Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 3. August 2026, 15:52 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:320px; margin:0 0 1em 1em;" ! colspan="2" | Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg |- | '''Kurzbezeichnung''' | Felseneggbahn, LAF |- | '''Anlagentyp''' | Zweiseil-Pendelbahn |- | '''Standort''' | Kanton Zürich |- | '''Talstation''' | Adliswil, 497 m ü. M. |- | '''Bergstation''' | Felsenegg, 804 m ü. M. |- | '''Eröffnung''' | 30. Dezember 1954 |- | '''Betreiberin''' | Sihltal Zürich Uetliberg Bahn S…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg
Kurzbezeichnung Felseneggbahn, LAF
Anlagentyp Zweiseil-Pendelbahn
Standort Kanton Zürich
Talstation Adliswil, 497 m ü. M.
Bergstation Felsenegg, 804 m ü. M.
Eröffnung 30. Dezember 1954
Betreiberin Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG
Verkehrsverbund Zürcher Verkehrsverbund
Fahrbahnlänge 1'048 m
Höhenunterschied 307 m
Fahrzeit 5–6 Minuten
Kabinen 2 Kabinen mit je 30 Plätzen
Zwischenstützen 1
Website szu.ch

Die Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg, meist Felseneggbahn oder kurz LAF genannt, ist eine Luftseilbahn im Kanton Zürich. Sie verbindet die Stadt Adliswil im Sihltal mit der auf dem Gebiet der Gemeinde Stallikon gelegenen Felsenegg auf der Albiskette. Die Bahn ist die einzige öffentliche Luftseilbahn des Kantons Zürich und gehört zum Netz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV).[1]

Die Strecke ist 1'048 Meter lang und überwindet in rund fünf bis sechs Minuten einen Höhenunterschied von 307 Metern. Die Felseneggbahn dient sowohl als öffentliches Verkehrsmittel als auch zur Erschliessung eines bedeutenden Naherholungsgebiets in der Agglomeration Zürich.

Lage und Streckenverlauf

Die Talstation befindet sich am westlichen Rand von Adliswil auf 497 m ü. M. Vom Bahnhof Adliswil der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn ist sie zu Fuss in ungefähr zehn Minuten erreichbar.[2]

Von der Talstation steigt die Trasse steil über den bewaldeten Osthang der Albiskette an. Nach einem unteren Seilfeld von rund 492 Metern überquert die Bahn eine einzige Zwischenstütze. Das obere Seilfeld ist rund 552 Meter lang und führt zur Bergstation auf 804 m ü. M. Die grösste Höhe der Kabinen über dem Boden beträgt ungefähr 60 Meter.[1]

Die Bergstation liegt nahe dem Aussichtspunkt Felsenegg. Von dort eröffnet sich der Blick über das Sihltal, den Zürichsee, die Stadt Zürich und bei klarer Sicht bis zu den Alpen. Die Station bildet zudem einen Zugang zum Wanderweg auf dem Albisgrat zwischen dem Uetliberg und der Felsenegg.

Geschichte

Frühere Projekte

Der Wunsch nach einer bequemen Verkehrsverbindung auf die Felsenegg entstand bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1934 wurde ein Projekt für eine Standseilbahn von Adliswil zur Felsenegg ausgearbeitet. Gleichzeitig bestanden Pläne für eine sogenannte Albisbahn von Langnau am Albis zum Albispass. Die Projekte konnten jedoch aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pläne erneut aufgenommen. Im Juli 1951 lag eine Konzession für die Erschliessung der Felsenegg vor. In den folgenden Jahren konnte die Finanzierung gesichert und die Luftseilbahn gebaut werden.[4]

Eröffnung und Landi-Kabinen

Die von der Schweizer Firma Von Roll errichtete Bahn wurde am 30. Dezember 1954 eröffnet. Eine Besonderheit der ursprünglichen Anlage waren ihre beiden Kabinen. Sie stammten von der Schwebebahn der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich, die während der «Landi» über den Zürichsee geführt hatte.

Nach dem Abbruch der Landi-Schwebebahn waren die Kabinen eingelagert worden. Zwischen 1954 und 1960 kamen sie auf der Strecke Adliswil–Felsenegg erneut zum Einsatz.[5][6] Die ersten Kabinen boten jeweils 24 Personen Platz. Im Jahr 1960 wurden sie durch grössere Fahrzeuge der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft in Neuhausen ersetzt.[3]

Technische Entwicklung

Die Felseneggbahn wurde im Laufe ihrer Geschichte wiederholt modernisiert. Zu den bedeutenden technischen Erneuerungen zählen Arbeiten in den Jahren 1986, 1997, 2008 und 2019.[7]

In den 1960er-Jahren wurden erste Schritte zur Fernsteuerung der Anlage eingeleitet. Seit dem Umbau von 1986 ist ein weitgehend automatisierter Betrieb möglich. Im Jahr 1997 wurden unter anderem der Antrieb, die Bremsen, die Leistungselektronik, die Hydraulikanlage und der Notantrieb erneuert.

Eine umfassende Sanierung erfolgte 2008. Die Bahn blieb dafür vom Februar bis Ende April ausser Betrieb. Ersetzt oder modernisiert wurden insbesondere:

  • die beiden Kabinen mit Gehängen und Laufwerken,
  • die Tragseile und Abspannseile,
  • der Kopf der Zwischenstütze,
  • die Bahnsteuerung und Sicherheitsüberwachung,
  • die Tragseilauflagen und Endpuffer,
  • die Zugänge und Perronabschrankungen,
  • die Video- und Gegensprechanlagen.

Am 1. Mai 2008 wurde der fahrplanmässige Betrieb wieder aufgenommen. Die mechanischen Arbeiten wurden hauptsächlich von Garaventa ausgeführt, während SISAG für wesentliche Teile der elektrischen Ausrüstung verantwortlich war.[8]

Technische Anlage

Die Felseneggbahn ist als Zweiseil-Pendelbahn mit zwei Fahrbahnen ausgeführt. Zwei Kabinen bewegen sich gegenläufig zwischen der Tal- und der Bergstation. Jede Kabine läuft auf einem eigenen Tragseil und wird durch das Zug- und Gegenseil bewegt. Der Antrieb befindet sich in der Talstation.[8]

Die durchschnittliche Neigung der Strecke beträgt 341 Promille. Die Zwischenstütze ist 44 Meter hoch. Die Kabinen erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 6 Metern pro Sekunde, entsprechend 21,6 Kilometern pro Stunde.

Jede der beiden Kabinen bietet Platz für 30 Fahrgäste und eine Begleitperson. Das Leergewicht einer Kabine einschliesslich Gehänge und Laufwerk beträgt rund 2'900 Kilogramm. Die Beförderungskapazität liegt bei 345 Personen pro Stunde und Richtung.[1]

Die wichtigsten Seile der Anlage weisen folgende Durchmesser auf:

  • Tragseile: 39 Millimeter,
  • Spannseile: 62 Millimeter,
  • Zugseil: 22 Millimeter,
  • Gegenseil: 23 Millimeter.

Bei den Tragseilen handelt es sich um vollverschlossene Spiralseile. Die Zug-, Gegen- und Spannseile sind als Litzenseile ausgeführt.[1]

Betrieb und Tarifsystem

Die Felseneggbahn wird grundsätzlich ganzjährig betrieben. Die Fahrten finden üblicherweise im 15-Minuten-Takt statt. Die ersten und letzten Fahrten unterscheiden sich je nach Jahreszeit und Wochentag. Während planmässiger Unterhalts- und Revisionsarbeiten kann der Betrieb vorübergehend eingestellt werden.[9]

Die Bahn ist vollständig in das Tarifsystem des Zürcher Verkehrsverbunds integriert. Für eine Fahrt sind ZVV-Fahrausweise gültig, welche die Zonen 150 und 155 einschliessen. Das Generalabonnement berechtigt zur freien Fahrt; Halbtaxabonnement, Junior-Karte und Kinder-Mitfahrkarte werden ebenfalls anerkannt.[10]

Auch Velos können transportiert werden, sofern genügend Platz vorhanden ist. Der Personentransport hat dabei Vorrang. Für grössere Hunde und Velos gelten besondere Tarifbestimmungen.

Nach Angaben der Betreiberin wurden seit der Eröffnung mehr als 13 Millionen Fahrgäste befördert. Die Felseneggbahn gehört zu den wenigen Bergbahnen, die mehr Personen talwärts als bergwärts transportieren.[1]

Bedeutung für Freizeit und Tourismus

Die Bahn erschliesst von der dicht besiedelten Agglomeration Zürich aus unmittelbar den Natur- und Erholungsraum der Albiskette. Dadurch besitzt sie eine besondere Stellung zwischen städtischem öffentlichem Verkehr und touristischer Bergbahn.

Die Felsenegg ist Ausgangs- und Zielpunkt zahlreicher Wanderungen. Besonders bekannt ist der Höhenweg in Richtung Uetliberg, der teilweise dem Planetenweg folgt. Weitere Wege führen nach Stallikon, Buchenegg, Baldern und hinunter ins Sihltal. Die Kombination aus Sihltalbahn, Luftseilbahn und Höhenwanderweg ermöglicht Rundreisen, die vollständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt werden können.

Für Adliswil ist die Felseneggbahn ein wichtiges Wahrzeichen und eine direkte Verbindung zum Naherholungsgebiet auf dem Albis. Die Stadt bezeichnet die Felsenegg als einen der bedeutenden Aussichtspunkte der Region.[11]

Organisation

Über viele Jahrzehnte gehörte die Bahn der rechtlich selbstständigen Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF AG. Die Betriebsführung sowie die Personal- und Verwaltungsleistungen wurden jedoch bereits von der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG übernommen.

Im Jahr 2023 beschlossen die Generalversammlungen beider Gesellschaften eine Fusion. Die LAF AG wurde rückwirkend auf den 1. Januar 2023 in die SZU AG integriert. Ziel waren klarere Verantwortlichkeiten, ein geringerer administrativer Aufwand und die langfristige Sicherung der Luftseilbahn als Bestandteil des öffentlichen Verkehrs. Die Anlage wird weiterhin unter dem etablierten Namen «Felseneggbahn» betrieben.[12]

Verkehrshistorische Bedeutung

Die Felseneggbahn ist nicht nur wegen ihrer Stellung als einzige öffentliche Luftseilbahn des Kantons Zürich bemerkenswert. Durch die ursprüngliche Verwendung der Kabinen der Landi-Schwebebahn von 1939 ist sie auch eng mit der Schweizer Verkehrs- und Ausstellungsgeschichte verbunden.

Obwohl die Anlage mehrmals technisch erneuert wurde, blieben der grundlegende Streckenverlauf, die beiden Stationsstandorte und das Prinzip der Pendelbahn seit 1954 erhalten. Die Bahn dokumentiert damit zugleich die Entwicklung von einer weitgehend manuell betriebenen Ausflugsbahn zu einem modernisierten und in einen städtischen Verkehrsverbund integrierten Verkehrsmittel.

Literatur

  • Heinz Binder: Seit 40 Jahren schwebt die Felseneggbahn auf den Berg. In: Blätter der Vereinigung Pro Sihltal, Nr. 45, Adliswil 1995, S. 20–21.
  • Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF AG: Geschäftsberichte. Adliswil und Zürich, verschiedene Jahrgänge.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG: Die Felseneggbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Stadt Adliswil: Öffentlicher Verkehr, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Seilbahn-Nostalgie: Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Stadt Adliswil: Stadtteilanalyse Oberleimbach–Zopf–Rellsten, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Verkehrshaus der Schweiz: Luftseilbahn Landesausstellung Zürich, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Schweizer Seilbahninventar: Seilbahnen in der Schweiz – historischer Hintergrund, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF AG: Geschäftsbericht 2021, abgerufen am 3. August 2026.
  8. 8,0 8,1 Seilbahn.net: Erneuerung der Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF, 26. Mai 2008, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG: Fahrplanübersicht Felseneggbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG: Abos und Tickets Felseneggbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Stadt Adliswil: Ausflüge und Naherholung, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG: SZU-Aktien nach Fusion mit LAF, abgerufen am 3. August 2026.

47,31304° N, 8,52005° E