Museum Tinguely

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Museum Tinguely
Art Kunstmuseum
Ort Basel
Quartier Wettstein
Adresse Paul Sacher-Anlage 1, 4058 Basel
Eröffnung 3. Oktober 1996
Thematischer Schwerpunkt Leben und Werk von Jean Tinguely
Architekt Mario Botta
Stifterin F. Hoffmann-La Roche
Sammlung Weltweit grösste Sammlung von Werken Jean Tinguelys
Website tinguely.ch

Das Museum Tinguely ist ein Kunstmuseum in Basel, das dem Leben und Werk des Schweizer Künstlers Jean Tinguely gewidmet ist. Es liegt im historischen Solitudepark unmittelbar am rechten Rheinufer und wurde am 3. Oktober 1996 für das Publikum eröffnet. Das vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfene Gebäude beherbergt die weltweit grösste Sammlung von Werken Tinguelys.[1]

Die permanente Sammlungspräsentation dokumentiert rund vier Jahrzehnte künstlerischen Schaffens. Sie reicht von den filigranen beweglichen Reliefs der 1950er-Jahre über Zeichenmaschinen, Aktionen und Gemeinschaftsprojekte bis zu den monumentalen, klingenden und teilweise düsteren Maschinenskulpturen des Spätwerks. Ergänzt wird die Sammlung durch Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Vermittlungsangebote, ein Archiv sowie Einrichtungen zur Konservierung und Restaurierung kinetischer Kunst.

Das Museum wurde von F. Hoffmann-La Roche anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Basler Unternehmens gestiftet. Eine wesentliche Grundlage der Sammlung bildete die Schenkung von Niki de Saint Phalle, der Witwe Jean Tinguelys, die zahlreiche Maschinenskulpturen, Zeichnungen und Archivalien aus dem Nachlass des Künstlers einbrachte.[2]

Jean Tinguely und Basel

Jean Tinguely wurde 1925 in Freiburg im Üechtland geboren und wuchs in Basel auf. Nach einer Ausbildung als Dekorateur besuchte er Kurse an der Kunstgewerbeschule Basel. Anfang der 1950er-Jahre zog er nach Paris, wo er Kontakte zur internationalen Avantgarde knüpfte.

Im Zentrum seines Schaffens stand die Beschäftigung mit Maschinen, Bewegung, Geräusch und Zufall. Tinguely setzte Räder, Riemen, Motoren, Metallteile und Fundstücke zu beweglichen Konstruktionen zusammen. Seine Werke stellen die Vorstellung eines unveränderlichen Kunstobjekts infrage und verbinden bildende Kunst mit Theater, Klang, Aktion und technischer Improvisation.[3]

Tinguely gehörte zu den wichtigsten Vertretern der kinetischen Kunst und war Mitglied der französischen Künstlergruppe Nouveau Réalisme. Er arbeitete wiederholt mit Niki de Saint Phalle, Yves Klein, Bernhard Luginbühl, Daniel Spoerri und weiteren Künstlerinnen und Künstlern zusammen.

Obwohl Tinguely einen grossen Teil seines Lebens ausserhalb Basels verbrachte, blieb er der Stadt verbunden. Zu seinen bekanntesten Werken in Basel gehört der 1977 eingeweihte Tinguely-Brunnen auf dem Theaterplatz. Das Museum am Rhein schuf nach seinem Tod im Jahr 1991 einen dauerhaften Ort für die Präsentation, Erforschung und Erhaltung seines Werks.

Entstehung des Museums

Gründungsidee

Nach Jean Tinguelys Tod stellte sich die Frage, wie sein umfangreiches und technisch anspruchsvolles Werk dauerhaft erhalten und öffentlich zugänglich gemacht werden könnte. Viele seiner Skulpturen waren gross, beweglich und aus Materialien zusammengesetzt, die eine regelmässige Wartung erforderten.

Niki de Saint Phalle übergab mehr als 50 Maschinenskulpturen sowie zahlreiche Zeichnungen und Archivalien aus Tinguelys Nachlass an eine eigens geschaffene Jubiläumsstiftung von Roche. Hinzu kamen Werke aus der Sammlung des Unternehmens, weitere Schenkungen, Dauerleihgaben und spätere Ankäufe.[4]

Die Planungen für einen Museumsneubau begannen in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre. Als Standort wurde der Solitudepark am Rheinufer gewählt. Das Grundstück liegt in unmittelbarer Nähe des historischen Roche-Areals und verbindet die städtische Bebauung mit dem Flussraum.

Stiftung durch Roche

Roche wurde 1896 in Basel gegründet. Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens stiftete das Unternehmen 1996 das Museum als Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt und ihrer Bevölkerung. Das Museum gehört bis heute zu den bedeutendsten kulturellen Engagements des Unternehmens.[5]

Von der Konkretisierung des Projekts bis zur Eröffnung vergingen ungefähr drei Jahre. Der Museumsbau wurde eigens für die besonderen räumlichen und technischen Anforderungen der Werke Tinguelys entwickelt.

Eröffnung

Das Museum wurde am 3. Oktober 1996 für das Publikum geöffnet.[6]

Die Eröffnungsausstellung war als umfassende Retrospektive angelegt. Ihr Kern bestand aus mehr als 70 Maschinenskulpturen sowie Zeichnungen und Dokumentationen. Gezeigt wurden frühe Reliefs und Zeichenmaschinen, meta-mechanische Arbeiten, die fahrbare Skulptur Klamauk, die grossen Méta-Harmonien und der Werkzyklus Mengele-Totentanz.[2]

Das neue Haus sollte nicht nur ein Ausstellungsort sein. Von Beginn an übernahm es Aufgaben in den Bereichen Forschung, Dokumentation, Restaurierung, Vermittlung und internationale Zusammenarbeit.

Architektur

Entwurf von Mario Botta

Der Museumsbau wurde vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfen. Botta schuf keinen neutralen Ausstellungsbehälter, sondern eine räumlich abwechslungsreiche Anlage, die auf die Dimensionen, Bewegungen und Geräusche von Tinguelys Maschinen abgestimmt ist.

Das rechteckige Gebäude nimmt die östliche Seite des Solitudeparks ein. Seine vier Fassaden reagieren unterschiedlich auf die jeweilige Umgebung. Zur Grenzacherstrasse bildet ein überdeckter Bereich den Zugang zum Museum und zum Park. Auf der Ostseite schirmt eine hohe Gebäudefront die Grünanlage vom Verkehrslärm der benachbarten Strassen- und Autobahnanlagen ab.[7]

Die Fassaden sind hauptsächlich mit rotem Sandstein verkleidet. Das Material gibt dem Gebäude einen massiven, beinahe industriellen Charakter und stellt zugleich eine Verbindung zur traditionellen Basler Steinarchitektur her.

Beziehung zum Rhein

Die Südseite des Museums ist auf den Rhein ausgerichtet. Dort verläuft die als La Barca bezeichnete erhöhte Passerelle. Sie löst sich optisch vom Hauptkörper des Gebäudes und bildet einen lang gestreckten Weg entlang des Flusses.

Die Passerelle dient als Erschliessungs- und Verteilerraum. Grosse Fenster öffnen den Blick auf den Rhein und die gegenüberliegende Stadtlandschaft. Dadurch wird der Fluss während des Museumsbesuchs zu einem sichtbaren Bestandteil der Architektur.

Zwischen Museum und Rheinpromenade bestehen direkte räumliche Beziehungen. Der Museumsbesuch lässt sich mit einem Spaziergang durch den Solitudepark oder entlang des Rheinufers verbinden.

Innenräume

Das Innere ist als Folge unterschiedlich grosser und verschieden beleuchteter Räume angelegt. Kleinere Kabinette und Oberlichtsäle eignen sich für Zeichnungen, Dokumente und empfindliche Objekte. Grössere Hallen bieten Platz für raumfüllende Maschinen und Installationen.

Die zentrale Halle ist der grösste Ausstellungsraum des Hauses. In ihr können bis zu 20 Maschinenskulpturen gleichzeitig aufgestellt werden.[7]

Zu den wichtigsten Bereichen der Anlage gehören:

  • der Portikus zwischen Museum und Park;
  • eine durch bewegliche Wände unterteilbare Halle;
  • eine Galerie mit mehreren Ausstellungsräumen;
  • die als Krypta bezeichneten Räume im Untergeschoss;
  • mehrere Oberlichtsäle;
  • die Passerelle La Barca;
  • ein Vortragssaal;
  • Restaurierungs- und Depoträume;
  • der Museumsshop;
  • das Bistro mit Rheinterrasse.[6]

Vor dem Gebäude befindet sich ein Brunnen mit einer beweglichen Wasserplastik von Jean Tinguely. Kunst, Architektur, Park und Rhein bilden dadurch ein zusammenhängendes Ensemble.

Sammlung

Das Museum besitzt Arbeiten aus allen wichtigen Phasen und Werkgruppen Jean Tinguelys. Neben Skulpturen gehören Zeichnungen, Briefzeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Ausstellungsplakate, Kataloge, Filme, Tonaufnahmen und weitere Dokumente zu den Beständen.[4]

Die Sammlung wird durch temporäre Leihgaben ergänzt. Ein Teil der Werke wird regelmässig an Museen und Ausstellungen im Ausland ausgeliehen.

Frühe Reliefs

Tinguely begann in den frühen 1950er-Jahren mit beweglichen abstrakten Konstruktionen. Dünne Drähte, farbige Metallformen, Räder und einfache Getriebe wurden auf dunklen Hintergründen befestigt. Durch Handkurbeln oder kleine Elektromotoren setzten sich die einzelnen Elemente in Bewegung.

Da sich die Formen ständig neu zueinander anordneten, entstand kein dauerhaft festgelegtes Bild. Tinguely stellte damit die traditionelle Vorstellung von Komposition, Original und Vollendung infrage.

Zu dieser Werkgruppe gehören die Méta-mécaniques und Méta-Malevitchs. Ihre Bezeichnungen verweisen ironisch auf die abstrakte Kunst und insbesondere auf Kasimir Malewitsch.

Zeichenmaschinen

Mit den Méta-Matics entwickelte Tinguely ab dem Ende der 1950er-Jahre Maschinen, die selbstständig Zeichnungen erzeugten. Besucherinnen und Besucher konnten Papier und Stifte einspannen und den mechanischen Vorgang auslösen.

Die entstehenden Blätter waren von Bewegung, Zufall und technischen Unregelmässigkeiten geprägt. Die Maschinen machten das Publikum zum Teil des künstlerischen Prozesses und hinterfragten die Bedeutung der individuellen Handschrift eines Künstlers.

Aktionen und selbstzerstörende Werke

Ein wichtiger Bestandteil von Tinguelys Schaffen waren zeitlich begrenzte Aktionen und Happenings. Dabei entstanden Maschinen, die nicht für eine dauerhafte museale Existenz bestimmt waren.

Besonders bekannt wurde Homage to New York. Die rund 16 Meter lange Konstruktion wurde 1960 im Garten des Museum of Modern Art in New York in Betrieb gesetzt und zerstörte sich während der öffentlichen Aktion teilweise selbst. Das Museum Tinguely besitzt eines der wenigen erhaltenen Fragmente des Werks.[8]

Fotografien, Filme, Skizzen, Presseberichte und Augenzeugenberichte ermöglichen die Dokumentation solcher vergänglichen Arbeiten. Sie sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Museumsbestände.

Maschinenskulpturen der 1960er- und 1970er-Jahre

In den 1960er-Jahren verwendete Tinguely zunehmend Fundstücke, Schrottteile, Räder, Motoren und Alltagsgegenstände. Die Konstruktionen wurden grösser, farbiger und geräuschvoller.

Die Werke wirken teilweise wie funktionsfähige Maschinen, erfüllen jedoch keinen wirtschaftlich verwertbaren Zweck. Gerade diese Nutzlosigkeit war ein zentraler Bestandteil von Tinguelys Kritik an Automatisierung, Konsum und dem Glauben an unbegrenzten technischen Fortschritt.

Einige Skulpturen können durch Knopfdruck für kurze Zeit aktiviert werden. Zahnräder drehen sich, Metallteile schlagen gegeneinander, Riemen übertragen Bewegungen und Gegenstände geraten in scheinbar chaotische Abläufe.

Gemeinschaftsprojekte

Tinguely verstand Kunst häufig als gemeinschaftliche Tätigkeit. Er plante und realisierte zahlreiche Projekte mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern.

Besonders eng war die Zusammenarbeit mit Niki de Saint Phalle. Gemeinsam entstanden unter anderem monumentale begehbare Skulpturen und Anlagen, in denen ihre farbigen Figuren mit Tinguelys mechanischen Konstruktionen verbunden wurden.

Weitere wichtige Partner waren Yves Klein, Bernhard Luginbühl, Daniel Spoerri, Robert Rauschenberg, Jasper Johns und weitere Vertreter der europäischen und amerikanischen Nachkriegskunst.

Das Museum dokumentiert diese Kooperationen durch Werke, Planzeichnungen, Fotografien, Filme, Briefe und erhaltene Fragmente.

Klang- und Musikmaschinen

Geräusch war für Tinguely kein unerwünschtes Nebenprodukt, sondern ein wesentliches künstlerisches Material. Motoren, Metallstäbe, Fässer, Klavierelemente und Schlaginstrumente erzeugen rhythmische oder bewusst unregelmässige Klangfolgen.

Zu den bekanntesten Werkgruppen gehören die grossen Méta-Harmonien. Diese raumfüllenden Konstruktionen verbinden Bewegung, Klang, Farbe und skulpturale Form. Ihr Ablauf ist zwar mechanisch gesteuert, wirkt jedoch zugleich improvisiert und unberechenbar.

Spätwerk

In den 1980er-Jahren wurden Tinguelys Werke zunehmend monumental und inhaltlich düsterer. Tierknochen, Schädel, schwarze Metallteile, Lampen und verbrannte Materialien kamen häufiger zum Einsatz.

Ein zentrales Werk dieser Phase ist der Mengele-Totentanz von 1986. Tinguely verwendete dafür verkohlte Maschinen- und Landwirtschaftsteile, die er nach einem Brand auf einem Bauernhof im freiburgischen Neyruz fand. Der Name verweist auf die Marke eines Landmaschinenherstellers, ruft jedoch zugleich Assoziationen an Tod, Krieg und Vernichtung hervor.

Die einzelnen Figuren des Zyklus bewegen sich, werfen Schatten und erzeugen Geräusche. Das Werk verbindet die Tradition des Totentanzes mit einer modernen Maschinenwelt und zählt zu den bedeutendsten Arbeiten in der Sammlung des Museums.

Permanente Sammlungspräsentation

Seit 2023 zeigt das Museum die neu konzipierte permanente Ausstellung «La roue = c’est tout». Der Titel geht auf eine Aussage Tinguelys zurück und verweist auf das Rad als wiederkehrendes technisches und bildnerisches Motiv seines Werks.[9]

Die Präsentation folgt nicht ausschliesslich einer strengen zeitlichen Ordnung. Sie verbindet Werkgruppen, Aktionen, Kooperationen und zentrale Themen miteinander. Historische Fotografien, Filme, Skizzen und Dokumente ergänzen die ausgestellten Skulpturen.

Behandelt werden unter anderem:

  • die frühen abstrakten Reliefs;
  • die Méta-Matics und das maschinelle Zeichnen;
  • Aktionen und selbstzerstörende Werke;
  • Gemeinschaftsprojekte mit anderen Kunstschaffenden;
  • Klang und Musik;
  • die Verwendung von Schrott und Alltagsmaterialien;
  • die monumentalen Maschinen des Spätwerks;
  • Tod, Vergänglichkeit und Erinnerung.

Viele Werke werden zu festgelegten Zeiten oder durch das Publikum aktiviert. Aus konservatorischen Gründen laufen die historischen Maschinen jeweils nur für kurze Zeit.

Sonderausstellungen

Neben der permanenten Sammlung veranstaltet das Museum regelmässig Sonderausstellungen. Diese widmen sich sowohl Jean Tinguely selbst als auch seinem künstlerischen Umfeld, seinen Zeitgenossen und späteren Positionen.

Zu den im Museum behandelten Kunstschaffenden gehören unter anderem Niki de Saint Phalle, Yves Klein und Marcel Duchamp. Daneben präsentiert das Haus zeitgenössische Kunst, die sich mit Bewegung, Klang, Technik, Wahrnehmung, Umwelt, Performance und gesellschaftlichen Fragen beschäftigt.

Bis 2026 wurden seit der Eröffnung mehr als 120 Ausstellungen und künstlerische Interventionen veranstaltet.[1]

Die Sonderausstellungen beschränken sich nicht auf kinetische Skulptur. Das Programm umfasst auch Malerei, Fotografie, Film, Installation, Performance, Klangkunst und digitale Medien. Damit werden Tinguelys Ideen in einen breiteren kunsthistorischen und gegenwärtigen Zusammenhang gestellt.

Konservierung und Restaurierung

Die Erhaltung kinetischer Kunst stellt besondere Anforderungen. Die Wirkung vieler Werke hängt nicht allein von ihrem sichtbaren Material, sondern ebenso von Bewegung, Rhythmus, Geräusch und technischer Funktion ab.

Motoren, Lager, Riemen, Schalter und bewegliche Metallteile unterliegen beim Betrieb einem natürlichen Verschleiss. Gleichzeitig dürfen historische Bauteile nicht beliebig durch moderne Komponenten ersetzt werden. Restauratorinnen und Restauratoren müssen deshalb zwischen Funktionsfähigkeit, Materialerhaltung und der ursprünglichen künstlerischen Absicht abwägen.

Das Museum besitzt eine eigene Abteilung für Konservierung und Restaurierung. Sie untersucht die verwendeten Materialien, dokumentiert technische Abläufe und entwickelt Strategien für den langfristigen Erhalt der Werke.

Im öffentlich einsehbaren Schauatelier können Besucherinnen und Besucher Teile dieser Arbeit beobachten. Dort werden aktuelle Restaurierungsprojekte, technische Untersuchungen und besondere Probleme beim Abbau, Transport und Betrieb grosser Maschinenskulpturen vorgestellt.[10]

Das Museum versteht sich zugleich als fachliche Anlaufstelle für Fragen zur Erhaltung des Œuvres von Jean Tinguely. Der Austausch mit Eigentümern, anderen Museen, Restaurierungsfachleuten und Forschenden spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bibliothek, Archiv und Forschung

Das Museum sammelt nicht nur Kunstwerke, sondern auch umfangreiche Dokumentationen zum Leben und Schaffen Jean Tinguelys und zu seinem künstlerischen Umfeld.

Zu den Beständen gehören:

  • Autografen und Briefe;
  • Fotografien und Negative;
  • Drucksachen und Ausstellungsplakate;
  • Film- und Tonaufnahmen;
  • Kataloge und Monografien;
  • Zeitschriften und Pressematerialien;
  • technische Dokumentationen;
  • Unterlagen zu Ausstellungen, Aktionen und Gemeinschaftsprojekten.

Die Präsenzbibliothek enthält Fachliteratur zu Tinguely, seinen Weggefährten, kinetischer Kunst und den Ausstellungsthemen des Museums. Die Bestände können nach Voranmeldung für wissenschaftliche Recherchen genutzt werden.[11]

Das Museum organisiert wissenschaftliche Tagungen, veröffentlicht Kataloge und unterstützt die Erforschung kinetischer, maschineller und performativer Kunst. Die Dokumentation ist besonders wichtig, weil viele Aktionen Tinguelys nur für kurze Zeit existierten oder ihre ursprüngliche Form später veränderten.

Vermittlung und Veranstaltungen

Das Vermittlungsprogramm richtet sich an Kinder, Jugendliche, Schulen, Familien, Erwachsene und Fachpublikum. Es umfasst Führungen, Workshops, offene Ateliers und thematische Rundgänge.

Die beweglichen Maschinen ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zu Fragen nach Technik, Kreativität, Zufall und Funktion. In Workshops können Teilnehmende eigene einfache Maschinen, Klangobjekte oder Zeichenapparate entwickeln.

Das Veranstaltungsprogramm umfasst ausserdem Gespräche, Vorträge, Konzerte, Performances und Filmvorführungen. Regelmässig finden Kooperationen mit anderen Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen statt.

Digitale Angebote wie Multimediaguides, Videos, Online-Ausstellungen und interaktive Anwendungen ergänzen den Museumsbesuch. Sie vermitteln Informationen zu einzelnen Werken, historischen Aktionen und restauratorischen Fragen.

Das Museum bemüht sich um einen möglichst barrierearmen Zugang. Es bietet unter anderem Informationen und Rundgänge für Menschen mit unterschiedlichen körperlichen, sensorischen oder kognitiven Voraussetzungen an.

Solitudepark und Aussenraum

Das Museum liegt im Solitudepark, einer historischen Grünanlage mit altem Baumbestand. Die Architektur nimmt einen grossen Teil der östlichen Parkseite ein, lässt jedoch Durchgänge und Sichtbeziehungen zwischen Grenzacherstrasse, Park und Rheinufer offen.

Im Aussenbereich befinden sich Skulpturen und der Brunnen mit Tinguelys beweglicher Wasserplastik. Weitere Kunstwerke stehen zeitweise im Park oder auf den angrenzenden Flächen.

Die Rheinpromenade führt unmittelbar am Museum vorbei. Dadurch ist das Haus sowohl in die Basler Museumslandschaft als auch in das öffentliche Freizeit- und Wegnetz am Fluss eingebunden.

Das Bistro Chez Jeannot besitzt eine Terrasse zum Rhein. Sein Name erinnert an den im persönlichen Umfeld verwendeten Vornamen des Künstlers.

Bedeutung

Das Museum Tinguely ist die wichtigste Institution für die Sammlung, Erforschung und Erhaltung des Werks von Jean Tinguely. Seine Bestände ermöglichen es, die Entwicklung des Künstlers von den frühen abstrakten Reliefs bis zu den monumentalen Arbeiten der 1980er-Jahre nachzuvollziehen.

Das Haus besitzt zugleich Bedeutung für die internationale Forschung zur kinetischen Kunst. Die Verbindung von Sammlung, Archiv, technischer Dokumentation und spezialisierter Restaurierung ist besonders wichtig, weil bewegliche Kunstwerke andere Erhaltungsprobleme aufweisen als klassische Gemälde oder unbewegliche Skulpturen.

Der Bau Mario Bottas gehört zu den bekannten modernen Museumsgebäuden in Basel. Zusammen mit dem Kunstmuseum Basel, der Fondation Beyeler, dem Museum der Kulturen Basel und weiteren Institutionen trägt das Museum zum internationalen Ruf Basels als Kunst- und Museumsstadt bei.

Auch die Verbindung von privatem Kulturengagement und öffentlichem Zugang ist für das Museum charakteristisch. Die Stiftung durch Roche knüpft an die lange Tradition privater Kunstförderung in Basel an.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Über das Museum, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Eröffnungsausstellung Museum Jean Tinguely Basel, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Leben und Werk von Jean Tinguely, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Sammlung der Werke von Jean Tinguely, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Roche und das Museum Tinguely, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Architektur: Zahlen und Fakten, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Architektur von Mario Botta, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Sammlung: Homage to New York, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  9. La roue = c’est tout, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Schauatelier Konservierung und Restaurierung, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Bibliothek und Dokumentation zu Jean Tinguely, Museum Tinguely, abgerufen am 3. August 2026.

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