Berninagruppe

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 15. August 2026, 22:01 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:315px; margin:0 0 1em 1em;" ! colspan="2" | Berninagruppe |- ! Höchster Gipfel | Piz Bernina |- ! Höhe | 4048,6 m ü. M. |- ! Gebirge | Rätische Alpen |- ! Staaten | Schweiz, Italien |- ! Regionen | Kanton Graubünden, Lombardei |- ! Schweizer Gebiete | Oberengadin, Valposchiavo |- ! Italienisches Gebiet | Provinz Sondrio |- ! Bedeutende Gipfel | [[Piz Bernina]…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Berninagruppe
Höchster Gipfel Piz Bernina
Höhe 4048,6 m ü. M.
Gebirge Rätische Alpen
Staaten Schweiz, Italien
Regionen Kanton Graubünden, Lombardei
Schweizer Gebiete Oberengadin, Valposchiavo
Italienisches Gebiet Provinz Sondrio
Bedeutende Gipfel Piz Bernina, Piz Zupò, Piz Roseg, Piz Palü, Bellavista, Piz Morteratsch
Bedeutende Gletscher Morteratschgletscher, Persgletscher, Roseggletscher, Tschiervagletscher
Wichtige Ausgangsorte Pontresina, St. Moritz, Poschiavo

Die Berninagruppe ist eine stark vergletscherte Hochgebirgsgruppe der Rätischen Alpen im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien. Sie liegt hauptsächlich im Süden des Kantons Graubünden sowie in der italienischen Provinz Sondrio in der Lombardei. Mit dem Piz Bernina erreicht die Gebirgsgruppe eine Höhe von 4048,6 m ü. M. und damit den höchsten Punkt Graubündens.[1]

Der Piz Bernina ist zugleich der einzige Viertausender der Ostalpen. Die Berninagruppe gehört deshalb zu den höchsten und markantesten Gebirgsmassiven östlich der zentralen Schweizer Alpen. Ihre Landschaft wird von hohen Fels- und Firngipfeln, ausgedehnten Gletschern und tief eingeschnittenen Tälern geprägt.

Von besonderer Bedeutung sind der Morteratschgletscher und der Persgletscher auf der Nordseite sowie der Roseggletscher und der Tschiervagletscher im Westen. Zusammen mit Gipfeln wie Piz Bernina, Piz Palü, Piz Roseg und Piz Zupò bilden sie eine der bekanntesten Hochgebirgslandschaften der Schweiz.

Lage und Abgrenzung

Die Berninagruppe erhebt sich südlich des Oberengadins. Im Norden liegen das Engadin und die Umgebung von Pontresina, im Osten der Berninapass und das Valposchiavo, während sich südlich des Hauptkamms die italienischen Täler des Veltlins anschliessen. Im Westen wird die Gruppe im engeren geografischen Sinn durch den Bereich des Murettopasses von den benachbarten Gebirgsgruppen getrennt.[2]

Die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien verläuft über einen beträchtlichen Teil des Hochgebirgskamms. Mehrere Gipfel befinden sich unmittelbar auf der Grenze, während der Hauptgipfel des Piz Bernina vollständig auf Schweizer Gebiet liegt.

Die Berninagruppe bildet zugleich einen Teil der europäischen Hauptwasserscheide. Wasser von der Nordseite gelangt über den Inn und die Donau letztlich ins Schwarze Meer, während die Süd- und Ostseite über Flüsse wie Poschiavino, Adda und Po zum Mittelmeer entwässert wird.

Gipfel

Die Berninagruppe besitzt eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Gipfeln über 3500 Metern. Zentrum und höchster Punkt des Massivs ist der Piz Bernina.

Zu den wichtigsten Gipfeln gehören:

Gipfel Höhe Lage
Piz Bernina 4048,6 m ü. M. Schweiz
Piz Zupò 3996 m ü. M. Schweiz/Italien
Piz Roseg 3937 m ü. M. Schweiz/Italien
Bellavista 3920 m ü. M. Schweiz/Italien
Piz Palü 3900 m ü. M. Schweiz/Italien
Crast’ Agüzza 3869 m ü. M. Schweiz/Italien
Piz Morteratsch 3751 m ü. M. Schweiz

Der Piz Bernina ist nicht nur der höchste Gipfel der Gruppe, sondern auch der höchste Berg des Kantons Graubünden. Seine markante Nordseite mit dem berühmten Biancograt gehört zu den bekanntesten Bergansichten der Ostalpen.

Der Piz Zupò ist mit 3996 m der zweithöchste Gipfel des Berninamassivs. Sein Name wird mit dem romanischen Wort für «versteckt» in Verbindung gebracht, da der Berg von der Schweizer Seite teilweise durch benachbarte Gipfel verdeckt wird.[3]

Der Piz Roseg erreicht 3937 m und bildet im westlichen Teil der Gruppe eine besonders eindrückliche Berggestalt. Er dominiert zusammen mit dem Piz Bernina den Talschluss der Val Roseg.[4]

Der Piz Palü ist für seine drei Gipfel und seine mächtigen, von Eis durchzogenen Nordwände bekannt. Der höchste Punkt erreicht 3900 m. Vom Aussichtspunkt Diavolezza bietet sich eines der bekanntesten Panoramen auf den Piz Palü und das zentrale Berninamassiv.[5]

Die Bellavista ist kein einzelner Berggipfel, sondern ein lang gezogener Grat mit mehreren Erhebungen. Der höchste Punkt liegt auf 3920 m. Der Name bedeutet sinngemäss «schöne Aussicht».[6]

Piz Bernina

Hauptartikel: Piz Bernina

Der Piz Bernina bildet das Zentrum und den höchsten Punkt der Berninagruppe. Mit 4048,6 m ü. M. ist er der einzige Viertausender der Ostalpen.[1]

Besonders bekannt ist der Biancograt, ein auffälliger Firngrat auf der Nordseite des Berges. Aufgrund seiner eleganten Form wird er zu den klassischen Hochgebirgsrouten der Alpen gezählt. Der Grat führt über den Piz Bianco zum Hauptgipfel des Piz Bernina.

Die erste nachgewiesene Besteigung des Hauptgipfels gelang am 13. September 1850 dem Bündner Topografen und späteren Oberforstinspektor Johann Wilhelm Coaz zusammen mit den Brüdern Jon und Lorenz Ragut Tscharner. Die Gruppe stieg vom Gebiet des Berninapasses über den Morteratschgletscher und den Ostgrat auf.[1]

Coaz führte damals Vermessungsarbeiten im Gebiet durch und gab dem zuvor namenlosen höchsten Gipfel den Namen Piz Bernina.

Gletscher

Die Berninagruppe gehört zu den am stärksten vergletscherten Gebieten Graubündens. Die grossen Firnfelder und Gletscher haben die Landschaft während der Eiszeiten und bis in die Gegenwart wesentlich geprägt.

Der bekannteste Gletscher ist der Morteratschgletscher. Er fliesst aus dem Hochgebirge nach Norden in Richtung Morteratsch und Pontresina. Sein Gletschervorfeld ist heute über einen Wanderweg vom Bahnhof Morteratsch erreichbar.

Östlich des zentralen Berninamassivs liegt der Persgletscher. Er wird von den Gipfeln des Piz Palü, der Bellavista und des Piz Zupò eingerahmt und bildet zusammen mit der umliegenden Hochgebirgslandschaft eines der charakteristischen Panoramen, die von der Diavolezza sichtbar sind.

Westlich des Piz Bernina befinden sich der Tschiervagletscher und der Roseggletscher. Beide entwässern in Richtung Val Roseg. Der Roseggletscher besitzt ein ausgedehntes Gletschervorfeld am Ende des Tales.

Auf der italienischen Südseite liegen weitere grosse Gletscherflächen, insbesondere die verschiedenen Bereiche des Fellariagletschers.

Wie nahezu alle Alpengletscher sind auch die Gletscher der Berninagruppe seit dem Ende der Kleinen Eiszeit deutlich zurückgegangen. Besonders am Morteratschgletscher lässt sich die Veränderung der Gletscherzunge in der Landschaft gut erkennen.[7]

Geologie

Ein grosser Teil des zentralen Berninamassivs besteht aus kristallinen Tiefengesteinen. Besonders charakteristisch ist der sogenannte Berninadiorit. Obwohl das Gestein oberflächlich Granit ähneln kann, handelt es sich mineralogisch überwiegend um Diorit.

Der Schweizer Alpen-Club weist darauf hin, dass der Berninadiorit hauptsächlich aus Plagioklasfeldspat und Hornblende aufgebaut ist. Das Gestein entstand bereits lange vor der eigentlichen Alpenbildung aus Magma, das in der Tiefe langsam erstarrte.[8]

Während der späteren Entstehung der Alpen wurden diese älteren Gesteinskörper angehoben, verfaltet und in den heutigen Gebirgsbau einbezogen. Neben Dioriten treten in der weiteren Berninaregion auch Granite, Granodiorite, Gneise und andere kristalline Gesteine auf.

Die widerstandsfähigen Tiefengesteine tragen wesentlich zu den steilen Graten, Felspfeilern und markanten Gipfelformen des Berninamassivs bei.

Täler

Mehrere bedeutende Täler erschliessen die Berninagruppe.

Die Val Morteratsch führt von der Umgebung von Pontresina unmittelbar zum Morteratschgletscher. Durch das Tal verläuft einer der bekanntesten Gletscherwanderwege Graubündens.

Westlich davon zieht sich die Val Roseg tief in das Massiv hinein. Das Tal wird von Piz Roseg, Piz Scerscen, Piz Bernina und Piz Morteratsch umrahmt und endet vor den Gletschern Roseg und Tschierva.

Auf der Ostseite grenzt die Gebirgsgruppe an das Gebiet des Berninapasses und das obere Valposchiavo. Südlich der Grenze fällt das Gebirge zu mehreren Seitentälern des Veltlins ab.

Berninapass

Hauptartikel: Berninapass

Der Berninapass liegt östlich des Hauptmassivs und verbindet das Oberengadin mit dem Valposchiavo. Er bildet seit Jahrhunderten einen wichtigen Übergang zwischen den Gebieten nördlich und südlich der Alpen.

Über den Pass führen die Passstrasse und die Berninabahn. Die Bahnstrecke erreicht beim Bahnhof Ospizio Bernina auf 2253 m ü. M. ihren höchsten Punkt.

Die Berninabahn erschliesst die Ostseite des Gebirges und ermöglicht unter anderem den Zugang zur Diavolezza, zum Morteratschgebiet und zum Piz Palü. Sie ist heute Teil der Rhätischen Bahn und verbindet St. Moritz über Pontresina und Poschiavo mit dem italienischen Tirano.

Alpinismus

Die Berninagruppe zählt seit dem 19. Jahrhundert zu den klassischen Gebieten des Alpinismus in der Schweiz. Die frühen Besteigungen standen teilweise in engem Zusammenhang mit der topografischen Vermessung der Alpen.

Die Erstbesteigung des Piz Bernina durch Johann Coaz und seine Begleiter im Jahr 1850 war ein wichtiger Meilenstein. In den folgenden Jahrzehnten wurden auch die anderen grossen Gipfel und Grate systematisch erschlossen.

Heute gehören unter anderem Besteigungen von Piz Bernina, Piz Palü, Piz Roseg, Piz Morteratsch und Piz Zupò zu den bekannten Hochtouren der Region. Viele Routen verlaufen über Gletscher, Firngrate und kombiniertes Fels- und Eisgelände.

Der Biancograt am Piz Bernina gilt als eine der berühmtesten Firngrat-Routen der Alpen. Auch die Überschreitung des Piz Palü mit seinen drei Gipfeln gehört zu den klassischen Unternehmungen des Berninagebiets.[9]

Aufgrund der Höhenlage, der Vergletscherung und der teilweise anspruchsvollen Routen erfordern die meisten Gipfeltouren alpine Erfahrung und entsprechende Ausrüstung. Gletscherspalten, Steinschlag, Eisabbrüche und schnell wechselnde Wetterbedingungen gehören zu den typischen Gefahren.

Berghütten und Ausgangspunkte

Wichtige Stützpunkte für Touren in der Berninagruppe sind mehrere Berghütten auf schweizerischer und italienischer Seite.

Die Chamanna da Boval liegt oberhalb des Morteratschgletschers und dient als Ausgangspunkt für verschiedene Touren im nördlichen Teil des Massivs.

Die Chamanna da Tschierva befindet sich oberhalb der Val Roseg und ist unter anderem ein wichtiger Ausgangspunkt für Touren auf Piz Morteratsch und Piz Bernina.

Die Chamanna Coaz liegt am westlichen Rand des Berninamassivs oberhalb der Val Roseg und wurde nach Johann Coaz benannt.

Auf der italienischen Seite befindet sich das Rifugio Marco e Rosa in rund 3600 Metern Höhe. Es ist ein wichtiger Stützpunkt für Besteigungen des Piz Bernina von Süden und für Überschreitungen des zentralen Berninamassivs.

Ein besonderer touristischer Ausgangspunkt ist die Diavolezza auf 2978 m ü. M. Sie ist mit einer Luftseilbahn erreichbar und bietet einen weiten Blick auf Piz Palü, Bellavista, Piz Zupò, Piz Bernina und die Gletscherwelt des Massivs.[10]

Tourismus

Neben dem klassischen Alpinismus spielt die Berninagruppe eine wichtige Rolle für den Tourismus im Oberengadin. Pontresina entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Ausgangspunkt für Bergsteiger, Naturforscher und Reisende.

Heute führen zahlreiche Wanderwege in die Val Morteratsch und die Val Roseg. Die Diavolezza ermöglicht auch Besuchern ohne hochalpine Erfahrung einen unmittelbaren Blick auf die Gletscher und Gipfel der Berninagruppe.

Die Rhätische Bahn erschliesst mit ihren Stationen in Pontresina, Morteratsch, Bernina Suot und Bernina Diavolezza den nördlichen und östlichen Rand des Massivs. Dadurch gehört die Berninagruppe zu den verkehrstechnisch vergleichsweise gut erreichbaren Hochgebirgslandschaften der Alpen.

Im Winter besitzt das Gebiet Bedeutung für Skitouren und den Wintersport. Hochtouren und Gletscherüberschreitungen bleiben jedoch auch im Winter und Frühjahr anspruchsvolle alpine Unternehmungen.

Natur und Landschaft

Die grossen Höhenunterschiede der Berninagruppe schaffen unterschiedliche Lebensräume. In den unteren Bereichen wachsen Lärchen-, Arven- und Bergföhrenwälder. Oberhalb der Waldgrenze folgen alpine Rasen, Geröllflächen und Felsregionen.

In den höchsten Bereichen bestimmen Firn, Gletscher und nahezu vegetationsfreie Felslandschaften das Bild. Typische alpine Tierarten der Region sind Steinbock, Gämse, Murmeltier und Steinadler.

Von grosser landschaftlicher Bedeutung ist der Übergang vom bewaldeten Oberengadin zu den ausgedehnten Eisflächen des Hochgebirges. Besonders von der Diavolezza und aus den Tälern Morteratsch und Roseg sind die unterschiedlichen Höhenstufen deutlich sichtbar.

Bedeutung für Graubünden

Die Berninagruppe gehört zu den landschaftlichen Wahrzeichen des Kantons Graubünden. Der Piz Bernina bildet als höchster Punkt des Kantons eine der wichtigsten geografischen Landmarken.

Das Massiv verbindet mehrere für Graubünden charakteristische Landschaftsräume: das romanisch geprägte Oberengadin, das italienischsprachige Valposchiavo und die hochalpine Grenzregion zu Italien.

Die Kombination aus hohen Gipfeln, grossen Gletschern, traditionsreicher Alpingeschichte und guter touristischer Erschliessung hat der Berninagruppe eine weit über Graubünden hinausreichende Bekanntheit verschafft.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Schweizer Alpen-Club: 150 Jahre Piz «Coaz» – Zur Erstbesteigung des Piz Bernina, abgerufen am 15. August 2026.
  2. Enciclopedia Italiana: Bernina, abgerufen am 15. August 2026.
  3. Schweizer Alpen-Club: Piz Zupò, abgerufen am 15. August 2026.
  4. Schweizer Alpen-Club: Piz Roseg, abgerufen am 15. August 2026.
  5. Schweizer Alpen-Club: Piz Palü, abgerufen am 15. August 2026.
  6. Schweizer Alpen-Club: Bellavista, abgerufen am 15. August 2026.
  7. Graubünden Ferien: Aussichtsweg Morteratschgletscher, abgerufen am 15. August 2026.
  8. Schweizer Alpen-Club: Typischer Granitberg? Nicht ganz! – Piz Bernina, abgerufen am 15. August 2026.
  9. Schweizer Alpen-Club: Palü und Bernina, abgerufen am 15. August 2026.
  10. Graubünden Ferien: Berninamassiv und Piz Bernina, abgerufen am 15. August 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Berninagruppe