Grosser St. Bernhard

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Grosser St. Bernhard
Blick vom Grossen St. Bernhard in Richtung Italien
Andere Namen Col du Grand-Saint-Bernard
Colle del Gran San Bernardo
Passhöhe 2'469 m ü. M.
Gebirge Walliser Alpen
Lage Kanton Wallis, Schweiz
Aostatal, Italien
Koordinaten 45° 52′ 12″ N, 7° 10′ 19″ O
Nordseite Val d’Entremont
Südseite Valle del Gran San Bernardo
Orte Bourg-Saint-Pierre
Saint-Rhémy-en-Bosses
Ausbau Passstrasse
Schweizer Strasse Hauptstrasse 21
Italienische Strasse Strada Statale 27
Wintersperre in der Regel Oktober bis Juni
Tunnel Grosser-St.-Bernhard-Tunnel

Der Grosse St. Bernhard ist ein 2'469 Meter hoher Alpenpass in den Walliser Alpen. Er verbindet das Val d’Entremont im schweizerischen Kanton Wallis mit dem italienischen Aostatal. Über die Passhöhe verläuft die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien. Auf Französisch heisst der Übergang Col du Grand-Saint-Bernard, auf Italienisch Colle del Gran San Bernardo.

Der Grosse St. Bernhard gehört zu den ältesten und geschichtlich bedeutendsten Übergängen der Westalpen. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit wurde die Route genutzt. Die Römer bauten sie zu einer wichtigen Verbindung zwischen Norditalien und dem Gebiet nördlich der Alpen aus. Im Mittelalter führte ein bedeutender Pilger- und Handelsweg über den Pass. Um 1050 entstand auf der Passhöhe das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard, das Reisenden Schutz und Unterkunft bot.

Der Pass ist zudem der Ursprungsort der Hunderasse Bernhardiner. Die Hunde wurden vom Hospiz zur Begleitung und Suche nach in Schnee und Unwettern verirrten Reisenden eingesetzt. Seit der Eröffnung des Grosser-St.-Bernhard-Tunnels im Jahr 1964 wird der motorisierte Transitverkehr überwiegend unter dem Pass hindurchgeführt.

Name

Die Bezeichnung des Passes änderte sich im Verlauf seiner langen Geschichte mehrfach. In der Antike war der Übergang als Mons Poeninus bekannt. Der Name bezog sich wahrscheinlich auf eine lokale oder keltische Gottheit namens Poeninus, die später von den Römern mit Jupiter gleichgesetzt wurde.

Auf der Passhöhe errichteten die Römer einen Jupitertempel. In der Folge wurde der Übergang als Mons Iovis, «Berg des Jupiter», bezeichnet. Aus diesem lateinischen Namen entwickelte sich die mittelalterliche Bezeichnung Mont-Joux, die bis weit ins Mittelalter gebräuchlich blieb.[1]

Der heutige Name geht auf den heiligen Bernhard von Menthon zurück, der auch Bernhard von Montjoux oder Bernhard von Aosta genannt wird. Ihm wird die Gründung des Hospizes um 1050 zugeschrieben. Die Bezeichnung «Grosser» St. Bernhard dient der Unterscheidung vom Kleinen St. Bernhard, einem weiter südwestlich gelegenen Alpenpass zwischen dem Aostatal und dem französischen Département Savoie.

Im deutschsprachigen Raum sind sowohl die Schreibweisen Grosser St. Bernhard als auch Grosser Sankt Bernhard verbreitet. In der französischsprachigen Region wird meist die Form Grand-Saint-Bernard verwendet.

Geographie

Der Grosse St. Bernhard liegt im südwestlichen Teil des Kantons Wallis und im Gebiet der italienischen autonomen Region Aostatal. Die Passhöhe befindet sich auf der Grenze zwischen den Gemeinden Bourg-Saint-Pierre auf Schweizer Seite und Saint-Rhémy-en-Bosses auf italienischer Seite.

Der Übergang liegt zwischen der rund 2'889 Meter hohen Grande Chenalette im Westen und dem etwa 2'866 Meter hohen Mont Mort im Osten. Beide Berge gehören zum Gebirgszug der Walliser oder Penninischen Alpen. Der Pass bildet eine natürliche Einsattelung innerhalb des ansonsten schwer überwindbaren Alpenkamms.

Die genaue Höhenangabe kann je nach Messpunkt geringfügig variieren. Für die topografische Passhöhe wird gewöhnlich ein Wert von 2'469 Metern über Meer angegeben. Das etwas höher gelegene Hospiz befindet sich auf rund 2'472 Metern über Meer.[2]

Nordseite

Die Schweizer Nordrampe führt durch das Val d’Entremont, ein südliches Seitental des Rhonetals. Die Passroute beginnt im Raum Martigny, folgt zunächst der Dranse und verläuft über Sembrancher, Orsières, Liddes und Bourg-Saint-Pierre.

Von Bourg-Saint-Pierre steigt die Strasse durch eine zunehmend hochalpine Landschaft an. Sie passiert den Stausee Lac des Toules und erreicht das Gebiet von Bourg-Saint-Bernard, wo sich die Zufahrt zum Strassentunnel von der eigentlichen Passstrasse trennt.

Die letzten rund sechs Kilometer zur Passhöhe führen über eine kurvenreiche Strasse oberhalb der Baumgrenze. Wegen der grossen Schneemengen ist dieser Abschnitt während eines beträchtlichen Teils des Jahres geschlossen.

Das Wasser auf der Nordseite fliesst über die Dranse d’Entremont und die Dranse zur Rhone und schliesslich ins Mittelmeer.

Südseite

Auf der italienischen Seite senkt sich die Passstrasse durch das Valle del Gran San Bernardo nach Saint-Rhémy-en-Bosses. Danach führt sie über Saint-Oyen und Étroubles nach Aosta.

Die italienische Passstrasse trägt die Bezeichnung Strada Statale 27 del Gran San Bernardo. Der südliche Anstieg ist von offenen Hochweiden, Felslandschaften und zahlreichen Kehren geprägt.

Die Gewässer auf der Südseite fliessen über den Torrent du Grand-Saint-Bernard, die Artanavaz und den Buthier zur Dora Baltea. Diese mündet später in den Po.

Passsee

Unmittelbar bei der Passhöhe liegt der kleine Lac du Grand-Saint-Bernard. Der hochalpine See befindet sich grösstenteils auf Schweizer Gebiet und ist von Fels- und Schuttflächen umgeben. Während des Winters und oft bis weit ins Frühjahr hinein ist er von Schnee und Eis bedeckt.

Das Hospiz, die Passstrasse und der See bilden zusammen eine charakteristische hochalpine Kulturlandschaft. Das Gebiet ist ein beliebtes Ziel für Wandernde, Pilger, Velofahrende und Reisende.

Klima

Aufgrund seiner Höhenlage besitzt der Grosse St. Bernhard ein raues hochalpines Klima. Die Winter sind lang und schneereich, während die Sommer kurz und kühl bleiben. Auch während der Sommermonate können Schneefälle, Nebel, starke Winde und rasche Wetterwechsel auftreten.

Auf der Passhöhe werden regelmässig aussergewöhnlich grosse Schneemengen gemessen. In einzelnen Wintern können sich entlang der Passstrasse Schneeschichten von mehreren Metern Höhe ansammeln. Lawinen, Schneeverwehungen und Steinschlag stellen erhebliche Gefahren für den Verkehr dar.

Die Passstrasse wird gewöhnlich im Juni geöffnet und im Oktober wieder geschlossen. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Schneelage und den Sicherheitsverhältnissen ab. Vor der sommerlichen Öffnung müssen grosse Mengen Schnee geräumt und die Strasse auf Schäden untersucht werden.

Das Hospiz ist im Gegensatz zur Strasse grundsätzlich ganzjährig erreichbar. Im Winter erfolgt der Zugang jedoch nur zu Fuss, mit Schneeschuhen oder Tourenskiern und setzt entsprechende Erfahrung sowie geeignete Wetter- und Lawinenverhältnisse voraus.

Geschichte

Vorgeschichte

Archäologische Funde entlang der Zufahrtswege zeigen, dass Menschen den Grossen St. Bernhard bereits vor der römischen Epoche überquerten. Gegenstände aus der Eisenzeit deuten darauf hin, dass der Pass zu den ältesten regelmässig genutzten Übergängen der Westalpen gehörte.

Die Route ermöglichte den Austausch zwischen den Bevölkerungsgruppen des Rhonetals, des Wallis, des Aostatals und der norditalienischen Ebene. Neben Handelswaren wurden vermutlich auch Vieh, Metalle und Salz über den Alpenkamm transportiert.

Die frühen Wege waren keine ausgebauten Strassen. Es handelte sich um schmale Saumpfade, die nur während der schneefreien Monate sicher benutzt werden konnten.

Römische Zeit

Nach der Eingliederung des Alpenraums in das Römische Reich gewann der Übergang grosse strategische Bedeutung. Er verband Octodurus, das heutige Martigny, mit Augusta Praetoria, dem heutigen Aosta. Von dort führten Strassen weiter nach Mediolanum, dem heutigen Mailand, sowie in andere Teile Norditaliens.

Unter römischer Herrschaft wurde der Weg ausgebaut und teilweise für Fuhrwerke befahrbar gemacht. Meilensteine, Gebäudereste, Münzen, Votivgaben und andere archäologische Funde belegen die intensive Nutzung der Route.[3]

Auf der Passhöhe befand sich ein Heiligtum, das zunächst dem einheimischen Gott Poeninus und später Jupiter geweiht war. Reisende brachten dort Opfer dar und baten um eine sichere Überquerung. In der Umgebung des Tempels bestanden Unterkünfte und Einrichtungen für Menschen und Tiere.

Der Pass war für das römische Militär, die Verwaltung, den Warentransport und den Nachrichtenverkehr bedeutend. Trotz des Ausbaus blieb die Überquerung aufgrund der Höhenlage und der Witterung gefährlich.

Früh- und Hochmittelalter

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches blieb die Passroute in Gebrauch. Sie wurde von Händlern, Pilgern, Geistlichen, Gesandten, Herrschern und Heeren benutzt. Der Zustand des Weges verschlechterte sich jedoch zeitweise, und die politische Kontrolle über den Übergang wechselte mehrfach.

Der Grosse St. Bernhard lag an einer wichtigen Verbindung zwischen den Königreichen nördlich und südlich der Alpen. Für Pilger auf dem Weg nach Rom stellte er einen der bedeutendsten Übergänge der westlichen Alpen dar.

Die Überquerung war besonders im Winter lebensgefährlich. Schnee, Lawinen, Nebel, Kälte und fehlende Orientierung führten wiederholt zum Tod von Reisenden. Auch Räuber und bewaffnete Gruppen stellten eine Gefahr dar.

Um 1050 gründete Bernhard von Montjoux auf der Passhöhe ein Hospiz. Die Einrichtung sollte Reisenden Schutz, Nahrung, Unterkunft und geistlichen Beistand bieten. Aus dem Hospiz entstand eine Gemeinschaft von Chorherren, deren Tradition der Gastfreundschaft bis in die Gegenwart fortbesteht.[4]

Spätmittelalter und frühe Neuzeit

Im Mittelalter entwickelte sich der Pass zu einer wichtigen Verbindung zwischen dem Wallis, Savoyen, dem Aostatal und den norditalienischen Städten. Händler transportierten Wein, Getreide, Salz, Stoffe, Metalle, Käse und andere Waren über den Berg.

Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bildete der Pass einen Teil der Grenze zwischen dem von den sieben Walliser Zenden beherrschten Gebiet und dem Herzogtum Savoyen. Die Kontrolle des Übergangs war wirtschaftlich und militärisch bedeutsam.

Das Hospiz unterhielt Wege, setzte Markierungen und bot Reisenden Hilfe an. Bei schlechtem Wetter gingen Mitglieder der Gemeinschaft den Ankommenden entgegen. Später wurden dafür auch Hunde eingesetzt.

Trotz seiner Bedeutung verlor der Pass gegenüber tiefer gelegenen oder leichter ausbaubaren Routen zeitweise an Verkehr. Für den regionalen Handel, kirchliche Reisen und den Pilgerverkehr blieb er jedoch wichtig.

Napoleonische Alpenüberquerung

Zu den bekanntesten Ereignissen in der Geschichte des Passes gehört die Alpenüberquerung durch Napoleon Bonaparte. Im Mai 1800 führte er die französische Reservearmee über den Grossen St. Bernhard nach Italien.

Mehrere zehntausend Soldaten, Pferde, Geschütze und Versorgungsgüter mussten über den schneebedeckten Übergang transportiert werden. Schwere Kanonen wurden teilweise zerlegt, auf Schlitten oder in ausgehöhlten Baumstämmen befestigt und mit grossem Aufwand über den Pass gezogen.

Das Hospiz versorgte die durchziehenden Soldaten mit Nahrung und Unterkunft. Die französische Armee hinterliess dabei erhebliche Schulden, die erst viel später teilweise beglichen wurden.

Napoleons Überquerung wurde durch das Gemälde Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Grossen Sankt Bernhard von Jacques-Louis David berühmt. Das Bild zeigt Napoleon auf einem sich aufbäumenden Pferd. Tatsächlich überquerte er den Pass wahrscheinlich unter wesentlich unspektakuläreren Bedingungen auf einem Maultier.

Nach dem Übergang besiegte die französische Armee die österreichischen Truppen im Juni 1800 in der Schlacht bei Marengo.

Ausbau der Passstrasse

Bis ins 19. Jahrhundert war der Grosse St. Bernhard hauptsächlich über einen Saumweg begehbar. Die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Schweiz und Italien führte zu Forderungen nach einer modernen Fahrstrasse.

Auf der Schweizer Seite erreichte eine für Fuhrwerke geeignete Strasse gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Passhöhe. Die durchgehende Strassenverbindung nach Aosta wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollendet.

Der Ausbau erleichterte den Postverkehr, den Warentransport und den beginnenden Tourismus. Wegen der langen Wintersperre blieb die Route jedoch gegenüber ganzjährig nutzbaren Bahnverbindungen und anderen Alpenübergängen im Nachteil.

Mit dem Aufkommen des Automobils entwickelte sich die Passstrasse zu einer beliebten touristischen Route. Gleichzeitig nahm der internationale Strassenverkehr zu, wodurch der Wunsch nach einer wintersicheren Verbindung entstand.

Hospiz

Das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard wurde um 1050 von Bernhard von Montjoux gegründet. Es liegt auf Schweizer Gebiet nahe der Passhöhe und gehört zur Gemeinde Bourg-Saint-Pierre sowie zum Bistum Sitten.

Die Gemeinschaft der Augustiner-Chorherren bot Reisenden unentgeltlich oder gegen freiwillige Gaben Unterkunft, Nahrung und Hilfe. Die Gastfreundschaft galt unabhängig von Herkunft, Stand oder Vermögen der Reisenden.

Das heutige Gebäudeensemble entstand in mehreren Bauphasen. Es umfasst Wohn- und Gästeräume, Wirtschaftsgebäude, eine Kirche, ein Museum und eine Schatzkammer. Die ursprüngliche Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1686 wurde sie weitgehend in ihre heutige barocke Form umgebaut.[5]

Das Museum zeigt archäologische Funde, historische Dokumente, religiöse Kunst, naturkundliche Sammlungen und Gegenstände zur Geschichte des Verkehrs über den Pass. Zu den Sammlungen gehören zahlreiche Fundstücke aus der römischen Epoche.

Das Hospiz führt seine Tradition der Aufnahme von Reisenden und Pilgern bis heute fort. Übernachtungen und gemeinschaftliche Mahlzeiten werden ganzjährig angeboten. Im Sommer ergänzt ein Gasthaus das Angebot.

Bernhardinerhunde

Der Grosse St. Bernhard ist eng mit der Geschichte der Bernhardiner verbunden. Die Chorherren hielten seit dem 17. Jahrhundert grosse Hunde, die zunächst als Wach-, Begleit- und Arbeitstiere dienten.

Das Vorhandensein der Hunde im Hospiz ist bildlich seit 1695 und schriftlich seit 1707 dokumentiert. Aufgrund ihres kräftigen Körperbaus, ihres Orientierungssinns und ihrer Widerstandsfähigkeit eigneten sie sich zur Begleitung von Suchtrupps im Schnee.[6]

Die Hunde konnten verschneite Wege erkennen, vor Gefahren warnen und erschöpfte oder verirrte Reisende auffinden. Die eigentliche Versorgung und Bergung erfolgte gemeinsam mit den Chorherren und ihren Helfern.

Der berühmteste Hospizhund war Barry, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebte. Ihm wird die Rettung zahlreicher Menschen zugeschrieben. Um sein Leben und seine Einsätze entstanden später verschiedene Legenden.

Die häufige Darstellung eines Bernhardiners mit einem kleinen Schnapsfass am Hals entspricht nicht der historischen Rettungspraxis. Sie geht vor allem auf Darstellungen des 19. Jahrhunderts zurück und wurde zu einem international bekannten Symbol.

Im Jahr 2005 übergab die Kongregation der Chorherren die Zucht an die Fondation Barry in Martigny. Ein Teil der Hunde verbringt weiterhin die Sommermonate auf dem Pass. Während dieser Zeit können Besucherinnen und Besucher die Tiere bei den historischen Zwingern sehen oder an begleiteten Wanderungen teilnehmen.

Grosser-St.-Bernhard-Tunnel

Der Wunsch nach einer ganzjährig befahrbaren Strassenverbindung führte Mitte des 20. Jahrhunderts zum Bau des Grosser-St.-Bernhard-Tunnels. Grundlage war ein Abkommen zwischen der Schweiz und Italien.

Die Bauarbeiten begannen 1958 gleichzeitig von beiden Seiten des Berges. Der Tunnel wurde am 19. März 1964 eröffnet. Er war der erste Strassentunnel, der eine direkte Verbindung durch den Alpenhauptkamm herstellte.[7]

Der Tunnel ist 5'798 Meter lang und besitzt eine Röhre mit je einer Fahrspur pro Richtung. Das Schweizer Nordportal liegt auf 1'918 Metern über Meer, das italienische Südportal auf 1'875 Metern. Lange Galerien schützen die Zufahrtsstrassen vor Lawinen, Steinschlag und Schnee.[8]

Die Durchfahrt ist gebührenpflichtig. Der Tunnel wird von der schweizerisch-italienischen Betriebsgesellschaft SISEX SA betrieben. Die Anlagen werden von Kontrollzentren auf beiden Seiten rund um die Uhr überwacht.

Mit der Eröffnung des Tunnels verlor die historische Passstrasse einen grossen Teil ihrer Bedeutung für den internationalen Transitverkehr. Sie blieb jedoch als touristische Route, regionale Verbindung und Zugang zum Hospiz erhalten.

Verkehr

Die Zufahrt von der Schweiz erfolgt ab Martigny durch das Val d’Entremont. Die Strecke zwischen Martigny und dem Nordportal des Tunnels gehört zur Nationalstrasse N21 beziehungsweise zur A21. Seit 2020 wird dieser Abschnitt vom Bundesamt für Strassen unterhalten.[9]

Die historische Passstrasse ist auf Schweizer Seite Teil der Hauptstrasse 21. Auf italienischer Seite setzt sie sich als Strada Statale 27 fort.

Kurz vor dem Schweizer Tunnelportal zweigt die Passstrasse von der ganzjährig genutzten Tunnelroute ab. Sie führt über die Passhöhe und vereinigt sich auf italienischer Seite wieder mit der Verbindung nach Aosta.

Die Passstrasse ist während der schneefreien Monate für Personenwagen, Motorräder, Reisebusse und Velos befahrbar. Die tatsächliche Öffnungsperiode hängt von den Witterungs- und Strassenverhältnissen ab. Während der Wintersperre erfolgt der internationale Strassenverkehr durch den Tunnel.

Eine direkte ganzjährige Bahnverbindung über den Grossen St. Bernhard besteht nicht. Reisende ohne eigenes Fahrzeug können im Sommer regionale Busverbindungen nutzen, deren Fahrpläne von der Saison und der Öffnung der Passstrasse abhängen.

Via Francigena

Der Grosse St. Bernhard ist eine der bekanntesten Stationen der Via Francigena. Dieser historische Pilgerweg führt von Canterbury über Frankreich und die Schweiz nach Rom.

Die Route erreicht das Wallis bei Saint-Maurice und verläuft über Martigny, Orsières und Bourg-Saint-Pierre zur Passhöhe. Danach steigt sie durch das Aostatal nach Italien hinab.

Eine wichtige Beschreibung des mittelalterlichen Weges stammt von Sigerich, dem Erzbischof von Canterbury. Er zeichnete gegen Ende des 10. Jahrhunderts die Stationen seiner Rückreise von Rom nach England auf. Seine Aufzeichnungen bilden eine der Grundlagen für die heutige Rekonstruktion der Via Francigena.

Für Pilgerinnen und Pilger stellte das Hospiz eine lebenswichtige Station dar. Auch heute übernachten zahlreiche Menschen auf dem Weg nach Rom in der historischen Anlage.

Der Abschnitt über den Grossen St. Bernhard ist wegen seiner Höhe nur saisonal als gewöhnlicher Wanderweg begehbar. Ausserhalb des Sommers können winterliche Bedingungen herrschen.

Tourismus und Freizeit

Die Passhöhe ist während der Sommermonate ein beliebtes Ausflugsziel. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören das Hospiz, die barocke Kirche, das Museum, die Schatzkammer, der Passsee und die historischen Zwinger der Bernhardiner.

Mehrere Wanderwege führen von der Passhöhe zu umliegenden Gipfeln und Seen. Eine bekannte Rundwanderung verläuft über mehrere Übergänge in der Umgebung und bietet Ausblicke auf das Mont-Blanc-Massiv, die Walliser Alpen und das Aostatal.

Im Winter wird das Gebiet von erfahrenen Schneeschuhwandernden und Skitourenfahrenden besucht. Wegen der Lawinengefahr und der rasch wechselnden Witterung sind eine sorgfältige Planung und alpine Erfahrung erforderlich.

Die Passstrasse gilt als klassische Route für den Velo- und Motorradtourismus. Der Anstieg von Martigny führt über eine beträchtliche Höhendifferenz und verlangt eine gute Kondition. Die letzten Kilometer oberhalb der Tunnelabzweigung verlaufen durch eine weitgehend unbebaute Hochgebirgslandschaft.

Der Grosse St. Bernhard war mehrfach Bestandteil bedeutender Radrennen. Wegen Schnee und schlechten Wetterbedingungen mussten geplante Überquerungen gelegentlich verkürzt, umgeleitet oder abgesagt werden.

Bedeutung

Der Grosse St. Bernhard verbindet mehrere historische Funktionen eines Alpenpasses. Er war Verkehrsweg, militärische Route, Handelsverbindung, Pilgerweg, Grenzübergang und Ort religiöser Gastfreundschaft.

Seine Bedeutung beruht nicht allein auf dem modernen Verkehr. Römische Fundstätten, mittelalterliche Wege, das fast tausendjährige Hospiz und die Geschichte der Bernhardiner bilden ein aussergewöhnliches kulturhistorisches Ensemble.

Die Eröffnung des Strassentunnels veränderte die Nutzung des Passes grundlegend. Der Transitverkehr wurde in tiefere und besser geschützte Lagen verlegt, während die Passhöhe ihren historischen, religiösen und touristischen Charakter bewahrte.

Der Name des Passes ist weltweit bekannt. Dazu trugen besonders Napoleons Alpenüberquerung, das Hospiz und die Bernhardinerhunde bei. Der Grosse St. Bernhard gilt deshalb als einer der symbolträchtigsten Alpenübergänge der Schweiz.

Literatur

  • Pierre Dubuis: Grosser St. Bernhard (Pass). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Bernard Andenmatten: Grosser St. Bernhard (Hospiz). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Paul Perrin: Histoire inconnue d’un tunnel alpin. In: Die Alpen, 1961, S. 276–293.
  • Helmut Dumler: Die grossen Alpenpässe. Bruckmann, München 2005.
  • Bundesamt für Strassen: Historische Verkehrswege im Kanton Wallis. Bern 2003.

Einzelnachweise

  1. Hospice du Grand-Saint-Bernard: Über uns – Geschichte des Grossen St. Bernhard, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Bundesamt für Strassen: Historische Verkehrswege im Kanton Wallis, Bern 2003.
  3. Pierre Dubuis: Grosser St. Bernhard (Pass). In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 21. Februar 2008.
  4. Bernard Andenmatten: Grosser St. Bernhard (Hospiz). In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 20. Februar 2007.
  5. Hospice du Grand-Saint-Bernard: The church, museum and cultural heritage, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Fondation Barry: Geschichte der Bernhardinerzucht, abgerufen am 3. August 2026.
  7. SISEX SA: The Great St Bernard Tunnel, abgerufen am 3. August 2026.
  8. SISEX SA: Tunnel installation and traffic management, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Bundesamt für Strassen: A21 Grosser St. Bernhard, abgerufen am 3. August 2026.

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