Autobahn A6: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:320px; margin-left:1em;" |+ '''Autobahn A6''' |- ! Land | Schweiz |- ! Strassentyp | Autobahn und Autostrasse |- ! Nationalstrasse | N6 |- ! Verlauf | Biel/BienneBernThunSpiez–Mülenen |- ! Kantone | Bern<br />Fortsetzung der N6 im Kanton Wallis |- ! Wichtige Orte | Biel/Bienne, Lyss, Bern, Thun, Spiez |- ! Beginn | Verzweigung Brüggmoos bei Biel/Bienne |- ! S…»
 
K Textersetzung - „Autobahn A1 (Schweiz)“ durch „Autobahn A1
Zeile 590: Zeile 590:
* [[Nationalstrassennetz der Schweiz]]
* [[Nationalstrassennetz der Schweiz]]
* [[Liste der Autobahnen und Autostrassen in der Schweiz]]
* [[Liste der Autobahnen und Autostrassen in der Schweiz]]
* [[Autobahn A1 (Schweiz)]]
* [[Autobahn A1]]
* [[Autobahn A5 (Schweiz)]]
* [[Autobahn A5 (Schweiz)]]
* [[Autobahn A8 (Schweiz)]]
* [[Autobahn A8 (Schweiz)]]

Version vom 24. Juli 2026, 17:23 Uhr

Autobahn A6
Land Schweiz
Strassentyp Autobahn und Autostrasse
Nationalstrasse N6
Verlauf Biel/BienneBernThunSpiez–Mülenen
Kantone Bern
Fortsetzung der N6 im Kanton Wallis
Wichtige Orte Biel/Bienne, Lyss, Bern, Thun, Spiez
Beginn Verzweigung Brüggmoos bei Biel/Bienne
Südliches Ende der Autobahnstrecke Mülenen im Kandertal
Betreiber Bundesamt für Strassen
Benutzung Vignettenpflicht auf den als Autobahn oder Autostrasse signalisierten Abschnitten

Die Autobahn A6 ist eine schweizerische Autobahn- und Autostrassenverbindung, die Biel/Bienne über Lyss, Bern, Thun und Spiez mit Mülenen im Kandertal verbindet. Sie bildet den als Hochleistungsstrasse ausgebauten Hauptteil der Nationalstrasse N6.

Die Strecke verbindet das Seeland, die Agglomeration Bern und das Berner Oberland. Sie besitzt sowohl für den Berufs- und Güterverkehr als auch für den Tourismus eine grosse Bedeutung. Über die A6 werden unter anderem die Ferienregionen am Thunersee, das Kandertal, das Simmental und die Zugänge zum Lötschberg erreicht.

Die A6 besteht nicht aus einer einzigen durchgehend eigenständig signalisierten Autobahnstrecke. Der nördliche Abschnitt führt von der Verzweigung Brüggmoos bei Biel über Lyss bis zur Verzweigung Schönbühl. Zwischen Schönbühl und Bern-Wankdorf wird die Verbindung über die A1 hergestellt. Ab der Verzweigung Wankdorf verläuft die A6 über den Osten Berns und das Aaretal nach Thun und Spiez.

Bei Spiez beziehungsweise der Verzweigung Lattigen teilt sich die Nationalstrassenverbindung in mehrere Äste. Eine Strecke führt über Spiez nach Mülenen und weiter als gewöhnliche Nationalstrasse durch das Kandertal nach Kandersteg. Der Zubringer Simmental führt von Lattigen über den Simmenfluhtunnel nach Wimmis.

Die Nationalstrasse N6 setzt sich südlich der autobahnmässig ausgebauten Strecke als Hauptstrasse über Frutigen nach Kandersteg fort. Zwischen Kandersteg und Goppenstein wird die Verbindung durch den Lötschberg-Autoverlad hergestellt. Von Goppenstein führt die N6 durch das Walliser Lötschental und über Gampel-Steg zur A9 im Rhonetal.[1]

Bezeichnung und Klassierung

Die Bezeichnungen A6 und N6 haben unterschiedliche Bedeutungen.

Die Abkürzung N6 bezeichnet die im Bundesbeschluss festgelegte Nationalstrasse. Diese reicht von Biel/Bienne über Bern und das Berner Oberland bis nach Gampel im Kanton Wallis.

Die Bezeichnung A6 wird für jene Abschnitte verwendet, die als Autobahn oder Autostrasse ausgebaut und mit grünen Wegweisern signalisiert sind. Südlich des autobahnmässigen Ausbaus verläuft die Nationalstrasse teilweise als zweispurige Hauptstrasse. In offiziellen Mitteilungen verwendet das Bundesamt für Strassen die Bezeichnung A6 teilweise auch für Unterhaltsabschnitte im Kandertal und im Wallis.

Die Kernstrecke zwischen Biel/Bienne und dem Berner Oberland liegt fast vollständig im Kanton Bern. Der südliche Teil der Nationalstrasse N6 zwischen Goppenstein und Gampel befindet sich im Kanton Wallis.

Auf den als Autobahn oder Autostrasse signalisierten Abschnitten ist die Benutzung grundsätzlich nur mit einer gültigen Schweizer Autobahnvignette erlaubt. Die als gewöhnliche Hauptstrasse ausgeführten Abschnitte unterliegen nicht automatisch der Vignettenpflicht.

Verlauf

Brüggmoos–Lyss

Die A6 beginnt südöstlich von Biel/Bienne bei der Verzweigung Brüggmoos. Dort besteht eine Verbindung zur A5, welche die Region Biel mit Solothurn und dem Jurasüdfuss verbindet.

Die Strecke führt zunächst durch die Gemeinden Brügg, Aegerten, Studen und Worben. Sie verläuft durch das dicht besiedelte südliche Seeland und erschliesst zahlreiche Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiete.

Bei Lyss bestehen Anschlüsse an das regionale Strassennetz in Richtung Aarberg, Büren an der Aare und Kerzers. Lyss bildet einen bedeutenden Wirtschafts- und Verkehrsknoten des Berner Seelands.

Der Abschnitt zwischen Brüggmoos und Lyss ist überwiegend richtungsgetrennt ausgebaut. Wegen der dichten Besiedlung, zahlreicher Anschlüsse und des hohen Pendlerverkehrs besitzt er einen eher städtischen Charakter.

Lyss–Schönbühl

Südlich von Lyss verläuft die A6 durch eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Landschaft. Sie passiert Grossaffoltern und Schüpfen und erreicht anschliessend den Raum Münchenbuchsee und Schönbühl.

Bei Schönbühl endet der selbständige nördliche A6-Abschnitt an der A1. Die Verbindung in Richtung Bern und Berner Oberland benutzt danach die A1 bis zur Verzweigung Bern-Wankdorf.

Die Strecke zwischen Brüggmoos und Schönbühl befand sich bis Ende 2019 in kantonaler Zuständigkeit. Am 1. Januar 2020 ging sie im Rahmen des neuen Netzbeschlusses an den Bund über. Seither ist das Bundesamt für Strassen für Betrieb, Unterhalt und Ausbau verantwortlich.[2]

Schönbühl–Bern-Wankdorf

Zwischen der Verzweigung Schönbühl und Bern-Wankdorf verläuft die Verbindung gemeinsam mit der A1.

Dieser Abschnitt gehört zu den am stärksten belasteten Autobahnstrecken der Region Bern. Neben dem Verkehr zwischen Zürich, Bern und der Westschweiz nimmt er auch den Verkehr der A6 aus dem Seeland und dem Berner Oberland auf.

Die Verzweigung Wankdorf ist einer der wichtigsten Autobahnknoten der Schweiz. Hier treffen die A1, die A6 und mehrere städtische Zufahrten zusammen.

Bern-Wankdorf–Bern-Ostring

Ab der Verzweigung Wankdorf führt die A6 in südlicher Richtung durch den Osten der Stadt Bern.

Sie verläuft zunächst an der Grossen und Kleinen Allmend, dem Messegelände BERNEXPO und dem Stadion Wankdorf vorbei. Der Anschluss Bern-Ostring erschliesst die östlichen Stadtquartiere und bildet eine wichtige Zufahrt zum Stadtzentrum.

Die Autobahn wurde in diesem Bereich durch die spätere Stadtentwicklung teilweise von Wohn- und Gewerbegebieten umschlossen. Hohe Lärmschutzwände begrenzen die Strecke.

Zwischen Wankdorf und Muri ist das Verkehrsaufkommen besonders hoch. Staus führen regelmässig zu Ausweichverkehr in den Quartieren und Nachbargemeinden.

Bern-Ostring–Muri

Südlich des Anschlusses Ostring führt die A6 durch den Sonnenhoftunnel und entlang der Berner Quartiere Murifeld und Wittigkofen.

Beim Anschluss Muri besteht eine Verbindung nach Muri bei Bern, Gümligen und Rüfenacht. Der Zubringer Rüfenacht ist seit dem neuen Netzbeschluss ebenfalls Bestandteil der Nationalstrasse N6.

Der Anschluss Muri wurde zwischen 2017 und 2019 umgestaltet. Kernstück der Arbeiten war ein neuer Kreisel, der die Verkehrsströme der Autobahn, der Kantonsstrassen und des Zubringers Rüfenacht besser miteinander verbindet.[3]

Muri–Rubigen

Nach Muri verlässt die A6 das dicht bebaute Stadtgebiet. Sie führt durch das Aaretal an Allmendingen, Münsingen und Rubigen vorbei.

Die Autobahn verläuft weitgehend parallel zur Aare und zur Bahnstrecke Bern–Thun. Das Gebiet ist von Landwirtschaftsflächen, Kiesgruben, Grundwasserschutzgebieten und Siedlungen geprägt.

Der Anschluss Rubigen erschliesst Münsingen, Rubigen und das Gürbetal. Von dort bestehen regionale Verbindungen nach Belp und zum Flughafen Bern.

Die Lage in der Aareebene macht die Strecke anfällig für Hochwasser. Bei den Hochwasserereignissen von 1999 und 2005 wurden Teile der Autobahn und des angrenzenden Belpmooses überflutet.

Rubigen–Thun

Südlich von Rubigen führt die A6 über Kiesen, Heimberg und Steffisburg nach Thun.

Dieser Abschnitt wurde ab 1971 schrittweise dem Verkehr übergeben. Die weitgehend geradlinige Strecke besitzt in beiden Richtungen je zwei Fahrspuren und einen Pannenstreifen.[4]

Der Anschluss Kiesen verbindet die Autobahn mit dem östlichen Gürbetal und dem Raum Oberdiessbach.

Beim Anschluss Thun-Nord wird die Aare überquert. Der Knoten erschliesst Heimberg, Steffisburg und den nördlichen Teil der Stadt Thun.

Die Autobahn führt anschliessend durch den Osten Thuns. Über die Anschlüsse Thun-Nord und Thun-Süd wird ein grosser Teil des städtischen und regionalen Verkehrs abgewickelt.

Thun–Lattigen

Vom Anschluss Thun-Süd führt die A6 durch das Gebiet von Strättligen und Gwatt in Richtung Spiez.

Die Strecke verläuft in der Nähe des Thunersees, ohne dessen Ufer unmittelbar zu berühren. Sie überquert mehrere Gewässer, Verkehrswege und die Kander.

Bei Gesigen befindet sich ein Werkhof des Nationalstrassenbetriebs.

An der Verzweigung Lattigen werden die Verkehrsströme in Richtung Spiez, Interlaken, Kandertal und Simmental aufgeteilt. Die Hauptfahrbahn in Richtung Interlaken wird als A8 weitergeführt.

Lattigen–Spiez–Mülenen

Ein Ast der A6 führt von Lattigen nach Spiez. Über den Anschluss Spiez bestehen Verbindungen zum Ortszentrum, zum Thunersee, zur A8 in Richtung Interlaken und zur Strasse in Richtung Frutigen.

Südlich von Spiez verläuft die A6 durch den einröhrigen Spiezwilertunnel. Die Strecke ist dort als zweispurige Autostrasse ohne bauliche Trennung der Fahrtrichtungen ausgeführt.

Bei Mülenen endet der autobahn- beziehungsweise autostrassenmässig ausgebaute Abschnitt. Die Nationalstrasse N6 führt anschliessend als Hauptstrasse durch Reichenbach im Kandertal und Frutigen nach Kandersteg.

Zubringer Simmental

An der Verzweigung Lattigen zweigt der Zubringer Simmental ab.

Er führt durch den Simmenfluhtunnel und endet beim Anschluss Wimmis. Dort schliesst er an die Hauptstrassen durch das Simmental und in Richtung Zweisimmen an.

Der Zubringer besitzt für den Tourismus und den regionalen Wirtschaftsverkehr eine grosse Bedeutung. Über ihn werden unter anderem das Niedersimmental, das Obersimmental, das Diemtigtal und die Ferienregion Gstaad erreicht.

Streckenabschnitte

Gliederung der A6 und der Nationalstrasse N6
Abschnitt Ausbau Bedeutung
Brüggmoos–Lyss Autobahn beziehungsweise Autostrasse Verbindung von Biel/Bienne mit dem südlichen Seeland
Lyss–Schönbühl Richtungsgetrennte Hochleistungsstrasse Verbindung des Seelands mit Bern
Schönbühl–Bern-Wankdorf Gemeinsamer Verlauf mit der A1 Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen A6-Abschnitt
Bern-Wankdorf–Muri Stadtautobahn Östliche Umfahrung und Erschliessung Berns
Muri–Rubigen Autobahn Verbindung durch das Aaretal
Rubigen–Thun Autobahn Hauptverbindung zwischen Bern und dem Berner Oberland
Thun–Lattigen Autobahn Erschliessung von Thun, Spiez, Interlaken, Kandertal und Simmental
Lattigen–Spiez–Mülenen Teilweise Autobahn, teilweise zweispurige Autostrasse Zugang zum Kandertal
Lattigen–Wimmis Zubringer Simmental mit Tunnel Zugang zum Simmental
Mülenen–Kandersteg Zweispurige Nationalstrasse Verbindung durch das Kandertal
Kandersteg–Goppenstein Lötschberg-Autoverlad Bahntransport der Motorfahrzeuge durch den Lötschbergtunnel
Goppenstein–Gampel Zweispurige Nationalstrasse Verbindung vom Lötschental zur A9 im Rhonetal

Wichtige Anschlüsse und Verzweigungen

Bedeutende Knoten der A6
Anschluss oder Verzweigung Erschlossene Orte und Strassen
Brüggmoos Biel/Bienne, Brügg und A5
Lyss-Nord Lyss, Aarberg und Büren an der Aare
Lyss-Süd Lyss und Grossaffoltern
Schüpfen Schüpfen und Münchenbuchsee
Schönbühl A1 in Richtung Zürich, Bern und Westschweiz
Bern-Wankdorf Bern, Ostermundigen, Bolligen, BERNEXPO und A1
Bern-Ostring Berner Stadtzentrum und östliche Stadtquartiere
Muri Muri bei Bern, Gümligen und Rüfenacht
Rubigen Rubigen, Münsingen, Belp und Gürbetal
Kiesen Kiesen, Oberdiessbach und Konolfingen
Thun-Nord Thun, Heimberg und Steffisburg
Thun-Süd Thun, Gwatt und Thunersee
Lattigen Verzweigung A6, A8 und Zubringer Simmental
Spiez Spiez, Kandertal und Thunersee
Wimmis Simmental und Diemtigtal
Mülenen Reichenbach im Kandertal und Frutigen

Die Bezeichnungen und Nummerierungen einzelner Anschlüsse wurden im Verlauf der Zeit mehrfach angepasst.

Bedeutende Bauwerke

Sonnenhoftunnel

Der Sonnenhoftunnel liegt zwischen den Anschlüssen Bern-Ostring und Muri.

Er führt die A6 unter einem Teil des Berner Siedlungsgebiets hindurch. Der Tunnel besitzt wegen des hohen Verkehrsaufkommens umfangreiche Beleuchtungs-, Lüftungs-, Überwachungs- und Sicherheitseinrichtungen.

Im Rahmen der Erneuerung des Abschnitts Wankdorf–Muri wurden auch die Betriebs- und Sicherheitsanlagen des Sonnenhoftunnels angepasst.

Simmenfluhtunnel

Der Simmenfluhtunnel liegt auf dem Zubringer Simmental bei Wimmis.

Er unterquert einen Felssporn der Simmenfluh und ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen der Verzweigung Lattigen und dem Simmental.

Der Tunnel wird im Rahmen der Gesamterneuerung Thun-Süd–Spiez/Wimmis umfassend saniert. Dazu gehören Arbeiten an Fahrbahn, Entwässerung, Beleuchtung, Sicherheitseinrichtungen und Tunnelwänden.[5]

Spiezwilertunnel

Der Spiezwilertunnel befindet sich südlich von Spiez auf der Strecke nach Mülenen.

Er ist ein einröhriger, im Gegenverkehr betriebener Tunnel. Die beiden Fahrtrichtungen werden durch eine doppelte Sicherheitslinie getrennt.

Rüttelmarkierungen und Reflektoren sollen verhindern, dass Fahrzeuge unbeabsichtigt die Mittellinie überfahren.[6]

Kanderbrücke

Zwischen Thun und Spiez überquert die A6 die Kander.

Die Brücke gehört zu den bedeutenden Kunstbauten des südlichen Autobahnabschnitts. Im Rahmen der Gesamterneuerung wird sie abschnittsweise instandgesetzt.

Wegen der beschränkten Platzverhältnisse müssen die Fahrspuren während der Arbeiten mehrfach umgelegt werden.

Mitholztunnel

Der Mitholztunnel liegt auf der Fortsetzung der N6 zwischen Frutigen und Kandersteg.

Er gehört nicht mehr zum klassischen Autobahnabschnitt, wird in Mitteilungen des ASTRA jedoch häufig der A6-Strecke zugerechnet.

Der Tunnel führt an einem besonders engen und durch Naturgefahren beeinflussten Abschnitt des Kandertals vorbei. Er wird regelmässig gereinigt, überwacht und technisch unterhalten.

Bauwerke im Wallis

Zwischen Goppenstein und Gampel verläuft die N6 durch ein steiles alpines Tal.

Zu den bedeutenden Schutzbauwerken gehören der Tunnel Mittal sowie mehrere Galerien gegen Lawinen, Steinschlag und Murgänge.

Die Galerie Rotloiwi nahe Goppenstein schützt die Strasse vor Lawinen. Im Februar 2026 musste der Abschnitt nach einem Lawinenniedergang vorübergehend gesperrt werden.[7]

Geschichte

Planung des Nationalstrassennetzes

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Motorfahrzeugverkehr in der Schweiz stark zu.

Die bestehenden Hauptstrassen durch Bern, das Aaretal und Thun konnten den wachsenden Verkehr nicht mehr bewältigen. Ortsdurchfahrten waren überlastet, und die Reisezeiten zwischen Bern und dem Berner Oberland nahmen zu.

Mit dem Bundesbeschluss über das Nationalstrassennetz von 1960 wurde die N6 als Verbindung zwischen Biel, Bern, dem Berner Oberland und dem Wallis festgelegt.

Das Projekt sollte die Region Bern entlasten, die Erreichbarkeit des Berner Oberlands verbessern und eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung über den Lötschberg schaffen.

Erste Bauetappen bei Bern

Die Bauarbeiten am Abschnitt zwischen Bern und Muri begannen in den 1960er-Jahren.

Am 26. Mai 1966 wurde der Autobahnzubringer zwischen Muri und Rüfenacht eröffnet. In den folgenden Jahren wurden die Abschnitte durch den Osten Berns und in Richtung Aaretal vervollständigt.[8]

Die Autobahn verlief zunächst teilweise durch wenig bebautes Gebiet. Mit dem Wachstum der Stadt wurden die Flächen entlang der Strecke zunehmend überbaut.

Bau zwischen Rubigen und Spiez

Der Abschnitt zwischen Rubigen und Spiez wurde ab 1971 schrittweise für den Verkehr freigegeben.

Die Autobahn folgte weitgehend der Aareebene und ersetzte die stark belasteten Ortsdurchfahrten der Hauptstrasse.

Beim Bau mussten zahlreiche Brücken, Unterführungen, Entwässerungsanlagen und Hochwasserschutzbauten errichtet werden.

Die Strecke bestand teilweise aus Betonfahrbahnplatten. Diese Bauweise war langlebig, führte nach mehreren Jahrzehnten jedoch zu Schäden an Fugen und Untergrund.

Erschliessung des Simmentals und Kandertals

Mit der Verzweigung Lattigen, dem Zubringer Simmental und den Anschlüssen bei Spiez und Wimmis erhielten die Täler des Berner Oberlands leistungsfähige Zufahrten.

Der Spiezwilertunnel verbesserte die Verbindung zwischen Spiez und dem Kandertal.

Die Strecke durch das Kandertal blieb dagegen weitgehend eine gewöhnliche Hauptstrasse. Ein durchgehender Autobahnausbau bis Kandersteg wurde wegen der schwierigen Topografie, hoher Kosten und der begrenzten Verkehrsmenge nicht verwirklicht.

Nördlicher Abschnitt Biel–Schönbühl

Die Hochleistungsstrasse zwischen Biel, Lyss und Schönbühl entstand unter kantonaler Verantwortung.

Sie wurde zunächst teilweise als kantonale Autobahn beziehungsweise als T6 bezeichnet. Der Ausbau erfolgte in mehreren Etappen.

Mit dem neuen Netzbeschluss wurde die Strecke am 1. Januar 2020 Teil des Nationalstrassennetzes. Der Bund übernahm damit auch die Verantwortung für künftige Sanierungen und Ausbauten.

Verkehrliche Bedeutung

Verbindung zwischen den Regionen

Die A6 verbindet vier bedeutende Wirtschaftsräume:

  • die zweisprachige Agglomeration Biel/Bienne;
  • das Berner Seeland;
  • die Bundesstadt Bern und ihre Agglomeration;
  • Thun und das Berner Oberland.

Sie bildet ausserdem eine wichtige Zufahrt zu den touristischen Regionen Interlaken, Jungfrau, Kandertal, Simmental und Gstaad.

Pendlerverkehr

Besonders stark belastet sind die Abschnitte Schönbühl–Wankdorf, Wankdorf–Muri und Rubigen–Thun.

Täglich pendeln zahlreiche Personen aus dem Aaretal, dem Raum Thun und dem Seeland nach Bern.

In den Morgen- und Abendspitzen treten regelmässig Staus auf. Bei Verkehrsüberlastung weichen Fahrzeuge auf Kantons- und Gemeindestrassen aus, wodurch Siedlungsgebiete zusätzlich belastet werden.

Güterverkehr

Die A6 besitzt auch für den Güterverkehr grosse Bedeutung.

Sie erschliesst Industrie- und Logistikstandorte in Biel, Lyss, Bern, Thun und Spiez. Über die Strecke werden Waren in die Täler des Berner Oberlands transportiert.

Für schwere Motorfahrzeuge ist der Lötschberg-Autoverlad nur eingeschränkt nutzbar. Ein grosser Teil des überregionalen Schwerverkehrs benutzt deshalb andere Alpenübergänge.

Tourismusverkehr

An Wochenenden und während der Ferienzeiten nimmt der Freizeitverkehr stark zu.

In Richtung Süden entstehen insbesondere vor den Verzweigungen Lattigen und Spiez sowie auf den Zufahrten zum Kandertal und Simmental Rückstaus.

Im Winter führt der Verkehr zu den Skigebieten im Simmental, im Kandertal und im Raum Gstaad zu zusätzlichen Belastungen. Im Sommer sind der Thunersee, Interlaken und die Bergregionen wichtige Ziele.

Pannenstreifen-Umnutzung Wankdorf–Muri

Zwischen Bern-Wankdorf und Muri wurde von 2021 bis 2024 eine Pannenstreifen-Umnutzung erstellt.

Bei hohem Verkehrsaufkommen können die Pannenstreifen vorübergehend als zusätzliche Fahrspuren freigegeben werden. Kameras, elektronische Signale und Verkehrssensoren überwachen den Abschnitt.

Bevor der Pannenstreifen geöffnet wird, muss die Verkehrsleitstelle sicherstellen, dass sich dort keine stehenden Fahrzeuge, Gegenstände oder Personen befinden.

Die Anlage ging am 12. August 2024 in Betrieb. Gleichzeitig wurden der Strassenbelag, die Entwässerung, Kunstbauten, Lärmschutzwände sowie die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung erneuert.[9]

Die Massnahme soll:

  • den Verkehrsfluss verbessern;
  • Staus verringern;
  • den Ausweichverkehr durch Wohnquartiere reduzieren;
  • die Verkehrssicherheit erhöhen;
  • die bestehende Strassenfläche besser ausnutzen.

Die Pannenstreifen-Umnutzung gilt als Übergangslösung bis zu einem umfassenderen Ausbau oder dem geplanten Bypass Bern Ost.

Gesamterneuerung Rubigen–Thun–Spiez

Die ungefähr 30 Kilometer lange A6 zwischen Rubigen und Spiez wird seit 2015 umfassend erneuert.

Das Projekt wurde in drei Abschnitte unterteilt:

Etappen der Gesamterneuerung
Abschnitt Bauzeit Stand
Rubigen–Kiesen ab 2015 Abgeschlossen
Kiesen–Thun-Süd bis 2022 Abgeschlossen
Thun-Süd–Spiez/Wimmis 2024–2027 In Ausführung

Auf der gesamten Strecke werden Fahrbahnbelag, Brücken, Über- und Unterführungen, Entwässerung, Leitplanken, Signalisation sowie Betriebs- und Sicherheitsanlagen erneuert.

Zum Projekt gehören ausserdem:

  • lärmmindernde Beläge;
  • zusätzliche Lärmschutzwände;
  • Strassenabwasser-Behandlungsanlagen;
  • Verbesserungen des Hochwasserschutzes;
  • ökologische Ausgleichsmassnahmen;
  • Umbauten an Anschlüssen;
  • die Sanierung des Simmenfluhtunnels;
  • die Erneuerung der Kanderbrücke.

Die Abschnitte Rubigen–Kiesen und Kiesen–Thun-Süd wurden zwischen 2015 und 2022 erneuert. Von 2024 bis 2027 folgen der Abschnitt Thun-Süd–Spiez und der Zubringer Simmental.[10]

Während der Hauptarbeiten wird die Zahl der Fahrspuren möglichst beibehalten. Dazu werden die Fahrbahnen provisorisch verschmälert und mehrfach verlegt. Für besondere Arbeiten sind Nacht- und Wochenendsperrungen erforderlich.

Bypass Bern Ost

Der Abschnitt Wankdorf–Muri verläuft heute teilweise mitten durch dicht bebaute Wohngebiete.

Das Bundesamt für Strassen plant deshalb den Bypass Bern Ost. Kernstück ist der rund 4,5 Kilometer lange Seidenbergtunnel zwischen dem Bereich BERNEXPO/Mingerstrasse und Muri.

Nach der Eröffnung des Tunnels könnte ein ungefähr 4,9 Kilometer langer Teil der heutigen oberirdischen Autobahn zurückgebaut werden.

Dadurch sollen:

  • die Wohnquartiere von Verkehrslärm entlastet werden;
  • die Trennwirkung der Autobahn vermindert werden;
  • neue Flächen für Stadtentwicklung und Grünräume entstehen;
  • die Kapazität der Nationalstrasse erhöht werden;
  • die Anschlüsse Wankdorf, Ostring und Muri neu organisiert werden.

Das Projekt befindet sich in der Planungs- und Genehmigungsphase. Nach dem Planungsstand von 2024 wurde eine Inbetriebnahme gegen Mitte der 2040er-Jahre angestrebt.[11][12]

Verkehrssicherheit

Die A6 besitzt sowohl moderne Autobahnabschnitte als auch ältere, zweispurige Autostrassen und Hauptstrassen.

Die Sicherheitsanforderungen unterscheiden sich deshalb stark. Auf den Autobahnabschnitten bestehen getrennte Richtungsfahrbahnen, Pannenstreifen, Wildschutzzäune und elektronische Verkehrsbeeinflussungsanlagen.

Auf einröhrigen Tunneln und zweispurigen Abschnitten besteht dagegen Gegenverkehr. Dort werden besondere Massnahmen wie doppelte Sicherheitslinien, Rüttelmarkierungen, Reflektoren und reduzierte Höchstgeschwindigkeiten eingesetzt.

Die Tunnel werden regelmässig gereinigt und technisch überprüft. Saubere Tunnelwände und Beleuchtung verbessern die Sicht und damit die Sicherheit.

Zu den überwachten Naturgefahren gehören:

  • Hochwasser im Aaretal;
  • Lawinen im Lötschental;
  • Steinschlag und Murgänge;
  • instabile Bäume entlang der Kandertalstrecke;
  • Schnee und Eis auf den alpinen Abschnitten.

Umwelt und Landschaft

Der Bau und Betrieb der A6 greift in unterschiedliche Landschaftsräume ein.

Im Seeland und Aaretal beansprucht die Autobahn landwirtschaftliche Flächen und zerschneidet Lebensräume. Im Raum Bern führt sie durch dicht bebaute Quartiere. Im Berner Oberland und Wallis berührt sie empfindliche Fluss-, Wald- und Gebirgslandschaften.

Zu den wichtigsten Umweltbelastungen gehören:

  • Verkehrslärm;
  • Luftschadstoffe;
  • versiegelte Flächen;
  • belastetes Strassenabwasser;
  • Trennung von Lebensräumen;
  • Lichtemissionen;
  • Beeinträchtigung des Landschaftsbilds.

Bei Sanierungsprojekten werden deshalb Lärmschutzwände, lärmmindernde Beläge und Anlagen zur Behandlung des Strassenabwassers gebaut.

Wildtierdurchlässe, Bachrenaturierungen, Ersatzpflanzungen und ökologische Ausgleichsflächen sollen die Auswirkungen auf Natur und Landschaft vermindern.

Lötschberg-Autoverlad

Die N6 besitzt zwischen Kandersteg und Goppenstein keine durchgehende Strassenverbindung.

Motorfahrzeuge werden auf speziellen Zügen durch den Lötschberg-Scheiteltunnel transportiert. Der Autoverlad verbindet das Berner Oberland mit dem Oberwallis.

Die Zufahrt auf der Nordseite erfolgt über die N6 durch das Kandertal. Auf der Südseite führt die Nationalstrasse von Goppenstein nach Gampel und zur A9.

Der Autoverlad besitzt besonders im Winter eine grosse Bedeutung, da er eine wettergeschützte Verbindung zwischen den beiden Alpenregionen ermöglicht.

Bei Lawinengefahr, technischen Störungen oder Bauarbeiten können sowohl die Zufahrtsstrassen als auch der Verladebetrieb eingeschränkt oder eingestellt werden.

Chronologie

Ausgewählte Ereignisse
Jahr Ereignis
1960 Aufnahme der N6 in das schweizerische Nationalstrassennetz
1960er-Jahre Beginn des Autobahnbaus im Raum Bern
1966 Eröffnung des Zubringers Muri–Rüfenacht
ab 1971 Schrittweise Verkehrsfreigabe zwischen Rubigen, Thun und Spiez
1970er-Jahre Ausbau der Stadtautobahn Bern und der Verbindung durch das Aaretal
1999 Hochwasser beeinträchtigt den Raum Belpmoos und die A6
2005 Erneutes grosses Hochwasser im Aaretal
2008 Übergang der bisherigen Nationalstrassen an den Bund im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs
2015 Beginn der Gesamterneuerung Rubigen–Thun–Spiez
2017–2019 Umgestaltung des Anschlusses Muri
2020 Übernahme des Abschnitts Brüggmoos–Schönbühl durch den Bund
2021 Beginn der Arbeiten für die Pannenstreifen-Umnutzung Wankdorf–Muri
2022 Abschluss der Erneuerung bis Thun-Süd
2024 Inbetriebnahme der Pannenstreifen-Umnutzung Wankdorf–Muri
2024–2027 Erneuerung des Abschnitts Thun-Süd–Spiez/Wimmis
2026 Sanierung des Simmenfluhtunnels und Arbeiten zwischen Gesigen und Spiez

Siehe auch

Literatur

  • Bundesamt für Strassen: Strassen und Verkehr. Zahlen und Fakten. Bern, verschiedene Jahrgänge.
  • Kanton Bern: 100 Jahre Tiefbauamt des Kantons Bern 1912–2012. Bern 2012.
  • Bundesamt für Strassen: Netzzustandsbericht der Nationalstrassen 2024. Bern 2025.
  • Bundesamt für Strassen: A6 Rubigen–Thun–Spiez. Dokumentation der Gesamterneuerung. Thun.
  • Stadt Bern: Verkehrserhebungen der Stadt Bern. Bern, verschiedene Jahrgänge.

Einzelnachweise