Kloster Fahr

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Kloster Fahr
Ordensgemeinschaft Benediktinerinnen
Kirchliche Stellung Priorat
Gründung 1130
Stifter Lütold II. von Regensberg
Mutterkloster Kloster Einsiedeln
Patrozinium Maria
Gemeinde Würenlos
Bezirk Baden
Kanton Aargau
Lage Aargauer Exklave im Kanton Zürich
Gewässer Limmat
Postleitzahl 8109 Kloster Fahr
Website www.kloster-fahr.ch

Das Kloster Fahr ist ein Benediktinerinnenkloster an der Limmat bei Unterengstringen im schweizerischen Limmattal. Das Klostergebiet gehört politisch zur Gemeinde Würenlos im Bezirk Baden des Kantons Aargau, ist jedoch vollständig vom Gebiet des Kantons Zürich umschlossen. Es bildet damit eine rund 1,5 Hektaren grosse aargauische Exklave.

Das 1130 gegründete Frauenkloster ist eng mit dem Kloster Einsiedeln verbunden. Beide Gemeinschaften bilden ein historisches Doppelkloster: In Einsiedeln leben Benediktinermönche, im Fahr Benediktinerinnen. Das Kloster Fahr besitzt keinen eigenen Abt, sondern steht unter der geistlichen Leitung des Abtes von Einsiedeln. Vor Ort wird die Gemeinschaft von einer Priorin geleitet.

Die Klosteranlage besteht aus der barock ausgestalteten Klosterkirche, den Konventgebäuden, der Propstei, der St.-Anna-Kapelle, Wirtschaftsgebäuden, Gärten und landwirtschaftlichen Betrieben. Bekannt ist das Kloster auch durch seine Verbindung mit der Schriftstellerin und Ordensfrau Silja Walter, die von 1948 bis zu ihrem Tod 2011 im Fahr lebte.

Lage und territoriale Besonderheit

Das Kloster Fahr liegt am rechten Ufer der Limmat zwischen Unterengstringen und Geroldswil. Das unmittelbar umliegende Gebiet gehört zu den zürcherischen Gemeinden Unterengstringen und Oberengstringen. Politisch ist das Klosterareal dagegen Bestandteil des Kantons Aargau und der rund neun Kilometer entfernten Gemeinde Würenlos.

Die Exklave umfasst das eigentliche Klostergebiet mit Kirche, Konvent, Propstei, Friedhof und einem Teil der unmittelbar angrenzenden Gebäude. Die ausgedehnten Landwirtschaftsflächen und Wälder des Klosters liegen teilweise ausserhalb der kleinen Exklave auf Zürcher Boden.

Die territoriale Besonderheit geht auf die politischen Umwälzungen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Nach der Auflösung der alten Herrschaftsverhältnisse wurde das Klostergebiet 1803 dem neu geschaffenen Kanton Aargau zugeteilt. Da die umliegenden Gebiete zum Kanton Zürich gehörten, entstand eine vollständig umschlossene Exklave.

Lange Zeit gehörte das Kloster Fahr zu keiner politischen Gemeinde. Verschiedene kommunale Aufgaben wurden aufgrund besonderer Vereinbarungen von Würenlos und Unterengstringen wahrgenommen. Seit dem 1. Januar 2008 ist das Klostergebiet politisch der Gemeinde Würenlos zugeteilt.[1]

Die Bewohnerinnen des Klosters nehmen ihre politischen Rechte in Würenlos wahr. Wegen der geografischen Trennung bestehen für Verwaltung, Infrastruktur, Feuerwehr und weitere kommunale Aufgaben besondere kantonsübergreifende Regelungen.

Name

Der Name Fahr wird auf eine frühere Fähre über die Limmat zurückgeführt. Das mittelhochdeutsche Wort var oder vare bezeichnete eine Überfahrt beziehungsweise einen Ort, an dem ein Gewässer mit einer Fähre überquert werden konnte.

In der Gründungsurkunde von 1130 erscheint die Bezeichnung «Vare». Die Lage an einer historischen Flussquerung war wirtschaftlich und verkehrspolitisch bedeutsam. Wege verbanden das Limmattal mit dem Furttal, dem Raum Zürich und den Gebieten nördlich der Limmat.

Die Erinnerung an die frühere Überfahrt wird heute durch die saisonal betriebene Fähre Mauritius wachgehalten. Sie verbindet das Klosterareal an ausgewählten Sonn- und Feiertagen mit dem gegenüberliegenden Limmatufer.

Geschichte

Gründung

Das Kloster Fahr wurde 1130 gegründet. Freiherr Lütold II. von Regensberg schenkte dem Kloster Einsiedeln Grundbesitz an der Limmat. Zur Schenkung gehörte eine bereits bestehende Kapelle, die als Vorgängerin der heutigen St.-Anna-Kapelle gilt.

Lütold verband die Schenkung mit der Auflage, auf dem Gut eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen einzurichten und dauerhaft zu unterhalten. Die Gründung wurde am 22. Januar 1130 urkundlich festgehalten.[2]

Die ersten Schwestern kamen vermutlich aus einem bereits bestehenden Benediktinerinnenkloster. Über ihre Herkunft und die genaue Zusammensetzung der frühen Gemeinschaft liegen nur wenige sichere Angaben vor.

Die Gründung erfolgte in einer Zeit, in der Adelsfamilien zahlreiche Klöster und Stifte unterstützten. Solche Stiftungen dienten religiösen Zwecken, dem Gedenken an die Familie und der Sicherung von Seelsorge und Gebet. Gleichzeitig konnten sie die wirtschaftliche und politische Stellung des Stiftergeschlechts stärken.

Verbindung mit Einsiedeln

Seit seiner Gründung steht das Kloster Fahr in enger rechtlicher und geistlicher Verbindung mit der Benediktinerabtei Einsiedeln. Der Abt von Einsiedeln ist Klosterherr des Frauenkonvents. Die Gemeinschaft in Fahr besitzt deshalb nicht die Stellung einer selbständigen Abtei, sondern eines Priorats.

Die Verbindung von Männer- und Frauenkloster wird als Doppelkloster bezeichnet. Die beiden Gemeinschaften leben räumlich getrennt und besitzen jeweils einen eigenen klösterlichen Alltag. Sie sind jedoch institutionell und historisch miteinander verbunden.

Ein vom Abt eingesetzter Propst vertrat während vieler Jahrhunderte die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen Einsiedelns im Fahr. Er verwaltete den umfangreichen Besitz und wohnte in der Propstei. Bis 2005 wurden die landwirtschaftlichen Betriebe des Klosters gewöhnlich von einem Einsiedler Mönch als Propst geleitet.[3]

Heute werden die Betriebe von der Klostergemeinschaft gemeinsam mit weltlichen Mitarbeitenden und Partnerorganisationen geführt. Die geistliche Verbindung mit Einsiedeln besteht weiterhin.

Mittelalterliche Entwicklung

Das Kloster erhielt im Mittelalter weitere Schenkungen und erwarb Grundbesitz, Fischereirechte, Zehnten und Gerichtsbefugnisse im Limmattal. Seine Besitzungen lagen unter anderem in Weiningen, Unterengstringen, Oberengstringen und weiteren Orten der Umgebung.

Die Landwirtschaft bildete die wirtschaftliche Grundlage. Zum Kloster gehörten Höfe, Wiesen, Äcker, Wälder, Rebberge und Fischereirechte an der Limmat. Die eigentliche Arbeit wurde teilweise von klösterlichen Bediensteten, Pächtern und abhängigen Bauern ausgeführt.

Die Gemeinschaft blieb zahlenmässig vergleichsweise klein. Das klösterliche Leben war durch das gemeinsame Gebet, die Lesung geistlicher Texte und die Arbeit geprägt. Die Schwestern lebten nach der Regel des heiligen Benedikt.

Die mittelalterliche Kirche wurde im frühen 15. Jahrhundert erweitert. Reste älterer Bauphasen wurden bei archäologischen Untersuchungen nachgewiesen.

Reformation

Die Einführung der Reformation in Zürich wirkte sich unmittelbar auf das Kloster Fahr aus. Der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli liess 1530 das öffentliche Chorgebet einstellen. Die katholische Klostergemeinschaft konnte zunächst nur eingeschränkt weiterbestehen.

Das Kloster wurde jedoch nicht dauerhaft aufgehoben. Seine Verbindung mit dem katholisch gebliebenen Kloster Einsiedeln und die besonderen Herrschaftsverhältnisse verhinderten eine vollständige Eingliederung in das reformierte Zürich.

Im Jahr 1549 wurde die Klosterkirche erneut geweiht. Das Fahr entwickelte sich in der Folge zu einem wichtigen katholischen Mittelpunkt im weitgehend reformierten Limmattal.

Über lange Zeit war die Klosterkirche eine der wenigen katholischen Kirchen in der näheren Umgebung von Zürich. Sie wurde deshalb auch von katholischen Einwohnern und Reisenden aus dem Zürcher Gebiet besucht.

Barockzeit

Im späten 17. und im 18. Jahrhundert erlebte das Kloster eine bedeutende bauliche Erneuerung. Von 1689 bis 1703 entstanden die heutigen Konventtrakte nach Plänen des Einsiedler Klosterbruders und Architekten Caspar Moosbrugger. Die Bauleitung übernahm sein Bruder Johannes Moosbrugger.

Die Neue Propstei wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Zwischen 1743 und 1748 liessen Propst Joseph von Roll und Priorin Victoria Rusconi die im Kern mittelalterliche Klosterkirche umfassend barock umgestalten.

Tessiner Künstler schufen Altäre, Chorausstattung, Stuckaturen und Fresken. Giuseppe und Giovanni Antonio Torricelli malten grosse Teile des Bildprogramms im Kircheninnern und auf den Fassaden rund um den Friedhof.

Die barocke Umgestaltung verband die bestehende mittelalterliche Bausubstanz mit einer einheitlich gestalteten Ausstattung. Das Ergebnis gilt als bedeutendes Gesamtkunstwerk des schweizerischen Spätbarocks.

Helvetische Republik und Mediationszeit

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die alten politischen und grundherrschaftlichen Strukturen aufgelöst. Das Kloster verlor einen Teil seiner bisherigen Rechte.

Während der Helvetik lag das Gebiet zeitweise im Kanton Baden. Mit der Mediationsakte von 1803 wurde es dem neu geschaffenen Kanton Aargau zugeteilt.

Da die umliegenden Gebiete zum Kanton Zürich kamen, wurde das Kloster zu einer aargauischen Exklave. Diese territoriale Besonderheit blieb trotz verschiedener späterer Reformen bestehen.

Aargauer Klosterstreit

Im Januar 1841 beschloss der Grosse Rat des Kantons Aargau die Aufhebung sämtlicher Klöster im Kantonsgebiet. Der Beschluss löste den Aargauer Klosterstreit aus und führte zu einer schweren politischen Krise innerhalb der Eidgenossenschaft.

Auch das Kloster Fahr war von der Aufhebung betroffen. Die Schwestern mussten die Gemeinschaft vorübergehend verlassen beziehungsweise konnten ihr klösterliches Leben nur eingeschränkt fortsetzen.

Unter dem Druck der katholischen Kantone und der eidgenössischen Tagsatzung wurde die Aufhebung der Frauenklöster teilweise rückgängig gemacht. Das Kloster Fahr konnte 1843 wiederhergestellt werden.

Eine erneute staatliche Aufhebungswelle in den 1870er-Jahren überstand das Fahr aufgrund seiner besonderen rechtlichen Verbindung mit Einsiedeln. Als andere aargauische Frauenklöster aufgehoben wurden, blieb die Gemeinschaft bestehen.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wurden die klösterlichen Tätigkeiten erweitert. Neben Landwirtschaft, Gartenbau und Paramentenherstellung gewann die Bildung von Frauen im ländlichen Raum an Bedeutung.

1929 und 1930 wurde die St.-Anna-Kapelle anlässlich des bevorstehenden 800-jährigen Klosterjubiläums erneuert und mit einem neuen Bilderzyklus ausgestattet.

1944 eröffnete das Kloster eine Bäuerinnenschule. Sie vermittelte jungen Frauen Kenntnisse in Hauswirtschaft, Landwirtschaft, Gartenbau, Ernährung und weiteren praktischen Bereichen. Die Schule wurde später als Landwirtschaftliche Schule beziehungsweise Bäuerinnenschule Fahr bekannt.

Über mehrere Jahrzehnte besuchten zahlreiche Frauen aus verschiedenen Teilen der Schweiz die Ausbildungsangebote. Veränderungen im Bildungswesen und rückläufige Teilnehmerzahlen führten schliesslich zur Aufgabe des Schulbetriebs.

Die historischen Gebäude wurden im Verlauf des Jahrhunderts mehrfach restauriert. Besonders bedeutend waren die Gesamtrestaurierung der Kirche und der Fassadenmalereien in den 1960er-Jahren sowie weitere Arbeiten im frühen 21. Jahrhundert.

Zuordnung zu Würenlos

Bis Ende 2007 gehörte das Klostergebiet zu keiner politischen Gemeinde. Die Exklave war unmittelbar dem Kanton Aargau zugeordnet, während einzelne Verwaltungsleistungen durch benachbarte Gemeinden erbracht wurden.

Nach Verhandlungen zwischen den Kantonen Aargau und Zürich sowie den beteiligten Gemeinden wurde das Gebiet zum 1. Januar 2008 der Einwohnergemeinde Würenlos angeschlossen.[4]

Die Kantonsgrenze wurde dadurch nicht verändert. Das Kloster bleibt eine aargauische Exklave innerhalb des Kantons Zürich.

Klostergemeinschaft

Im Kloster Fahr leben Benediktinerinnen nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia. Das gemeinschaftliche Leben ist von Gebet, Arbeit, geistlicher Lesung und Gastfreundschaft geprägt.

Der Tag wird durch mehrere gemeinsame Gebetszeiten gegliedert. Dazu gehören Vigil, Laudes, Eucharistiefeier, Mittagsgebet, Vesper und Komplet. Zwischen den Gebetszeiten arbeiten die Schwestern in den verschiedenen Bereichen des Klosters.

Die Benediktinerinnen legen Gelübde der Beständigkeit, des klösterlichen Lebenswandels und des Gehorsams ab. Die Beständigkeit bindet eine Schwester grundsätzlich an die konkrete Klostergemeinschaft.

An der Spitze des Konvents steht die Priorin. Sie wird von den Schwestern gewählt und leitet die Gemeinschaft im Rahmen der benediktinischen Ordnung. Der Abt von Einsiedeln besitzt als Klosterherr besondere geistliche und rechtliche Aufgaben.

Neben dem innerklösterlichen Leben pflegt die Gemeinschaft Kontakte zu Besucherinnen, Gästen, Oblatinnen und Oblaten sowie kirchlichen und gesellschaftlichen Organisationen.

Klosterkirche

Die Klosterkirche ist Maria geweiht und bildet das religiöse Zentrum der Anlage. Ihr Baukern reicht in das Mittelalter zurück. Bei Grabungen wurden Reste einer Kirche aus der Gründungszeit festgestellt.

Die heutige Grundform entstand wesentlich durch eine Erweiterung im frühen 15. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wurde östlich des Kirchenraums ein gewölbter Nonnenchor angefügt.

Zwischen 1743 und 1748 erhielt die Kirche ihre barocke Ausstattung. Das schmale Langhaus, die Empore, die Seitenapsiden und der Chor wurden zu einem einheitlichen Bild- und Raumprogramm verbunden.

Ausstattung

Die Altäre und Teile der Chorausstattung wurden von Antonio und Giovanni Maria Rossi aus Arzo geschaffen. Für die Arbeiten verwendeten sie verschiedenfarbigen Marmor.

Der Hauptaltar trägt ein Marienbild von Carlo Biucchi. Die Nebenaltäre enthalten ältere Plastiken von Johann Baptist Wickart. An der Emporenbrüstung befinden sich Figuren der heiligen Benedikt und Scholastika.

Die Fresken zeigen Szenen aus dem Leben Christi und Mariens sowie Darstellungen der Klosterpatrone Benedikt, Mauritius und Meinrad. Auf und bei der Empore wird das geistliche Leben der Klosterfrauen thematisiert.

Die Kirche wird für die Gottesdienste der Schwestern, für öffentliche Eucharistiefeiern, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Sie ist ausserhalb der klösterlichen Gebetszeiten in der Regel für Besucher zugänglich.

Fassadenmalereien und Friedhof

Eine Besonderheit des Klosters sind die grossflächigen barocken Wandmalereien an den Fassaden rund um den nördlich der Kirche liegenden Klosterfriedhof.

Giuseppe und Giovanni Antonio Torricelli schufen die Malereien zwischen 1745 und 1747. Mit illusionistischer Architektur öffnen sich scheinbare Räume, Fenster und Durchgänge in den Fassaden.

Das Bildprogramm behandelt Tod, Auferstehung und ewiges Leben. Auf der Fassade des Konventflügels ist das Jüngste Gericht dargestellt. Im Zentrum erscheint ein leerer Thron als Symbol für den kommenden Weltenrichter.

Weitere Szenen zeigen Engel, Heilige und liturgische Gegenstände. Die Bilder bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass ein nach der klösterlichen Regel geführtes Leben zur ewigen Seligkeit führt.

Die Malereien sind ein seltenes Beispiel figürlicher spätbarocker Aussenmalerei in der Deutschschweiz. Sie wurden wiederholt konserviert und zwischen 2015 und 2019 umfassend restauriert.[5]

Konventgebäude

Die drei barocken Konventtrakte entstanden von 1689 bis 1703. Sie umschliessen einen ruhigen Innenhof und bilden mit der Kirche eine geschlossene klösterliche Anlage.

In den Gebäuden befinden sich die Klausur, Zellen der Schwestern, das Refektorium, Gemeinschaftsräume, Arbeitsräume und weitere Einrichtungen. Der eigentliche Wohnbereich der Benediktinerinnen ist nicht öffentlich zugänglich.

Die Architektur folgt einer zurückhaltenden barocken Gestaltung. Regelmässig angeordnete Fenster, schlichte Fassaden und sorgfältig ausgeführte Portale verleihen dem Gebäude eine harmonische Wirkung.

Die Anlage steht unter nationalem und kantonalem Denkmalschutz. Restaurierungen müssen sowohl die historische Bausubstanz als auch die Bedürfnisse einer weiterhin bewohnten Klostergemeinschaft berücksichtigen.

Propstei

Die Propstei diente als Wohn- und Verwaltungsgebäude des von Einsiedeln eingesetzten Propstes. Dieser vertrat den Abt, führte die wirtschaftlichen Geschäfte und beaufsichtigte die klösterlichen Güter.

Das barocke Gebäude enthält repräsentative Räume mit Stuckaturen und Malereien. Bei Restaurierungsarbeiten wurden unter jüngeren Farbschichten Teile der ursprünglichen Ausstattung wiederentdeckt.

Seit der Neuorganisation der Betriebe wird die Propstei nicht mehr als dauerhafter Sitz eines Einsiedler Propstes genutzt. Heute befinden sich darin Gästezimmer, Seminar- und Veranstaltungsräume.

Im ehemaligen Arbeitszimmer des Propstes ist der Silja-Walter-Raum eingerichtet. Er dokumentiert das Leben und Werk der bekannten Ordensfrau und Schriftstellerin.

St.-Anna-Kapelle

Die St.-Anna-Kapelle steht südöstlich der Hauptkirche. Sie geht auf die Kapelle zurück, die bereits bei der Gründung von 1130 erwähnt wurde.

Der heutige Bau enthält mittelalterliche Bauteile und wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Im Chor sind spätromanische Fresken erhalten.

Die Malereien zeigen Christus in der Mandorla, das apokalyptische Lamm, Christus als Weltenrichter und die Krönung Mariens.

Anlässlich des 800-jährigen Klosterjubiläums gestaltete der Einsiedler Benediktiner und Künstler Pater Bernhard Flüeler 1929 und 1930 einen Bilderzyklus zum Leben der heiligen Anna.[6]

Silja Walter

Die Schriftstellerin Silja Walter trat 1948 in das Kloster Fahr ein und erhielt den Ordensnamen Schwester Maria Hedwig. Im Jahr 1949 legte sie die Profess ab.

Walter veröffentlichte Gedichte, Theaterstücke, Prosatexte, geistliche Betrachtungen und liturgische Werke. Ein zentrales Thema ihres Schaffens war die Suche nach Gott im klösterlichen Alltag.

Sie gehörte zu den bekanntesten deutschsprachigen religiösen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Mehrere ihrer Texte wurden vertont oder für Theater und Gottesdienste verwendet.

Silja Walter lebte bis zu ihrem Tod am 31. Januar 2011 im Kloster Fahr. Ihr literarischer Nachlass und ihr ehemaliger Arbeitsbereich bilden die Grundlage des Silja-Walter-Raums in der Propstei.[7]

Der Raum zeigt persönliche Gegenstände, Bücher, Manuskripte und Informationen über das Leben der Ordensfrau. Er kann zu festgelegten Zeiten oder im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Bäuerinnenschule

Die 1944 gegründete Bäuerinnenschule war während mehrerer Jahrzehnte ein wichtiger Bildungsort für junge Frauen aus der Landwirtschaft.

Der Unterricht verband Hauswirtschaft, Kochen, Ernährung, Gartenbau, Tierhaltung, Textilverarbeitung und weitere praktische Fächer. Daneben wurden Allgemeinbildung, Persönlichkeitsentwicklung und religiöse Inhalte vermittelt.

Das Angebot entsprach dem damaligen Rollenbild der Bäuerin als Mitverantwortliche für Haushalt, Hof und Familie. Mit der Zeit wurde der Lehrplan an moderne landwirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen angepasst.

Die Schule trug dazu bei, das Kloster über die Region hinaus bekannt zu machen. Viele ehemalige Schülerinnen blieben dem Fahr durch Vereine, Treffen und persönliche Kontakte verbunden.

Nach Veränderungen in der landwirtschaftlichen Berufsbildung wurde der Schulbetrieb eingestellt. Die ehemaligen Schulgebäude werden heute teilweise für andere Zwecke genutzt.

Paramentenwerkstatt

Die Paramentenwerkstatt gehört zu den traditionellen Arbeitsbereichen des Klosters. Dort entstehen liturgische Textilien wie Messgewänder, Stolen, Alben, Altardecken und weitere kirchliche Stoffarbeiten.

Ein Teil der Stoffe wird an Handwebstühlen gefertigt. Die Gestaltung verbindet traditionelle Handwerkstechniken mit zeitgenössischen Farben, Formen und Materialien.

Auftraggeber sind Pfarreien, Klöster, Priester, Diakone, Seelsorgerinnen und weitere kirchliche Einrichtungen. Neben Neuanfertigungen werden ältere Paramente restauriert oder angepasst.

Die Werkstatt gehört zu den wenigen Orten in der Schweiz, an denen liturgische Gewänder weiterhin in klösterlicher Handarbeit hergestellt werden.

Landwirtschaft und Weinbau

Das Kloster Fahr besitzt umfangreiche landwirtschaftliche Flächen im Limmattal. Zur Bewirtschaftung gehören Ackerbau, Grünland, Obstbau und Weinbau.

Die Landwirtschaft war von Beginn an eine wesentliche wirtschaftliche Grundlage der Gemeinschaft. Sie versorgte das Kloster mit Lebensmitteln und schuf Einnahmen für den Unterhalt der Gebäude und der Schwestern.

Der Rebberg liegt an einem sonnigen Hang oberhalb der Limmat. Die Trauben werden zu klostereigenen Weinen verarbeitet. Der Wein kann direkt bei der Weinkellerei oder über den Klosterladen erworben werden.

Obst aus den klösterlichen Anlagen wird frisch verkauft oder zu Säften, Konfitüren und weiteren Produkten verarbeitet.

Bei der Bewirtschaftung spielen ökologische Fragen, Bodenschutz und der Erhalt der Kulturlandschaft eine zunehmende Rolle. Neuere Konzepte verbinden Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Bildung und öffentliche Vermittlung.

Klostergarten

Innerhalb und ausserhalb der Klausur befinden sich Nutz-, Kräuter- und Ziergärten. Sie dienen der Versorgung der Gemeinschaft, der Herstellung klostereigener Produkte und der Erholung.

Kräuter werden unter anderem für Teemischungen, Sirupe und andere Erzeugnisse verwendet. Ein Teil dieser Produkte wird im Klosterladen angeboten.

Der Garten besitzt auch eine spirituelle Bedeutung. Der Wechsel der Jahreszeiten, die tägliche Pflege und das Wachstum der Pflanzen werden als Teil des benediktinischen Lebens verstanden.

Öffentlich zugängliche Gartenbereiche können im Rahmen von Veranstaltungen oder Führungen besichtigt werden. Die eigentlichen Klausurgärten bleiben der Gemeinschaft vorbehalten.

Klosterladen und Gastbetrieb

Im Klosterladen werden Produkte aus eigener Herstellung sowie ausgewählte regionale Waren verkauft. Zum Angebot gehören Wein, Kräuterprodukte, Konfitüren, Backwaren, Bücher, Karten und Erzeugnisse aus der Paramentenwerkstatt.

Die Gaststube und weitere gastronomische Angebote befinden sich in historischen Wirtschaftsgebäuden des Klosterareals. Sie dienen Besucherinnen, Wanderern, Velofahrern und Veranstaltungsgästen.

Ein Teil der ehemaligen Propstei wird für Gästezimmer und Seminare genutzt. Frauen können dort zeitweise am Rhythmus des Klosterlebens teilnehmen und die Gebetszeiten der Gemeinschaft besuchen.

Die Verbindung von Spiritualität, Gastfreundschaft, Landwirtschaft und Handwerk bildet einen wichtigen Bestandteil der heutigen Öffnung des Klosters gegenüber der Öffentlichkeit.

Fähre Mauritius

Beim Kloster Fahr wird während der wärmeren Jahreszeit an geeigneten Sonn- und Feiertagen eine Personenfähre über die Limmat betrieben.

Die Fähre trägt den Namen Mauritius nach einem der Klosterpatrone. Sie wird vom Wasserfahrverein Schlieren gemeinsam mit der Seepfadi Zürich betrieben.

Die Überfahrt verbindet das Kloster mit dem gegenüberliegenden Ufer und erinnert an die historische Bedeutung des Ortes als Fährstelle. Der Betrieb ist vom Wetter und vom Wasserstand abhängig.

Die Fähre dient vor allem dem Freizeitverkehr. Sie ist Teil beliebter Spazier- und Velorouten entlang der Limmat.[8]

Denkmalpflege und Restaurierung

Das Kloster Fahr ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Kirche, Konvent, Propstei, Kapellen und Wirtschaftsgebäude bilden ein historisch gewachsenes Ensemble.

Die lange Nutzungsgeschichte führte zu zahlreichen Umbauten, Ergänzungen und Renovationen. Bei modernen Restaurierungen wird versucht, verschiedene Bauphasen sichtbar zu erhalten.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden grosse Teile der Anlage erneuert. Zu den Arbeiten gehörten die Sicherung von Dächern und Fassaden, die Restaurierung der Wandmalereien, die Erneuerung technischer Installationen und die Anpassung einzelner Gebäude an neue Nutzungen.

Die Restaurierungen werden von der Kantonalen Denkmalpflege Aargau, Fachleuten, Stiftungen, öffentlichen Stellen und privaten Spendern unterstützt.

Besondere Aufmerksamkeit galt den empfindlichen Fresken an den Aussenwänden. Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und ältere Restaurierungsmaterialien hatten Schäden verursacht.

Religiöse und gesellschaftliche Bedeutung

Das Kloster Fahr ist ein bedeutender katholischer Ort im Limmattal. Die Schwestern beten für kirchliche, persönliche und gesellschaftliche Anliegen und bieten Menschen Raum für Stille und Besinnung.

Die Gemeinschaft beteiligt sich auch an Diskussionen über die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. Aus dem Kloster ging unter anderem das «Gebet am Donnerstag» hervor, bei dem für Erneuerung, Gleichberechtigung und eine geschwisterliche Kirche gebetet wird.

Gottesdienste, Vespern, Konzerte, Lesungen, Kurse und Führungen machen das Kloster einem breiten Publikum zugänglich.

Durch seine Lage nahe der Agglomeration Zürich bildet das Fahr einen Gegensatz zur dicht bebauten Umgebung. Die Klosteranlage, Landwirtschaftsflächen und Uferwege werden als kultureller und landschaftlicher Erholungsraum wahrgenommen.

Verein Pro Kloster Fahr

Der Verein Pro Kloster Fahr unterstützt die Benediktinerinnengemeinschaft und den Erhalt der historischen Anlage.

Dem Verein gehören mehrere hundert Personen aus der Region und weiteren Teilen der Schweiz an. Sie helfen bei Veranstaltungen, Arbeiten im Garten und Rebberg sowie bei besonderen Projekten.

Mitgliederbeiträge und Spenden werden unter anderem für Restaurierungen, kulturelle Angebote und die Vermittlung der Klostergeschichte eingesetzt.

Der Verein bildet zugleich eine Verbindung zwischen der zurückgezogen lebenden Gemeinschaft und der Öffentlichkeit.

Erreichbarkeit

Das Kloster liegt abseits grösserer Strassen direkt an der Limmat. Eine Zufahrt besteht von Unterengstringen beziehungsweise Weiningen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Kloster über den Bahnhof Schlieren und eine Busverbindung nach Unterengstringen erreichbar. Von der Bushaltestelle führt ein Fussweg entlang der Limmat zum Kloster.

Wander- und Velowege verbinden das Fahr mit Schlieren, Dietikon, Geroldswil, Unterengstringen und der Stadt Zürich.

Die Lage am Fluss macht das Kloster zu einem beliebten Ziel für Spaziergänge und Velotouren. Besucher sollen dabei die Klausurbereiche, Gottesdienstzeiten und landwirtschaftlich genutzten Flächen respektieren.

Besonderheiten

Das Kloster Fahr weist mehrere in der Schweiz seltene Merkmale auf:

  • Es gehört als Frauenpriorat seit seiner Gründung zum Kloster Einsiedeln.
  • Es liegt in einer Exklave des Kantons Aargau, die vollständig vom Kanton Zürich umschlossen ist.
  • Bis 2008 war das Klostergebiet keiner politischen Gemeinde zugeteilt.
  • Die spätbarocken Fassadenfresken bilden ein aussergewöhnliches öffentlich sichtbares Bildprogramm.
  • Das Kloster ist eng mit dem literarischen Werk Silja Walters verbunden.
  • Eine saisonale Fähre erinnert an die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens.

Siehe auch

Literatur

  • Gabriela Simmen-Kistler: Das Benediktinerinnenkloster Fahr. Schweizerische Kunstführer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2011.
  • Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VII: Der Bezirk Baden II. Die Landgemeinden des Limmattals, des Surbtals, des Aaretals und des unteren Reusstals sowie das Kloster Fahr. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1995.
  • Helene Arnet: Das Kloster Fahr im Mittelalter. Zürich.
  • Kloster Fahr: Kloster Fahr – Geschichte, Gemeinschaft und Gegenwart. Verschiedene Publikationen.
  • Silja Walter: Gesammelte Werke. Paulusverlag, Freiburg im Üechtland.

Einzelnachweise

  1. Kloster Fahr, Gemeinde Würenlos, abgerufen am 25. Juli 2026.
  2. Geschichte des Klosters Fahr, Kloster Fahr, abgerufen am 25. Juli 2026.
  3. Kunstgeschichte und Bauwerke, Kloster Fahr, abgerufen am 25. Juli 2026.
  4. Kloster Fahr gehört ab 2008 zur aargauischen Gemeinde Würenlos, Kanton Zürich.
  5. Kunst unter freiem Himmel, Kantonale Denkmalpflege Aargau.
  6. Kloster Fahr, St.-Anna-Kapelle, Kantonale Denkmalpflege Aargau.
  7. Silja Walter, Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. Umfeld des Klosters Fahr, Kloster Fahr.