Solothurner Filmtage
| Solothurner Filmtage | |
|---|---|
| Französischer Name | Journées de Soleure |
| Italienischer Name | Giornate di Soletta |
| Englischer Name | Solothurn Film Festival |
| Veranstaltungsort | Solothurn |
| Erste Durchführung | 1966 |
| Zeitraum | jährlich im Januar |
| Ausrichtung | Werkschau des Schweizer Films |
| Trägerschaft | Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage |
| Künstlerische Leitung | Niccolò Castelli |
| Operative Leitung | Monica Rosenberg |
| Eintritte | rund 65'000 pro Ausgabe |
| 61. Ausgabe | 21.–28. Januar 2026 |
| 62. Ausgabe | 20.–27. Januar 2027 |
| Website | solothurnerfilmtage.ch |
Die Solothurner Filmtage (französisch Journées de Soleure, italienisch Giornate di Soletta, englisch Solothurn Film Festival) sind ein jährlich im Januar stattfindendes Filmfestival in Solothurn. Sie präsentieren seit 1966 eine umfassende Werkschau des aktuellen Schweizer Films und gehören zu den bedeutendsten Kulturveranstaltungen der Schweiz.
Im Gegensatz zu international ausgerichteten Festivals wie dem Locarno Film Festival konzentrieren sich die Solothurner Filmtage in erster Linie auf Produktionen mit einem engen Bezug zur Schweiz. Gezeigt werden Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Animations- und Experimentalfilme sowie neue audiovisuelle Erzählformen aus allen Sprachregionen des Landes.
Die Veranstaltung ist gleichzeitig Publikumsfestival, Branchentreffpunkt und Forum für kulturpolitische Diskussionen. Filmvorführungen werden nach Möglichkeit von Gesprächen mit Regisseurinnen und Regisseuren, Schauspielenden, Produzierenden oder weiteren Beteiligten begleitet. Mit jährlich rund 65'000 Eintritten zählen die Solothurner Filmtage zu den prägenden Kulturveranstaltungen des Landes.[1]
Geschichte
Gründung
Die Entstehung der Solothurner Filmtage steht im Zusammenhang mit der Krise des traditionellen Schweizer Films zu Beginn der 1960er-Jahre. Die kommerziell erfolgreichen Heimatfilme der Nachkriegszeit hatten an Bedeutung verloren, während eine neue Generation von Filmschaffenden nach eigenen Ausdrucksformen und besseren Produktionsbedingungen suchte.
Ende Januar 1966 organisierte die Filmgilde Solothurn die Tagung «Schweizer Film heute». Filmschaffende, Filmkritiker, Produzenten und ein interessiertes Publikum diskutierten über die Lage und die Zukunft des einheimischen Films. Die Veranstaltung wurde später als erste Ausgabe der Solothurner Filmtage bezeichnet.[2]
Der Anlass entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt der jungen Schweizer Filmszene. Besonders Vertreter des sogenannten Neuen Schweizer Films erhielten in Solothurn eine Plattform. Zu ihnen gehörten Filmschaffende wie Alain Tanner, Claude Goretta, Michel Soutter, Alexander J. Seiler, Fredi M. Murer und Markus Imhoof.
Im Jahr 1967 wurde die politisch und konfessionell unabhängige Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage gegründet. Der nicht gewinnorientierte Verein übernahm die Trägerschaft der Veranstaltung und setzte sich das Ziel, den Schweizer Film sichtbar zu machen und den Austausch zwischen Filmschaffenden, Publikum und Politik zu fördern.[3]
Aufbau unter Stephan Portmann
Der Medienpädagoge und Publizist Stephan Portmann gehörte zu den Initiatoren des Festivals. Ab 1967 leitete er die Solothurner Filmtage und prägte deren Entwicklung während zwei Jahrzehnten.
In den ersten Jahren verfolgten die Filmtage den Anspruch, möglichst alle neuen Schweizer Filme vorzuführen. Diese Offenheit sollte ein vollständiges Bild des nationalen Filmschaffens vermitteln und insbesondere Produktionen sichtbar machen, die keinen regulären Kinoverleih fanden.
Mit der zunehmenden Zahl von Einreichungen wurde eine vollständige Präsentation jedoch immer schwieriger. 1980 führte das Festival offiziell eine Auswahl der eingereichten Filme ein.[4]
Neben den Vorführungen entwickelten sich Diskussionen über Filmförderung, Produktionsbedingungen, Fernsehen, Verleih, Kinostrukturen und die kulturelle Bedeutung des Schweizer Films zu einem wesentlichen Bestandteil des Festivals. Solothurn wurde dadurch zu einem Ort, an dem nicht nur Filme gezeigt, sondern auch filmpolitische Konflikte öffentlich ausgetragen wurden.
Professionalisierung
1987 übernahm Ivo Kummer die Leitung von Stephan Portmann. Unter seiner Führung wurden die organisatorischen Strukturen professionalisiert, das Programm erweitert und die Beziehungen zur nationalen und internationalen Filmbranche ausgebaut.
Die Filmtage entwickelten sich von einer vorwiegend durch Fachkreise besuchten Werkschau zu einer grossen Publikumsveranstaltung. Gleichzeitig blieb der direkte Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden ein zentrales Merkmal.
2011 wechselte Ivo Kummer zum Bundesamt für Kultur. Seine Nachfolgerin wurde die Filmwissenschaftlerin Seraina Rohrer, die das Festival bis 2019 leitete. Während ihrer Amtszeit wurden neue Wettbewerbe, Vermittlungsangebote und digitale Projekte aufgebaut.
Von 2019 bis 2021 stand die Filmemacherin und Kulturjournalistin Anita Hugi an der Spitze der Solothurner Filmtage. Die für Januar 2021 geplante 56. Ausgabe konnte wegen der COVID-19-Pandemie nicht in der üblichen Form vor Ort stattfinden und wurde als Onlinefestival durchgeführt.
Nach einer interimistischen Leitung während der 57. Ausgabe wurde die bisherige Einzeldirektion durch ein duales Führungsmodell ersetzt. Seit 2022 verantwortet der Regisseur Niccolò Castelli die künstlerische Leitung, während Monica Rosenberg für die operative Leitung zuständig ist.[5]
Jubiläumsausgabe 2025
Vom 22. bis 29. Januar 2025 fanden die Solothurner Filmtage zum 60. Mal statt. Die Jubiläumsausgabe verband die Präsentation des aktuellen Schweizer Films mit Rückblicken auf die Geschichte des Festivals und der nationalen Filmkultur.
Das Festival verzeichnete insgesamt 65'480 Eintritte. Davon entfielen 55'988 auf reguläre Filmvorführungen, 4145 auf Schulvorführungen und 5132 auf öffentliche Rahmenveranstaltungen. In neun Sälen fanden 253 Vorführungen statt.[6]
Profil
Die Solothurner Filmtage verstehen sich als nationale Werkschau. Das Programm soll die stilistische, sprachliche, regionale und thematische Vielfalt des Schweizer Films abbilden.
Als Schweizer Film gelten dabei nicht ausschliesslich Produktionen, die vollständig in der Schweiz finanziert oder gedreht wurden. Berücksichtigt werden insbesondere die Herkunft und der Wohnort der Regie, der Produktionszusammenhang sowie die Beteiligung schweizerischer Produktionsunternehmen. Deshalb gehören auch zahlreiche internationale Koproduktionen zum Programm.[7]
Die Filmtage sind weder ausschliesslich Premierenfestival noch reiner Wettbewerb. Neben neuen und erstmals gezeigten Werken werden auch Filme aufgenommen, die bereits an anderen Festivals oder im Kino zu sehen waren, sofern sie für die jährliche Bestandsaufnahme des Schweizer Filmschaffens von Bedeutung sind.
Ein wesentliches Merkmal sind die Filmgespräche nach den Vorführungen. Sie ermöglichen dem Publikum, Fragen zur Entstehung, Gestaltung und gesellschaftlichen Bedeutung eines Werks direkt mit den Beteiligten zu diskutieren.
Programm
Panorama Schweiz
Das «Panorama Schweiz» bildet das Herzstück der Solothurner Filmtage. Auswahlkommissionen sichten die eingereichten Produktionen und stellen daraus einen Querschnitt durch das aktuelle Schweizer Filmschaffen zusammen.
Das Hauptprogramm umfasst in der Regel rund 150 Werke, wobei die tatsächliche Zahl je nach Ausgabe höher liegen kann. Präsentiert werden Produktionen aus der Deutschschweiz, der Romandie, der italienischen Schweiz und der rätoromanischen Schweiz.[1]
Das «Panorama Schweiz» gliedert sich in mehrere Bereiche:
- «Panorama Langfilme» für Spiel- und Dokumentarfilme ab einer Länge von 60 Minuten
- «Panorama Kurzfilme» für kurze Spiel-, Dokumentar-, Experimental- und Animationsfilme
- «Andere Erzählformen» für interaktive, immersive und hybride audiovisuelle Projekte
Zu den anderen Erzählformen können Virtual-Reality-Arbeiten, audiovisuelle Installationen, interaktive Dokumentationen, Games oder Projekte gehören, die sich nicht eindeutig dem klassischen Kinofilm zuordnen lassen.
Rencontre
Die Sektion «Rencontre» widmet sich dem Gesamtwerk einer Persönlichkeit des Schweizer Films. In einer Retrospektive werden ausgewählte Arbeiten gezeigt und im Rahmen von Gesprächen, Archivbeiträgen und öffentlichen Veranstaltungen eingeordnet.
Die «Rencontre» ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit künstlerischen Handschriften, Produktionsbedingungen und gesellschaftlichen Veränderungen. Berücksichtigt werden Regisseurinnen und Regisseure sowie weitere Persönlichkeiten, die den Schweizer Film nachhaltig geprägt haben.
Fokus
Der «Fokus» untersucht ein jährlich wechselndes Thema. Schweizer Filme werden dabei mit historischen oder internationalen Produktionen, Vorträgen, Gesprächen und weiteren Kunstformen in Beziehung gesetzt.
Die Sektion behandelt ästhetische, politische oder gesellschaftliche Fragen und erweitert die klassische Werkschau um einen kuratierten Blick über den aktuellen Schweizer Film hinaus.
Histoires
«Histoires» beschäftigt sich mit der Geschichte des Schweizer Films. Die Reihe bringt restaurierte, wiederentdeckte oder selten gezeigte Werke auf die Leinwand und stellt Verbindungen zwischen früheren Filmbewegungen und der Gegenwart her.
Dabei arbeitet das Festival unter anderem mit Archiven, der Cinémathèque suisse, Fernsehanstalten und Rechteinhabern zusammen. Begleitende Gespräche vermitteln Hintergründe zur Entstehung, Restaurierung und historischen Bedeutung der Filme.
Weitere Programme
Je nach Ausgabe gehören Hommagen, Musik-und-Film-Veranstaltungen, Programme für Kinder und Jugendliche sowie Kooperationen mit Kulturinstitutionen zum Angebot.
Das Festival veranstaltet zudem Schulvorführungen. Die Filme werden altersgerecht ausgewählt und häufig durch Gespräche mit Filmschaffenden oder pädagogisches Begleitmaterial ergänzt.
Wettbewerbe und Preise
Obwohl die Werkschau im Mittelpunkt steht, verleihen mehrere Wettbewerbe dem Festival einen kompetitiven Rahmen.
| Preis | Einführung | Dotierung | Ausrichtung |
|---|---|---|---|
| Prix de Soleure | 2009 | 60'000 Franken | Jurypreis für einen filmisch überzeugenden Film mit gesellschaftlich relevantem oder humanistischem Thema |
| PRIX DU PUBLIC | 2007 | 20'000 Franken | Publikumspreis für einen nominierten langen oder mittellangen Film |
| Visioni | unter diesem Namen seit 2024 | 20'000 Franken | Jurypreis für einen ersten oder zweiten langen beziehungsweise mittellangen Film |
| Prix d'honneur | – | 10'000 Franken | Würdigung besonderer Leistungen für den Schweizer Film |
Prix de Soleure
Der «Prix de Soleure» wird seit 2009 vergeben. Er ist mit 60'000 Franken dotiert und gilt als höchstdotierter Filmpreis der Schweiz.
Ausgezeichnet wird ein Werk, das gesellschaftliche Verantwortung oder humanistisches Engagement mit einer eigenständigen filmischen Gestaltung verbindet. Eine jährlich neu zusammengesetzte, interdisziplinäre Jury entscheidet über die Vergabe.[8]
Der Preis wird durch den Fonds «Prix de Soleure» sowie den Kanton und die Stadt Solothurn getragen.
PRIX DU PUBLIC
Der «PRIX DU PUBLIC» ist seit 2007 Bestandteil des Festivals. Das Publikum stimmt über eine Auswahl von langen Spiel- und Dokumentarfilmen ab.
Der mit 20'000 Franken dotierte Preis wird von den Solothurner Filmtagen gemeinsam mit der Hauptsponsorin Swiss Life verliehen.[9]
Visioni
Der Jurypreis «Visioni» zeichnet erste oder zweite Regiearbeiten aus. Berücksichtigt werden lange und mittellange Spiel- und Dokumentarfilme.
Der Wettbewerb ging aus dem 2021 eingeführten Nachwuchspreis «Opera Prima» hervor. Mit der Erweiterung auf zweite Werke soll auch die häufig schwierige Phase nach dem Langfilmdebüt berücksichtigt werden. Der Preis ist mit 20'000 Franken dotiert und wird von den Kulturfonds der Urheberrechtsgesellschaften Suissimage und SSA gestiftet.[10]
Kurzfilmpreise
Das Publikum vergibt einen Preis für den besten Kurzfilm und einen Preis für den besten Animationsfilm. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 10'000 Franken dotiert.
Zusätzlich wird der Nachwuchspreis Suissimage/SSA vergeben. Er unterstützt junge Filmschaffende und soll die Entwicklung neuer Projekte fördern.
Prix d'honneur
Der «Prix d'honneur» würdigt Personen, deren Arbeit für den Schweizer Film häufig ausserhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit stattfindet. Ausgezeichnet werden beispielsweise Tätigkeiten in Filmvermittlung, Technik, Produktion, Verleih, Archivierung oder Filmkritik.
Der Preis ist mit 10'000 Franken dotiert und wird von der BK Atlantis Stiftung getragen.[11]
Schauspielpreise
Im Rahmen des «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» werden besondere schauspielerische Leistungen in Schweizer Fernsehproduktionen ausgezeichnet. Die Preisverleihung bringt damit auch das nationale Fernsehschaffen in das Festivalprogramm ein.
61. Ausgabe 2026
Die 61. Solothurner Filmtage fanden vom 21. bis 28. Januar 2026 statt. Eröffnet wurde das Festival mit der Weltpremiere des Dokumentarfilms «The Narrative» von Bernard Weber und Martin Schilt. Ehrengast der Eröffnungsfeier war Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider.[12]
Den «Prix de Soleure» erhielt der Dokumentarfilm «Qui vit encore» von Nicolas Wadimoff. Der «PRIX DU PUBLIC» ging an «Becaària» von Erik Bernasconi.
Mit dem Nachwuchspreis «Visioni» wurde der Dokumentarfilm «Nessuno vi farà del male» von Dino Hodic ausgezeichnet. Den Publikumspreis für den besten Kurzfilm gewann Lara Alina Hofer mit «Versuch, einen Baum in Zürich zu fällen». Als bester Animationsfilm wurde «Ich bin nicht sicher» von Luisa Zürcher gewählt.
Der «Prix d'honneur» ging an den Filmjournalisten und Filmkritiker Michael Sennhauser.
Die Ausgabe verzeichnete erneut rund 65'000 Eintritte und erreichte damit ungefähr das Niveau des Vorjahres.[13]
Die 62. Solothurner Filmtage sind für den Zeitraum vom 20. bis 27. Januar 2027 vorgesehen.[1]
Organisation
Trägerin des Festivals ist die 1967 gegründete Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage, kurz SGSF. Der Verein hat seinen Sitz in Solothurn und zählt mehr als 300 Mitglieder.[3]
Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand und entscheidet über grundlegende organisatorische Fragen. Präsident der Gesellschaft ist seit 2023 Andreas Spillmann.
Die Festivalleitung ist in zwei Bereiche gegliedert:
- Niccolò Castelli verantwortet als künstlerischer Leiter das Programm und die inhaltliche Ausrichtung.
- Monica Rosenberg leitet den operativen und administrativen Bereich.
Während des Jahres arbeitet ein fest angestelltes Team in Solothurn. Für die Durchführung der Filmtage kommen jeweils mehrere hundert temporäre Mitarbeitende in den Bereichen Gästebetreuung, Technik, Projektion, Übersetzung, Kasse, Kommunikation und Veranstaltungsorganisation hinzu.
Die Finanzierung setzt sich aus Beiträgen des Bundes, des Kantons Solothurn und der Stadt Solothurn, aus Sponsorengeldern, Stiftungsbeiträgen, Mitgliederbeiträgen sowie eigenen Einnahmen aus Billettverkauf und Dienstleistungen zusammen.
Spielstätten
Die Vorführungen und Veranstaltungen verteilen sich auf verschiedene Gebäude in der Solothurner Innenstadt. Zu den regelmässig genutzten Spielstätten gehören:
- die Reithalle
- das Landhaus
- der Konzertsaal
- das Stadttheater Solothurn
- die Kinos Palace und Capitol
- der Uferbau
- weitere temporär eingerichtete Vorführ- und Veranstaltungsräume
Die Reithalle dient häufig als Ort für die offizielle Eröffnung und grosse Premieren. Im Landhaus finden Filmvorführungen, Preisverleihungen und Begegnungen der Branche statt.
Die räumliche Nähe der Spielstätten prägt den Charakter des Festivals. Die Wege durch die Altstadt, Restaurants, Cafés und temporären Festivalbars werden zu informellen Treffpunkten für Publikum, Filmschaffende, Medienschaffende und Gäste.
Branchentreffpunkt
Die Solothurner Filmtage gelten als wichtigstes jährliches Treffen der Schweizer Filmbranche. Regie, Produktion, Schauspiel, Verleih, Kinobetrieb, Filmförderung, Fernsehen, Hochschulen und Festivals sind in Solothurn vertreten.
Podiumsgespräche und Fachveranstaltungen behandeln unter anderem:
- Finanzierung und Filmförderung
- Produktions- und Arbeitsbedingungen
- Kinoauswertung und Streaming
- Urheberrecht
- Diversität und Gleichstellung
- technologische Veränderungen
- Nachwuchsförderung
- internationale Koproduktionen
- Filmvermittlung und Archivierung
Seit 2024 fasst das Industry-Programm «SO PRO» verschiedene Weiterbildungs-, Beratungs- und Vernetzungsangebote zusammen. Es richtet sich an akkreditierte Fachpersonen und verbindet formelle Veranstaltungen mit informellen Begegnungen.[14]
Aktivitäten ausserhalb des Festivals
Cinetour
Seit 2008 organisieren die Solothurner Filmtage gemeinsam mit Swiss Life die «Cinetour». Eine Auswahl aktueller Schweizer Kurzfilme wird in Kinos verschiedener Landesteile gezeigt.
Seit 2022 gehören auch Lang- und Familienfilme zum Angebot. Die Tour macht jährlich in mehr als 20 Schweizer Kinos Halt und erreicht rund 3500 Personen. Vorführungen werden häufig von moderierten Gesprächen mit Filmschaffenden begleitet.[15]
Panorama Suisse in Locarno
Das Programm «Panorama Suisse» präsentiert während des Locarno Film Festivals eine Auswahl aktueller Schweizer Lang- und Kurzfilme.
Das Angebot entsteht in Zusammenarbeit zwischen dem Locarno Film Festival, den Solothurner Filmtagen und Swiss Films. Die Auswahl wird von Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Institutionen sowie der Schweizer Filmakademie zusammengestellt.[16]
Filmo
2019 lancierten die Solothurner Filmtage mit «filmo» eine Online-Edition des Schweizer Films. Das Projekt macht bedeutende Werke der Schweizer Filmgeschichte über bestehende Video-on-Demand-Plattformen zugänglich.
Die Filme werden teilweise digital restauriert, untertitelt und durch Hintergrundtexte, Videobeiträge und thematische Sammlungen ergänzt. Damit soll insbesondere jüngeren Generationen der Zugang zum filmischen Kulturerbe erleichtert werden.[17]
Bedeutung für den Schweizer Film
Die Solothurner Filmtage verbinden die vier Sprachregionen und unterschiedliche Produktionskulturen der Schweiz. Deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachige Filme werden innerhalb desselben Programms präsentiert und diskutiert.
Für viele Produktionen stellen die Filmtage den ersten direkten Kontakt mit einem grösseren Schweizer Publikum dar. Auch Werke ohne breiten Kinoverleih erhalten dadurch öffentliche und mediale Aufmerksamkeit.
Das Festival dient zugleich als jährliche Bestandsaufnahme. Wiederkehrende Themen, Produktionsbedingungen, ästhetische Entwicklungen und gesellschaftliche Debatten lassen sich anhand des Programms über längere Zeiträume verfolgen.
Historisch waren die Filmtage eng mit dem Aufstieg des Neuen Schweizer Films verbunden. Später begleiteten sie die Entwicklung des Autorenfilms, des Dokumentarfilms, der Fernsehproduktion, des Animationsfilms und neuer digitaler Formen.
Im Unterschied zum international ausgerichteten Locarno Film Festival stehen in Solothurn der nationale Austausch und die Diskussion über die schweizerische Filmkultur im Mittelpunkt. Beide Veranstaltungen erfüllen dadurch unterschiedliche, sich ergänzende Aufgaben innerhalb der Schweizer Festivallandschaft.
Filmkulturelle Debatten
Die Solothurner Filmtage waren wiederholt Schauplatz kontroverser Diskussionen. Debattiert wurden unter anderem die staatliche Filmförderung, das Verhältnis zwischen Film und Fernsehen, die Stellung des Dokumentarfilms, die Verteilung von Fördermitteln auf die Sprachregionen und die wirtschaftliche Situation unabhängiger Filmschaffender.
Auch die Auswahl des Programms wird regelmässig diskutiert. Der Anspruch, eine repräsentative Werkschau zu zeigen, steht in einem Spannungsverhältnis zur notwendigen Selektion und zur kuratorischen Verantwortung.
In jüngerer Zeit rückten Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit, gesellschaftlicher Vielfalt, Barrierefreiheit, fairen Arbeitsbedingungen und ökologischer Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund.
Diese Auseinandersetzungen gehören zum Selbstverständnis der Filmtage als Dialogplattform. Das Festival soll nicht nur Erfolge feiern, sondern auch strukturelle Probleme des Schweizer Films sichtbar machen.
Siehe auch
- Schweizer Film
- Locarno Film Festival
- Swiss Films
- Schweizer Filmpreis
- Cinémathèque suisse
- Bundesamt für Kultur
- Kultur im Kanton Solothurn
- Solothurn
Literatur
- Niklaus Ledergerber, Urs Jaeggi: Solothurner Filmtage 1966–1985. Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage, Solothurn 1985.
- Stephan Portmann: Der neue Schweizerfilm 1965–1985. Ein Studienbericht zur Analyse ausgewählter Spiel- und Dokumentarfilme. Freiburg 1992.
- Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage: Jahresberichte der Solothurner Filmtage. Solothurn.
- Hervé Dumont, Maria Tortajada (Hrsg.): Histoire du cinéma suisse 1966–2000. Cinémathèque suisse, Lausanne 2007.
Weblinks
- Offizielle Website der Solothurner Filmtage
- Programmsektionen
- Preise und Jurys
- Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage
- Jahresberichte
- Informationen bei Solothurn Tourismus
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Über die Solothurner Filmtage, offizielle Website, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Solothurner Filmtage 1966, CINEMA – Jahrbuch für Film, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Verein Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage, offizielle Website, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Filmfestival, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Team der Solothurner Filmtage, offizielle Website, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Jahresbericht der 60. Solothurner Filmtage, Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage, 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Panorama Langfilme, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Prix de Soleure, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ PRIX DU PUBLIC, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Visioni, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Prix d'honneur, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Eröffnung der 61. Solothurner Filmtage, 21. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Soirée de clôture 2026: Preise und Bilanz, Solothurner Filmtage, 28. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Über die Solothurner Filmtage: SO PRO, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Cinetour Swiss Life, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Panorama Suisse am Locarno Film Festival, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Filmo, Solothurner Filmtage, abgerufen am 3. August 2026.