Schweizerische Nationalbibliothek
| Schweizerische Nationalbibliothek | |
|---|---|
| Hauptgebäude der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern | |
| Abkürzung | NB |
| Frühere Bezeichnung | Schweizerische Landesbibliothek |
| Bibliothekstyp | Nationalbibliothek |
| Gründung | 1895 |
| Trägerschaft | Schweizerische Eidgenossenschaft |
| Zuständige Behörde | Bundesamt für Kultur |
| Sitz | Bern |
| Hauptgebäude | Hallwylstrasse 15, 3003 Bern |
| Weitere Standorte | Lugano, Neuenburg |
| ISIL | CH-000001-5 |
| Sammelgebiet | Veröffentlichungen und weitere Dokumente mit Bezug zur Schweiz |
| Website | www.nb.admin.ch |
Die Schweizerische Nationalbibliothek (NB; französisch Bibliothèque nationale suisse, italienisch Biblioteca nazionale svizzera, rätoromanisch Biblioteca naziunala svizra) ist die Nationalbibliothek der Schweiz. Sie hat ihren Hauptsitz in Bern und gehört organisatorisch zum Bundesamt für Kultur im Eidgenössischen Departement des Innern.
Die Nationalbibliothek sammelt, erschliesst, bewahrt und vermittelt Veröffentlichungen, Bilddokumente, Tondokumente und digitale Inhalte, die einen Bezug zur Schweiz aufweisen. Diese als Helvetica bezeichneten Bestände dokumentieren das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Leben des Landes. Die Sammlungen sollen das veröffentlichte und dokumentarische Gedächtnis der Schweiz dauerhaft sichern und der Öffentlichkeit zugänglich machen.[1]
Neben der allgemeinen Bibliothek gehören das Schweizerische Literaturarchiv, die Graphische Sammlung, das Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege, das Centre Dürrenmatt Neuchâtel und die Schweizerische Nationalphonothek zur Nationalbibliothek. Damit bewahrt die Institution nicht nur gedruckte Publikationen, sondern auch literarische Nachlässe, Fotografien, Plakate, Kunstwerke, Architekturunterlagen und historische Tonaufnahmen.
Auftrag
Der gesetzliche Auftrag der Schweizerischen Nationalbibliothek besteht darin, Informationen mit Bezug zur Schweiz zu sammeln, zu erschliessen, zu erhalten und zugänglich zu machen. Berücksichtigt werden Veröffentlichungen auf Papier und anderen Informationsträgern sowie digital entstandene Inhalte.
Gesammelt werden insbesondere Werke, die in der Schweiz erscheinen, von schweizerischen Autorinnen und Autoren geschaffen wurden, die Schweiz oder Personen mit engem Bezug zum Land behandeln oder an deren Entstehung schweizerische Körperschaften beteiligt sind. Der Begriff Helvetica bezieht sich somit nicht allein auf den Erscheinungsort, sondern auf verschiedene inhaltliche, geografische und personelle Beziehungen zur Schweiz.
Die Nationalbibliothek strebt eine möglichst umfassende Dokumentation an. Sie sammelt neben Büchern und Zeitschriften auch Zeitungen, Karten, Musikdrucke, amtliche Veröffentlichungen, Vereinsschriften, Ausstellungskataloge, Dissertationen, Plakate, Ansichtskarten und digitale Publikationen. Auch Veröffentlichungen kleiner Organisationen, Verbände und privater Herausgeber können für die Sammlung von Bedeutung sein.
Im Unterschied zu mehreren anderen Staaten besteht in der Schweiz traditionell kein umfassendes gesetzliches Pflichtexemplarrecht, das sämtliche Verlage zur automatischen Ablieferung ihrer Veröffentlichungen verpflichtet. Die Nationalbibliothek arbeitet deshalb mit den Verleger- und Buchhandelsverbänden sowie direkt mit Verlagen, Institutionen und Urheberinnen und Urhebern zusammen. Ergänzend erwirbt sie fehlende Publikationen durch Kauf, Tausch, Schenkung oder Übernahme von Sammlungen.
Die rechtliche Grundlage bildet das Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbibliothek vom 18. Dezember 1992 sowie die dazugehörige Verordnung.[2][3]
Geschichte
Vorgeschichte
Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert gab es Vorschläge zur Einrichtung einer gesamtschweizerischen Bibliothek. Anders als ältere europäische Nationalbibliotheken konnte sich die Schweizerische Nationalbibliothek jedoch nicht aus einer königlichen, fürstlichen oder kirchlichen Sammlung entwickeln. Die föderalistische Struktur der Schweiz und die bereits bestehenden grossen Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliotheken verzögerten die Schaffung einer zentralen eidgenössischen Institution.
Nach der Gründung des modernen Bundesstaates im Jahr 1848 wurde die Frage einer schweizerischen Nationalbibliothek wiederholt diskutiert. Zunächst erfüllten andere Institutionen teilweise ähnliche Aufgaben. Dazu gehörten die Bundeskanzlei, das Schweizerische Bundesarchiv und verschiedene wissenschaftliche Bibliotheken.
Gründung als Schweizerische Landesbibliothek
Die eidgenössischen Räte beschlossen 1894 die Einrichtung einer Nationalbibliothek. Ihr Auftrag bestand zunächst darin, eine Helvetica-Sammlung aufzubauen, die grundsätzlich bei den Veröffentlichungen seit der Gründung des Bundesstaates im Jahr 1848 einsetzen sollte.
Die Bibliothek nahm 1895 unter der Bezeichnung Schweizerische Landesbibliothek ihre Tätigkeit auf. Ihre ersten Räume befanden sich in einer Vierzimmerwohnung an der Christoffelgasse 7 in Bern. Trotz der bescheidenen räumlichen Verhältnisse begann die Institution mit dem systematischen Aufbau einer landeskundlichen Sammlung.[4]
1899 zog die Landesbibliothek in das neu errichtete Gebäude des Schweizerischen Bundesarchivs im Berner Kirchenfeldquartier. Mit dem Wachstum der Bestände wurde bald ein eigenständiges Bibliotheksgebäude notwendig.
Neubau im Kirchenfeld
Zwischen 1929 und 1931 entstand an der Hallwylstrasse ein neues Gebäude für die Landesbibliothek. Der Bau wurde von den Architekten Oeschger, Kaufmann und Hostettler entworfen und gehört zu den bedeutenden Schweizer Beispielen des Neuen Bauens.
Die Anlage zeichnete sich durch eine funktionale Trennung von Verwaltung, Benutzung und Magazinen aus. Grosse Fensterflächen, klare geometrische Formen und eine sachliche Fassadengestaltung unterschieden das Gebäude deutlich von der repräsentativen Monumentalarchitektur älterer Bibliotheken.
1931 bezog die Landesbibliothek den Neubau. Das Gebäude steht im Berner Kirchenfeld in unmittelbarer Nähe des Bundesarchivs und mehrerer Museen und Bildungseinrichtungen.[5]
Ausbau der Institution
Die Aufgaben der Landesbibliothek erweiterten sich im Lauf des 20. Jahrhunderts. Neben der allgemeinen Sammlung wurden Sondersammlungen für grafische Dokumente, Handschriften, Nachlässe und weitere Materialien aufgebaut. Die Bibliothek entwickelte sich zugleich zu einem nationalen bibliografischen und dokumentarischen Kompetenzzentrum.
Mit der zunehmenden Produktion von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen wuchs der Platzbedarf stetig. Die oberirdischen Magazine reichten schliesslich nicht mehr aus. Deshalb wurden unterirdische Magazinbauten errichtet, die eine platzsparende und klimatisch kontrollierte Aufbewahrung der Bestände ermöglichen.
1991 wurde auf Anstoss des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt das Schweizerische Literaturarchiv gegründet. Dürrenmatt hatte der Schweizerischen Eidgenossenschaft seinen literarischen Nachlass unter der Voraussetzung angeboten, dass ein nationales Literaturarchiv geschaffen werde.[6]
Im Jahr 2000 wurde in Neuenburg das Centre Dürrenmatt Neuchâtel eröffnet. Das von Mario Botta entworfene Gebäude wurde in das ehemalige Wohnhaus Dürrenmatts einbezogen. Das Centre widmet sich insbesondere dem bildnerischen Werk des Schriftstellers und Malers.
2007 wurde das Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege organisatorisch in die Graphische Sammlung der Nationalbibliothek integriert. Seit Januar 2016 gehört auch die Schweizerische Nationalphonothek in Lugano zur Nationalbibliothek.
Die frühere Bezeichnung Schweizerische Landesbibliothek wurde im amtlichen und öffentlichen Gebrauch schrittweise durch Schweizerische Nationalbibliothek ersetzt. Die neue Bezeichnung verdeutlicht ihre Funktion innerhalb der internationalen Gemeinschaft der Nationalbibliotheken.
Gebäude
Hauptgebäude
Das Hauptgebäude an der Hallwylstrasse 15 wurde von 1929 bis 1931 errichtet. Es besteht aus einem langgestreckten Haupttrakt, einem Verwaltungsteil und den ursprünglich oberirdisch angelegten Büchermagazinen.
Die Architektur folgt funktionalistischen Grundsätzen. Die Raumaufteilung orientierte sich an den Arbeitsabläufen der Bibliothek, während die grossen Fenster und hellen Lesesäle eine moderne Arbeitsumgebung schaffen sollten. Auf historische Schmuckformen wurde weitgehend verzichtet.
Das Gebäude gilt als wichtiges Baudenkmal der Schweizer Moderne. Spätere Umbauten mussten deshalb sowohl die technischen Anforderungen einer modernen Bibliothek als auch den denkmalpflegerischen Wert des Bauwerks berücksichtigen.
Unterirdische Magazine
Ein grosser Teil der Bestände befindet sich heute in unterirdischen Magazinen. Die Magazine bieten stabile klimatische Bedingungen und schützen die Dokumente vor Licht, Staub, Temperaturschwankungen und weiteren schädlichen Einflüssen.
Die Magazinräume sind nicht frei zugänglich. Bestellte Dokumente werden durch Mitarbeitende bereitgestellt und können je nach Schutzstatus im Lesesaal benutzt oder ausgeliehen werden. Besonders wertvolle, empfindliche oder einzigartige Dokumente dürfen in der Regel nur in überwachten Räumen konsultiert werden.
Sanierung und provisorischer Standort
Für das Hauptgebäude an der Hallwylstrasse ist eine umfassende Sanierung vorgesehen. Während der Bauarbeiten soll der Publikumsbetrieb an einem provisorischen Standort an der Monbijoustrasse 72 in Bern weitergeführt werden.
Nach dem im Jahr 2026 veröffentlichten Zeitplan soll die Nationalbibliothek am 30. November 2026 am provisorischen Standort wiedereröffnet werden. Der Lesesaal, Arbeitsplätze, Ausleihmöglichkeiten und weitere Dienstleistungen sollen dort grundsätzlich weiter zur Verfügung stehen.[7]
Sammlungen
Allgemeine Sammlung
Die allgemeine Sammlung bildet den Kernbestand der Nationalbibliothek. Sie umfasst gedruckte und elektronische Helvetica aus allen Wissens- und Lebensbereichen. Dazu gehören Monografien, Reihen, Zeitschriften, Zeitungen, amtliche Druckschriften, Karten, Musikdrucke, Hochschulschriften und kleinere Veröffentlichungen.
Gesammelt werden Publikationen in allen Landessprachen sowie in weiteren Sprachen. Die Mehrsprachigkeit des Landes spiegelt sich deshalb unmittelbar in den Beständen wider. Neben grossen Verlagspublikationen werden auch lokal oder in kleinen Auflagen verbreitete Dokumente berücksichtigt.
Die Sammlung ist als Archivsammlung auf dauerhafte Erhaltung ausgerichtet. Viele Dokumente werden deshalb in mehreren Exemplaren übernommen. Ein Exemplar kann der Benutzung dienen, während ein weiteres möglichst unter konservatorisch günstigen Bedingungen aufbewahrt wird.
Zeitungen und Zeitschriften
Zeitungen und Zeitschriften bilden eine besonders umfangreiche und kulturgeschichtlich bedeutende Bestandsgruppe. Sie dokumentieren politische Debatten, wirtschaftliche Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen und den Alltag in den verschiedenen Regionen der Schweiz.
Historische Zeitungsbestände werden gemeinsam mit kantonalen Bibliotheken und weiteren Partnerinstitutionen digitalisiert. Zahlreiche Titel sind über die Plattform e-newspaperarchives.ch im Volltext durchsuchbar. Für Zeitschriften, wissenschaftliche Reihen und Jahrbücher steht die Plattform E-Periodica zur Verfügung.
Die Digitalisierung erleichtert die Recherche und schont gleichzeitig empfindliche Originale. Bei noch urheberrechtlich geschützten Publikationen kann der digitale Zugang auf bestimmte Standorte oder Nutzungsformen beschränkt sein.
Digitale Publikationen
Die Nationalbibliothek sammelt nicht nur nachträglich digitalisierte Dokumente, sondern auch Publikationen, die ursprünglich in digitaler Form veröffentlicht wurden. Dazu gehören elektronische Bücher, digitale Zeitschriften, Websites und weitere Online-Inhalte.
Die langfristige Erhaltung digitaler Dokumente erfordert andere Verfahren als die Bewahrung gedruckter Werke. Dateiformate, Datenträger, Software und technische Standards können rasch veralten. Die Nationalbibliothek muss deshalb Dateien regelmässig überprüfen, sichern und bei Bedarf in langfristig nutzbare Formate überführen.
Über e-Helvetica können digitale und digitalisierte Bestände recherchiert werden. Der Zugang richtet sich nach dem urheberrechtlichen Status der jeweiligen Dokumente. Gemeinfreie Inhalte können häufig frei über das Internet abgerufen werden, während geschützte Werke teilweise nur in den Räumen der Nationalbibliothek zugänglich sind.
Webarchiv Schweiz
Zum digitalen Sammelauftrag gehört die Archivierung ausgewählter Schweizer Websites. Im Webarchiv Schweiz werden Internetseiten gesammelt, die für die Geschichte, Politik, Kultur, Wissenschaft oder Gesellschaft des Landes von Bedeutung sind.
Da sich Websites laufend verändern oder vollständig verschwinden können, bildet die Webarchivierung einen wichtigen Bestandteil der modernen Gedächtnissicherung. Die archivierten Versionen zeigen, wie Institutionen, Parteien, Verbände, Medien, kulturelle Einrichtungen und weitere Organisationen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Internet auftraten.
Die Nationalbibliothek arbeitet bei der Auswahl archivierungswürdiger Websites mit anderen Schweizer Bibliotheken und Gedächtnisinstitutionen zusammen.
Graphische Sammlung
Die Graphische Sammlung bewahrt das bildliche Kulturerbe der Schweiz. Sie umfasst Druckgrafiken, Fotografien, Plakate, Ansichtskarten, Künstlerbücher, Editionen, Zeichnungen und Archive von Kunstschaffenden.
Ein Schwerpunkt liegt auf Ansichten schweizerischer Landschaften, Ortschaften und Bauwerke sowie auf Darstellungen von Geschichte, Brauchtum, Politik und Gesellschaft. Die Bestände reichen von historischen Druckgrafiken bis zu zeitgenössischer Kunst und Fotografie.
Von besonderer Bedeutung ist die Sammlung Rudolf und Annemarie Gugelmann mit Werken der sogenannten Schweizer Kleinmeister. Diese Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts schufen Landschafts-, Orts- und Brauchtumsdarstellungen, die häufig für Reisende und frühe Touristen bestimmt waren.
Die Graphische Sammlung betreut zudem Archive moderner und zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Dazu gehören unter anderem Bestände zu Daniel Spoerri, Karl Gerstner, Doris Stauffer, Serge Stauffer und Andreas Züst.[8]
Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege
Das Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege ist Bestandteil der Graphischen Sammlung. Es dokumentiert die Geschichte der Architektur, der Archäologie, der Denkmalpflege sowie des Ortsbild- und Landschaftsschutzes in der Schweiz.
Seine Bestände gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Sie umfassen Fotografien und Negative, Pläne, Zeichnungen, Aquarelle, Berichte, Gutachten, Korrespondenzen, Inventare und Dokumentationen zu Restaurierungen und archäologischen Untersuchungen.
Das Archiv enthält rund 1,2 Millionen Dokumente. Sie geben Auskunft über historische Bauzustände, Veränderungen von Landschaften und Siedlungen sowie über den Umgang mit schützenswerten Kulturgütern.[9]
Die Bestände sind besonders für Architekturgeschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Denkmalpflege und Ortsbildforschung von Bedeutung. Ein Teil ist über die Datenbank HelveticArchives erschlossen.
Schweizerisches Literaturarchiv
Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) wurde 1991 gegründet. Es sammelt und erschliesst literarische Nachlässe, Archive, Manuskripte, Korrespondenzen und Autorenbibliotheken des 20. und 21. Jahrhunderts.
Das Archiv berücksichtigt die Literaturen aller vier Landessprachen. Es bewahrt Unterlagen deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachiger Autorinnen und Autoren sowie Dokumente mehrsprachiger und international vernetzter Kulturschaffender.
Zu den Beständen gehören Manuskripte, Entwürfe, Notizbücher, Briefe, Tagebücher, Fotografien, Ton- und Filmdokumente, Verlagsunterlagen und persönliche Bibliotheken. Solche Materialien ermöglichen Einblicke in die Entstehung literarischer Werke und in die Beziehungen zwischen Schriftstellern, Verlagen, Übersetzern und kulturellen Institutionen.
Das Literaturarchiv dient nicht nur der Aufbewahrung, sondern auch der wissenschaftlichen Forschung und Editionsphilologie. Es organisiert Tagungen, Ausstellungen und Publikationen und arbeitet mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen.
Zu den im Literaturarchiv vertretenen Persönlichkeiten gehören neben Friedrich Dürrenmatt zahlreiche weitere bedeutende Autorinnen und Autoren der Schweizer Literatur.
Centre Dürrenmatt Neuchâtel
Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) befindet sich im ehemaligen Wohnhaus Friedrich Dürrenmatts oberhalb von Neuenburg. Der vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfene Museumsbau wurde im Jahr 2000 eröffnet.
Das Centre erforscht, bewahrt und vermittelt das bildnerische Werk Dürrenmatts im Zusammenhang mit seinem literarischen Schaffen. Dürrenmatt war neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Dramatiker zeitlebens auch als Zeichner und Maler tätig.
Die Dauerausstellung zeigt Gemälde, Zeichnungen und weitere Werke. Hinzu kommen Wechselausstellungen, Veranstaltungen, Gespräche und Vermittlungsangebote zu Literatur, bildender Kunst und gesellschaftlichen Themen.[10]
Schweizerische Nationalphonothek
Die Schweizerische Nationalphonothek mit Sitz in Lugano ist das Tonarchiv der Schweiz. Sie sammelt und bewahrt Tonträger, deren Inhalt, Urheberschaft, Produktion oder Veröffentlichung einen Bezug zur Schweiz aufweist.
Die Nationalphonothek wurde 1987 gegründet und gehört seit 2016 als Sektion zur Schweizerischen Nationalbibliothek. Ihre Sammlung umfasst unter anderem Musikaufnahmen, Hörspiele, Interviews, Reden, Tondokumente aus Forschung und Volkskunde sowie Aufzeichnungen von Radio- und Kulturveranstaltungen.
Zu den Trägermedien gehören Schallplatten, Tonbänder, Kassetten, Compact Discs und digitale Audiodateien. Historische Tonträger werden mit spezialisierten technischen Verfahren digitalisiert, damit ihr Inhalt auch nach dem Zerfall oder der technischen Veralterung der ursprünglichen Medien erhalten bleibt.
Die Nationalphonothek verfügt über eine Sammlung von mehr als 500'000 Tonträgern. Digitalisierte Aufnahmen können abhängig von den urheberrechtlichen Bedingungen an Hörstationen in der Nationalphonothek, in der Nationalbibliothek und in verschiedenen Partnerinstitutionen konsultiert werden.[11]
Kataloge und Datenbanken
Helveticat
Helveticat ist der zentrale Bibliothekskatalog der Schweizerischen Nationalbibliothek. Er enthält bibliografische Angaben zu einem grossen Teil der Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, Musikdrucke und weiteren Medien der allgemeinen Sammlung.
Über den Katalog können Nutzerinnen und Nutzer Dokumente recherchieren, Standorte und Verfügbarkeit prüfen sowie Medien zur Benutzung oder Ausleihe bestellen. Ältere Bestände sind teilweise noch nicht vollständig elektronisch erfasst und werden schrittweise nachkatalogisiert.
HelveticArchives
HelveticArchives ist die Datenbank für die Archivbestände der Nationalbibliothek. Sie enthält insbesondere Beschreibungen von Beständen des Schweizerischen Literaturarchivs, der Graphischen Sammlung und des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege.
Die Datenbank erschliesst ganze Archive und Nachlässe ebenso wie einzelne Dokumente. Der Umfang der verfügbaren Angaben hängt vom Bearbeitungsstand des jeweiligen Bestands ab.
HelveticAll
HelveticAll ermöglicht eine übergreifende Recherche in mehreren wichtigen Katalogen und Datenbanken der Nationalbibliothek. Dazu gehören Helveticat, HelveticArchives, der Kollektivkatalog der Schweizer Plakate, die Bibliographie der Schweizergeschichte, der Katalog der Nationalphonothek und E-Periodica.
Die Plattform erleichtert die Suche nach unterschiedlichen Medienarten, ohne dass sämtliche Einzelkataloge nacheinander durchsucht werden müssen.
Weitere Angebote
Zu den weiteren von der Nationalbibliothek betriebenen oder mitgetragenen Angeboten gehören:
- die Bibliographie der Schweizergeschichte für Publikationen zur Geschichte der Schweiz;
- der Kollektivkatalog der Schweizer Plakate;
- E-Periodica für digitalisierte Schweizer Zeitschriften;
- e-newspaperarchives.ch für digitalisierte Zeitungen;
- e-Helvetica für digitale und digitalisierte Sammlungsbestände;
- das schweizerische ISIL-Verzeichnis für Bibliotheken, Archive, Museen und verwandte Institutionen.
Die Nationalbibliothek betreibt das nationale ISIL-Zentrum für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. ISIL-Kennungen dienen der weltweit eindeutigen Identifikation von Bibliotheken und weiteren Gedächtnisinstitutionen.[12]
Schweizer Buch
Die Nationalbibliothek veröffentlicht die Nationalbibliografie Das Schweizer Buch. Sie verzeichnet schweizerische Neuerscheinungen und weitere Publikationen, die den Aufnahmekriterien der Nationalbibliografie entsprechen.
Die Bibliografie dient Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlagen, Forschenden und weiteren Interessierten als Übersicht über die schweizerische Publikationsproduktion. Sie wird heute vorwiegend in elektronischer Form bereitgestellt.
Die Einträge beruhen auf den bibliografischen Daten der Nationalbibliothek und enthalten Angaben zu Verfassern, Titeln, Verlagen, Erscheinungsorten, Erscheinungsjahren, Umfang, Sprache und internationalen Identifikationsnummern.
Erschliessung und Konservierung
Die aufgenommenen Dokumente werden formal und teilweise inhaltlich erschlossen. Die Formalerschliessung beschreibt unter anderem Titel, Urheberschaft, Ausgabe, Verlag, Erscheinungsjahr und physischen Umfang eines Werks.
Seit Oktober 2016 erfolgt die Formalerschliessung nach dem internationalen Regelwerk RDA. Seit November 2023 verwendet die Nationalbibliothek den Standard RDA DACH für den deutschsprachigen Raum.[13]
Zur dauerhaften Erhaltung gehören sachgerechte Lagerung, Klimakontrolle, Reinigung, Restaurierung, Schutzverpackung und Digitalisierung. Säurehaltiges Papier, empfindliche Fotografien, beschädigte Einbände und veraltete digitale Datenträger stellen besondere konservatorische Herausforderungen dar.
Bei gefährdeten Zeitungen und anderen stark benutzten Materialien können Mikroverfilmung und Digitalisierung die Originale entlasten. Digitalisierte Kopien ersetzen jedoch nicht zwangsläufig die Aufbewahrung der historischen Vorlagen.
Benutzung
Die Schweizerische Nationalbibliothek ist öffentlich zugänglich. Nach der Einschreibung erhalten Benutzerinnen und Benutzer einen Bibliotheksausweis. Die Bestände können über die Online-Kataloge bestellt und in den dafür vorgesehenen Räumen konsultiert werden.
Ein Teil der allgemeinen Sammlung kann ausser Haus ausgeliehen werden. Seltene, wertvolle, besonders empfindliche oder archivische Dokumente werden dagegen nur in den Lesesälen vorgelegt. Für Nachlässe und persönliche Archive können zusätzlich Schutzfristen und besondere Benutzungsbedingungen gelten.
Die Graphische Sammlung und das Schweizerische Literaturarchiv verfügen über spezialisierte Benutzungsbereiche. Für die Einsicht in bestimmte Bestände ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Neben der Bereitstellung von Originaldokumenten bietet die Nationalbibliothek Recherchedienste, Reproduktionen und Auskünfte zu ihren Beständen an. Sie unterstützt sowohl wissenschaftliche Forschungen als auch private, journalistische, genealogische und heimatkundliche Anfragen.
Ausstellungen und Vermittlung
Die Nationalbibliothek organisiert regelmässig Ausstellungen zu Themen der Schweizer Geschichte, Literatur, Kunst, Fotografie und Publikationskultur. Dabei werden Dokumente aus der allgemeinen Sammlung und den verschiedenen Spezialarchiven präsentiert.
Zum Vermittlungsangebot gehören Führungen durch die Publikumsbereiche, Besichtigungen der Magazine, Vorträge, Podiumsgespräche, Lesungen und Veranstaltungen für Schulen. Bei Führungen werden die Geschichte der Institution, der Sammelauftrag und die Arbeit hinter den Kulissen erläutert.
Ausstellungen und Veranstaltungen sollen die Sammlungen nicht nur der Forschung, sondern auch einem breiten Publikum zugänglich machen. Digitale Präsentationen und thematische Onlineangebote ergänzen die Veranstaltungen vor Ort.
Nationale und internationale Zusammenarbeit
Die Nationalbibliothek arbeitet mit Kantons-, Stadt-, Hochschul- und Spezialbibliotheken sowie mit Archiven, Museen, Verlagen und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Besonders bei der Digitalisierung von Zeitungen und Zeitschriften spielen kantonale Partner eine wichtige Rolle.
Auf internationaler Ebene beteiligt sich die Nationalbibliothek am fachlichen Austausch über bibliografische Standards, digitale Langzeitarchivierung und die Aufgaben nationaler Gedächtnisinstitutionen. Sie arbeitet mit ausländischen Nationalbibliotheken und internationalen Bibliotheksorganisationen zusammen.
Durch Normdaten, gemeinsame Katalogisierungsregeln und standardisierte Identifikatoren können ihre Bestände in nationale und internationale Informationssysteme eingebunden werden.
Bedeutung
Die Schweizerische Nationalbibliothek bildet eine zentrale Institution für die Bewahrung des kulturellen und dokumentarischen Erbes der Schweiz. Ihre Bestände ermöglichen Untersuchungen zur Geschichte des Bundesstaates, zu regionalen Entwicklungen, zur Mehrsprachigkeit, zur Literatur, zur Kunst und zum gesellschaftlichen Wandel.
Der Sammelauftrag umfasst sowohl weithin bekannte Werke als auch unscheinbare Alltagspublikationen. Vereinshefte, Werbedrucke, lokale Zeitungen, politische Broschüren, Plakate und Internetseiten können langfristig ebenso aussagekräftig sein wie wissenschaftliche Bücher oder literarische Erstausgaben.
Die Nationalbibliothek unterscheidet sich von allgemeinen wissenschaftlichen Bibliotheken dadurch, dass sie ihre Helvetica möglichst dauerhaft und umfassend bewahren muss. Die Bestände werden nicht nur nach ihrem unmittelbaren Gebrauchswert ausgewählt, sondern als Quellen für zukünftige Generationen gesammelt.
Mit der Einbeziehung digitaler Publikationen und Websites hat sich der Sammelauftrag wesentlich erweitert. Die Institution steht damit vor der Aufgabe, das kulturelle Gedächtnis der Schweiz unabhängig von wechselnden Medienformen und technischen Plattformen zu sichern.
Siehe auch
- Liste der Bibliotheken in der Schweiz
- Schweizerisches Literaturarchiv
- Schweizerische Nationalphonothek
- Centre Dürrenmatt Neuchâtel
- Schweizerisches Bundesarchiv
- Bundesamt für Kultur
- E-Periodica
- Kulturgüterschutz in der Schweiz
Literatur
- Schweizerische Nationalbibliothek (Hrsg.): Die Schweizerische Nationalbibliothek 1895–1995. Schweizerische Nationalbibliothek, Bern 1995.
- Schweizerische Nationalbibliothek (Hrsg.): Inventar des Gedächtnisses. 125 Jahre Schweizerische Nationalbibliothek. Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, ISBN 978-3-85881-676-3.
- Jean-Philippe Accart: Die Schweizerische Nationalbibliothek. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.
- Bundesamt für Kultur: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2025–2028. Bern 2024.
Weblinks
- Offizielle Website der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Helveticat
- HelveticArchives
- HelveticAll
- E-Periodica
- e-newspaperarchives.ch
- Schweizerische Nationalphonothek
- Centre Dürrenmatt Neuchâtel
Einzelnachweise
- ↑ Über uns, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbibliothek, Fedlex, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Verordnung über die Schweizerische Nationalbibliothek, Fedlex, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Geschichte, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Architektur, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Schweizerisches Literaturarchiv, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Die Schweizerische Nationalbibliothek zieht um, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Graphische Sammlung, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Das Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Centre Dürrenmatt Neuchâtel, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Schweizerische Nationalphonothek, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Alle Kataloge und Datenbanken, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Formalerschliessung, Schweizerische Nationalbibliothek, abgerufen am 26. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Schweizerische Nationalbibliothek