Ethereum Foundation

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Ethereum Foundation
Rechtlicher Name Stiftung Ethereum
Abkürzung EF
Rechtsform Stiftung nach schweizerischem Recht
Gründung 9. Juli 2014
Handelsregistereintrag 14. Juli 2014
Sitz Zug
Adresse Zeughausgasse 7a, 6300 Zug
UID CHE-292.124.800
Handelsregister-Nummer CH-170.7.000.758-1
Tätigkeitsgebiet Unterstützung des Ethereum-Protokolls und seines weltweiten Ökosystems
Präsidentin Aya Miyaguchi
Exekutive Leitung Hsiao-Wei Wang und Bastian Aue
Website ethereum.foundation

Die Ethereum Foundation (EF), rechtlich als Stiftung Ethereum eingetragen, ist eine nicht gewinnorientierte Stiftung mit Sitz in Zug in der Schweiz. Sie unterstützt die Entwicklung des offenen Blockchain-Protokolls Ethereum, die dazugehörige technische Infrastruktur sowie Forschung, Bildung, Sicherheit und gemeinschaftlich genutzte Software.

Die Stiftung wurde im Juli 2014 gegründet, rund ein Jahr vor dem Start des öffentlichen Ethereum-Netzwerks. Sie stellte dem internationalen Projekt eine schweizerische Rechtsstruktur zur Verfügung und unterstützte die Finanzierung und Koordination der frühen Entwicklung. Der Standort Zug trug dazu bei, dass sich die Stadt und ihre Umgebung zu einem bedeutenden Zentrum der Blockchain-Industrie entwickelten, das unter der Bezeichnung Crypto Valley bekannt wurde.[1]

Die Ethereum Foundation besitzt Ethereum nicht und kann das Netzwerk nicht allein kontrollieren. Ethereum wird von einer weltweiten Gemeinschaft aus Entwicklerinnen und Entwicklern, Forschenden, Betreibern von Netzwerkknoten, Validatoren, Anwendungsprojekten und Nutzenden weiterentwickelt. Die Stiftung finanziert und koordiniert wichtige Arbeiten, verfügt jedoch weder über eine ausschliessliche Entscheidungsgewalt noch über die technische Möglichkeit, Änderungen ohne Zustimmung anderer Beteiligter durchzusetzen.[2]

Rechtliche Stellung in der Schweiz

Stiftung Ethereum

Die Organisation ist im Handelsregister des Kantons Zug als Stiftung eingetragen. Das Datum der Stiftungsurkunde ist der 9. Juli 2014; die Eintragung in das Handelsregister erfolgte am 14. Juli 2014.

Der im Handelsregister festgehaltene Zweck besteht in der Förderung neuer Technologieentwicklungen und Anwendungen, insbesondere offener und dezentralisierter Softwarearchitekturen. Im Vordergrund steht die Entwicklung des Ethereum-Protokolls und entsprechender Technologien sowie die Unterstützung von Anwendungen, die diese Technologien verwenden.[1]

Die Stiftung trägt die Unternehmens-Identifikationsnummer CHE-292.124.800. Ihr ursprünglicher Sitz befand sich in Baar. Später wurde der Rechtssitz nach Zug verlegt. Als Adresse ist die Zeughausgasse 7a in Zug eingetragen.[3]

Die schweizerische Stiftung ist eine juristische Person ohne Aktionäre oder Eigentümer. Ihr Vermögen ist dauerhaft dem in der Stiftungsurkunde festgelegten Zweck gewidmet. Der Stiftungsrat trägt die oberste Verantwortung für die Einhaltung dieses Zwecks, die strategische Ausrichtung und die Aufsicht über die Geschäftsführung.

Ethereum Switzerland GmbH

Neben der Stiftung bestand in der frühen Projektphase die Ethereum Switzerland GmbH. Diese Gesellschaft diente für bestimmte operative und vertragliche Tätigkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit dem öffentlichen Verkauf von Ether im Jahr 2014.

Die GmbH und die Stiftung waren rechtlich unterschiedliche Organisationen. Während die Gesellschaft praktische Aufgaben bei der Vorbereitung und Durchführung des Verkaufs übernahm, sollte das für die langfristige Entwicklung bestimmte Vermögen in die nicht gewinnorientierte Stiftung eingebracht werden.

In öffentlichen Darstellungen wird der Name «Ethereum Foundation» häufig sowohl für die rechtliche Stiftung als auch für die international verteilte Organisation und ihre Teams verwendet. Für rechtliche Fragen ist jedoch die Unterscheidung zwischen den jeweiligen schweizerischen Rechtsträgern notwendig.

Vorgeschichte

Idee von Ethereum

Der Programmierer Vitalik Buterin beschrieb die Grundidee von Ethereum 2013 in einem Whitepaper. Während Bitcoin in erster Linie als dezentrales digitales Zahlungssystem entworfen worden war, sollte Ethereum eine allgemeiner nutzbare Plattform für programmierbare Verträge und dezentrale Anwendungen bieten.

Der Kern des Konzepts war eine Blockchain mit einer integrierten virtuellen Maschine. Entwickler sollten Programme schreiben können, deren Ausführung durch das verteilte Netzwerk überprüft und deren Zustand dauerhaft in der Blockchain gespeichert wird.

Anfang 2014 stellte Buterin das Projekt öffentlich auf der North American Bitcoin Conference in Miami vor. In den folgenden Monaten schlossen sich mehrere Entwickler und Organisatoren an. Zu den frühen Mitgründern und wichtigen Beteiligten gehörten unter anderem Gavin Wood, Joseph Lubin, Jeffrey Wilcke, Mihai Alisie, Anthony Di Iorio, Amir Chetrit und Charles Hoskinson.[2]

Gavin Wood verfasste das sogenannte Yellow Paper mit einer formalen technischen Beschreibung des Ethereum-Protokolls. Er entwickelte ausserdem wesentliche Grundlagen der Programmiersprache Solidity. Jeffrey Wilcke arbeitete an dem später als Geth bekannten Ethereum-Client.

Suche nach einer Rechtsstruktur

Das Projekt benötigte eine rechtliche Struktur, um Verträge abzuschliessen, Entwickler zu bezahlen, geistige und technische Ressourcen zu verwalten und die geplante Vorfinanzierung zu organisieren.

Die Gründer entschieden sich für die Schweiz. Das schweizerische Stiftungsrecht ermöglichte es, Vermögen dauerhaft einem technischen und nicht gewinnorientierten Zweck zu widmen. Die politische Stabilität, die internationale Ausrichtung, die föderale Verwaltung und die Möglichkeit eines direkten Austauschs mit Behörden und Rechtsberatern spielten ebenfalls eine Rolle.

Im Frühjahr 2014 bezog das Projekt Arbeitsräume im Kanton Zug. Die internationale Gruppe bezeichnete ihren Standort zeitweise informell als «Ethereum Spaceship». Die Entscheidung für die Schweiz wurde zu einem frühen Signal für weitere Blockchain-Projekte, sich im Raum Zug anzusiedeln.[4]

Gründung und Ether-Verkauf

Gründung der Stiftung

Die Stiftung Ethereum wurde im Juli 2014 in Baar gegründet. Als erste Mitglieder des Stiftungsrats wurden Vitalik Buterin, Mihai Alisie und Taylor Gerring eingetragen.

Buterin übernahm das Präsidium, Alisie das Vizepräsidium. Die anfänglichen Zeichnungsregeln sahen Kollektivunterschriften vor. Eine externe Revisionsstelle kontrollierte die Jahresrechnung nach schweizerischem Recht.[1]

Das Projekt entschied sich bewusst für eine nicht gewinnorientierte Struktur. Nach eigenen Angaben sollte verhindert werden, dass eine einzelne Gesellschaft Eigentums- oder Gewinnansprüche auf das Ethereum-Protokoll erhebt. Das Netzwerk sollte als offene Infrastruktur und öffentlich zugängliche Software entwickelt werden.[4]

Genesis Sale

Zur Finanzierung der Entwicklung wurde im Sommer 2014 ein öffentlicher Verkauf der späteren Kryptowährung Ether organisiert. Der Verkauf begann am 22. Juli und dauerte 42 Tage bis zum 2. September 2014.

Teilnehmende konnten Bitcoin an eine eigens eingerichtete Verkaufsanwendung übertragen und erhielten im Gegenzug einen Anspruch auf Ether, der erst nach dem Start des Ethereum-Netzwerks verfügbar wurde. Zu Beginn wurden 2000 Ether pro Bitcoin angeboten. Das Verhältnis sank im weiteren Verlauf schrittweise auf 1337 Ether pro Bitcoin.[5]

Nach Angaben von ethereum.org wurden während des Verkaufs rund 31'000 Bitcoin eingenommen. Ihr damaliger Wert entsprach ungefähr 18 Millionen US-Dollar. Die Einnahmen dienten der Entwicklung von Clients, Programmiersprachen, Sicherheitsprüfungen, Forschung und organisatorischen Aufgaben.[2]

Der Verkauf fand vor der eigentlichen Inbetriebnahme des Netzwerks statt. Ether war zu diesem Zeitpunkt noch nicht übertragbar und konnte noch nicht zur Ausführung von Transaktionen verwendet werden.

Die Stiftung und die Projektverantwortlichen bezeichneten Ether in den Verkaufsbedingungen als digitales Produkt zur Bezahlung von Rechenoperationen und nicht als Aktie oder Mitbestimmungsrecht an einer Organisation. Käufer erhielten weder Anteile an der Stiftung noch Stimmrechte über deren Tätigkeit.[5]

Zuteilung an Stiftung und frühe Mitwirkende

Zusätzlich zu den an Teilnehmende des Verkaufs ausgegebenen Einheiten wurden Ether für frühe Mitwirkende und für die langfristige Ausstattung der Stiftung vorgesehen.

Diese Zuteilungen sollten die Arbeit bereits beteiligter Entwickler vergüten und der Stiftung finanzielle Mittel für die Weiterentwicklung des Netzwerks bereitstellen. Die Finanzierung durch Ether führte zugleich dazu, dass der Wert des Stiftungsvermögens stark von der Marktentwicklung der Kryptowährung abhängig wurde.

Start des Ethereum-Netzwerks

Das öffentliche Ethereum-Netzwerk startete am 30. Juli 2015 mit dem sogenannten Genesis-Block. Die erste Version trug den Namen «Frontier».

Die Foundation finanzierte und koordinierte in der frühen Phase einen beträchtlichen Teil der technischen Entwicklung. Mehrere Teams arbeiteten gleichzeitig an voneinander unabhängigen Client-Implementierungen, um zu vermeiden, dass das Netzwerk vollständig von einem einzigen Programm abhängig wurde.

Zu den frühen Aufgaben gehörten:

  • Entwicklung und Prüfung der Ethereum Virtual Machine
  • Entwicklung der Programmiersprachen Solidity, Serpent und weiterer Werkzeuge
  • Aufbau von Netzwerk- und Testinfrastruktur
  • Durchführung von Sicherheitsprüfungen
  • Dokumentation des Protokolls
  • Aufbau eines Programms zur Meldung von Sicherheitslücken
  • Organisation der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Entwicklerteams
  • Förderung erster Anwendungen und Entwicklergemeinschaften

Nach Frontier folgte 2016 die stabilere Protokollphase «Homestead». In den folgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Aktualisierungen umgesetzt.

Rolle innerhalb von Ethereum

Keine zentrale Betreiberin

Die Ethereum Foundation ist nicht mit einem Unternehmen vergleichbar, das ein geschlossenes Produkt besitzt und dessen Entwicklung allein bestimmt.

Das Ethereum-Netzwerk wird durch unabhängige Software ausgeführt. Jede Person oder Organisation kann einen Netzwerkknoten betreiben, einen Client entwickeln, Änderungen vorschlagen oder eine abweichende Version des Protokolls verwenden.

Die Foundation kann Forschung finanzieren, Diskussionen organisieren und Entwickler beschäftigen. Eine vorgeschlagene Protokolländerung wird jedoch erst wirksam, wenn sie in Client-Software umgesetzt und von ausreichend vielen Netzwerkteilnehmenden akzeptiert wird.

Die Stiftung besitzt insbesondere nicht:

  • sämtliche Ethereum-Software
  • alle Netzwerkknoten
  • die ausgegebenen Ether
  • die auf Ethereum betriebenen Anwendungen
  • automatische Entscheidungsgewalt über Protokolländerungen
  • die Möglichkeit, Transaktionen beliebig zu verändern oder rückgängig zu machen

Koordination

Eine wichtige Aufgabe der Foundation ist die Koordination zwischen Forschenden, Client-Teams, Sicherheitsfachleuten und weiteren Mitwirkenden.

Technische Vorschläge werden im Verfahren der Ethereum Improvement Proposals, kurz EIP, öffentlich beschrieben und diskutiert. Regelmässige Treffen der Kernentwickler dienen dazu, den Entwicklungsstand zu prüfen und mögliche Netzwerkaktualisierungen vorzubereiten.

Die Foundation stellt Personal, Kommunikationskanäle und organisatorische Infrastruktur für Teile dieses Prozesses bereit. Die Entscheidungen sollen jedoch aus einem offenen technischen Konsens hervorgehen und nicht als Anordnung des Stiftungsrats verstanden werden.

Finanzierung öffentlicher Güter

Viele für Ethereum notwendige Komponenten lassen sich nur schwer durch ein gewöhnliches Geschäftsmodell finanzieren. Dazu gehören freie Client-Software, Sicherheitsforschung, Protokollspezifikationen, Testsysteme, Entwicklerwerkzeuge und technische Dokumentation.

Die Foundation verwendet deshalb einen erheblichen Teil ihrer Mittel zur Finanzierung solcher öffentlichen Güter. Begünstigte können Einzelpersonen, Forschungsgruppen, Unternehmen, Universitäten oder nicht gewinnorientierte Organisationen sein.

Grundsätze

Die Ethereum Foundation beschreibt sich als unterstützende Organisation innerhalb eines grösseren und dezentralen Ökosystems. Ihre Leitgedanken entwickelten sich gemeinsam mit dem Netzwerk weiter.

Langfristiges Denken

Die Stiftung betrachtet Ethereum als langfristige öffentliche Infrastruktur. Entscheidungen sollen deshalb nicht ausschliesslich nach kurzfristigen Marktpreisen, Nutzerzahlen oder wirtschaftlichen Trends getroffen werden.

Technische Sicherheit, Dezentralisierung und Offenheit sollen auch dann erhalten bleiben, wenn eine kurzfristig einfachere oder wirtschaftlich attraktivere Lösung verfügbar wäre.

Subtraction

Ein wiederholt genannter Grundsatz ist «Subtraction», auf Deutsch etwa Reduktion oder Zurücknahme.

Damit ist gemeint, dass die Foundation nicht jede Aufgabe selbst übernehmen und keine dauerhafte Abhängigkeit des Netzwerks von ihrer Organisation schaffen will. Sie soll neue Projekte anstossen, unabhängige Teams unterstützen und sich zurückziehen können, sobald eine Aufgabe vom breiteren Ökosystem getragen wird.

Die Stiftung versucht nach eigener Darstellung, Macht und Ressourcen nicht unnötig innerhalb der eigenen Organisation zu konzentrieren. Das Wachstum anderer unabhängiger Einrichtungen wird deshalb nicht als Konkurrenz, sondern als Beitrag zur Widerstandsfähigkeit von Ethereum betrachtet.[6]

Wahrung von Werten

Zu den wiederkehrenden Grundwerten gehören:

  • Zensurresistenz
  • offene Teilnahme
  • frei zugänglicher Quellcode
  • Sicherheit
  • Datenschutz und Privatsphäre
  • Selbstverwahrung digitaler Vermögenswerte
  • technische Überprüfbarkeit
  • Widerstandsfähigkeit gegen die Kontrolle durch einzelne Unternehmen, Staaten oder Interessengruppen

Im 2026 veröffentlichten Mandat fasste die Foundation die vier Kernbegriffe Zensurresistenz, Open Source, Privatsphäre und Sicherheit unter dem englischen Kürzel «CROPS» zusammen.[7]

Tätigkeitsbereiche

Protokollforschung

Die Foundation unterstützt Grundlagenforschung zum Ethereum-Protokoll. Dazu gehören Konsensmechanismen, Skalierung, Kryptografie, Datenverfügbarkeit, Netzwerktechnik, Sicherheit und die wirtschaftlichen Anreize des Systems.

Forscherinnen und Forscher veröffentlichen ihre Ergebnisse in technischen Beiträgen, Spezifikationen, wissenschaftlichen Arbeiten und öffentlichen Diskussionsforen.

Zu den langfristigen Forschungsgebieten zählen:

  • Skalierung der Basisschicht
  • Rollups und Layer-2-Systeme
  • Zero-Knowledge-Beweise
  • Verbesserung der Ethereum Virtual Machine
  • verteilte Validator-Technik
  • Schutz vor Zensur und Protokollmanipulation
  • Verringerung schädlicher Formen des maximal extrahierbaren Werts
  • Post-Quanten-Kryptografie
  • datenschutzfreundliche Transaktionen
  • Vereinfachung und formale Überprüfung des Protokolls

Client-Entwicklung

Ethereum wird durch unterschiedliche Konsens- und Ausführungsclients betrieben. Die Foundation unterstützte verschiedene Client-Teams finanziell, personell oder organisatorisch.

Die Vielfalt der Clients soll verhindern, dass ein Fehler in einer einzigen Software das gesamte Netzwerk gefährdet. Die Stiftung fördert deshalb sowohl technische Qualität als auch eine möglichst ausgewogene Verteilung zwischen verschiedenen Implementierungen.

Übergang zu Proof of Stake

Eine der umfangreichsten von der Foundation unterstützten Entwicklungsarbeiten war der Wechsel vom energieintensiven Proof-of-Work-Verfahren zu Proof of Stake.

Die Beacon Chain startete im Dezember 2020. Am 15. September 2022 wurde die bisherige Ausführungsschicht im Ereignis «The Merge» mit dem neuen Konsenssystem verbunden.

Die Umstellung erfolgte ohne Unterbrechung des laufenden Netzwerks. Sie senkte den direkten Energieverbrauch von Ethereum erheblich und ersetzte die Miner durch Validatoren, die Ether als Sicherheit hinterlegen.

Die Foundation koordinierte Forschung, Spezifikationen, Testnetze und gemeinsame Prüfungen. Die Umsetzung erfolgte jedoch durch zahlreiche unabhängige Client-Teams und Netzwerkteilnehmende.

Sicherheit

Die Foundation betreibt und unterstützt Programme zur Verbesserung der Protokoll- und Anwendungssicherheit. Dazu gehören:

  • Prämien für die Meldung von Sicherheitslücken
  • Sicherheitsprüfungen und formale Verifikation
  • koordinierte Tests vor Netzwerkaktualisierungen
  • Förderung unabhängiger Sicherheitsforscher
  • Entwicklung sicherer Signatur- und Wallet-Verfahren
  • Untersuchung wirtschaftlicher Angriffsmöglichkeiten
  • Unterstützung von Notfall- und Koordinationsstrukturen

Die Sicherheitstätigkeit beschränkt sich nicht auf Fehler im Kernprotokoll. Auch Wallets, Smart Contracts, Benutzeroberflächen und die Verständlichkeit von Transaktionsfreigaben werden untersucht.

Datenschutz

Die Foundation fördert kryptografische Verfahren, die eine Nutzung öffentlicher Blockchains ermöglichen sollen, ohne unnötig persönliche oder wirtschaftliche Informationen offenzulegen.

Ein wichtiger Bereich ist die Gruppe Privacy and Scaling Explorations. Sie arbeitet unter anderem an Zero-Knowledge-Verfahren, privater Identität, datensparsamen Anwendungen und Werkzeugen für Entwickler.

Die Bedeutung des Datenschutzes wurde seit 2025 und 2026 stärker in der Organisationsstrategie verankert.

Ecosystem Support Program

Das Ecosystem Support Program (ESP) ist das wichtigste öffentliche Förderprogramm der Foundation.

Es unterstützt Projekte, die Grundlagen und öffentliche Güter für Ethereum entwickeln. Gefördert werden insbesondere frei verfügbare und quelloffene Arbeiten in den Bereichen Infrastruktur, Forschung, Entwicklerwerkzeuge, Bildung, Sicherheit und Gemeinschaftsaufbau.[8]

Unterstützung kann finanziell oder nicht finanziell erfolgen. Neben direkten Zuschüssen bietet das Programm Beratung, Kontakte zu anderen Projekten und Hilfe bei der Koordination weiterer Geldgeber.

Förderanträge werden nach Kriterien wie technische Durchführbarkeit, erwarteter Nutzen für das Ökosystem, Offenheit der Ergebnisse und langfristige Wirkung geprüft. Zahlungen erfolgen standardmässig in Ether und sind gewöhnlich an vereinbarte Meilensteine gebunden.[9]

Das öffentlich einsehbare Förderverzeichnis enthält mehr als tausend seit 2024 dokumentierte Projekte und Einzelzuwendungen. Dazu zählen Client-Entwicklung, Kryptografieforschung, akademische Arbeiten, lokale Entwicklergemeinschaften und technische Werkzeuge.[10]

Ausbildung und Nachwuchsförderung

Ethereum Protocol Fellowship

Das Ethereum Protocol Fellowship führt Entwicklerinnen und Entwickler an die Arbeit am Kernprotokoll heran.

Teilnehmende bearbeiten Forschungs-, Test- oder Implementierungsaufgaben und arbeiten mit erfahrenen Mitgliedern der Protokollgemeinschaft zusammen. Das Programm soll den Kreis der Personen erweitern, die dauerhaft an Ethereum-Clients, Spezifikationen und Protokollforschung mitwirken können.

Akademische Förderung

Die Foundation finanziert Forschung an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Institutionen. Unterstützte Themen reichen von Kryptografie und Informatik bis zu Ökonomie, Politikwissenschaft, Governance und gesellschaftlichen Auswirkungen dezentraler Systeme.

Für einzelne Förderrunden werden thematische Ausschreibungen und Gesamtbudgets festgelegt. Die Ergebnisse müssen in der Regel offen zugänglich veröffentlicht werden.

2026 lancierte die Foundation ein Stipendienprogramm für Doktorierende. Vorgesehen waren neun bis zehn Stipendien mit einer Unterstützung von jeweils 24'000 US-Dollar während eines Jahres.[11]

Bildungsangebote

Die Foundation unterstützt Dokumentation, Übersetzungen, Lernplattformen, Workshops, Hackathons und lokale Gemeinschaften.

Ethereum.org wird als frei zugängliche Informations- und Dokumentationsplattform gemeinschaftlich gepflegt. Freiwillige übersetzen Inhalte in zahlreiche Sprachen und können Änderungen über öffentliche Quellcode-Repositorien vorschlagen.

Veranstaltungen

Devcon

Devcon ist die wichtigste von der Ethereum Foundation organisierte Konferenz. Sie richtet sich an Entwickler, Forschende, Designer, Organisatoren und weitere Beteiligte des Ethereum-Ökosystems.

Die erste Devcon-Veranstaltung fand 2014 in Berlin statt. Spätere Ausgaben wurden unter anderem in London, Shanghai, Cancún, Prag, Osaka, Bogotá und Bangkok durchgeführt.

Das Programm umfasst technische Vorträge, Workshops, Diskussionen zu gesellschaftlichen Fragen und Treffen unabhängiger Arbeitsgruppen.

Devcon soll keine reine Unternehmens- oder Investorenkonferenz sein. Im Mittelpunkt stehen nach eigener Darstellung offene Technologie, öffentliche Güter, Zusammenarbeit und die langfristige Entwicklung des Netzwerks.

Für November 2026 wurde Devcon 8 in Mumbai angekündigt.

Devconnect

Devconnect ist ein von der Foundation koordiniertes Format aus kleineren, thematisch eigenständigen Veranstaltungen. Örtliche und internationale Gruppen organisieren Workshops, Forschungstreffen, Hackathons und Konferenzen innerhalb eines gemeinsamen Zeitraums.

Das Konzept soll dezentraler sein als eine gewöhnliche Grosskonferenz und unterschiedlichen Gemeinschaften die Verantwortung für eigene Programmbereiche übertragen.

Leitung und Organisation

Stiftungsrat

Der Stiftungsrat ist das oberste Organ der Stiftung. Er legt die übergeordnete Ausrichtung fest, überwacht das Management und ist für die Einhaltung des schweizerischen Stiftungsrechts verantwortlich.

Nach der von der Foundation am 29. Juli 2026 veröffentlichten Zusammensetzung gehören dem Board an:

  • Aya Miyaguchi, Präsidentin
  • Vitalik Buterin, Gründer und technischer Berater
  • Patrick Storchenegger, Schweizer Rechtsberater
  • pcaversaccio, Sicherheitsforscher und Mitgründer von SEAL 911

Pcaversaccio wurde zunächst für eine einjährige, unentgeltliche Amtszeit aufgenommen.[12]

Einträge im schweizerischen Handelsregister können von den öffentlich kommunizierten internen Funktionen abweichen, solange eine Änderung noch nicht im Register veröffentlicht wurde.

Präsidentin

Aya Miyaguchi war von 2018 bis 2025 Executive Director der Foundation. Im Februar 2025 kündigte sie ihren Wechsel in das neu geschaffene Amt der Präsidentin an.

Als Präsidentin beteiligt sie sich an der Festlegung der langfristigen Vision, pflegt wichtige institutionelle Beziehungen und arbeitet mit den weiteren Mitgliedern des Stiftungsrats zusammen.[13]

Exekutive Leitung

Im März 2025 übernahmen Hsiao-Wei Wang und Tomasz Stańczak gemeinsam die operative Leitung als Co-Executive Directors.

Hsiao-Wei Wang hatte zuvor mehrere Jahre als Ethereum-Forscherin gearbeitet und war wesentlich an der Entwicklung der Beacon Chain beteiligt. Tomasz Stańczak war Gründer und langjähriger Leiter des Client- und Infrastrukturunternehmens Nethermind.

Im Februar 2026 trat Stańczak von der Position zurück. Der Stiftungsrat ernannte Bastian Aue zum interimistischen Co-Executive Director. Seither führt er die Organisation gemeinsam mit Hsiao-Wei Wang.[14]

Die exekutive Leitung ist für strategische Planung, Teamführung, operative Abläufe, Personal und die Umsetzung der vom Stiftungsrat festgelegten Ziele zuständig.

Organisationsstruktur seit 2026

Im Juni 2026 schloss die Foundation eine umfangreiche interne Neuorganisation ab.

Sie gliederte ihre Tätigkeit in fünf inhaltliche Bereiche sowie zusätzliche Einheiten für Betrieb, Management und direkte Unterstützung der Geschäftsführung.[15]

Protocol Layer

Der Protocol-Layer-Bereich arbeitet an der Sicherheit, Skalierung und Weiterentwicklung des Kernprotokolls.

Zu seinen Aufgaben gehören Netzwerkaktualisierungen, Client-Koordination, Kryptografie, Post-Quanten-Sicherheit, Datenschutz auf der Basisschicht und die Verringerung technischer Abhängigkeiten.

Access Layer

Der Access-Layer-Bereich beschäftigt sich mit den technischen Wegen, über die Menschen und Software-Agenten auf Ethereum zugreifen.

Dazu gehören Wallets, Datenzugriff, Transaktionsübermittlung, Benutzerkontrolle, Delegation und Möglichkeiten, Anwendungen ohne nicht überprüfbare Vermittler zu nutzen.

User Layer

Der User-Layer-Bereich untersucht die praktischen Anforderungen verschiedener Nutzergruppen.

Er soll sicherstellen, dass Protokoll- und Infrastrukturentscheidungen nicht nur aus einer theoretischen technischen Perspektive getroffen werden, sondern reale Anwendungsbedingungen, Risiken und Einschränkungen berücksichtigen.

Community Layer

Der Community-Layer-Bereich verantwortet Kommunikation, Beziehungen zu Entwicklergemeinschaften und die Zusammenarbeit mit verwandten Bewegungen.

Dazu gehören freie Software, Datenschutz, lokale digitale Infrastruktur, Bürgerrechte, dezentrales Internet und gemeinwohlorientierte Technologie.

Institutional Layer

Der Institutional-Layer-Bereich arbeitet mit Unternehmen, Universitäten, Behörden und anderen Institutionen zusammen.

Ziel ist nicht die Entwicklung geschlossener privater Blockchains, sondern die Förderung von Anwendungen, die zentrale Eigenschaften öffentlicher Ethereum-Infrastruktur bewahren. Dazu gehören Überprüfbarkeit, Datenschutz, Datenportabilität und die Möglichkeit, einen Dienst ohne Verlust der eigenen digitalen Kontrolle zu verlassen.

Personalabbau

Im Zusammenhang mit der Neuorganisation trennte sich die Foundation von 54 Mitarbeitenden. Dies entsprach nach ihren Angaben rund 20 Prozent der damaligen Belegschaft.

Die Leitung begründete den Schritt mit einer stärkeren Konzentration auf Aufgaben, die nur oder besonders wirksam von der Foundation erfüllt werden könnten. Die Organisation sollte finanziell weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen des Kryptomarkts werden.[15]

Finanzierung und Vermögen

Herkunft des Vermögens

Das ursprüngliche Stiftungsvermögen stammte hauptsächlich aus der Ethereum-Gründungsphase und der Zuteilung von Ether im Zusammenhang mit dem Genesis Sale.

Da ein erheblicher Teil der Reserven in Ether gehalten wurde, veränderte sich ihr Marktwert stark. In Zeiten steigender Kurse verfügte die Foundation über umfangreiche Mittel, während Kursverluste eine Anpassung von Ausgaben oder Verkäufen notwendig machen konnten.

Weitere Einnahmen können aus Veranstaltungen, Spenden, Verkäufen von Ether, Erträgen aus Vermögensanlagen und seit 2026 auch aus Staking stammen.

Bericht von 2024

Nach dem Finanzbericht der Foundation belief sich ihr Vermögen am 31. Oktober 2024 auf ungefähr 970,2 Millionen US-Dollar.

Davon entfielen rund 788,7 Millionen US-Dollar auf Kryptowährungen und etwa 181,5 Millionen US-Dollar auf nicht kryptografische Anlagen. Der grösste Teil der Kryptoreserven bestand aus Ether.[16]

Die genannten Werte waren eine Momentaufnahme. Der Marktwert der Kryptoreserven kann sich innerhalb kurzer Zeit erheblich verändern und entspricht nicht zwingend dem Betrag, der ohne Auswirkungen auf den Markt unmittelbar ausgegeben werden könnte.

Treasury Policy

Im Juni 2025 veröffentlichte die Foundation erstmals eine ausführliche Richtlinie für die Verwaltung ihrer Reserven.

Die Richtlinie legte zunächst einen jährlichen Ausgabenrahmen von 15 Prozent des jeweiligen Gesamtvermögens und eine Reserve für etwa zweieinhalb Betriebsjahre fest.

Die jährliche Ausgabenquote soll langfristig schrittweise auf ungefähr fünf Prozent sinken. Dadurch soll sich die Foundation einem klassischen, dauerhaft finanzierten Stiftungsmodell annähern.[17]

Die Foundation kann regelmässig Ether verkaufen, um ihre Betriebskosten in stabileren Währungen zu decken. Zeitpunkt und Umfang sollen sich nach Liquiditätsbedarf, Marktbedingungen und dem gewünschten Finanzpolster richten.

Staking

Im Februar 2026 begann die Foundation, einen Teil ihrer Ether-Reserven selbst zu staken.

Etwa 70'000 ETH sollten über eine technisch verteilte Validator-Infrastruktur eingesetzt werden. Die dabei erzielten Belohnungen fliessen zurück in das Stiftungsvermögen.[18]

Die Stiftung verwendete nach eigenen Angaben verschiedene Client-Kombinationen, Minderheitsclients und eine Mischung aus selbst betriebener und externer Infrastruktur. Damit sollte das Staking nicht zu einer weiteren Konzentration auf einzelne Softwareanbieter führen.

Dezentrale Finanzanwendungen

Die Treasury Policy erlaubt unter festgelegten Bedingungen auch den Einsatz von Vermögenswerten in dezentralen Finanzanwendungen.

Bevorzugt werden sollen offene, überprüfte, liquide und möglichst wenig zentralisierte Protokolle. Die Foundation nennt Sicherheit, Selbstverwahrung, frei verfügbaren Quellcode, Datenschutz und geringe Abhängigkeit von administrativen Schlüsseln als wichtige Kriterien.

Diese Strategie ist umstritten, weil sie zusätzliche Smart-Contract-, Liquiditäts- und Gegenparteirisiken mit sich bringt. Die Foundation betrachtet die Nutzung jedoch auch als Möglichkeit, eigene Erfahrungen mit der von ihr unterstützten Infrastruktur zu sammeln.

Transparenz und Interessenkonflikte

Die Stiftung veröffentlicht Berichte über Aktivitäten, Förderungen und Teile ihrer Vermögenssituation. Eine vollständig mit staatlichen Haushalten oder börsenkotierten Unternehmen vergleichbare Offenlegung besteht jedoch nicht.

Kritik bezog sich wiederholt auf die Höhe einzelner Ausgaben, Ether-Verkäufe, die Vergabe von Fördermitteln und mögliche wirtschaftliche Interessen von Mitarbeitenden.

2024 führte die Foundation eine Richtlinie zu Interessenkonflikten ein. Sie wurde später überarbeitet und gilt für fest und teilweise beschäftigte Mitarbeitende sowie Auftragnehmende.[19]

Die Richtlinie verlangt unter anderem die Offenlegung bestimmter:

  • grosser Investitionen in andere Kryptoanlagen
  • externer bezahlter Tätigkeiten
  • Beteiligungen an Fonds
  • Angel-Investitionen
  • Mitgründungen von Projekten
  • Vergütungen in nicht liquiden Token oder Unternehmensanteilen

Bei möglichen Konflikten kann eine interne Gruppe zusätzliche Prüfungen, Enthaltungen bei Entscheidungen oder die Ablehnung einer Tätigkeit verlangen.

Verhältnis zur Schweiz

Zug und Crypto Valley

Die Ansiedlung der Ethereum Foundation gilt als wichtiger Schritt in der Entstehung des Crypto Valley.

Im Jahr 2014 war die schweizerische Blockchain-Branche noch klein. Die internationale Bekanntheit des Ethereum-Projekts zog Rechtsberater, Entwickler, Investoren, Stiftungen und weitere Technologieunternehmen in den Kanton Zug.

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Blockchain-Organisationen in Zug und anderen Schweizer Kantonen gegründet. Das Modell einer schweizerischen Stiftung wurde von mehreren Projekten übernommen, die eine offene technische Infrastruktur ohne klassische Aktionärsstruktur fördern wollten.[20]

Die Stiftung trug nicht allein zur Entstehung des Standorts bei. Weitere wichtige Faktoren waren die Tätigkeit von Bitcoin Suisse, die Offenheit kantonaler Behörden, spezialisierte Rechts- und Beratungsunternehmen sowie spätere regulatorische Leitlinien des Bundes.

Schweizer Regulierung

Die Gründung erfolgte zu einer Zeit, in der für Kryptowährungen und Token-Verkäufe noch keine umfassenden spezialgesetzlichen Vorschriften bestanden.

Das Projekt musste deshalb bestehendes Stiftungs-, Vertrags-, Geldwäscherei- und Finanzmarktrecht auf eine neue technische Struktur anwenden. Ein erheblicher Teil der frühen organisatorischen Arbeit bestand aus rechtlicher Prüfung in der Schweiz und weiteren Ländern.

Später entwickelte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Leitlinien zur regulatorischen Behandlung von Token. Der schweizerische Gesetzgeber schuf mit dem DLT-Gesetz zusätzliche Bestimmungen für digitale Registerrechte, Handelsplätze und Insolvenzfragen.

Die Ethereum Foundation ist nicht die Aufsichtsbehörde über Ethereum und kann keine rechtliche Zulassung für Anwendungen oder Token erteilen. Projekte, die Ethereum verwenden, müssen die jeweils geltenden nationalen Vorschriften selbst einhalten.

Physische Präsenz

Obwohl die Stiftung ihren rechtlichen Sitz in Zug hat, arbeitet ein grosser Teil ihrer Mitarbeitenden dezentral in verschiedenen Ländern.

Zug ist damit vor allem der rechtliche und historische Sitz. Forschung, Softwareentwicklung, Veranstaltungen und Förderprogramme sind international verteilt.

Die globale Arbeitsweise entspricht dem dezentralen Charakter des Projekts, erschwert jedoch eine eindeutige Zuordnung der gesamten Tätigkeit zur schweizerischen Volkswirtschaft.

Verhältnis zu Ethereum-Gründer Vitalik Buterin

Vitalik Buterin war erster Präsident des Stiftungsrats und blieb eine der bekanntesten Personen innerhalb des Ethereum-Ökosystems.

Er veröffentlicht technische und gesellschaftliche Beiträge, beteiligt sich an Forschungsdiskussionen und berät die Foundation. Seine Vorschläge besitzen erheblichen Einfluss, sind jedoch keine verbindlichen Anweisungen an das Netzwerk.

Buterin kann Änderungen weder allein beschliessen noch gegen den Widerstand der Client-Teams, Validatoren, Entwickler und Nutzenden durchsetzen.

Im April 2025 wechselte er im schweizerischen Handelsregister vom Präsidenten zum Vizepräsidenten des Stiftungsrats. Aya Miyaguchi übernahm das Präsidium.[3]

Kontroversen und Kritik

Einfluss auf die Dezentralisierung

Kritiker sehen einen Widerspruch zwischen dem Anspruch eines dezentralen Netzwerks und der bedeutenden finanziellen und organisatorischen Rolle einer einzelnen Stiftung.

Die Foundation finanziert zahlreiche Kernentwickler, Forschungsprojekte und Veranstaltungen. Dadurch kann sie indirekt beeinflussen, welche Themen mehr Personal und Aufmerksamkeit erhalten.

Die Stiftung verweist darauf, dass sie keine alleinige Kontrolle besitzt und ihre Abhängigkeit durch die Förderung unabhängiger Teams verringern will. Die Grundsätze der Subtraction und Client-Vielfalt sollen einer dauerhaften Zentralisierung entgegenwirken.

Ether-Verkäufe

Verkäufe von Ether aus dem Stiftungsvermögen werden in der Kryptoöffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Marktteilnehmende interpretieren sie teilweise als Signal über die erwartete Preisentwicklung.

Die Foundation erklärt Verkäufe in erster Linie mit der Finanzierung von Löhnen, Förderungen, Veranstaltungen und langfristigen Reserven. Die Treasury Policy sieht regelmässige, am Liquiditätsbedarf orientierte Verkäufe ausdrücklich vor.

Eine Stiftung mit überwiegend in Ether gehaltenem Vermögen muss einen Teil ihrer Reserven in stabilere Zahlungsmittel umwandeln, um Kosten in Landeswährungen zu bezahlen.

Entscheidungsprozesse

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die schwer überschaubare Grenze zwischen formellen und informellen Entscheidungen.

Ethereum besitzt kein Parlament, keine zentrale Unternehmensleitung und keine einfache Abstimmung, die sämtliche technischen und wirtschaftlichen Interessen abbildet. Entscheidungen entstehen durch Diskussionen zwischen Forschenden, Client-Teams, Anwendungsentwicklern, Validatoren und Nutzenden.

Die Foundation stellt für Teile dieses Prozesses Infrastruktur bereit. Daraus kann erheblicher informeller Einfluss entstehen, selbst wenn sie keine formelle Entscheidungsgewalt besitzt.

The DAO und Netzwerkaufspaltung

Nach dem Angriff auf das Projekt The DAO im Jahr 2016 wurde eine umstrittene Änderung des Ethereum-Zustands vorgeschlagen, um einen grossen Teil der entwendeten Ether zurückzuführen.

Die Mehrheit der beteiligten Infrastruktur und Nutzer folgte der geänderten Version, die den Namen Ethereum beibehielt. Eine Minderheit setzte die unveränderte Kette als Ethereum Classic fort.

Die Foundation unterstützte die Weiterentwicklung der geänderten Ethereum-Kette. Das Ereignis führte zu einer bis heute andauernden Diskussion über Unveränderlichkeit, soziale Entscheidungsprozesse und den Einfluss bekannter Entwickler und Organisationen.

Abhängigkeit vom Ether-Preis

Die finanziellen Möglichkeiten der Stiftung hängen stark vom Marktwert ihrer Ether-Reserven ab.

In Hochpreisphasen kann sie umfangreiche Forschungs- und Förderprogramme finanzieren. Ein anhaltender Preisverfall kann dagegen eine Verringerung der Ausgaben, Personalabbau oder zusätzliche Verkäufe erzwingen.

Die 2025 veröffentlichte Treasury Policy und die Neuorganisation von 2026 sollten diese Abhängigkeit verringern und eine langfristig berechenbarere Finanzierung schaffen.

Bedeutung

Die Ethereum Foundation gehört zu den international bekanntesten Technologieorganisationen mit schweizerischem Rechtssitz.

Ihre Gründung gab dem frühen Ethereum-Projekt eine rechtliche und finanzielle Grundlage. Zugleich zeigte sie, wie eine schweizerische Stiftung zur Unterstützung einer globalen Open-Source-Infrastruktur verwendet werden kann.

Die Foundation wirkte insbesondere in folgenden Bereichen:

  • Finanzierung der frühen Ethereum-Entwicklung
  • Unterstützung mehrerer unabhängiger Client-Implementierungen
  • Koordination komplexer Protokollaktualisierungen
  • Förderung kryptografischer und akademischer Forschung
  • Finanzierung frei zugänglicher Entwicklerwerkzeuge
  • Organisation internationaler Entwicklerkonferenzen
  • Aufbau von Förder- und Nachwuchsprogrammen
  • Stärkung des Blockchain-Standorts Zug und der Schweiz

Ihre langfristige Bedeutung hängt davon ab, ob sie wichtige Entwicklungsarbeiten unterstützen kann, ohne selbst zu einem unverzichtbaren Zentrum des Netzwerks zu werden.

Die Foundation beschreibt ihren idealen Erfolg deshalb nicht als dauerhaftes Wachstum der eigenen Organisation. Ihr Ziel besteht vielmehr darin, ein Ethereum-Ökosystem zu fördern, das auch ohne eine beherrschende Rolle der Stiftung technisch, finanziell und gesellschaftlich weiterbestehen kann.

Chronologie

Jahr Ereignis
2013 Vitalik Buterin beschreibt die Grundidee von Ethereum
Anfang 2014 Öffentliche Vorstellung des Projekts und Aufbau eines internationalen Gründungsteams
Frühjahr 2014 Einrichtung eines frühen Projektstandorts im Kanton Zug
9. Juli 2014 Errichtung der Stiftung Ethereum
14. Juli 2014 Eintragung der Stiftung in das Handelsregister
22. Juli 2014 Beginn des öffentlichen Ether-Verkaufs
2. September 2014 Abschluss des 42-tägigen Verkaufs
November 2014 Erste Devcon-Konferenz in Berlin
30. Juli 2015 Start des Ethereum-Hauptnetzwerks mit «Frontier»
2016 Homestead-Aktualisierung sowie Aufspaltung in Ethereum und Ethereum Classic nach dem DAO-Angriff
2018 Aya Miyaguchi übernimmt die Position der Executive Director
Dezember 2020 Start der Beacon Chain
September 2022 «The Merge»: Wechsel des Netzwerks zu Proof of Stake
2024 Einführung einer Richtlinie zu Interessenkonflikten
Februar 2025 Aya Miyaguchi kündigt den Wechsel ins Präsidium an
März 2025 Hsiao-Wei Wang und Tomasz Stańczak übernehmen die gemeinsame exekutive Leitung
Juni 2025 Veröffentlichung der Treasury Policy
Februar 2026 Bastian Aue wird interimistischer Co-Executive Director; Beginn des Stakings eigener Reserven
März 2026 Veröffentlichung des EF-Mandats
Juni 2026 Neuorganisation in fünf inhaltliche Bereiche und Abbau von 54 Stellen
Juli 2026 Aufnahme von pcaversaccio in den Stiftungsrat

Siehe auch

Literatur

  • Camila Russo: The Infinite Machine. How an Army of Crypto-hackers Is Building the Next Internet with Ethereum. Harper Business, New York 2020.
  • Vitalik Buterin: Proof of Stake. The Making of Ethereum and the Philosophy of Blockchains. Seven Stories Press, New York 2022.
  • Henning Diedrich: Ethereum. Blockchains, Digital Assets, Smart Contracts, Decentralized Autonomous Organizations. Wildfire Publishing, Sydney 2016.
  • Ethereum Foundation: Ethereum Foundation Report 2024. Zug 2024.
  • Ethereum Foundation: Ethereum Foundation Treasury Policy. Zug 2025.
  • Ethereum Foundation: The Promise of Ethereum: EF Mandate. Zug 2026.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Stiftung Ethereum: Neueintragung, Schweizerisches Handelsamtsblatt, 17. Juli 2014, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 History of Ethereum: founder, launch and ownership, ethereum.org, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Stiftung Ethereum, Handelsregisterinformationen bei Moneyhouse auf Grundlage der SHAB-Daten, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Mihai Alisie: Ethereum Project Update: The First Year, Ethereum Foundation Blog, 14. März 2015, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Vitalik Buterin: Launching the Ether Sale, Ethereum Foundation Blog, 22. Juli 2014, abgerufen am 3. August 2026.
  6. The Philosophy of the Ethereum Foundation, Ethereum Foundation, abgerufen am 3. August 2026.
  7. The Promise of Ethereum: Introducing the EF Mandate, Ethereum Foundation Blog, 13. März 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. About the Ecosystem Support Program, Ethereum Foundation, abgerufen am 3. August 2026.
  9. How to Apply, Ecosystem Support Program, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Funded Projects, Ecosystem Support Program, abgerufen am 3. August 2026.
  11. PhD Fellowship Program 2026, Ecosystem Support Program, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Ethereum Foundation Board Update, Ethereum Foundation Blog, 29. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Aya Miyaguchi: A New Chapter in the Infinite Garden, Ethereum Foundation Blog, 25. Februar 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  14. Executive Leadership Update, Ethereum Foundation Blog, 13. Februar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  15. 15,0 15,1 The EF’s New Structure, Ethereum Foundation Blog, 23. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  16. Ethereum Foundation Report 2024, Ethereum Foundation, 2024, abgerufen am 3. August 2026.
  17. Hsiao-Wei Wang: Ethereum Foundation Treasury Policy, Ethereum Foundation Blog, 4. Juni 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  18. Treasury Staking Initiative, Ethereum Foundation Blog, 24. Februar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  19. Ethereum Foundation Conflict of Interest Policy, Ethereum Foundation, abgerufen am 3. August 2026.
  20. Blockchain Hub Switzerland, Switzerland Global Enterprise und Greater Zurich Area, 2023, abgerufen am 3. August 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Ethereum Foundation