Chinagarten Zürich

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Der Chinagarten Zürich ist eine chinesische Gartenanlage im Quartier Seefeld im Kreis 8 der Stadt Zürich. Er liegt bei der Blatterwiese am Zürichhorn unmittelbar am rechten Ufer des Zürichsees. Der Garten wurde 1993 errichtet und im Frühjahr 1994 offiziell eröffnet. Er war ein Geschenk der chinesischen Partnerstadt Kunming an die Bevölkerung Zürichs und erinnert an die langjährige Zusammenarbeit beider Städte, insbesondere bei der Trinkwasserversorgung und Stadtentwässerung.[1]

Chinagarten Zürich
Ort Zürich
Stadtkreis Kreis 8
Quartier Seefeld
Lage Blatterwiese beim Zürichhorn
Bau 1993
Eröffnung Frühjahr 1994
Schenkerin Stadt Kunming, China
Gartentyp chinesischer Tempelgarten
Hauptthema «Drei Freunde im Winter»
Betrieb Grün Stadt Zürich
Öffnungszeiten November–April: 11–17 Uhr
Mai–Oktober: 11–19 Uhr
Zugang ganzjährig
Website stadt-zuerich.ch

Der Chinagarten gilt nach Angaben der Stadt Zürich als einer der bedeutenden chinesischen Tempelgärten ausserhalb Chinas.[1] Die Anlage ist als Gesamtkunstwerk konzipiert, in dem Architektur, Wasser, Felsen, Pflanzen, Wege, Malerei, Inschriften und symbolische Formen aufeinander abgestimmt sind.

Im Mittelpunkt der Gestaltung steht das traditionelle chinesische Motiv der «Drei Freunde im Winter»: Föhre, Bambus und Winterkirsche. Die drei Pflanzen behalten auch während der kalten Jahreszeit ihre besondere Ausdruckskraft und stehen in der chinesischen Kultur für Eigenschaften wie Beständigkeit, Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit.

Lage

Der Chinagarten befindet sich am rechten Zürichseeufer auf der Blatterwiese beim Zürichhorn.

Die Anlage gehört zum Quartier Seefeld und liegt innerhalb eines der bedeutendsten zusammenhängenden Erholungsgebiete am unteren Zürichsee.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich:

  • die Blatterwiese;
  • das Zürichhorn;
  • der Pavillon Le Corbusier;
  • das Seefeldquai;
  • mehrere Spiel- und Liegewiesen;
  • Schiffsanlegestellen und Spazierwege am Zürichsee.

Die grosse Wiese unmittelbar beim Garten wird wegen des Chinagartens im Zürcher Sprachgebrauch teilweise auch als Chinawiese bezeichnet.[2]

Die Lage zwischen Zürichberg und Zürichsee besitzt auch im chinesischen Gartenverständnis eine besondere Qualität. Bei der Planung wurde darauf hingewiesen, dass der Ort nach den Prinzipien traditioneller chinesischer Geomantie für eine solche Gartenanlage besonders geeignet sei.[3]

Städtepartnerschaft Zürich–Kunming

Die Entstehung des Gartens ist unmittelbar mit der Städtepartnerschaft zwischen Zürich und Kunming verbunden.

Kunming ist die Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Yunnan. Zürich und Kunming begründeten ihre Städtepartnerschaft im Jahr 1982. Sie gehört zu den älteren Partnerschaften zwischen einer chinesischen und einer ausländischen Stadt.[4]

Zu Beginn stand vor allem der kulturelle Austausch im Mittelpunkt. Später entwickelte sich daraus eine umfangreiche fachliche Zusammenarbeit.

Zürcher Fachleute unterstützten Kunming insbesondere in den Bereichen:

  • Trinkwasserversorgung;
  • Stadtentwässerung;
  • öffentlicher Verkehr;
  • Verkehrsplanung;
  • Stadt- und Regionalentwicklung;
  • Denkmalschutz;
  • nachhaltige Stadtentwicklung.

Besonders bedeutsam war die technische Zusammenarbeit bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Als Zeichen des Dankes für diese Unterstützung schenkte Kunming der Stadt Zürich den Chinagarten.[1]

Bau des Gartens

Der Chinagarten wurde 1993 gebaut.

Die damalige Wasserversorgung Zürich ermöglichte das Projekt anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens.[3]

An der Realisierung beteiligten sich Gartenfachleute und Handwerker aus Kunming und Zürich. Die Arbeiten standen unter der Leitung des damaligen Gartenbauamtes der Stadt Zürich, aus dem später Grün Stadt Zürich hervorging.[3]

Die Zusammenarbeit chinesischer und schweizerischer Fachleute war notwendig, weil viele Bautechniken, architektonische Details und gestalterische Prinzipien nach traditionellen chinesischen Regeln ausgeführt wurden.

Die Pavillons beispielsweise wurden in traditioneller Holzbauweise weitgehend ohne die in der modernen europäischen Bauweise üblichen Nägel und Schrauben errichtet.

Eröffnung

Die offizielle Einweihung des Gartens erfolgte im Frühjahr 1994.

An der Eröffnung nahmen unter anderem der damalige Bürgermeister von Kunming sowie der frühere Zürcher Stadtpräsident Josef Estermann teil.[5]

Der Garten wurde als dauerhaftes Zeichen der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Zürich und Kunming der Öffentlichkeit übergeben.

Im Gegensatz zu einer einfachen Parkanlage sollte er nicht nur der Erholung dienen, sondern zugleich chinesische Gartenkunst, Philosophie und Kultur vermitteln.

Chinesische Gartenkunst

Traditionelle chinesische Gärten unterscheiden sich grundlegend von geometrisch angelegten europäischen Barockgärten.

Im Mittelpunkt steht nicht die Beherrschung der Natur durch streng symmetrische Formen. Vielmehr soll eine idealisierte Landschaft entstehen, in der scheinbar natürliche Elemente bewusst komponiert werden.

Berge und Wasser bilden dabei zwei grundlegende Bestandteile.

Das chinesische Wort für Landschaft wird traditionell mit den Begriffen Berg und Wasser verbunden. Die beiden Elemente können zugleich als Ausdruck des Gegensatzpaares Yin und Yang verstanden werden.

Felsen stehen für Dauerhaftigkeit, Stabilität und Berge. Wasser schafft Bewegung, Spiegelung und räumliche Tiefe.

Der Garten soll nicht von einem einzigen Aussichtspunkt vollständig überblickt werden können. Besucherinnen und Besucher entdecken beim Gehen ständig neue Bilder, Perspektiven und räumliche Beziehungen.

Gestaltungsprinzipien

Nach Angaben der Stadt Zürich beruht die Konzeption des Chinagartens auf drei grundlegenden Ebenen.[1]

Die erste betrifft die Anordnung der Objekte. Dazu gehören Gebäude, künstlicher See, Insel, Brücken und Felsformationen.

Die zweite betrifft die Gliederung des Raumes. Mauern, Tore, Gebäude und bepflanzte Bereiche teilen den Garten in unterschiedliche Räume und Sichtfelder.

Die dritte Ebene ist der Bewegungsablauf. Wege, Durchgänge, Brücken und Galerien bestimmen, wie Besucherinnen und Besucher die Anlage erleben.

Dadurch entsteht kein geradliniger Rundgang. Immer wieder verändern sich Blickrichtung und Perspektive.

Die Gartenmauer

Der gesamte Chinagarten ist von einer markanten roten Mauer umgeben.

Sie trennt den inneren Garten optisch und akustisch von der umliegenden Blatterwiese und der Stadt.

Die Mauer erfüllt damit nicht nur eine praktische Funktion. Sie schafft einen eigenständigen Raum, in dem die Aussenwelt bewusst zurücktritt.

Über der Mauer sind geschwungene chinesische Dächer sichtbar. Dadurch ist die Anlage bereits aus einiger Entfernung deutlich erkennbar.

Nach dem Durchschreiten des Eingangstors verändert sich die Raumwirkung grundlegend. Besucherinnen und Besucher gelangen aus dem offenen Park in eine kleinteilige, stark gestaltete Gartenlandschaft.

Haupttor

Das Haupttor bildet den repräsentativen Eingang des Gartens.

Die rote Farbgebung besitzt in der chinesischen Kultur eine positive Bedeutung und wird unter anderem mit Glück, Freude und Wohlstand verbunden.

Bestimmte architektonische Elemente des Tores orientieren sich an traditionellen chinesischen Gartenanlagen.

In Zentralchina waren manche Gestaltungsmerkmale ursprünglich dem Kaiser vorbehalten. In Yunnan und insbesondere in Kunming wurden ähnliche Formen jedoch seit Jahrhunderten auch bei Gartenanlagen verwendet.

Vor dem Eingang stehen zwei chinesische Wächterlöwen.

Solche Löwenfiguren werden traditionell paarweise vor bedeutenden Gebäuden und Toranlagen aufgestellt. Sie sollen symbolisch Schutz bieten.

Nebentor und Mondtor

Neben dem repräsentativen Eingang finden sich innerhalb des Gartens weitere Durchgänge.

Besonders charakteristisch ist das Mondtor.

Seine kreisrunde Öffnung rahmt beim Hindurchgehen jeweils einen Ausschnitt des dahinterliegenden Gartens. Der Kreis steht traditionell für Vollständigkeit, Harmonie und Einheit.

Das Tor ist damit gleichzeitig architektonisches Element und bewusst gesetzter Bilderrahmen.

Durch solche Öffnungen werden im chinesischen Garten einzelne Ansichten wie Landschaftsgemälde inszeniert.

Teich

Im Zentrum der Anlage befindet sich ein künstlicher Teich.

Er ist eines der wichtigsten Gestaltungselemente des Gartens und verbindet die verschiedenen Gebäude, Brücken und Felsformationen miteinander.[1]

Die Wasseroberfläche spiegelt Dächer, Pflanzen, Himmel und Felsen.

Durch diese Spiegelungen verändert sich die Erscheinung des Gartens je nach Wetter, Tageszeit und Jahreszeit.

Der Teich besitzt eine kleine Insel, die über verschiedene Brücken erreichbar ist.

Wasser symbolisiert in der chinesischen Gartenkunst Beweglichkeit und Lebenskraft. Gleichzeitig bildet es den Gegenpol zu den festen Felsen.

Insel

Im Teich befindet sich eine kleine künstliche Insel.

Inseln besitzen in der chinesischen Gartenkunst eine lange Tradition und können auf mythologische Vorstellungen von Inseln der Unsterblichen verweisen.

Die Insel des Zürcher Gartens wird durch Brücken mit dem übrigen Garten verbunden.

Dadurch entsteht ein räumliches Zentrum innerhalb der Wasserfläche.

Auf der Insel steht ein Pavillon, von dem aus sich verschiedene Teile des Gartens betrachten lassen.

Inselpavillon

Der runde Inselpavillon bildet einen der optischen Mittelpunkte der Anlage.

Er ist so positioniert, dass von ihm aus Wasser, Felsen, Pflanzen, Galerien und weitere Pavillons in unterschiedlichen Kombinationen sichtbar werden.

Der Pavillon dient nicht primär als abgeschlossener Innenraum. Seine offene Bauweise verbindet Architektur und Landschaft.

Besucherinnen und Besucher können von dort gleichzeitig geschützt sitzen und die umgebende Gartenlandschaft betrachten.

Diese Verbindung von Gebäude und Natur ist ein typisches Merkmal traditioneller chinesischer Gartenarchitektur.

Zickzackbrücke

Zu den bekanntesten Elementen des Gartens gehört die Zickzackbrücke.

Ihre mehrfach abgewinkelte Form besitzt nicht nur gestalterischen, sondern auch symbolischen Charakter.

Nach einer traditionellen Vorstellung können böse Geister nur geradeaus gehen. Eine Brücke mit scharfen Richtungswechseln soll sie deshalb daran hindern, einem Menschen zu folgen.

Gleichzeitig zwingt die Brücke die Besucherinnen und Besucher, beim Überqueren wiederholt die Richtung zu wechseln.

Dadurch eröffnen sich ständig neue Ausblicke auf Wasser, Gebäude, Felsen und Pflanzen.

Bogenbrücke

Neben der Zickzackbrücke besitzt der Garten eine weitere charakteristische Brücke mit bogenförmiger Gestaltung.

Brücken übernehmen in chinesischen Gärten mehrere Aufgaben. Sie schaffen eine funktionale Verbindung, gliedern die Wasserfläche und dienen selbst als Blickfang.

Gemeinsam mit ihrer Spiegelung im Wasser können Bogenbrücken optisch eine annähernd kreisförmige Form bilden.

Die verschiedenen Brückentypen verhindern zugleich eine monotone Gestaltung der Wasserlandschaft.

Wasserpalais

Das Wasserpalais ist eines der wichtigsten Gebäude des Chinagartens.

Es liegt unmittelbar am Teich und besitzt eine Terrasse mit Blick über die Wasserfläche.

Von diesem Standort sind zahlreiche Hauptelemente der Anlage gleichzeitig sichtbar: Teich, Inselpavillon, Brücken, künstlicher Berg, Pflanzen und Teile der Gartenmauer.

Das Gebäude bildet deshalb einen zentralen Aussichtspunkt innerhalb der Komposition.

Wie andere Gebäude des Gartens ist auch das Wasserpalais reich mit farbigen und ornamental gestalteten Bauteilen ausgestattet.

Pavillon der Kaiserin

Zu den weiteren Gebäuden gehört der sogenannte Pavillon der Kaiserin.

Seine sechseckige Form besitzt symbolische Bedeutung. In der chinesischen Zahlensymbolik können die sechs Ecken unter anderem mit Erfolg und günstiger Entwicklung verbunden werden.

Der Pavillon zeigt zugleich, dass geometrische Formen in chinesischen Gartenanlagen bewusst variiert werden.

Runde, rechteckige, sechseckige und andere Grundformen treten nebeneinander auf und erzeugen unterschiedliche räumliche Wirkungen.

Offene Galerien

Überdachte offene Galerien verbinden verschiedene Teile des Gartens.

Sie ermöglichen es, sich auch bei Regen geschützt durch die Anlage zu bewegen.

Gleichzeitig besitzen die Galerien eine wichtige gestalterische Funktion.

Öffnungen, Stützen und Fenster formen den Blick auf den Garten. Beim Gehen entstehen fortlaufend neue gerahmte Ansichten.

Die Architektur wird dadurch zu einem Mittel der Landschaftsinszenierung.

Künstlicher Berg

Eine markante Felsformation bildet den künstlichen Berg.

Felsen besitzen in der chinesischen Gartengestaltung eine ähnlich grundlegende Bedeutung wie Wasser.

Sie werden mit Bergen, Beständigkeit und Dauer verbunden.

Gleichzeitig dienen Felsgruppen zur räumlichen Gliederung. Sie verdecken einzelne Bereiche, lenken Wege und verhindern, dass der Garten auf einen Blick vollständig erfasst werden kann.

Der künstliche Berg trägt damit wesentlich zur Wahrnehmung des Gartens als verkleinerte Landschaft bei.

Drei Freunde im Winter

Das wichtigste botanische und symbolische Thema des Gartens sind die «Drei Freunde im Winter».

Gemeint sind:

  • Föhre beziehungsweise Kiefer;
  • Bambus;
  • Winterkirsche.

Diese Pflanzen trotzen auf unterschiedliche Weise der kalten Jahreszeit und besitzen deshalb in der chinesischen Kultur besondere symbolische Bedeutung.[1]

Die immergrüne Föhre steht unter anderem für Beständigkeit und Tugend.

Der Bambus bleibt auch unter Belastung biegsam und wird mit Widerstandsfähigkeit, Bescheidenheit und charakterlicher Stärke verbunden.

Die früh blühende Winterkirsche beziehungsweise Winterpflaume steht für neues Leben und Hoffnung.

Gemeinsam verkörpern die drei Pflanzen die Fähigkeit, schwierige Zeiten zu überstehen.

Pflanzenwelt

Die Pflanzen des Chinagartens wurden nicht ausschliesslich nach dekorativen Gesichtspunkten ausgewählt.

In der chinesischen Gartenkunst besitzen viele Pflanzen eine symbolische oder literarische Bedeutung.

Neben Föhre, Bambus und Winterkirsche finden sich verschiedene Bäume, Sträucher und Blütenpflanzen.

Ihre Stellung im Garten wurde auf Gebäude, Wege, Felsen und Wasser abgestimmt.

Pflanzen können bestimmte Sichtachsen betonen, einzelne Bereiche abschirmen oder im Verlauf der Jahreszeiten unterschiedliche Farbakzente setzen.

Der Garten verändert dadurch während des Jahres kontinuierlich sein Erscheinungsbild.

Inschriften und Malereien

An Gebäuden und Toranlagen befinden sich verschiedene chinesische Inschriften und Malereien.

Sie sind kein blosser dekorativer Zusatz, sondern Teil des Gesamtkonzepts.

Die Darstellungen weisen teilweise auf die besondere Kultur Yunnans hin. In dieser südwestchinesischen Region verbinden sich Elemente der traditionellen Han-Kultur mit Einflüssen verschiedener ethnischer Minderheiten.[3]

Spruchpaare und Schriftzeichen ergänzen die Architektur um literarische und philosophische Ebenen.

Damit verbindet der Garten Natur, bildende Kunst, Architektur und Dichtung.

Kunming und Yunnan

Kunming liegt im Südwesten Chinas und ist Hauptstadt der Provinz Yunnan.

Das regionale Klima, die vielfältige Pflanzenwelt und die kulturelle Vielfalt Yunnans beeinflussten die Gestaltung des Zürcher Gartens.

Die Anlage ist deshalb nicht einfach eine allgemeine Nachbildung eines beliebigen chinesischen Gartens.

Viele architektonische und dekorative Einzelheiten weisen bewusst auf Kunming und Yunnan hin.

Das Eingangstor und verschiedene Inschriften stellen dadurch zugleich eine Verbindung zur Partnerstadt her.

Gesamtkunstwerk

Die Stadt Zürich bezeichnet den Chinagarten als ein Gesamtkunstwerk, das Natur, Kunst, Philosophie und Dichtung miteinander verbindet.[5]

Keine der einzelnen Komponenten soll isoliert betrachtet werden.

Der Teich erhält seine Wirkung durch die umgebenden Gebäude und Felsen. Pavillons werden durch Pflanzen und Wasser ergänzt. Öffnungen in Mauern und Galerien schaffen gezielte Ausschnitte der Landschaft.

Auch der Weg durch den Garten ist Teil der Gestaltung.

Er führt nicht möglichst schnell von einem Punkt zum anderen, sondern soll zum langsamen Gehen, Beobachten und wiederholten Wechsel der Perspektive anregen.

Ruhe und Rückzug

Obwohl sich der Garten in einem stark besuchten Freizeitgebiet befindet, ist er bewusst als ruhiger Innenraum gestaltet.

Die geschlossene Gartenmauer reduziert visuelle Ablenkungen durch die Blatterwiese und die Umgebung.

Innerhalb der Anlage führen kleine Wege, Pavillons und Sitzmöglichkeiten zu unterschiedlichen Aufenthaltsorten.

Die Stadt Zürich beschreibt den Aufenthalt deshalb auch als beinahe meditative Erfahrung.[1]

Der Kontrast zwischen der grossen offenen Chinawiese ausserhalb und der stark gegliederten Gartenanlage im Inneren ist ein wesentlicher Teil des Erlebnisses.

Betrieb und Unterhalt

Nach seiner Eröffnung stand der Chinagarten zunächst in enger Verbindung mit der Wasserversorgung Zürich.

Im Jahr 2010 ging die Zuständigkeit für Unterhalt und Betrieb an Grün Stadt Zürich über.[6]

Die Pflege ist vergleichsweise aufwendig.

Neben Pflanzen und Wasseranlagen müssen insbesondere die traditionellen Holzkonstruktionen, Dächer, Malereien und dekorativen Elemente erhalten werden.

Die teilweise nach chinesischen Handwerkstechniken errichteten Gebäude erfordern dabei besondere Fachkenntnisse.

Renovierung der Pavillons

Nach mehr als zwei Jahrzehnten zeigten verschiedene Bauteile Schäden.

Besonders betroffen waren Dächer und darunterliegende Holzkonstruktionen der Pavillons.

Ab Herbst 2015 führte die Stadt umfangreiche Renovierungsarbeiten durch.[7]

Die Instandsetzung war technisch anspruchsvoll, weil die Pavillons nach traditioneller Bauweise weitgehend ohne Nägel und Schrauben konstruiert worden waren.

Während der Arbeiten blieb der Garten zeitweise mit Einschränkungen geöffnet.

Auch 2017 waren noch Teile der Sanierung im Gang.[8]

Ganzjährige Öffnung

Während vieler Jahre war der Chinagarten nur während der wärmeren Jahreszeit geöffnet und der Zutritt kostenpflichtig.

Bis 2019 dauerte die reguläre Saison im Wesentlichen vom Frühjahr bis zum Herbst. Erwachsene bezahlten zuletzt vier Franken Eintritt, für Kinder und Personen mit Ermässigung galt ein reduzierter Tarif.[6]

Seit 2020 wurde in einem Pilotversuch ein ganzjähriger und kostenloser Zugang eingeführt.

Das neue Konzept erwies sich als erfolgreich.

2021 wurden rund 78'000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Vor 2020 hatte die jährliche Zahl durchschnittlich bei rund 35'000 gelegen.[6]

Die Stadt entschied sich deshalb für eine Fortführung des ganzjährigen Zugangs.

Öffnungszeiten

Der Chinagarten ist heute während des ganzen Jahres zugänglich.

Die regulären Öffnungszeiten sind:[1]

Zeitraum Öffnungszeiten
November bis April täglich 11.00–17.00 Uhr
Mai bis Oktober täglich 11.00–19.00 Uhr

Hunde dürfen den Garten nicht betreten.

Die Öffnungszeiten können bei besonderen Veranstaltungen, Unterhaltsarbeiten oder aussergewöhnlichen Situationen angepasst werden.

Führungen

Grün Stadt Zürich bietet fachliche Führungen durch den Chinagarten an.

Dabei werden unter anderem folgende Themen erläutert:

  • chinesische Gartengestaltung;
  • Symbolik der Pflanzen;
  • Architektur der Pavillons;
  • Bedeutung von Wasser und Felsen;
  • chinesische Zahlen- und Tiersymbolik;
  • Geschichte der Städtepartnerschaft Zürich–Kunming.

Führungen machen insbesondere deutlich, dass zahlreiche scheinbar dekorative Elemente eine kulturelle oder philosophische Bedeutung besitzen.

Auch für private Gruppen können Führungen organisiert werden.[1]

Blatterwiese

Der Chinagarten liegt unmittelbar an der grossen Blatterwiese.

Sie gehört zum Zürichhorn und zählt zu den beliebtesten öffentlichen Grünflächen am rechten Zürichseeufer.

Die Wiese wird zum Sonnenbaden, Spielen, Picknicken und für Freizeitaktivitäten genutzt.

Wegen des unmittelbar angrenzenden Gartens wird sie im Volksmund häufig Chinawiese genannt.[2]

Der offene Charakter der Wiese bildet einen starken Gegensatz zur ummauerten und kleinteilig strukturierten chinesischen Gartenanlage.

Zürichhorn

Das Zürichhorn ist eine landschaftlich bedeutende Landzunge am rechten Zürichseeufer.

Das heutige Erscheinungsbild entstand im Verlauf von mehr als hundert Jahren durch Ufergestaltung, Aufschüttungen und verschiedene Gartenbauprojekte.

Eine wichtige Phase war die Schweizerische Gartenbau-Ausstellung G59 im Jahr 1959.

Von dieser Ausstellung stammen verschiedene Elemente der heutigen Parklandschaft.

Der Chinagarten fügte dem Gebiet 1994 eine weitere eigenständige Gartenanlage hinzu.[2]

Pavillon Le Corbusier

Nur wenige Gehminuten vom Chinagarten entfernt steht der Pavillon Le Corbusier.

Das 1967 eröffnete Gebäude ist der letzte verwirklichte Entwurf des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier und sein einziges realisiertes Gebäude in der deutschsprachigen Schweiz.[9]

Die unmittelbare Nachbarschaft zweier völlig unterschiedlicher Architekturtraditionen ist eine Besonderheit des Zürichhorns.

Der Chinagarten repräsentiert traditionelle chinesische Garten- und Holzarchitektur, während der Pavillon Le Corbusier ein Werk der europäischen Moderne des 20. Jahrhunderts ist.

Touristische Bedeutung

Der Chinagarten gehört zu den besonderen touristischen Sehenswürdigkeiten Zürichs.

Im Unterschied zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Altstadt entstand er erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Seine Lage direkt am Zürichsee ermöglicht es, einen Besuch mit Spaziergängen entlang des Seeufers, dem Zürichhorn und dem Pavillon Le Corbusier zu verbinden.

Auch für Einwohnerinnen und Einwohner Zürichs ist die Anlage ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel.

Die Kombination aus Gartenkunst, Architektur und ruhiger Atmosphäre unterscheidet ihn von den grossen frei zugänglichen Parkanlagen der Umgebung.

Öffentlicher Verkehr

Der Chinagarten ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Über die nahe Seefeldstrasse verkehren Tramlinien der Verkehrsbetriebe Zürich. Von den Haltestellen im Seefeld ist der Garten in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar.

Regionalbuslinien bedienen normalerweise auch eine nach dem Garten benannte Haltestelle Chinagarten an der Bellerivestrasse.

Wegen der umfangreichen Bauarbeiten an der Bellerivestrasse wird diese Bushaltestelle vom 11. August 2025 bis voraussichtlich Herbst 2026 vorübergehend nicht bedient.[10]

Auch über die Spazierwege entlang des Zürichsees ist der Garten vom Bellevue und von anderen Teilen des Seefelds gut zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar.

Bedeutung für die Städtepartnerschaft

Der Chinagarten ist eines der sichtbarsten dauerhaften Ergebnisse der Städtepartnerschaft zwischen Zürich und Kunming.

Viele internationale Städtepartnerschaften bestehen hauptsächlich aus Verwaltungs-, Kultur- und Austauschprogrammen. In Zürich entstand zusätzlich ein dauerhaftes Bau- und Gartendenkmal im öffentlichen Raum.

Der Garten erinnert insbesondere an die technische Zusammenarbeit im Bereich Wasser und Abwasser.

Dadurch besitzt das Thema Wasser im Garten eine zusätzliche Ebene: Wasser ist einerseits ein grundlegendes Element traditioneller chinesischer Landschaftsgestaltung und andererseits eng mit dem konkreten Anlass für das Geschenk verbunden.

Bedeutung innerhalb Zürichs

Der Chinagarten nimmt innerhalb der Zürcher Park- und Gartenlandschaft eine Sonderstellung ein.

Er ist weder ein klassischer öffentlicher Stadtpark noch ein botanischer Garten. Vielmehr handelt es sich um eine in sich geschlossene Gartenkomposition mit kultureller und symbolischer Bedeutung.

Die Anlage verbindet mehrere Themen:

  • internationale Beziehungen der Stadt Zürich;
  • traditionelle chinesische Gartenkunst;
  • Geschichte der Städtepartnerschaft mit Kunming;
  • Architektur und Handwerk;
  • Gartenbau;
  • kulturelle Symbolik;
  • Naherholung und Tourismus.

Seine Entstehung zeigt zugleich, wie technische Zusammenarbeit zwischen zwei Städten zu einem kulturellen Austausch führen kann.

Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung gehört der Garten zu den bekannten Sehenswürdigkeiten am rechten Zürichseeufer und bildet gemeinsam mit Blatterwiese, Zürichhorn und Pavillon Le Corbusier einen bedeutenden Freizeit- und Kulturraum.

Siehe auch

Einzelnachweise