Volkshaus Zürich

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Das Volkshaus Zürich ist ein Kultur-, Veranstaltungs- und Begegnungszentrum am Helvetiaplatz in der Stadt Zürich. Es befindet sich an der Stauffacherstrasse 60 im Kreis 4 und gehört zu den geschichtlich bedeutendsten öffentlichen Gebäuden des ehemaligen Arbeiterquartiers Aussersihl. Das Volkshaus wurde 1910 eröffnet und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Zentrum der Zürcher Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften sowie des politischen und kulturellen Lebens.[1]

Volkshaus Zürich
Ort Zürich
Stadtkreis Kreis 4
Stadtquartier Aussersihl
Statistisches Quartier Langstrasse
Adresse Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich
Baubeginn 1909
Eröffnung 1910
Architekten Hauptbau Streiff & Schindler
Theatersaal eröffnet 1928
Architekten Erweiterung Kündig & Oetiker
Trägerschaft Volkshausstiftung Zürich
Nutzung Kultur, Konzerte, Politik, Bildung, Gastronomie, Veranstaltungen
Kapazität Theatersaal bis 1600 Personen
Website volkshaus.ch
Bild Volkshaus Zürich am Helvetiaplatz

Das Haus wurde ursprünglich mit einem ausgeprägt sozialen Zweck geschaffen. Es sollte der überwiegend in kleinen Wohnungen lebenden Arbeiterbevölkerung preiswerte Mahlzeiten, Badegelegenheiten, Bildungsangebote, Versammlungsräume und Büros für Arbeiterorganisationen zur Verfügung stellen. Das Volkshaus war bei seiner Eröffnung das erste alkoholfreie Volkshaus der Schweiz.[1]

Heute befinden sich im Gebäudekomplex mehrere Veranstaltungssäle und Sitzungszimmer, ein Restaurant, eine Buchhandlung, ein Hamam, Büros sowie der grosse Theatersaal. Dieser gehört zu den bekannten Konzert- und Veranstaltungslokalen Zürichs und fasst je nach Bestuhlung bis zu 1600 Personen.[2]

Lage

Das Volkshaus steht an der südwestlichen Seite des Helvetiaplatzes an der Kreuzung von Stauffacherstrasse und Ankerstrasse.

Der Standort liegt im statistischen Quartier Langstrasse des Kreises 4. Die Umgebung gehört zum historischen Aussersihl, das sich im 19. Jahrhundert zu einem dicht besiedelten Arbeiter- und Industrievorort Zürichs entwickelte.

Gegenüber dem Volkshaus befindet sich das Amtshaus Helvetiaplatz. Der Platz selbst ist bis heute einer der wichtigsten öffentlichen Versammlungsorte Zürichs und eng mit der Geschichte der Zürcher Arbeiterbewegung verbunden.[3]

In unmittelbarer Nähe befinden sich die Langstrasse, das Kanzleiareal, der Stauffacher und verschiedene kulturelle Einrichtungen des Kreises 4.

Vorgeschichte

Die Idee eines Zürcher Volkshauses entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung.

Aussersihl war zu dieser Zeit eines der wichtigsten Zentren der Schweizer Arbeiterbewegung. Gewerkschaften, politische Organisationen und Arbeitervereine benötigten Räume für Sitzungen, Versammlungen, Bildungsangebote und Veranstaltungen.

Viele Arbeiterfamilien lebten gleichzeitig in kleinen und dicht belegten Wohnungen. Eigene Badezimmer waren selten, und auch geeignete Gemeinschaftsräume fehlten.[1]

Die Idee eines Volkshauses wurde nicht ausschliesslich von sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Organisationen getragen. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Sozialreform, der Abstinenzbewegung sowie weitere bürgerliche Kreise beteiligten sich daran.

Im Herbst 1893 traf sich eine Gruppe von Männern und Frauen beim Psychiater Auguste Forel, um die Möglichkeiten eines Volkshauses zu beraten. Eine Kommission unter Leitung von Pfarrer Bion entwickelte daraufhin die Grundzüge des Projekts.[1]

Das geplante Haus sollte preiswerte Mahlzeiten, Badegelegenheiten, Versammlungs- und Gesellschaftsräume, einen Lesesaal sowie Büros für Arbeiterorganisationen anbieten.

Suche nach einem Standort

Zunächst wurde ein städtisches Grundstück zwischen Limmat-, Gasometer- und Heinrichstrasse im heutigen Kreis 5 als Standort erwogen.

1899 entschied sich die Kommission für ein Grundstück bei der Stauffacherbrücke. Im folgenden Jahr wurde ein «Projekt und Programm eines alkoholfreien Volkshauses am Stauffacherplatz» veröffentlicht.

Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte dieses Vorhaben jedoch nicht verwirklicht werden, und das vorgesehene Grundstück wurde anderweitig verkauft.[1]

1903 begann ein erweitertes Initiativkomitee mit einem neuen Anlauf. Die Stadt wurde gebeten, einen Teil ihres Grundstücks am Helvetiaplatz zwischen Anker-, Stauffacher- und Bäckerstrasse zur Verfügung zu stellen.

Damit war der spätere Standort des Volkshauses gefunden.

Volkshausstiftung

Ursprünglich war eine genossenschaftliche Finanzierung des Volkshauses vorgesehen. Da durch den Verkauf von Genossenschaftsanteilen jedoch nicht genügend Eigenkapital zusammenkam, entschied sich das Initiativkomitee für die Gründung einer Stiftung.

Eine Spezialkommission bereitete die Stiftungsurkunde vor. Ihr gehörten unter anderem der Arzt und Politiker Friedrich Erismann, der Psychiater Eugen Bleuler, die Sozialreformerin Susanna Orelli und der Pädagoge und Politiker Robert Seidel an.[1]

Die Stiftungsurkunde wurde am 27. September 1905 beschlossen und am 7. Mai 1907 notariell beglaubigt.

Als Zweck wurde festgelegt, der Bevölkerung Versammlungsräume, Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Begegnung und Bildung, ein alkoholfreies Restaurant sowie weitere Einrichtungen wie Badeanlagen zur Verfügung zu stellen.

Das Haus sollte ausdrücklich Menschen unterschiedlicher religiöser und politischer Auffassungen offenstehen.

Alkoholfreies Volkshaus

Die Abstinenzbewegung spielte bei der Entstehung eine wichtige Rolle.

In der ursprünglichen Stiftungsurkunde wurde der Konsum und Verkauf alkoholischer Getränke im gesamten Volkshaus ausdrücklich verboten.[1]

Das Verbot entsprach den sozialreformerischen Vorstellungen der Zeit. Alkoholmissbrauch wurde als bedeutendes soziales und gesundheitliches Problem betrachtet, insbesondere in den dicht besiedelten Arbeiterquartieren.

Das Volkshaus sollte deshalb eine Alternative zu den traditionellen Wirtschaften und Bierhallen bieten, in denen damals viele politische und gewerkschaftliche Versammlungen stattfanden.

Das strikte Alkoholverbot blieb bis 1979 bestehen.

Finanzierung

Mit der Planung des Gebäudes wurde das Zürcher Architekturbüro Streiff & Schindler beauftragt.

Am 30. Oktober 1905 legte das Initiativkomitee dem Zürcher Stadtrat die Stiftungsurkunde und die Baupläne vor und ersuchte um einen städtischen Beitrag von 250'000 Franken.[1]

Die Vorlage wurde von den politischen Behörden unterstützt.

Am 15. Juli 1906 stimmten die Zürcher Stimmbürger über die finanzielle Beteiligung der Stadt ab. 10'110 Personen stimmten dafür und 5'458 dagegen.

Damit war ein wesentlicher Teil der Finanzierung gesichert.

Bau und Eröffnung

Der Bau begann im Juni 1909.

Aufgrund gestiegener Kosten musste das ursprünglich geplante Projekt reduziert werden. Insbesondere der grosse Theatersaal konnte zunächst nicht realisiert werden.[1]

Die Bauarbeiten verliefen weitgehend planmässig. Kurz vor der Fertigstellung führte ein Streik der Monteure jedoch zu Verzögerungen bei den Installationsarbeiten.

Am 1. Oktober 1910 konnten die Büros bezogen werden. Das Restaurant nahm am 1. November 1910 seinen Betrieb auf.

Damit war das Volkshaus im Wesentlichen eröffnet.

Ursprüngliche Einrichtungen

Das Gebäude verfügte für seine Zeit über ein aussergewöhnlich vielseitiges Angebot.

Im Untergeschoss befanden sich öffentliche Badeanlagen für Männer und Frauen. Insgesamt standen 29 Wannenbäder und 20 Duschen zur Verfügung.[1]

Im Erdgeschoss bestanden drei Restaurationsräume mit einer Gesamtfläche von rund 450 Quadratmetern sowie ein Laden.

Im ersten Obergeschoss lagen vier grössere Säle. Der Blaue Saal wurde als Lesesaal an die Pestalozzigesellschaft vermietet.

Im zweiten Obergeschoss befanden sich Klub- und Sitzungsräume sowie Büros verschiedener Organisationen.

Im dritten Obergeschoss lagen unter anderem die Wohnung des Verwalters und Lagerräume.

Damit verband das Volkshaus soziale Infrastruktur, politische Organisation, Bildung und Freizeit unter einem Dach.

Badeanlagen

Die öffentlichen Bäder gehörten in den ersten Jahrzehnten zu den meistgenutzten Einrichtungen.

Viele Wohnungen in Aussersihl besassen weder Badezimmer noch eine ausreichende Warmwasserversorgung.

Bereits im ersten Betriebsjahr wurden rund 114'000 Bäder gezählt. 1916 erreichte die Nutzung mit etwa 164'000 Bädern ihren historischen Höchststand.[1]

Zwischen 1911 und 1920 wurden durchschnittlich rund 136'700 Bäder pro Jahr abgegeben.

Mit dem Bau moderner Wohnungen und der Eröffnung städtischer Hallenbäder ging die Nachfrage allmählich zurück.

Die historischen Baderäume wurden später für Saunaangebote und schliesslich für ein Hamam genutzt. Damit blieb die Tradition des Volkshauses als Ort öffentlicher Badekultur in veränderter Form erhalten.

Bedeutung für die Arbeiterbewegung

Kurz nach seiner Eröffnung entwickelte sich das Volkshaus zu einem zentralen Ort der Zürcher Arbeiterbewegung.

Gewerkschaften und politische Organisationen unterhielten hier Büros und führten Versammlungen durch. Gleichzeitig diente das Gebäude als Ausgangspunkt oder Zentrum verschiedener politischer Kundgebungen auf dem Helvetiaplatz.

Während des ersten Zürcher Generalstreiks im Juli 1912 fand vor dem Volkshaus eine grosse Massenversammlung statt. Rund 20'000 Arbeiterinnen und Arbeiter beteiligten sich nach zeitgenössischen Angaben an den Protesten.[4]

Das Volkshaus wurde dadurch nicht nur zu einem Gebäude für Organisationen, sondern zu einem symbolischen Zentrum der politischen Arbeiterkultur Zürichs.

August Bebel

Ein bedeutendes Ereignis der frühen Geschichte war der Tod des deutschen Sozialdemokraten August Bebel im Jahr 1913.

Bebel, einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Arbeiterbewegung und langjähriger Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, starb am 13. August 1913 in Passugg im Kanton Graubünden.

Sein Leichnam wurde anschliessend nach Zürich gebracht und im Weissen Saal des Volkshauses aufgebahrt.

Während zweieinhalb Tagen kamen Zehntausende Menschen ins Volkshaus, um Abschied zu nehmen. Danach führte ein grosser Trauerzug vom Volkshaus zum damaligen Krematorium beim Friedhof Sihlfeld.[5]

Die Beisetzung gehörte zu den grössten politischen Massenveranstaltungen Zürichs jener Zeit.

Erweiterung mit Theatersaal

Der Verzicht auf einen grossen Veranstaltungssaal beim ursprünglichen Bau wurde früh als Nachteil empfunden.

Die vorhandenen Räume waren stark ausgelastet. Wegen des Ersten Weltkriegs und wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte eine Erweiterung jedoch zunächst nicht verwirklicht werden.

1924 setzte der Stiftungsrat eine Baukommission ein.

Vorgesehen waren ein Theatersaal mit 1200 Sitzplätzen und Bühne, zusätzliche Bibliotheksräume, mindestens zehn neue Gewerkschaftsbüros sowie Wohnungen.[1]

Aus einem Architekturwettbewerb ging das Projekt des Büros Kündig & Oetiker hervor.

Die Baukosten wurden auf 1,68 Millionen Franken veranschlagt. Neben der Volkshausstiftung beteiligten sich die Stadt Zürich und die Zürcher Kantonalbank an der Finanzierung.

Am 11. Juli 1926 genehmigten die Zürcher Stimmberechtigten einen städtischen Beitrag mit 16'491 Ja- gegen 12'836 Neinstimmen.

Am 6. Oktober 1928 wurde der neue Theatersaal eingeweiht.[1]

Theatersaal

Der Theatersaal bildet heute das Herzstück des Volkshauses.

Der Saal besitzt eine Fläche von rund 462 Quadratmetern und ist mit Bühne und Galerie ausgestattet.[2]

Je nach Veranstaltung und Bestuhlung sind unterschiedliche Nutzungen möglich.

Nutzung Maximale Kapazität
Stehkonzert 1600 Personen
Theaterbestuhlung im Parterre 642 Personen
Seminarbestuhlung 252 Personen
Bankett bis etwa 420 Personen

Der Theatersaal wird für Konzerte, Comedy, Theater, Lesungen, Vorträge, politische Veranstaltungen, Generalversammlungen und weitere Anlässe eingesetzt.

Insbesondere seit den 1970er-Jahren entwickelte er sich zu einem bedeutenden Zürcher Konzertlokal.

Weitere Säle

Neben dem Theatersaal verfügt das Volkshaus über mehrere unterschiedlich grosse Veranstaltungsräume.[6]

Saal Fläche Maximale Belegung
Weisser Saal 264 m² 400 Personen
Blauer Saal 161 m² 171 Personen
Gelber Saal 113 m² 108 Personen
Grüner Saal 63 m² 50 Personen

Zusätzlich bestehen mehrere kleinere Sitzungszimmer.

Durch diese Vielfalt können im Volkshaus sowohl kleine Sitzungen als auch Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt werden.

Restaurant

Gastronomie gehörte von Anfang an zum Konzept des Volkshauses.

Das ursprüngliche alkoholfreie Restaurant sollte preiswerte, gut zubereitete Mahlzeiten anbieten und damit die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft verbessern.

Die Gastronomieräume lagen bereits 1910 im Erdgeschoss.

Im Laufe der Jahrzehnte wandelten sich Angebot und Gestaltung mehrfach. Heute bildet das Restaurant Volkshaus einen eigenständigen gastronomischen Betrieb und ist sowohl für Veranstaltungsbesucherinnen und -besucher als auch unabhängig von Veranstaltungen zugänglich.

Aufhebung des Alkoholverbots

Das ursprüngliche Alkoholverbot bestand fast sieben Jahrzehnte.

Mit der Zeit veränderten sich jedoch gesellschaftliche Gewohnheiten und wirtschaftliche Anforderungen. Veranstalter sowie auch Stellen der Stadtverwaltung wünschten die Möglichkeit, bei Anlässen alkoholische Getränke anzubieten.

1979 wurde das in der ursprünglichen Stiftungsurkunde enthaltene Alkoholverbot schliesslich aufgehoben.[1]

Dieser Schritt erleichterte den kommerziellen Betrieb von Restaurant und Veranstaltungsräumen und trug zur langfristigen wirtschaftlichen Stabilität des Hauses bei.

Buchhandlung

Seit 1939 besteht im Volkshaus auch eine Buchhandlung.

Sie entstand ursprünglich als Genossenschaftsbuchhandlung Zürich. Das Sortiment war traditionell stark durch politische, gesellschaftliche und pädagogische Literatur geprägt.

Die Buchhandlung entwickelte sich zu einer bekannten unabhängigen Adresse im Zürcher Buchhandel und knüpft damit an die ursprüngliche Bildungsfunktion des Volkshauses an.

Hamam

In den Räumen der ehemaligen öffentlichen Badeanstalt befindet sich heute ein Hamam.

Damit wird eine der ursprünglichen sozialen Funktionen des Hauses in moderner Form weitergeführt.

Während die Badeanlagen 1910 vor allem notwendig waren, weil viele Arbeiterwohnungen keine eigenen Badezimmer besassen, dient das heutige Dampfbad vor allem der Erholung und dem Wohlbefinden.

Konzerte und Kultur

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die kulturelle Bedeutung des Volkshauses kontinuierlich zu.

Vor allem der grosse Theatersaal entwickelte sich zu einer wichtigen Zürcher Konzertbühne. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde er zeitweise nahezu ausschliesslich für Konzerte genutzt.[1]

Heute reicht das Programm von Rock, Pop, Weltmusik und klassischen Projekten über Comedy und Theater bis zu Lesungen, Podcasts, Vorträgen und politischen Diskussionsveranstaltungen.

Damit gehört das Volkshaus zu den vielseitigsten mittelgrossen Veranstaltungsorten Zürichs.

Renovierung des Theatersaals

1994 wurde der Theatersaal umfassend renoviert.

Die Modernisierung verbesserte die technischen Möglichkeiten und machte wieder eine grössere Vielfalt von Veranstaltungsformen möglich.[1]

Seither wurden technische Anlagen und Ausstattung wiederholt an moderne Anforderungen angepasst.

Der historische Charakter des Saales mit Bühne und Galerie blieb dabei erhalten.

Fassadenrenovierung 2021

2021 wurde die Aussenhülle des mehr als hundertjährigen Gebäudes umfassend instand gesetzt.

Fassade, Dächer und Holzelemente wurden restauriert. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalpflege.[7]

Eine besondere Rolle spielte die historische Farbgebung.

Beim Bau der Theatersaalerweiterung 1928 war die Fassade in einem rötlichen Farbton gestrichen worden. Später erhielt das Gebäude zunächst einen grauen und seit den 1980er-Jahren einen weissen Anstrich.

Im Rahmen der Renovierung wurden historische Farbpigmente untersucht. Auf dieser Grundlage erhielt das Volkshaus wieder eine an die Farbgebung von 1928 angelehnte rötlich-ockerfarbene Fassade.[7]

Dadurch veränderte sich die Erscheinung des Gebäudes am Helvetiaplatz deutlich.

Architektur

Der Gebäudekomplex entstand in zwei wesentlichen Bauphasen.

Der ursprüngliche Bau von Streiff & Schindler wurde 1909 und 1910 errichtet. Seine Fassaden und die Gliederung entsprechen den architektonischen Reformströmungen des frühen 20. Jahrhunderts und weisen Elemente des Jugendstils auf.

Die Erweiterung von Kündig & Oetiker aus den 1920er-Jahren ergänzte den grossen Theatersaal und weitere Räume.

Trotz der unterschiedlichen Entstehungsphasen bildet der Komplex heute ein weitgehend geschlossenes städtebauliches Ensemble am Helvetiaplatz.

Die rötliche Fassadenfarbe, das hohe Dach und der Theatersaaltrakt verleihen dem Gebäude eine starke Präsenz im Quartier.

Helvetiaplatz

Das Volkshaus und der Helvetiaplatz sind historisch eng miteinander verbunden.

Die Errichtung des Volkshauses und der damaligen Post Aussersihl gab dem Platz um 1910 erstmals eine klare architektonische Fassung.[8]

Der Platz entwickelte sich zu einem wichtigen Schauplatz politischer Demonstrationen und öffentlicher Versammlungen.

Auch heute finden dort politische Kundgebungen, Märkte, Feste und weitere Veranstaltungen statt.

Das Volkshaus bildet an der Südseite einen der wichtigsten baulichen Bezugspunkte des Platzes.

Zürcher Jugendbewegung

Auch während der Zürcher Jugendunruhen von 1980 spielte das Volkshaus eine Rolle.

Nachdem das Autonome Jugendzentrum Anfang September 1980 geschlossen worden war, fand am 17. September eine Vollversammlung von Jugendlichen im Volkshaus statt.[9]

Damit setzte sich die Tradition des Hauses als Ort gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen auch weit nach der klassischen Phase der Arbeiterbewegung fort.

Stiftung und Organisation

Das Volkshaus gehört der Volkshausstiftung Zürich.

Die Stiftung besteht seit der Gründungszeit des Hauses und ist für dessen Betrieb und langfristige Entwicklung verantwortlich.

Zu ihren Organen gehören der Stiftungsrat und die Betriebskommission.

Drei Mitglieder des Stiftungsrats werden direkt vom Zürcher Stadtrat bestimmt.[1]

Die Stiftung verfolgt keinen primär gewinnorientierten Zweck. Nach ihrem heutigen Leitbild soll das Volkshaus weiterhin ein Ort der Begegnung, der Bewegung, der Politik, Kultur und Bildung sein.[10]

Heutige Nutzung

Das Volkshaus erfüllt heute mehrere Funktionen gleichzeitig.

Es ist Konzert- und Kulturhaus, politischer Veranstaltungsort, Tagungszentrum, gastronomischer Betrieb und Arbeitsplatz.

Der Gebäudekomplex umfasst:

  • den grossen Theatersaal;
  • den Weissen Saal;
  • den Blauen Saal;
  • den Gelben Saal;
  • den Grünen Saal;
  • mehrere Sitzungszimmer;
  • ein Restaurant;
  • eine Buchhandlung;
  • ein Hamam;
  • verschiedene Büros.

Die Räume werden von Vereinen, Gewerkschaften, Unternehmen, Parteien, Kulturschaffenden und privaten Veranstaltern genutzt.

Verkehr

Das Volkshaus ist sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

Die Haltestelle Helvetiaplatz liegt unmittelbar beim Gebäude. Sie wird von Tram- und Busverbindungen der Verkehrsbetriebe Zürich bedient.

Die Haltestelle Stauffacher befindet sich wenige Gehminuten entfernt und ist ein bedeutender Knoten des Zürcher Tramnetzes.

Vom Zürcher Hauptbahnhof ist das Volkshaus mit den Tramlinien 3 und 14 über die Haltestelle Stauffacher erreichbar.[11]

Aufgrund der zentralen Lage ist das Gebäude vom Hauptbahnhof auch zu Fuss erreichbar.

Bedeutung für Zürich

Das Volkshaus gehört zu den bedeutenden sozial- und kulturgeschichtlichen Gebäuden Zürichs.

Seine Entstehung dokumentiert die schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiterschaft um 1900 ebenso wie die Reformbewegungen, die darauf mit neuen sozialen Einrichtungen reagierten.

Die öffentlichen Bäder erinnern an eine Zeit, in der ein eigenes Badezimmer für einen erheblichen Teil der Zürcher Bevölkerung keineswegs selbstverständlich war.

Die Versammlungssäle und Gewerkschaftsbüros stehen für den politischen und gesellschaftlichen Aufstieg der Arbeiterbewegung.

Mit dem 1928 eröffneten Theatersaal entwickelte sich das Haus zugleich zu einem wichtigen Kultur- und Veranstaltungszentrum.

Anders als viele Einrichtungen, die ursprünglich für die Arbeiterbewegung geschaffen wurden, blieb das Volkshaus über mehr als ein Jahrhundert kontinuierlich in seiner grundlegenden Funktion erhalten.

Es ist bis heute ein öffentlich zugänglicher Ort für Politik, Kultur, Bildung, Unterhaltung und gesellschaftliche Begegnung.

Siehe auch

Literatur

  • Susanne Eigenheer: Bäder, Bildung, Bolschewismus. Das Volkshaus Zürich 1910–1933. Chronos Verlag, Zürich.
  • Urs Kälin, Stefan Keller, Rebekka Wyler (Hrsg.): 100 Jahre Volkshaus Zürich. Bewegung, Ort, Geschichte. hier + jetzt, Baden 2010, ISBN 978-3-03919-149-9.

Einzelnachweise

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