Messenger-Dienste in der Schweiz

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Messenger-Dienste in der Schweiz
Gegenstand Internetbasierte Text-, Sprach-, Video- und Gruppenkommunikation
Wichtigste Endgeräte Smartphones, Tablets und Computer
Marktführer WhatsApp
WhatsApp-Nutzung 6,2 Mio. Personen beziehungsweise 97 % der internetnutzenden Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren (2025)
Weitere verbreitete Dienste Facebook Messenger, Snapchat, Telegram, Signal, Threema und iMessage
Schweizer Dienste Threema, TeleGuard und Wire
Rechtsgrundlagen Datenschutzgesetz, Fernmelderecht, Strafrecht und kantonale Datenschutzgesetze
Aufsichtsbehörde EDÖB

Messenger-Dienste in der Schweiz sind internetbasierte Kommunikationsdienste, über die Privatpersonen, Unternehmen, Behörden und Organisationen Textnachrichten, Bilder, Videos, Dateien, Sprachmitteilungen sowie Sprach- und Videoanrufe austauschen. Sie werden überwiegend über Smartphones genutzt, stehen jedoch häufig auch als Web-, Tablet- oder Desktop-Anwendung zur Verfügung.

Messenger gehören zu den meistgenutzten digitalen Diensten der Schweiz. Der Markt wird deutlich von WhatsApp beherrscht. Gemäss dem repräsentativen IGEM-Digimonitor 2025 nutzten 6,2 Millionen Personen oder 97 Prozent der internetnutzenden Schweizer Wohnbevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren WhatsApp. Andere Dienste wie Facebook Messenger, Snapchat, Telegram, Signal und der in der Schweiz entwickelte Messenger Threema werden ebenfalls von grossen Bevölkerungsgruppen verwendet, dienen aber häufig als Ergänzung zu WhatsApp.[1]

Die Auswahl eines Messengers wird insbesondere durch die Verbreitung im persönlichen Umfeld, Bedienbarkeit, Kosten, unterstützte Geräte, Gruppenfunktionen, Datenschutz, Verschlüsselung und den Standort des Anbieters bestimmt. Wegen der starken Netzwerkeffekte benutzen viele Menschen mehrere Dienste parallel.

Eine besondere Stellung besitzt Threema. Der Dienst wurde in der Schweiz entwickelt, kann ohne Angabe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse verwendet werden und richtet sich sowohl an Privatpersonen als auch an Unternehmen und Behörden. Daneben bestehen mit TeleGuard und Wire weitere Dienste mit Schweizer Unternehmens- oder Entwicklungsbezug.

Begriff und Abgrenzung

Der Begriff Messenger bezeichnet Anwendungen, die eine weitgehend unmittelbare Kommunikation zwischen einzelnen Personen oder Gruppen ermöglichen. Die Nachrichten werden über das Internet übertragen und erreichen die Empfänger normalerweise innerhalb weniger Sekunden.

Typische Funktionen moderner Messenger sind:

  • Textnachrichten,
  • Gruppenunterhaltungen,
  • Sprachmitteilungen,
  • Versand von Bildern, Videos und Dokumenten,
  • Sprach- und Videoanrufe,
  • Standortfreigabe,
  • Reaktionen, Aufkleber und animierte Bilder,
  • selbstlöschende Nachrichten,
  • Kanäle und Verteilerlisten,
  • Nutzung auf mehreren Geräten.

Messenger unterscheiden sich von der klassischen SMS, deren Übertragung über das Mobilfunknetz des Anbieters erfolgt. SMS-Nachrichten sind normalerweise weder Ende-zu-Ende-verschlüsselt noch auf umfangreiche Gruppenkommunikation oder den Versand grosser Dateien ausgelegt.

Eine eindeutige Abgrenzung zwischen Messenger und sozialem Netzwerk ist nicht immer möglich. Dienste wie Snapchat, Instagram, Facebook und Discord verbinden private Nachrichten mit öffentlichen Profilen, Medieninhalten, Gruppen, Kanälen oder Community-Funktionen.

E-Mail-Dienste werden in der Regel nicht zu den Messengern gezählt. Auch unternehmensinterne Plattformen wie Microsoft Teams, Slack oder Mattermost besitzen zwar Messenger-Funktionen, werden jedoch meist als Kollaborations- oder Arbeitsplattformen bezeichnet.

Verbreitung

Der IGEM-Digimonitor untersucht jährlich die Nutzung elektronischer Medien und Geräte in der Schweiz. Die Studie 2025 beruhte auf einer Onlinebefragung von 1959 Personen aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Die Grundgesamtheit umfasste die internetnutzende Wohnbevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren, insgesamt rund 6,3 Millionen Menschen.[2]

Dienst Nutzende in der Schweiz 2025 Anteil der internetnutzenden Bevölkerung von 15 bis 75 Jahren Einordnung
WhatsApp 6,2 Mio. 97 % Mit grossem Abstand meistgenutzter Messenger
Facebook Messenger 2,3 Mio. rund 36 % Mit dem sozialen Netzwerk Facebook verbunden
Snapchat 1,5 Mio. rund 24 % Besonders bei jüngeren Personen verbreitet
Telegram 1,3 Mio. 21 % Messenger mit grossen Gruppen und öffentlichen Kanälen
Threema 1,2 Mio. rund 19 % Schweizer Messenger mit Schwerpunkt Datenschutz
Signal 1,2 Mio. rund 19 % Datenschutzorientierter, quelloffener Messenger

Die Angaben dürfen nicht addiert werden, da die meisten Befragten mehrere Messenger verwenden. Nach der Studie bleibt WhatsApp auch bei Personen, die Signal, Telegram oder Threema installiert haben, gewöhnlich der wichtigste Messenger.[1]

Telegram besass 2025 unter den untersuchten Diensten den höchsten Männeranteil. 58 Prozent der Telegram-Nutzenden waren männlich. Bei Threema betrug der Männeranteil 56 Prozent. WhatsApp wies mit einem Frauenanteil von 49 Prozent die ausgeglichenste Geschlechterverteilung auf. Snapchat hatte mit durchschnittlich 25 Jahren das jüngste Publikum, während Facebook Messenger häufiger von älteren Personen verwendet wurde.[1]

Für iMessage, Instagram Direct, Discord und verschiedene berufliche Messenger veröffentlichte die frei zugängliche Zusammenfassung des Digimonitors keine vergleichbaren gesamtschweizerischen Reichweitenwerte.

Marktstruktur

Netzwerkeffekte

Der Nutzen eines Messengers steigt mit der Zahl der darüber erreichbaren Kontakte. Dieser Netzwerkeffekt trägt wesentlich zur starken Stellung von WhatsApp bei. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist weniger die technische Qualität eines Dienstes ausschlaggebend als die Frage, welche Anwendung von Familie, Freundeskreis, Schule, Verein oder Arbeitskollegium verwendet wird.

Ein vollständiger Wechsel zu einem anderen Messenger ist deshalb schwierig. Häufig werden datenschutzorientierte Alternativen zunächst zusätzlich installiert. Dadurch entstehen parallele Kommunikationskanäle, die je nach Personengruppe oder Verwendungszweck eingesetzt werden.

Die Mehrsprachigkeit und die internationale Verflechtung der Schweiz verstärken diesen Effekt. Ein grosser Teil der Bevölkerung pflegt regelmässige Kontakte in andere Länder. Ein weltweit verbreiteter Messenger ermöglicht die Kommunikation ohne zusätzliche internationale SMS- oder Telefonkosten.

Kostenmodelle

Die meisten verbreiteten Messenger können kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Die Finanzierung erfolgt je nach Anbieter durch:

  • Einnahmen eines verbundenen Werbe- oder Plattformkonzerns,
  • kostenpflichtige Unternehmensdienste,
  • freiwillige Spenden,
  • Abonnemente,
  • einmalige Kaufpreise,
  • Zusatzfunktionen oder Premiumkonten.

WhatsApp und Facebook Messenger gehören zum US-amerikanischen Konzern Meta Platforms. Signal wird von einer gemeinnützigen Organisation getragen und hauptsächlich durch Spenden finanziert. Telegram bietet neben der kostenlosen Version ein kostenpflichtiges Premium-Abonnement an.

Threema Private wird traditionell gegen einen einmaligen Kaufpreis angeboten. Die Unternehmensprodukte Threema Work, Threema OnPrem und Threema Broadcast werden über Lizenzen finanziert. Das Unternehmen verzichtet nach eigenen Angaben auf Werbung, Nutzerprofilbildung und den Verkauf personenbezogener Daten.[3]

Wichtige Dienste

WhatsApp

WhatsApp ist der mit Abstand am weitesten verbreitete Messenger in der Schweiz. Der Dienst ermöglicht Text- und Sprachnachrichten, Gruppen, Kanäle, Dateiübertragungen sowie Sprach- und Videoanrufe.

Die Registrierung erfolgt über eine Mobiltelefonnummer. Zur Erkennung bereits registrierter Kontakte kann die Anwendung auf das Adressbuch des Geräts zugreifen. Dies ist aus Sicht des Datenschutzes insbesondere dann relevant, wenn Kontaktdaten von Personen übertragen werden, die selbst kein WhatsApp verwenden oder der Übertragung nicht zugestimmt haben.

Persönliche Nachrichten und Anrufe sind standardmässig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Der Betreiber kann daher den Inhalt ordnungsgemäss verschlüsselter Unterhaltungen grundsätzlich nicht lesen. Davon zu unterscheiden sind Metadaten wie Telefonnummern, Geräteinformationen, Zeitpunkt und Häufigkeit der Nutzung oder Informationen über Gruppenmitgliedschaften.

WhatsApp wurde 2009 gegründet und 2014 von Facebook, heute Meta Platforms, übernommen. In der Schweiz verdrängte der Dienst während der 2010er-Jahre einen grossen Teil der zuvor über SMS und MMS abgewickelten privaten Kommunikation.

Facebook Messenger

Facebook Messenger entwickelte sich aus der Nachrichtenfunktion des sozialen Netzwerks Facebook. Der Dienst kann über die Facebook-Plattform, eigenständige Mobilanwendungen und eine Weboberfläche genutzt werden.

Seine Verbreitung hängt eng mit der Nutzung von Facebook zusammen. Messenger wird insbesondere zur Kommunikation zwischen bereits über Facebook verbundenen Personen, in Interessengruppen und im Kontakt mit Unternehmen verwendet.

Gemäss IGEM-Digimonitor 2025 nutzten rund 2,3 Millionen Personen in der Schweiz Facebook Messenger. Der Frauenanteil lag mit 57 Prozent höher als bei den übrigen in der Studie ausgewiesenen Messengern.[1]

iMessage

iMessage ist der Nachrichtendienst von Apple und ist in die Nachrichten-App auf iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und weiteren Apple-Geräten integriert.

Unterhaltungen zwischen Apple-Geräten werden über das Internet übertragen und Ende-zu-Ende verschlüsselt. Apple gibt an, den Inhalt ordnungsgemäss übertragener iMessage-Nachrichten nicht entschlüsseln zu können.[4]

Nachrichten an Geräte ausserhalb des Apple-Systems können je nach Gerät, Mobilfunkanbieter und Konfiguration als RCS, SMS oder MMS versendet werden. Klassische SMS- und MMS-Nachrichten sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Für Nutzende ist die Übertragungsart gewöhnlich an der Farbe und Kennzeichnung der Nachricht erkennbar.[5]

Die Nutzung von iMessage ist in der Schweiz wegen des hohen Marktanteils von Apple-Geräten bedeutend. Der Dienst bleibt jedoch im Gegensatz zu plattformübergreifenden Messengern weitgehend an das Apple-Ökosystem gebunden.

Signal

Signal ist ein quelloffener Messenger mit Schwerpunkt auf vertraulicher Kommunikation. Textnachrichten, Gruppenunterhaltungen, Dateien sowie Sprach- und Videoanrufe sind immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Verschlüsselung ist kein optionaler Modus, sondern gilt standardmässig für sämtliche Signal-Unterhaltungen.[6]

Der Dienst wird von der US-amerikanischen gemeinnützigen Signal Technology Foundation getragen. Die Anwendungen und wesentliche Teile der Server-Software sind öffentlich einsehbar.

Für die Registrierung ist eine Telefonnummer erforderlich. Kontakte können zusätzlich über frei wählbare Nutzernamen angesprochen werden, ohne dass die Telefonnummer allen Gesprächspartnern angezeigt werden muss.

Signal speichert Nachrichteninhalte grundsätzlich auf den Endgeräten. Nach Angaben des Dienstes besitzt der Server keinen Zugriff auf den Inhalt der Unterhaltungen.[7]

In der Schweiz erhielt Signal besonders nach öffentlichen Debatten über die Datenschutzbedingungen von WhatsApp zusätzlichen Zulauf. Nach dem IGEM-Digimonitor 2025 nutzten rund 1,2 Millionen Menschen den Dienst.[1]

Telegram

Telegram verbindet private Unterhaltungen mit grossen Gruppen, öffentlichen Kanälen, Bots und umfangreichen Dateiübertragungen. Dadurch wird der Dienst nicht nur als Messenger, sondern auch als Publikations- und Community-Plattform verwendet.

Gewöhnliche private Unterhaltungen und Gruppenchats werden als sogenannte Cloud-Chats auf der Telegram-Infrastruktur gespeichert. Sie sind zwischen Gerät und Server verschlüsselt, aber nicht standardmässig Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besteht nur bei separat gestarteten geheimen Chats zwischen zwei Personen. Diese Chats sind an bestimmte Geräte gebunden, werden nicht in der Telegram-Cloud gespeichert und können mit selbstlöschenden Nachrichten versehen werden.[8]

Telegram wird in der Schweiz unter anderem für internationale Kontakte, Nachrichtenkanäle, politische Gruppen, Vereinskommunikation und thematische Gemeinschaften verwendet. Der Dienst spielt zugleich eine Rolle bei der Verbreitung von Desinformation, extremistischen Inhalten, nicht bewilligten Finanzangeboten und Betrugsversuchen.

2025 nutzten nach dem Digimonitor etwa 1,3 Millionen Personen oder 21 Prozent der internetnutzenden Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren Telegram.[1]

Threema

Threema ist ein in der Schweiz entwickelter Messenger mit besonderem Schwerpunkt auf Datenschutz und Datensparsamkeit. Der Dienst wird von der Threema AG mit Sitz in Pfäffikon SZ angeboten.

Bei der Einrichtung wird eine zufällige Threema-ID erzeugt. Eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse muss nicht angegeben werden. Beide Angaben können freiwillig verknüpft werden, um das Auffinden bekannter Kontakte zu erleichtern.

Nachrichten, Gruppenunterhaltungen, Dateien sowie Sprach- und Videoanrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Der Anbieter erklärt, dass Nachrichten nach erfolgreicher Zustellung von den Servern entfernt und Kontaktlisten grundsätzlich auf den Endgeräten verarbeitet werden.[3]

Die mobilen Anwendungen wurden 2020 als Open Source veröffentlicht. Im selben Jahr beteiligte sich die deutsche Beteiligungsgesellschaft Afinum an der Threema AG. Anfang 2026 wechselte die Eigentümerschaft zu Comitis Capital. Unternehmenssitz, Entwicklung und Serverinfrastruktur blieben nach Angaben von Threema in der Schweiz.[9]

Neben der privaten Anwendung bietet das Unternehmen mehrere Produkte für Organisationen an:

  • Threema Work für Unternehmen und Behörden,
  • Threema OnPrem für den Betrieb auf eigener Infrastruktur,
  • Threema Broadcast für zentrale Informationskanäle,
  • Threema Gateway für automatisierte Nachrichten.

Nach dem IGEM-Digimonitor 2025 verwendeten rund 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz Threema.[1]

Snapchat

Snapchat ist eine soziale Medienplattform mit umfangreichen Messenger-Funktionen. Der Dienst wurde insbesondere durch Bilder und Videos bekannt, die nach dem Ansehen oder nach einer bestimmten Zeit nicht mehr regulär angezeigt werden.

Neben privaten Nachrichten bietet Snapchat öffentliche Geschichten, Kurzvideos, Standortfunktionen und Inhalte von Medienunternehmen. Der Dienst ist besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet.

2025 nutzten gemäss Digimonitor rund 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz Snapchat. Das Durchschnittsalter der Nutzenden betrug etwa 25 Jahre und war damit tiefer als bei den übrigen untersuchten Messengern.[1]

Selbstlöschende Inhalte gewährleisten keinen vollständigen Schutz vor Weitergabe. Empfangende Personen können Aufnahmen speichern, fotografieren oder mit einem anderen Gerät kopieren.

Instagram Direct

Instagram Direct ist die Nachrichtenfunktion des sozialen Netzwerks Instagram. Sie ermöglicht private Unterhaltungen, Gruppenchats, Sprach- und Videoanrufe sowie den Austausch von Beiträgen, Kurzvideos und Geschichten.

Da Instagram in der Schweiz zu den reichweitenstärksten sozialen Netzwerken gehört, besitzt auch die integrierte Nachrichtenfunktion eine erhebliche Bedeutung. Sie wird besonders häufig für Kontakte verwendet, die über öffentliche Profile, gemeinsame Interessen, Vereine oder Unternehmen entstanden sind.

Instagram Direct wird im allgemeinen Sprachgebrauch nicht immer als eigenständiger Messenger wahrgenommen, erfüllt jedoch weitgehend dieselben Kommunikationsfunktionen.

Discord

Discord wurde ursprünglich für die Kommunikation von Computerspielenden entwickelt. Der Dienst bietet Textkanäle, Gruppen, Sprachräume, Videoübertragungen und private Nachrichten.

In der Schweiz wird Discord vor allem von jüngeren Personen, Gaming-Communitys, Schulklassen, Hochschulgruppen, Vereinen und technisch orientierten Gemeinschaften verwendet.

Die Kommunikation ist in der Regel server- beziehungsweise cloudbasiert. Discord ist daher nicht mit Messengern gleichzusetzen, deren sämtliche Unterhaltungen standardmässig Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind.

Messenger mit Schweizer Bezug

TeleGuard

TeleGuard ist ein Messenger des Schweizer Technologieunternehmens Swisscows AG mit Sitz in Egnach im Kanton Thurgau.

Der Dienst kann ohne Telefonnummer und ohne klassische Registrierung verwendet werden. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten eine zufällig erzeugte Kennung. Nach Angaben des Anbieters sind Chats sowie Sprach- und Videoanrufe Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Zugestellte Nachrichten werden vom Server entfernt; übertragene Dateien werden nur zeitlich begrenzt gespeichert.[10]

TeleGuard richtet sich vor allem an Personen, die keinen mit einer Telefonnummer verknüpften Account verwenden möchten. Seine Verbreitung ist deutlich geringer als jene von WhatsApp, Signal oder Threema.

Wire

Wire ist ein sicherheitsorientierter Messenger für Organisationen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Verantwortliche Anbieterin ist die Wire Swiss GmbH mit Sitz in Zug.

Textnachrichten, Dateien sowie Sprach- und Videokommunikation sind nach Angaben des Unternehmens Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Wire bietet zentrale Benutzerverwaltung, Teamfunktionen und Varianten für den Betrieb auf eigener oder kontrollierter Infrastruktur.[11]

Wire verarbeitet nach seiner Datenschutzerklärung Gesprächsinhalte nur soweit dies technisch für die Übertragung erforderlich ist. Zugestellte verschlüsselte Nachrichten werden vom Server entfernt. Das Unternehmen untersteht aufgrund seines Sitzes grundsätzlich dem Schweizer Datenschutzrecht.[12]

Im Gegensatz zu den verbreiteten privaten Messengern konzentriert sich Wire zunehmend auf professionelle und institutionelle Kommunikation.

Verschlüsselung und Datensicherheit

Transportverschlüsselung

Eine Transportverschlüsselung schützt die Verbindung zwischen einem Endgerät und dem Server des Anbieters. Dadurch können Dritte im gleichen Netzwerk den Inhalt nicht ohne Weiteres mitlesen.

Der Server kann bei einer reinen Transportverschlüsselung jedoch grundsätzlich auf den unverschlüsselten Inhalt zugreifen. Die Sicherheit hängt deshalb auch vom Betreiber, dessen internen Schutzmassnahmen und der Rechtsordnung am Unternehmens- oder Serverstandort ab.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird eine Nachricht auf dem Gerät der sendenden Person verschlüsselt und erst auf dem Gerät der empfangenden Person entschlüsselt. Der Betreiber überträgt nur den verschlüsselten Inhalt und soll keinen Zugriff auf den Klartext besitzen.

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt jedoch nicht automatisch vor:

  • kompromittierten oder entsperrten Endgeräten,
  • Schadsoftware,
  • unsicheren Bildschirmaufnahmen,
  • der Weiterleitung durch empfangende Personen,
  • unverschlüsselten Sicherungskopien,
  • Phishing und Social Engineering,
  • der Offenlegung von Metadaten.

WhatsApp, Signal, Threema, iMessage und Wire verwenden für persönliche Unterhaltungen standardmässig eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Bei Telegram ist sie auf geheime Einzelchats beschränkt. Klassische Cloud-Chats und Gruppen sind dort nicht durchgehend Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Metadaten

Auch bei verschlüsselten Nachrichten können Metadaten anfallen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Telefonnummer oder Nutzerkennung,
  • IP-Adresse,
  • Geräte- und Betriebssysteminformationen,
  • Zeitpunkt der Verbindung,
  • Absender und Empfänger,
  • Dauer eines Anrufs,
  • Grösse einer Datei,
  • Gruppenmitgliedschaften,
  • Häufigkeit der Nutzung.

Aus Metadaten können Beziehungsnetze, Aufenthaltsmuster oder berufliche Kontakte abgeleitet werden. Datenschutzorientierte Messenger versuchen deshalb, nicht nur die Inhalte zu verschlüsseln, sondern auch die Menge dauerhaft gespeicherter Metadaten zu reduzieren.

Sicherungskopien

Nachrichten können durch lokale oder cloudbasierte Sicherungskopien erhalten bleiben. Die Sicherheit einer Unterhaltung hängt deshalb auch davon ab, ob die Sicherung verschlüsselt ist und wer den dazugehörigen Schlüssel besitzt.

Eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Übertragung verliert einen Teil ihrer Schutzwirkung, wenn der Nachrichtenverlauf anschliessend unverschlüsselt auf einem Cloudkonto, Computer oder gemeinsam genutzten Gerät gespeichert wird.

Datenschutzrecht

Datenschutzgesetz

Das revidierte Bundesgesetz über den Datenschutz trat am 1. September 2023 in Kraft. Es schützt die Persönlichkeit und die Grundrechte natürlicher Personen, deren Personendaten bearbeitet werden.[13]

Das Gesetz gilt technologieneutral. Es erfasst damit auch die Verarbeitung von Daten durch Messenger-Anbieter sowie die Verwendung von Messengern durch Unternehmen, Vereine und andere private Organisationen.

Zu den wichtigen Grundsätzen gehören:

  • Rechtmässigkeit,
  • Verhältnismässigkeit,
  • Zweckbindung,
  • Transparenz,
  • Richtigkeit der Daten,
  • angemessene Datensicherheit,
  • Datenschutz durch Technik und datenschutzfreundliche Voreinstellungen.

Werden Adressbücher, Kundendaten, Gesundheitsinformationen oder andere Personendaten über einen Messenger verarbeitet, muss die verantwortliche Organisation prüfen, ob die Nutzung rechtmässig, notwendig und ausreichend geschützt ist.

Für kantonale und kommunale Behörden gelten zusätzlich die Datenschutzgesetze der jeweiligen Kantone.

Bekanntgabe ins Ausland

Viele verbreitete Messenger werden von Unternehmen ausserhalb der Schweiz betrieben. Dabei können Personendaten oder Metadaten auf Servern in anderen Staaten verarbeitet werden.

Das Schweizer Datenschutzrecht stellt besondere Anforderungen an die Bekanntgabe von Personendaten ins Ausland. Entscheidend sind unter anderem das Datenschutzniveau des Empfängerstaats, vertragliche Garantien und mögliche gesetzliche Ausnahmen.

Der Standort eines Servers allein entscheidet nicht über die Sicherheit eines Dienstes. Zu berücksichtigen sind auch Eigentumsverhältnisse, Unterauftragnehmer, technische Architektur, Verschlüsselung, Zugriffsrechte und die anwendbaren Rechtsordnungen.

Kontaktdaten

Viele Messenger bieten eine automatische Kontaktsuche an. Dazu kann das Adressbuch des Smartphones mit den Servern des Anbieters abgeglichen werden.

Unternehmen und Behörden müssen dabei besonders vorsichtig sein, da das Adressbuch auch Daten von Kundinnen, Patienten, Mitarbeitenden oder Geschäftspartnern enthalten kann. Eine unkontrollierte Übertragung sämtlicher Kontakte an einen Drittanbieter kann gegen Datenschutz-, Berufsgeheimnis- oder Vertraulichkeitspflichten verstossen.

Datenschutzfreundliche Lösungen verarbeiten Kontaktlisten möglichst lokal, verwenden technisch geschützte Abgleichverfahren oder erlauben eine Nutzung ohne Freigabe des gesamten Adressbuchs.

Behörden und öffentliche Verwaltung

Messenger werden von Behörden für interne Absprachen, Krisenkommunikation, Informationskanäle und den Kontakt mit der Bevölkerung eingesetzt.

Für offizielle Kommunikation gelten erhöhte Anforderungen an:

  • Datenschutz,
  • Informationssicherheit,
  • Nachvollziehbarkeit,
  • Archivierung,
  • Zugriffsverwaltung,
  • Amtsgeheimnis,
  • Öffentlichkeitsprinzip.

Dienstliche Messenger-Nachrichten können amtliche Dokumente darstellen. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte befasste sich mehrfach mit Zugangsgesuchen, die neben E-Mails auch SMS-, WhatsApp-, Threema- und Signal-Nachrichten von Behördenmitgliedern umfassten.[14]

Behörden dürfen sich daher nicht allein auf automatische Löschfunktionen oder private Geräte verlassen. Dienstliche Kommunikation muss nach den geltenden Aktenführungs- und Archivierungsvorschriften verwaltet werden.

Threema Work und andere zentral verwaltbare Messenger werden bei verschiedenen Schweizer Behörden, Polizeikorps, Rettungsorganisationen und öffentlichen Einrichtungen eingesetzt. Für besonders schutzwürdige oder klassifizierte Informationen gelten jedoch zusätzliche Vorgaben; ein gewöhnlicher Publikums-Messenger ist dafür nicht automatisch zugelassen.

Nutzung in Unternehmen

Messenger haben in Unternehmen E-Mail, Telefon und persönliche Besprechungen teilweise ergänzt. Sie werden für kurze Absprachen, Schichtplanung, Einsatzkoordination, Kundenkontakt und Notfallkommunikation genutzt.

Private Messenger auf dienstlichen oder privaten Mobiltelefonen können jedoch zu sogenannter Schatten-IT führen. Dabei kommunizieren Mitarbeitende über Dienste, die vom Unternehmen weder geprüft noch administriert werden.

Mögliche Probleme sind:

  • Übertragung von Kundendaten an externe Anbieter,
  • fehlende Archivierung geschäftlicher Kommunikation,
  • unkontrollierter Zugriff ehemaliger Mitarbeitender,
  • Vermischung privater und beruflicher Nachrichten,
  • fehlende Lösch- und Aufbewahrungsregeln,
  • Verlust von Daten bei einem Gerätewechsel,
  • mangelnde Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen.

Unternehmen verwenden deshalb zunehmend verwaltbare Lösungen mit zentraler Benutzerverwaltung, Rollen, Gruppenrichtlinien, Protokollierung und kontrollierter Datenhaltung. Dazu gehören Threema Work, Wire, Microsoft Teams, Slack, Mattermost und Matrix-basierte Systeme.

Arbeitgebende sollten die zulässige Messenger-Nutzung in internen Richtlinien regeln. Der EDÖB empfiehlt, Zugriffe auf geschäftliche Kommunikation, private Daten und Konten ehemaliger Mitarbeitender klar festzulegen und zu protokollieren.[15]

Gesundheitswesen und Berufsgeheimnisse

Im Gesundheitswesen können Messenger die Kommunikation zwischen medizinischem Personal sowie die Termin- und Patientenkommunikation erleichtern. Gesundheitsdaten gehören jedoch zu den besonders schützenswerten Personendaten.

Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen, Apotheker, Anwältinnen und weitere Berufsgruppen unterliegen zusätzlichen Geheimhaltungs- und Sorgfaltspflichten. Ein Messenger muss deshalb nicht nur verschlüsselt sein, sondern auch organisatorische Anforderungen erfüllen.

Zu prüfen sind insbesondere:

  • Einwilligung und Information der betroffenen Person,
  • Identität des Gesprächspartners,
  • Speicherung und Löschung,
  • Dokumentation in der Fachanwendung,
  • Zugriff auf verlorene oder private Geräte,
  • Serverstandort und Auftragsbearbeitung,
  • Sicherungskopien,
  • Weitergabe von Dateien und Bildern.

Für medizinische Notfälle sind gewöhnliche Messenger nicht geeignet, da die Zustellung nicht garantiert ist und Nachrichten übersehen werden können.

Schulen und Familien

Messenger werden in Schulen, Sportvereinen und Freizeitgruppen zur Information von Eltern, Schülerinnen und Schülern verwendet. Klassenchats erleichtern die kurzfristige Organisation, können aber auch zu sozialem Druck, Konflikten, Cybermobbing und einer dauernden Erreichbarkeit führen.

Bei minderjährigen Personen sind Altersvorgaben, Einwilligungsfragen und die Verantwortung der Schule zu beachten. Lehrpersonen sollten nicht voraussetzen, dass alle Familien denselben privaten Messenger besitzen oder dessen Nutzungsbedingungen akzeptieren.

Datenschutzfreundliche Schulplattformen und offiziell bereitgestellte Kommunikationssysteme können eine Alternative zu privaten WhatsApp-Gruppen darstellen. Wichtige Mitteilungen sollten zusätzlich über einen allgemein zugänglichen Kanal bereitgestellt werden.

Betrug und Cyberkriminalität

Messenger werden regelmässig für Betrugsversuche missbraucht. Häufige Formen in der Schweiz sind:

  • falsche Nachrichten angeblicher Familienmitglieder,
  • gefälschte Zahlungsaufforderungen,
  • Phishing-Links,
  • Paket- und Zollbetrug,
  • Anlage- und Kryptowährungsbetrug,
  • falsche Stellenangebote,
  • Romance Scam,
  • Übernahme fremder Konten,
  • gefälschte Buchungs- oder Hotelnachrichten.

Beim sogenannten Enkel- oder Familienmitgliedertrick behaupten Täter, eine neue Telefonnummer zu besitzen und dringend Geld zu benötigen. Anschliessend verlangen sie eine Überweisung, einen TWINT-Transfer oder die Bezahlung einer Rechnung.

Das Bundesamt für Cybersicherheit warnt zudem vor gefälschten Buchungsnachrichten, die nach einer tatsächlichen Hotelreservation über Messenger versandt werden. Betroffene sollen Zahlungsaufforderungen ausschliesslich über die offiziellen Kontaktdaten des Hotels überprüfen und keine Kreditkartendaten über zugesandte Links eingeben.[16]

Eine starke Verschlüsselung schützt nicht vor freiwilligen Zahlungen oder der Preisgabe von Passwörtern. Betrüger versuchen deshalb häufig, das Vertrauen der Nutzenden und nicht die Verschlüsselung selbst anzugreifen.

Empfohlen werden:

  • ungewöhnliche Forderungen über einen zweiten Kanal überprüfen,
  • keine Bestätigungscodes weitergeben,
  • Zwei-Faktor-Authentisierung aktivieren,
  • unbekannte Links nicht öffnen,
  • Betriebssystem und Messenger aktuell halten,
  • Gerätesperre und sichere Passwörter verwenden,
  • verdächtige Kontakte blockieren und melden.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Rückgang der SMS

Die Verbreitung von Smartphones und mobilen Datentarifen führte seit den frühen 2010er-Jahren zu einem starken Rückgang privater SMS- und MMS-Nachrichten.

Messenger boten ohne zusätzliche Einzelkosten Gruppenunterhaltungen, Bilder, Videos und internationale Kommunikation. Mobilfunkanbieter reagierten unter anderem mit Daten-Flatrates und Tarifpaketen, in denen SMS und Anrufe pauschal enthalten waren.

SMS behielt Bedeutung für Personen ohne Smartphone, automatische Benachrichtigungen, Notfallwarnungen, Anmeldecodes und die Kommunikation ohne mobile Datenverbindung.

Veränderung der Alltagskommunikation

Messenger haben die Erwartungen an Erreichbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit verändert. Lesebestätigungen, Online-Status und Tippanzeigen können sozialen Druck erzeugen.

Sprachnachrichten ermöglichten eine Kommunikation zwischen Telefonat und Textnachricht. Gruppen erleichtern die Organisation von Familien, Vereinen und Nachbarschaften, können jedoch durch eine hohe Zahl von Nachrichten unübersichtlich werden.

In der mehrsprachigen Schweiz erleichtern automatische Übersetzungen, Sprachmitteilungen und internationale Gruppen den Kontakt über Sprach- und Landesgrenzen hinweg.

Politische Kommunikation

Parteien, Politikerinnen, Behörden, Medien und gesellschaftliche Gruppen nutzen Messenger-Kanäle zur direkten Verbreitung von Informationen.

Telegram besitzt wegen seiner grossen Kanäle und Gruppen eine besondere Bedeutung für politische Bewegungen und alternative Medien. Die geringe redaktionelle Kontrolle kann jedoch die schnelle Verbreitung falscher oder manipulierter Inhalte begünstigen.

WhatsApp-Kanäle und Verteiler werden zunehmend von Medienhäusern, Gemeinden und Organisationen eingesetzt. Anders als bei öffentlichen sozialen Netzwerken erscheinen die Inhalte direkt in der Messenger-Anwendung.

Geschichte

Frühe Onlinekommunikation

Vor der Verbreitung moderner Messenger nutzten Schweizer Internetanwender in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren Internet Relay Chat, ICQ, AOL Instant Messenger, MSN Messenger und verschiedene Chatrooms.

Diese Dienste wurden hauptsächlich auf Computern verwendet. Eine dauernde mobile Erreichbarkeit war wegen langsamer Mobilfunknetze, hoher Datenpreise und fehlender Smartphones noch nicht üblich.

Parallel dazu entwickelte sich SMS zum wichtigsten mobilen Kurznachrichtendienst. Besonders unter Jugendlichen wurden SMS zu einem zentralen Bestandteil der Alltagskommunikation.

Smartphone-Ära

Mit der Einführung moderner Smartphones, App-Stores und schneller Mobilfunknetze verlagerten sich Chats auf mobile Anwendungen.

WhatsApp wurde ab Beginn der 2010er-Jahre rasch verbreitet. Die Möglichkeit, Nachrichten über eine bestehende Datenverbindung statt einzeln verrechneter SMS zu senden, war ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Andere frühe Smartphone-Messenger waren BlackBerry Messenger, Viber, Skype, Facebook Messenger und iMessage. Die grosse Zahl konkurrierender Anwendungen führte zu einem starken Wettbewerb um Reichweite und Plattformbindung.

Entstehung Schweizer Alternativen

Threema wurde 2012 in der Schweiz entwickelt. Der Dienst gewann 2014 nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook stark an Bekanntheit.

Spätere Debatten über die Datenschutzerklärungen von WhatsApp, Datenübertragungen in die USA und die Geschäftspraktiken grosser Technologiekonzerne stärkten das Interesse an Signal und Threema.

TeleGuard wurde durch das Schweizer Unternehmen Swisscows entwickelt. Wire entstand mit deutschen und schweizerischen Wurzeln und besitzt eine Schweizer Betriebsgesellschaft in Zug.

Mehrfachnutzung

Trotz wiederkehrender Wechselkampagnen konnte kein alternativer Dienst WhatsApp als allgemeinen Hauptmessenger der Schweiz ablösen.

Stattdessen etablierte sich eine Mehrfachnutzung. WhatsApp dient häufig der allgemeinen Alltagskommunikation, während Signal, Threema, Telegram, Snapchat, Discord oder berufliche Plattformen für bestimmte Gruppen und Zwecke verwendet werden.

Kritik und Kontroversen

Marktmacht

Die dominierende Stellung von WhatsApp erschwert den Wettbewerb. Neue Dienste müssen nicht nur technisch überzeugen, sondern gleichzeitig einen ausreichend grossen Teil des persönlichen Kontaktnetzes erreichen.

Die Bindung an einzelne Plattformen wird als gesellschaftliches Problem betrachtet, wenn Schulen, Vereine, Arbeitgebende oder Behörden einen privaten Dienst faktisch voraussetzen.

Datenschutz

Kritisiert werden insbesondere die Verarbeitung von Metadaten, die Verknüpfung mit anderen Plattformen, Adressbuchabgleiche, Datenübertragungen ins Ausland und schwer verständliche Nutzungsbedingungen.

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beseitigt diese Fragen nicht vollständig. Sie schützt vor allem den Nachrichteninhalt während der Übertragung, nicht automatisch sämtliche weiteren Daten.

Moderation

Offene Gruppen und Kanäle können für Hassrede, Betrug, Desinformation und illegale Inhalte verwendet werden. Gleichzeitig erschwert eine starke Verschlüsselung die automatische Inhaltskontrolle.

Die Anbieter verfolgen unterschiedliche Ansätze. Plattformartige Dienste moderieren öffentliche Inhalte und sperren gemeldete Konten oder Kanäle. Bei vollständig privaten, verschlüsselten Unterhaltungen ist eine zentrale Inhaltskontrolle technisch und rechtlich wesentlich schwieriger.

Staatliche Überwachung

Das Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs regelt die Mitwirkung von Kommunikationsanbietern bei gesetzlich angeordneten Überwachungsmassnahmen.

Starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann verhindern, dass ein Anbieter den Inhalt einer Nachricht herausgibt, weil er selbst keinen Entschlüsselungsschlüssel besitzt. Ermittlungsbehörden können jedoch je nach Rechtsgrundlage auf vorhandene Randdaten, beschlagnahmte Geräte oder andere Ermittlungsmethoden zurückgreifen.

Der Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr weist darauf hin, dass die zunehmende Verschlüsselung die klassische Echtzeitüberwachung erschwert und Randdaten dadurch an Bedeutung gewinnen.[17]

Auswahlkriterien

Bei der Wahl eines Messengers können folgende Kriterien berücksichtigt werden:

Kriterium Bedeutung
Verbreitung Zahl der erreichbaren Kontakte und Gruppen
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Schutz der Inhalte zwischen den beteiligten Endgeräten
Datensparsamkeit Umfang der erhobenen Konto-, Geräte- und Nutzungsdaten
Registrierung Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder anonyme Kennung
Quelloffenheit Möglichkeit einer unabhängigen Prüfung des Programmcodes
Unternehmens- und Serverstandort Anwendbares Recht und mögliche staatliche Zugriffe
Geschäftsmodell Kaufpreis, Abonnement, Spenden, Werbung oder Plattformfinanzierung
Geräteunterstützung Android, iOS, Web, Windows, macOS und Linux
Mehrgerätebetrieb Gleichzeitige Nutzung auf mehreren Smartphones und Computern
Verwaltung Zentrale Benutzer-, Gruppen- und Geräterichtlinien für Organisationen
Sicherungskopien Verschlüsselung und Kontrolle gespeicherter Chatverläufe
Barrierefreiheit Bedienbarkeit für Menschen mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen

Ein einzelnes Merkmal genügt nicht für eine umfassende Sicherheitsbeurteilung. Ein technisch gut verschlüsselter Dienst kann beispielsweise umfangreiche Metadaten erheben, während eine datensparsame Anwendung durch ein unsicheres Endgerät kompromittiert werden kann.

Siehe auch

Literatur

  • Interessengemeinschaft Elektronische Medien: IGEM-Digimonitor 2025. Zürich 2025.
  • Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter: Das neue Datenschutzgesetz aus Sicht des EDÖB. Bern 2023.
  • Bundesamt für Cybersicherheit: Cybersicherheit – Lage in der Schweiz und international. Bern.
  • Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr: Jahresberichte. Bern.
  • Threema AG: Cryptography Whitepaper. Pfäffikon SZ.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 KI, Trends und Technik: Messenger-Dienste. Hrsg.: Interessengemeinschaft Elektronische Medien. 2025. Abgerufen am 2026-08-04.
  2. Nutzung von elektronischen Medien und Geräten in der Schweiz. Hrsg.: Interessengemeinschaft Elektronische Medien. Abgerufen am 2026-08-04.
  3. 3,0 3,1 Threema: sichere Kommunikation für Privatpersonen und Unternehmen. Hrsg.: Threema AG. Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Sicherheit bei iMessage – Übersicht. Hrsg.: Apple. 2024-12-19. Abgerufen am 2026-08-04.
  5. Was ist der Unterschied zwischen iMessage, RCS und SMS/MMS?. Hrsg.: Apple. 2026-05-11. Abgerufen am 2026-08-04.
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