Universität St. Gallen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 23. Juli 2026, 21:21 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="infobox" style="width:22em; float:right; clear:right; margin:0 0 1em 1em; border:1px solid #a2a9b1; border-collapse:collapse; background:#f8f9fa; font-size:90%; line-height:1.4;" |- ! colspan="2" style="padding:0.7em; background:#cfe8f3; text-align:center; font-size:125%;" | Universität St. Gallen |- | colspan="2" style="padding:0.5em; text-align:center;" | Datei:Campus Luftbild.jpg|frameless|hochkant=1.2|Luftaufnahme des Campus der Universitä…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Universität St. Gallen
Luftaufnahme des Campus der Universität St. Gallen
Offizielle Bezeichnung Universität St.Gallen – Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften, Internationale Beziehungen und Informatik
Abkürzung HSG
Motto «From insight to impact» / «Wissen schafft Wirkung»
Gründung 1898
Trägerschaft Kanton St. Gallen
Rechtsform selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt
Ort St. Gallen, Schweiz
Rektor Manuel Ammann
Studierende 9'992 im Herbstsemester 2025
Fachgebiete Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften, Internationale Beziehungen und Informatik
Website unisg.ch

Die Universität St. Gallen (kurz HSG, offizielle Eigenschreibweise Universität St.Gallen) ist eine öffentliche Universität in der Stadt St. Gallen und die Universität des Kantons St. Gallen. Ihr vollständiger Name lautet Universität St.Gallen – Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften, Internationale Beziehungen und Informatik.

Die 1898 gegründete Hochschule ist auf Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften spezialisiert. Zu ihren Fachgebieten gehören insbesondere Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie Informatik. Im Gegensatz zu einer klassischen Volluniversität konzentriert sich die HSG auf eine begrenzte Zahl miteinander verbundener Disziplinen.

Die Universität gehört zu den bekanntesten Wirtschaftsuniversitäten Europas. Kennzeichnend sind die Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und Praxisbezug, das obligatorische Kontextstudium, ein hoher Anteil international ausgerichteter Studienprogramme sowie ein weit verzweigtes Netzwerk von Instituten, Partneruniversitäten und ehemaligen Studierenden. Im Herbstsemester 2025 waren 9'992 reguläre Studierende aus rund 100 Staaten an der HSG eingeschrieben.[1]

Geschichte

Gründung als Handelsakademie

Die Entstehung der Hochschule ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt St. Gallen im ausgehenden 19. Jahrhundert verbunden. Die Region war damals ein international bedeutendes Zentrum der Stickereiindustrie. Unternehmen, Handelshäuser und Behörden benötigten zunehmend gut ausgebildete Fachkräfte mit Kenntnissen in Handel, Verwaltung, Verkehr und Fremdsprachen.

Der Grosse Rat des Kantons St. Gallen beschloss 1898 die Gründung einer «Höheren Schule (Akademie) für Handel, Verkehr und Verwaltung». Zu den wichtigsten Wegbereitern gehörten der Politiker und Publizist Theodor Curti sowie Theophil Bernet und Georg Baumberger. Die neue Einrichtung war die erste Handelshochschule der Schweiz und gehörte zu den frühesten Hochschulen dieser Art in Europa.[2]

Der Unterricht begann 1899 mit sieben Studenten. Die Hochschule sollte nicht nur kaufmännische Fertigkeiten vermitteln, sondern eine umfassende Ausbildung anbieten, die wirtschaftliche, rechtliche, sprachliche und gesellschaftliche Kenntnisse miteinander verband. Dieses fachübergreifende Bildungsverständnis blieb ein prägendes Merkmal der späteren Universität.

Bereits wenige Jahre nach der Gründung wurden auch Frauen zum Studium zugelassen. Zwischen 1901 und 1905 besuchten die ersten Studentinnen die Hochschule. Im Jahr 1903 wurden die Handelsakademie und die ursprünglich mit ihr verbundene Verkehrsschule organisatorisch voneinander getrennt.

Handelshochschule und Ausbau

Aufgrund wachsender Studierendenzahlen musste die Institution mehrfach ihren Standort wechseln. 1911 bezog sie ein eigens errichtetes Gebäude an der Notkerstrasse 20. Gleichzeitig wurde die Handelsakademie in Handelshochschule St. Gallen umbenannt.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Lehrangebot ausgebaut. Neben der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre gewannen Rechtswissenschaften, öffentliche Verwaltung, Sozialwissenschaften und internationale Wirtschaftsbeziehungen an Bedeutung. 1934 erhielt die Hochschule eine Habilitationsordnung. Mit dem Hochschulgesetz von 1938 wurde ihr das Promotionsrecht verliehen, wodurch sie sich endgültig von einer höheren Fachschule zu einer wissenschaftlichen Hochschule entwickelte.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb der Lehrbetrieb bestehen. Zeitweise führte die Hochschule auch Lehrveranstaltungen für internierte ausländische Studierende durch. Nach dem Krieg nahm die Zahl der Studierenden deutlich zu. Die stärkere internationale Verflechtung der Wirtschaft erhöhte zugleich die Bedeutung von Fremdsprachen, internationalem Recht und grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen.

Campus auf dem Rosenberg

In den 1950er-Jahren reichten die Gebäude an der Notkerstrasse für den wachsenden Hochschulbetrieb nicht mehr aus. 1957 gewann der Schweizer Architekt und Bildhauer Walter Maria Förderer den Wettbewerb für einen neuen Campus auf dem Rosenberg.

Nach einer kantonalen Volksabstimmung begannen 1960 die Bauarbeiten. Der neue Campus wurde 1963 eröffnet. Die markanten Sichtbetonbauten werden dem Brutalismus zugerechnet. Hauptgebäude, Aula, Institutsgebäude, Mensa und Sportanlagen bilden ein zusammenhängendes architektonisches Ensemble, das sich in die Hanglage des Rosenbergs einfügt.[3]

Mit dem Umzug erfolgte die Umbenennung in Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Abkürzung HSG wurde auch nach späteren Namensänderungen beibehalten.

Entwicklung zur Universität

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitete die Hochschule ihre Tätigkeit auf neue Fachgebiete und Weiterbildungsangebote aus. 1968 entstanden erste institutionalisierte Weiterbildungsprogramme. Ein eigenständiger rechtswissenschaftlicher Studiengang wurde 1978 eingeführt.

1989 wurde ein Erweiterungsbau mit neuer Bibliothek eröffnet. In den 1990er-Jahren verstärkte die Hochschule ihre internationale Zusammenarbeit, unter anderem durch Doppelabschlussprogramme, Austauschabkommen und die Beteiligung am europäischen Hochschulnetzwerk CEMS.

Seit 1995 trägt die Institution offiziell die Bezeichnung Universität St. Gallen. Die traditionelle Abkürzung HSG blieb bestehen und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil ihres öffentlichen Erscheinungsbildes.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Studienarchitektur grundlegend erneuert. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen führte die Universität ein systematisches Kontextstudium ein. Später kamen neue Schwerpunkte in Wirtschaftsinformatik, Digitalisierung und Computer Science hinzu. Seit 2018 beteiligt sich die HSG gemeinsam mit der Universität Zürich und medizinischen Institutionen der Ostschweiz am Joint Medical Master in St. Gallen.

Rechtliche Stellung und Leitung

Die Universität St. Gallen ist eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons St. Gallen mit eigener Rechtspersönlichkeit. Ihre Aufgaben, Organisation und Finanzierung werden durch das Universitätsgesetz des Kantons geregelt.[4]

Oberstes strategisches Organ ist der Universitätsrat. Er beaufsichtigt die Universität und entscheidet über grundlegende Fragen ihrer Entwicklung. Der Senat ist das zentrale akademische Organ. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Professorenschaft, des Mittelbaus, der Mitarbeitenden und der Studierenden an.

Die operative Leitung liegt beim Rektorat. Der Rektor vertritt die Universität nach innen und aussen und führt das Rektorat gemeinsam mit den Prorektorinnen und Prorektoren. Seit dem 1. Februar 2024 ist der Finanzwissenschaftler Manuel Ammann Rektor der Universität.[5]

Akademische Gliederung

Die Universität ist in sechs sogenannte Schools gegliedert. Diese entsprechen in ihrer Funktion weitgehend den Fakultäten anderer Universitäten, tragen jedoch aufgrund der internationalen Ausrichtung der HSG englische Bezeichnungen.

School Abkürzung Fachliche Schwerpunkte
School of Management SoM-HSG Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung, Marketing, Organisation, Innovation und Entrepreneurship
School of Finance SoF-HSG Finanzwirtschaft, Banken, Versicherungen, Kapitalmärkte und Risikomanagement
School of Economics and Political Science SEPS-HSG Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft, öffentliche Politik und Internationale Beziehungen
Law School LS-HSG Rechtswissenschaften sowie die Verbindung von Recht und Wirtschaft
School of Humanities and Social Sciences SHSS-HSG Gesellschaft, Geschichte, Kultur, Sprachen, Philosophie, Medien und Kontextstudium
School of Computer Science SCS-HSG Informatik, künstliche Intelligenz, Datenwissenschaft und digitale Technologien

Die Schools tragen gemeinsam die Verantwortung für Lehre, Forschung und akademische Nachwuchsförderung. Zahlreiche Institute, Forschungsstellen und Kompetenzzentren ergänzen die akademische Grundstruktur. Sie bearbeiten spezialisierte Themen und übernehmen häufig Forschungs-, Beratungs- und Weiterbildungsaufgaben.

Studium

Studienarchitektur

Das Studium an der HSG ist mehrstufig aufgebaut. Es umfasst das Assessmentjahr, die Bachelor-Stufe, die Master-Stufe und das Doktoratsstudium. Hinzu kommen Weiterbildungsprogramme und verschiedene Zusatzqualifikationen.

Das Assessmentjahr bildet für die meisten Bachelorstudierenden den gemeinsamen Einstieg. Während zweier Semester erwerben die Studierenden Grundlagen in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft, Mathematik, Statistik und weiteren sozialwissenschaftlichen Fächern. Das Jahr dient zugleich der Orientierung und der Vorbereitung auf das anschliessende Fachstudium.[6]

Nach erfolgreichem Abschluss des Assessmentjahres wählen die Studierenden einen Major beziehungsweise ein Hauptstudienprogramm. Zu den zentralen Bachelorbereichen gehören:

  • Betriebswirtschaftslehre;
  • Volkswirtschaftslehre;
  • Internationale Beziehungen;
  • Rechtswissenschaft;
  • Rechtswissenschaft mit Wirtschaftswissenschaften;
  • Informatik.

Auf der Master-Stufe bietet die Universität spezialisierte Programme in Management, Finance, Accounting, Volkswirtschaftslehre, International Affairs, Recht, Wirtschaft und Recht, Marketing, Unternehmensführung, Strategie, Business Innovation, Informatik und weiteren Fachgebieten an. Ein erheblicher Teil der Masterprogramme wird vollständig oder teilweise auf Englisch durchgeführt.

Die Doktoratsprogramme dienen der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Promotionen sind unter anderem in Management, Finance, Economics, International Affairs, Rechtswissenschaften, Organisation und Kultur sowie Informatik möglich.

Kontextstudium

Eine Besonderheit der HSG ist das verpflichtende Kontextstudium. Es ergänzt die fachwissenschaftliche Ausbildung durch Lehrveranstaltungen aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Behandelt werden beispielsweise Geschichte, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Medien, Wissenschaftstheorie, gesellschaftliche Verantwortung und Fremdsprachen.

Das Kontextstudium soll Studierende dazu befähigen, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen in ihren historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen zu beurteilen. Es verkörpert den Anspruch der Universität, nicht nur fachliche Spezialkenntnisse, sondern auch kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und verantwortungsbewusstes Handeln zu fördern.

Internationalität

Die Universität unterhält Partnerschaften mit Hochschulen in Europa, Amerika, Asien, Afrika und Australien. Studierende können Austauschsemester, Doppelabschlussprogramme und internationale Zusatzprogramme absolvieren. Die HSG ist unter anderem Mitglied des Netzwerks CEMS – Global Alliance in Management Education.

Zahlreiche Lehrveranstaltungen finden auf Englisch statt. Besonders auf der Master- und Doktoratsstufe ist Englisch neben Deutsch eine zentrale Unterrichts- und Wissenschaftssprache. Die internationale Ausrichtung zeigt sich auch in der Herkunft der Studierenden und Dozierenden sowie in gemeinsamen Forschungsprojekten mit ausländischen Hochschulen.

Für Studienbewerberinnen und Studienbewerber mit ausländischem Vorbildungsausweis gelten aufgrund kantonaler Vorgaben besondere Zulassungs- und Auswahlverfahren.

Forschung und Wissenstransfer

Die Forschung an der Universität St. Gallen konzentriert sich auf wirtschaftliche, rechtliche, politische, gesellschaftliche und technologische Fragestellungen. Zu den Forschungsgebieten gehören Unternehmensführung, Finanzmärkte, internationale Wirtschaftsbeziehungen, öffentliche Finanzen, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Energiepolitik, Wirtschaftsrecht, Konsumentenverhalten, künstliche Intelligenz und gesellschaftlicher Wandel.

Ein grosser Teil der Forschung wird in Instituten und Kompetenzzentren durchgeführt. Diese Organisationsform ermöglicht eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Forschungsprojekte werden unter anderem durch den Schweizerischen Nationalfonds, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Innosuisse, kantonale Mittel, Stiftungen sowie private und öffentliche Auftraggeber finanziert.

Die HSG legt traditionell grossen Wert auf den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Forschende arbeiten mit Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen, internationalen Organisationen und gesellschaftlichen Institutionen zusammen. Ergebnisse werden neben wissenschaftlichen Publikationen auch durch Konferenzen, öffentliche Vorlesungen, Medienbeiträge, Weiterbildungsangebote und Beratungsprojekte vermittelt.

Die Universität fördert zudem Unternehmensgründungen aus dem Umfeld von Studierenden und Forschenden. Unterstützungsangebote umfassen Beratung, Ausbildungsprogramme, Wettbewerbe, Arbeitsräume und Kontakte zu Unternehmen sowie Investorinnen und Investoren.

Weiterbildung

Die HSG gehört zu den bedeutenden Schweizer Anbieterinnen akademischer Management- und Führungskräfteweiterbildung. Die Executive School of Management, Technology and Law organisiert berufsbegleitende Studiengänge, Zertifikatsprogramme, Seminare und massgeschneiderte Unternehmensprogramme.

Das Angebot umfasst unter anderem Executive-MBA-Programme, Weiterbildungen für Verwaltungsräte, Führungskräfteprogramme sowie Kurse in Strategie, Finanzmanagement, Recht, Technologie, öffentlicher Verwaltung und Unternehmensführung. Einige Programme werden gemeinsam mit ausländischen Hochschulen oder mit der ETH Zürich durchgeführt.

Die Weiterbildung bildet neben Lehre, Forschung und Wissenstransfer einen wichtigen Tätigkeitsbereich der Universität.

Campus und Architektur

Hauptcampus auf dem Rosenberg

Der Hauptcampus befindet sich nördlich der St. Galler Innenstadt auf dem Rosenberg. Die 1963 eröffneten Gebäude wurden nach Plänen von Walter Maria Förderer unter Mitarbeit von Rolf Otto und Hans Zwimpfer errichtet.

Die Anlage gehört zu den bedeutenden Schweizer Hochschulbauten der Nachkriegsmoderne. Sichtbeton, geometrische Baukörper, breite Treppenanlagen und die Einbettung in das ansteigende Gelände prägen das Erscheinungsbild. Förderer verstand Architektur als begehbare Skulptur und plante den Campus als Verbindung von Baukunst, Landschaft und bildender Kunst.

1989 wurde der Campus durch einen Bibliotheks- und Erweiterungsbau ergänzt. Weitere Lehr-, Forschungs- und Verwaltungsgebäude befinden sich in der näheren Umgebung des Rosenbergs sowie an verschiedenen Standorten in der Stadt St. Gallen.

Kunst an der HSG

Kunst ist ein fester Bestandteil des architektonischen Konzepts der Universität. Bereits bei der Errichtung des Hauptcampus wurden bedeutende Kunstschaffende eingeladen, Werke für bestimmte Räume und Aussenbereiche zu schaffen.

Auf dem Campus befinden sich Arbeiten von Künstlern wie Hans Arp, Georges Braque, Alexander Calder, Alberto Giacometti, Joan Miró, Alicia Penalba, Gerhard Richter, Roman Signer und Antoni Tàpies. Die Kunstwerke wurden überwiegend durch private Spenden und Zuwendungen finanziert.[7]

Architektur und Kunst sollten nach dem ursprünglichen Konzept ein Gesamtkunstwerk bilden. Die öffentlich zugängliche Sammlung gilt deshalb nicht nur als dekorative Ausstattung, sondern als Teil des Bildungs- und Selbstverständnisses der Universität.

SQUARE

Im Februar 2022 wurde an der Guisanstrasse das Lern- und Begegnungszentrum SQUARE eröffnet. Der transparente, aus rasterartig angeordneten Kuben bestehende Bau wurde vom japanischen Architekten Sou Fujimoto entworfen.

SQUARE dient als Experimentierfeld für neue Formen des Lehrens und Lernens. Flexible Räume ermöglichen Seminare, Gruppenarbeiten, öffentliche Veranstaltungen, Diskussionen und kulturelle Begegnungen. Das Gebäude wurde vollständig durch private Spenden finanziert.[8]

Campus Platztor

Zur Entlastung des Hauptcampus plant der Kanton St. Gallen einen zusätzlichen Universitätsstandort auf dem Areal Platztor am Rand der Innenstadt. Der neue Campus soll zusätzliche Räume für Lehre, Forschung, studentische Arbeitsplätze, Gastronomie und öffentliche Nutzungen schaffen.

Nach der Beendigung eines ersten Projekts wurde ein neuer Architekturwettbewerb durchgeführt. 2025 wurde das Projekt «Tsumiki» eines Schweizer Planungsteams als Sieger bestimmt. Der neue Standort soll die Universität stärker mit dem städtischen Zentrum verbinden und Raum für mehrere tausend Studierende bieten.

Bibliothek

Die Bibliothek der Universität St. Gallen ist auf Wirtschafts-, Rechts-, Sozial- und Politikwissenschaften spezialisiert. Sie stellt gedruckte und digitale Bücher, wissenschaftliche Zeitschriften, Datenbanken, Unternehmensinformationen, Statistiken und Rechtsquellen zur Verfügung.

Als Teil der Swiss Library Service Platform ist der Bestand über das schweizweite Bibliothekssystem swisscovery recherchierbar. Die Bibliothek dient zugleich als Lern- und Arbeitsort für Studierende, Forschende und die interessierte Öffentlichkeit.

Studentisches Leben

Das studentische Leben wird durch zahlreiche Vereine, Initiativen und Fachorganisationen geprägt. Studierende engagieren sich in kulturellen, politischen, sportlichen, sozialen und unternehmerischen Projekten. Die Studentenschaft vertritt die Interessen der Studierenden gegenüber der Universitätsleitung und organisiert Dienstleistungen sowie Veranstaltungen.

Zu den international bekannten studentischen Veranstaltungen gehört das St. Gallen Symposium. Es wurde 1970 gegründet und bringt jährlich Studierende und junge Forschende mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammen.

Weitere studentische Initiativen organisieren Karriereveranstaltungen, Debatten, Beratungsprojekte, kulturelle Anlässe, Nachhaltigkeitsprojekte und internationale Konferenzen. Der Universitätssport bietet zahlreiche Trainings-, Kurs- und Wettkampfmöglichkeiten.

Öffentliches Angebot

Die Universität richtet sich mit öffentlichen Vorlesungen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen auch an die Bevölkerung. Das öffentliche Vorlesungsprogramm behandelt wissenschaftliche, gesellschaftliche, wirtschaftliche, historische und kulturelle Themen.

Seit 2004 veranstaltet die HSG zudem eine Kinder-Universität. Sie vermittelt Schülerinnen und Schülern wissenschaftliche Themen in allgemein verständlicher Form. Öffentliche Campusführungen und Kunstführungen ermöglichen einen Einblick in Architektur, Geschichte und Kunstsammlung der Universität.

Akkreditierungen und Rankings

Die Universität St. Gallen ist nach dem schweizerischen Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz institutionell akkreditiert.

Darüber hinaus verfügt sie über die internationalen Akkreditierungen EQUIS, AACSB und AMBA. Die Kombination dieser drei Gütesiegel wird im Bereich der Wirtschaftshochschulen als «Triple Crown» bezeichnet.[9]

Studienprogramme der HSG erreichen regelmässig hohe Platzierungen in internationalen Hochschulrankings, insbesondere in den Bereichen Management, Finance und Weiterbildung. Die Aussagekraft solcher Ranglisten hängt jedoch von den jeweils verwendeten Kriterien ab. Rankings können einzelne Programme, Forschungsleistungen, Internationalität, Karriereentwicklung oder die Einschätzungen von Absolventinnen und Absolventen unterschiedlich gewichten.

Bedeutung für St. Gallen und die Ostschweiz

Die Universität ist eine der bedeutendsten Bildungs- und Forschungsinstitutionen der Ostschweiz. Sie schafft Arbeitsplätze, zieht Studierende und Forschende aus dem In- und Ausland an und trägt zur internationalen Bekanntheit der Stadt St. Gallen bei.

Durch Forschungsprojekte, Weiterbildungen, Unternehmensgründungen und Kooperationen mit Behörden und Unternehmen ist die HSG eng mit der regionalen Wirtschaft verbunden. Gleichzeitig wirkt sie durch ihre internationalen Partnerschaften und ihr Alumni-Netzwerk weit über die Region hinaus.

Die Geschichte der Universität spiegelt den Wandel St. Gallens von einem Zentrum der Textil- und Exportwirtschaft zu einem Standort für Bildung, Forschung, Dienstleistungen und wissensbasierte Unternehmen wider.

Siehe auch

Literatur

  • Universität St. Gallen (Hrsg.): Denken und Handeln. Festschrift der Universität St. Gallen. St. Gallen 1998.
  • Universität St. Gallen (Hrsg.): Universität St.Gallen – Geschichte, Architektur und Kunst. St. Gallen.
  • Karl Heinz Burmeister: 100 Jahre HSG. Geschichte der Universität St. Gallen, Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. St. Gallen 1998.

Einzelnachweise

  1. Rund 10'000 Studierende an der HSG. In: Universität St.Gallen. 2025-12-19. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Geschichte der Universität St.Gallen. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. 1963: Einweihung der Neubauten auf dem Rosenberg. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Universitätsgesetz des Kantons St. Gallen. In: Gesetzessammlung des Kantons St. Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Manuel Ammann – Rektor der HSG. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Assessmentjahr. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Kunst an der HSG. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. 2022: SQUARE. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Rankings und Akkreditierungen. In: Universität St.Gallen. Abgerufen am 2026-07-23.