Emmen

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Emmen

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

BFS-Nummer

1024


Emmen ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Hochdorf des Kantons Luzern in der Schweiz. Sie liegt unmittelbar nördlich der Stadt Luzern und gehört zu deren Agglomeration. Das Gemeindegebiet umfasst die beiden grossen Siedlungsräume Emmen und Emmenbrücke sowie zahlreiche Quartiere, Weiler und ehemalige Industrieareale.

Mit 33'252 Einwohnerinnen und Einwohnern Ende 2025 ist Emmen nach der Stadt Luzern die bevölkerungsreichste Gemeinde der Zentralschweiz.[1] Die Gemeinde ist statistisch eine Stadt, führt amtlich jedoch weiterhin die Bezeichnung Gemeinde Emmen. Das stärker städtisch geprägte Emmenbrücke bildet das wirtschaftliche und bevölkerungsmässige Zentrum, während Emmen-Dorf und die nördlichen sowie östlichen Gemeindeteile teilweise noch einen ländlichen Charakter besitzen.

Die Entwicklung Emmens wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stark durch die Eisen-, Stahl-, Textil-, Maschinen- und Luftfahrtindustrie geprägt. Aus einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde entstand innerhalb weniger Jahrzehnte einer der bedeutendsten Industriestandorte der Zentralschweiz. Im 21. Jahrhundert wandelten sich ehemalige Fabrikareale wie die Viscosistadt zu neuen Wohn-, Bildungs-, Kultur- und Arbeitsquartieren.

Geografie

Emmen liegt nördlich der Stadt Luzern im Übergangsraum zwischen dem Luzerner Seebecken, dem Seetal und der Landschaft des Rottals. Das Gemeindegebiet umfasst 20,37 Quadratkilometer. Der tiefste Punkt liegt auf 417 Metern über Meer, der höchste Punkt im Geisselermoos auf 559 Metern über Meer. Als mittlere Höhenlage der Gemeinde werden 428 Meter angegeben.[1]

Die südliche Landschaft wird durch die Reuss und die Kleine Emme bestimmt. Die Kleine Emme mündet an der Grenze zwischen Emmenbrücke und dem Luzerner Stadtteil Reussbühl in die Reuss. Das Mündungsgebiet war über Jahrhunderte von Überschwemmungen und Veränderungen des Flusslaufs geprägt. Heute bilden die Flüsse zugleich wichtige Naherholungsräume und ökologische Verbindungskorridore.

Im Norden durchfliesst der Hellbühler Rotbach das Gemeindegebiet. Auf mehreren Abschnitten bildet er die Grenze zu Rothenburg. Weitere kleinere Gewässer sind der Waldibach, der Rütibach und verschiedene Entwässerungsgräben im landwirtschaftlich geprägten Norden und Osten.

Emmen grenzt an die Gemeinden Neuenkirch, Rothenburg, Eschenbach, Buchrain, Ebikon und die Stadt Luzern. Die Siedlungsgebiete von Emmenbrücke und Luzern sind weitgehend zusammengewachsen. Auch gegenüber Rothenburg und Buchrain bestehen fliessende Übergänge zwischen Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten.

Von der gesamten Gemeindefläche entfallen gemäss den Angaben der Gemeinde rund 998 Hektaren auf Acker- und Wiesenland, 342 Hektaren auf Wald sowie knapp 38,7 Hektaren auf Gewässer. Gebäude, Strassen, Bahnanlagen, Gärten und weitere Siedlungsflächen beanspruchen einen erheblichen Anteil des Gemeindegebiets.[1]

Ortsteile und Quartiere

Das Gemeindegebiet besitzt kein einzelnes historisch gewachsenes Stadtzentrum. Es setzt sich aus mehreren Siedlungskernen zusammen, die während der Industrialisierung und des starken Bevölkerungswachstums im 20. Jahrhundert miteinander verbunden wurden.

Emmen-Dorf liegt im östlichen Teil der Gemeinde nahe der Reuss. Es ist der historische Mittelpunkt der Gemeinde und wird von der Pfarrkirche St. Mauritius geprägt. In seiner Umgebung befinden sich ältere Wohngebiete, Bauernhöfe, Gewerbebetriebe und Teile des Militärflugplatzes.

Emmenbrücke entstand aus den Siedlungen Gerliswil, Emmenweid und Emmenbaum. Der Ortsteil entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert rund um die grossen Industriebetriebe und die Bahnhöfe. Heute bildet Emmenbrücke zusammen mit dem Seetalplatz, dem Sonnenplatz, der Gerliswilstrasse und der Viscosistadt den urbansten Teil der Gemeinde.

Zu den weiteren Quartieren und Siedlungsgebieten gehören unter anderem:

  • Emmenbaum
  • Emmenweid
  • Feldbreite
  • Gerliswil
  • Herdschwand
  • Meierhöfli
  • Rüeggisingen
  • Schönbühl
  • Sonnenhof
  • Rottertswil
  • Waldibrücke

Die Quartiere unterscheiden sich deutlich in ihrer Bebauung. Neben ehemaligen Arbeitersiedlungen, Einfamilienhausquartieren und Hochhaussiedlungen bestehen grossflächige Gewerbezonen, neue Wohnüberbauungen und weiterhin landwirtschaftlich genutzte Gebiete.

Name

Emmen wurde im Jahr 840 erstmals urkundlich als Emau erwähnt. Kaiser Lothar I. bestätigte damals eine ältere Schenkung, nach der Leistungen von fünf freien Bauern aus Emmen dem Kloster Luzern übertragen worden waren.[2]

Der Name steht in Zusammenhang mit der Kleinen Emme. Die Bezeichnungen Emme und Emmen werden vermutlich auf einen alten Gewässernamen zurückgeführt. Die genaue sprachgeschichtliche Herleitung ist nicht abschliessend geklärt.

Die politische Gemeinde trägt den Namen Emmen. Emmenbrücke ist keine selbstständige Gemeinde, sondern der grösste Ortsteil Emmens. Da sich die Gemeindeverwaltung, der Bahnhof, bedeutende Einkaufs- und Kulturangebote sowie ein grosser Teil der Bevölkerung in Emmenbrücke befinden, wird der Name Emmenbrücke im Alltag häufig für den gesamten urbanen Gemeindeteil verwendet.

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Archäologische Funde belegen eine frühe Besiedlung des heutigen Gemeindegebiets. Bei Rottertswil wurden Spuren einer römischen Siedlung entdeckt. In der Weeri bei Waldibrücke befand sich eine befestigte Anlage, deren Entstehungszeit nicht eindeutig bestimmt ist.[3]

Im Mittelalter war Emmen ein Dinghof des Klosters Murbach beziehungsweise des Klosters Luzern. Der Dinghof verfügte über eine eigene Hoforganisation mit Meier- und Kelleramt. Daneben bestanden die Twinge Emmen, Rottertswil und Gerliswil mit unterschiedlichen Grund- und Gerichtsherren.

Die Kastvogtei über Emmen lag zeitweise bei den Habsburgern und den Freiherren von Rothenburg. Im Jahr 1291 erwarben die Habsburger die früheren Murbacher Besitzungen. Nach der Schlacht bei Sempach von 1386 kam das Gebiet zunehmend unter die Herrschaft der Stadt Luzern. Bis 1798 gehörte Emmen zum luzernischen Amt Rothenburg.[3]

Die Pfarrkirche St. Mauritius geht vermutlich auf eine Gründung des Klosters Luzern zurück. Die Kollatur gelangte im 14. Jahrhundert an das Kloster Rathausen. Die heutige Kirche entstand von 1828 bis 1831 im spätbarock-klassizistischen Stil.

Entstehung der politischen Gemeinde

Nach dem Zusammenbruch der alten Eidgenossenschaft wurde Emmen 1798 dem Distrikt Luzern zugeteilt. Mit der Mediationsordnung von 1803 wurden Emmen und Gerliswil zu einer politischen Einheit zusammengeführt und dem damaligen Amt Hochdorf zugewiesen.[3]

Die Bevölkerung lebte noch weitgehend von der Landwirtschaft. Einzelhöfe, Viehzucht, Ackerbau und Feldgraswirtschaft prägten die Landschaft. Emmen-Dorf war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts der grösste Siedlungskern der Gemeinde.

Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden daneben verschiedene Landsitze. Zu ihnen gehörte der Holzhof, den die Familie Sonnenberg zu einem kleinen Landschloss ausbauen liess. Von 1846 bis 1874 gehörte das Gut dem Politiker und Historiker Philipp Anton von Segesser.

Industrialisierung

Der entscheidende Wandel setzte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Zwischen 1850 und 1853 errichteten Ludwig und Franz Xaver von Moos in der Emmenweid einen Betrieb zur Eisenverarbeitung. Aus diesem Unternehmen entwickelten sich die von Moos’schen Eisenwerke und später verschiedene Gesellschaften der Schweizer Stahlindustrie.

Die Lage an der Kleinen Emme, die Nähe zur Stadt Luzern und der Eisenbahnanschluss förderten die industrielle Entwicklung. 1883 erhielt die Gemeinde mit der Seetalbahn einen Bahnanschluss. Die Bahn erleichterte den Transport von Rohstoffen und Industrieprodukten und beschleunigte zugleich das Bevölkerungswachstum.

Im Jahr 1894 gründeten Eduard von Moos und Theodor Bell das Elektrizitätswerk Rathausen. Das 1896 in Betrieb genommene Kraftwerk wurde zu einem Ausgangspunkt der späteren Centralschweizerischen Kraftwerke.

Eine weitere bedeutende Ansiedlung war die 1906 gegründete Viscosefabrik in Emmenbrücke. Sie stellte Kunstseide und andere Chemiefasern her. Rund um die Fabrik entstanden Produktionshallen, Arbeiterwohnungen und soziale Einrichtungen. Die Viscoseindustrie beschäftigte zeitweise mehrere Tausend Personen und prägte das gesellschaftliche Leben Emmenbrückes über Jahrzehnte.[3]

Mit der Stahl- und Textilindustrie wurde Emmen zur wichtigsten Industriegemeinde des Kantons Luzern und zu einem der grössten Industriestandorte der Zentralschweiz. Die Betriebe zogen Arbeitskräfte aus anderen Kantonen und zunehmend auch aus dem Ausland an.

Militärflugplatz und Nachkriegszeit

Das Emmenfeld wurde bereits seit 1807 als militärischer Exerzierplatz genutzt. Ab 1938 entstanden dort ein Militärflugplatz und das Eidgenössische Flugzeugwerk. Aus den Flugzeugwerken gingen später Teile des Technologiekonzerns RUAG hervor.[3]

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der Flugplatz, Kasernen, Werkstätten und weitere militärische Anlagen ausgebaut. Der Militärflugplatz Emmen ist bis heute ein wichtiger Standort der Schweizer Luftwaffe und der militärnahen Technologieindustrie.

In der Nachkriegszeit erlebte Emmen ein ausserordentlich starkes Wachstum. Neue Fabriken und Gewerbebetriebe entstanden, darunter Unternehmen der Metallverarbeitung, des Stahlbaus, der Lebensmittelindustrie und des Maschinenbaus. Gleichzeitig wurden für die Beschäftigten grosse Wohnquartiere errichtet.

Zwischen 1950 und 1970 verdoppelte sich die Bevölkerung annähernd von 11'065 auf 22'040 Personen. Es entstanden neue Schulhäuser, Kirchen, Sportanlagen, Einkaufszentren und Verkehrsinfrastrukturen. Die vormals getrennten Siedlungen wuchsen zu einem zusammenhängenden Agglomerationsraum zusammen.

Strukturwandel

Seit den 1970er-Jahren verlor die klassische Industrie einen Teil ihrer früheren Bedeutung. Produktionsbetriebe wurden verkleinert, umstrukturiert oder geschlossen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor, im Handel, in der Bildung und in technologieorientierten Unternehmen zu.

Die Gemeinde entwickelte ehemalige Industrieareale schrittweise weiter. Das frühere Viscose-Areal wird unter dem Namen Viscosistadt zu einem gemischten Quartier für Bildung, Kultur, Gewerbe, Dienstleistungen und Wohnen umgebaut. Historische Fabrikgebäude bleiben teilweise erhalten und werden neuen Nutzungen zugeführt.

Auch das Gebiet um den Seetalplatz gehört zum Entwicklungsraum Luzern Nord. Neue Wohn- und Geschäftsbauten, Hochwasserschutzmassnahmen, Verkehrsanlagen und öffentliche Räume sollen das Gebiet zu einem urbanen Zentrum der Agglomeration Luzern machen.

Bevölkerung

Emmen gehört zu den am stärksten gewachsenen Gemeinden des Kantons Luzern. Um 1456 lebten im Gebiet rund 150 Menschen, um 1695 etwa 550. Im Jahr 1798 wurden 1330 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt.[3]

Jahr Einwohnerzahl
1798 1'330
1850 1'764
1900 3'162
1950 11'065
1970 22'040
2000 26'885
2015 über 30'000
2024 über 33'000
2025 33'252

Die stärkste Wachstumsphase fiel in die 1950er- und 1960er-Jahre. Die expandierende Industrie benötigte zahlreiche Arbeitskräfte. Für sie entstanden neue Wohnsiedlungen, insbesondere in Emmenbrücke, Gerliswil, Rüeggisingen und im Gebiet Gersag.

Ende 2025 lebten 20'162 Schweizer Staatsangehörige und 13'090 ausländische Staatsangehörige in der Gemeinde. Damit besass knapp zwei Fünftel der Bevölkerung keine Schweizer Staatsangehörigkeit.[1] Die Bevölkerung Emmens ist kulturell und sprachlich vielfältig. Diese Vielfalt ist eng mit der Geschichte der Gemeinde als Industrie- und Einwanderungsort verbunden.

Von den Einwohnerinnen und Einwohnern gehörten Ende 2025 insgesamt 13'223 der römisch-katholischen und 1988 der evangelisch-reformierten Kirche an. Der grössere übrige Bevölkerungsanteil umfasste Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften sowie konfessionslose Personen.[1]

Politik

Gemeindeorganisation

Die Legislative der Gemeinde ist der Einwohnerrat. Er besteht aus 40 Mitgliedern und erlässt kommunale Reglemente, genehmigt Budget und Rechnung, beaufsichtigt die Gemeindeverwaltung und entscheidet über Geschäfte innerhalb seiner Finanzkompetenzen.[4]

Die Sitzverteilung für die Amtsperiode 2024 bis 2028 lautet:

Partei oder Gruppierung Sitze
SVP 10
Die Mitte 9
FDP 8
SP 7
Grüne 3
Frauen engagiert in Emmen 2
GLP 1

Die Angaben beruhen auf den Gesamterneuerungswahlen vom 28. April 2024.[5]

Die Exekutive bildet der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Mitglieder sind hauptamtlich tätig und leiten je eine Direktion. Seit dem 1. Mai 2026 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

Mitglied Partei Funktion
Ramona Gut-Rogger FDP Gemeindepräsidentin; Präsidiales und Personelles
Christian Blunschi Die Mitte Finanzen, Immobilien und Sport
Beat Niederberger FDP Soziales und Gesellschaft
Brahim Aakti SP Schule und Kultur
Andreas Roos Die Mitte Bau und Umwelt

Ramona Gut-Rogger wurde 2024 als Gemeindepräsidentin für die Amtsperiode 2024 bis 2028 wiedergewählt.[6][7]

Neben Einwohnerrat und Gemeinderat verfügt Emmen über eine vom Volk gewählte Bürgerrechtskommission. Sie entscheidet im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten über ordentliche Einbürgerungsgesuche.

Wappen

Das Gemeindewappen zeigt drei weisse Fischangeln auf schwarzem Grund. Die drei Geräte sind in der Form stilisierter Doppelhaken angeordnet. Wappen und Fahne sind in der Gemeindeordnung festgelegt.[8]

Wirtschaft

Emmen ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte des Kantons Luzern. In der Gemeinde bestehen rund 16'000 Arbeitsplätze, mehr als 1400 Unternehmen und etwa 810 Lehrstellen.[9]

Die industrielle Tradition ist weiterhin sichtbar. Zu den bedeutenden Unternehmen und Standorten gehören:

  • die Steeltec AG mit ihrem Stahlwerk in Emmenbrücke
  • die RUAG und weitere Unternehmen im Industriepark beim Militärflugplatz
  • ein Produktionsstandort des Milchverarbeitungsunternehmens Emmi
  • Unternehmen der Maschinen-, Anlagen- und Metallindustrie
  • Bau-, Logistik-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe

Steeltec setzt die Tradition der früheren von Moos’schen Eisenwerke fort. Das Werk produziert Spezial- und Qualitätsstähle und gehört zur Swiss Steel Group.[10]

Die RUAG betreibt in Emmen einen ihrer wichtigsten Schweizer Standorte. Das Unternehmen arbeitet insbesondere in den Bereichen Wartung, Integration und Betreuung militärischer Luftfahrtsysteme. Rund um das Hauptareal hat sich ein Industrie- und Technologiepark entwickelt.[11]

Das Milchverarbeitungsunternehmen Emmi unterhält an der Seetalstrasse einen traditionsreichen Produktionsbetrieb. Im Jahr 2022 nahm das Unternehmen dort eine neue Grosskäserei in Betrieb.[12]

Der Detailhandel konzentriert sich unter anderem auf das Emmen Center, den Sonnenplatz, die Gerliswilstrasse und das Umfeld des Bahnhofs Emmenbrücke. Das 1975 eröffnete Einkaufszentrum gehörte zu den ersten grossen Einkaufszentren der Zentralschweiz.

Mit der Viscosistadt gewinnt die Kreativwirtschaft an Bedeutung. Auf dem rund 80'000 Quadratmeter grossen ehemaligen Industrieareal haben sich Bildungsinstitutionen, Ateliers, Kulturbetriebe, Büros, Werkstätten und Gastronomie angesiedelt.[9]

Verkehr

Strassenverkehr

Emmen liegt an einem der wichtigsten Verkehrsknoten der Zentralschweiz. Die Autobahn A2 führt durch das Gemeindegebiet und verbindet die Region mit Basel, dem Gotthard und dem Tessin. Die A14 stellt die Verbindung in Richtung Zug und Zürich her.

Die Gemeinde wird über die Anschlüsse Emmen Nord und Emmen Süd sowie über die nahe gelegenen Anschlüsse Rothenburg und Buchrain an das Nationalstrassennetz angebunden.[9]

Der Seetalplatz bildet einen bedeutenden Knoten für den regionalen Strassenverkehr. Er wurde im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz an der Kleinen Emme und der Entwicklung von Luzern Nord grundlegend umgebaut. Neben leistungsfähigen Strassenverbindungen entstanden neue Busanlagen, Fuss- und Velowege sowie öffentliche Freiräume.

Eisenbahn und Busverkehr

Emmen besitzt vier Bahnstationen:

Der Bahnhof Emmenbrücke liegt an der Bahnstrecke Luzern–Olten. Er wird von der S-Bahn-Linie S1 bedient und bietet Verbindungen nach Luzern, Sursee, Rotkreuz, Zug und Baar.

Die Stationen Emmenbrücke Gersag, Emmenbrücke Kapf und Waldibrücke liegen an der Seetalbahn. Auf dieser Strecke verkehren Züge der Linie S9 zwischen Luzern und Lenzburg. Die Station Emmenbrücke Kapf trug bis zum Fahrplanwechsel 2022 den Namen Rothenburg Dorf.

Zwischen Emmenbrücke und Luzern besteht ein dichtes S-Bahn-Angebot. Ergänzt wird es durch zahlreiche Buslinien der Verkehrsbetriebe Luzern und weiterer regionaler Transportunternehmen. Die Busse verbinden die Bahnhöfe mit Emmen-Dorf, dem Emmen Center, Gerliswil, Rüeggisingen, dem Flugplatz, Waldibrücke, Rothenburg, Littau und den angrenzenden Luzerner Stadtteilen.

Flugplatz

Der Militärflugplatz Emmen ist ein Stützpunkt der Schweizer Luftwaffe. Er dient unter anderem dem Betrieb, der Erprobung und der Wartung militärischer Flugzeuge und Helikopter. Der Flugplatz wird nicht für den regulären zivilen Linienverkehr genutzt.

Das Flugplatzareal nimmt einen grossen Teil des östlichen Gemeindegebiets ein. Sein Betrieb führt regelmässig zu politischen Diskussionen über Fluglärm, Sicherheit, Arbeitsplätze und die langfristige räumliche Entwicklung.

Bildung

Die Gemeinde führt eine umfangreiche Volksschule mit mehreren Schulzentren, Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulangeboten. Zu den grösseren Schulstandorten gehören Gersag, Erlen, Emmen-Dorf, Hübeli, Krauer, Meierhöfli, Riffig und Rüeggisingen.

Von besonderer regionaler Bedeutung ist die Hochschule Luzern – Design Film Kunst. Sie bezog 2016 ihren Standort in der Viscosistadt. Mehr als 900 Studierende befassen sich dort mit Design, Film, Kunst, Vermittlung und verwandten Fachrichtungen.[13]

Die Ansiedlung der Hochschule war ein wichtiger Schritt beim Wandel des früheren Industrieareals zu einem Bildungs- und Kreativstandort. In der Umgebung entstanden Ateliers, Werkstätten, Ausstellungsräume, Veranstaltungsorte und neue Arbeitsformen.

Kultur

Das kulturelle Leben Emmens wird von Vereinen, Kirchen, Schulen, privaten Veranstaltern und kommunalen Institutionen getragen. Zu den wichtigsten Veranstaltungsorten gehört das Kultur- und Kongresszentrum Gersag. Dort finden Konzerte, Theateraufführungen, Tagungen, Vereinsanlässe und gesellschaftliche Veranstaltungen statt.

In der Viscosistadt entwickelte sich ein Kultur- und Kreativcluster. Neben der Hochschule befinden sich dort Ateliers, Ausstellungsräume, Musik- und Theaterangebote sowie Unternehmen der Kreativwirtschaft. Seit 2025 nutzt auch das internationale Comix-Festival Fumetto Räumlichkeiten in der Viscosistadt.[14]

Das Le Théâtre, früher in Kriens beheimatet, bietet in Emmenbrücke Musical-, Theater- und Konzertproduktionen an. Weitere kulturelle Angebote entstehen in Quartiertreffpunkten, Pfarreizentren, Schulhäusern und Vereinslokalen.

Die Emmer Fasnacht gehört zur Luzerner Fasnachtstradition. Verschiedene Guuggenmusigen, Zünfte und Sujetgruppen veranstalten Umzüge, Maskenbälle und Quartieranlässe.

Sport und Freizeit

Emmen verfügt im Gebiet Gersag–Rossmoos–Mooshüsli–Feldbreite über eines der grössten zusammenhängenden Sportareale der Region.[15]

Zu den Anlagen gehören:

  • das Frei- und Hallenbad Mooshüsli
  • Fussball- und Leichtathletikanlagen
  • die Sporthallen Gersag und Rossmoos
  • Tennis- und Beachsportanlagen
  • Minigolf
  • ein Pumptrack
  • ein Street-Workout-Bereich
  • ein Disc-Golf-Parcours
  • Spiel- und Bewegungsflächen

Das Freibad Mooshüsli umfasst eine rund 35'000 Quadratmeter grosse Anlage mit Schwimm-, Sprung-, Spiel- und Sportangeboten.[16]

Die Reuss, die Kleine Emme, der Schachenwald und die landwirtschaftlichen Gebiete im Norden bieten Spazier-, Wander- und Velowege. Ein Skulpturenweg führt durch den Schachenwald. Weitere Naherholungsräume sind der Emmenpark, die Weberwiese und die Uferlandschaften entlang der Flüsse.[17]

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Mauritius

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius in Emmen-Dorf wurde von 1828 bis 1831 errichtet. Der spätbarock-klassizistische Bau steht an erhöhter Lage und prägt das historische Ortsbild. Die Geschichte der Pfarrei reicht bis ins Mittelalter zurück.

Kirche Gerliswil

Die katholische Pfarrkirche Gerliswil wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die stark wachsende Bevölkerung Emmenbrückes errichtet. Die Pfarrei Gerliswil wurde 1923 selbstständig. In ihrem Gebiet befindet sich auch die ältere Erlenkapelle.

Viscosistadt

Die Viscosistadt ist ein bedeutendes Zeugnis der Industriegeschichte Emmens. Erhaltene Produktionshallen, Verwaltungsgebäude und technische Anlagen erinnern an die frühere Kunstseiden- und Chemiefaserproduktion. Das Areal wird schrittweise zu einem gemischten Stadtquartier umgestaltet.

Emmenweid und Sonnenhof

In der Emmenweid befinden sich Industriebauten und Werkssiedlungen aus verschiedenen Epochen. Die Arbeitersiedlung Sonnenhof entstand im Umfeld der Viscosefabrik und dokumentiert die enge Verbindung von Industrie, Wohnen und Sozialgeschichte.

Holzhof

Der Holzhof ist ein ehemaliger patrizischer Landsitz. Das Anwesen wurde im 18. Jahrhundert zu einem kleinen Schloss ausgebaut und gehörte im 19. Jahrhundert Philipp Anton von Segesser.

Flusslandschaft

Das Gebiet an der Mündung der Kleinen Emme in die Reuss verbindet Hochwasserschutz, Naturraum, Verkehrsinfrastruktur und Stadtentwicklung. Neue Uferwege und renaturierte Flussabschnitte dienen dem Hochwasserschutz und der Naherholung.

Persönlichkeiten

Zu den mit Emmen verbundenen Persönlichkeiten zählen unter anderem:

  • Josef Zemp, Politiker und erster nichtfreisinniger Bundesrat
  • Hans Erni, Künstler und Grafiker, der zeitweise in Emmen tätig war
  • Philipp Anton von Segesser, Politiker und Historiker sowie früherer Eigentümer des Holzhofs
  • Ludwig von Moos und Franz Xaver von Moos, Mitbegründer der Emmer Eisenindustrie
  • Kurt Messmer, Historiker und Vermittler der Emmer Industrie- und Gemeindegeschichte
  • Claudio Lustenberger, Fussballspieler
  • Fabian Lustenberger, Fussballspieler

Zukunftsentwicklung

Emmen befindet sich in einem umfassenden städtebaulichen Wandel. Im Zentrum stehen die Gebiete Luzern Nord, Seetalplatz, Viscosistadt, Emmenbaum und Schützenmatt. Dort sollen neue Wohnungen, Arbeitsplätze, Bildungsangebote und öffentliche Räume entstehen.

Die Gemeinde verfolgt das Ziel, das starke Bevölkerungswachstum mit der Erweiterung der Schul-, Sport-, Verkehrs- und Verwaltungsinfrastruktur zu koordinieren. Gleichzeitig sollen Grünflächen, Gewässerräume und landwirtschaftliche Gebiete erhalten und besser miteinander verbunden werden.

Im Jahr 2025 unterstützte der Gemeinderat grundsätzlich die politische Forderung, Emmen künftig offiziell als Stadt zu bezeichnen. Begründet wurde dies mit der Einwohnerzahl, der urbanen Entwicklung und der regionalen Bedeutung der Gemeinde.[18] Eine Änderung der amtlichen Bezeichnung setzt jedoch eine Anpassung der Gemeindeordnung und die erforderlichen politischen Beschlüsse voraus.

Siehe auch

Literatur

  • Gemeinde Emmen: In Bewegung. Geschichte der Gemeinde Emmen. Emmen 2004.
  • Eugen Weibel: Gemeinde Emmen. Emmen 1953.
  • Josef Graf: Emmen. Emmen 1958.
  • Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern. Band VI: Das Amt Hochdorf. Birkhäuser, Basel 1963.
  • Anne-Marie Dubler und Waltraud Hörsch: Beiträge zur Geschichte Emmens im Historischen Lexikon der Schweiz.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Gemeinde Emmen: Emmen in Zahlen, abgerufen am 6. August 2026.
  2. Gemeinde Emmen: Über Emmen, abgerufen am 6. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Waltraud Hörsch: Emmen, Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 10. März 2010, abgerufen am 6. August 2026.
  4. Gemeinde Emmen: Einwohnerrat, abgerufen am 6. August 2026.
  5. Gemeinde Emmen: Ergebnisse Gesamterneuerungswahlen 2024, 28. April 2024, abgerufen am 6. August 2026.
  6. Gemeinde Emmen: Gemeinderat, abgerufen am 6. August 2026.
  7. Gemeinde Emmen: Christian Blunschi übernimmt Direktion Finanzen, Immobilien und Sport, 16. Dezember 2025, abgerufen am 6. August 2026.
  8. Gemeindeordnung von Emmen, abgerufen am 6. August 2026.
  9. 9,0 9,1 9,2 Gemeinde Emmen: Zahlen und Fakten über den Wirtschaftsstandort Emmen, abgerufen am 6. August 2026.
  10. Swiss Steel Group: Steeltec AG, abgerufen am 6. August 2026.
  11. RUAG: Unsere Standorte, abgerufen am 6. August 2026.
  12. Emmi: Emmi weiht neue Grosskäserei in Emmen ein, 9. September 2022, abgerufen am 6. August 2026.
  13. Gemeinde Emmen: Hochschule Luzern und Gemeinde Emmen bekräftigen Zusammenarbeit, 28. Februar 2025, abgerufen am 6. August 2026.
  14. Gemeinde Emmen: ZACK! Fumetto findet neue Home-Base in Emmen, 19. Dezember 2025, abgerufen am 6. August 2026.
  15. Gemeinde Emmen: Sportanlagen Rossmoos, abgerufen am 6. August 2026.
  16. Gemeinde Emmen: Freibad Mooshüsli, abgerufen am 6. August 2026.
  17. Gemeinde Emmen: Naherholung in der Natur, abgerufen am 6. August 2026.
  18. Gemeinde Emmen: «Stadt Emmen» – Gemeinderat befürwortet Namenswechsel, abgerufen am 6. August 2026.