FIFA Museum

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FIFA Museum
Früherer Name FIFA World Football Museum
Art Fussball- und Sportmuseum
Ort Zürich, Schweiz
Adresse Seestrasse 27
8002 Zürich
Eröffnung 28. Februar 2016
Trägerschaft FIFA
Ausstellungsfläche rund 3000 m²
Sammlung mehr als 1000 Ausstellungsobjekte
Website fifamuseum.com

Das FIFA Museum ist ein Museum in Zürich, das der Geschichte, Entwicklung und weltweiten kulturellen Bedeutung des Fussballs gewidmet ist. Es wird vom internationalen Fussballverband FIFA getragen und befindet sich im Haus zur Enge am Tessinerplatz, unmittelbar gegenüber dem Bahnhof Zürich Enge.

Das Museum wurde ursprünglich unter der Bezeichnung FIFA World Football Museum eröffnet. Seine Dauerausstellung dokumentiert die Entwicklung des internationalen Fussballs, die Geschichte der von der FIFA organisierten Wettbewerbe sowie die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Sports. Zu den bekanntesten Ausstellungsstücken gehören die Trophäen der Männer- und Frauen-Fussball-Weltmeisterschaften, historische Trikots, Spielbälle, Schuhe, Dokumente, Fotografien und persönliche Gegenstände bedeutender Spielerinnen, Spieler und Trainer.

Geschichte

Die Idee für ein zentrales Museum zur Geschichte des Weltfussballs wurde während der Amtszeit des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter entwickelt. Im April 2012 gab die FIFA bekannt, in Zürich ein internationales Fussballmuseum errichten zu wollen. Zunächst war ein Standort in der Nähe des FIFA-Hauptsitzes auf dem Zürichberg in Betracht gezogen worden. Schliesslich entschied sich der Verband für das Haus zur Enge am Tessinerplatz.[1]

Im April 2013 erfolgte der symbolische Beginn des Museumsprojekts. Das bestehende Haus zur Enge wurde anschliessend umfassend saniert, erweitert und für die museale Nutzung umgebaut. Neben den eigentlichen Ausstellungsräumen entstanden öffentlich zugängliche Gastronomieflächen, Veranstaltungsräume, ein Museumsshop und weitere Einrichtungen. Die oberen Geschosse des Gebäudes wurden für Wohnungen und Büros vorgesehen.

Das Museum öffnete am 28. Februar 2016 erstmals für die Öffentlichkeit. An der Eröffnungsfeier nahmen unter anderem der kurz zuvor gewählte FIFA-Präsident Gianni Infantino, ehemalige Fussballspieler sowie Vertreter aus Sport, Politik und Medien teil. Zur Eröffnung umfasste die Ausstellung mehr als 1000 Objekte auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern.[2]

In den folgenden Jahren wurde das Museumskonzept durch Sonderausstellungen, digitale Angebote und Wanderausstellungen ergänzt. Neben dem Standort Zürich präsentiert das FIFA Museum Teile seiner Sammlung zeitweise auch in anderen Ländern und im Umfeld grosser Fussballturniere. Bis zum zehnjährigen Bestehen im Februar 2026 hatten nach Angaben des Museums insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen seine Ausstellungen in verschiedenen Teilen der Welt besucht.[3]

Gebäude und Lage

Das FIFA Museum befindet sich im Haus zur Enge im Zürcher Quartier Enge. Das Gebäude bildet den südlichen Abschluss des Tessinerplatzes und liegt gegenüber dem markanten Aufnahmegebäude des Bahnhofs Zürich Enge. Durch die Nähe zum Bahnhof, zu mehreren Tram- und Buslinien sowie zum Zürichsee ist der Standort gut erschlossen.

Das Haus zur Enge wurde vom Schweizer Architekten Werner Stücheli entworfen und 1978 fertiggestellt. Der ursprüngliche Bau besteht aus einem mehrgeschossigen Sockel und einem darüberliegenden, abgewinkelten Hochhaus. Seine Grundrissstruktur folgt teilweise einem Raster mit Winkeln von 135 Grad, das dem Gebäude seine charakteristische Form verleiht.[4]

Für die Einrichtung des Museums wurde das Gebäude grundlegend erneuert. Die Museumsräume befinden sich überwiegend im Sockelbereich und erstrecken sich bis in die Untergeschosse. Der Haupteingang ist zum Tessinerplatz und zum Bahnhof Enge ausgerichtet. Öffentliche Gastronomie- und Verkaufsflächen wurden so angeordnet, dass sie teilweise auch unabhängig vom eigentlichen Museumsbetrieb zugänglich sind.

Bei der Umgestaltung blieb die Grundform des Gebäudes erhalten. Gleichzeitig wurden neue Fassadenelemente, technische Anlagen, Treppen, Aufzüge und grosszügige Innenräume eingebaut. Für den architektonischen Umbau war das Zürcher Büro SAM Architekten und Partner verantwortlich. Die Gestaltung der Ausstellung wurde auf die besondere Geometrie des Gebäudes abgestimmt.

Dauerausstellung

Die Dauerausstellung verteilt sich auf drei Ebenen und verbindet historische Originalobjekte mit Filmen, Tonaufnahmen, interaktiven Bildschirmen und spielerischen Stationen. Inhaltlich behandelt sie nicht nur den professionellen Spitzenfussball, sondern auch die Verbreitung des Sports im Alltag, seine Regeln, seine Organisation und seine gesellschaftliche Wirkung.

The Rainbow

Am Beginn des Rundgangs befindet sich die Installation The Rainbow. Sie besteht aus einer rund 35 Meter langen Präsentation von Nationalmannschaftstrikots. Vertreten sind die 211 Mitgliedsverbände der FIFA. Die Trikots sind nicht alphabetisch oder nach sportlichen Ranglisten angeordnet, sondern nach ihren Farben zu einem grossen Regenbogen zusammengestellt.[5]

Die Installation soll die weltweite Verbreitung des Fussballs veranschaulichen. Sie macht zugleich sichtbar, wie unterschiedlich nationale Identitäten, Symbole, Farben und gestalterische Traditionen im internationalen Fussball auftreten.

The Timeline

Die rund 13 Meter lange Zeitleiste The Timeline zeichnet die Geschichte des modernen Verbandsfussballs nach. Sie beginnt bei den Ursprüngen des organisierten Spiels auf den Britischen Inseln und behandelt die Gründung von Verbänden, die Entstehung internationaler Wettbewerbe sowie die schrittweise weltweite Verbreitung des Sports.

Ein Teil der Zeitleiste widmet sich der Entwicklung der Fussballregeln. Dabei wird gezeigt, wie aus den ursprünglichen Regelwerken die heutigen 17 Spielregeln entstanden. Ebenfalls dargestellt werden frühe Wettbewerbe wie der englische FA Cup, die Copa América und die verschiedenen von der FIFA organisierten Weltmeisterschaften.[5]

The Foundations

Der Ausstellungsbereich The Foundations behandelt die Gründung der FIFA im Jahr 1904 und die Entwicklung des Verbandes von einer kleinen europäischen Organisation zu einem weltweit tätigen Sportverband. Gezeigt werden unter anderem historische Statuten, Protokolle und Dokumente.

Zu den bedeutenden Exponaten zählt ein Protokollbuch des International Football Association Board aus dem Jahr 1886. Das Gremium ist bis heute für die Beratung und Verabschiedung der internationalen Fussballregeln zuständig. Eine interaktive Weltkarte informiert über die Mitgliedsverbände und die internationale Tätigkeit der FIFA.[5]

Die FIFA World Cup Gallery bildet den grössten Bereich des Museums. Sie ist der Geschichte der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer und der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft gewidmet. Einzelne Vitrinen und Medienstationen dokumentieren die verschiedenen Austragungen der beiden Wettbewerbe.

Die Präsentation umfasst Trikots, Medaillen, Spielbälle, Schuhe, Plakate, Fotografien und persönliche Erinnerungsstücke. Zu den gezeigten Objekten gehören ein Trikot aus dem Umfeld der ersten Männer-Weltmeisterschaft von 1930, ein von Pelé während der Weltmeisterschaft 1958 getragener Trainingsanzug sowie Erinnerungsstücke an die erste Frauen-Weltmeisterschaft 1991.

Einen zentralen Platz nehmen die Trophäe der Männer-Weltmeisterschaft und die Trophäe der Frauen-Weltmeisterschaft ein. Beide Pokale haben grundsätzlich ihren Aufbewahrungsort im Museum und verlassen es insbesondere im Zusammenhang mit den jeweiligen Turnieren und offiziellen FIFA-Veranstaltungen.[6]

Kino und audiovisuelle Angebote

Zum Museum gehört ein Kino mit einer gebogenen 180-Grad-Leinwand. Dort werden Kurzfilme über die Geschichte der Weltmeisterschaften, Finalspiele und den Weg verschiedener Nationalmannschaften zum Titel gezeigt. Historische Filmaufnahmen werden zu einer emotionalen und weitgehend ohne sprachliche Vorkenntnisse verständlichen Präsentation verbunden.

In der Nähe des Kinos befindet sich die sogenannte Curva Nord. Die Installation enthält Sitze aus Stadien, in denen bedeutende Weltmeisterschaftsspiele ausgetragen wurden. Dazu zählen Sitze aus dem Londoner Wembley-Stadion, dem Olympiastadion München und dem Stadion von Kapstadt.[5]

Interaktive Bereiche

Mehrere Stationen ermöglichen es den Besucherinnen und Besuchern, selbst aktiv zu werden. Der als begehbarer Fussballflipper gestaltete Abschlussbereich enthält verschiedene Aufgaben, bei denen Genauigkeit, Ballkontrolle und Schusstechnik erprobt werden können.

Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit E-Sport und virtuellen Fussballspielen. Er zeigt die technische Entwicklung der Darstellung von Spielern und Stadien, die Entstehung internationaler E-Sport-Wettbewerbe und die zunehmende Verbindung zwischen traditionellem Fussball und digitalen Spielformen.

Sammlung

Die Sammlung des FIFA Museums umfasst Objekte aus unterschiedlichen Epochen und Regionen. Gesammelt werden Gegenstände, die mit internationalen Turnieren, Nationalmannschaften, Spielern, Trainern, Schiedsrichtern, Verbänden und der Entwicklung der Fussballregeln verbunden sind.

Zu den Sammlungsbereichen gehören:

  • Trikots und andere Bestandteile historischer Spielkleidung
  • Spiel- und Trainingsbälle
  • Fussballschuhe und Torwarthandschuhe
  • Medaillen, Auszeichnungen und Trophäen
  • Eintrittskarten, Programme und Turnierplakate
  • Fotografien, Filme und Tonaufnahmen
  • Verbandsdokumente und historische Regelwerke
  • persönliche Gegenstände von Spielerinnen, Spielern und Trainern

Ein Teil der Bestände wird dauerhaft gezeigt, während andere Objekte in Sonderausstellungen, Wanderausstellungen oder digitalen Präsentationen eingesetzt werden. Die Sammlung berücksichtigt sowohl den Männer- als auch den Frauenfussball und soll die Entwicklung des Sports aus einer internationalen Perspektive dokumentieren.

Vermittlung und Veranstaltungen

Das FIFA Museum versteht sich neben seiner Funktion als Sammlung und Ausstellung auch als Bildungs- und Veranstaltungsort. Angeboten werden Führungen für Einzelpersonen, Gruppen und Schulklassen. Vermittlungsprogramme behandeln unter anderem die Geschichte des Fussballs, die Entwicklung der Regeln, Fairplay, internationale Verständigung und die gesellschaftliche Rolle des Sports.

Ein kostenloser Audioguide vermittelt zusätzliche Informationen zu ausgewählten Objekten und Ausstellungsbereichen. Er wird in mehreren Sprachen angeboten. Die Ausstellungsflächen sind mit Aufzügen erreichbar und grundsätzlich rollstuhlgängig.[7]

Das Museum veranstaltet regelmässig Gesprächsrunden, Filmvorführungen, Workshops, öffentliche Übertragungen von Fussballspielen und Programme für Familien. Sonderausstellungen beschäftigen sich beispielsweise mit einzelnen Turnieren, bekannten Spielerpersönlichkeiten, Fussballfotografie, Fankultur, Technik oder der Entwicklung des Frauenfussballs.

Zum Gebäude gehören ausserdem ein Museumsshop, gastronomische Angebote und Räume für Konferenzen und private Veranstaltungen.

Besucherzahlen und internationale Tätigkeit

Das Museum empfängt ein internationales Publikum und gehört zu den bekannten Sportmuseen der Schweiz. Im Jahr 2024 wurden am Standort Zürich nach Angaben der FIFA zum zweiten Mal in Folge mehr als 250'000 Besucherinnen und Besucher gezählt.[8]

Neben dem Zürcher Stammhaus organisiert das FIFA Museum Ausstellungen im Umfeld internationaler Turniere und arbeitet mit Kulturinstitutionen, Verbänden und privaten Partnern zusammen. Hinzu kommen digitale Ausstellungen, mit denen historische Objekte und Themen unabhängig vom Standort Zürich zugänglich gemacht werden.

Die internationale Tätigkeit entspricht dem Anspruch des Museums, Fussball nicht ausschliesslich als Spitzensport, sondern als weltweites kulturelles und gesellschaftliches Phänomen darzustellen.

Finanzierung und Kontroverse

Die hohen Kosten des Museumsprojekts und der langfristige Mietvertrag für das Haus zur Enge wurden wiederholt öffentlich diskutiert. Nach Angaben der FIFA wurden zunächst rund 30 Millionen Franken in die Einrichtung des Museums sowie weitere 110 Millionen Franken in die Sanierung und den Umbau des Gebäudes investiert. Das Gebäude selbst blieb im Eigentum eines externen Immobilienunternehmens. Der von der FIFA abgeschlossene Mietvertrag läuft bis 2055.[9]

Im Dezember 2020 reichte die FIFA bei der Zürcher Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige im Zusammenhang mit dem Museumsprojekt ein. Der Verband erklärte, eine externe Untersuchung habe Hinweise auf mögliche Misswirtschaft durch Mitglieder der früheren FIFA-Führung und durch beauftragte Unternehmen ergeben. Unter Einbezug langfristiger Verpflichtungen bezifferte die FIFA die mögliche Gesamtbelastung des Projekts auf rund 500 Millionen Franken.[10]

Das gegen den früheren FIFA-Präsidenten Joseph Blatter geführte Strafverfahren wurde 2023 von der Zürcher Staatsanwaltschaft ohne Anklage eingestellt. Nach Angaben der Behörden liess sich der für eine Anklage erforderliche Tatverdacht nicht erhärten.[11]

Erreichbarkeit

Das FIFA Museum liegt an der Seestrasse 27 am Tessinerplatz. Der Bahnhof Zürich Enge wird von mehreren Linien der S-Bahn Zürich bedient. In unmittelbarer Nähe halten zudem die Tramlinien 5, 7, 8 und 13 sowie verschiedene Buslinien.

Das Museum ist üblicherweise von Dienstag bis Sonntag geöffnet und montags geschlossen. Öffnungszeiten, Eintrittspreise und die Verfügbarkeit einzelner Ausstellungsstücke können sich ändern und werden auf der offiziellen Website veröffentlicht.[12]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. FIFA Welt Fussball Museum heisst erste Besucher willkommen, FIFA, 26. Februar 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. FIFA Welt Fussball Museum heisst erste Besucher willkommen, FIFA, 26. Februar 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. 10 Jahre FIFA Museum, FIFA Museum, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. FIFA World Football Museum, Architectes.ch, 5. Dezember 2018, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 The Exhibition, FIFA Museum, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. FIFA Museum, Verein Zürcher Museen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Opening hours and directions, FIFA Museum, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. FIFA Museum continues worldwide expansion, FIFA Annual Report 2024, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. FIFA Welt Fussball Museum heisst erste Besucher willkommen, FIFA, 26. Februar 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. FIFA files criminal complaint in connection with Museum project, FIFA, 22. Dezember 2020, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Zürcher Staatsanwalt stellt Verfahren gegen Sepp Blatter ein, SRF, 28. März 2023, abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. Öffnungszeiten und Anfahrt, FIFA Museum, abgerufen am 24. Juli 2026.