Essen für Alle

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Essen für Alle
Rechtsform Gemeinnütziger Verein
Gründung 2020
Gründer Amine Diare Conde
Zweck Kostenlose Abgabe von Lebensmitteln und Hygieneartikeln an armutsbetroffene Menschen
Sitz Zürich
Präsident Amine Diare Conde
Tätigkeitsgebiet Schweiz
Standorte Zürich, Seewen SZ, Chur, Glarus und Biel/Bienne
Website www.essenfueralle.org

Essen für Alle ist ein gemeinnütziger Schweizer Verein, der Lebensmittel und Hygieneartikel kostenlos an Menschen in finanziellen Notlagen verteilt. Die Hilfsorganisation entstand 2020 während der COVID-19-Pandemie in Zürich. Sie betreibt Ausgabestellen in mehreren Schweizer Städten und Gemeinden. Das Angebot richtet sich unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Aufenthaltsstatus an Personen, die nicht über genügend Mittel für ihre Grundversorgung verfügen.

Nach eigenen Angaben unterstützt Essen für Alle wöchentlich mehr als 2000 Einzelpersonen und Familien. An den fünf Standorten werden jeden Samstag insgesamt rund 30 Tonnen Lebensmittel ausgegeben.[1]

Geschichte

Die Initiative wurde im Frühjahr 2020 von Amine Diare Conde ins Leben gerufen. Conde, der aus Guinea stammt und seit 2014 in der Schweiz lebt, reagierte damit auf die sozialen Folgen der COVID-19-Pandemie. Zahlreiche Menschen verloren während des ersten Lockdowns ihre Arbeit oder einen wesentlichen Teil ihres Einkommens. Besonders betroffen waren Personen mit unsicheren Arbeitsverhältnissen, Sans-Papiers, Asylsuchende und Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu staatlichen Unterstützungsangeboten hatten.[2]

Am Anfang organisierte Conde mehr als 5000 nicht mehr benötigte Mahlzeiten eines Verpflegungsunternehmens, das wegen der Schliessung von Kindertagesstätten Abnehmer verloren hatte. Die Lebensmittel wurden in den Räumen der Autonomen Schule Zürich an Bedürftige abgegeben. Bereits in den ersten Monaten beteiligten sich zahlreiche Freiwillige an der Beschaffung, Sortierung und Verteilung der Waren.[3]

Im Juli 2020 übernahm das Sozialwerk Pfarrer Sieber vorübergehend die Verantwortung für das Projekt. Nachdem unterschiedliche Möglichkeiten für dessen Weiterführung geprüft worden waren, wurde 2021 ein eigenständiger Verein gegründet. Das Sozialwerk und Essen für Alle führten ihre Tätigkeiten danach getrennt weiter.[4]

Die Zürcher Ausgabestelle befand sich mehrere Jahre in einer ehemaligen Industriehalle an der Allmendstrasse im Gebiet Manegg. Dort entwickelte sich die Initiative zu einer der grösseren privaten Lebensmittelabgaben der Schweiz. Im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine im Jahr 2022 nahm die Zahl der Bezügerinnen und Bezüger stark zu. Zeitweise reisten Geflüchtete aus verschiedenen Kantonen nach Zürich, um ein Lebensmittelpaket zu erhalten.[5]

Wegen des geplanten Abbruchs der Gebäude in der Manegg musste der Verein 2026 einen neuen Zürcher Standort suchen. Die Lebensmittelabgabe wurde daraufhin in das Quartier Zürich-Affoltern verlegt. Der neue Standort befindet sich an der Adresse Im Holzerhurd 60.[6]

Tätigkeit

Essen für Alle sammelt überschüssige oder gespendete Lebensmittel von Unternehmen, Produzenten, Detailhändlern und privaten Unterstützenden. Ergänzend kauft der Verein haltbare Grundnahrungsmittel wie Reis, Speiseöl und Teigwaren ein. Ausgegeben werden unter anderem Gemüse, Früchte, Brot, Milchprodukte und weitere Lebensmittel, deren genaue Zusammensetzung vom verfügbaren Angebot abhängt. Teilweise gehören auch Windeln, Damenhygieneartikel und andere Produkte des täglichen Bedarfs zu den Paketen.

Die Abgaben finden in der Regel samstags statt. An den Standorten werden die angelieferten Waren von Freiwilligen entladen, kontrolliert, sortiert und zu Paketen zusammengestellt. Die Organisation verbindet damit zwei Ziele: Sie unterstützt armutsbetroffene Menschen und trägt gleichzeitig dazu bei, noch geniessbare Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren.

Das Angebot ist niederschwellig ausgestaltet. Der Zugang ist nach Angaben des Vereins nicht vom Aufenthaltsstatus abhängig.[1] In Zürich erfolgt der Bezug über eine Registrierung und eine Bezugskarte. Damit sollen die Zahl der Haushaltsmitglieder erfasst, Mehrfachbezüge verhindert und die grosse Zahl der anwesenden Personen auf verschiedene Zeitfenster verteilt werden.

Standorte

Essen für Alle betreibt Ausgabestellen in unterschiedlichen Regionen der Schweiz. Im Juli 2026 bestanden folgende fünf Standorte:[7]

Die einzelnen Ausgabestellen werden von lokalen Teams organisiert. Neben der direkten Lebensmittelverteilung beliefert der Verein teilweise auch Einrichtungen, in denen bedürftige oder geflüchtete Menschen untergebracht sind.

Organisation und Finanzierung

Essen für Alle ist als steuerbefreiter Verein organisiert. Präsident und vertretungsberechtigte Person ist der Gründer Amine Diare Conde.[8] Die operative Arbeit wird zu einem grossen Teil von Freiwilligen getragen. Sie helfen bei der Abholung von Sachspenden, bei Transporten, beim Sortieren der Lebensmittel, bei der Registrierung der Bezügerinnen und Bezüger sowie bei der eigentlichen Ausgabe.

Finanziert wird die Organisation durch private und institutionelle Geldspenden sowie durch Sachspenden. Geldmittel werden insbesondere für den Einkauf von Grundnahrungsmitteln, Mieten, Strom, Transporte und weitere Betriebskosten eingesetzt. Da der Verein steuerbefreit ist, können Spenden im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen von den Steuern abgezogen werden.[9]

Ein wichtiger Teil der Versorgung stammt aus der Zusammenarbeit mit Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Dennoch muss Essen für Alle bestimmte Produkte regelmässig zukaufen, weil Sachspenden weder in gleichbleibender Menge noch in einer für ausgewogene Lebensmittelpakete ausreichenden Zusammensetzung verfügbar sind.

Bedeutung

Essen für Alle macht auf eine Form der Armut aufmerksam, die im vergleichsweise wohlhabenden Schweizer Umfeld häufig wenig sichtbar ist. Zu den Bezügerinnen und Bezügern gehören Familien mit niedrigen Einkommen, Alleinerziehende, Erwerbslose, Geflüchtete, Sans-Papiers und Personen, deren finanzielle Mittel durch hohe Wohn-, Gesundheits- oder Lebenshaltungskosten stark eingeschränkt sind.

Während der COVID-19-Pandemie und nach der Ankunft zahlreicher Schutzsuchender aus der Ukraine zeigte sich, dass private Hilfsorganisationen kurzfristig auf neue soziale Notlagen reagieren können. Gleichzeitig verdeutlichte der starke Andrang bei den Ausgabestellen, dass auch Personen mit Anspruch auf staatliche Unterstützung Schwierigkeiten haben können, ihren täglichen Bedarf zu decken.

Die Tätigkeit des Vereins steht ausserdem im Zusammenhang mit der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Gespendete überschüssige Lebensmittel werden nicht entsorgt, sondern an Haushalte weitergegeben, die sie unmittelbar benötigen. Allerdings besteht die Arbeit nicht ausschliesslich aus der Rettung überschüssiger Waren, da Grundnahrungsmittel zur Sicherstellung einer verlässlichen Versorgung zusätzlich gekauft werden müssen.

Gründer

Amine Diare Conde wurde in Guinea geboren und gelangte als Jugendlicher über die Sahara und das Mittelmeer nach Europa. Als minderjähriger Asylsuchender kam er 2014 in die Schweiz. Seine eigenen Erfahrungen mit einem Leben am Existenzminimum beeinflussten nach eigenen Angaben die Gründung von Essen für Alle.[10]

Condes Arbeit und persönliche Geschichte wurden im Dokumentarfilm Amine – Held auf Bewährung behandelt. Die Produktion erhielt 2023 an den Solothurner Filmtagen den Publikumspreis.[11] Darüber hinaus engagiert er sich im Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Essen für Alle. In: essenfueralle.org. Abgerufen am 2026-07-26.
  2. Amine Diare Conde – Vorstandsmitglied. Hrsg.: Stadt Zürich. Abgerufen am 2026-07-26.
  3. Helfende Hände in der Not. In: Amnesty-Magazin. Hrsg.: Amnesty International Schweiz. Abgerufen am 2026-07-26.
  4. Sozialwerk Pfarrer Sieber und «Essen für alle» gehen getrennte Wege. 2021-09-24. Abgerufen am 2026-07-26.
  5. Nach Zürich reisen für Gratis-Essen. In: reformiert.info. 2022-05-16. Abgerufen am 2026-07-26.
  6. «Essen für alle» zieht nach Zürich-Affoltern. In: Tsüri.ch. 2026-04-24. Abgerufen am 2026-07-26.
  7. Kontakt und Standorte. In: Essen für Alle. Abgerufen am 2026-07-26.
  8. Impressum. In: Essen für Alle. Abgerufen am 2026-07-26.
  9. Spenden. In: Essen für Alle. Abgerufen am 2026-07-26.
  10. Der Kopf: Amine Diare Conde. Hrsg.: Stadt Zürich. Abgerufen am 2026-07-26.
  11. SRF-Koproduktion «Amine – Held auf Bewährung» gewinnt Publikumspreis an Solothurner Filmtagen. Hrsg.: Schweizer Radio und Fernsehen. Abgerufen am 2026-07-26.