Stadion Wankdorf
| Stadion Wankdorf | |
|---|---|
| Frühere Bezeichnung | Stade de Suisse Wankdorf Bern |
| Standort | Papiermühlestrasse 71, Bern |
| Quartier | Wankdorf |
| Eigentümerin | BSC Young Boys AG |
| Betreiberin | BSC Young Boys AG |
| Stadionpartnerin | Personalvorsorgestiftung der CSL Behring AG |
| Baubeginn | 2001 |
| Erstes Spiel | 16. Juli 2005 |
| Offizielle Eröffnung | 31. Juli 2005 |
| Architekten | Luscher Architectes SA und Schwaar & Partner AG |
| Kapazität | 31'500 Plätze bei Fussballspielen |
| Konzertkapazität | bis zu 44'500 Personen |
| Spielfläche | 105 × 68 m |
| Oberfläche | Kunstrasen |
| Heimverein | BSC Young Boys |
| Baukosten | rund 350 Mio. Franken (Gesamtanlage) |
| Koordinaten | 46,9631° N, 7,4652° E |
| Website | bscyb.ch/stadion-wankdorf |
Dieser Artikel behandelt das 2005 eröffnete Stadion. Zum früheren, 2001 abgebrochenen Bau siehe Wankdorfstadion (1925).
Das Stadion Wankdorf ist ein Fussballstadion und eine multifunktionale Veranstaltungsstätte in der Schweizer Bundesstadt Bern. Es liegt im Stadtteil Wankdorf auf dem Gelände des früheren Wankdorfstadions und dient als Heimstätte des BSC Young Boys. Das heutige Stadion wurde 2005 eröffnet und bietet bei nationalen Fussballspielen Platz für 31'500 Zuschauerinnen und Zuschauer.[1]
Von seiner Eröffnung bis 2020 trug der Bau den Namen Stade de Suisse Wankdorf Bern. Seit dem Sommer 2020 lautet die offizielle Bezeichnung wieder Stadion Wankdorf. Die Rückkehr zum traditionellen Namen wurde durch eine Partnerschaft des BSC Young Boys mit der Personalvorsorgestiftung der CSL Behring AG ermöglicht.[2]
Die Anlage umfasst neben dem eigentlichen Stadion ein Einkaufszentrum, Gastronomie-, Büro- und Veranstaltungsflächen sowie ein grosses Sonnenkraftwerk auf dem Dach. Das Stadion wird hauptsächlich für die Heimspiele der Young Boys genutzt, dient aber auch als Austragungsort für Länderspiele, internationale Fussballturniere, Konzerte, Kongresse und weitere Grossveranstaltungen.
Das Wankdorf gehört zu den bekanntesten Sportorten der Schweiz. Diese Bedeutung geht vor allem auf das frühere Stadion zurück, in dem am 4. Juli 1954 der Final der Fussball-Weltmeisterschaft 1954 zwischen Deutschland und Ungarn ausgetragen wurde. Das als «Wunder von Bern» bekannte Spiel fand nicht im heutigen Bau, sondern im 1954 erneuerten und 2001 abgebrochenen Vorgängerstadion statt.
Name
Der Name Wankdorf leitet sich vom gleichnamigen Gebiet im Norden der Stadt Bern ab. Als die Young Boys 1925 ihren neuen Sportplatz eröffneten, wurde er nach seinem Standort als Wankdorfstadion bezeichnet.
Der traditionelle Name war eng mit der Geschichte des Vereins, dem WM-Final von 1954 und zahlreichen Schweizer Cupfinals verbunden. Beim Neubau entschied sich die Betreibergesellschaft jedoch für die Bezeichnung «Stade de Suisse Wankdorf Bern». Der französischsprachige Name sollte den Anspruch der Anlage unterstreichen, als modernes Nationalstadion der gesamten Schweiz wahrgenommen zu werden.
In der Bevölkerung und unter den Anhängerinnen und Anhängern der Young Boys blieb die Bezeichnung «Wankdorf» weiterhin gebräuchlich. Viele Fans betrachteten den Namen Stade de Suisse als künstlich und wenig mit der Berner Fussballtradition verbunden.
Im Jahr 2020 schlossen der BSC Young Boys und die Personalvorsorgestiftung der CSL Behring AG eine Stadionpartnerschaft. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit erhielt die Arena offiziell den traditionellen Namen Stadion Wankdorf zurück.[2]
Die Bezeichnung «Wankdorfstadion» wird sowohl für die früheren Anlagen als auch gelegentlich für das heutige Stadion verwendet. Zur historischen Unterscheidung werden die drei Bauphasen häufig als Wankdorfstadion I, Wankdorfstadion II und Wankdorfstadion III bezeichnet:
- Wankdorfstadion I: ursprüngliches Stadion von 1925;
- Wankdorfstadion II: für die Weltmeisterschaft von 1954 umgebautes Stadion;
- Wankdorfstadion III: heutiges, 2005 eröffnetes Stadion.
Lage
Das Stadion steht im Norden der Stadt Bern zwischen der Papiermühlestrasse, der Sempachstrasse, den Sportanlagen der Allmend und dem Ausstellungsgelände der BERNEXPO. Das Gebiet gehört zum Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf, in dem sich Sport-, Messe-, Gewerbe-, Verwaltungs- und Verkehrsanlagen konzentrieren.
In unmittelbarer Nähe befinden sich die PostFinance-Arena, die Grosse und Kleine Allmend, mehrere Trainingsplätze, das nationale Pferdezentrum, die Festhalle Bern und weitere Einrichtungen der BERNEXPO.
Das Stadion liegt ungefähr zwei Kilometer nordöstlich der Berner Altstadt. Der Standort ist durch die S-Bahn-Station Bern Wankdorf, mehrere Tram- und Buslinien sowie den Autobahnanschluss Bern-Wankdorf erschlossen.
Die Lage auf dem früher weitgehend unbebauten Wankdorffeld war bereits 1925 gewählt worden. Damals befand sich das Gebiet noch am Rand der zusammenhängenden städtischen Bebauung. Mit dem Wachstum Berns wurde das Stadion zunehmend Teil eines dicht genutzten Stadtgebiets.
Geschichte
Erste Spielstätten der Young Boys
Der 1898 gegründete FC Young Boys trug seine ersten Spiele auf verschiedenen Plätzen in Bern aus. Die Mannschaft spielte zunächst im Kirchenfeld, auf dem Schwellenmätteli, auf der Allmend und auf dem Kasernenareal.
1902 erhielt der Verein mit dem Sportplatz Spitalacker erstmals eine dauerhafte Heimstätte. Der Platz lag im Breitenrainquartier und wurde im Volksmund «Spitteler» genannt. Dort gewann der Verein seine ersten Schweizer Meistertitel.
Die Kapazität und die räumlichen Möglichkeiten des Spitalackers reichten mit dem wachsenden Zuschauerinteresse jedoch bald nicht mehr aus. Der Verein Fussballstadion Spitalacker suchte deshalb nach einem geeigneten Standort für eine grössere Anlage.
Wankdorfstadion von 1925
Im März 1925 begannen auf dem noch kaum überbauten Wankdorffeld die Bauarbeiten für ein neues Stadion. Bereits am 18. Oktober 1925 wurde das Wankdorfstadion eröffnet. Es bot ursprünglich Platz für 22'000 Personen und kostete rund 230'000 Franken.[2]
Das Stadion besass eine Holztribüne, teilweise überdachte Stehplätze, markante Holztürme und ein repräsentatives Eingangstor an der Papiermühlestrasse. Neben Fussballveranstaltungen war die Anlage auch für andere Sportarten vorgesehen.
1937 wurde die Stehrampe vergrössert. Dadurch stieg das Fassungsvermögen auf etwa 40'000 Personen. Das Wankdorf entwickelte sich zum wichtigsten Fussballstadion der Stadt Bern und zu einer der bedeutendsten Sportstätten der Schweiz.
Umbau für die Weltmeisterschaft 1954
Nachdem die Schweiz den Zuschlag für die Fussball-Weltmeisterschaft 1954 erhalten hatte, wurde das Wankdorfstadion umfassend erneuert. Das letzte Meisterschaftsspiel im alten Bau fand am 17. Juni 1951 statt. Einen Tag später begann der Abbruch der Haupttribüne.
Die Architekten Virgilio Muzzulini und Walter Hämmig entwarfen eine neue Haupttribüne, eine vergrösserte Nordrampe sowie neue Stehrampen im Westen und Osten. Das modernisierte Stadion sollte rund 63'000 Zuschauerinnen und Zuschauer aufnehmen und kostete ungefähr 4,8 Millionen Franken.[2]
Das erneuerte Wankdorfstadion wurde am Pfingstmontag 1954 in Betrieb genommen. Zu seinen auffälligsten Merkmalen gehörten die beiden Ecktürme mit grossen Matchuhren, die weitläufigen Stehrampen und die dominante überdachte Haupttribüne.
WM-Final von 1954
Am 4. Juli 1954 fand im Wankdorf der Final der Fussball-Weltmeisterschaft zwischen Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland statt. Die ungarische Mannschaft galt als Favoritin und führte bereits nach acht Minuten mit 2:0. Deutschland glich noch in der ersten Halbzeit aus und gewann das Spiel durch ein Tor von Helmut Rahn in der 84. Minute mit 3:2.
Das Spiel wurde in Deutschland als «Wunder von Bern» bekannt. Es gehört zu den bekanntesten Ereignissen der Fussballgeschichte und machte den Namen Wankdorf international berühmt.
Eine der beiden historischen Matchuhren wurde nach dem Abbruch des alten Stadions restauriert. Sie ist heute als Denkmal vor dem neuen Stadion aufgestellt und zeigt den Spielstand von 3:2 sowie die Spielzeit von 90 Minuten.
Weitere Ereignisse im alten Stadion
Das Wankdorfstadion war während Jahrzehnten Austragungsort zahlreicher Schweizer Cupfinals, Länderspiele und Europacup-Partien. Bis zum Abbruch im Jahr 2001 fanden dort 48 Cupfinals, 50 Länderspiele und zwei europäische Clubwettbewerbsfinals statt.[2]
Am 15. April 1959 besiegten die Young Boys im Halbfinal des Europacups der Landesmeister Stade de Reims mit 1:0. Rund 63'000 Personen verfolgten die Partie. Sie gilt als eines der bedeutendsten Spiele der Vereinsgeschichte.
Die Young Boys gewannen in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre vier Meistertitel in Folge. Weitere Meister- und Cupsiege wurden ebenfalls im Wankdorf gefeiert.
Mit der Umwandlung vieler Stehplätze in Sitzplätze und neuen Sicherheitsvorschriften sank die Kapazität des Stadions später deutlich. Gleichzeitig entsprach die Anlage gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Fussballstadion.
Abbruch und Übergangszeit
Das letzte Spiel im alten Wankdorfstadion fand am 7. Juli 2001 statt. Die Young Boys und der FC Lugano trennten sich 1:1. Nach der Partie fuhren symbolisch Baumaschinen auf das Spielfeld.[2]
Das Stadion wurde anschliessend abgebrochen. Teile der grossen Betontribünen, die Flutlichtmasten und weitere Bauelemente wurden gesprengt. Während der Bauzeit des neuen Stadions trugen die Young Boys ihre Heimspiele im Stadion Neufeld aus.
Der Abbruch löste bei vielen Anhängerinnen und Anhängern gemischte Gefühle aus. Einerseits war ein Neubau aus wirtschaftlichen, sicherheitstechnischen und infrastrukturellen Gründen notwendig. Andererseits verschwand eine Sportstätte, die eng mit der Berner und Schweizer Fussballgeschichte verbunden war.
Planung des Neubaus
Der Neubau war als privat finanzierte, multifunktionale Gesamtanlage geplant. Die wirtschaftliche Grundlage bildete die Verbindung des Stadions mit einem Einkaufszentrum, Büro-, Gastronomie- und Veranstaltungsflächen.
Das Projekt wurde von einer Architektengemeinschaft aus Luscher Architectes SA in Lausanne und Schwaar & Partner AG in Bern ausgearbeitet. Die Gesamtanlage kostete nach Angaben des BSC Young Boys rund 350 Millionen Franken.[2]
Die Planung sah ein reines Fussballstadion ohne Leichtathletikbahn vor. Die Tribünen sollten nahe an das Spielfeld heranreichen und von allen Plätzen eine gute Sicht ermöglichen. Gleichzeitig musste das Bauwerk die Anforderungen für internationale Fussballspiele und Grossveranstaltungen erfüllen.
Das Stadion wurde in die umfangreiche Mantelnutzung des Wankdorf Centers integriert. Dieses Modell sollte den langfristigen Betrieb der Arena wirtschaftlich unterstützen.
Eröffnung 2005
Das erste Spiel im neuen Stadion fand am 16. Juli 2005 im Rahmen des UEFA Intertoto Cups statt. Die Young Boys verloren gegen Olympique Marseille mit 2:3.
Die offizielle Eröffnung erfolgte am 31. Juli 2005 mit einem Turnier, an dem neben den Young Boys der VfB Stuttgart und Udinese Calcio teilnahmen. Die neue Arena trug den Namen Stade de Suisse Wankdorf Bern.[2]
Bei der Eröffnung wurde die Kapazität mit 31'120 Plätzen angegeben. Durch spätere Anpassungen, insbesondere die Einrichtung beziehungsweise Umwandlung von Stehplatzbereichen, stieg die nationale Kapazität auf 31'500 Plätze.[1]
Rückkehr zum Namen Wankdorf
Am 1. Juli 2020 wurde das Stade de Suisse offiziell in Stadion Wankdorf umbenannt. Grundlage war eine Partnerschaft zwischen dem BSC Young Boys und der Personalvorsorgestiftung der CSL Behring AG.
Die Namensänderung stiess bei den Fans auf breite Zustimmung. Der Verein betonte, dass die traditionelle Bezeichnung wieder stärker an die Geschichte des Standorts und die emotionale Verbundenheit des Publikums anknüpfe.
Im Sommer 2025 feierten der BSC Young Boys und seine Stadionpartnerin das 20-jährige Bestehen des heutigen Stadions. Im Oktober desselben Jahres erinnerte der Verein zudem an die Eröffnung des ersten Wankdorfstadions vor 100 Jahren.[3]
Architektur
Das Stadion besitzt einen annähernd rechteckigen Grundriss. Vier miteinander verbundene Tribünen umschliessen das Spielfeld vollständig. Da keine Leichtathletikbahn vorhanden ist, befinden sich die ersten Zuschauerreihen nahe am Spielfeld.
Die Tribünen bestehen jeweils aus einem unteren und einem oberen Rang. Zwischen den Rängen befinden sich Zugänge, Gastronomiestände, Logen, Medienräume und weitere Funktionsbereiche.
Das weit auskragende Dach überspannt sämtliche Zuschauerplätze. Seine Konstruktion lässt die Ecken des Stadions weitgehend offen und ermöglicht dadurch eine natürliche Belüftung des Innenraums.
Die äussere Erscheinung wird durch die Einbindung des Stadions in die Mantelnutzung geprägt. Von aussen ist die eigentliche Stadionschüssel teilweise hinter Fassaden des Einkaufszentrums, der Büroflächen und weiterer Nutzungen verborgen.
Die Arena besitzt vier Hauptsektoren, die mit den Buchstaben A bis D bezeichnet werden. Die Fankurve der Young Boys befindet sich im Sektor D. Die Haupttribüne mit Logen, Medienplätzen, Spielerbereichen und weiteren Funktionsräumen liegt im Sektor A.
Kapazität und Infrastruktur
Bei nationalen Fussballspielen bietet das Stadion 31'500 Steh- und Sitzplätze. Für Wettbewerbe, bei denen ausschliesslich nummerierte Sitzplätze zugelassen sind, fällt die Kapazität geringer aus. Für die UEFA Women’s Euro 2025 wurde eine Turnierkapazität von rund 29'800 Plätzen angegeben.[4]
Für Konzerte kann ein Teil des Spielfelds als Publikumsfläche genutzt werden. Die maximale Kapazität steigt dadurch auf etwa 44'500 Personen.[5]
Zur Stadioninfrastruktur gehören unter anderem:
- 21 Logen mit insgesamt rund 1700 Hospitality-Plätzen;
- Restaurants, Lounges und Banketträume;
- ein Medienzentrum mit rund 150 Presseplätzen;
- Umkleide-, Behandlungs- und Trainingsräume;
- Geschäfts- und Verwaltungsräume des BSC Young Boys;
- Verkaufsstellen und Gastronomiestände;
- Räume für Kongresse, Tagungen und private Veranstaltungen;
- barrierefreie Zuschauerplätze und Erschliessungen.
Die Sitzplätze sind überwiegend in den Vereinsfarben Gelb und Schwarz gehalten. Auf mehreren Tribünen bilden andersfarbige Sitze Schriftzüge und Vereinszeichen.
Spielfeld
Das Spielfeld besitzt die international übliche Grösse von 105 × 68 Metern.[6]
Die Oberfläche wurde seit der Eröffnung mehrfach verändert. Zeitweise spielte der BSC Young Boys auf Naturrasen, während in anderen Phasen ein Kunstrasen verwendet wurde.
Zur Rückrunde 2012 wurde ein Naturrasen über den damaligen Kunstrasen gelegt. Das System erwies sich im intensiven Trainings- und Spielbetrieb jedoch als aufwendig. Im Sommer 2014 entschied sich der Verein erneut für einen Kunstrasen.[7]
Ein wichtiger Grund für die künstliche Oberfläche war der Mangel an eigenen Trainingsplätzen. Die erste Mannschaft und verschiedene Nachwuchsteams nutzten deshalb regelmässig auch das Stadion für Trainingseinheiten.
Im Sommer 2023 wurde ein neuer Kunstrasen verlegt, der den Anforderungen des nationalen und internationalen Spielbetriebs entsprach.[8]
Für die UEFA Women’s Euro 2025 verlangte die UEFA einen Naturrasen. Von Juni bis September 2025 wurde deshalb auf dem bestehenden Kunstrasen vorübergehend ein Naturrasen eingebaut. Nach dem Turnier und den ersten Heimspielen der Saison 2025/26 wurde dieser wieder entfernt. Seit September 2025 wird das Stadion erneut mit Kunstrasen betrieben.[9]
Der BSC Young Boys strebt längerfristig einen dauerhaften Wechsel zu Naturrasen an. Voraussetzung dafür sind ausreichende externe Trainingsmöglichkeiten für die Männer-, Frauen- und Nachwuchsteams.
Sonnenkraftwerk
Auf dem Dach des Stadions befindet sich ein grossflächiges Sonnenkraftwerk der BKW. Die Anlage war bei ihrer Inbetriebnahme eines der grössten stadionintegrierten Solarkraftwerke der Welt.
Die erste Bauetappe wurde 2005 fertiggestellt. Im Jahr 2007 erfolgte der Vollausbau. Die mit Solarmodulen belegte Dachfläche wurde dabei von rund 8000 auf 12'000 Quadratmeter erweitert.
Die Anlage besteht aus ungefähr 8000 Solarmodulen und besitzt eine Spitzenleistung von rund 1,3 Megawatt. Bei günstigen Bedingungen kann sie jährlich ungefähr 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Dies entsprach bei der Fertigstellung dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 400 Haushalten.[10]
Die Solarmodule sind in die Dacharchitektur integriert. Eine als «Solardraisine» bezeichnete bewegliche Konstruktion ermöglichte eine bessere Nutzung der verfügbaren Dachfläche.
Bei ihrer Errichtung kostete die gesamte Solaranlage rund zehn Millionen Franken. Das Kraftwerk wurde als Beispiel für die Verbindung von Grosssportanlagen mit erneuerbarer Energie wahrgenommen und erhielt eine Auszeichnung der Solar Agentur Schweiz.
Fussball
BSC Young Boys
Das Stadion Wankdorf ist die Heimstätte der ersten Männer- und Frauenmannschaft sowie verschiedener Nachwuchsteams des BSC Young Boys. Die Männer spielen ihre Heimspiele in der Super League, im Schweizer Cup und in den europäischen Clubwettbewerben im Wankdorf.
Die Atmosphäre wird besonders durch die Fankurve im Sektor D geprägt. Bei bedeutenden Meisterschafts- und Europacupspielen ist das Stadion regelmässig ausverkauft.
Seit der Eröffnung des heutigen Stadions feierten die Young Boys mehrere Meistertitel und Cupsiege. Besondere Bedeutung besass der Meistertitel von 2018, mit dem der Verein nach 32 Jahren wieder Schweizer Meister wurde. Der entscheidende Heimsieg gegen den FC Luzern wurde vor ausverkauftem Stadion erreicht.
Das Stadion war zudem Austragungsort von Spielen der UEFA Champions League, der Europa League und der Conference League. Zu den internationalen Gegnern im Wankdorf gehörten unter anderem Manchester United, Juventus Turin, Manchester City, Atalanta Bergamo, AS Roma und Roter Stern Belgrad.
Schweizer Nationalmannschaft
Die Schweizer Nationalmannschaft bestritt sowohl im früheren als auch im heutigen Wankdorfstadion zahlreiche Länderspiele. Die Bedeutung Berns als Spielort nahm nach dem Wechsel zu Kunstrasen zeitweise ab, da die Nationalmannschaft ihre Heimspiele bevorzugt auf Naturrasen austrug.
Bei internationalen Turnieren wurde für das Stadion jeweils ein Naturrasen beziehungsweise eine besondere Turnierunterlage vorgesehen.
Fussball-Europameisterschaft 2008
Das damalige Stade de Suisse war einer der vier Schweizer Austragungsorte der gemeinsam von der Schweiz und Österreich veranstalteten Fussball-Europameisterschaft 2008.
In Bern fanden drei Gruppenspiele der niederländischen Nationalmannschaft statt:
| Datum | Begegnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 9. Juni 2008 | Niederlande – Italien | 3:0 |
| 13. Juni 2008 | Niederlande – Frankreich | 4:1 |
| 17. Juni 2008 | Niederlande – Rumänien | 2:0 |
Die niederländischen Fans prägten während des Turniers das Berner Stadtbild. Zehntausende Anhängerinnen und Anhänger kamen zu den Spielen und versammelten sich auch ausserhalb des Stadions.
UEFA Women’s Euro 2025
Das Stadion Wankdorf war einer von acht Austragungsorten der Fussball-Europameisterschaft der Frauen 2025. In Bern wurden drei Gruppenspiele und ein Viertelfinal ausgetragen.[11]
Für das Turnier wurde ein Naturrasen verlegt. Ausserdem wurden temporäre Anpassungen an Tribünen, Medienbereichen, Beschilderung, Sicherheitsinfrastruktur und Barrierefreiheit vorgenommen.
Der Viertelfinal zwischen Spanien und der Schweiz am 18. Juli 2025 gehörte zu den meistbeachteten Spielen des Turniers. Das Stadion war ausverkauft.
Schweizer Cup
Das frühere Wankdorfstadion war während Jahrzehnten der traditionelle Austragungsort des Schweizer Cupfinals. Nach dem Neubau fanden ebenfalls mehrere Cupfinals in Bern statt.
Mit dem Wiedererstarken der Young Boys erhielt das Wankdorf auch als Finalort erneut grössere Bedeutung. Da der Heimverein selbst regelmässig am Wettbewerb teilnimmt, wird die Wahl des Austragungsorts gelegentlich diskutiert.
Andere Sportveranstaltungen
Das Stadion wurde neben dem Fussball auch für andere Sportarten genutzt. Besonders bekannt wurden zwei Freiluft-Eishockeyspiele zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern.
Am 14. Januar 2007 fand im damaligen Stade de Suisse das 100. Berner Derby statt. Vor 30'076 Zuschauerinnen und Zuschauern gewann der SC Bern mit 5:2. Die Besucherzahl bedeutete damals einen europäischen Rekord für ein Eishockey-Clubspiel.[12]
Am 2. Januar 2019 wurde das sogenannte Tatzen-Derby erneut im Stadion ausgetragen. Der SC Bern gewann die Partie mit 4:1.
Für die Eishockeyspiele wurde über dem Fussballfeld vorübergehend eine Eisfläche errichtet. Die grosse Entfernung zwischen dem Spielfeld und Teilen der Tribünen stellte dabei eine besondere Herausforderung dar.
Konzerte und Veranstaltungen
Das Stadion Wankdorf ist eine der grössten Konzertstätten der Schweiz. Bei Nutzung des Innenraums können bis zu 44'500 Personen eingelassen werden.
Zu den Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen, die im heutigen Stadion auftraten, gehören unter anderem:
- Bon Jovi;
- Bruce Springsteen;
- AC/DC;
- Herbert Grönemeyer;
- Muse;
- Depeche Mode;
- Foo Fighters;
- Elton John;
- Rammstein;
- Pink.
Für Konzerte werden Bühne, Technik und Schutzbeläge auf dem Spielfeld installiert. Die Möglichkeit, den Kunstrasen abzudecken oder vorübergehend auszubauen, erleichtert die Nutzung für Grossveranstaltungen.
Neben Konzerten finden im Stadion Kongresse, Firmenveranstaltungen, Generalversammlungen, Bankette, Messen und private Feiern statt. Die Lounges, Logen und Veranstaltungsräume können unabhängig vom Fussballbetrieb genutzt werden.
Wankdorf Center
Das Stadion ist Teil des Wankdorf Centers. Das Einkaufszentrum und weitere Nutzungen befinden sich in den äusseren Bereichen der Gesamtanlage.
Das Center umfasst Geschäfte, einen grossen Detailhandelsbetrieb, Gastronomieangebote, Dienstleistungsflächen und ein Parkhaus. Die kommerziellen Nutzungen waren ein zentrales Element des Finanzierungskonzepts für den Stadionneubau.
Vor dem westlichen Stadioneingang entstand ein Quartierplatz. Er verbindet das Stadion mit dem gegenüberliegenden Solitärgebäude und dient bei Veranstaltungen als Zugangs-, Aufenthalts- und Begegnungsraum.
Die Verbindung von Stadion und Einkaufszentrum führt dazu, dass das Gelände auch ausserhalb von Spiel- und Veranstaltungstagen stark genutzt wird.
Verkehr
Öffentlicher Verkehr
Das Stadion ist mit mehreren öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar:
- Tramlinie 9 bis zur Haltestelle Guisanplatz Expo;
- Buslinie 20 bis zur Haltestelle Wyler;
- verschiedene S-Bahn- und Regionalzüge bis zum Bahnhof Bern Wankdorf;
- RBS-Buslinie 40 bis Wankdorf Center.
Der Bahnhof Bern Wankdorf wurde Ende 2004 eröffnet und liegt wenige Gehminuten vom Stadion entfernt. Er wird von mehreren Linien der S-Bahn Bern bedient.
Bei Heimspielen der Young Boys ist die Hin- und Rückfahrt in den Libero-Zonen 100 und 101 in vielen Matchtickets und Saisonkarten enthalten. Die Gültigkeit beginnt drei Stunden vor dem Spiel und endet drei Stunden nach Spielschluss.[1]
Strassenverkehr
Das Stadion liegt nahe dem Autobahnanschluss Bern-Wankdorf der Autobahn A1. Bei Grossveranstaltungen wird der motorisierte Verkehr mit temporären Signalisationen und besonderen Verkehrskonzepten gelenkt.
Parkmöglichkeiten bestehen vor allem auf dem BERNEXPO-Gelände und in den Parkhäusern der Umgebung. Der BSC Young Boys und die Stadt Bern empfehlen wegen des hohen Verkehrsaufkommens die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Fuss- und Veloverkehr
Aus den angrenzenden Quartieren kann das Stadion über ein Netz von Fuss- und Velowegen erreicht werden. Rund um das Stadion befinden sich Abstellplätze für Fahrräder.
Bei grossen Spielen werden einzelne Strassen und Plätze zeitweise für den motorisierten Verkehr gesperrt. Dadurch entstehen gesicherte Zugangsbereiche für die Zuschauerströme.
Denkmäler und Erinnerungsorte
Vor dem Stadion erinnert die restaurierte Matchuhr des WM-Finals von 1954 an das bedeutendste Spiel des früheren Wankdorfstadions. Die Uhr zeigt die 90. Minute und den Endstand von 3:2.
Weitere Elemente im Stadion und seiner Umgebung erinnern an die Geschichte des BSC Young Boys und des früheren Wankdorfs. Dazu gehören historische Fotografien, Ausstellungselemente, Vereinsfarben und Hinweise auf bedeutende Spieler, Trainer und Spiele.
Im Stadion befindet sich auch das YB-Museum. Es dokumentiert die Geschichte des 1898 gegründeten Vereins anhand von Pokalen, Trikots, Fotografien, Dokumenten und weiteren Erinnerungsstücken.
Bedeutung
Das Stadion Wankdorf ist eng mit der sportlichen Identität Berns verbunden. Für die Anhängerinnen und Anhänger der Young Boys ist es nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern ein zentraler sozialer und emotionaler Treffpunkt.
Der Name Wankdorf besitzt wegen des WM-Finals von 1954 internationale Bekanntheit. Obwohl das damalige Stadion nicht mehr existiert, wird die historische Bedeutung auf den heutigen Bau übertragen.
Architektonisch und wirtschaftlich ist die Anlage ein Beispiel für die in den 1990er- und 2000er-Jahren verbreitete Verbindung moderner Stadien mit Einkaufs-, Büro- und Veranstaltungsnutzungen.
Das grosse Sonnenkraftwerk machte den Bau zudem zu einem frühen Beispiel für die Nutzung weitläufiger Stadiondächer zur Produktion erneuerbarer Energie.
Literatur
- Charles Beuret: 100 Jahre für YB. Die Geschichte des Vereins Fussballstadion Wankdorf. Bern 2021.
- Werner Skrentny: Das grosse Buch der deutschen Fussballstadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9.
- Matthias Weinrich: Der Europapokal. Band 1: 1955 bis 1974. Agon Sportverlag, Kassel 2007, ISBN 978-3-89784-252-6.
- Christian Koller: Bern 1954. Fussball und Gesellschaft im Zeichen des WM-Finals. Bern.
- BSC Young Boys: 20 Jahre Stadion Wankdorf. Bern 2025.
Weblinks
- Offizielle Stadionseite des BSC Young Boys
- Geschichte der YB-Stadien
- Veranstaltungen und Kongresse im Stadion Wankdorf
- Offizielle Website des Wankdorf Centers
- Informationen von Bern Welcome
Siehe auch
- Wankdorfstadion (1925)
- BSC Young Boys
- Sport in Bern
- Fussball-Weltmeisterschaft 1954
- Fussball-Europameisterschaft 2008
- Fussball-Europameisterschaft der Frauen 2025
- Liste der grössten Fussballstadien der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 BSC Young Boys: Unser Stadion, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 BSC Young Boys: Geschichte der YB-Stadien, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BSC Young Boys: 100 Jahre Stadion Wankdorf, 18. Oktober 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ UEFA: Women’s EURO 2025 host cities: Venue guide, aktualisiert am 30. Juni 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BSC Young Boys Events: Informationen für Event-Veranstalter, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Host City Bern: Stadion Wankdorf – das Stadion in Zahlen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BSC Young Boys: YB spielt in der neuen Saison auf Kunstrasen, 3. Juni 2014, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BSC Young Boys: Kunstrasen-Wechsel im Stadion Wankdorf, 27. Juni 2023, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BSC Young Boys: Bald wieder auf Kunstrasen, 2. September 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ BKW: Ausbau des weltgrössten stadionintegrierten Sonnenkraftwerks abgeschlossen, 16. August 2007, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Stadt Bern: Berner Ballzauber – UEFA Women’s Euro 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ SRF: Heute vor 15 Jahren: Erstes Tatzenderby im Fussballstadion, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Stadion Wankdorf