Bundesamt für Strassen

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Bundesamt für Strassen
Abkürzung ASTRA
Staat Schweiz
Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesamt
Departement UVEK
Gründung 1998
Hauptsitz Ittigen, Kanton Bern
Direktor Jürg Röthlisberger
Mitarbeitende rund 700
Website www.astra.admin.ch

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA; französisch Office fédéral des routes, italienisch Ufficio federale delle strade, rätoromanisch Uffizi federal da vias) ist die Fachbehörde des Bundes für die Strasseninfrastruktur und den individuellen Strassenverkehr in der Schweiz. Es gehört zum Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Das Bundesamt wurde 1998 gegründet. Sein Hauptauftrag besteht darin, eine sichere, nachhaltige und möglichst zuverlässige Mobilität auf der Strasse zu gewährleisten. Im Zentrum steht insbesondere die Funktionsfähigkeit des schweizerischen Nationalstrassen- und Hauptstrassennetzes.[1]

Aufgaben

Das ASTRA befasst sich sowohl mit der Strasseninfrastruktur als auch mit rechtlichen, technischen und sicherheitsbezogenen Fragen des Strassenverkehrs. Es erarbeitet Grundlagen für die Verkehrspolitik des Bundes, bereitet Erlasse vor und vollzieht zahlreiche Bestimmungen in Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Behörden.

Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören:

  • Planung, Bau, Ausbau und Erhaltung der Nationalstrassen
  • Sicherstellung eines möglichst sicheren und flüssigen Verkehrs auf dem Nationalstrassennetz
  • Verkehrsmanagement und Beobachtung der Verkehrsentwicklung
  • Erarbeitung und Vollzug von Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugführende
  • Förderung der Strassenverkehrssicherheit
  • Koordination des Fuss- und Veloverkehrs auf Bundesebene
  • Unterstützung des Hauptstrassennetzes und der Anbindung an internationale Verkehrsachsen
  • Durchführung grosser öffentlicher Beschaffungen für Bauwerke, technische Anlagen und Dienstleistungen
  • Erhebung und Veröffentlichung von Verkehrs-, Unfall- und Infrastrukturdaten

Das Bundesamt arbeitet dabei eng mit kantonalen Strassenverkehrsämtern, Polizeibehörden, Ingenieurunternehmen, Hochschulen, Forschungsstellen, Verkehrsorganisationen und internationalen Fachgremien zusammen.

Nationalstrassen

Ein besonders bedeutender Aufgabenbereich des ASTRA ist das schweizerische Nationalstrassennetz. Dazu gehören vor allem die Autobahnen und Autostrassen von gesamtschweizerischer Bedeutung.

Der Bund ist für Betrieb, Unterhalt, Anpassung und Weiterentwicklung der Nationalstrassen verantwortlich. Das ASTRA übernimmt dabei die Rolle der Bauherrschaft. Es plant neue Projekte, erneuert bestehende Strecken und koordiniert bauliche Massnahmen mit dem laufenden Verkehr.[2]

Zum Unterhalt gehören unter anderem die Sanierung von Fahrbahnen, Tunneln, Brücken, Stützmauern und Entwässerungsanlagen. Auch Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen wie Beleuchtungen, Lüftungen, Signalisationsanlagen, Notrufsysteme und Verkehrssteuerungen müssen regelmässig erneuert werden.

Der eigentliche betriebliche Unterhalt wird nicht überall direkt durch das ASTRA ausgeführt. Tätigkeiten wie Winterdienst, Reinigung, Grünpflege, Kontrollen und kleinere Reparaturen werden auf der Grundlage von Leistungsvereinbarungen durch regionale Gebietseinheiten wahrgenommen.[3]

Verkehrsmanagement

Das ASTRA überwacht die Verkehrslage auf dem Nationalstrassennetz und entwickelt Massnahmen zur besseren Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. Dazu zählen Verkehrsbeeinflussungsanlagen, Geschwindigkeitsharmonisierungen, temporäre Fahrstreifen, Dosieranlagen an Einfahrten und Informationen über Staus, Baustellen oder Sperrungen.

Ziel des Verkehrsmanagements ist es, den Verkehrsfluss zu verbessern und Unfälle sowie Folgestaus zu vermeiden. Da das Nationalstrassennetz auf zahlreichen Abschnitten stark belastet ist, gewinnen betriebliche Massnahmen neben dem baulichen Ausbau zunehmend an Bedeutung.

Das Bundesamt veröffentlicht regelmässig Berichte über die Verkehrsentwicklung, die Verfügbarkeit der Nationalstrassen und das erfasste Stauaufkommen.[4]

Strassenverkehr und Fahrzeugwesen

Neben der Infrastruktur beschäftigt sich das ASTRA mit den rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen des motorisierten Strassenverkehrs. Es wirkt an Vorschriften über die Zulassung von Fahrzeugen und Personen, Führerausweise, Fahrprüfungen, Fahrzeugtechnik, Arbeits- und Ruhezeiten sowie berufsmässige Transporte mit.

Der praktische Vollzug vieler Bestimmungen liegt bei den Kantonen. Das ASTRA sorgt jedoch für gesamtschweizerische Grundlagen, koordiniert die Zusammenarbeit und betreibt oder beaufsichtigt zentrale Informationssysteme.

Auch neue technische Entwicklungen fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. Dazu gehören Fahrerassistenzsysteme, automatisiertes Fahren, digitale Fahrzeugdaten, alternative Antriebe und die Anpassung der Zulassungsvorschriften an internationale Standards.

Verkehrssicherheit

Die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist ein weiterer Schwerpunkt. Das ASTRA wertet Unfalldaten aus, entwickelt Sicherheitsprogramme und unterstützt Massnahmen, mit denen die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Strassenverkehr gesenkt werden soll.

Bei Nationalstrassen werden Unfallstellen und besonders gefährdete Abschnitte systematisch untersucht. Dazu verwendet das Bundesamt verschiedene Infrastruktur-Sicherheitsinstrumente. Die Erkenntnisse fliessen in Umbauten, Signalisationen, Geschwindigkeitsregelungen und weitere Sicherheitsmassnahmen ein.[5]

Zur Verkehrssicherheit gehören ausserdem Vorschriften über Fahrzeugtechnik, Sicherheitsgurte, Kinderrückhaltesysteme, Schutzhelme, Fahrfähigkeit sowie Aus- und Weiterbildung von Fahrzeugführenden.

Langsamverkehr

Das ASTRA ist auf Bundesebene auch für den sogenannten Langsamverkehr zuständig. Darunter werden insbesondere der Fussverkehr, der Veloverkehr und das Wandern verstanden.

Das Bundesamt erarbeitet Grundlagen und Standards, unterstützt Modellvorhaben und koordiniert die Zusammenarbeit mit Kantonen, Gemeinden und Fachorganisationen. Im Bereich der Nationalstrassen dritter Klasse untersucht es unter anderem, wie sichere und durchgängige Verbindungen für den Fuss- und Veloverkehr geschaffen werden können.[6]

Zum Aufgabenbereich gehören auch Geodaten, historische Verkehrswege sowie statistische Auswertungen von Velozählstellen.

Organisation

Das ASTRA ist organisatorisch in mehrere Fachabteilungen und Direktionsbereiche gegliedert. Dazu gehören insbesondere Bereiche für Strasseninfrastruktur, Strassennetze, Strassenverkehr, Digitalisierung, Steuerung und Unterstützung.

Der Hauptsitz befindet sich auf dem UVEK-Campus in Ittigen bei Bern. Zusätzlich unterhält das Bundesamt mehrere Filialen und Aussenstellen in verschiedenen Regionen der Schweiz. Dadurch können Bau-, Unterhalts- und Ausbauprojekte dezentral betreut werden.

Das ASTRA beschäftigt rund 700 Mitarbeitende an neun Standorten.[7] Zu den Beschäftigten gehören unter anderem Ingenieurinnen und Ingenieure, Verkehrsfachleute, Juristinnen und Juristen, Informatikfachpersonen, Ökonominnen und Ökonomen sowie Fachleute für Beschaffung und Kommunikation.

Seit 2015 wird das Bundesamt von Jürg Röthlisberger geleitet.[8]

Zusammenarbeit mit den Kantonen

Die Zuständigkeiten im schweizerischen Strassenwesen sind zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt. Während der Bund für die Nationalstrassen verantwortlich ist, betreiben die Kantone und Gemeinden den grössten Teil des übrigen Strassennetzes.

In vielen Bereichen bleibt deshalb eine enge Zusammenarbeit notwendig. Dies betrifft beispielsweise den Winterdienst, das Baustellenmanagement, die Verkehrspolizei, Fahrzeugprüfungen, Führerausweise, Unfallstatistiken und die Planung von Anschlüssen an kantonale Strassen.

Seit der Neuordnung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen übernahm der Bund auf Anfang 2008 die alleinige Verantwortung für die Nationalstrassen. Das ASTRA wurde dadurch von einer überwiegend koordinierenden Behörde zu einer bedeutenden Bauherrschaft des Bundes.

Mit der Aufnahme zusätzlicher kantonaler Strassenabschnitte in das Nationalstrassennetz per Anfang 2020 wurde sein Zuständigkeitsbereich nochmals erweitert.

Finanzierung

Der Bau, Betrieb und Unterhalt der Nationalstrassen werden hauptsächlich über den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds finanziert. Dieser wird unter anderem aus Einnahmen der Mineralölsteuer, des Mineralölsteuerzuschlags, der Autobahnvignette und einer Abgabe auf Automobilen gespeist.

Das ASTRA plant die erforderlichen Investitionen und bereitet Programme für Unterhalt, Ausbau und Engpassbeseitigung vor. Grössere Ausbauprojekte benötigen politische Beschlüsse und Kredite durch das Parlament. Je nach Vorhaben können zudem Volksabstimmungen stattfinden.

Beschaffungswesen

Aufgrund der zahlreichen Bau- und Infrastrukturprojekte gehört das ASTRA zu den grössten öffentlichen Beschaffungsstellen der Schweiz. Es vergibt Aufträge für Planung, Projektierung, Bauarbeiten, Bauherrenunterstützung, Signalisation, Elektrotechnik, Informatik und weitere Dienstleistungen.

Die Vergaben unterstehen dem öffentlichen Beschaffungsrecht. Damit sollen ein transparenter Wettbewerb, die Gleichbehandlung der Anbieter und ein wirtschaftlicher Einsatz öffentlicher Mittel gewährleistet werden.

Wegen des hohen Auftragsvolumens spielen Qualitätsmanagement, Compliance und Korruptionsprävention innerhalb des Bundesamtes eine wichtige Rolle. Das ASTRA ist seit dem Jahr 2000 nach der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 zertifiziert.[9]

Forschung und technische Standards

Das Bundesamt unterstützt Forschungsprojekte zu Strassenbau, Verkehrstechnik, Sicherheit, Umweltwirkungen und Mobilitätsentwicklung. Es arbeitet dazu mit Hochschulen, Fachverbänden, Ingenieurbüros und Unternehmen zusammen.

Forschungsergebnisse fliessen in Richtlinien, Fachhandbücher und technische Standards ein. Diese betreffen beispielsweise Tunnel, Brücken, Fahrbahnen, Entwässerungen, Lärmschutz, Naturgefahren, Verkehrsmanagement und Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen.

Die vom ASTRA herausgegebenen Richtlinien und Fachhandbücher sind für die Planung und Ausführung von Nationalstrassenprojekten von grosser Bedeutung. Sie ergänzen gesetzliche Vorschriften und technische Normen.

Bedeutung

Die Nationalstrassen machen nur einen kleinen Teil des gesamten schweizerischen Strassennetzes aus, tragen jedoch einen grossen Anteil des Personen- und Güterverkehrs. Dadurch besitzt das ASTRA eine zentrale Bedeutung für die wirtschaftliche Erreichbarkeit, die Versorgung der Regionen und die Verbindung der Schweiz mit den europäischen Verkehrsnetzen.

Gleichzeitig steht das Bundesamt vor unterschiedlichen Interessen. Einerseits sollen Verkehrswege leistungsfähig und zuverlässig bleiben, andererseits müssen Landschaftsschutz, Lärmschutz, Klimapolitik, Siedlungsentwicklung und Verkehrssicherheit berücksichtigt werden.

Zu den langfristigen Herausforderungen gehören die wachsende Verkehrsbelastung, die Alterung zahlreicher Bauwerke, der hohe Sanierungsbedarf, zunehmende Extremwetterereignisse, die Digitalisierung des Verkehrs sowie die Entwicklung neuer Fahrzeug- und Antriebstechnologien.

Siehe auch

Einzelnachweise