Bahnhof Bern

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Bahnhof Bern
Gemeinde Bern
Kanton Bern
Lage Durchgangsbahnhof mit unterirdischem Kopfbahnhof
Eröffnung 1857
Innerstädtischer Bahnhof seit 1860
Heutige Bahnhofsanlage seit 1974
Betreiber Schweizerische Bundesbahnen, Regionalverkehr Bern–Solothurn
Normalspurgleise 14
Meterspurgleise 4
Höhe rund 540 m ü. M.
Koordinaten 46.9489° N, 7.4394° E
Verkehrsverbund Libero
Website sbb.ch

Der Bahnhof Bern ist der zentrale Bahnhof der Schweizer Bundesstadt Bern und einer der wichtigsten Eisenbahnknoten des Landes. Nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ist er der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz.[1]

Die Anlage besteht aus einem normalspurigen Durchgangsbahnhof der SBB und einem darunter liegenden meterspurigen Kopfbahnhof des Regionalverkehrs Bern–Solothurn (RBS). Neben Zügen der SBB und des RBS wird der Bahnhof von der BLS bedient. Er ist der wichtigste Knoten der S-Bahn Bern und ermöglicht den Umstieg auf das städtische Tram- und Busnetz von Bernmobil sowie auf zahlreiche Postautolinien.

Der Bahnhof liegt unmittelbar westlich der historischen Berner Altstadt. Seine Gleise befinden sich weitgehend auf der Höhe der angrenzenden Stadtquartiere, während ein grosser Teil der Publikums-, Einkaufs- und Umsteigebereiche unterirdisch angeordnet ist. Seit 2017 wird die Anlage im Rahmen des Grossprojekts Zukunft Bahnhof Bern umfassend erweitert.

Lage

Der Bahnhof liegt am westlichen Rand der Berner Altstadt zwischen dem Bahnhofplatz und der Grossen Schanze. Südlich der Gleisanlagen befinden sich der Bahnhofplatz, der Bubenbergplatz, das Berner Generationenhaus im ehemaligen Burgerspital und die Heiliggeistkirche. Nördlich schliessen die Grosse Schanze, die Universität Bern und das Länggassquartier an.

Der Haupteingang befindet sich am Bahnhofplatz. Weitere Zugänge führen von der Neuengasse, der Christoffelunterführung, der Schanzenstrasse und der Passerelle «Welle» in den Bahnhof. Die über den Gleisen gelegene Postautostation und die Bahnhofvorfahrt sind über Aufzüge mit den übrigen Bahnhofsebenen verbunden.

Durch seine Lage verbindet der Bahnhof die Altstadt mit den westlichen Stadtteilen und dem Länggassquartier. Er ist zugleich ein bedeutender Fussgängerknoten: Ein grosser Teil der Menschen, die zwischen Altstadt, Universität, Bundesverwaltung und den angrenzenden Geschäftsgebieten unterwegs sind, durchquert die Bahnhofsanlage oder ihr unmittelbares Umfeld.

Bahnhofsanlage

Normalspurbahnhof

Der normalspurige Teil ist ein Durchgangsbahnhof mit 14 öffentlich genutzten Gleisen. Es handelt sich um die Gleise 1 bis 10, 12 und 13 sowie die Gleise 49 und 50. Die Nummer 11 wird im Publikumsverkehr nicht verwendet. Die Gleise 49 und 50 bilden westliche Verlängerungen der Gleise 9 und 10 in Richtung Freiburg.[1]

Die Gleise liegen an sechs Mittelperrons:

  • Gleise 1 und 2;
  • Gleise 3 und 4;
  • Gleise 5 und 6;
  • Gleise 7 und 8;
  • Gleise 9 und 10 mit den westlichen Abschnitten 49 und 50;
  • Gleise 12 und 13.

Der Bahnhof liegt in einer leichten Kurve. Dies erschwert die Anpassung der Perrons an heutige Anforderungen und die Herstellung eines vollständig stufenfreien Einstiegs. Im Zuge des Projekts Zukunft Bahnhof Bern werden die Perrons soweit technisch möglich erhöht und ihre Dächer erneuert.

Die wichtigste Verbindung zwischen den Perrons und der Innenstadt ist die Hauptunterführung im östlichen Bahnhofsteil. Sie erschliesst die Bahnhofshalle, die Christoffelunterführung, den Ausgang Neuengasse, den RBS-Bahnhof und die Aufzüge zur Postautostation.

RBS-Bahnhof

Der bestehende RBS-Bahnhof liegt unterhalb der Bahnhofshalle und ist als viergleisiger Kopfbahnhof ausgeführt. Seine Gleise tragen die Nummern 21 bis 24. Von hier verkehren die S-Bahn-Linien S7, S8 und S9 sowie der RegioExpress nach Solothurn.[1]

Der Tiefbahnhof wurde 1965 eröffnet. Er war ursprünglich für rund 16'000 Fahrgäste pro Tag ausgelegt. Inzwischen benutzen ihn an stark frequentierten Tagen bis zu 60'000 Reisende. Die schmalen und kurzen Perrons sowie die beschränkten Zugänge führten dazu, dass die Anlage ihre Kapazitätsgrenze erreichte.[2]

Nach der Inbetriebnahme des neuen RBS-Tiefbahnhofs soll der bestehende Kopfbahnhof für den regulären Bahnbetrieb aufgegeben werden. Über seine spätere Nutzung wird im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung des Bahnhofareals entschieden.

Hauptunterführung und Bahnhofshalle

Die Hauptunterführung liegt unter dem östlichen Teil der Perronanlagen. Sie enthält Zugänge zu sämtlichen normalspurigen Perrons, zum bestehenden RBS-Bahnhof und zur Bahnhofshalle. Darüber hinaus befinden sich dort Geschäfte, gastronomische Angebote, Dienstleistungen, sanitäre Einrichtungen und Wartebereiche.

Von der Bahnhofshalle führen Ausgänge zum Bahnhofplatz und zur Neuengasse. Die anschliessende Christoffelunterführung verbindet den Bahnhof mit der Spitalgasse, dem Bubenbergplatz, dem Hirschengraben und den Haltestellen des städtischen Verkehrs.

Der Bahnhof bildet zusammen mit den angrenzenden Passagen ein ausgedehntes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Da für Bahnhofgeschäfte besondere Ladenöffnungsregelungen gelten, sind zahlreiche Verkaufsstellen auch an Sonntagen und Feiertagen geöffnet.

Welle von Bern

Die Welle von Bern ist eine im westlichen Bahnhofsteil über den Gleisen angeordnete Passerelle. Sie verbindet die Perrons mit der Schanzenstrasse, dem PostParc und den angrenzenden Quartieren.

Die geschwungenen Perrondächer und die darüber liegende Fussgängerverbindung wurden zum Fahrplanwechsel 2004 in Betrieb genommen. Die Welle entstand im Zusammenhang mit der Umsetzung des Projekts Bahn 2000 und sollte die Hauptunterführung entlasten sowie die Umsteigewege im westlichen Bahnhofsteil verkürzen.[3]

Treppen, Rolltreppen und Aufzüge verbinden die Passerelle mit den Perrons. Der Zugang besitzt besondere Bedeutung für Reisende, deren Züge in den westlichen Sektoren der langen Bahnsteige halten.

Postautostation

Die Postautostation befindet sich auf dem Dach der Bahnhofanlage. Von dort verkehren regionale Buslinien in die Umgebung von Bern. Sie ist über Aufzüge mit der Hauptunterführung, den Perrons und der Bahnhofvorfahrt verbunden.

Die erhöhte Lage ermöglicht eine weitgehende Trennung des regionalen Busverkehrs vom dichten Fussgänger-, Tram- und Strassenverkehr auf dem Bahnhofplatz. Die Station wird im Zusammenhang mit den Bauarbeiten im Bahnhofumfeld ebenfalls erneuert und an die künftigen Passantenströme angepasst.

Eisenbahnverkehr

Bedeutung als Bahnknoten

Der Bahnhof Bern liegt an der wichtigsten Ost-West-Achse des schweizerischen Eisenbahnnetzes. Über ihn verkehren zahlreiche Züge zwischen der Deutschschweiz und der Romandie. Gleichzeitig treffen in Bern Verbindungen aus dem Mittelland, dem Berner Oberland, dem Emmental, dem Seeland, dem Wallis und der Zentralschweiz zusammen.

Zu den wichtigsten von Bern ausgehenden Strecken gehören:

  • die Strecke über Olten in Richtung Basel, Zürich und Ostschweiz;
  • die Strecke über Freiburg nach Lausanne und Genf;
  • die Strecke über Thun ins Berner Oberland und durch den Lötschberg ins Wallis;
  • die Strecke über Biel/Bienne in Richtung Jurasüdfuss und Basel;
  • die Strecke über Neuenburg nach La Chaux-de-Fonds;
  • die Strecke über Burgdorf und Langnau in Richtung Luzern;
  • die Gürbetalstrecke über Belp nach Thun;
  • die Strecke nach Schwarzenburg;
  • die RBS-Strecken nach Worb, Unterzollikofen und Solothurn.

Der Bahnhof wird von InterCity-, InterRegio-, RegioExpress-, Regional- und S-Bahn-Zügen bedient. Ein Teil des Fernverkehrs wird durch die BLS im Rahmen der Fernverkehrskonzession der SBB geführt. Dazu gehören Verbindungen zwischen Bern und Biel, Burgdorf–Olten sowie Neuenburg–La Chaux-de-Fonds.[4]

S-Bahn Bern

Bern ist der zentrale Knoten der S-Bahn Bern. Die normalspurigen Linien werden überwiegend von der BLS betrieben und verbinden die Bundesstadt unter anderem mit Freiburg, Laupen, Thun, Belp, Biel/Bienne, Neuenburg, Burgdorf, Langnau, Schwarzenburg und dem westlichen Stadtgebiet.

Die meterspurigen RBS-Linien erschliessen den Nordosten der Agglomeration. Die Linien S7, S8 und S9 sowie der RegioExpress Bern–Solothurn beginnen und enden im unterirdischen RBS-Bahnhof.[5]

Durch die Bündelung zahlreicher Linien entstehen in den Hauptverkehrszeiten kurze Zugfolgen. Die beschränkten Perron- und Zugangskapazitäten des bestehenden Bahnhofs gehören jedoch zu den wichtigsten Engpässen der Berner S-Bahn.

Städtischer Verkehr

Auf dem Bahnhofplatz und in den angrenzenden Strassen halten mehrere Tram- und Buslinien von Bernmobil. Sie verbinden den Bahnhof mit der Altstadt, den Stadtquartieren und den Nachbargemeinden.

Die Haltestellen sind auf mehrere Bereiche verteilt:

  • Bahnhofplatz und Baldachin;
  • Bubenbergplatz;
  • Hirschengraben;
  • Schanzenstrasse;
  • Postautostation über den Gleisen.

Der Bahnhofplatz gehört zu den am stärksten frequentierten Haltestellenbereichen des städtischen Verkehrs. Die kurzen Umsteigewege zwischen Eisenbahn, Tram, Bus, Postauto, Taxi, Velo- und Fussverkehr machen den Bahnhof zum wichtigsten Mobilitätsknoten der Region Bern.

Geschichte

Provisorischer Bahnhof im Wylerfeld

Die Schweizerische Centralbahn eröffnete 1857 die Bahnstrecke von Olten nach Bern. Da die Eisenbahnbrücke über die Aare noch nicht fertiggestellt war, endeten die ersten Züge in einem provisorischen Bahnhof im Wylerfeld ausserhalb des damaligen Stadtgebiets.[3]

Nach der Fertigstellung der sogenannten Roten Brücke konnte die Bahn 1858 bis an den Rand der Altstadt verlängert werden. Zunächst wurde ein weiterer provisorischer Bahnhof zwischen dem Burgerspital und der Heiliggeistkirche genutzt.

Erster innerstädtischer Bahnhof

Am 1. Mai 1860 nahm die Centralbahn den definitiven Personenbahnhof mit vier Kopfgleisen in Betrieb. Er befand sich zwischen der Heiliggeistkirche und dem Burgerspital. Gleichzeitig wurde die Strecke nach Westen in Richtung Freiburg verlängert.[6]

Die Anordnung als Kopfbahnhof erwies sich bald als betrieblich ungünstig. Durchgehende Züge mussten ihre Fahrtrichtung wechseln. Bereits 1870 entstand deshalb ein Projekt für quer zu den bisherigen Kopfgleisen angeordnete Durchgangsgleise.

Der Umbau wurde in mehreren Etappen verwirklicht. 1891 war der neue Durchgangsbahnhof fertiggestellt. Für die Erweiterung mussten Teile der Grossen Schanze abgetragen und umfangreiche Stützmauern errichtet werden.

Ausbau im frühen 20. Jahrhundert

1902 wurde der Bahnhof erweitert und dauerhaft mit den Strecken der Bern-Neuenburg-Bahn und der Gürbetalbahn verbunden. Im selben Jahr begann der operative Betrieb der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen.

Das wachsende Verkehrsaufkommen erforderte weitere Gleis-, Perron- und Betriebsanlagen. Westlich des Personenbahnhofs entstanden unter anderem der Güter- und Rangierbahnhof Weyermannshaus sowie das Lokomotivdepot Aebigut.

1930 wurde das damalige Empfangsgebäude um rund 30 Meter verkürzt. Die zurückversetzte Fassade schuf mehr Raum am Bubenbergplatz und veränderte das Erscheinungsbild des Bahnhofareals erheblich.[3]

Standortdebatte und Neubau

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Varianten für einen Ausbau oder eine Verlegung des Bahnhofs untersucht. Ein besonders weitreichendes Projekt sah einen neuen Bahnhof an der Laupenstrasse vor.

Die Berner Stimmberechtigten lehnten die Verlegung 1956 mit einer Mehrheit von über 60 Prozent ab. SBB, Kanton und Stadt beschlossen daraufhin, den Bahnhof am bestehenden Standort vollständig neu zu bauen.[3]

Die Bauarbeiten begannen 1957 und dauerten bis 1974. Der Bahnverkehr musste während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten werden. Gleise, Perrons, Unterführungen und Gebäude wurden deshalb in zahlreichen aufeinander abgestimmten Etappen erneuert.

1965 ging der unterirdische RBS-Bahnhof in Betrieb. Das neue SBB-Empfangsgebäude wurde 1974 fertiggestellt. Der teilweise mit Glas verkleidete Stahlbetonbau entsprach der funktionalistischen Architektur der 1960er- und frühen 1970er-Jahre.

Umbauten von 1999 bis 2005

Ende des 20. Jahrhunderts genügten die Publikumsbereiche und das Erscheinungsbild des Gebäudes nicht mehr den Anforderungen eines stark wachsenden Bahnhofs. Nach einem Wettbewerb im Jahr 1999 führte das Berner Architekturbüro Atelier 5 zwischen 2000 und 2005 eine umfassende Gesamtsanierung durch.

Dabei wurde die vormals weitgehend geschlossene Fassade zum Bahnhofplatz geöffnet und durch eine doppelschalige Glasfassade ersetzt. Neue Raumverbindungen verbesserten die Orientierung zwischen Bahnhofplatz, Neuengasse, Postautostation und den inneren Bahnhofsebenen. Gleichzeitig wurden die Geschäfts- und Dienstleistungsflächen erweitert.[7]

Die verschiedenen Bauetappen wurden 2002, 2003 und 2005 eröffnet. Der Umbau gab dem Empfangsgebäude sein heutiges, transparentes Erscheinungsbild.

Neuer Bahnhofplatz

Zwischen 2007 und 2008 wurden der Bahnhofplatz, der Bubenbergplatz, die Christoffelunterführung und Teile des Hirschengrabens neu gestaltet. Ein auffälliges Element ist der gläserne Baldachin über den Tram- und Bushaltestellen sowie den Zugängen zur Christoffelunterführung.

Der neue Bahnhofplatz wurde im Mai 2008 offiziell eröffnet. Das Projekt sollte die Beziehungen zwischen Bahnhof, Altstadt und öffentlichem Verkehr verbessern und den Bahnhofplatz als städtischen Raum neu ordnen.[8]

Der Baldachin wurde bereits während der Planung kontrovers diskutiert. Kritiker befürchteten eine Beeinträchtigung des historischen Stadtbildes und der Sicht auf die Heiliggeistkirche. Befürworter sahen darin ein neues Eingangstor zur Berner Altstadt.

Zukunft Bahnhof Bern

Gründe für den Ausbau

Der Bahnhof erreicht während der Hauptverkehrszeiten seine räumlichen und betrieblichen Kapazitätsgrenzen. Besonders stark belastet sind die Hauptunterführung, die Perronzugänge und der bestehende RBS-Bahnhof.

Als Planungsgrundlage wurde 2016 von rund 270'000 täglich ein- und aussteigenden Bahnreisenden ausgegangen. Für 2030 wurde ein Anstieg auf rund 375'000 Personen prognostiziert.[9]

Das Gesamtprojekt wird gemeinsam von SBB, RBS, Stadt und Kanton Bern sowie weiteren Partnern umgesetzt. Es soll die Sicherheit erhöhen, die Personenströme besser verteilen und Kapazitäten für den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs schaffen.

Neuer RBS-Tiefbahnhof

Der neue RBS-Bahnhof entsteht unterhalb der normalspurigen Gleise 2 bis 7. Er besteht aus zwei unterirdischen Bahnhofshallen mit jeweils zwei Gleisen und einem zwölf Meter breiten Mittelperron.[2]

Rolltreppen und Aufzüge führen von den Perrons zu einer gemeinsamen Verteilebene. Von dort entstehen Verbindungen zu den SBB-Perrons, zur neuen Unterführung Mitte und zu den Bahnhofsausgängen.

Die Zufahrt erfolgt durch einen knapp einen Kilometer langen zweigleisigen Tunnel. Dieser zweigt vom bestehenden RBS-Schanzentunnel ab und verläuft überwiegend unter Strassen und Bahnanlagen. Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2017.

Unterführung Mitte

Die SBB erstellt westlich der bestehenden Hauptunterführung eine zusätzliche Personenunterführung. Die Unterführung Mitte erschliesst sämtliche SBB-Perrons und den neuen RBS-Bahnhof.

An ihren Enden entstehen zwei neue Bahnhofszugänge:

  • der Zugang Bubenberg beim Bubenbergzentrum und Hirschengraben;
  • der Zugang Länggasse bei der Grossen Schanze und der Schanzenbrücke.

Der Zugang Bubenberg wird als zweiter vollwertiger Hauptzugang geplant. Er soll die bestehenden Anlagen am Bahnhofplatz und in der Hauptunterführung entlasten. Der Zugang Länggasse verkürzt die Wege zur Universität und in die nördlich der Gleise gelegenen Quartiere.[10]

Zur Aufwertung der Perronhalle wird die südliche Wand in Richtung Generationenhaus teilweise geöffnet und durch eine grosse Glasfront ersetzt. Dadurch soll mehr Tageslicht in die Gleis- und Passagenbereiche gelangen.

Terminverzögerungen

Die Eröffnung der zentralen Projektteile war ursprünglich für 2027 und später für Ende 2029 vorgesehen. Im Dezember 2025 teilten die Projektpartner mit, dass auch der Termin 2029 nicht eingehalten werden könne.

Als Ursachen wurden unter anderem anspruchsvolle statische Arbeiten, unerwartete Schadstofffunde, Abweichungen zwischen alten Plänen und dem tatsächlichen Bestand, die komplexe Geologie sowie die Bauarbeiten unter laufendem Bahnbetrieb genannt.

Nach dem Planungsstand von 2026 wird die Inbetriebnahme des ausgebauten Bahnhofs für 2031 angestrebt. Der genaue Termin muss noch in der Detailplanung bestätigt werden. Die SBB rechnet damit, dass einzelne Bau- und Abschlussarbeiten bis 2032 dauern können.[11][1]

Die Projektpartner bezifferten die gegenüber dem früheren Stand erwarteten Mehrkosten im Dezember 2025 auf rund 200 bis 250 Millionen Franken. Die Kostenentwicklung wird im Rahmen der überarbeiteten Bau- und Finanzplanung weiter überprüft.[11]

Architektur und Stadtbild

Der Bahnhof Bern ist weniger ein einzelnes Gebäude als ein vielschichtiger Gebäudekomplex. Gleise, Perrons, Passagen, Geschäftsflächen, Büros, Parkierungsanlagen und Verkehrsstationen liegen auf mehreren Ebenen übereinander.

Das 1974 eröffnete Empfangsgebäude ist ein Stahlbetonbau der Nachkriegsmoderne. Die Sanierung durch Atelier 5 ersetzte die frühere Fassadenwirkung durch eine transparente Glashülle und öffnete den Bau stärker zur Stadt.

Der gläserne Baldachin auf dem Bahnhofplatz nimmt eine eigenständige städtebauliche Rolle ein. Er überdeckt Haltestellen und Treppenanlagen und markiert den Übergang vom Bahnhof zur Altstadt. Das geschwungene Dach steht in bewusstem Gegensatz zu den historischen Gebäuden des Platzes.

Die Passerelle Welle bildet mit ihren wellenförmigen Dächern einen weiteren architektonischen Akzent. Sie ist vom Stadtzentrum aus weniger sichtbar, prägt jedoch die westliche Bahnhofseite und die Verbindung zum PostParc.

Dienstleistungen und Einrichtungen

Der Bahnhof verfügt über ein Reisezentrum, Verkaufsstellen verschiedener Verkehrsunternehmen, Gastronomiebetriebe, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Dienstleistungsbetriebe, Schliessfächer und sanitäre Einrichtungen.

Mehrere Velostationen befinden sich in unmittelbarer Umgebung. Grössere Anlagen liegen beim PostParc, bei der Welle, am Bollwerk und an der Schanzenbrücke. Sie bieten zusammen mehrere tausend überwachte oder geschützte Abstellplätze.[12]

Taxis und private Fahrzeuge können die Bahnhofvorfahrt oberhalb der Gleise zum kurzzeitigen Ein- und Aussteigen nutzen. Parkhäuser befinden sich unter anderem beim Bahnhof und im benachbarten PostParc.

Für Personen mit eingeschränkter Mobilität stehen Aufzüge, Rolltreppen, Rampen, taktile Leitlinien sowie Beschriftungen in Braille- und Reliefschrift zur Verfügung. Wegen der laufenden Bauarbeiten können einzelne Wege und Perronzugänge vorübergehend verändert oder gesperrt sein.

Bedeutung

Der Bahnhof Bern ist für den schweizerischen Taktfahrplan von zentraler Bedeutung. Zahlreiche Fernverkehrszüge treffen annähernd gleichzeitig ein und ermöglichen Anschlüsse in unterschiedliche Landesteile. Verspätungen oder Betriebsstörungen in Bern können sich deshalb auf weite Teile des Bahnnetzes auswirken.

Für die Region Bern ist die Station der wichtigste Umsteigepunkt zwischen Fernverkehr, S-Bahn, Regionalbahn, Tram, Bus und Postauto. Sie erschliesst die Berner Altstadt, das Bundeshaus, die Universität und zahlreiche Arbeitsplätze der Bundesverwaltung.

Der Bahnhof ist zugleich ein bedeutender öffentlicher Raum und ein wirtschaftliches Zentrum. Neben Reisenden nutzen ihn täglich zahlreiche Personen als Einkaufsort, Fussgängerverbindung oder Zugang zu den angrenzenden Quartieren.

Siehe auch

Literatur

  • Werner Huber: Bahnhof Bern 1860–2010. Planungsgeschichte, Architektur, Kontroversen. Scheidegger & Spiess, Zürich 2010.
  • Bernhard Giger, Hansueli Trachsel: Ankommen in Bern. Der Bahnhofplatz – 150 Jahre Geschichte und Geschichten. Stämpfli, Bern 2008.
  • SBB-Fachstelle für Denkmalschutzfragen, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Architektur- und Technikgeschichte der Eisenbahnen in der Schweiz. Band 3, Zürich 2010.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bahnhofsbeschrieb Bern, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Der neue RBS-Bahnhof, Zukunft Bahnhof Bern, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Bahnhof Bern, Neubau- und Umbauprojekte, 1880–1972, SBB Historic, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Fernverkehr, Bundesamt für Verkehr, abgerufen am 3. August 2026.
  5. S-Bahn Bern, Regionalverkehr Bern–Solothurn, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Chronik der Stadt Bern, Statistik Stadt Bern, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Bahnhof Bern, Atelier 5, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Bahnhofplatz, Stadt Bern, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Zukunft Bahnhof Bern – Mitwirkungsbericht, Stadt Bern, 30. April 2020, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Neue SBB-Unterführungen und Zugänge, Zukunft Bahnhof Bern, abgerufen am 3. August 2026.
  11. 11,0 11,1 «Zukunft Bahnhof Bern»: Ausbau läuft in vielen Bereichen gut – Komplexität führt jedoch zu Verzögerungen, Schweizerische Bundesbahnen, 11. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Bahnhof Bern, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.

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