Jura

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Dieser Artikel behandelt das Gebirge. Zum Schweizer Kanton siehe Kanton Jura. Weitere Bedeutungen sind unter Jura (Begriffsklärung) aufgeführt.

Jura
Gebirgstyp Falten- und Tafeljura
Staaten Schweiz, Frankreich und im weiteren geologischen Sinn Deutschland
Länge rund 300 km
Fläche rund 14'000 km²
Anteil in der Schweiz knapp ein Drittel der Gesamtfläche; rund 10 % der Landesfläche
Höchster Gipfel Crêt de la Neige, rund 1720 m
Höchster Gipfel der Schweizer Jura Mont Tendre, 1679 m
Bedeutende Gipfel Chasseral, La Dôle, Mont d’Amin, Hasenmatt, Weissenstein, Lägern
Bedeutende Flüsse Doubs, Birs, Areuse, Orbe, Schüss, Allaine und Sorne
Bedeutende Seen Lac de Joux, Lac des Brenets, Lac de Saint-Point und Lac de Chalain
Gesteine Vorwiegend Kalkstein, Mergel, Dolomit und Gips
Geologisches Alter der Gesteine Vor allem Trias, Jura und Kreide
Gebirgsbildung Vorwiegend im späten Tertiär während der Alpenbildung

Der Jura ist ein langgestrecktes Mittelgebirge beidseits der französisch-schweizerischen Grenze. Er bildet neben den Alpen und dem Schweizer Mittelland einen der drei grossen Naturräume der Schweiz. Das Gebirge erstreckt sich in einem weiten Bogen vom Gebiet nördlich des Genfersees über die Westschweiz, den Berner und Solothurner Jura bis zum Raum Basel, zum Aargauer Jura, zur Lägern und zum Randen.[1]

Der gesamte französisch-schweizerische Jura besitzt eine Fläche von rund 14'000 Quadratkilometern. Knapp ein Drittel davon liegt in der Schweiz. Der schweizerische Jura umfasst ungefähr zehn Prozent der Landesfläche und erstreckt sich über Teile der Kantone Waadt, Neuenburg, Bern, Jura, Solothurn, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Aargau, Zürich und Schaffhausen.[2]

Das Gebirge ist durch langgestreckte, meist von Südwesten nach Nordosten verlaufende Ketten, bewaldete Höhen, Hochweiden, Karstlandschaften, Schluchten und abgeschlossene Hochtäler geprägt. Im Gegensatz zu den Alpen fehlen dauerhaft vergletscherte Hochgebirgsregionen. Die höchsten Gipfel erreichen dennoch Höhen von mehr als 1600 Metern.

Der höchste Punkt des gesamten Juras ist der rund 1720 Meter hohe Crêt de la Neige im französischen Département Ain. Der höchste Gipfel des Schweizer Juras ist der 1679 Meter hohe Mont Tendre im Kanton Waadt.

Der Jura besitzt eine grosse Bedeutung für die Geologie. Das Erdzeitalter des Juras wurde nach dem Gebirge benannt, weil dort mächtige und gut sichtbare Gesteinsschichten dieses Zeitabschnitts vorkommen. Der Name des Gebirges ist damit in die internationale geologische Fachsprache eingegangen.

Name

Der Name Jura ist bereits in der Antike belegt. Julius Caesar erwähnte in seinem Werk De bello Gallico ein Gebirge namens Iura, das das Gebiet der Helvetier von jenem der Sequaner trennte.

Die Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Häufig wird er auf eine keltische beziehungsweise gallische Wortwurzel zurückgeführt, die einen Wald, ein bewaldetes Gebirge oder eine bewaldete Höhe bezeichnete. Diese Deutung passt zum bis heute hohen Waldanteil des Gebirges.

Der Name wurde später auf unterschiedliche politische und geografische Gebiete übertragen. Dazu gehören:

  • das Juragebirge;
  • der Schweizer Kanton Jura;
  • das französische Département Jura;
  • die historische Region des Berner Juras;
  • die geologische Jurazeit;
  • zahlreiche Gemeinden, Unternehmen und regionale Organisationen.

Zur eindeutigen Unterscheidung wird das Gebirge in Nachschlagewerken teilweise als Jura (Gebirge) bezeichnet. Als natürlicher enzyklopädischer Artikelname ist im Deutschen jedoch auch die einfache Form Jura gebräuchlich.

Lage und Ausdehnung

Der französisch-schweizerische Jura bildet einen nach Südosten geöffneten Gebirgsbogen. Er verläuft ungefähr parallel zum Nordwestrand des Schweizer Mittellands.

Im Südwesten beginnt das Gebirge im Bereich der Rhône und des Genfer Beckens. Von dort zieht es sich über die französischen Départements Ain, Jura und Doubs sowie entlang der schweizerischen Westgrenze nach Nordosten.

Im Raum Basel erreicht der Jura den Oberrheingraben. Östlich davon setzen sich ähnliche Kalklandschaften im Tafeljura, im Klettgau, im Randen und in der Schwäbischen Alb fort. Geologisch bestehen enge Zusammenhänge, geografisch wird die Schwäbische Alb jedoch gewöhnlich als eigenständiges Gebirge betrachtet.

Der Jura grenzt:

  • im Südosten an das Schweizer Mittelland;
  • im Süden und Südwesten an das Genfer Becken und das Rhônetal;
  • im Westen an das Saône-Becken und die französischen Landschaften Bresse und Franche-Comté;
  • im Norden an den Oberrheingraben;
  • im Nordosten an Schwarzwald, Klettgau und Schwäbische Alb.

Die Breite des Gebirges schwankt stark. Im Waadtländer und französischen Jura liegen mehrere parallele Ketten nebeneinander. Gegen Nordosten wird das Gebirge niedriger und teilweise schmaler.

Schweizer Jura

Der schweizerische Teil des Gebirges wird meist von Südwesten nach Nordosten in mehrere regionale Abschnitte gegliedert.

Bedeutende Teilregionen des Schweizer Juras
Teilregion Kantone Merkmale
Waadtländer Jura Waadt Höchste Ketten des Schweizer Juras, Mont Tendre, La Dôle, Vallée de Joux und ausgedehnte Waldweiden
Neuenburger Jura Neuenburg Creux du Van, Val de Travers, La Chaux-de-Fonds, Le Locle und hohe Faltenketten
Berner Jura Bern Chasseral, Vallon de Saint-Imier, Grand Chasseral, Schluchten und zweisprachige Übergangsräume
Freibergisches Hochland Jura und Bern Hochebene der Freiberge mit Waldweiden, Pferdezucht und Moorlandschaften
Jurassischer Kantonsteil Jura Ajoie, Clos du Doubs, Delsberger Becken, Freiberge und Tafeljuralandschaften
Solothurner Jura Solothurn und Basel-Landschaft Weissenstein, Hasenmatt, Passwang, Klusen und stark gefaltete Ketten
Basler Jura Basel-Landschaft und Basel-Stadt Falten- und Tafeljura, Ergolztal, Frenkentäler und Übergang zum Oberrheingraben
Aargauer Jura Aargau Tafeljura und Kettenjura mit Staffelegg, Bözberg und zahlreichen Trockentälern
Lägern Zürich und Aargau Schmale, stark aufgerichtete östliche Jurakette
Randen Schaffhausen Tafelförmige Kalkhochfläche im Übergang zur Schwäbischen Alb

Die Grenzen zwischen diesen Gebieten sind nicht überall eindeutig. Geologische, historische, sprachliche und politische Gliederungen können voneinander abweichen.

Französischer Jura

Der grössere Teil des Juragebirges liegt in Frankreich. Er erstreckt sich über Teile der Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Bourgogne-Franche-Comté.

Zu den wichtigsten französischen Gebieten gehören:

  • das Pays de Gex;
  • der Haut-Jura;
  • das Département Jura;
  • das Département Doubs;
  • Teile des Départements Ain;
  • die Hochflächen der Franche-Comté;
  • die Gebiete um Saint-Claude, Morez, Pontarlier und Morteau.

Der französische Jura besitzt ausgedehnte Waldgebiete, Hochweiden, Karstquellen, Wasserfälle und zahlreiche natürliche Seen. Im südlichen Teil liegen die höchsten Gipfel des gesamten Gebirges.

Zwischen dem französischen und dem schweizerischen Jura bestanden seit Jahrhunderten enge wirtschaftliche, sprachliche und familiäre Beziehungen. Die Staatsgrenze verläuft häufig über Höhenzüge, Wälder und abgelegene Hochflächen.

Höchste Erhebungen

Die höchsten Gipfel liegen im südwestlichen Jura nahe der französisch-schweizerischen Grenze. Gegen Nordosten nimmt die Höhe des Gebirges allgemein ab.

Auswahl bedeutender Gipfel und Höhen
Gipfel oder Höhe Höhe Staat beziehungsweise Kanton Bedeutung
Crêt de la Neige rund 1720 m Frankreich Höchster Gipfel des gesamten Juras
Le Reculet rund 1718 m Frankreich Markanter Gipfel im südlichen Hochjura
Mont Tendre 1679 m Waadt Höchster Gipfel des Schweizer Juras
La Dôle 1677 m Waadt Bedeutender Aussichtsgipfel oberhalb von Nyon
Grand Crêt d’Eau rund 1620 m Frankreich Südlicher Jura oberhalb des Rhônetals
Chasseral 1607 m Bern Höchster Gipfel des Berner Juras
Mont d’Or 1463 m Frankreich Aussichtsgipfel nahe der Schweizer Grenze
Mont Racine 1439 m Neuenburg Bedeutende Höhe im Neuenburger Jura
Hasenmatt 1445 m Solothurn Höchster Punkt des Kantons Solothurn
Röti 1395 m Solothurn Höchster Punkt der Weissensteinkette
Belchenflue 1099 m Basel-Landschaft und Solothurn Markanter Aussichtspunkt im nördlichen Faltenjura
Lägern 866 m Zürich und Aargau Östliche Jurakette mit schmalem Felsgrat

Die Höhenangaben einzelner Gipfel können je nach Vermessungsgrundlage geringfügig voneinander abweichen.

Geologie

Sedimentgesteine

Der Jura besteht überwiegend aus Sedimentgesteinen, die während der Trias-, Jura- und Kreidezeit in einem flachen Meer abgelagert wurden.

Zu den häufigsten Gesteinen gehören:

  • Kalkstein;
  • Mergel;
  • Dolomit;
  • Tonstein;
  • Gips;
  • Anhydrit;
  • Sandstein.

Die mächtigen Kalksteinschichten enthalten zahlreiche Fossilien. Ammoniten, Muscheln, Seeigel, Korallen und andere Meeresorganismen belegen, dass sich an der Stelle des heutigen Gebirges während langer Zeit ein Meer befand.

Die unterschiedliche Widerstandsfähigkeit der Gesteine beeinflusst die Landschaft. Harte Kalkschichten bilden Grate, Felswände und Kämme. Weichere Mergel- und Tonschichten wurden stärker abgetragen und bilden Täler, Mulden und sanftere Hänge.

Entstehung des Faltenjuras

Die heutige Form des Juras entstand vergleichsweise spät. Die Gesteine selbst sind wesentlich älter als die Gebirgsfaltung.

Während der Entstehung der Alpen wurde die afrikanische Kontinentalplatte gegen Europa gedrückt. Die damit verbundenen Kräfte wirkten weit über den Alpenraum hinaus.

Im späten Tertiär, besonders während des Miozäns und Pliozäns, wurden die Sedimentschichten des Jura zusammengeschoben, gefaltet und teilweise übereinandergeschoben.

Unter den mächtigen Kalk- und Mergelschichten liegen verformbare Salz-, Gips- und Anhydritschichten aus der Trias. Diese wirkten als Abscherhorizont. Die darüberliegenden Gesteinspakete konnten sich vom tieferen Untergrund lösen und nach Nordwesten verschieben.

Dadurch entstanden:

  • langgestreckte Falten;
  • Überschiebungen;
  • aufgewölbte Sättel;
  • abgesenkte Mulden;
  • steilgestellte Kalkschichten;
  • parallele Bergketten.

Der Schweizer Faltenjura wird geologisch in einen inneren und einen äusseren Faltenjura gegliedert. Das dreidimensionale Untergrundmodell swissJURA3D des Bundesamts für Landestopografie erfasst diese Strukturen und ihre Fortsetzung im Untergrund.[3]

Tafeljura

Im Tafeljura wurden die Gesteinsschichten wesentlich weniger stark gefaltet. Sie liegen weitgehend horizontal oder sind nur leicht geneigt.

Flüsse und Bäche schnitten Täler in die Kalktafeln ein. Dadurch entstanden Hochflächen, Stufenlandschaften und steile Talränder.

Der Tafeljura ist besonders ausgeprägt:

  • im Kanton Basel-Landschaft;
  • im nördlichen Kanton Aargau;
  • in der Ajoie;
  • im Raum Schaffhausen;
  • in angrenzenden Teilen Frankreichs und Deutschlands.

Zwischen Falten- und Tafeljura bestehen zahlreiche Übergangsformen.

Klusen und Längstäler

Typisch für den Faltenjura sind parallel zu den Gebirgsketten verlaufende Längstäler und quer durch die Ketten eingeschnittene Schluchten.

Eine quer verlaufende Schlucht wird in der Schweiz häufig als Klus bezeichnet. Bekannte Beispiele sind:

  • die Klus von Balsthal;
  • die Gorges de Moutier;
  • die Taubenlochschlucht;
  • die Gorges de l’Areuse;
  • die Gorges du Pichoux;
  • die Schlucht von Court.

Die Entstehung der Klusen wird unterschiedlich erklärt. Teilweise bestanden die Flüsse bereits vor der vollständigen Auffaltung des Gebirges und schnitten sich während der Hebung weiter ein. In anderen Fällen nutzten sie Schwächezonen und Brüche im Gestein.

Creux du Van

Der Creux du Van im Neuenburger Jura ist eine hufeisenförmige Felsarena mit bis zu etwa 160 Meter hohen Kalkwänden.

Die heutige Form entstand durch Erosion, Frostsprengung und die Wirkung eiszeitlicher Gletscher. Der Talkessel gehört zu den bekanntesten geologischen Naturdenkmälern der Schweiz.

Am Fuss der Felswände liegt ein Kaltluftgebiet, in dem auf relativ geringer Höhe Pflanzen wachsen, die sonst vor allem in alpinen Regionen vorkommen.

Jura als Name eines Erdzeitalters

Im frühen 19. Jahrhundert erkannten Geologen, dass die im Jura verbreiteten Kalk- und Mergelschichten eine eigene Abfolge innerhalb der Erdgeschichte bildeten.

Der französische Geologe Alexandre Brongniart verwendete die Bezeichnung terrains jurassiques für diese Gesteinsserien. Daraus entwickelte sich der internationale Name der Jurazeit.

Der geologische Jura begann vor ungefähr 201 Millionen Jahren und endete vor rund 145 Millionen Jahren.

Die Jurazeit wird in drei Abschnitte gegliedert:

  • Unterjura;
  • Mitteljura;
  • Oberjura.

Die Benennung eines weltweit verwendeten Erdzeitalters nach dem Gebirge gehört zu den wichtigsten wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutungen des Juras.

Karst

Die Kalksteine des Juras werden durch leicht saures Regen- und Grundwasser langsam aufgelöst. Dadurch entstanden vielfältige Karstformen.

Typische Erscheinungen sind:

  • Dolinen;
  • Höhlen;
  • Schächte;
  • unterirdische Flüsse;
  • Karrenfelder;
  • Trockentäler;
  • grosse Karstquellen;
  • zeitweise wasserlose Bachbetten.

Ein Teil des Niederschlags versickert rasch im Untergrund. Das Wasser fliesst durch Klüfte, Spalten und Höhlensysteme und tritt teilweise weit entfernt wieder an die Oberfläche.

Bekannte Karstquellen und Höhlen sind:

  • die Orbequelle bei Vallorbe;
  • die Grottes de Vallorbe;
  • die Source de la Loue in Frankreich;
  • die Source du Lison;
  • die Grottes de Réclère;
  • die Höhlen von Saint-Brais;
  • zahlreiche kleinere Höhlensysteme im Waadtländer, Neuenburger und Berner Jura.

Karstgebiete reagieren empfindlich auf Verschmutzungen. Schadstoffe können durch das schnell versickernde Wasser beinahe ungefiltert in Quellen und Grundwasservorkommen gelangen.

Gewässer

Der Jura liegt auf der europäischen Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet des Rheins und jenem der Rhône.

Ein grosser Teil des Schweizer Juras entwässert über Aare und Rhein zur Nordsee. Der südwestliche Jura entwässert teilweise über Rhône und Saône zum Mittelmeer.

Doubs

Der Doubs entspringt bei Mouthe im französischen Jura. Er fliesst in einem weiten Bogen durch Frankreich und bildet auf längeren Abschnitten die Grenze zur Schweiz.

Bei Les Brenets durchfliesst er den Lac des Brenets. Unterhalb des Sees bildet der Fluss den Wasserfall Saut du Doubs.

Der Clos du Doubs liegt innerhalb einer markanten Flussschleife. Der Doubs fliesst anschliessend wieder nach Frankreich und mündet bei Verdun-sur-le-Doubs in die Saône.

Birs

Die Birs entspringt bei Tavannes im Berner Jura. Sie durchquert mehrere Längstäler und Klusen, darunter die Gorges de Moutier.

Über Delémont, Laufen und das Birstal erreicht sie bei Basel den Rhein.

Das Birstal bildet eine der wichtigsten natürlichen Verkehrsachsen durch den nördlichen Jura.

Areuse

Die Areuse entspringt im Val de Travers und fliesst durch die Gorges de l’Areuse zum Neuenburgersee.

Ihre Wasserkraft wurde seit dem 19. Jahrhundert für Industrie und Elektrizitätsproduktion genutzt.

Schüss

Die Schüss, französisch Suze, entspringt im Berner Jura und fliesst durch das Vallon de Saint-Imier.

Sie durchquert die Taubenlochschlucht und mündet bei Biel in den Bielersee.

Weitere Flüsse

Weitere bedeutende Flüsse und Bäche sind:

  • Orbe;
  • Allaine;
  • Sorne;
  • Birse;
  • Nozon;
  • Venoge;
  • Lüssel;
  • Dünnern;
  • Ergolz;
  • Sissle;
  • Aabach;
  • Surb.

Die Flüsse prägen zahlreiche Schluchten, Quertäler und Siedlungsräume.

Seen und Moore

Im Jura bestehen natürliche Seen, Karstseen, Moorgewässer und künstliche Stauseen.

Auswahl bedeutender Seen und Feuchtgebiete
Gewässer Staat beziehungsweise Kanton Besonderheit
Lac de Joux Waadt Grösster See, der vollständig im Schweizer Jura liegt
Lac Brenet Waadt Kleiner See im Vallée de Joux mit unterirdischem Abfluss
Lac des Brenets Neuenburg und Frankreich Vom Doubs durchflossener Grenzsee
Étang de la Gruère Jura Bedeutendes Hochmoor und Naturschutzgebiet
Lac de Saint-Point Frankreich Einer der grössten natürlichen Seen Frankreichs
Lac de Chalain Frankreich Glazial geprägter See mit prähistorischen Fundstellen
Lac de l’Abbaye Frankreich Natürlicher See im französischen Hochjura
Klingnauer Stausee Aargau Bedeutendes Vogelreservat am östlichen Jurafuss

Das Vallée de Joux besitzt trotz seiner Höhenlage mehrere Seen. Das Wasser des Lac de Joux fliesst über den Lac Brenet und unterirdische Karstsysteme zur Orbequelle bei Vallorbe.

Hochmoore entstanden vor allem in schlecht entwässerten Mulden und auf kühlen Hochflächen. Viele Moore wurden früher zur Torfgewinnung genutzt. Seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative von 1987 stehen Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung unter strengem Schutz.

Klima

Das Klima des Juras wird durch Höhenlage, Exposition und Entfernung zu den grossen Seen beeinflusst.

Die Hochlagen besitzen kalte Winter und vergleichsweise kühle Sommer. In abgeschlossenen Hochtälern kann sich während klarer Nächte sehr kalte Luft sammeln.

Besonders bekannt sind tiefe Wintertemperaturen in:

  • La Brévine;
  • dem Vallée de Joux;
  • den Freibergen;
  • dem Hochjura;
  • geschlossenen Karstmulden.

La Brévine wird aufgrund ihrer tiefen Wintertemperaturen gelegentlich als «Sibirien der Schweiz» bezeichnet.

Die westlichen und nordwestlichen Hänge erhalten hohe Niederschlagsmengen. Feuchte Luftmassen aus westlichen Richtungen steigen am Gebirge auf und kühlen sich ab.

Auf den Jurahöhen liegt im Winter regelmässig Schnee. Die Dauer der Schneedecke schwankt jedoch stark und nimmt infolge des Klimawandels in vielen tieferen und mittleren Lagen ab.

Bei Hochdrucklagen ragen die Jurakämme häufig über das Nebelmeer des Mittellands. Von den Höhen besteht dann eine weite Aussicht auf die Alpen.

Vegetation

Der Jura war ursprünglich grossflächig bewaldet. Rodungen, Landwirtschaft, Waldweiden und Siedlungen veränderten die natürliche Vegetation.

In tieferen Lagen wachsen vor allem:

  • Buchen;
  • Eichen;
  • Ahorn;
  • Eschen;
  • Linden;
  • Tannen.

In höheren Lagen dominieren Buchen-Tannen-Wälder und Fichtenbestände. Auf wind- und kälteexponierten Kreten wachsen Bergföhren, Wacholder und niedrige Sträucher.

Eine Besonderheit sind die offenen Waldweiden. Einzelne Fichten, Baumgruppen und Hecken stehen dort inmitten extensiv genutzter Weideflächen.

Die Waldweiden entstanden durch eine jahrhundertelange gemeinsame Nutzung von Wald und Weideland. Sie gehören zu den charakteristischsten Kulturlandschaften des Juras.

Auf trockenen, sonnigen Kalkhängen gedeihen artenreiche Trockenwiesen. Dort wachsen unter anderem verschiedene Orchideen, Enziane und wärmeliebende Pflanzen.

Tierwelt

Die grossen Wälder, Schluchten und dünn besiedelten Hochflächen bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

Zu den typischen oder bedeutenden Arten gehören:

  • Luchs;
  • Gämse;
  • Reh;
  • Rothirsch;
  • Wildschwein;
  • Wildkatze;
  • Fuchs;
  • Dachs;
  • Auerhuhn;
  • Wanderfalke;
  • Uhu;
  • Schwarzspecht;
  • verschiedene Fledermausarten.

Der Luchs wurde in den 1970er-Jahren wiederangesiedelt und besitzt heute im Jura einen wichtigen Lebensraum.

Die Gämse kommt nicht nur in den Alpen, sondern auch an den Felswänden und steilen Hängen des Juras vor.

Das Auerhuhn ist auf störungsarme, strukturreiche Wälder angewiesen. Seine Bestände stehen durch Lebensraumverlust und Freizeitaktivitäten unter Druck.

In Flüssen wie dem Doubs leben seltene Fischarten. Veränderungen des Wasserhaushalts, Verschmutzungen und steigende Wassertemperaturen gefährden empfindliche Gewässerökosysteme.

Natur- und Landschaftsschutz

Grosse Teile des Juras besitzen einen hohen landschaftlichen und biologischen Wert.

Mehrere Gebiete sind im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung erfasst. Daneben bestehen Naturschutzgebiete, Waldreservate, Moorlandschaften und regionale Naturpärke.

Naturpärke im Schweizer Jura
Park Kantone Landschaftliche Merkmale
Parc Jura vaudois Waadt Hohe Juraketten, Waldweiden, Trockenmauern und Vallée de Joux
Parc régional Chasseral Bern und Neuenburg Chasseral, Vallon de Saint-Imier, Wälder, Weiden und Uhrenstädte
Parc du Doubs Jura, Bern und Neuenburg Doubslandschaft, Freiberge, Schluchten und Waldweiden
Naturpark Thal Solothurn Solothurner Faltenjura, Klusen, Wälder und Dörfer
Jurapark Aargau Aargau und Solothurn Tafeljura, Hochstammobstgärten, Trockenwiesen und lichte Wälder
Regionaler Naturpark Schaffhausen Schaffhausen und angrenzendes Deutschland Randen, Reblandschaften, Wälder und Dörfer

Regionale Naturpärke sind bewohnte Kulturlandschaften. Sie verbinden den Schutz von Natur und Landschaft mit einer nachhaltigen regionalen Wirtschaft.[4]

Zu den besonders bekannten Naturgebieten gehören:

  • Creux du Van;
  • Étang de la Gruère;
  • Vallée de Joux;
  • Chasseral;
  • Clos du Doubs;
  • Weissenstein;
  • Belchen-Passwang;
  • Aargauer Tafeljura;
  • Lägern;
  • Randen.

Bevölkerung und Siedlungsstruktur

Die Besiedlung des Juras konzentriert sich auf Täler, Becken und verkehrsgünstige Hochflächen.

Zu den bedeutenden Städten und regionalen Zentren gehören:

  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Delémont;
  • Porrentruy;
  • Moutier;
  • Saint-Imier;
  • Grenchen;
  • Liestal;
  • Laufen;
  • Balsthal;
  • Sainte-Croix;
  • Vallorbe;
  • Pontarlier;
  • Saint-Claude.

Auf den Hochflächen bestehen zahlreiche Dörfer, Weiler und Einzelhöfe. Die traditionelle Siedlungsweise wurde durch Landwirtschaft, Waldnutzung und die Verfügbarkeit von Wasser bestimmt.

In Karstgebieten war die Wasserversorgung häufig schwierig. Regenwasser wurde in Zisternen gesammelt, und Quellen besassen eine besondere Bedeutung.

Seit dem 20. Jahrhundert wuchsen vor allem die Städte und Gemeinden am Jurafuss. Viele Menschen pendeln heute in die Wirtschaftsregionen Basel, Biel, Lausanne, Genf, Zürich oder Bern.

Abgelegene Hochtäler und Grenzgebiete sind dagegen teilweise von Bevölkerungsrückgang und Überalterung betroffen.

Sprachen

Der Jura gehört sowohl zum französischen als auch zum deutschen Sprachraum.

Der westliche und südwestliche Teil ist überwiegend französischsprachig. Dazu gehören:

  • der Waadtländer Jura;
  • der Neuenburger Jura;
  • der Kanton Jura;
  • grosse Teile des Berner Juras;
  • der französische Jura.

Im östlichen und nordöstlichen Jura wird überwiegend Deutsch beziehungsweise Schweizerdeutsch gesprochen. Dazu gehören der Solothurner, Basler, Aargauer, Zürcher und Schaffhauser Jura.

Im Kanton Bern und im Raum Biel-Seeland bestehen französisch- und deutschsprachige Übergangsräume.

Historisch wurden im französischsprachigen Jura verschiedene frankoprovenzalische und französische Dialekte gesprochen. Im Kanton Jura wird der regionale Dialekt als Patois jurassien bezeichnet.

Die Industrialisierung und Zuwanderung führten besonders in den Uhrenstädten zu einer vielfältigen sprachlichen Zusammensetzung.

Frühgeschichte

Der Jura war bereits in der Altsteinzeit besiedelt. Höhlen, Felsdächer und Flusstäler boten Schutz und Zugang zu Wasser und Wild.

Archäologische Fundstellen belegen menschliche Anwesenheit während verschiedener vorgeschichtlicher Perioden.

Zu den bekannten Fundgebieten gehören:

  • die Höhlen von Cotencher;
  • die Region um den Doubs;
  • die Ajoie;
  • das Birstal;
  • der Aargauer Jura;
  • die Höhlen und Felsdächer im französischen Jura.

In der Jungsteinzeit entstanden bäuerliche Siedlungen. Die Menschen betrieben Landwirtschaft, Viehzucht und Handel.

Während der Bronze- und Eisenzeit wurden Jurapässe und Täler als Verbindungen zwischen Mittelland, Rheinraum, Burgund und Rhonetal genutzt.

Kelten und Römer

Vor der römischen Eroberung lebten im schweizerischen und französischen Juraraum verschiedene keltische Gruppen.

Der südliche und mittlere Jura lag im Einflussbereich der Helvetier und Sequaner. Der Gebirgszug bildete teilweise eine natürliche Grenze zwischen ihren Siedlungsgebieten.

Nach der römischen Eroberung wurde der Jura Teil der Provinzen Gallia Belgica, Germania superior und später weiterer Verwaltungseinheiten.

Römische Strassen überquerten das Gebirge. Bedeutende Verbindungen führten:

  • über den Col de Jougne;
  • durch das Birstal;
  • über den Oberen und Unteren Hauenstein;
  • über den Bözberg;
  • durch die Pierre Pertuis.

Die Römer nutzten Kalkstein, Eisenerz, Holz und landwirtschaftliche Flächen. Gutshöfe, kleine Siedlungen und Heiligtümer entstanden in Tälern und am Jurafuss.

Mittelalter

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches gehörte der Jura zu unterschiedlichen burgundischen, alemannischen und fränkischen Herrschaftsräumen.

Im Mittelalter war das Gebiet politisch stark zersplittert. Bedeutende Herrschaften und Institutionen waren:

  • das Fürstbistum Basel;
  • die Grafschaft Burgund;
  • das Herzogtum Burgund;
  • die Grafen von Neuenburg;
  • die Herrschaft Waadt;
  • das Haus Savoyen;
  • die Habsburger;
  • Klöster und Stifte;
  • Städte wie Basel, Bern, Solothurn und Biel.

Klöster spielten bei der Besiedlung von Hochtälern und Waldgebieten eine wichtige Rolle. Sie liessen Wälder roden, gründeten Höfe und förderten Landwirtschaft und Handwerk.

Das Fürstbistum Basel beherrschte grosse Teile des heutigen Kanton Juras, des Berner Juras und des Laufentals.

Die Täler und Pässe waren für den Handel zwischen Rhein, Mittelland und Burgund bedeutend. Gleichzeitig erschwerten Schnee, schlechte Wege und enge Schluchten den Verkehr.

Frühe Neuzeit

Während der Burgunderkriege und der Ausdehnung der Eidgenossenschaft gerieten Teile des Juras unter den Einfluss von Bern, Basel, Solothurn und anderen eidgenössischen Orten.

Die Waadt gelangte 1536 unter bernische Herrschaft. Neuenburg blieb ein eigenständiges Fürstentum und wurde 1815 zugleich Schweizer Kanton.

Der nördliche Jura blieb grösstenteils Teil des Fürstbistums Basel. Dieses war politisch mit dem Heiligen Römischen Reich verbunden, unterhielt jedoch enge Beziehungen zur Eidgenossenschaft.

Die Reformation führte zu unterschiedlichen konfessionellen Entwicklungen. Der südliche Berner und Waadtländer Jura wurde reformiert, während grosse Teile des Fürstbistums Basel katholisch blieben.

Diese konfessionellen Unterschiede beeinflussten die politische und kulturelle Entwicklung der Region bis in die Neuzeit.

Französische Revolution und Neuordnung

1792 wurde im nördlichen Teil des Fürstbistums Basel die kurzlebige Raurakische Republik ausgerufen.

Wenig später annektierte Frankreich das Gebiet. Es wurde zunächst zum Département Mont-Terrible und später teilweise dem Département Haut-Rhin zugeteilt.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft entschied der Wiener Kongress 1815 über die Neuordnung.

Der grösste Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel wurde dem Kanton Bern zugesprochen. Das Birseck kam zum Kanton Basel.

Diese Entscheidung bildete langfristig eine Grundlage des Jurakonflikts und der späteren Gründung des Kantons Jura.

Industrialisierung

Der Jura entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Industrieregion.

Besonders wichtig waren:

  • Uhrenindustrie;
  • Textilindustrie;
  • Metallverarbeitung;
  • Maschinenbau;
  • Glasherstellung;
  • Papierindustrie;
  • Eisenverhüttung;
  • Kalk- und Zementproduktion.

Uhrenindustrie

Die Uhrenindustrie verbreitete sich seit dem 18. Jahrhundert in den Hochtälern des Neuenburger und Berner Juras.

Landwirtschaftliche Familien fertigten während der Wintermonate Uhrenteile in Heimarbeit. Händler und Werkstätten organisierten die Produktion und den internationalen Verkauf.

Wichtige Zentren waren:

  • La Chaux-de-Fonds;
  • Le Locle;
  • Saint-Imier;
  • Grenchen;
  • Biel;
  • Le Sentier;
  • Sainte-Croix;
  • Morteau.

Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden Fabriken und spezialisierte Zulieferbetriebe. Die Region entwickelte sich zu einem Zentrum der Präzisionsindustrie.

La Chaux-de-Fonds und Le Locle gehören aufgrund ihres durch die Uhrenindustrie geprägten Städtebaus seit 2009 zum UNESCO-Welterbe.

Eisen und Metall

Im Jura bestanden verschiedene Eisenerzvorkommen. Holz aus den Wäldern lieferte die Holzkohle für Schmelzöfen.

In der Ajoie, im Delsberger Becken, im Berner Jura, im Fricktal und in der Franche-Comté wurden Eisenerze gewonnen und verarbeitet.

Mit der Entwicklung moderner Hochöfen und günstigerer Importmöglichkeiten verlor der lokale Erzabbau an Bedeutung.

Textil- und Papierindustrie

Wasserkraft begünstigte die Ansiedlung von Mühlen, Sägereien, Papierfabriken und Textilbetrieben.

Im Birstal, im Ergolztal, im Val de Travers und in weiteren Tälern entstanden bedeutende Industrieanlagen.

Viele traditionelle Betriebe verschwanden im 20. Jahrhundert oder wurden durch moderne Unternehmen ersetzt.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft des Juras ist stark an Klima, Höhenlage und Kalkböden angepasst.

In den Hochlagen dominieren:

  • Milchwirtschaft;
  • Viehzucht;
  • Pferdezucht;
  • Weidewirtschaft;
  • Forstwirtschaft.

Ackerbau ist vor allem in tieferen Becken, im Tafeljura und am Jurafuss verbreitet.

Typische Landschaftselemente sind:

  • Trockensteinmauern;
  • Waldweiden;
  • Einzelbäume;
  • langgestreckte Bauernhäuser;
  • Hecken;
  • Hochstammobstgärten;
  • Sömmerungsweiden.

In den Freibergen besitzt die Pferdezucht eine besondere Bedeutung. Das Freiberger Pferd ist die einzige heute noch bestehende schweizerische Pferderasse.

Zu den bekannten regionalen Produkten gehören:

  • Gruyère;
  • Tête de Moine;
  • Vacherin Mont-d’Or;
  • Comté;
  • Morbier;
  • Saucisse d’Ajoie;
  • Damassine;
  • Absinth;
  • regionale Fleisch- und Wurstwaren.

Forstwirtschaft

Der Wald ist ein wichtiger natürlicher und wirtschaftlicher Bestandteil des Juras.

Er liefert:

  • Bauholz;
  • Brennholz;
  • Industrieholz;
  • Schutz vor Erosion;
  • Lebensraum für Tiere und Pflanzen;
  • Erholungsraum.

Die historische Nutzung war teilweise sehr intensiv. Holz wurde für Gebäude, Glashütten, Salinen, Eisenwerke und Holzkohle benötigt.

Heute wird ein grosser Teil der Wälder nach nachhaltigen Grundsätzen bewirtschaftet. Einzelne Flächen sind als Naturwaldreservate oder Sonderwaldreservate geschützt.

Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor neue Herausforderungen. Trockenheit, Stürme, Schädlinge und höhere Temperaturen verändern die Zusammensetzung der Wälder.

Rohstoffe und Untergrund

Der Jura besitzt verschiedene mineralische Rohstoffe.

Von Bedeutung waren oder sind:

  • Kalkstein;
  • Ton;
  • Gips;
  • Salz;
  • Eisenerz;
  • Asphalt;
  • Bausteine;
  • mineralische Rohstoffe für Zement.

Bei Travers im Kanton Neuenburg wurde während langer Zeit natürlicher Asphalt abgebaut.

Im Jura bestehen zahlreiche Kalksteinbrüche und Zementwerke. Der Abbau führt regelmässig zu Konflikten zwischen Rohstoffversorgung, Landschaftsschutz und Naturschutz.

Der Untergrund wird ausserdem für Grundwasser, Tunnel, Geothermie und wissenschaftliche Forschung untersucht.

Im Felslabor Mont Terri bei Saint-Ursanne erforschen internationale Organisationen Eigenschaften von Opalinuston. Die Untersuchungen dienen unter anderem der Beurteilung möglicher geologischer Tiefenlager für radioaktive Abfälle.

Verkehr

Die parallelen Juraketten stellten lange ein Verkehrshindernis zwischen Mittelland, Rheinraum und Frankreich dar.

Täler, Klusen und Pässe bestimmten die Verkehrswege. Viele heutige Strassen und Bahnlinien folgen historischen Routen.

Jurapässe

Auswahl bedeutender Jurapässe
Pass Höhe Verbindung
Col de la Faucille 1320 m Genfer Becken und französischer Hochjura
Col du Marchairuz 1447 m Genferseeregion und Vallée de Joux
Col du Mollendruz 1180 m Waadtländer Mittelland und Vallée de Joux
Col de Jougne rund 1010 m Vallorbe und Pontarlier
Vue des Alpes 1283 m Neuenburg und La Chaux-de-Fonds
Pierre Pertuis 827 m Tavannes und Vallon de Saint-Imier
Weissensteinpass 1279 m Solothurn und Balsthal
Passwang 943 m Balsthal und Laufental
Oberer Hauenstein 734 m Mittelland und Basel
Unterer Hauenstein 690 m Olten und Basel
Staffelegg 621 m Aarau und Fricktal
Bözberg 569 m Brugg und Fricktal

Einige historische Passstrassen verloren durch Eisenbahntunnel und Autobahnen an Bedeutung, bleiben jedoch wichtige regionale Verbindungen.

Eisenbahnen

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Bahnlinien durch den Jura gebaut.

Bedeutende Tunnel sind:

  • Hauenstein-Scheiteltunnel;
  • Hauenstein-Basistunnel;
  • Bözbergtunnel;
  • Grenchenbergtunnel;
  • Weissensteintunnel;
  • Mont-d’Or-Tunnel;
  • Vue-des-Alpes-Tunnel.

Die Jurafusslinie verbindet Genf, Lausanne, Yverdon-les-Bains, Neuenburg, Biel und weitere Städte am südöstlichen Gebirgsrand.

Weitere Bahnstrecken erschliessen La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Delémont, Porrentruy, Moutier, Vallorbe und das Vallée de Joux.

Die Bahnen waren für die Industrialisierung und den Export von Uhren, Maschinen und anderen Produkten von grosser Bedeutung.

Strassen und Autobahnen

Die Autobahn A2 durchquert den nördlichen Jura im Raum Basel und Hauenstein. Die A3 führt durch den Aargauer Jura und den Bözbergtunnel.

Die Transjurane A16 verbindet Biel über Moutier, Delémont und Porrentruy mit der französischen Grenze. Sie wurde schrittweise zwischen 1984 und 2017 eröffnet.

Der Bau der A16 verbesserte die Erreichbarkeit des Kantons Jura und des Berner Juras, erforderte jedoch zahlreiche Tunnel, Brücken und archäologische Untersuchungen.

Politische Geschichte des Schweizer Juras

Der Begriff Jura bezeichnet nicht nur das Gebirge, sondern auch einen politisch und kulturell geprägten Raum.

Nach 1815 gehörte der grösste Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel zum Kanton Bern.

Im 20. Jahrhundert entstand eine Bewegung für die politische Selbstständigkeit des überwiegend französischsprachigen und katholischen Nordjuras.

Nach mehreren Abstimmungen wurde 1979 der Kanton Jura gegründet. Die südlichen, überwiegend reformierten Bezirke blieben beim Kanton Bern und bilden den Berner Jura.

Das Laufental wechselte 1994 vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft.

Die Gemeinde Moutier beschloss nach mehreren politischen und rechtlichen Verfahren den Wechsel vom Kanton Bern zum Kanton Jura. Der Kantonswechsel soll auf den 1. Januar 2026 wirksam werden.

Die Jurafrage gehört zu den bedeutendsten Beispielen einer friedlichen territorialen Neuordnung innerhalb der Schweiz.

Kultur

Der Jura besitzt eine eigenständige Kultur, die durch französische und deutsche Einflüsse, Landwirtschaft, Uhrenindustrie und Grenzlage geprägt ist.

Typische Bestandteile der regionalen Kultur sind:

  • Uhrenmachertradition;
  • Pferdezucht;
  • bäuerliche Märkte;
  • regionale Dialekte;
  • Blasmusik;
  • Chorgesang;
  • Fasnacht;
  • Schützenwesen;
  • Absinthkultur;
  • Trockenmauerbau;
  • traditionelle Käseherstellung.

Das kulturelle Leben ist dezentral. Kleine Städte und Dörfer besitzen Theater, Museen, Musikvereine, historische Gesellschaften und lokale Feste.

Die Uhrenindustrie beeinflusste Architektur, Bildung, Design und soziale Bewegungen. In La Chaux-de-Fonds und anderen Industrieorten entstanden starke Arbeiterbewegungen und anarchistische Gruppierungen.

Architektur

Die traditionelle Architektur unterscheidet sich nach Region und Höhenlage.

Im Hochjura stehen häufig langgestreckte Bauernhäuser, in denen Wohnteil, Stall und Scheune unter einem grossen Dach vereinigt sind.

Die Gebäude sind oft so ausgerichtet, dass sie Schutz vor Wind und Schnee bieten. Kalkstein, Holz und verputztes Mauerwerk sind verbreitete Baumaterialien.

Trockensteinmauern grenzen Weiden und Wege ab. Ihre Bauweise gehört zum immateriellen Kulturerbe und besitzt zugleich eine grosse ökologische Bedeutung.

Die Uhrenstädte entwickelten eine besondere Stadtstruktur. Werkstätten und Wohnräume benötigten möglichst viel Tageslicht. Dadurch entstanden regelmässige Strassennetze und Gebäude mit grossen Fenstern.

Tourismus

Der Tourismus entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert.

Der Jura wird vor allem als ruhige Alternative zu den hochalpinen Ferienregionen wahrgenommen. Die Landschaft eignet sich für:

  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Langlaufen;
  • Schneeschuhwandern;
  • Skifahren;
  • Reiten;
  • Klettern;
  • Höhlenbesuche;
  • Naturbeobachtung;
  • Fluss- und Seetourismus.

Bekannte Ausflugsziele sind:

  • Creux du Van;
  • Vallée de Joux;
  • Chasseral;
  • Weissenstein;
  • Étang de la Gruère;
  • Saut du Doubs;
  • Grottes de Vallorbe;
  • Clos du Doubs;
  • La Dôle;
  • Mont Tendre;
  • Lägern;
  • Wasserfallen;
  • Jurapark Aargau.

Im Winter bestehen zahlreiche Langlaufloipen. Die Schneesicherheit nimmt jedoch besonders in tieferen Lagen ab.

Jura-Höhenweg

Der Jura-Höhenweg gehört zu den ältesten Fernwanderwegen der Schweiz.

Die nationale Route 5 von SchweizMobil führt in 16 Etappen von Dielsdorf im Kanton Zürich nach Nyon am Genfersee.

Die Strecke ist rund 320 Kilometer lang und überwindet insgesamt ungefähr 13'800 Höhenmeter.[5]

Der Weg führt unter anderem über:

  • Lägern;
  • Aargauer Jura;
  • Staffelegg;
  • Hauenstein;
  • Weissenstein;
  • Chasseral;
  • Vue des Alpes;
  • Creux-du-Van-Gebiet;
  • Waadtländer Jura;
  • Mont-Tendre-Region;
  • Saint-Cergue.

Von zahlreichen Abschnitten besteht eine weite Aussicht über das Mittelland zu den Alpen.

Veloverkehr

Die nationale Jura-Route 7 von SchweizMobil führt von Basel nach Nyon.

Sie ist rund 280 Kilometer lang und verläuft durch Hochebenen, Täler, Wälder und abgelegene Dörfer.[6]

Daneben bestehen zahlreiche regionale Velo- und Mountainbikerouten.

Die steilen Pässe des Juras sind regelmässig Teil von Radrennen wie der Tour de Suisse und der Tour de France.

Wintersport

Die hohen und vergleichsweise sanften Jurahochflächen eignen sich besonders für Langlauf und Schneeschuhwandern.

Bedeutende Wintersportgebiete liegen:

  • im Vallée de Joux;
  • bei Saint-Cergue und La Dôle;
  • in den Freibergen;
  • bei Les Bugnenets-Savagnières;
  • am Chasseral;
  • bei La Vue des Alpes;
  • im französischen Hochjura.

Der alpine Skisport besitzt gegenüber den Alpen eine geringere Bedeutung. Die Skigebiete sind kleiner und stärker von natürlichen Schneefällen abhängig.

Klimatische Veränderungen führen zu kürzeren Wintersaisons und erschweren den wirtschaftlichen Betrieb tiefer gelegener Anlagen.

Herausforderungen

Der Jura steht vor ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Dazu gehören:

  • Klimawandel;
  • abnehmende Schneesicherheit;
  • Trockenheit und Waldschäden;
  • Verlust artenreicher Weiden;
  • Zersiedelung am Jurafuss;
  • Verkehrsausbau;
  • Rückgang traditioneller Landwirtschaft;
  • Nutzungskonflikte durch Freizeitaktivitäten;
  • Schutz von Karstgrundwasser;
  • Erhaltung regionaler Arbeitsplätze;
  • demografischer Wandel in abgelegenen Gebieten.

Die Aufgabe besteht darin, Natur- und Kulturlandschaften zu erhalten und zugleich wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.

Regionale Naturpärke, grenzüberschreitende Programme und lokale Produzenten versuchen, Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Gewerbe miteinander zu verbinden.

Bedeutung für die Schweiz

Der Jura ist ein grundlegender Bestandteil der schweizerischen Geografie.

Das Gebirge:

  • bildet einen der drei grossen Naturräume des Landes;
  • prägt die Grenze zu Frankreich;
  • beeinflusst Klima und Wasserhaushalt;
  • besitzt bedeutende Grundwasservorkommen;
  • ist Standort der Uhren- und Präzisionsindustrie;
  • beherbergt wertvolle Natur- und Kulturlandschaften;
  • bildet einen wichtigen Erholungsraum;
  • gab einem geologischen Erdzeitalter seinen Namen.

Die Juraketten bilden von vielen Orten des Mittellands aus den nordwestlichen Horizont. Von ihren Höhen eröffnet sich umgekehrt ein weiter Blick über das Mittelland bis zu den Alpen.

Zeittafel

Wichtige Ereignisse
Zeitraum oder Jahr Ereignis
vor etwa 250–145 Millionen Jahren Ablagerung mächtiger Sedimentschichten in Meeren der Trias- und Jurazeit.
spätes Tertiär Faltung und Überschiebung der Sedimentgesteine infolge der Alpenbildung.
Altsteinzeit Menschen nutzen Höhlen und Felsdächer des Juras.
Eisenzeit Keltische Gruppen besiedeln den Juraraum.
58 v. Chr. Römische Herrschaft setzt sich im Gebiet der Helvetier und Sequaner durch.
1.–4. Jahrhundert Ausbau römischer Verkehrswege über die Jurapässe.
Mittelalter Klöster und Herrschaften erschliessen Waldgebiete und Hochtäler.
999 Beginn der weltlichen Herrschaft der Bischöfe von Basel über grosse Teile des nördlichen Juras.
1536 Bern erobert die Waadt und Teile des südwestlichen Juras.
18. Jahrhundert Ausbreitung der Uhrenherstellung in Heimarbeit.
1792 Ausrufung der Raurakischen Republik im nördlichen Jura.
1793 Eingliederung grosser Teile des Fürstbistums Basel in Frankreich.
1815 Der Wiener Kongress teilt den grössten Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel dem Kanton Bern zu.
19. Jahrhundert Ausbau von Uhrenindustrie, Eisenbahnen und Verkehrswegen.
1820er-Jahre Der Name des Gebirges wird zur Bezeichnung der geologischen Jurazeit verwendet.
1870er-Jahre Die Jurabahnen erschliessen zahlreiche Täler und Industriestädte.
1919 Eröffnung des Grenchenbergtunnels.
1967 Eröffnung des ersten Teilstücks der Autobahn durch den Bözbergraum.
1979 Gründung des Kantons Jura.
1994 Das Laufental wechselt zum Kanton Basel-Landschaft.
2009 La Chaux-de-Fonds und Le Locle werden UNESCO-Welterbe.
2017 Vollendung der Transjurane A16.
21. Jahrhundert Ausbau regionaler Naturpärke und verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jura, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Jura, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. swissJURA3D, Bundesamt für Landestopografie, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Pärke von nationaler Bedeutung, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Jura-Höhenweg, SchweizMobil, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Jura-Route, SchweizMobil, abgerufen am 23. Juli 2026.