Kloster Einsiedeln

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Kloster Einsiedeln
Kloster Einsiedeln
Vollständiger Name Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu Einsiedeln
Orden Benediktiner
Gründung 934
Gründer Eberhard von Strassburg
Patrozinium Unsere Liebe Frau und der heilige Mauritius
Standort Einsiedeln, Kanton Schwyz
Kirchliche Stellung Territorialabtei
Abt Urban Federer
Baustil Barock, Rokoko
Bedeutende Bauphase Ende des 17. und erste Hälfte des 18. Jahrhunderts
Besonderheiten Schwarze Madonna, Gnadenkapelle, Stiftsbibliothek, Stiftsschule
Website kloster-einsiedeln.ch

Das Kloster Einsiedeln ist eine Benediktinerabtei in der Gemeinde Einsiedeln im Kanton Schwyz. Die im Jahr 934 gegründete Abtei gehört zu den ältesten bis heute bestehenden Klöstern der Schweiz und gilt als bedeutendster katholischer Wallfahrtsort des Landes. Zentrum der Wallfahrt ist die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna von Einsiedeln.

Die monumentale barocke Klosteranlage prägt das Ortsbild von Einsiedeln. Neben der Klosterkirche umfasst sie unter anderem Konventsgebäude, die Stiftsbibliothek, die Stiftsschule, Werkstätten, Verwaltungsräume und landwirtschaftliche Betriebe. Das Kloster ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch eine bedeutende Stätte der Schweizer Kultur-, Bildungs- und Kunstgeschichte.

Lage

Das Kloster befindet sich am südlichen Rand des Zentrums von Einsiedeln auf rund 900 Metern über Meer. Vor der Westfassade der Klosterkirche liegt der weitläufige Klosterplatz, der von halbkreisförmigen Arkadenbauten eingefasst wird. Der Platz bildet den städtebaulichen Mittelpunkt des Ortes und dient bei grossen kirchlichen Feiern als Versammlungsraum.

Einsiedeln liegt südlich des Zürichsees in einer voralpinen Landschaft. Mehrere historische Pilgerwege führen zum Kloster. Der Ort liegt zudem an einer Route des Jakobswegs, auf der Pilgerinnen und Pilger über die Schweiz nach Santiago de Compostela gelangen.

Geschichte

Heiliger Meinrad und frühe Einsiedelei

Die Vorgeschichte des Klosters ist mit dem heiligen Meinrad verbunden. Meinrad war ein Benediktinermönch des Klosters Reichenau im Bodensee. Um die Mitte des 9. Jahrhunderts zog er sich zunächst auf den Etzel und später in den sogenannten Finsteren Wald zurück, wo er als Einsiedler lebte.

Am Ort der heutigen Gnadenkapelle errichtete Meinrad eine kleine Zelle und eine Kapelle. Der Überlieferung zufolge wurde er am 21. Januar 861 von zwei Räubern ermordet, die bei ihm Schätze vermuteten. Nach seinem Tod lebten weitere Einsiedler an diesem Ort. Der Name Einsiedeln leitet sich von diesen Einsiedeleien ab.

Gründung der Benediktinerabtei

Im Jahr 934 vereinigte Eberhard, ein Geistlicher aus Strassburg, die dort lebenden Einsiedler zu einer klösterlichen Gemeinschaft nach der Regel des heiligen Benedikt. Eberhard wurde der erste Abt des neuen Klosters. König Otto I. bestätigte die Gründung und stattete die Abtei 947 mit Besitz und besonderen Rechten aus.[1]

Das Kloster gehörte ursprünglich zur Diözese Konstanz. Durch königliche und kaiserliche Privilegien gewann es schon im Mittelalter eine weitgehende Unabhängigkeit. Die Äbte verfügten zeitweise über umfangreiche Herrschaftsrechte und gehörten als Fürstäbte zu den geistlichen Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches.

Engelweihe und Entwicklung der Wallfahrt

Für die Entstehung der Wallfahrt war die sogenannte Engelweihe von grosser Bedeutung. Einer mittelalterlichen Legende zufolge sollte Bischof Konrad von Konstanz die Kapelle Meinrads am 14. September 948 weihen. In der Nacht zuvor habe er jedoch eine Vision gehabt, in der Christus selbst, begleitet von Engeln und Heiligen, die Kapelle zu Ehren Marias geweiht habe.

Die Legende ist seit dem 12. Jahrhundert schriftlich belegt und wurde von den Einsiedler Mönchen verbreitet. Der 14. September wird bis heute als Engelweihfest begangen. Im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte sich Einsiedeln zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Mitteleuropas. Pilger kamen aus der Eidgenossenschaft, aus Süddeutschland, dem Elsass, Österreich und weiteren europäischen Regionen.[2]

Mittelalterliche Blütezeit

Im Mittelalter war das Kloster ein bedeutendes religiöses, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Seine Grundherrschaft umfasste Güter und Rechte in verschiedenen Teilen der heutigen Schweiz und im süddeutschen Raum. Besonders eng war die Abtei mit den Gebieten um den Zürichsee, in der March, in der Ostschweiz und im heutigen Kanton Aargau verbunden.

Im klösterlichen Skriptorium wurden Handschriften kopiert und mit Buchmalereien ausgestattet. Die Klosterschule bildete Geistliche und Angehörige des Adels aus. Die Bibliothek erhielt zahlreiche liturgische, theologische, juristische und wissenschaftliche Werke.

Mehrere Brände beschädigten die mittelalterlichen Klostergebäude. Ein Brand im Jahr 1465 beziehungsweise 1464 nach der klösterlichen Überlieferung zerstörte auch das damalige Marienbild der Gnadenkapelle. Es wurde durch die heute verehrte spätgotische Marienstatue ersetzt.

Reformation und Wiederaufblühen

Die Reformation in der Schweiz führte zu einer schweren Krise. In den 1520er-Jahren verliessen mehrere Mönche das Kloster. Zeitweise war der Konvent beinahe vollständig aufgelöst. Der aus Einsiedeln stammende Reformator Huldrych Zwingli hatte von 1516 bis 1518 als Leutpriester am Kloster gewirkt.

Im Jahr 1526 begann unter Abt Ludwig Blarer die personelle und geistliche Erneuerung der Gemeinschaft. Das Kloster entwickelte sich in der Folge zu einem wichtigen Zentrum der katholischen Reform und der Gegenreformation. Es pflegte enge Beziehungen zu den katholischen Orten der Eidgenossenschaft und förderte Bildung, Seelsorge und Wallfahrt.

Barocker Neubau

Die heutige Klosteranlage entstand hauptsächlich zwischen dem späten 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Unter den Äbten Augustin Reding, Raphael Gottrau, Maurus von Roll und Nikolaus Imfeld wurden die mittelalterlichen Gebäude schrittweise durch einen grosszügigen barocken Neubau ersetzt.

Der Einsiedler Klosterarchitekt Caspar Moosbrugger entwarf wesentliche Teile der Anlage. Der Grundstein für die neue Klosterkirche wurde 1704 gelegt. Die Kirche wurde 1735 geweiht. An ihrer Ausstattung wirkten bedeutende Künstler des süddeutschen Barocks mit, darunter die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam.

Die neue Anlage verband Kirche, Konvent, Schule und Wirtschaftsgebäude zu einem weitgehend einheitlichen architektonischen Komplex. Die repräsentative Westfassade mit ihren beiden Türmen wurde zum Wahrzeichen von Einsiedeln.

Französische Invasion und Helvetik

Im Mai 1798 besetzten französische Truppen Einsiedeln. Das Kloster wurde aufgehoben, geplündert und teilweise verwüstet. Abt und Mönche mussten fliehen. Die Schwarze Madonna wurde rechtzeitig aus der Gnadenkapelle entfernt und über verschiedene Stationen in Sicherheit gebracht.

Die alte Gnadenkapelle wurde von den Besatzungstruppen zerstört. Nach dem Ende der Helvetischen Republik kehrten die Mönche zurück und nahmen das klösterliche Leben wieder auf. Die Gnadenkapelle wurde 1817 in klassizistischen Formen neu errichtet, wobei teilweise Material des Vorgängerbaus verwendet wurde.[2]

Im Jahr 1819 wurde die Abtei vorläufig und 1824 endgültig aus dem früheren Bistumsverband von Konstanz herausgelöst und der Diözese Chur zugeordnet. Seit 1907 besitzt Einsiedeln den kirchenrechtlichen Status einer Territorialabtei.

19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert erlebte das Kloster einen erneuten Aufschwung. Die Stiftsschule wurde ausgebaut und entwickelte sich zu einer überregional bekannten Bildungsanstalt. Gleichzeitig gründeten Einsiedler Mönche neue Klöster und Niederlassungen, insbesondere in Nordamerika und Südamerika.

Der Anschluss Einsiedelns an das Eisenbahnnetz erleichterte den Zugang zum Wallfahrtsort. Neben traditionellen Pilgergruppen kamen zunehmend Reisende, die sich für die Architektur, Kunst und Geschichte des Klosters interessierten.

Im Jahr 1934 feierte die Abtei ihr tausendjähriges Bestehen. Während der Feierlichkeiten wurde die Schwarze Madonna durch den päpstlichen Legaten Kardinal Ildefons Schuster feierlich gekrönt.

Vom 14. bis 16. Juni 1984 besuchte Papst Johannes Paul II. Einsiedeln. Er übernachtete zweimal im Kloster und weihte am 15. Juni den neuen Hauptaltar der Klosterkirche.[3]

Gegenwart

Das Kloster ist weiterhin eine aktive Benediktinergemeinschaft. Rund vierzig Mönche leben nach der Regel des heiligen Benedikt und widmen sich dem gemeinsamen Gebet, der Seelsorge, der Bildung, der Kultur und verschiedenen klösterlichen Betrieben.[4]

Seit 2013 steht Urban Federer der Gemeinschaft als Abt vor. Die Abtei bereitet sich auf ihr 1100-jähriges Bestehen im Jahr 2034 vor. Im Jahr 2026 erinnert das Kloster mit einem Jubiläumsprogramm an das Wiederaufblühen der Gemeinschaft nach der Krise der Reformationszeit im Jahr 1526.

Klosterkirche

Datei:Klosterkirche Einsiedeln Innenansicht.jpg
Innenraum der Klosterkirche

Die Klosterkirche ist ein bedeutendes Werk des europäischen Barocks. Sie besitzt einen langgestreckten, reich gegliederten Innenraum mit mehreren Kuppeln und einem abgetrennten Mönchschor. Architektur, Stuck, Fresken, Altäre und Skulpturen bilden ein einheitlich gestaltetes Gesamtkunstwerk.

Unmittelbar nach dem Haupteingang öffnet sich ein achteckiger Zentralraum. In dessen Mitte steht die Gnadenkapelle. Daran schliessen sich das Hauptschiff, mehrere Kuppelräume und der Chor der Mönche an.

Die Deckenfresken und ein grosser Teil der Stuckausstattung stammen von Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Die Bildprogramme behandeln unter anderem das Leben Jesu, die Verehrung Marias und die Einsiedler Klostergeschichte. Charakteristisch sind die kräftigen Farben, die illusionistische Architekturmalerei und die fliessenden Übergänge zwischen Malerei, Skulptur und realem Raum.

Die Kirche besitzt mehrere bedeutende Orgeln. Sie werden sowohl im Gottesdienst als auch bei Konzerten eingesetzt. Kirchenmusik und gregorianischer Choral gehören zu den zentralen Elementen der Einsiedler Liturgie.

Gnadenkapelle und Schwarze Madonna

Die Gnadenkapelle steht an jener Stelle, an der sich nach der Überlieferung die Einsiedelei des heiligen Meinrad befand. Der heutige klassizistische Bau wurde 1817 errichtet. Seine dunkle Marmorverkleidung bildet einen deutlichen Kontrast zum hellen und farbenreichen Innenraum der barocken Klosterkirche.

In der Kapelle befindet sich die Schwarze Madonna von Einsiedeln. Die etwa aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende spätgotische Holzfigur zeigt Maria mit dem Jesuskind. Sie kam 1466 in die Gnadenkapelle, nachdem ein älteres Gnadenbild bei einem Brand zerstört worden war.[5]

Die ursprünglich farbig gefasste Figur wurde im Laufe der Jahrhunderte durch Kerzenrauch und andere Umwelteinflüsse immer dunkler. Später wurde ihre dunkle Erscheinung bewusst beibehalten. Maria und das Jesuskind tragen je nach liturgischer Zeit kostbare, auswechselbare Gewänder.

Das Gnadenbild gilt als eines der bekanntesten religiösen Symbole der katholischen Schweiz. Reproduktionen der Einsiedler Madonna befinden sich in zahlreichen Kirchen und Kapellen in Europa und Übersee.

Wallfahrt

Einsiedeln ist der grösste Marienwallfahrtsort der Schweiz und gehört zu den bedeutenden Wallfahrtszentren Europas. Die Verbindung von benediktinischem Klosterleben und öffentlicher Wallfahrtsseelsorge ist ein besonderes Merkmal der Abtei.[6]

Zu den wichtigsten Wallfahrtstagen gehören das Fest des heiligen Meinrad am 21. Januar, das Fest Unserer Lieben Frau von Einsiedeln sowie die Engelweihe am 14. September. An diesen Tagen finden feierliche Gottesdienste, Prozessionen und besondere Gebetszeiten statt.

Viele Pilger besuchen die Gnadenkapelle, nehmen an der Eucharistiefeier oder am Stundengebet der Mönche teil und nutzen die Möglichkeit zu Beicht- und Seelsorgegesprächen. Nach der Vesper wird traditionell das Salve Regina vor der Gnadenkapelle gesungen.

Neben organisierten Gruppen kommen zunehmend Einzelpersonen, Familien, Wandernde und Velopilger nach Einsiedeln. Mehrere ausgeschilderte Pilgerwege verbinden den Ort mit der Zentralschweiz, dem Zürichseegebiet und dem internationalen Jakobsweg.

Stiftsbibliothek

Datei:Stiftsbibliothek Einsiedeln.jpg
Barocker Saal der Stiftsbibliothek

Die Stiftsbibliothek gehört zu den bedeutendsten historischen Bibliotheken der Schweiz. Ihre Bestände reichen bis in die Gründungszeit des Klosters zurück. Sie umfassen mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln, frühe Drucke, Musikalien, Karten sowie theologische, historische und naturwissenschaftliche Werke.

Besonders wertvoll sind die Handschriften aus dem mittelalterlichen Skriptorium. Zu ihnen gehören liturgische Bücher, Bibelhandschriften, theologische Kommentare und frühe musikalische Aufzeichnungen. Mehrere Codices enthalten Neumen, die für die Erforschung des gregorianischen Chorals von Bedeutung sind.

Der repräsentative Bibliothekssaal wurde im 18. Jahrhundert im Stil des Rokoko gestaltet. Er ist Teil des Klausurbereichs und normalerweise nur im Rahmen geführter Besichtigungen zugänglich.

Zur wissenschaftlichen Erschliessung der Bestände unterhält das Kloster eine Bibliothek, ein Archiv und eine eigene Handschriftensammlung. Digitalisierungsprojekte ermöglichen es, einen Teil der historischen Quellen online einzusehen.

Klosterarchiv

Das Klosterarchiv bewahrt Urkunden, Akten, Rechnungsbücher, Karten und weitere Quellen zur Geschichte der Abtei und ihrer Besitzungen auf. Der Bestand reicht bis ins Frühmittelalter zurück und ist für die Erforschung der Schweizer Kirchen-, Rechts-, Wirtschafts- und Landesgeschichte von grosser Bedeutung.

Zu den Dokumenten gehören königliche und päpstliche Privilegien, Besitzverzeichnisse, Verträge mit eidgenössischen Orten sowie Unterlagen zu Pfarreien und Grundherrschaften. Das Archiv wird wissenschaftlich betreut und ist teilweise über eine digitale Archivdatenbank erschlossen.

Stiftsschule

Die Stiftsschule Einsiedeln geht auf die mittelalterliche Klosterschule zurück. Sie ist heute ein vom Kloster getragenes Gymnasium und verbindet humanistische Bildungstraditionen mit einem modernen Unterrichtsangebot.

Die Schule bietet verschiedene gymnasiale Schwerpunktfächer an und führt zur schweizerisch anerkannten Matura. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler lebt im angeschlossenen Internat. Die Schule steht nicht nur katholischen Jugendlichen offen.

Mehrere bekannte Persönlichkeiten besuchten die Stiftsschule, darunter Geistliche, Politiker, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler. Das Kloster betrachtet Bildung bis heute als eine seiner zentralen Aufgaben.

Musik und Kultur

Musik besitzt im klösterlichen Alltag eine grosse Bedeutung. Die Mönche feiern mehrmals täglich das Stundengebet und pflegen den gregorianischen Choral. Daneben werden in der Klosterkirche Orchestermessen, Chorwerke, Orgelkonzerte und weitere musikalische Veranstaltungen aufgeführt.

Das Musikarchiv enthält wertvolle Handschriften und Drucke aus mehreren Jahrhunderten. Die Einsiedler Musiktradition wurde durch klostereigene Komponisten, Organisten und Chorleiter geprägt.

Das Kloster organisiert Führungen, Ausstellungen, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen. Die Klosterkirche, der Grosse Saal, die Stiftsbibliothek und weitere historische Räume werden dabei als Veranstaltungsorte genutzt.

Klosterbetriebe

Zur Abtei gehören verschiedene handwerkliche, landwirtschaftliche und dienstleistungsorientierte Betriebe. Sie dienen der wirtschaftlichen Versorgung des Klosters, schaffen Arbeitsplätze in der Region und führen teilweise jahrhundertealte klösterliche Traditionen fort.

Zu den Tätigkeitsfeldern gehören unter anderem:

  • die Klostergärtnerei;
  • die Klosterkellerei;
  • die Forstwirtschaft und Sägerei;
  • landwirtschaftliche Betriebe;
  • Werkstätten;
  • der Klosterladen;
  • Gastronomie und Beherbergung;
  • die Verwaltung der klösterlichen Liegenschaften.

Der Klosterladen verkauft religiöse Gegenstände, Bücher, Lebensmittel, Weine und Produkte aus klösterlicher Herstellung.

Marstall und Pferdezucht

Das Kloster Einsiedeln besitzt eine lange Tradition der Pferdezucht. Die sogenannten Einsiedler Pferde oder Cavalli della Madonna wurden über Jahrhunderte im klösterlichen Marstall gezüchtet.

Die Zucht diente ursprünglich der Versorgung der Abtei mit Reit-, Zug- und Kutschpferden. Die Einsiedler Pferde werden als Teil des kulturellen Erbes des Klosters betrachtet. Der historische Marstall kann im Rahmen bestimmter Führungen besichtigt werden.

Kloster Fahr

Seit dem Jahr 1130 ist das Kloster Fahr, ein Benediktinerinnenkloster bei Unterengstringen im Kanton Zürich, mit der Abtei Einsiedeln verbunden. Der Abt von Einsiedeln ist zugleich Abt des Klosters Fahr.

Einsiedeln und Fahr bilden historisch ein Doppelkloster aus einer Männer- und einer Frauengemeinschaft. Die beiden Klöster liegen räumlich weit auseinander und führen ihren Alltag weitgehend selbstständig, sind jedoch kirchenrechtlich und geschichtlich eng miteinander verbunden.

Ausländische Gründungen

Im 19. und 20. Jahrhundert wirkten Einsiedler Mönche an der Gründung und Entwicklung mehrerer Benediktinerklöster ausserhalb Europas mit. Besonders bedeutend waren Niederlassungen in den Vereinigten Staaten und in Südamerika.

Zu den aus Einsiedeln hervorgegangenen Gemeinschaften gehören die Erzabtei Saint Meinrad im US-Bundesstaat Indiana und die Abtei Subiaco in Arkansas. Die Gründungen dienten unter anderem der Seelsorge für katholische Einwanderer deutscher und schweizerischer Herkunft.

Kirchliche Stellung

Das Kloster Einsiedeln ist eine Territorialabtei der römisch-katholischen Kirche. Eine Territorialabtei nimmt in einem begrenzten Gebiet Aufgaben wahr, die sonst einem Bistum zukommen. Der Abt besitzt dort eine bischofsähnliche Leitungsgewalt, ohne notwendigerweise zum Bischof geweiht zu sein.

Das Gebiet der Territorialabtei Einsiedeln umfasst im Wesentlichen den Klosterbezirk. Die umliegende Gemeinde Einsiedeln gehört kirchlich zum Bistum Chur.

Die Benediktinergemeinschaft gehört zur Schweizerischen Benediktinerkongregation. Grundlage des klösterlichen Lebens ist die Regel des heiligen Benedikt mit ihrem Wechsel von Gebet, geistlicher Lesung, Gemeinschaftsleben und Arbeit.

Bedeutung für Einsiedeln und die Schweiz

Die Entwicklung des Ortes Einsiedeln ist eng mit der Geschichte des Klosters verbunden. Die Wallfahrt förderte seit dem Mittelalter das Gastgewerbe, den Handel, das Handwerk und den Verkehr. Auch das kulturelle und religiöse Leben der Region wurde wesentlich durch die Abtei geprägt.

Über Jahrhunderte war das Kloster ein bedeutender Grundbesitzer und politischer Akteur. Zwischen der Abtei und der Bevölkerung des umliegenden Tals kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen über Nutzungs-, Herrschafts- und Selbstverwaltungsrechte. Diese Konflikte beeinflussten die politische Entwicklung des Bezirks Einsiedeln.

In der Schweizer Geschichte steht das Kloster für die Kontinuität des katholischen Mönchtums, die Tradition der Marienwallfahrt und die kulturelle Vermittlung zwischen der Eidgenossenschaft und dem süddeutschen Raum. Die Architektur und Kunstsammlungen der Abtei gehören zu den bedeutenden Kulturgütern der Schweiz.

Tourismus und Besichtigung

Die Klosterkirche und die Gnadenkapelle sind grundsätzlich öffentlich zugänglich, sofern keine Gottesdienste oder besonderen kirchlichen Anlässe stattfinden. Andere Teile der Anlage, darunter die Stiftsbibliothek, der Grosse Saal und der Marstall, können nur im Rahmen von Führungen oder Veranstaltungen besichtigt werden.

Besucherinnen und Besucher werden gebeten, den religiösen Charakter des Ortes zu respektieren. Während der Gottesdienste gelten Einschränkungen für Besichtigungen, Fotografieren und touristische Führungen.

Der Klosterplatz ist frei zugänglich. In seiner Mitte befindet sich der Frauenbrunnen aus dem 18. Jahrhundert. Die Umgebung des Klosters bietet weitere Sehenswürdigkeiten, darunter die St.-Benedikts-Kapelle, die St.-Gangulf-Kapelle und verschiedene historische Pilgerwege.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Fässler: Das Kloster Einsiedeln im Zeitalter der Revolutionen 1798–1848. Egg, Einsiedeln 2018.
  • Georg Holzherr: Einsiedeln. Kloster und Kirche Unserer Lieben Frau. Schnell & Steiner, Regensburg 2006.
  • Joachim Salzgeber: Das Kloster Einsiedeln. Kloster Einsiedeln, Einsiedeln 2006.
  • Werner Vogler: Die Abtei Einsiedeln. Schweizerische Kunstführer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.
  • Odilo Ringholz: Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes U. L. F. von Einsiedeln. Einsiedeln 1904.

Einzelnachweise

  1. Historisches Lexikon der Schweiz: Einsiedeln (Benediktinerabtei), abgerufen am 25. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Kloster Einsiedeln: Geschichte der Wallfahrt, abgerufen am 25. Juli 2026.
  3. Kloster Einsiedeln: Geschichte der Wallfahrt – Papst Johannes Paul II. in Einsiedeln, abgerufen am 25. Juli 2026.
  4. Kloster Einsiedeln: Offizielle Website, abgerufen am 25. Juli 2026.
  5. Kloster Einsiedeln: Geschichte der Wallfahrt – Eine spätgotische Statue wird zum Gnadenbild, abgerufen am 25. Juli 2026.
  6. Kloster Einsiedeln: Willkommen im Wallfahrtsort Einsiedeln, abgerufen am 25. Juli 2026.

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