Alpnach

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Alpnach

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Obwalden

BFS-Nummer

1401

Postleitzahl

6055 Alpnach Dorf
6053 Alpnachstad

Höhe

464 m ü. M.

Fläche

56,6 km²

Einwohner

6602
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.alpnach.ch

Alpnach ist eine politische Gemeinde im Kanton Obwalden in der Zentralschweiz. Sie liegt am südwestlichen Ende des Alpnachersees und am Südhang des Pilatus. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Alpnach Dorf, Alpnachstad, Schoried und Niederstad sowie zahlreiche Weiler, Einzelhöfe, Wälder und Alpgebiete.

Alpnach ist ein regionaler Wohn-, Gewerbe-, Verkehrs- und Tourismusstandort zwischen Luzern und Sarnen. Von besonderer Bedeutung sind die Pilatusbahn, der Militärflugplatz Alpnach, die Bahnstrecke über den Brünigpass und die Gewerbegebiete im Talboden. Ende 2025 wies die provisorische kantonale Statistik eine ständige Wohnbevölkerung von 6602 Personen aus.[1]

Die Gemeinde erstreckt sich vom Seeufer auf rund 434 Metern über Meer bis in die Gipfelregion des Pilatus auf mehr als 2100 Metern. Der Hauptort Alpnach Dorf liegt auf einem Schwemmkegel zwischen der Grossen und der Kleinen Schliere.

Name

Alpnach wurde um das Jahr 870 erstmals als Alpenacho erwähnt. Spätere Schreibweisen waren unter anderem Alpnacho, Alpenach und Alpnach.[2]

Die genaue Herkunft des Ortsnamens ist nicht abschliessend geklärt. Der zweite Teil wird häufig mit der alemannischen Ortsnamensendung -ach in Verbindung gebracht. Diese kann auf ein Gewässer, ein Gelände oder eine ältere Siedlungsbezeichnung hinweisen.

Im örtlichen Dialekt wird der Name ungefähr als «Alpnä» ausgesprochen. Der von der Gemeinde verwendete Leitsatz «Myys Dorf – yysäs Alpnach» greift die lokale Mundart und die Verbundenheit mit der Gemeinde auf.

Geographie

Lage

Alpnach liegt im unteren Sarneraatal zwischen dem Alpnachersee, dem Pilatus und den Ausläufern des Glaubenberggebiets. Die Gemeinde bildet den nördlichen Zugang zum Kanton Obwalden aus Richtung Luzern.

Nachbargemeinden sind Sarnen, Kerns, Hergiswil im Kanton Nidwalden sowie Horw und Schwarzenberg im Kanton Luzern. Über den Alpnachersee besteht eine Wassergrenze zu weiteren Gemeinden der Region.

Die Gemeindefläche beträgt nach Angaben der Einwohnergemeinde rund 56,6 Quadratkilometer. Der Hauptort liegt auf 464 Metern über Meer.[3]

Die Lage zwischen See und Gebirge führt innerhalb des Gemeindegebiets zu grossen landschaftlichen und klimatischen Unterschieden. Der flache Talboden ist dicht besiedelt und intensiv genutzt, während die Hänge des Pilatus überwiegend von Wald, Berglandwirtschaft und Alpgebieten geprägt sind.

Ortsteile

Die Gemeinde gliedert sich in mehrere Ortsteile:

  • Alpnach Dorf ist der Hauptort und Sitz der Gemeindeverwaltung. Hier befinden sich die wichtigsten Schulen, Kirchen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Einrichtungen.
  • Alpnachstad liegt unmittelbar am Alpnachersee. Der Ortsteil ist Ausgangspunkt der Pilatusbahn und besitzt einen Bahnhof sowie eine Schiffstation.
  • Schoried liegt südwestlich des Hauptdorfs leicht erhöht am Hang. Der historische Siedlungskern ist von neueren Wohnquartieren und Landwirtschaftsflächen umgeben.
  • Niederstad liegt am südlichen und südwestlichen Uferbereich des Alpnachersees und umfasst ländliche Siedlungen, Landwirtschaftsflächen und Teile des Seeufers.

Zum Gemeindegebiet gehören ferner die Gebiete Lütholdsmatt, Ämsigen, Rengg, Guber, Chlewigen, Grunderberg und zahlreiche weitere Weiler, Alpen und Einzelhöfe.

Zwischen Alpnach Dorf und Schoried besteht eine weitgehend offene Landschaft mit Streuobstwiesen und landwirtschaftlichen Gebäuden. Die Gemeinde betrachtet diese Grünzäsur als wichtiges Element der räumlichen Gliederung.[4]

Pilatusgebiet

Der nordwestliche Teil des Gemeindegebiets steigt steil zum Pilatusmassiv an. Die Alp- und Waldgebiete reichen über Ämsigen, Lütholdsmatt und die Mattalp bis zur Gipfelregion.

Die Bergstation Pilatus Kulm, die Gleisanlagen der Pilatusbahn und die Berghotels liegen auf Alpnacher Gemeindegebiet. Die Grenze zu Nidwalden und Luzern verläuft durch das Pilatusmassiv.

Die Hänge werden von Bergwald, Felsbändern, Alpweiden und Wildbächen geprägt. Ein dichtes Wanderwegnetz verbindet Alpnachstad, Lütholdsmatt, Ämsigen und Pilatus Kulm.

Das Pilatusgebiet besitzt eine grosse Bedeutung für Tourismus, Forstwirtschaft, Alpwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Naturschutz. Gleichzeitig bestehen Naturgefahren durch Steinschlag, Rutschungen, Lawinen und Hochwasser.

Talboden

Der flache Talboden zwischen Alpnach Dorf, Alpnachstad und Sarnen wurde durch Ablagerungen der Sarneraa sowie der Grossen und Kleinen Schliere gebildet. Er gehört zu den grösseren zusammenhängenden Landwirtschafts-, Siedlungs- und Gewerbeflächen des Kantons Obwalden.

Entwässerungen, Gewässerkorrektionen und Bodenverbesserungen veränderten den Talboden seit dem 19. Jahrhundert stark. Ehemalige Feuchtgebiete wurden in Landwirtschafts-, Verkehrs-, Flugplatz- und Gewerbeflächen umgewandelt.

Heute befinden sich dort unter anderem der Militärflugplatz, Bahn- und Strassenanlagen, Industrie- und Gewerbezonen sowie intensiv bewirtschaftete Wiesen und Äcker.

Gewässer

Der Alpnachersee ist der nordöstliche Seitenarm des Vierwaldstättersees. Er ist über die schmale Seeenge bei Acheregg mit dem Hauptbecken verbunden.

Wichtige Fliessgewässer sind:

  • die Sarneraa, die vom Sarnersee zum Alpnachersee fliesst;
  • die Kleine Schliere, die das Pilatusgebiet und den Raum westlich des Hauptdorfs entwässert;
  • die Grosse Schliere, die aus dem Glaubenberggebiet kommt;
  • der Widibach;
  • der Wolfortbach;
  • mehrere kleinere Hang- und Bergbäche.

Der historische Dorfkern liegt auf dem Schwemmkegel der Kleinen Schliere. Der Wildbach führte in der Vergangenheit wiederholt Hochwasser, Geschiebe und Schwemmholz in den Talboden.

Südufer des Alpnachersees

Das Südufer wurde während des 20. Jahrhunderts stark verändert. Die Umleitung von Flüssen, der Bau von Hochwasserschutzanlagen, der Ausbau des Flugplatzes und die Kiesgewinnung führten zu einem Rückgang natürlicher Flachwasser- und Feuchtgebiete.

Seit dem frühen 21. Jahrhundert werden Teile des Ufers ökologisch aufgewertet. Das Projekt Aufwertung Südufer Alpnachersee schuf neue Flachwasserbereiche und Uferlebensräume.

Mit dem Folgeprojekt ASA+ sollen in der mittleren Bucht weitere Flachwasserzonen und Flachufer entstehen. Dafür wird sauberes Aushubmaterial aus Wasserbauprojekten im Kanton Obwalden verwendet. Die Arbeiten sind auf die Jahre 2025 bis 2027 abgestimmt.[5]

Klima

Die tiefen Lagen am Alpnachersee besitzen ein vergleichsweise mildes, durch den See beeinflusstes Klima. Die Sommer sind warm, während Nebel und Hochnebel im Herbst und Winter häufig auftreten können.

Am Pilatus fallen deutlich grössere Niederschlagsmengen. Die höheren Lagen sind im Winter schneereich und bleiben teilweise bis weit ins Frühjahr verschneit.

Bei südlichen Luftströmungen kann Föhn auftreten. Er führt zu trockener Luft, guter Fernsicht und teilweise starken Windböen.

Geschichte

Römische Zeit

Im Jahr 1913 wurden in Alpnach Überreste eines römischen Gutshofs entdeckt. Die Anlage war ungefähr vom Ende des 1. Jahrhunderts bis in das dritte Viertel des 3. Jahrhunderts nach Christus bewohnt.[2]

Der Gutshof stand vermutlich mit einem regionalen Verkehrsweg in Verbindung, der über die Rengg und den Brünig weiter in Richtung Grimsel- und Griespass führte. Funde belegen Kontakte zum römischen Mittelland und zum Militärlager Vindonissa.

Die römische Siedlung lag in einer landwirtschaftlich günstigen Lage. Der Gutshof dürfte der Versorgung der lokalen Bevölkerung und des Verkehrs gedient haben.

Frühmittelalter

Um 870 wird Alpnach als Besitz des Klosters Murbach-Luzern erwähnt. Zu den späteren Grundherren gehörten die Grafen von Lenzburg, das Chorherrenstift Beromünster, die Klöster Engelberg und St. Blasien, die Habsburger sowie die Freiherren von Wolhusen.[2]

Neben den grundherrschaftlich abhängigen Bauern lebten in Alpnach auch freie Bauernfamilien. Da keine auswärtige Herrschaft eine dauerhaft umfassende Kontrolle ausübte, konnten lokale Führungsschichten und bäuerliche Genossenschaften früh an Bedeutung gewinnen.

Die erste Kirche wird 1173 erwähnt. Sie war zunächst der Gottesmutter und später Maria Magdalena geweiht.

Loskauf von 1368

Im Jahr 1368 kauften die Kirchgenossen von Alpnach der Gräfin Margaretha von Strassberg, Freifrau von Wolhusen, deren Steuern, Abgaben, Gerichtsrechte und weitere Herrschaftsansprüche ab.

Dieser Loskauf stärkte die politische und wirtschaftliche Selbstständigkeit der örtlichen Gemeinschaft. Die Kirchgenossengemeinde übernahm öffentliche Aufgaben und verwaltete gemeinschaftliche Güter.

Im Jahr 1427 wurden Teile des gemeinschaftlichen Besitzes zwischen zwei Nutzungskorporationen aufgeteilt. Diese gaben sich 1487 und 1498 eigene Einungen, welche Rechte, Pflichten und Nutzungen regelten.[2]

Die Kirchgenossengemeinde blieb bis 1850 die wichtigste politische Körperschaft. Danach entwickelte sich aus ihr die Bürgergemeinde. Seit 1998 besteht die historische Körperschaft als Korporation Alpnach weiter.

Landwirtschaft und Alpwirtschaft

Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit wandelte sich die örtliche Landwirtschaft von gemischtem Ackerbau zu einer stärker auf Viehzucht und Alpwirtschaft ausgerichteten Wirtschaftsweise.

Vieh und Käse wurden teilweise über die Alpenpässe in die Lombardei ausgeführt. Die Nutzung von Wäldern, Alpen, Streuwiesen und Allmenden wurde durch gemeinschaftliche Vorschriften geregelt.

Die Korporation Alpnach besitzt bis heute umfangreiche Wald- und Alpflächen. Sie erfüllt Aufgaben in Forstwirtschaft, Alpbewirtschaftung, Wegunterhalt, Energieversorgung und Landschaftspflege.

Kirchenbau und religiöses Leben

Die heutige römisch-katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena wurde im frühen 19. Jahrhundert errichtet und 1821 geweiht. Sie ersetzte einen älteren Kirchenbau und ist mit ihrem hohen Turm das Wahrzeichen von Alpnach Dorf.

Zu den weiteren historischen Sakralbauten gehören:

  • die Beinhauskapelle St. Michael von 1501;
  • die Renggkapelle, erstmals 1567 erwähnt;
  • die Kapelle St. Josef in Alpnachstad von 1702;
  • die Kapelle St. Theodul in Schoried von 1711;
  • die Kapelle auf der Lütholdsmatt von 1969.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wanderten zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner aus. Verlassene Höfe wurden teilweise von reformierten Familien aus dem Haslital übernommen.

1872 entstand in Alpnach eine reformierte Kirche. Sie gilt als erste reformierte Kirche in der traditionellen katholischen Zentralschweiz.[2]

Strassen- und Bahnbau

Die Strasse nach Luzern wurde 1861 eröffnet. Damit verbesserte sich die Landverbindung zwischen Obwalden und der Stadt Luzern erheblich.

1888 nahm die Jura–Bern–Luzern-Bahn den Abschnitt der Brünigbahn zwischen Alpnachstad und Brienz in Betrieb. Reisende aus Luzern kamen zunächst mit dem Dampfschiff nach Alpnachstad und setzten ihre Fahrt dort mit der Bahn fort.[6]

1889 wurde die Eisenbahnstrecke durch den Loppertunnel bis Luzern verlängert. Im selben Jahr nahm die Pilatusbahn ihren Betrieb auf.

Der Bau der beiden Bahnen brachte zahlreiche auswärtige Arbeitskräfte nach Alpnach. Die Bevölkerungszahl stieg vorübergehend stark an, und Alpnachstad entwickelte sich zu einem bedeutenden Verkehrsknoten.

Industrialisierung

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden neben Landwirtschaft und Heimarbeit erste grössere Gewerbe- und Industriebetriebe. Eine Parkettfabrik nahm 1865 den Betrieb auf.

Um 1900 waren Heimarbeit und die Herstellung von Strohhüten verbreitet. 1903 begann der industrielle Abbau im Steinbruch Guber. Der dort gewonnene dunkle Naturstein wurde insbesondere für Pflastersteine und Strassenbauten verwendet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Baugewerbe, Holzverarbeitung, Möbelproduktion und technische Betriebe. Der erste Zonenplan von 1971 förderte die Entwicklung neuer Industrie- und Gewerbeflächen.[2]

Militärflugplatz

Der Militärflugplatz Alpnach wurde während des Zweiten Weltkriegs eingerichtet und steht seit 1940 in Betrieb. Zunächst diente er hauptsächlich Flächenflugzeugen.

1964 wurde Alpnach zur Leichtflieger- beziehungsweise Helikopterbasis ausgebaut. In der Folge kamen unter anderem die Helikoptertypen Alouette II, Alouette III, Super Puma, Cougar und EC635 zum Einsatz.

Heute ist der Standort das Kompetenzzentrum Helikopter der Schweizer Luftwaffe im Bereich Lufttransport. Zu den Aufgaben gehören Ausbildung, Training, Einsätze, Bereitstellung und Unterstützung der Helikopterflotte. Ergänzt wird der Standort durch das Helikopter Center der RUAG.[7]

Hochwasser von 2005 und 2013

Im August 2005 führte starkes und lang anhaltendes Niederschlagswetter in Obwalden zu grossen Überschwemmungen. Auch die Kleine Schliere und weitere Gewässer in Alpnach führten aussergewöhnlich viel Wasser und Geschiebe.

Das bestehende Schutzsystem gelangte an seine Kapazitätsgrenze. Weitere Hochwasser im Jahr 2013 bestätigten, dass umfassendere Schutzmassnahmen notwendig waren.[8]

Nach langjähriger Planung genehmigten die Stimmberechtigten 2019 einen Objektkredit für ein neues Hochwasserschutzsystem. Der Spatenstich erfolgte am 29. September 2025. Die Gesamtkosten betragen rund 35 Millionen Franken, die Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis 2029 dauern.[9]

Das Projekt umfasst ein Entlastungsbauwerk, die Sanierung des Schlierenkanals, eine Aufweitung des Unterlaufs und einen Entlastungskorridor für besonders grosse Ereignisse.

Bevölkerung

Alpnach entwickelte sich von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer wachsenden Wohn- und Arbeitsplatzgemeinde. Die günstige Verkehrslage zwischen Sarnen und Luzern förderte diesen Wandel.

Jahr Einwohner
1799 1'157
1850 1'622
1900 1'779
1950 3'022
2000 4'932
2010 rund 5'600
2020 rund 6'100
2024 6'511
2025 6'602

Die Zahlen für das 18. bis 20. Jahrhundert stammen aus historischen Volkszählungen. Der Stand von 2025 ist provisorisch.[2][1]

Das Bevölkerungswachstum konzentrierte sich vor allem auf Alpnach Dorf, Schoried und die gut erschlossenen Gebiete im Talboden. Alpnachstad entwickelte sich neben dem Tourismus zunehmend auch zu einem Wohnort.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird ein Obwaldner Dialekt gesprochen, der zu den höchstalemannischen Mundarten gehört.

Die Bevölkerung war historisch überwiegend römisch-katholisch. Durch Zuwanderung und gesellschaftlichen Wandel nahm die konfessionelle und kulturelle Vielfalt zu.

Politik und Verwaltung

Alpnach ist als Einwohnergemeinde mit Gemeindeversammlung organisiert. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden an der Versammlung oder an der Urne über kommunale Sachgeschäfte, Reglemente, Kredite und Finanzvorlagen.

Der Einwohnergemeinderat bildet die Exekutive. Er besteht aus fünf Mitgliedern, welche unterschiedliche Departemente führen. Dazu gehören insbesondere Präsidiales, Finanzen, Bildung und Kultur, Bau und Unterhalt sowie Soziales, Gesundheit und Hochwasserschutz.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Bahnhofstrasse 15 in Alpnach Dorf.

Neben der Einwohnergemeinde bestehen weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften:

  • die Korporation Alpnach;
  • die römisch-katholische Kirchgemeinde;
  • die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Obwalden mit örtlichen Einrichtungen.

Die Gemeinde arbeitet in regionalen Aufgabenbereichen mit anderen Obwaldner Gemeinden und dem Kanton zusammen. Dies betrifft beispielsweise Schulen, Sozialwesen, Sicherheit, Abwasser, öffentlicher Verkehr und Raumplanung.

Korporation Alpnach

Die Korporation Alpnach geht auf die mittelalterliche Kirchgenossen- und Nutzungsgemeinschaft zurück. Sie verwaltet gemeinschaftliche Güter, welche nach der Trennung von Einwohner- und Bürgergemeinde bei der historischen Körperschaft verblieben.

Zum Besitz gehören Wälder, Alpen, Weiden, Strassen, Gebäude und weitere Grundstücke. Die Korporation ist in der Forst- und Holzwirtschaft, Alpwirtschaft, Energieversorgung und Immobilienbewirtschaftung tätig.

Die Korporation erfüllt auch öffentliche und gemeinnützige Aufgaben. Sie unterhält Alpstrassen, unterstützt touristische Angebote und beteiligt sich an Projekten zur Pflege und Erschliessung des Pilatusgebiets.

Wirtschaft

Alpnach verfügt über einen breit gefächerten Wirtschaftsstandort. Die Gemeinde nennt rund 3160 Arbeitsplätze und mehr als 500 Betriebe.[3]

Zu den wichtigsten Bereichen gehören:

  • Baugewerbe;
  • Holzverarbeitung und Möbelbau;
  • Maschinenbau und Mikrotechnik;
  • Informatik und technische Dienstleistungen;
  • Detailhandel;
  • Landwirtschaft;
  • Tourismus und Gastronomie;
  • öffentliche Verwaltung und Bundesbetriebe;
  • Luftfahrttechnik und Helikopterunterhalt.

Kleine und mittlere Unternehmen bilden zahlenmässig den grössten Teil der Betriebe. Daneben bestehen grössere Firmen und öffentliche Arbeitgeber.[10]

Industrie und Gewerbe

Die Industrie- und Gewerbezonen liegen hauptsächlich entlang der Brünigstrasse, der Industriestrasse, der Bahnlinie und in der Nähe des Flugplatzes.

Die Holzverarbeitung besitzt eine lange Tradition. Aus früheren Sägereien, Parkett- und Möbelbetrieben entwickelten sich moderne Unternehmen der Bauzulieferung und Innenausstattung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Mikrotechnik, Elektronik und spezialisierten technischen Dienstleistungen. Die Nähe zu Luzern und die direkte Anbindung an die A8 begünstigen den Standort.

Steinbruch Guber

Im Gebiet Guber wird seit 1903 ein widerstandsfähiger dunkler Sandstein beziehungsweise Quarzsandstein abgebaut. Das Material ist insbesondere als Pflasterstein bekannt.

Gubersteine wurden in zahlreichen Schweizer Städten für Plätze, Strassen und historische Pflästerungen verwendet. Der Steinbruch gehört zu den landschaftlich und wirtschaftlich markanten Betrieben der Gemeinde.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft konzentriert sich auf den Talboden, die Hanglagen und die Alpgebiete. Wichtigste Betriebszweige sind Viehzucht, Milchwirtschaft, Futterbau und Alpwirtschaft.

Auf dem flachen Talboden werden teilweise auch Mais, Getreide und weitere Kulturen angebaut. Obstbäume und Streuobstwiesen prägen besonders die Landschaft zwischen Alpnach Dorf und Schoried.

Die landwirtschaftlichen Betriebe erfüllen neben der Nahrungsmittelproduktion wichtige Aufgaben bei Landschaftspflege, Naturgefahrenvorsorge und Erhaltung offener Flächen.

Tourismus

Der Tourismus ist eng mit dem Pilatus und dem Alpnachersee verbunden. Alpnachstad ist der Ausgangspunkt der steilsten Zahnradbahn der Welt.

Weitere touristische Angebote sind:

  • Schifffahrten auf dem Vierwaldstättersee;
  • Wandern und Bergsteigen am Pilatus;
  • Velorouten;
  • Baden und Wassersport;
  • Camping;
  • Ausflüge zur Lütholdsmatt;
  • Berggasthäuser und Alpen;
  • historische und religiöse Sehenswürdigkeiten.

Der Bahnhof und die Schiffstation Alpnachstad ermöglichen kombinierte Rundreisen mit Schiff, Zahnradbahn, Luftseilbahn und öffentlichem Verkehr.

Pilatusbahn

Die Pilatusbahn verbindet Alpnachstad mit Pilatus Kulm. Sie wurde am 4. Juni 1889 mit Dampfbetrieb eröffnet und 1937 elektrifiziert.

Mit einer maximalen Steigung von 48 Prozent gilt sie als steilste Zahnradbahn der Welt. Die Strecke ist 4618 Meter lang und überwindet 1635 Höhenmeter.[11]

Der Zürcher Ingenieur Eduard Locher entwickelte für die aussergewöhnliche Steigung ein besonderes Zahnradsystem. Beim System Locher greifen horizontal angeordnete Zahnräder von beiden Seiten in eine mittig liegende Zahnstange ein. Dadurch wird verhindert, dass das Fahrzeug bei grosser Steigung aus dem Gleis gehoben wird.

Die Strecke führt von Alpnachstad über Ämsigen und die Mattalp durch steile Fels- und Alpgebiete nach Pilatus Kulm. Der reguläre Betrieb findet hauptsächlich von Mai bis November statt.

Im Jahr 2023 nahm die Bahn neues Rollmaterial in Betrieb. Die modernen Triebwagen verkürzten die Bergfahrt auf ungefähr 27 Minuten und verbesserten Kapazität, Komfort und Barrierefreiheit.[11]

Militärflugplatz Alpnach

Der Militärflugplatz liegt im Talboden nördlich des Hauptdorfs. Er ist einer der wichtigsten Helikopterstandorte der Schweizer Luftwaffe.

Zu den stationierten oder regelmässig eingesetzten Helikoptertypen gehören:

Das Flugplatzkommando ist für Luft- und Bodenorganisation, Ausbildung, Training, Einsätze, Bereitstellung und Teile der technischen Unterstützung zuständig.[7]

Neben Helikoptern können auch Flächenflugzeuge verkehren. Ein regulärer Kampfjetbetrieb findet in Alpnach nicht statt.

Der Flugplatz ist ein bedeutender Arbeitgeber. Zugleich führt der militärische Flugbetrieb zu Diskussionen über Lärm, Betriebszeiten und die räumliche Entwicklung des Talbodens.

Verkehr

Strassenverkehr

Alpnach liegt an der A8, welche Luzern über den Loppertunnel mit Obwalden und dem Berner Oberland verbindet.

Die Brünigstrasse erschliesst Alpnach Dorf, Alpnachstad und die umliegenden Gebiete. Weitere Gemeindestrassen führen nach Schoried, Niederstad, Lütholdsmatt und in die Hanglagen.

Die Gemeinde liegt ungefähr zwanzig Fahrminuten vom Zentrum Luzerns entfernt. Sarnen ist in wenigen Minuten erreichbar.

Der motorisierte Verkehr stellt insbesondere im Dorfzentrum, an den Autobahnanschlüssen und bei touristischem Ausflugsverkehr eine Belastung dar. Raum- und Verkehrsplanung verfolgen deshalb auch Verbesserungen für Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr.

Eisenbahn

Alpnach wird durch die meterspurige Brüniglinie der Zentralbahn erschlossen. Bahnhöfe befinden sich in Alpnach Dorf und Alpnachstad.

Die Züge verbinden die Gemeinde mit:

  • Luzern;
  • Hergiswil;
  • Sarnen;
  • Giswil;
  • Lungern;
  • Brienz;
  • Meiringen;
  • Interlaken.

Der Luzern–Interlaken Express hält in Alpnachstad. Regionalzüge bedienen sowohl Alpnachstad als auch Alpnach Dorf.

Schifffahrt

Alpnachstad besitzt eine Schiffstation der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Kursschiffe verkehren hauptsächlich während des Sommerhalbjahrs.

Die Schiffsverbindung ist ein wichtiger Teil der sogenannten Goldenen Rundfahrt auf den Pilatus. Reisende fahren dabei von Luzern mit dem Schiff nach Alpnachstad, mit der Zahnradbahn zum Pilatus und über Kriens zurück nach Luzern.

Busverkehr

Regionale Buslinien ergänzen das Bahnangebot und erschliessen Ortsteile sowie Nachbargemeinden.

Seit 2024 besteht versuchsweise eine Bus-Alpin-Verbindung vom Bahnhof Alpnach Dorf zur Lütholdsmatt. Der zunächst auf drei Jahre angelegte Pilotbetrieb soll den öffentlichen Zugang zum Pilatusgebiet verbessern und den privaten Ausflugsverkehr begrenzen.[12]

Bildung

Die Gemeinde führt Kindergärten, Primarschulen und eine Schule der Sekundarstufe I. Der grösste Schulstandort befindet sich in Alpnach Dorf.

Zum kommunalen Bildungsangebot gehören Schulsozialarbeit, schulergänzende Betreuung, Musikschule und Bibliothek.

Weiterführende kantonale Schulen befinden sich insbesondere in Sarnen. Berufsfachschulen und Hochschulen sind über den öffentlichen Verkehr in Sarnen, Luzern und weiteren Orten erreichbar.

Energie und Umwelt

Alpnach trägt das Label Energiestadt. Bei der ersten Zertifizierung 2011 erreichte die Gemeinde 56 Prozent der möglichen Punkte. Bei einer späteren Rezertifizierung stieg der Wert auf 70,7 Prozent.[13]

Zu den energiepolitischen Massnahmen gehören:

  • Wärmeverbünde mit Holzschnitzelheizungen;
  • energetische Sanierung kommunaler Gebäude;
  • Förderung von Fuss- und Veloverkehr;
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs;
  • Photovoltaikanlagen;
  • Nutzung lokaler Wasserressourcen;
  • kommunale Energie- und Raumplanung.

Auf einem Gebäude des Militärflugplatzes befindet sich eine grössere Photovoltaikanlage. Die Gemeinde prüft und realisiert zudem Projekte zur Nutzung von überschüssigem Quellwasser für Trinkwasserversorgung und Stromproduktion.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Maria Magdalena

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena steht im Zentrum von Alpnach Dorf. Der klassizistische Bau wurde 1821 geweiht.

Der hohe Kirchturm ist weithin sichtbar und prägt das Ortsbild. Zur Ausstattung gehören Altäre, Gemälde und liturgische Gegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten.

Neben der Kirche liegt der Friedhof. Die Anlage bildet gemeinsam mit Pfarrhaus, Beinhaus und historischen Wohnbauten ein bedeutendes Ensemble.

Beinhauskapelle St. Michael

Die Beinhauskapelle St. Michael stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie steht in der Nähe der Pfarrkirche und wurde ursprünglich für die Aufbewahrung von Gebeinen genutzt.

Die Kapelle gehört zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten des Hauptdorfs.

Kapellen

In den Ortsteilen und Berggebieten befinden sich mehrere historische Kapellen:

  • die Kapelle St. Josef in Alpnachstad;
  • die Kapelle St. Theodul in Schoried;
  • die Renggkapelle;
  • die Kapelle Lütholdsmatt.

Die Kapellen erinnern an die dezentrale Siedlungsstruktur und die katholische Tradition der Gemeinde.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche wurde 1872 für zugezogene protestantische Familien errichtet. Sie war der erste eigens errichtete reformierte Kirchenbau in der überwiegend katholisch geprägten Urschweiz.[2]

Der Bau dokumentiert die konfessionelle und gesellschaftliche Veränderung Alpnachs im 19. Jahrhundert.

Römischer Gutshof

Die archäologischen Überreste des römischen Gutshofs gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühen Siedlungsgeschichte.

Die Funde umfassen Mauerreste, Keramik und weitere Gegenstände aus der römischen Kaiserzeit. Sie belegen, dass Alpnach bereits lange vor der mittelalterlichen Ersterwähnung besiedelt war.

Alpnachstad

Alpnachstad ist durch Bahnhof, Schiffstation, Pilatusbahn und Seeufer geprägt. Die Verbindung verschiedener Verkehrsmittel macht den Ortsteil zu einem der bekanntesten touristischen Ausgangspunkte im Kanton Obwalden.

Am See befinden sich Spazierwege, Hafenanlagen, Bade- und Freizeitmöglichkeiten sowie Gastronomiebetriebe.

Natur- und Erholungsräume

Beliebte Erholungsgebiete sind:

  • das Südufer des Alpnachersees;
  • das Städerried;
  • die Lütholdsmatt;
  • Ämsigen und Mattalp;
  • die Pilatushänge;
  • die Wanderwege entlang der Schliere;
  • die ländlichen Gebiete um Schoried und Niederstad.

Der Pilatus bietet zahlreiche Berg- und Wanderwege. Wegen der steilen Topografie, rascher Wetterwechsel und alpiner Gefahren ist eine angepasste Ausrüstung erforderlich.

Brauchtum und Vereinsleben

Alpnach besitzt ein vielfältiges Vereinsleben mit mehr als fünfzig aktiven Vereinen.[3] Sport-, Musik-, Kultur-, Jugend-, Fasnachts- und soziale Organisationen prägen das Dorfleben.

Zu den traditionellen Anlässen gehören:

  • Fasnachtsveranstaltungen;
  • Älplerchilbi;
  • Alpaufzüge und Alpanlässe;
  • kirchliche Feste und Prozessionen;
  • Musik- und Jodleranlässe;
  • Dorf- und Vereinsfeste;
  • Samichlaus- und Adventsbräuche.

Die Tschyfärä-Zunft gehört zu den Trägerinnen der Alpnacher Fasnacht. Traditionelle Masken, Guggenmusik und Umzüge verbinden lokale Bräuche mit moderner Festkultur.

Wappen

Das Gemeindewappen zeigt in Silber eine rote Lilie auf einem grünen Dreiberg.

Die Gemeinde verwendet dieses Wappen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts.[14]

Die Lilie ist ein traditionelles heraldisches Zeichen. Der Dreiberg verweist auf die gebirgige Landschaft und die Lage am Fuss des Pilatus.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Otto Camenzind: Alpnach. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Otto Camenzind: Alpnach. Alpnach 1991.
  • Robert Durrer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden. Zürich 1899–1928.
  • Einwohnergemeinde Alpnach: Myys Dorf – yysäs Alpnach. Beiträge zur Ortsgeschichte, Alpnach.
  • Staatsarchiv Obwalden: Quellen zur Geschichte der Gemeinde Alpnach. Sarnen.
  • Korporation Alpnach: Geschichte und Entwicklung der Korporation Alpnach. Alpnach.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Kanton Obwalden: Stand der Wohnbevölkerung in den Gemeinden des Kantons Obwalden 2025/2024, provisorischer Stand vom 31. Dezember 2025, publiziert am 11. Februar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Otto Camenzind: Alpnach. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 24. März 2014, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Einwohnergemeinde Alpnach: Gemeinde in Zahlen, Stand 31. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Einwohnergemeinde Alpnach: Masterplan Alpnach, vom Einwohnergemeinderat am 29. Oktober 2024 beschlossen, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Hochwasserschutz Obwalden: Aufwertung Südufer Alpnachersee Plus, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Zentralbahn: Geschichte der Zentralbahn und der Brünigbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Schweizer Armee: Militärflugplatz Alpnach, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Einwohnergemeinde Alpnach: Hochwasserschutzprojekt Kleine Schliere, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Einwohnergemeinde Alpnach: Spatenstich für das Hochwasserschutzprojekt Kleine Schliere, 29. September 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Einwohnergemeinde Alpnach: Wirtschaft und Gewerbe, abgerufen am 3. August 2026.
  11. 11,0 11,1 Pilatus-Bahnen AG: Die steilste Zahnradbahn der Welt, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Einwohnergemeinde Alpnach: Bus Alpin Alpnach–Lütholdsmatt, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Einwohnergemeinde Alpnach: Energiestadt Alpnach, abgerufen am 3. August 2026.
  14. Einwohnergemeinde Alpnach: Gemeindewappen, abgerufen am 3. August 2026.