.ch
| .ch | |
|---|---|
| Art | Länderspezifische Top-Level-Domain |
| Einführung | 20. Mai 1987 |
| Staat | Schweiz |
| Registry | Switch |
| Aufsicht | Bundesamt für Kommunikation |
| Vergabe | Über akkreditierte Registrare |
| Registrierungsbeschränkungen | Keine allgemeine Wohnsitz- oder Nationalitätsvoraussetzung |
| Internationalisierte Domain-Namen | Unterstützt |
| DNSSEC | Unterstützt |
| Registry-Website | www.nic.ch |
.ch ist die länderspezifische Top-Level-Domain der Schweiz. Sie wurde am 20. Mai 1987 in das globale Domain Name System aufgenommen und gehört damit zu den älteren länderspezifischen Internet-Domains. Die Endung leitet sich von der lateinischen Bezeichnung der Schweiz, Confoederatio Helvetica, ab.[1]
Die offizielle Registerbetreiberin der Domain ist die Stiftung Switch mit Sitz in Zürich. Sie verwaltet im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation die zentrale Datenbank aller .ch-Domain-Namen und stellt die technische Verbindung der schweizerischen Domain zum weltweiten Domain Name System sicher. Einzelne Domain-Namen werden nicht direkt durch Switch oder das Bundesamt vergeben, sondern über akkreditierte Registrare registriert.[2]
.ch ist die im Schweizer Internet am häufigsten verwendete Top-Level-Domain. Sie wird von Unternehmen, Behörden, Vereinen, Medien, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen eingesetzt. Eine .ch-Domain setzt weder einen Wohnsitz noch einen Unternehmenssitz in der Schweiz voraus. Auch ausländische Personen und Organisationen können grundsätzlich einen freien .ch-Domain-Namen registrieren.
Bedeutung der Bezeichnung
Die Buchstabenfolge CH ist das internationale Länderkennzeichen der Schweiz und geht auf den lateinischen Staatsnamen Confoederatio Helvetica zurück. Die Verwendung einer neutralen lateinischen Bezeichnung vermeidet die Bevorzugung einer der vier Landessprachen der Schweiz.
Die Abkürzung CH wird ausserhalb des Internets unter anderem auf Fahrzeugkennzeichen, in Länder- und Währungscodes sowie in Bezeichnungen schweizerischer Institutionen verwendet. Als Domain-Endung wird sie gewöhnlich als «Punkt CH» ausgesprochen.
.ch gehört zur Gruppe der länderspezifischen Top-Level-Domains, die im Englischen als country code top-level domains und abgekürzt als ccTLD bezeichnet werden. Diese Domains bestehen grundsätzlich aus zwei Buchstaben, die sich an den Ländercodes der internationalen Norm ISO 3166 orientieren.
Geschichte
Die Domain .ch wurde am 20. Mai 1987 in die Root-Zone des Domain Name System eingetragen.[1] Das Internet wurde damals vorwiegend von Hochschulen und Forschungseinrichtungen genutzt. Die kommerzielle und private Nutzung spielte noch eine geringe Rolle.
Die technische Verwaltung der schweizerischen Domain war eng mit dem Aufbau des akademischen Datennetzes der Schweiz verbunden. Switch war 1987 von Bund und Hochschulkantonen als Stiftung zur Förderung der Informations- und Kommunikationstechnologie im Hochschulbereich gegründet worden. Die Stiftung übernahm neben dem Betrieb des Schweizer Wissenschaftsnetzes auch Aufgaben bei der Verwaltung der Domains .ch und .li.
In den ersten Jahren wurden nur vergleichsweise wenige Domain-Namen registriert. Mit der Verbreitung des World Wide Web und kommerzieller Internetzugänge nahm die Zahl der Registrierungen während der 1990er-Jahre stark zu. Ab November 1999 liegen vollständige statistische Angaben über den Bestand der .ch-Domain-Namen vor.[3]
Während der frühen Entwicklung übernahm Switch sowohl die Funktion der Registry als auch die Registrierung von Domain-Namen für Endkundinnen und Endkunden. Später wurden diese Tätigkeiten organisatorisch getrennt. Seit dem 1. Januar 2015 verkauft Switch keine .ch-Domain-Namen mehr direkt. Die Übertragung der Kundenbeziehungen an akkreditierte Registrare wurde im Mai 2016 abgeschlossen.[4]
Seither konzentriert sich Switch als Registerbetreiberin auf die zentrale technische Infrastruktur, die Registrierungssysteme, die Sicherheit der Zone und die Zusammenarbeit mit den Registraren. Der Verkauf und die Betreuung einzelner Domain-Namen erfolgen ausschliesslich durch Registrare und deren Wiederverkäufer.
Verwaltung
Bundesamt für Kommunikation
Die oberste Verantwortung für die Verwaltung der Adressierungselemente des schweizerischen Fernmeldewesens liegt beim Bund. Das Bundesamt für Kommunikation bestimmt die Rahmenbedingungen für die Domain .ch und beaufsichtigt die beauftragte Registerbetreiberin.
Rechtsgrundlage ist insbesondere die Verordnung über Internet-Domains. Sie regelt die Verwaltung der vom Bund verantworteten Internet-Domains, die Aufgaben der Registerbetreiberinnen, die Pflichten der Registrare sowie Massnahmen bei technischen Störungen und missbräuchlicher Verwendung.[5]
Das BAKOM registriert keine .ch-Domain-Namen für Endkundinnen und Endkunden. Es legt die rechtlichen und regulatorischen Bedingungen fest und überwacht, ob Switch die übertragenen Aufgaben ordnungsgemäss erfüllt.
Switch als Registry
Switch ist die offizielle Registry für .ch. Als Registerbetreiberin führt die Stiftung die zentrale Datenbank der registrierten Domain-Namen und veröffentlicht die für die Namensauflösung erforderlichen Informationen in der .ch-Zonendatei.
Zu den Aufgaben von Switch gehören insbesondere:
- der Betrieb der autoritativen Name-Server für .ch;
- die Verwaltung der zentralen Registrierungsdatenbank;
- die technische Anbindung der Registrare;
- die Sicherstellung der Stabilität und Verfügbarkeit der Zone;
- die Bereitstellung des Registration Data Directory Service;
- die Förderung von DNSSEC und weiteren Sicherheitsstandards;
- die Bearbeitung bestimmter Missbrauchsfälle;
- die Umsetzung von Entscheiden aus Streitbeilegungsverfahren.
In der Root-Zone des Domain Name System ist Switch als zuständige Verwaltungseinrichtung für .ch eingetragen. Die technische Infrastruktur umfasst mehrere autoritative Name-Server mit IPv4- und IPv6-Adressen.[1]
Das BAKOM beschloss 2026, die Zusammenarbeit mit Switch über das Ende der damaligen Vertragsperiode hinaus fortzuführen. Der neue Vertrag zur Führung der Registry tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Als Gründe nannte das Bundesamt unter anderem die betriebliche Kontinuität, die erfüllten Sicherheitsanforderungen und die positive Beurteilung der Leistungen durch die Marktteilnehmer.[2]
Registrare
Registrare sind Unternehmen, die Domain-Namen im Auftrag ihrer Kundschaft registrieren und verwalten. Sie sind über technische Schnittstellen und Verträge mit Switch verbunden.
Eine Person, die eine .ch-Domain registrieren möchte, wählt einen akkreditierten Registrar oder einen mit diesem zusammenarbeitenden Wiederverkäufer. Der Registrar übermittelt die Registrierungsdaten an Switch und bleibt gewöhnlich der erste Ansprechpartner für Änderungen, Verlängerungen, Kündigungen und technische Fragen.
Die Preise werden nicht zentral durch Switch festgelegt. Jeder Registrar bestimmt seine eigenen Gebühren, Vertragslaufzeiten und Zusatzleistungen. Viele Registrare verbinden die Domain-Registrierung mit Webhosting, E-Mail-Diensten, DNS-Verwaltung oder der Ausstellung von TLS-Zertifikaten.
Switch veröffentlicht eine Liste der akkreditierten Registrare. Diese Unternehmen sind für die Registrierung und administrative Betreuung der Domain-Namen ihrer Kundschaft verantwortlich.[6]
Registrierung
Die Vergabe von .ch-Domain-Namen erfolgt grundsätzlich nach dem Prioritätsprinzip. Ein verfügbarer Name kann von derjenigen Person oder Organisation registriert werden, deren Auftrag zuerst ordnungsgemäss bei der Registry eingeht.
Für die Registrierung besteht keine allgemeine Voraussetzung hinsichtlich Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder Unternehmenssitz. Eine .ch-Domain kann daher auch von Personen und Organisationen ausserhalb der Schweiz gehalten werden. Rund 85 Prozent der registrierten Domain-Namen werden jedoch von Halterinnen und Haltern mit Sitz oder Wohnsitz in der Schweiz geführt.[7]
Eine Registrierung begründet kein Eigentum am Domain-Namen im sachenrechtlichen Sinn. Die Halterin oder der Halter erhält vielmehr ein vertraglich und regulatorisch geregeltes Nutzungsrecht, solange die Voraussetzungen erfüllt und die Gebühren bezahlt werden.
Die Domain kann für Websites, E-Mail-Adressen, technische Dienste oder Weiterleitungen verwendet werden. Eine registrierte Domain muss nicht zwingend unmittelbar mit einer öffentlich zugänglichen Website verbunden sein.
Anforderungen an den Namen
Ein gewöhnlicher .ch-Domain-Name kann zwischen drei und 63 Zeichen lang sein. Er darf Buchstaben, Zahlen und Bindestriche enthalten. Ein Bindestrich darf nicht am Anfang oder Ende stehen. Zwei aufeinanderfolgende Bindestriche an der dritten und vierten Stelle sind grundsätzlich nicht zulässig, da diese Position für die technische Kennzeichnung internationalisierter Domain-Namen verwendet wird.[8]
Bei der technischen Prüfung wird nicht zwischen Gross- und Kleinbuchstaben unterschieden. Die Schreibweisen beispiel.ch, Beispiel.ch und BEISPIEL.CH bezeichnen daher denselben Domain-Namen.
Bestimmte Namen können aufgrund gesetzlicher Vorschriften, technischer Anforderungen oder überwiegender öffentlicher Interessen reserviert oder von der freien Vergabe ausgeschlossen sein. Dazu können Bezeichnungen staatlicher Institutionen, internationale Organisationen oder für den Betrieb des Domain Name System erforderliche Begriffe gehören.
Verfügbarkeit
Ob ein Domain-Name verfügbar ist, kann über die Suchfunktion der Registry oder bei einem Registrar geprüft werden. Ist der Name bereits registriert, zeigt der öffentliche Registrierungsdienst in der Regel den zuständigen Registrar und technische Angaben an.
Die blosse Nichtbenutzung einer registrierten Domain führt nicht automatisch dazu, dass der Name erneut vergeben wird. Solange das Vertragsverhältnis besteht und die regulatorischen Anforderungen erfüllt sind, kann eine Domain auch ohne sichtbare Website gehalten werden.
Kosten
Die Endkundengebühr für eine .ch-Domain wird vom jeweiligen Registrar bestimmt. Preise können sich je nach Vertragsdauer, enthaltenen Leistungen und Geschäftsmodell unterscheiden.
Neben der eigentlichen Domain-Gebühr können Kosten für Webhosting, E-Mail, DNS-Verwaltung, Datenschutzdienste, Sicherheitsfunktionen oder die Wiederherstellung einer abgelaufenen Domain entstehen. Angebote mit besonders niedrigen Einstiegspreisen können in späteren Vertragsperioden höhere Verlängerungsgebühren vorsehen.
Verlängerung und Löschung
Die Verlängerung erfolgt nach den Bedingungen des Registrars. Viele Anbieter verlängern Domain-Namen automatisch, sofern der Vertrag nicht fristgerecht gekündigt wird.
Wird eine Domain nicht verlängert oder der Vertrag beendet, kann sie nach Ablauf vorgesehener Fristen gelöscht und später erneut zur Registrierung freigegeben werden. Zwischen Kündigung und endgültiger Freigabe können Schutz- oder Wiederherstellungsfristen bestehen.
Die genauen Abläufe sind von den Registry-Regeln und vom Vertrag mit dem Registrar abhängig. Halterinnen und Halter sollten insbesondere bei geschäftlich wichtigen Domains auf aktuelle Kontakt- und Zahlungsdaten achten.
Internationalisierte Domain-Namen
Unter .ch können neben den grundlegenden ASCII-Zeichen auch bestimmte Buchstaben mit Umlauten, Akzenten und anderen diakritischen Zeichen verwendet werden. Solche Namen werden als internationalisierte Domain-Namen oder IDN bezeichnet.[9]
Dadurch sind beispielsweise Domain-Namen mit den Zeichen ä, ö, ü, é, è, à, ç oder œ möglich. Dies ist insbesondere für Namen und Wörter aus den schweizerischen Landessprachen von Bedeutung.
Da das klassische Domain Name System nur eine beschränkte Zeichenauswahl verarbeitet, wird ein internationalisierter Name technisch in eine ASCII-kompatible Zeichenfolge umgewandelt. Diese Kodierung wird als Punycode bezeichnet und beginnt mit dem Präfix xn--.
Der Domain-Name bücher.ch wird im DNS beispielsweise als xn--bcher-kva.ch gespeichert.[9] Moderne Browser und E-Mail-Programme können die lesbare Schreibweise gewöhnlich automatisch darstellen.
Internationalisierte Domain-Namen können zu Verwechslungen führen, da sich Zeichen verschiedener Schriftsysteme optisch ähneln können. Für besonders wichtige Anwendungen wird deshalb teilweise zusätzlich eine Schreibweise ohne Sonderzeichen registriert.
Technische Funktionsweise
.ch bildet innerhalb des hierarchischen Domain Name System die oberste Ebene für schweizerische Domain-Namen. Unterhalb der Top-Level-Domain werden gewöhnlich Namen der zweiten Ebene registriert, beispielsweise beispiel.ch.
Damit eine Domain erreichbar ist, müssen autoritative Name-Server angegeben werden. Diese enthalten DNS-Einträge, die den Domain-Namen mit IP-Adressen, Mailservern oder anderen Diensten verbinden.
Die zentrale .ch-Zonendatei enthält nicht sämtliche einzelnen Einträge einer Website. Sie enthält hauptsächlich die Delegationsinformationen, mit denen Anfragen an die zuständigen autoritativen Name-Server weitergeleitet werden.
Ein typischer Aufruf einer .ch-Website erfolgt in mehreren Schritten. Der verwendete DNS-Resolver fragt zunächst die Root-Server nach der Zuständigkeit für .ch. Anschliessend verweist die .ch-Zone auf die Name-Server des gewünschten Domain-Namens. Diese liefern schliesslich die benötigte IP-Adresse oder einen anderen DNS-Eintrag zurück.
DNSSEC
.ch unterstützt die Domain Name System Security Extensions, abgekürzt DNSSEC. Diese Erweiterungen ermöglichen eine kryptografische Überprüfung von DNS-Antworten.
DNSSEC verschlüsselt den Datenverkehr nicht. Es soll vielmehr verhindern, dass manipulierte oder gefälschte DNS-Informationen unbemerkt als echt akzeptiert werden. Dadurch kann insbesondere das Risiko bestimmter Umleitungs- und Cache-Manipulationsangriffe verringert werden.
Für einen geschützten Domain-Namen werden kryptografische Schlüssel und Signaturen verwendet. Die Vertrauenskette führt von der DNS-Root-Zone über die .ch-Zone bis zum jeweiligen Domain-Namen.
Switch unterstützt auch CDS-Einträge. Mit einem Child-DS-Eintrag kann der Betreiber eines Name-Servers die zur Aktivierung, Erneuerung oder Deaktivierung von DNSSEC erforderlichen Informationen automatisiert an die Registry übermitteln.[10]
Mit einem DNS-Resilienzprogramm fördert Switch gemeinsam mit den Registraren die Verbreitung von DNSSEC und weiteren anerkannten DNS-Sicherheitsstandards. Teilnehmende Registrare können finanzielle Anreize erhalten, wenn sie einen möglichst grossen Anteil ihrer verwalteten Domains technisch absichern.[11]
Registrierungsdaten und RDDS
Switch betreibt einen Dienst zur Abfrage von Registrierungsdaten. Dieser wird als Registration Data Directory Service, abgekürzt RDDS, bezeichnet und war früher vor allem unter der Bezeichnung WHOIS bekannt.
Bis Ende 2020 konnten über den öffentlichen Dienst auch personenbezogene Angaben zahlreicher Domain-Halterinnen und -Halter abgerufen werden. Seit dem 1. Januar 2021 werden persönliche Daten wie Name und Postadresse grundsätzlich nicht mehr öffentlich angezeigt.[2]
Öffentlich abrufbar bleiben insbesondere technische und administrative Angaben, die für die Verwaltung einer Domain erforderlich sind. Dazu können der Registrar, der Status des Domain-Namens, die autoritativen Name-Server und bestimmte zeitliche Angaben gehören.
Personen, die ein überwiegendes berechtigtes Interesse glaubhaft machen, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen Zugang zu nicht öffentlich angezeigten Halterdaten beantragen. Dies kann beispielsweise bei einer behaupteten Verletzung von Marken-, Namens- oder Persönlichkeitsrechten von Bedeutung sein.
Die Einschränkung des öffentlichen Zugangs dient dem Schutz der Privatsphäre und berücksichtigt die Entwicklung des schweizerischen und internationalen Datenschutzrechts.
Sicherheit und Missbrauchsbekämpfung
Domain-Namen können für Phishing, die Verbreitung von Schadsoftware, Betrug oder den Betrieb von Botnet-Infrastrukturen missbraucht werden. Die Verordnung über Internet-Domains sieht deshalb besondere Massnahmen für .ch und .swiss vor.
Bei einem begründeten Verdacht kann ein Domain-Name vorübergehend blockiert werden, wenn er dazu verwendet wird, mit unrechtmässigen Methoden an sensible Daten zu gelangen, Schadsoftware zu verbreiten oder solche Aktivitäten zu unterstützen.[12]
Switch ist ausserdem verpflichtet, eine Domain zu blockieren, wenn eine vom BAKOM anerkannte Stelle zur Bekämpfung der Cyberkriminalität dies unter den vorgesehenen Voraussetzungen verlangt. Die Massnahme kann die Entfernung der Domain aus der Zone oder andere technische Einschränkungen umfassen.
Die Sperrung einer Domain ist von der Entfernung rechtswidriger Inhalte auf einem Webserver zu unterscheiden. Die Registry verwaltet den Domain-Namen, betreibt aber gewöhnlich weder die zugehörige Website noch den Server. Inhalte müssen gegebenenfalls durch den Hostinganbieter, die Betreiber der Website oder zuständige Behörden entfernt werden.
Switch überwacht auch die technische Qualität der .ch-Zone. Dazu gehören die Erreichbarkeit der autoritativen Name-Server, die korrekte DNS-Konfiguration und die Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe auf die zentrale Infrastruktur.
Streitbeilegung
Die Registrierung eines Domain-Namens kann mit bestehenden Marken-, Firmen-, Namens- oder Herkunftsrechten kollidieren. Für Streitigkeiten über .ch-Domain-Namen besteht ein besonderes aussergerichtliches Verfahren.
Der Streitbeilegungsdienst wird durch das Schieds- und Mediationszentrum der Weltorganisation für geistiges Eigentum durchgeführt. Das Verfahren unterscheidet sich von der für zahlreiche generische Top-Level-Domains geltenden Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy.
Das Verfahren für .ch und .li besteht grundsätzlich aus zwei Stufen. Zunächst wird ein Schlichtungsversuch durchgeführt. Kommt keine Einigung zustande oder beteiligt sich die Gegenpartei nicht, kann auf Antrag eine Expertin oder ein Experte über den Fall entscheiden.[8]
Die antragstellende Partei muss nachweisen, dass die Zuteilung oder Verwendung des Domain-Namens eine klare Verletzung eines Kennzeichenrechts darstellt, das ihr nach schweizerischem Recht zusteht. Zu den geschützten Rechten können Marken, Firmen, Namen, Herkunftsangaben und Ansprüche aus dem Lauterkeitsrecht gehören.
Eine erfolgreiche Beschwerde kann zur Übertragung oder Löschung des Domain-Namens führen. Den Parteien bleibt grundsätzlich der Weg zu den staatlichen Gerichten offen.
Marktstellung
.ch ist die beliebteste Top-Level-Domain unter Domain-Halterinnen und -Haltern in der Schweiz. Nach Angaben von Switch entfallen mehr als 55 Prozent der von schweizerischen Haltern registrierten Domain-Namen auf .ch. Die generische Endung .com erreicht einen Anteil von knapp einem Viertel.[13]
Mehr als 60 Prozent der .ch-Domain-Namen werden von Unternehmen oder anderen Organisationen gehalten. Der übrige Teil entfällt auf Privatpersonen.[14]
Die hohe Verbreitung wird mit der klaren geografischen Zuordnung, der Bekanntheit bei der Schweizer Bevölkerung und dem Vertrauen in eine lokal verankerte Domain-Endung erklärt. Für Unternehmen kann eine .ch-Adresse verdeutlichen, dass sich ein Angebot an den schweizerischen Markt richtet.
Die Domain-Endung allein belegt jedoch weder einen Unternehmenssitz in der Schweiz noch eine Speicherung der Website auf Schweizer Servern. Eine .ch-Domain kann von einer ausländischen Person registriert und mit einem Server in einem beliebigen Staat verbunden werden.
Verwendung
.ch wird in nahezu allen Bereichen des schweizerischen Internets verwendet. Zu den Haltern gehören unter anderem:
- Bundes-, Kantons- und Gemeindebehörden;
- Unternehmen und selbständig Erwerbende;
- Hochschulen, Schulen und Forschungseinrichtungen;
- Vereine, Parteien und Nichtregierungsorganisationen;
- Medien und Kulturbetriebe;
- Privatpersonen;
- ausländische Unternehmen mit Bezug zum Schweizer Markt.
Bundesbehörden verwenden überwiegend Adressen unter admin.ch. Kantone und Gemeinden nutzen eigene .ch-Domains oder Unterdomains ihrer kantonalen Portale.
Viele Unternehmen registrieren neben ihrer .ch-Domain zusätzlich Varianten unter .com, .swiss oder anderen Top-Level-Domains. Diese können auf die Hauptadresse weitergeleitet oder für unterschiedliche Sprach- und Länderversionen eingesetzt werden.
Auch sogenannte Domain-Hacks sind möglich, bei denen die Buchstaben ch als Bestandteil eines Wortes verwendet werden. Aufgrund der starken geografischen Bedeutung wird .ch jedoch überwiegend für schweizerische Angebote eingesetzt.
Verhältnis zu .swiss
Neben .ch verfügt die Schweiz seit 2015 über die Top-Level-Domain .swiss. Während .ch eine länderspezifische Top-Level-Domain ist, handelt es sich bei .swiss technisch um eine generische Top-Level-Domain.
Die Vergabe von .ch ist grundsätzlich offen. Für .swiss gelten dagegen besondere Voraussetzungen. Eine beantragte Adresse muss einen ausreichenden Bezug zur Schweiz und zur gesuchstellenden Person oder Organisation aufweisen.
Die Domain .swiss wird vom Bund verwaltet und soll die schweizerische Herkunft und Gemeinschaft besonders sichtbar machen. Sie ersetzt .ch nicht, sondern ergänzt die bestehende nationale Domain.
.ch ist wesentlich älter und stärker verbreitet. Für die Mehrheit schweizerischer Websites bleibt sie die gebräuchlichste Domain-Endung.
Verhältnis zu .li
Switch betreibt neben .ch auch die länderspezifische Top-Level-Domain .li des Fürstentums Liechtenstein. Die technische und vertragliche Verwaltung beider Domains weist zahlreiche Gemeinsamkeiten auf.
Für Streitigkeiten über .ch- und .li-Domain-Namen gilt ein gemeinsames Verfahrensreglement. Die anzuwendende Rechtsordnung richtet sich dabei nach der jeweiligen Domain: Bei .ch ist schweizerisches Recht und bei .li liechtensteinisches Recht massgebend.
Trotz der gemeinsamen Registry bleiben .ch und .li eigenständige länderspezifische Top-Level-Domains.
Datenschutz
Bei der Registrierung einer Domain werden personenbezogene Daten bearbeitet. Dazu gehören insbesondere Kontakt-, Vertrags- und Zahlungsinformationen der Halterin oder des Halters.
Für die Datenbearbeitung gelten das schweizerische Datenschutzgesetz, die Verordnung über Internet-Domains und die vertraglichen Bestimmungen der beteiligten Unternehmen. Registrar und Registry dürfen die Daten nur im Rahmen ihrer gesetzlichen und vertraglichen Aufgaben bearbeiten.
Die seit 2021 geltende Einschränkung des öffentlichen RDDS-Zugangs reduziert die Möglichkeit, personenbezogene Daten automatisiert zu sammeln. Sie erschwert jedoch teilweise auch die direkte Kontaktaufnahme bei technischen Problemen oder vermuteten Rechtsverletzungen.
Zur Wahrung berechtigter Interessen sieht das schweizerische System deshalb ein geregeltes Auskunftsverfahren vor. Behörden können Daten im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse erhalten.
Domain und Webhosting
Die Registrierung einer .ch-Domain ist technisch unabhängig vom Webhosting. Eine Domain bezeichnet lediglich einen Namen im Domain Name System. Die Website, E-Mail-Postfächer und weitere Dienste werden durch einen Hosting- oder Cloudanbieter bereitgestellt.
Eine .ch-Domain muss nicht in der Schweiz gehostet werden. Umgekehrt kann eine in einem Schweizer Rechenzentrum betriebene Website eine andere Domain-Endung verwenden.
Der Registrar und der Hostinganbieter können dasselbe Unternehmen sein, müssen es aber nicht. Bei einem Anbieterwechsel kann die Domain zu einem anderen Registrar übertragen werden, ohne dass zwangsläufig auch das Hosting gewechselt wird.
Für eine Übertragung wird gewöhnlich ein Autorisierungscode benötigt. Der bisherige Registrar stellt diesen nach den geltenden Bedingungen bereit. Die technischen DNS-Einstellungen sollten während eines Transfers sorgfältig geprüft werden, damit Website und E-Mail erreichbar bleiben.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung
Die Domain .ch ist ein zentraler Bestandteil der digitalen Infrastruktur der Schweiz. Sie ermöglicht eine leicht erkennbare nationale Zuordnung und wird von einem grossen Teil der schweizerischen Wirtschaft und Verwaltung genutzt.
Für kleine und mittlere Unternehmen dient eine .ch-Domain häufig als wichtigste digitale Geschäftsadresse. Sie wird auf Briefpapier, Rechnungen, Fahrzeugen, Verpackungen und in der Werbung verwendet.
Auch für Privatpersonen und Vereine bietet .ch eine etablierte und weithin bekannte Internetadresse. Der offene Zugang zur Registrierung trägt dazu bei, dass die Domain nicht ausschliesslich wirtschaftlichen oder staatlichen Akteuren vorbehalten ist.
Der zuverlässige Betrieb der .ch-Zone ist für Websites, E-Mail-Kommunikation, digitale Behördendienste und zahlreiche Unternehmensanwendungen von Bedeutung. Eine länger dauernde Störung könnte weitreichende Auswirkungen auf die schweizerische Internetnutzung haben.
Kritik und Herausforderungen
Die Offenheit der Registrierung erleichtert die Nutzung von .ch, ermöglicht aber auch die Registrierung durch Akteure ohne tatsächlichen Bezug zur Schweiz. Eine .ch-Adresse darf daher nicht automatisch als Nachweis für einen schweizerischen Unternehmenssitz oder eine staatliche Prüfung verstanden werden.
Weitere Herausforderungen ergeben sich aus Phishing, Domain-Missbrauch, automatisierten Massenregistrierungen und der Verwendung täuschend ähnlicher Namen. Internationalisierte Domain-Namen können zusätzliche Verwechslungsrisiken schaffen, wenn sich Buchstaben aus verschiedenen Zeichensystemen optisch ähneln.
Die zunehmende Konzentration des Registrar- und Hostingmarktes kann dazu führen, dass zahlreiche schweizerische Domains von wenigen grossen Unternehmensgruppen verwaltet werden. Gleichzeitig bleibt der Wechsel des Registrars grundsätzlich möglich.
Technisch muss die Registry ihre Infrastruktur laufend gegen Überlastungsangriffe, Manipulationsversuche und Ausfälle absichern. Die Verbreitung von DNSSEC, redundante Name-Server und eine geografisch verteilte Infrastruktur sollen die Widerstandsfähigkeit erhöhen.
Siehe auch
- Internet in der Schweiz
- Internet-Domains der Schweiz
- .swiss
- .li
- .zuerich
- Domain Name System
- Top-Level-Domain
- Länderspezifische Top-Level-Domain
- Internationalisierter Domainname
- DNSSEC
- Switch (Stiftung)
- Bundesamt für Kommunikation
- Webhosting in der Schweiz
Weblinks
- Offizielle Website der Registry für .ch
- Informationen des Bundesamtes für Kommunikation zu .ch
- Eintrag für .ch in der Root-Zonen-Datenbank der IANA
- Statistiken zu .ch-Domain-Namen
- Liste der akkreditierten Registrare
- Informationen der WIPO zur Streitbeilegung für .ch
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Internet Assigned Numbers Authority: Delegation Record for .CH, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Bundesamt für Kommunikation: .ch-Internetadressen, veröffentlicht am 30. Januar 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Anzahl .ch-Domain-Namen, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Transfer der .ch-Domain-Namen abgeschlossen, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Schweizerische Eidgenossenschaft: Verordnung über Internet-Domains vom 5. November 2014, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Liste der akkreditierten Registrare, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Herkunftsländer der Halterinnen und Halter von .ch-Domain-Namen, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Weltorganisation für geistiges Eigentum: Domain Name Dispute Resolution Service for .CH, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 9,0 9,1 Switch: IDN – Internationalisierte Domain-Namen, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Sicherheit der Domains .ch und .li, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: DNS-Resilienzprogramm, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Bundesamt für Kommunikation: Bekämpfung der Internetkriminalität, veröffentlicht am 2. Juni 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Marktanteile der Top-Level-Domains in der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Switch: Halterinnen und Halter von .ch-Domain-Namen, abgerufen am 26. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu .ch