 vom Conseil municipal angenommen und am 28. November desselben Jahres vom Genfer Staatsrat genehmigt.[6]
Es verbindet die Wappen der früheren Herrschaftsfamilien von Meyrin und de Livron. Damit verweist es auf die historischen Dörfer Meyrin, Mategnin und Cointrin.
Die Herren von Meyrin führten in ihrem Siegel ein Schwert und zwei voneinander abgewandte Halbmonde. Die Familie de Livron besass Herrschaftsrechte in Cointrin und Mategnin. Grün und Rot gelten als traditionelle Farben der Gemeinde.
Internationale Bedeutung
Meyrins internationale Bedeutung beruht vor allem auf dem CERN, dem Flughafen und der unmittelbaren Nähe zu Frankreich. Täglich pendeln zahlreiche Arbeitnehmer aus dem französischen Pays de Gex und anderen Teilen der Genfer Agglomeration in die Gemeinde.
Die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung zeigt sich in Schulen, Vereinen, Kulturveranstaltungen und religiösen Gemeinschaften. Meyrin versteht sich als Teil des grenzüberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsraums Grand Genève.
Die Gemeinde pflegt zudem internationale Partnerschaften und unterstützt Entwicklungs- und Solidaritätsprojekte. Eine besondere Verbindung besteht zur rumänischen Gemeinde Sânmartin, von der Meyrin im Jahr 2000 als Zeichen des Dankes ein geschnitztes Holztor erhielt. Es steht am Eingang der Campagne Charnaux.
Siehe auch
- Kanton Genf
- CERN
- Flughafen Genf
- Léman Express
- Bahnhof Meyrin
- Bahnhof Zimeysa
- Grand Genève
- Liste der Gemeinden des Kantons Genf
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Meyrin
- Statistisches Porträt der Gemeinde Meyrin
- Meyrin im Historischen Lexikon der Schweiz
- Offizielle Website des CERN
- Besucherinformationen des CERN
- Meyrin im Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Office cantonal de la statistique: Meyrin – Chiffres clés, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Bundesamt für Statistik: Meyrin, BFS-Nummer 6630, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Dictionnaire historique de la Suisse: Mategnin, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Dictionnaire historique de la Suisse: Maisonnex, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Ecoquartier Les Vergers, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Commune de Meyrin: La Commune – Histoire, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Repères historiques, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ CERN: CERN inaugurates Science Gateway, 7. Oktober 2023, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Le service de la culture opère sa mue, 2. Oktober 2023, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Conseil administratif, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Conseil municipal, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Schweizerische Bundesbahnen: Inauguration de la gare modernisée de Meyrin, 1. Juli 2022, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ CERN: Directions to the Meyrin site, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Meyrin Autrefois, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Commune de Meyrin: Jardin botanique alpin, abgerufen am 6. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Meyrin