Bahnhof Genève-Cornavin
| Offizielle Bezeichnung | Genève |
|---|---|
| Weitere Bezeichnungen | Genève-Cornavin, Gare Cornavin |
| Gemeinde | Genf |
| Kanton | Genf |
| Betriebsstellenart | Durchgangs- und Knotenbahnhof |
| Eigentümerin | Schweizerische Bundesbahnen |
| Eröffnung | 16.–18. März 1858 |
| Perrongleise | 8 |
| Gleisnummern | 1–7 und 10 |
| Perrons | 4 |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Stromsysteme | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom; 25 kV, 50 Hz Wechselstrom Richtung La Plaine und Frankreich |
| Verkehr | Fernverkehr, Léman Express, Regionalverkehr, internationaler Verkehr |
| Reisende | 183'000 Ein- und Aussteigende pro Werktag |
| Reisendenstand | 2025 |
| Anschluss | Tram, Trolleybus, Autobus und Taxi |
Der Bahnhof Genève-Cornavin, im Eisenbahnverkehr offiziell meist einfach Genève genannt, ist der Hauptbahnhof der Stadt Genf und der wichtigste Eisenbahnknoten des Kantons Genf. Er liegt an der Place de Cornavin unmittelbar nördlich des Genfer Stadtzentrums und wird von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), der französischen SNCF Voyageurs sowie den Zügen des grenzüberschreitenden Léman Express bedient.
Der Bahnhof verbindet die Genferseeregion mit Lausanne, dem schweizerischen Mittelland, der Deutschschweiz, dem Wallis, Italien und Frankreich. Direkte Züge verkehren unter anderem nach Lausanne, Bern, Luzern, Zürich, St. Gallen, Chur, Brig, Mailand, Paris, Lyon, Grenoble, Valence, Annecy, Évian-les-Bains und Saint-Gervais-les-Bains. Über die westliche Zufahrt ist Cornavin zudem mit dem Bahnhof Genève-Aéroport verbunden.
Mit durchschnittlich 183'000 ein- und aussteigenden Personen pro Werktag im Jahr 2025 gehört Genève-Cornavin zu den am stärksten frequentierten Bahnhöfen der Schweiz. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der Reisenden um 5,7 Prozent zu.[1]
Das heutige monumentale Aufnahmegebäude entstand zwischen 1927 und 1931 nach Plänen des Genfer Architekten Julien Flegenheimer. Nach einer umfassenden Modernisierung und Erweiterung wurde der Bahnhof im Herbst 2014 neu eröffnet.[2]
Name
Die Eisenbahngesellschaften und die elektronischen Fahrpläne führen den Bahnhof unter der offiziellen Bezeichnung Genève. Der Zusatz Cornavin dient zur Unterscheidung von anderen Genfer Bahnhöfen, insbesondere Genève-Aéroport, Genève-Eaux-Vives und Genève-Sécheron.
Der Name Cornavin geht auf eine ältere Flur- und Ortsbezeichnung zurück. Vor dem Abbruch der Genfer Stadtbefestigungen bestanden in diesem Gebiet unter anderem ein Tor, eine Bastion und ein Wasserlauf mit dem Namen Cornavin. Später ging die Bezeichnung auf den Platz und den Bahnhof über.
Im lokalen Sprachgebrauch sind sowohl Gare de Genève als auch Gare Cornavin üblich. Die Haltestellen der städtischen Verkehrsmittel tragen die Bezeichnung Genève, gare Cornavin.
Lage
Der Bahnhof liegt am nördlichen Rand des historischen Genfer Stadtzentrums. Die Hauptfassade und der wichtigste Zugang befinden sich an der Place de Cornavin. Von dort führen die Rue du Mont-Blanc und weitere Strassen in Richtung Genfersee, Rhône, Einkaufszentrum und Altstadt.
Auf der Nordseite der Gleisanlagen liegen die Quartiere Les Grottes und Montbrillant. Die beiden Seiten des Bahnhofs werden durch Bahnhofspassagen und Unterführungen miteinander verbunden. Weitere Zugänge bestehen unter anderem von der Rue de Lausanne, der Rue des Alpes und der Place de Montbrillant.
Die zentrale Lage ermöglicht kurze Wege zu Hotels, Geschäften, Restaurants, öffentlichen Einrichtungen und internationalen Organisationen. Der See und die Pont du Mont-Blanc sind zu Fuss erreichbar.
Geschichte
Bau der ersten Eisenbahn
Die Planung des Genfer Hauptbahnhofs stand in engem Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Lyon nach Genf. Als mögliche Standorte wurden zunächst unter anderem Bel-Air, die Île und die Coulouvrenière untersucht. Schliesslich entschied man sich für Cornavin am damaligen Rand des bebauten Stadtgebiets.
Die Lage ausserhalb der früheren Befestigungen sollte verhindern, dass die Gleisanlagen die Stadt zerschnitten. Gleichzeitig sollten Rauch, Lärm und weitere Belastungen der damaligen Dampfeisenbahn vom dicht bebauten Zentrum ferngehalten werden.
Der Bahnhof und die Verbindung nach Lyon wurden während dreitägiger Feierlichkeiten vom 16. bis 18. März 1858 eröffnet.[3] Wenige Monate später folgte die Strecke in Richtung Versoix und Lausanne. Dadurch wurde Cornavin von einem Endbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof zwischen Frankreich und der Westschweiz.
Die erste Bahnhofsanlage gehörte der französischen Eisenbahngesellschaft Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM). Das Gebäude wurde angesichts des wachsenden Verkehrs mehrfach erweitert, unter anderem 1873 und in den 1890er-Jahren.
Die Eröffnung der Eisenbahn veränderte die Stadtentwicklung nördlich des Zentrums grundlegend. Rund um den Bahnhof entstanden Hotels, Gaststätten, Gewerbebetriebe und neue Wohnquartiere. Besonders das Gebiet der Grottes entwickelte sich zu einem dicht bebauten Arbeiter- und Handwerkerviertel.
Brand von 1909
In der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 1909 brach im Bahnhofgebäude ein schwerer Brand aus. Als Ursache gilt die Überhitzung eines Ofens im Bereich der Gepäckaufbewahrung. Die starke Bise fachte die Flammen an und erschwerte die Löscharbeiten.
Ein grosser Teil des Aufnahmegebäudes wurde zerstört; im Wesentlichen blieben nur die steinernen Aussenmauern stehen. Der Eisenbahnverkehr wurde mit provisorischen Einrichtungen weitergeführt, während die beschädigten Gebäudeteile gesichert und teilweise wiederhergestellt wurden.[4]
1912 übernahmen die Schweizerischen Bundesbahnen den Bahnhof und die schweizerischen Abschnitte der zuvor von der PLM betriebenen Anlagen.[5]
Neubau des heutigen Bahnhofs
Nachdem Genf 1919 als Sitz des Völkerbunds bestimmt worden war, begann die Stadt mit umfangreichen Ausbau- und Repräsentationsprojekten. Der bestehende Bahnhof entsprach weder dem erwarteten Verkehrsaufkommen noch der neuen internationalen Bedeutung Genfs.
Die SBB liessen deshalb einen vollständigen Neubau errichten. Der Genfer Architekt Julien Flegenheimer entwarf ein langgestrecktes, monumentales Gebäude, das klassizistische Formen mit zeitgenössischen Gestaltungselementen verbindet.
Die bildhauerische Ausstattung des Hauptgiebels stammt von Jacques Probst. Die repräsentative Haupthalle wurde 1929 eröffnet, während die übrigen Gebäudeteile und technischen Anlagen bis 1931 fertiggestellt wurden.
Der Bahnhof erhielt eine breite Fassade zur Place de Cornavin, eine grosse zentrale Schalterhalle, Seitenflügel sowie neue Perron- und Gepäckanlagen. Das Bauwerk sollte Reisenden einen ihrer Bedeutung als internationale Stadt entsprechenden Zugang zu Genf bieten.
Elektrifizierung
Die Strecke zwischen Lausanne und Genf wurde 1925 mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom elektrifiziert.
Die Verbindung von Genf über La Plaine nach Bellegarde erhielt 1956 eine Fahrleitung mit 1500 Volt Gleichstrom nach französischer Norm. Dadurch bestanden im Bahnhof unterschiedliche Stromsysteme, und für den grenzüberschreitenden Verkehr wurden entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge benötigt.
2014 wurde der Abschnitt Genève–La Plaine auf 25 Kilovolt und 50 Hertz Wechselstrom umgestellt.[6] Diese Spannung entspricht dem auf einem grossen Teil des französischen Netzes verwendeten System. Die übrigen Hauptgleise des Bahnhofs werden weiterhin mit dem schweizerischen Stromsystem versorgt.
Ausbau für den Flughafen- und Frankreichverkehr
In den Jahren 1983 und 1984 wurde die Bahnhofsanlage um einen vierten Perron erweitert. Dieser diente insbesondere den Zügen nach Frankreich und erhielt Einrichtungen für Grenz- und Zollkontrollen.
Der Ausbau machte es möglich, andere Gleise für die geplante Verbindung zum Flughafen freizugeben. 1987 wurde der unterirdische Bahnhof Genève-Aéroport eröffnet. Seither fahren zahlreiche Schweizer Fernverkehrszüge über Cornavin hinaus zum Flughafen oder beginnen dort ihre Fahrt.
Die Verbindung zum Flughafen besitzt zwei Gleise und zweigt westlich von Cornavin im Bereich Châtelaine von der Strecke nach La Plaine und Frankreich ab.
Modernisierung von 2010 bis 2014
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entsprachen die Verkehrs- und Publikumsanlagen nicht mehr den Anforderungen des stark wachsenden Bahnhofs. Die SBB modernisierten deshalb das Gebäude, die Passagen und die kommerziellen Bereiche umfassend.
Die Arbeiten umfassten unter anderem den Ausbau der Ost- und Westflügel, neue Zugänge, Rolltreppen und Lifte, zusätzliche Ladenflächen sowie eine Neuordnung der Personenströme. Die historische Haupthalle blieb erhalten und wurde in die erneuerte Anlage integriert.
Im April 2014 wurde die umgestaltete zentrale Laden- und Verbindungspassage geöffnet. Die offizielle Einweihung des erneuerten Bahnhofs folgte im Herbst desselben Jahres.[2]
Das Gebäude dient seither nicht nur dem Eisenbahnverkehr, sondern auch als Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Es enthält Verkaufsstellen, Restaurants, Lebensmittelgeschäfte, eine Apotheke, medizinische Einrichtungen und weitere Dienstleistungen.
Eröffnung des Léman Express
Am 15. Dezember 2019 nahm der Léman Express seinen vollständigen Betrieb auf. Grundlage dafür war die Fertigstellung der Bahnverbindung CEVA zwischen Cornavin, Lancy, Genève-Eaux-Vives und Annemasse.
Die Verbindung schloss eine jahrzehntelang bestehende Lücke zwischen dem schweizerischen und dem französischen Regionalbahnnetz. Seither können Reisende von Cornavin ohne Umsteigen über Lancy-Pont-Rouge, Genève-Champel und Genève-Eaux-Vives nach Annemasse und weiter in verschiedene Teile Hochsavoyens fahren.
Cornavin wurde damit zum zentralen Knoten des grenzüberschreitenden S-Bahn-Netzes zwischen den Kantonen Genf und Waadt sowie den französischen Départements Ain und Haute-Savoie.
Neues Stellwerk und Gleisnummern
Im November 2024 nahmen die SBB ein neues elektronisches Stellwerk für den Knoten Genf in Betrieb. Es ersetzte eine Anlage aus dem Jahr 1986 und steuert Weichen und Signale im Bahnhof sowie auf den angrenzenden Strecken.
Für die Umschaltung musste der Bahnverkehr während rund 20 Stunden vollständig eingestellt werden. Gleichzeitig änderten die SBB mehrere Gleisnummern. Das bisherige Gleis 5 erhielt die Nummer 10; die bisherigen Gleise 6, 7 und 8 wurden zu den Gleisen 5, 6 und 7.[7]
Die neue Nummerierung nimmt die geplante unterirdische Erweiterung vorweg. Die Nummern 8 und 9 werden an der Oberfläche nicht mehr verwendet, während für den künftigen Tiefbahnhof die Gleise 11 und 12 vorgesehen sind.
Bahnhofsanlage
Der oberirdische Bahnhof besitzt acht Perrongleise mit den Nummern 1 bis 7 und 10. Sie werden über vier Perrons erschlossen. Die Gleise verlaufen annähernd in Ost-West-Richtung.
Gleis 10 ist ein westlich endendes Stumpfgleis. Es wird insbesondere von Regionalzügen in Richtung Vernier, Meyrin, Satigny und La Plaine benutzt. Die durchgehenden Gleise 1 bis 7 ermöglichen Fahrten in Richtung Lausanne, Flughafen, La Plaine, Frankreich und CEVA.
| Gleis | Vorwiegende Nutzung |
|---|---|
| 1 | Léman Express in Richtung Coppet |
| 2 | Léman Express und RegionalExpress in Richtung Lancy und Annemasse |
| 3 | Züge in Richtung Genève-Aéroport |
| 4–5 | Schweizer Fern- und Regionalverkehr in Richtung Lausanne, Wallis und Mittelland |
| 6–7 | TGV- und TER-Verkehr in Richtung Bellegarde, Lyon, Grenoble und Paris |
| 10 | Léman Express in Richtung La Plaine |
Die tatsächliche Gleisbelegung kann je nach Fahrplan, Bauarbeiten und Betriebslage abweichen.[8]
Die Perrons sind über mehrere Unterführungen, Treppen, Rolltreppen und Lifte erreichbar. Auf der Südseite führen die Zugänge zur Place de Cornavin und zum Stadtzentrum, auf der Nordseite nach Montbrillant und in das Quartier Les Grottes.
Empfangsgebäude
Das Empfangsgebäude bildet eine langgestreckte städtebauliche Front an der Place de Cornavin. Der historische Mittelteil wird von hohen Fensteröffnungen, Natursteinfassaden und einem markanten Giebel geprägt.
Die Haupthalle besitzt eine grosse Raumhöhe und dient als Verbindung zwischen dem Bahnhofplatz, den Ladenpassagen und den Perronzugängen. Trotz der modernen Einbauten blieb ihre historische Grundstruktur erhalten.
An den Mittelbau schliessen ein Ost- und ein Westflügel an. In den unteren Geschossen befinden sich Publikumsanlagen, Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Die oberen Stockwerke werden teilweise als Büros, Praxen und Dienstleistungsräume genutzt.
Unter dem Bahnhofplatz befindet sich eine weitere Einkaufspassage. Sie ist mit dem Bahnhof, den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und einer Parkanlage verbunden.
Eisenbahnverkehr
Schweizer Fernverkehr
Genève-Cornavin ist Ausgangs-, End- und Zwischenbahnhof zahlreicher Fernverkehrslinien der SBB. Die meisten Züge aus der Schweiz werden bis Genève-Aéroport weitergeführt.
Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach:
- Lausanne, Montreux, Sion und Brig;
- Fribourg, Bern, Zürich und St. Gallen;
- Neuchâtel, Biel/Bienne und Olten;
- Luzern;
- Chur;
- Domodossola und Mailand.
Der Abschnitt zwischen Genf und Lausanne gehört zu den am stärksten belasteten Bahnstrecken der Westschweiz. Fernverkehrs-, RegionalExpress- und Léman-Express-Züge teilen sich dort die vorhandenen Gleise.
Internationaler Verkehr nach Frankreich
TGV-Lyria-Züge verbinden Genève-Cornavin direkt mit Paris-Gare-de-Lyon. Sie verkehren über Bellegarde-sur-Valserine und Bourg-en-Bresse. Während einzelner Fahrplanperioden bestehen ausserdem saisonale Verbindungen in Richtung Avignon, Aix-en-Provence und Marseille.
Regionalzüge des französischen TER-Netzes verbinden Genf unter anderem mit Bellegarde, Lyon-Part-Dieu, Grenoble und Valence. Die internationalen Züge werden in der Regel über die Gleise 6 und 7 abgefertigt.
Die Züge nach Frankreich benutzen zunächst die Strecke über Vernier, Meyrin, Satigny und La Plaine. Bei Pougny überqueren sie die Staatsgrenze und fahren weiter nach Bellegarde-sur-Valserine, wo Verbindungen in Richtung Paris, Lyon und Südfrankreich bestehen.
Léman Express
Genève-Cornavin wird von den Linien L1 bis L6 des Léman Express bedient.
Die Linien L1 bis L4 bilden zwischen Coppet, Cornavin und Annemasse den dicht befahrenen Kernabschnitt des Netzes. Von Annemasse führen die Linien weiter nach:
- L1 nach Évian-les-Bains;
- L2 nach Annecy;
- L3 nach Saint-Gervais-les-Bains-Le Fayet;
- L4 bis Annemasse.
Die Linie L5 verbindet Cornavin mit La Plaine. Die Linie L6 fährt über La Plaine hinaus nach Bellegarde-sur-Valserine. RegionalExpress-Züge ergänzen das Angebot zwischen Genève-Aéroport, Cornavin, Annemasse, Lausanne und dem Wallis.[9]
Zwischen Coppet und Annemasse besteht tagsüber in der Regel ein dichter Takt. Am Wochenende verkehren auf dem Kernabschnitt auch Nachtzüge. Genève-Aéroport ist von Cornavin in ungefähr sieben Minuten erreichbar.[10]
Städtischer Verkehr
Die Haltestellen rund um die Place de Cornavin bilden einen der wichtigsten Knoten der Transports publics genevois (TPG). Direkte Anschlüsse bestehen zu Tram-, Trolleybus- und Autobuslinien.
Die Tramlinien 14, 15 und 18 verbinden den Bahnhof unter anderem mit Bel-Air, Plainpalais, Lancy, Bernex, Meyrin, dem CERN und dem Quartier der internationalen Organisationen. Zahlreiche Bus- und Trolleybuslinien führen in Richtung Flughafen, Nations, Vernier, Rive, Eaux-Vives, Thônex, Veyrier und weitere Stadtteile und Agglomerationsgemeinden.
Die Haltestellen sind auf mehrere Strassenzüge rund um den Bahnhof verteilt. Ein Verbindungsplan zeigt die jeweiligen Abfahrtspositionen und Fusswege.[11]
Taxistandplätze, Fahrradabstellanlagen, Mietfahrzeuge und Parkmöglichkeiten ergänzen das Verkehrsangebot. Der internationale Busbahnhof an der Place Dorcière befindet sich wenige Gehminuten entfernt.
Bedeutung
Genève-Cornavin erfüllt gleichzeitig lokale, regionale, nationale und internationale Funktionen. Für die Stadt Genf ist er das wichtigste Eingangstor für Reisende und der zentrale Umsteigepunkt zwischen Eisenbahn und städtischem Verkehr.
Im Regionalverkehr verbindet der Bahnhof die Wohn- und Arbeitsgebiete rund um den Genfersee und im französischen Grenzraum. Der Léman Express ermöglicht durchgehende Fahrten quer durch die Agglomeration, ohne dass im Genfer Zentrum auf Tram oder Bus umgestiegen werden muss.
Im nationalen Verkehr ist Cornavin der westliche Endpunkt mehrerer wichtiger Schweizer Fernverkehrslinien. Die direkte Bahnverbindung zum Flughafen verstärkt seine Bedeutung als Umsteigeknoten für internationale Reisen.
Die vorhandene oberirdische Anlage hat wegen der wachsenden Nachfrage ihre Kapazitätsgrenze weitgehend erreicht. Zusätzliche Züge können nur noch in begrenztem Umfang in den bestehenden Fahrplan integriert werden.
Geplante unterirdische Erweiterung
Projektentwicklung
Ursprünglich war vorgesehen, den Bahnhof an der Oberfläche um zusätzliche Gleise zu erweitern. Gegen dieses Vorhaben bestanden erhebliche städtebauliche Bedenken, da dafür Gebäude im Quartier Les Grottes hätten abgebrochen werden müssen.
Nach einer vertieften Untersuchung beschlossen der Bund, der Kanton Genf, die Stadt Genf und die SBB im Dezember 2015, die zusätzliche Kapazität unterirdisch zu schaffen. Die SBB sind Bauherrin des Projekts, während Bund, Kanton und Stadt an Planung und Finanzierung beteiligt sind.[12]
Der Tiefbahnhof soll teilweise unter dem heutigen vierten Perron und teilweise unter der Place de Montbrillant entstehen.
Anlage des Tiefbahnhofs
Die geplante unterirdische Erweiterung umfasst zwei Hauptebenen. Auf der Ebene −1 ist eine grosszügige Mezzanine für die Verteilung der Reisenden vorgesehen. Auf der Ebene −2 entsteht ein Mittelperron mit den neuen Gleisen 11 und 12.
Zwei doppelspurige Tunnel verbinden den Tiefbahnhof mit dem bestehenden Netz. Der östliche Tunnel in Richtung Lausanne soll im Bereich Pregny-Chambésy an die Oberflächenstrecke anschliessen. Der westliche Tunnel führt in Richtung Flughafen und erreicht die bestehende Strecke im Vernier-Quartier Étang.[13]
Das bestehende vierte Perron mit den Gleisen 6 und 7 muss für den Bau zeitweise vollständig entfernt werden. Anschliessend soll es 420 Meter lang und mit einer höheren Perronkante wiederaufgebaut werden.
Neue Personenunterführungen
Ein neuer zentraler Durchgang soll in der Achse der historischen Haupthalle entstehen. Er ist mit einer Breite von rund 20 Metern geplant und verbindet die Place de Cornavin, den Tiefbahnhof, die oberirdischen Perrons und die Nordseite der Anlage.
Zusätzlich ist eine neue Unterführung bei der Rue des Alpes vorgesehen. Die bestehende Verbindung im Bereich der Rue de la Servette soll verbreitert werden.
Die neuen Anlagen sollen die teilweise stark belasteten heutigen Zugänge entlasten, kürzere Umsteigewege ermöglichen und eine bessere Verbindung zwischen den Quartieren beiderseits der Gleise schaffen.
Kapazität und Zeitplan
Durch den Tiefbahnhof sollen pro Stunde und Richtung vier zusätzliche Züge verkehren können. Gleichzeitig werden die Flächen für Reisende, Bahnhofsdurchquerende, Geschäfte und Dienstleistungen erheblich erweitert.[13]
Von 2019 bis 2027 werden vorbereitende Arbeiten durchgeführt. Dazu gehören Anpassungen an Gleisanlagen, Stellwerken, Abstellanlagen und technischen Einrichtungen.
Nach dem im Jahr 2026 veröffentlichten Planungsstand soll das Plangenehmigungsverfahren ab 2027 beginnen. Die öffentliche Auflage könnte Ende 2027 erfolgen. Da die Dauer möglicher Einsprachen und Rechtsmittel nicht absehbar ist, nennen die SBB derzeit kein verbindliches Datum für die Inbetriebnahme.[13]
Parallel zum Eisenbahnprojekt planen Stadt, Kanton und SBB eine umfassende Neugestaltung der Place de Cornavin, der Place de Montbrillant und weiterer öffentlicher Räume rund um den Bahnhof.
Siehe auch
- Bahnhof Genève-Aéroport
- Bahnhof Genève-Eaux-Vives
- Bahnhof Genève-Sécheron
- Léman Express
- CEVA
- Bahnstrecke Lausanne–Genf
- Bahnstrecke Lyon–Genf
- Schweizerische Bundesbahnen
- Transports publics genevois
Weblinks
- Bahnhof Genève-Cornavin bei den SBB
- Genève-Cornavin beim Léman Express
- Projekt des Genfer Tiefbahnhofs
- Bahnhofsplan Genève-Cornavin
- TPG – öffentlicher Verkehr in Genf
Einzelnachweise
- ↑ Faits et chiffres – Gares. In: Reporting CFF. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ 2,0 2,1 Gare de Genève Cornavin. In: CFF. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Anecdotes du quartier Grottes Saint-Gervais. Hrsg.: Ville de Genève. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Entre l’incendie de la gare Cornavin en 1909 et sa reconstruction. In: InterroGE. Hrsg.: Bibliothèques municipales de la Ville de Genève. 2023-05-17. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Genève. In: Léman Express. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Opérationnalisation 50 Hz. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Interruption du trafic ferroviaire à Genève. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2024-10-31. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Départs Genève, Fahrplanjahr 2026. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Les 7 lignes LEX. In: Léman Express. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Je me déplace. In: Léman Express. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Genève, gare Cornavin – Plan de connexion. Hrsg.: Transports publics genevois. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Genève-Cornavin: accord sur le projet définitif de la gare souterraine. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2023-11-28. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 Genève: gare souterraine. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.