Tierpark Goldau
Tierpark Goldau, offiziell Natur- und Tierpark Goldau, ist ein wissenschaftlich geführter Tierpark in Goldau in der Gemeinde Arth im Kanton Schwyz. Er liegt in der vom Bergsturz von Goldau geprägten Landschaft am Fuss des Rossbergs. Auf einer Fläche von rund 42 Hektaren leben rund 100 vorwiegend einheimische und europäische Wildtierarten.[1]
Der Park wurde 1925 gegründet und 1926 für das Publikum eröffnet. Charakteristisch ist die Einbettung der Tieranlagen in die historische Bergsturzlandschaft mit grossen Felsblöcken, Waldflächen, Weihern und naturnahen Lebensräumen. Neben seiner Funktion als Ausflugsziel verfolgt der Tierpark Aufgaben im Naturschutz, Artenschutz, in der Umweltbildung und in der zoologischen Forschung.[1]
| Natur- und Tierpark Goldau | |
|---|---|
| Ort | Goldau, Kanton Schwyz |
| Gründung | 1925 |
| Eröffnung | 1. Mai 1926 |
| Fläche | rund 42 ha |
| Tierbestand | rund 100 Tierarten |
| Schwerpunkt | einheimische und europäische Wildtiere |
| Trägerschaft | Verein Natur- und Tierpark Goldau |
| Adresse | Parkstrasse 38, 6410 Goldau |
| Website | tierpark.ch |
Lage und Landschaft
Der Natur- und Tierpark befindet sich unmittelbar im Gebiet des Goldauer Bergsturzes von 1806. Am 2. September 1806 lösten sich am Rossberg gewaltige Gesteinsmassen und stürzten ins Tal. Rund 40 Millionen Kubikmeter Gestein verschütteten Teile der damaligen Siedlungslandschaft; 457 Menschen kamen ums Leben.[2]
Der Bergsturz hinterliess eine aussergewöhnliche Landschaft aus Nagelfluhblöcken, Mulden, kleinen Gewässern und Wald. Ein Teil dieses Gebietes wurde später zum Kern des Tierparks. Die natürliche Topografie unterscheidet Goldau von zoologischen Anlagen, die vollständig auf künstlich gestaltetem Gelände entstanden sind. Zahlreiche Wege führen zwischen teilweise haushohen Felsblöcken hindurch.
Die Landschaft ist zugleich ein wichtiger Bestandteil des Naturerlebnisses. Wald, Totholz, Felsen, Feuchtgebiete und offene Flächen bieten nicht nur den gehaltenen Tieren, sondern auch zahlreichen frei lebenden Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Verschiedene Flächen des Tierparks besitzen deshalb auch Bedeutung für die regionale Biodiversität.
Geschichte
Erste konkrete Überlegungen zur Errichtung einer Tieranlage im Bergsturzgebiet entstanden Anfang der 1920er-Jahre. 1922 wurde ein erster Plan ausgearbeitet, 1923 konstituierte sich ein Vorstand und 1924 wurde eine Vereinbarung mit den damaligen Eigentümern des benötigten Geländes abgeschlossen.[3]
1925 erfolgte die Gründung des Natur- und Tierparkvereins Goldau. Der damalige «Naturtierpark» begann mit lediglich vier Hirschen aus dem Stadtpark von Lugano.[4] Am 1. Mai 1926 wurde die Anlage offiziell eröffnet.[3]
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Park schrittweise erweitert. Bereits in den ersten Jahren kamen unter anderem Steinböcke, Gämsen, Wildschweine und verschiedene Vogelarten hinzu. 1930 hielt der Tierpark erstmals einen Steinadler.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten weitere Ausbauphasen. 1956 entstanden ein Bergsturzdenkmal und ein erstes Bergsturzmuseum. 1973 wurde erstmals die Marke von 100'000 Besucherinnen und Besuchern in einem Jahr überschritten. 1975 entstand die erste Bärenanlage, in den folgenden Jahren kamen Anlagen für Wildkatzen und Luchse hinzu.[3]
1987 kaufte der Tierpark das Grosswijer-Areal und schuf damit eine Grundlage für spätere Erweiterungen. 1988 nahm die Tierparkschule ihren Betrieb auf. 1990 wurde die Stiftung Natur- und Tierpark Goldau gegründet. Seitdem entwickelten sich Natur- und Artenschutz sowie die Umweltbildung zunehmend zu zentralen Aufgaben der Institution.
Im Jahr 2025 feierte der Natur- und Tierpark Goldau sein 100-jähriges Bestehen.[4]
Tierwelt
Der Tierpark konzentriert sich vor allem auf Wildtiere, deren natürliches Verbreitungsgebiet in der Schweiz oder in anderen Teilen Europas liegt. Insgesamt werden rund 100 Tierarten gehalten.[1]
Zu den bekannten Bewohnern gehören unter anderem:
- Braunbären
- Wölfe
- Eurasische Luchse
- Europäische Wildkatzen
- Wildschweine
- verschiedene Hirscharten
- Mufflons
- Alpensteinböcke
- Gämsen
- Fischotter
- Dachse
- Baummarder
- verschiedene Eulen und Greifvögel
- Bartgeier
Ein besonderes Merkmal ist die grosszügige Freilaufzone. Dort können sich verschiedene Hirscharten und Mufflons über ein weitläufiges Gelände bewegen. Dadurch sind direkte Tierbeobachtungen möglich, ohne dass zwischen Besucherwegen und allen Tieren klassische Gehegegrenzen bestehen.[2]
Bären und Wölfe
Zu den bekanntesten Anlagen des Tierparks gehört die Gemeinschaftsanlage für Braunbären und Wölfe. Sie ermöglicht den Tieren die Nutzung eines grosszügigen, strukturierten Lebensraums mit Wald, Wasserstellen und Rückzugsmöglichkeiten.
Die gemeinsame Haltung verschiedener Tierarten dient auch dazu, ein abwechslungsreicheres Umfeld zu schaffen. Die Tiere können miteinander oder mit den Spuren und Aktivitäten der jeweils anderen Art konfrontiert werden. Besucherinnen und Besucher erhalten gleichzeitig Gelegenheit, Unterschiede im Verhalten von Bären und Wölfen zu beobachten.
In unmittelbarer Umgebung der Anlage befinden sich Wege und Beobachtungspunkte, von denen aus sich das Gelände aus unterschiedlichen Perspektiven überblicken lässt.
Freilaufzone
Die Freilaufzone gehört zu den charakteristischen Bereichen des Natur- und Tierparks Goldau. Hier leben unter anderem Sikahirsche und Mufflons. Die Tiere können sich teilweise unmittelbar in der Nähe der Besucherwege aufhalten.
Das Konzept erinnert stärker an einen Wildpark als an einen klassischen Zoo. Die Begegnung mit frei laufenden Huftieren prägt deshalb für viele Besucherinnen und Besucher das Bild des Tierparks. Gleichzeitig gelten Regeln zum respektvollen Umgang mit den Tieren und zur Fütterung. Futter darf nur im Rahmen der vom Tierpark vorgesehenen Möglichkeiten angeboten werden.
Natur- und Artenschutz
Der Natur- und Tierpark Goldau versteht sich nicht nur als Freizeiteinrichtung, sondern als Naturschutzzentrum. Zu seinen Aufgaben gehören die Erhaltung bedrohter Tierarten, die Förderung der Biodiversität sowie die Pflege und Entwicklung wertvoller Lebensräume.[1]
Der Park beteiligt sich an Erhaltungszucht- und Wiederansiedlungsprojekten. Durch koordinierte Zuchtprogramme sollen genetisch gesunde Reservepopulationen bedrohter Arten erhalten werden. In geeigneten Fällen können Tiere oder deren Nachkommen für Wiederansiedlungsprojekte zur Verfügung gestellt werden.
Von besonderer Bedeutung sind auch die natürlichen und naturnahen Lebensräume innerhalb des Parkareals. Feuchtgebiete dienen beispielsweise Amphibien als Laichplätze. Waldflächen, Totholz, Steinstrukturen und kleinere Gewässer bieten Lebensraum für zahlreiche frei lebende Tiere.
Ein international bekanntes Beispiel für zoologischen Artenschutz ist der Bartgeier. Der Tierpark Goldau beteiligt sich seit Jahrzehnten an den Bemühungen zur Erhaltung dieser grossen alpinen Greifvogelart und an der Zusammenarbeit zwischen zoologischen Einrichtungen und Naturschutzorganisationen.
Bildung und Forschung
Umweltbildung gehört zu den zentralen Aufgaben des Tierparks. Schulen nutzen den Park als ausserschulischen Lernort. Angeboten werden Führungen, Workshops, Unterrichtsmaterialien und weitere Programme zu Wildtieren, Ökologie und Naturschutz.[1]
Die Tierparkschule besteht seit den 1980er-Jahren. Kinder und Jugendliche können dort die Lebensweise verschiedener Tierarten kennenlernen und ökologische Zusammenhänge untersuchen.
Für das allgemeine Publikum werden kommentierte Fütterungen und Tierbeobachtungen angeboten. Dabei vermitteln Mitarbeitende Informationen über Biologie, Verhalten, Ernährung und Gefährdung der jeweiligen Arten.
Der wissenschaftlich geführte Tierpark arbeitet zudem mit Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. Zoologische Einrichtungen ermöglichen unter kontrollierten Bedingungen Untersuchungen des Verhaltens, der Fortpflanzung, der Tiermedizin und anderer biologischer Aspekte, die auch für den Schutz von Wildpopulationen von Bedeutung sein können.
Goldauer Bergsturz
Die Geschichte des Parks ist eng mit dem Bergsturz von Goldau verbunden. Das Ereignis von 1806 veränderte die Landschaft zwischen Rossberg, Rigi und Lauerzersee dauerhaft.
Im Tierpark wird die Naturkatastrophe nicht nur durch die Landschaft selbst sichtbar. Eine Ausstellung widmet sich der Entstehung und den Folgen des Bergsturzes. Die Erlebnishalle Goldauer Bergsturz vermittelt geologische und historische Zusammenhänge und verbindet damit Naturgeschichte und Regionalgeschichte.
Die teilweise gewaltigen Nagelfluhblöcke im Park gehören zu den unmittelbarsten Zeugnissen des Ereignisses. Sie wurden bei der Gestaltung des Parks weitgehend in die Tieranlagen und Wege integriert.
Anlagen und Infrastruktur
Das Gelände ist durch ein ausgedehntes Wegenetz erschlossen. Neben den Tieranlagen bestehen Aussichtspunkte, Spielmöglichkeiten, Picknick- und Grillplätze sowie gastronomische Einrichtungen.
Zu den Einrichtungen und Erlebnisangeboten gehören unter anderem die Erlebnishalle Goldauer Bergsturz, ein Aussichtsturm, mehrere Spielplätze und kommentierte Tierfütterungen.[5]
Der Park wird laufend weiterentwickelt. Dabei werden ältere Tieranlagen schrittweise durch grössere und stärker strukturierte Lebensräume ersetzt. Ein wichtiges Ziel besteht darin, Tierhaltung, Besucherinformation, Landschaftsschutz und Naturerlebnis miteinander zu verbinden.
Grosswijer
Das Areal Grosswijer bildet einen wichtigen Erweiterungsbereich des Tierparks. Das Gebiet war ebenfalls vom Bergsturz von 1806 betroffen. Mit seiner Entwicklung verfolgt der Tierpark das Ziel, zusätzliche naturnahe Lebensräume zu schaffen und Wild- und Nutztiere in einem landschaftlichen Zusammenhang zu präsentieren.
Bei der Gestaltung wurden historische und geologische Besonderheiten des Gebietes berücksichtigt. Vor Millionen von Jahren befand sich dort eine Auenlandschaft, deren Ablagerungen zur Entstehung der charakteristischen Gesteinsschichten der Region beitrugen.[6]
Bedeutung für die Region
Der Tierpark zählt zu den bedeutenden Freizeit- und Bildungsinstitutionen im Kanton Schwyz und ist ein bekanntes Ausflugsziel in der Zentralschweiz. Seine Lage nahe dem Eisenbahnknoten Arth-Goldau macht ihn auch aus anderen Teilen der Schweiz gut erreichbar.
Die Verbindung von Tierhaltung, Bergsturzlandschaft und Naturraum verleiht dem Park einen besonderen Charakter. Im Gegensatz zu vielen städtischen Zoos bildet nicht eine dicht bebaute zoologische Anlage, sondern eine grossflächige Wald- und Felslandschaft den Rahmen für den Besuch.
Der Tierpark ist eng mit Goldau und seiner Bevölkerung verbunden. Seine Entstehung und zahlreiche spätere Ausbauprojekte wurden wesentlich durch lokales und regionales Engagement ermöglicht. Die Trägerschaft liegt beim Verein Natur- und Tierpark Goldau.
Organisation
Der Verein Natur- und Tierpark Goldau wurde 1925 gegründet. Ergänzend besteht die Stiftung Natur- und Tierpark Goldau, die 1990 ins Leben gerufen wurde.[3]
Die Institution verfolgt gemeinnützige Ziele. Seit 2005 ist der Natur- und Tierpark Goldau Zewo-zertifiziert. Als wissenschaftlich geführter Tierpark arbeitet er mit schweizerischen und internationalen zoologischen und naturschutzfachlichen Organisationen zusammen.
Die Tätigkeit umfasst vier zentrale Bereiche: Natur- und Artenschutz, Bildung, Forschung sowie die Gestaltung eines Erholungs- und Erlebnisraums für die Bevölkerung.[1]
Besuch
Der Natur- und Tierpark Goldau ist das ganze Jahr über geöffnet. Der Haupteingang befindet sich an der Parkstrasse in Goldau. Vom Bahnhof Arth-Goldau ist der Tierpark zu Fuss erreichbar.
Aufgrund des weitläufigen Geländes und der natürlichen Topografie unterscheidet sich ein Rundgang deutlich von einem Besuch in einem kompakten Stadtzoo. Die Wege führen durch Wald, über das historische Bergsturzgebiet und entlang verschiedener Tieranlagen.
Neben den Tierbeobachtungen gehören Spielplätze, Grillstellen, Picknickmöglichkeiten, gastronomische Angebote und Bildungsangebote zur Infrastruktur. Kommentierte Fütterungen bieten Gelegenheit, einzelne Tierarten zu bestimmten Tageszeiten besonders gut zu beobachten.[5]
Siehe auch
- Bergsturz von Goldau
- Goldau
- Arth SZ
- Rossberg (Berg)
- Lauerzersee
- Tierpark Langenberg
- Zoo Zürich
- Zoo Basel
- Wildnispark Zürich
Weblinks
- Offizielle Website des Natur- und Tierparks Goldau
- Natur- und Tierpark Goldau bei Schweiz Tourismus
- Natur- und Tierpark Goldau bei Schwyz Tourismus
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Verein Natur- und Tierpark Goldau, Natur- und Tierpark Goldau, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Natur- und Tierpark Goldau, Schweiz Tourismus, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Meilensteine des Natur- und Tierparks Goldau, Natur- und Tierpark Goldau.
- ↑ 4,0 4,1 100 Highlights für 100 Jahre Natur- und Tierpark Goldau, Natur- und Tierpark Goldau, 31. Januar 2025.
- ↑ 5,0 5,1 Natur- und Tierpark Goldau, Schwyz Tourismus, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Spatenstich zum Projekt «Grosswijer», Natur- und Tierpark Goldau, 10. Februar 2021.