Naturmuseum Winterthur

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Naturmuseum Winterthur
Ort Winterthur
Kanton Zürich
Adresse Museumstrasse 52, 8400 Winterthur
Art Naturkundemuseum
Sammlungsgebiete Biologie, Erdwissenschaften, Völkerkunde
Bestand über 165'000 Objekte
Direktion Daniela Zingg
WEBSITE natur.winterthur.ch

Das Naturmuseum Winterthur ist ein naturkundliches Museum in Winterthur im Kanton Zürich. Es befindet sich an der Museumstrasse 52 in unmittelbarer Nähe der Altstadt und teilt sich das Gebäude mit dem Kunst Museum Winterthur. Das Museum verwaltet die naturwissenschaftlichen und völkerkundlichen Sammlungen der Stadt Winterthur und verfügt über mehr als 165'000 Objekte aus den Bereichen Biologie, Erdwissenschaften und Völkerkunde.[1]

Das heutige Museum geht auf die naturhistorische Sammlung der früheren Winterthurer Bürgerbibliothek zurück, deren Anfänge bis ins 17. Jahrhundert reichen. Neben einer Dauerausstellung zur Natur- und Landschaftsgeschichte zeigt das Naturmuseum regelmässig Wechselausstellungen. Mit Keralas Kindermuseum besitzt es zudem einen speziell für jüngere Kinder eingerichteten Museumsbereich.[2]

Lage

Das Naturmuseum befindet sich am nördlichen Rand der Winterthurer Altstadt an der Museumstrasse 52.

Vom Bahnhof Winterthur ist das Museum zu Fuss in ungefähr sieben Minuten erreichbar. Die nahe gelegene Bushaltestelle Stadthaus wird von mehreren Linien des Stadtbus Winterthur bedient.[3]

Das Gebäude liegt unmittelbar beim Stadtgarten und in der Nähe weiterer kultureller Einrichtungen der Stadt.

Geschichte

Bürgerbibliothek und frühe Sammlung

Die Ursprünge des Naturmuseums reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Die damalige Bürgerbibliothek Winterthur sammelte neben Büchern und Handschriften auch Kunstgegenstände, Münzen, Kuriositäten und Naturalien. Bereits um 1660 bestand eine naturhistorische Sammlung.[4]

Zu den ältesten erhaltenen Objekten gehört ein ungefähr drei Meter langes Nilkrokodil. Es wurde der Stadt Winterthur im Jahr 1664 vom St. Galler Arzt Bartholomäus Schobinger geschenkt.[5]

Das Präparat gilt als ältestes historisch dokumentiertes Objekt des heutigen Naturmuseums und wird weiterhin ausgestellt.

Die Sammlung befand sich zunächst im Rathaus an der Marktgasse.

Auslagerung der naturhistorischen Sammlung

1842 wurden die Sammlungen aus dem Rathaus in das damalige Knabengymnasium verlegt.

Mit der zunehmenden Professionalisierung des Bibliotheks- und Museumswesens wurden die naturhistorischen Bestände 1862 organisatorisch von der eigentlichen Bibliothek getrennt.[4]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm der Bestand stark zu. Winterthurer Kaufleute und Reisende brachten zahlreiche Objekte aus Afrika, Asien und Amerika in die Stadt.

Neben naturwissenschaftlichen Objekten gelangten dadurch auch umfangreiche ethnografische Bestände in die Sammlung.

Zu den wichtigen frühen Beständen gehörte die Privatsammlung von Johann Heinrich Ziegler und seinem Sohn Jakob Ziegler.

Robert Keller

1886 erhielt die naturhistorische Sammlung mit dem Botaniker und Lehrer Robert Keller erstmals einen eigenen Konservator.[4]

Keller war ein bedeutender Winterthurer Botaniker und beschäftigte sich insbesondere mit der Pflanzenwelt der Region.

Er brachte ein umfangreiches Lokalherbar in die Sammlung ein und trug wesentlich zur wissenschaftlichen Systematisierung der Bestände bei.

Museumsgebäude

1916 zog die naturhistorische Sammlung in das heutige Museumsgebäude an der Museumstrasse ein.[4]

Der Bau wurde gemeinsam mit den Kunstsammlungen genutzt. Die ursprüngliche Präsentation des Naturmuseums entsprach dem damals verbreiteten Konzept naturhistorischer Museen: Tierpräparate, Mineralien, Fossilien und weitere Objekte wurden in grossen systematischen Schauvitrinen gezeigt.

Seit 1914 wurde die Sammlung zusätzlich durch die Museumskommission der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Winterthur unterstützt.

Diese Zusammenarbeit trug insbesondere zum Ausbau der wissenschaftlichen Sammlungen bei.

Modernisierung im 20. Jahrhundert

In den 1970er-Jahren begann eine grundlegende Modernisierung des Museumskonzepts.

Unter der damaligen Leitung von Kurt Madlinger wurden neben der traditionellen Sammlungsschau verstärkt Sonder- und Wechselausstellungen eingerichtet.[4]

Damit wandelte sich das Naturmuseum zunehmend von einer überwiegend systematisch aufgebauten Schausammlung zu einem thematisch orientierten Museum.

1996 wurde mit Kerala erstmals ein eigener Museumsbereich speziell für Kinder und Familien geschaffen.[4]

Umbau 2001 bis 2005

Zwischen 2001 und 2005 wurde das Naturmuseum unter Konservator Hans-Konrad Schmutz umfassend umgestaltet.

Die bisher dominierenden grossen Reihen von Tierpräparaten wurden reduziert und zahlreiche Objekte ins Depot überführt.

Anstelle einer möglichst vollständigen Präsentation der Sammlung entstand eine thematische Dauerausstellung. Dadurch wurde gleichzeitig mehr Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungen geschaffen.

Die neue Dauerausstellung wurde 2005 eröffnet.[6]

Prix Expo

Für die neue Dauerausstellung erhielt das Naturmuseum Winterthur 2006 den Prix Expo der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz.[7]

Der Preis würdigte den innovativen Umgang mit naturwissenschaftlichen Themen und die neue Art der Präsentation.

2007 wurde das Naturmuseum zudem für den European Museum of the Year Award nominiert.[6]

Sammlung

Das Naturmuseum beherbergt die biologischen, erdwissenschaftlichen und völkerkundlichen Sammlungen der Stadt Winterthur.

Der Gesamtbestand umfasst heute mehr als 165'000 Objekte.[1]

Die meisten davon befinden sich nicht in der Ausstellung, sondern in den Museumsdepots. Sie dienen der Forschung, Dokumentation, Vermittlung sowie als Grundlage zukünftiger Ausstellungen.

Die Sammlung ist in drei Hauptbereiche gegliedert:

  • Biologie;
  • Erdwissenschaften;
  • Völkerkunde.

Teile der Bestände werden im Rahmen nationaler Projekte digitalisiert und über die Datenbank Swiss Natural History Collections zugänglich gemacht.[1]

Biologische Sammlung

Die biologische Sammlung umfasst zoologische und botanische Objekte.

Dazu gehören unter anderem:

  • Säugetierpräparate;
  • Vögel;
  • Insekten;
  • weitere wirbellose Tiere;
  • Skelette;
  • Eier;
  • Pflanzenbelege;
  • historische Herbarien.

Von besonderer Bedeutung sind Objekte aus Winterthur und der umliegenden Region.

Dadurch dokumentiert die Sammlung Veränderungen der lokalen Tier- und Pflanzenwelt über längere Zeiträume.

Erdwissenschaftliche Sammlung

Der erdwissenschaftliche Bereich umfasst unter anderem:

  • Mineralien;
  • Gesteine;
  • Fossilien;
  • geologische Proben;
  • Reliefs und Modelle.

Eine besondere Rolle spielen Fossilien aus der Umgebung von Winterthur und aus der schweizerischen Molasse.

Die Sammlung enthält zudem Fossilien aus dem Jura, darunter Überreste von Meerestieren aus dem Posidonienschiefer.

Gesteine und Mineralien werden nicht nur nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten präsentiert, sondern auch mit ihrer Nutzung durch den Menschen verbunden. In der Dauerausstellung werden beispielsweise Gesteine gezeigt, die als Baumaterial in der Winterthurer Altstadt verwendet wurden.[6]

Völkerkundliche Sammlung

Historisch bedingt besitzt das Naturmuseum auch eine völkerkundliche Sammlung.

Viele Objekte gelangten im 19. Jahrhundert durch Winterthurer Kaufleute und Reisende nach Winterthur.

Die Bestände umfassen Gegenstände aus verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Amerikas.

In der Dauerausstellung werden ausgewählte Objekte im Zusammenhang mit dem sogenannten Schiff Ida Ziegler gezeigt.[6]

Dabei werden sie als Reise- und Sammlungsobjekte präsentiert und zugleich in ihren historischen Sammlungskontext eingeordnet.

Dauerausstellung

Die 2005 eröffnete Dauerausstellung beschäftigt sich mit Natur, Landschaft und Erdgeschichte.[6]

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf den Lebensräumen der Umgebung von Winterthur.

Dargestellt werden unter anderem:

  • Stadt;
  • Garten;
  • Haus;
  • Wald;
  • Weiher und Fliessgewässer;
  • Kulturlandschaft;
  • Alpen.

Tierpräparate werden dabei nicht isoliert nach zoologischer Systematik geordnet, sondern in ökologische und kulturgeschichtliche Zusammenhänge eingebettet.

Im Lebensraum Stadt erscheinen beispielsweise typische Kulturfolger wie Fuchs, Steinmarder und Stadttaube.

Im Wald werden unter anderem Reh, Dachs und Wildschwein gezeigt.

Landschaftsentwicklung

Ein weiterer Schwerpunkt der Dauerausstellung ist die Veränderung der Landschaft durch den Menschen.

Ein Eisenbahnwagen dient dabei als Übergang in einen Ausstellungsteil über die Entwicklung der Kulturlandschaft.

Die Eisenbahn steht beispielhaft für technische Eingriffe, welche die Landschaft im 19. und 20. Jahrhundert stark veränderten.

An verschiedenen Tierarten wird gezeigt, wie menschliche Eingriffe bestimmte Arten zurückdrängen, andere dagegen begünstigen können.

Auch die Geschichte von Wolf, Bär und Bartgeier sowie die Entwicklung der Haustiere werden thematisiert.[6]

Erdgeschichte

Im Untergeschoss führt die Dauerausstellung durch verschiedene Abschnitte der Erdgeschichte.

Behandelt werden unter anderem:

  • Eiszeitalter;
  • Süsswassermolasse;
  • Meeresmolasse;
  • Jura;
  • Entstehung von Gesteinen;
  • Fossilien.

Winterthurer Fossilien aus der Molasse vermitteln einen Eindruck davon, wie sich Landschaft, Klima und Tierwelt der Region im Lauf von Millionen Jahren verändert haben.

Mineralien und Reliefs

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich Mineralien und Gesteinen.

Daneben besitzt das Museum verschiedene Reliefs der Schweizer Alpen und des Jura.

Diese Modelle verbinden Geologie und Landschaftskunde und ermöglichen eine dreidimensionale Betrachtung der Gebirgsformen.

Auch typische alpine Tiere wie Steinbock und Schneehuhn werden in diesem Bereich gezeigt.[6]

Keralas Kindermuseum

Keralas Kindermuseum ist ein speziell auf Kinder von ungefähr drei bis neun Jahren ausgerichteter Bereich des Naturmuseums.[2]

Kinder sollen dort Natur spielerisch und mit möglichst vielen eigenen Aktivitäten entdecken.

Zu den Angeboten gehören:

  • ein begehbarer Dachsbau;
  • Grossbücher über verschiedene Lebensräume;
  • Tierpräparate;
  • Themenkisten;
  • Bastelangebote;
  • Geschichten;
  • ein Schubladenmuseum.

Im Schubladenmuseum können Kinder selbst gesammelte Naturgegenstände ausstellen und beschriften.

Damit vermittelt der Bereich zugleich grundlegende Prinzipien der Museumsarbeit wie Sammeln, Ordnen, Beschreiben und Präsentieren.

Naturfundbüro

Das Naturfundbüro ermöglicht Besucherinnen und Besuchern, selbst gefundene Naturgegenstände bestimmen zu lassen.

Dazu können beispielsweise Steine, Federn, Knochen, Früchte oder andere Naturfunde gehören.

Fachpersonen des Museums helfen bei der Bestimmung und erklären den naturwissenschaftlichen Zusammenhang.

Das Angebot verbindet die Museumssammlung mit eigenen Beobachtungen der Besucher in der Natur.

Wechselausstellungen

Neben der Dauerausstellung zeigt das Naturmuseum regelmässig thematische Wechselausstellungen.

Diese befassen sich häufig mit einzelnen Tierarten, Lebensräumen oder aktuellen ökologischen Fragestellungen.

Zu den Themen der vergangenen Jahre gehörten beispielsweise:

  • Eiszeit;
  • Strassentauben;
  • Katzen;
  • Kieselsteine;
  • Zauneidechsen;
  • Mauswiesel und Hermelin;
  • Eichhörnchen;
  • Tierspuren.

Vom 22. März bis 18. Oktober 2026 zeigt das Museum die Ausstellung «Krabbler – unheimlich faszinierend» über Gliederfüsser wie Insekten, Spinnen, Asseln und Tausendfüsser.[8]

Veranstaltungen und Vermittlung

Das Naturmuseum versteht sich neben seiner Sammlungs- und Ausstellungsfunktion auch als Bildungs- und Veranstaltungsort.

Zum Programm gehören regelmässig:

  • öffentliche Führungen;
  • Familienführungen;
  • Workshops;
  • Vorträge;
  • Museumskonzerte;
  • Exkursionen;
  • Ferienangebote;
  • Veranstaltungen für Schulklassen.

Zusätzlich werden Führungen durch die Dauer- und Wechselausstellungen sowie geologische Stadtrundgänge durch Winterthur angeboten.[3]

Das Museum beteiligt sich ausserdem an Citizen-Science-Projekten, bei denen die Bevölkerung Beobachtungen und Daten zur lokalen Tierwelt beitragen kann.

Digitalisierung

Ein langfristiger Schwerpunkt der Museumsarbeit ist die Digitalisierung der Sammlung.

Objekte werden fotografiert, wissenschaftlich erfasst und mit zusätzlichen Informationen in Datenbanken eingetragen.

Das Naturmuseum beteiligt sich dabei an nationalen Initiativen wie SwissCollNet und SwissNatColl.[1]

Die Digitalisierung soll die Bestände sowohl für Fachpersonen als auch für ein breiteres Publikum leichter zugänglich machen.

Öffnungszeiten und Eintritt

Das Museum ist grundsätzlich von Dienstag bis Sonntag geöffnet.

Die regulären Öffnungszeiten sind:

Tag Öffnungszeit
Montag geschlossen
Dienstag 10.00–20.00 Uhr
Mittwoch–Sonntag 10.00–17.00 Uhr

Für Personen unter 16 Jahren sowie für Schweizer Schulklassen in Begleitung einer Lehrperson ist der Eintritt kostenlos.[3]

Das Gebäude ist rollstuhlgängig. Der entsprechende Zugang befindet sich im Innenhof.[3]

Bedeutung

Das Naturmuseum Winterthur gehört zu den traditionsreichsten naturkundlichen Sammlungen der Schweiz.

Seine besondere Bedeutung liegt in der Verbindung sehr alter historischer Sammlungsbestände mit einem modernen Ausstellungskonzept.

Die Sammlung dokumentiert sowohl die Natur- und Erdgeschichte der Region Winterthur als auch die Entwicklung naturkundlicher und ethnografischer Sammlungstätigkeit seit dem 17. Jahrhundert.

Mit der Neugestaltung von 2005 verlagerte sich der Schwerpunkt von einer reinen Präsentation möglichst vieler Sammlungsobjekte hin zu Themen wie Lebensräume, Landschaftsentwicklung, Umweltveränderungen und dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Das Kindermuseum, die Wechselausstellungen und die zahlreichen Vermittlungsangebote machen das Naturmuseum zugleich zu einem wichtigen Bildungs- und Familienmuseum der Stadt Winterthur.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Sammlung. Hrsg.: Naturmuseum Winterthur. Abgerufen am 2026-08-25.
  2. 2,0 2,1 Keralas Kindermuseum. Hrsg.: Naturmuseum Winterthur. Abgerufen am 2026-08-25.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Besuch planen. Hrsg.: Naturmuseum Winterthur. Abgerufen am 2026-08-25.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Naturmuseum Winterthur. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.
  5. Winterthurer Krokodile. In: WNTI. 2026-02-06. Abgerufen am 2026-08-25.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 Dauerausstellung. Hrsg.: Naturmuseum Winterthur. Abgerufen am 2026-08-25.
  7. Preisträger:innen Prix Expo. Hrsg.: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Abgerufen am 2026-08-25.
  8. Ausstellungen. Hrsg.: Naturmuseum Winterthur. Abgerufen am 2026-08-25.