Raiffeisen Schweiz

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 3. August 2026, 17:35 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:320px; margin:0 0 1em 1em;" ! colspan="2" | Raiffeisen Schweiz |- ! Vollständiger Name | Raiffeisen Schweiz Genossenschaft |- ! Frühere Namen | Schweizerischer Raiffeisenverband; Verband schweizerischer Darlehenskassen; Schweizer Verband der Raiffeisenkassen; Schweizer Verband der Raiffeisenbanken |- ! Unternehmensform | Genossenschaft |- ! Branche | Bankwesen |- ! Gründung | 25. September 19…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Raiffeisen Schweiz
Vollständiger Name Raiffeisen Schweiz Genossenschaft
Frühere Namen Schweizerischer Raiffeisenverband; Verband schweizerischer Darlehenskassen; Schweizer Verband der Raiffeisenkassen; Schweizer Verband der Raiffeisenbanken
Unternehmensform Genossenschaft
Branche Bankwesen
Gründung 25. September 1902
Sitz St. Gallen
Eigentümerinnen 212 selbstständige Raiffeisenbanken
Präsident des Verwaltungsrats Basil Heeb
Vorsitzender der Geschäftsleitung Gabriel Brenna
Genossenschaftskapital 3,031 Milliarden Franken (2025)
Bilanzsumme 80,782 Milliarden Franken (2025)
Jahresgewinn 37,0 Millionen Franken (2025)
Beschäftigte 2'316 Vollzeitstellen (2025)
BIC RAIFCH22XXX
Website raiffeisen.ch

Raiffeisen Schweiz ist die zentrale Organisation der schweizerischen Raiffeisenbanken. Die unter dem vollständigen Namen Raiffeisen Schweiz Genossenschaft eingetragene Institution hat ihren Sitz in St. Gallen und befindet sich vollständig im Eigentum der rechtlich selbstständigen regionalen Raiffeisenbanken. Sie führt die Raiffeisen Gruppe strategisch, nimmt gruppenweite Aufsichts- und Steuerungsaufgaben wahr und stellt den angeschlossenen Banken zentrale Dienstleistungen zur Verfügung.[1]

Raiffeisen Schweiz ist nicht mit einer einzelnen örtlichen Raiffeisenbank gleichzusetzen. Die Kundengeschäfte mit Privatpersonen und kleineren Unternehmen werden überwiegend durch die regional verankerten Raiffeisenbanken geführt. Raiffeisen Schweiz übernimmt dagegen Aufgaben wie die Gruppenstrategie, das Risikomanagement, die Refinanzierung, die Liquiditäts- und Eigenmittelsteuerung, den Wertschriftenhandel, die Entwicklung von Produkten sowie den Betrieb zentraler Informatik- und Transaktionssysteme.[2]

Gemeinsam mit den 212 selbstständigen Raiffeisenbanken und weiteren Gruppengesellschaften bildet Raiffeisen Schweiz die Raiffeisen Gruppe. Diese war Ende 2025 mit 761 Bankstellen, 3,77 Millionen Kundinnen und Kunden und 2,13 Millionen Genossenschaftsmitgliedern die zweitgrösste Bankengruppe der Schweiz und eine der bedeutendsten Retailbankengruppen des Landes.[3]

Abgrenzung zur Raiffeisen Gruppe

Die Begriffe Raiffeisen Schweiz, Raiffeisenbanken und Raiffeisen Gruppe bezeichnen unterschiedliche organisatorische Ebenen.

Raiffeisen Schweiz ist die zentrale Genossenschaft in St. Gallen. Ihre Mitglieder und Eigentümerinnen sind die regionalen Raiffeisenbanken. Sie führt die Gruppe strategisch und stellt zentrale Leistungen bereit.

Die Raiffeisenbanken sind rechtlich und organisatorisch selbstständige Genossenschaftsbanken. Jede Bank verfügt über einen eigenen Verwaltungsrat, eine eigene Bankleitung, eine eigene Jahresrechnung und einen klar abgegrenzten Geschäftskreis. Die Mitglieder einer örtlichen Raiffeisenbank sind Privatpersonen oder juristische Personen, die mindestens einen Anteilsschein besitzen.

Die Raiffeisen Gruppe umfasst Raiffeisen Schweiz, sämtliche angeschlossenen Raiffeisenbanken sowie die konsolidierten Gruppengesellschaften. Finanzielle Kennzahlen wie das gesamte Hypothekarvolumen, die Zahl der Kundinnen und Kunden oder der Gruppengewinn beziehen sich deshalb in der Regel auf die gesamte Gruppe und nicht allein auf Raiffeisen Schweiz.

Bezeichnung Rechtsstellung Hauptaufgaben
Raiffeisen Schweiz Zentrale Genossenschaft im Eigentum der Raiffeisenbanken Gruppenstrategie, Aufsicht, Risikosteuerung, Refinanzierung, Informatik, Produkte und zentrale Dienstleistungen
Regionale Raiffeisenbank Selbstständige lokale oder regionale Genossenschaftsbank Kundengeschäft, Beratung, Kreditvergabe, Einlagen- und Hypothekargeschäft im eigenen Geschäftskreis
Raiffeisen Gruppe Wirtschaftliche und aufsichtsrechtliche Einheit Gesamtheit von Raiffeisen Schweiz, Raiffeisenbanken und konsolidierten Gruppengesellschaften

Genossenschaftliches Modell

Die Raiffeisenorganisation beruht auf den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Solidarität. Die einzelnen Raiffeisenbanken gehören ihren Genossenschaftsmitgliedern. Raiffeisen Schweiz wiederum gehört den Raiffeisenbanken. Dadurch besteht eine zweistufige Eigentümerstruktur.

Die Mitglieder einer regionalen Raiffeisenbank zeichnen mindestens einen Anteilsschein. Sie besitzen Mitwirkungsrechte und können an der Generalversammlung oder an einer schriftlichen Urabstimmung teilnehmen. Unabhängig von der Anzahl der gehaltenen Anteilsscheine besitzt jedes Mitglied grundsätzlich eine Stimme. Damit unterscheidet sich die Genossenschaft von einer Aktiengesellschaft, in der die Stimmkraft meistens vom Umfang des investierten Kapitals abhängt.

Die Raiffeisenbanken üben ihre Eigentümerrechte gegenüber Raiffeisen Schweiz über die Generalversammlung, Eignerversammlungen und weitere gruppeninterne Gremien aus. Keine einzelne Raiffeisenbank hielt Ende 2025 mehr als fünf Prozent der Stimmrechte an Raiffeisen Schweiz.[2]

Ein grosser Teil der erwirtschafteten Gewinne wird nicht ausgeschüttet, sondern den Reserven zugewiesen. Im Geschäftsjahr 2025 wurden 91,3 Prozent des Gewinns der Raiffeisen Gruppe thesauriert. Dadurch soll die Eigenkapitalbasis kontinuierlich gestärkt werden.[3]

Geschichte

Ursprünge der Raiffeisenbewegung

Das Raiffeisenmodell geht auf den deutschen Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück. Er entwickelte im 19. Jahrhundert genossenschaftliche Darlehensvereine, die insbesondere der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Krediten und sicheren Sparmöglichkeiten verschaffen sollten.

In der Schweiz gab es bereits in den 1880er- und 1890er-Jahren erste Versuche, Kreditgenossenschaften nach diesem Vorbild zu gründen. Diese frühen Einrichtungen bestanden jedoch nicht dauerhaft.

Die erste langfristig erfolgreiche schweizerische Raiffeisenkasse wurde am 21. Dezember 1899 in Bichelsee im Kanton Thurgau gegründet. Zu den Initiatoren gehörten der katholische Pfarrer Johann Evangelist Traber, der Lehrer Simon Knecht und der Sticker Johann Köchli. Die Kasse nahm ihre Tätigkeit am 1. Januar 1900 mit 30 Mitgliedern auf.[4]

Traber verfasste die Statuten nach den Grundsätzen Friedrich Wilhelm Raiffeisens. Die neue Genossenschaft nahm Spareinlagen entgegen und vergab Kredite an landwirtschaftliche Betriebe, Handwerker und kleinere Unternehmen. Die Gewinne sollten in der Region verbleiben und der lokalen Gemeinschaft zugutekommen.

Gründung des Schweizerischen Raiffeisenverbands

Nach dem Vorbild von Bichelsee entstanden weitere lokale Darlehenskassen. Um gemeinsame Interessen zu vertreten, die angeschlossenen Kassen zu prüfen und einen gegenseitigen finanziellen Ausgleich zu ermöglichen, wurde am 25. September 1902 in Zürich der Schweizerische Raiffeisenverband gegründet.[4]

An der Gründungsversammlung waren 21 Kassen aus den Kantonen Basel-Landschaft, Solothurn, Schwyz, St. Gallen und Thurgau vertreten. Zehn Kassen traten dem Verband unmittelbar bei. Johann Evangelist Traber wurde erster Verbandspräsident.

Der Verband hatte zunächst seinen Sitz in Bichelsee. Seine Aufgaben umfassten die Beratung der angeschlossenen Genossenschaften, die Vereinheitlichung von Statuten und Geschäftsabläufen sowie die Kontrolle der Rechnungsführung. Eine gemeinsame Prüfung sollte das Vertrauen zwischen den einzelnen Kassen erhöhen.

Verlegung nach St. Gallen

Mit dem raschen Wachstum des Verbands nahmen dessen administrative Aufgaben zu. 1912 wurde der Sitz von Bichelsee nach St. Gallen verlegt. Dort bestanden bereits Beziehungen zur Schweizerischen Genossenschaftsbank, die seit 1906 den Geldausgleich und Teile der Buchführung für den Raiffeisenverband übernommen hatte.[4]

1915 entstand eine eigene Zentralkasse. Sie ermöglichte den finanziellen Ausgleich zwischen Raiffeisenkassen mit überschüssigen Einlagen und solchen mit einem erhöhten Kreditbedarf. Diese Funktion bildet einen historischen Vorläufer der heutigen Tresorerie- und Refinanzierungsaufgaben von Raiffeisen Schweiz.

Die Zahl der angeschlossenen Kassen stieg kontinuierlich. Im Jahr 1930 gehörten bereits 516 Raiffeisenkassen aus allen Landesteilen dem Verband an. Die Organisation breitete sich in der Deutschschweiz, der Romandie, dem Tessin und in rätoromanischsprachigen Gebieten aus.

Entwicklung zur modernen Bankengruppe

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich die Raiffeisenkassen von einfachen ländlichen Spar- und Darlehenskassen zu modernen Universalbanken. Die wirtschaftliche Entwicklung, die zunehmende Mobilität und das Wachstum der Agglomerationen führten zu einer Erweiterung des Angebots.

Neben Spar- und Hypothekargeschäften boten die Banken zunehmend Zahlungsverkehr, Wertschriftendepots, Anlageberatung, Vorsorgeprodukte und Dienstleistungen für Unternehmen an. Mechanische und später elektronische Datenverarbeitungssysteme vereinfachten die zentrale Buchhaltung.

Eine Statutenrevision von 1973 ermöglichte grösseren Raiffeisenkassen die Bezeichnung Raiffeisenbank. Gleichzeitig erhielt der Verband den Namen Schweizer Verband der Raiffeisenkassen. 1990 wurde er in Schweizer Verband der Raiffeisenbanken umbenannt.[5]

Ab den 1990er-Jahren eröffnete Raiffeisen vermehrt Geschäftsstellen in Städten und Agglomerationen. Die erste ausdrücklich als Stadtbank gegründete Raiffeisenbank nahm 1995 in Winterthur ihre Tätigkeit auf. Weitere Standorte entstanden unter anderem in Lausanne, Chur, Schaffhausen, Freiburg, Zürich, Basel und Bern.

1996 ging die erste Website der Gruppe online. Im Jahr 2001 wurde ein gruppenweites E-Banking eingeführt. Mit der zunehmenden Digitalisierung entwickelten sich Mobile Banking, elektronische Wertschriftendienstleistungen und mobile Zahlungslösungen zu wichtigen Bestandteilen des Angebots.[6]

Entstehung des heutigen Namens

Seit 2006 trägt die zentrale Organisation den Namen Raiffeisen Schweiz Genossenschaft. Gleichzeitig wurde der Markenauftritt erneuert. Das frühere mehrfarbige Zeichen wurde durch die rote Wortmarke «Raiffeisen» ersetzt.[5]

Im Jahr 2008 fusionierte Raiffeisen Schweiz mit der gemeinsam von den Raiffeisenkassen gegründeten Bürgschaftsgenossenschaft. Das damit verbundene Bürgschaftsgeschäft wurde direkt in die zentrale Organisation integriert.

Ausbau des Anlage- und Firmenkundengeschäfts

Raiffeisen Schweiz eröffnete ab 2009 regionale Firmenkundenzentren. Diese stellen den örtlichen Raiffeisenbanken Spezialwissen für komplexere Finanzierungen, Leasing, Garantien, Zahlungsverkehr und Unternehmensnachfolgen zur Verfügung. Die persönliche Kundenbeziehung verbleibt grundsätzlich bei der regionalen Bank.

Im Jahr 2012 übernahm Raiffeisen Schweiz Teile der St. Galler Privatbank Wegelin & Co., die anschliessend als Notenstein Privatbank AG weitergeführt wurden. 2015 entstand durch den Zusammenschluss mit der Bank La Roche & Co die Notenstein La Roche Privatbank AG.[7]

Raiffeisen verkaufte 2016 die Vermögensverwaltungsgesellschaft Vescore und 2018 die Notenstein La Roche Privatbank an Vontobel. Danach konzentrierte sich die Gruppe auf den Ausbau der eigenen Anlageberatung und Vermögensverwaltung innerhalb der Raiffeisenorganisation.[8]

Corporate-Governance-Krise und Reformen

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht untersuchte ab 2017 die Unternehmensführung von Raiffeisen Schweiz. Im Juni 2018 stellte sie schwerwiegende Mängel in der Corporate Governance fest und ordnete verschiedene organisatorische Massnahmen an.

Raiffeisen Schweiz beauftragte daraufhin unter der Leitung von Bruno Gehrig eine unabhängige Untersuchung. Der im Januar 2019 veröffentlichte Bericht bestätigte wesentliche Teile der aufsichtsrechtlichen Beurteilung. In der Folge wurden Führungs-, Kontroll- und Aufsichtsstrukturen überarbeitet.[9]

Im Rahmen der Reform 21 erhielten die Raiffeisenbanken als Eigentümerinnen stärkere Mitwirkungsmöglichkeiten. Erstmals wurde eine gemeinsame Eignerstrategie ausgearbeitet. Eine ausserordentliche Delegiertenversammlung verankerte im November 2019 die neue Gruppen-Governance in den Statuten.[10]

Zu den Reformen gehörten klarere Zuständigkeiten zwischen Raiffeisen Schweiz und den angeschlossenen Banken, stärkere Kontrollfunktionen, eine Überarbeitung der Reglemente sowie eine Neuausrichtung des Verwaltungsrats.

Verselbstständigung der Niederlassungen

Raiffeisen Schweiz führte zeitweise eigene Niederlassungen in mehreren Städten und Agglomerationen. Die Generalversammlung beschloss 2021, sechs dieser Niederlassungen in selbstständige Genossenschaftsbanken umzuwandeln.

2022 wurden die Niederlassungen Bern, Thalwil, St. Gallen und Winterthur verselbstständigt. 2023 folgten Zürich und Basel. Damit verfügt Raiffeisen Schweiz nicht mehr über ein eigenes flächendeckendes Privatkundennetz; dieses wird durch die eigenständigen Raiffeisenbanken betrieben.[11]

Aufbau der Raiffeisen Gruppe

Die Raiffeisen Gruppe ist dezentral organisiert. Ende 2025 gehörten ihr 212 rechtlich selbstständige Raiffeisenbanken an. Durch Fusionen benachbarter Genossenschaften hat sich die Zahl der Banken langfristig verringert, während deren durchschnittliche Grösse und Geschäftsvolumen zunahmen.

Die einzelnen Banken sind innerhalb eines geografisch festgelegten Geschäftskreises tätig. Sie nehmen Einlagen aus ihrer Region entgegen und vergeben einen grossen Teil dieser Gelder in derselben Region als Hypotheken oder Unternehmenskredite.

Das Geschäftsstellennetz umfasste Ende 2025 insgesamt 761 Bankstellen und 1'463 Bancomaten. Damit verfügte Raiffeisen nach eigenen Angaben über das dichteste Bankstellennetz der Schweiz.[12]

Die rechtliche Selbstständigkeit bedeutet, dass jede Bank über eigene Organe verfügt und ihre Geschäftspolitik im Rahmen der gruppenweit geltenden Vorgaben selbst bestimmt. Einheitliche Marken, Produkte, Informatiksysteme, Risikostandards und zentrale Dienstleistungen sorgen dennoch für einen gemeinsamen Marktauftritt.

Aufgaben von Raiffeisen Schweiz

Raiffeisen Schweiz schafft die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Tätigkeit der angeschlossenen Banken. Ihre wichtigsten Aufgaben sind:

  • Festlegung und Weiterentwicklung der Gruppenstrategie;
  • Erlass gruppenweit geltender Geschäfts- und Risikostandards;
  • Beaufsichtigung und Beratung der Raiffeisenbanken;
  • Liquiditäts- und Eigenmittelsteuerung;
  • Refinanzierung der gesamten Gruppe;
  • zentrale Tresorerie- und Handelsfunktionen;
  • Betrieb und Weiterentwicklung der Informatikplattformen;
  • Abwicklung des Zahlungs- und Wertschriftenverkehrs;
  • Entwicklung von Bankprodukten und Beratungsmodellen;
  • Betreuung grösserer Firmen- und institutioneller Kunden;
  • zentrale Dienstleistungen in Recht, Compliance, Personal, Marketing und Kommunikation;
  • Vertretung der Gruppe gegenüber Behörden, Verbänden und internationalen Partnern.

Raiffeisen Schweiz fungiert innerhalb der Gruppe als Zentralbank. Die regionalen Banken halten einen Teil ihrer Liquidität bei der zentralen Organisation. Ende 2025 wies Raiffeisen Schweiz gegenüber den angeschlossenen Banken Nettoverpflichtungen von 33,41 Milliarden Franken aus.[2]

Zu den weiteren Tätigkeiten gehören die Ausgabe von Anleihen, die Bewirtschaftung hochwertiger liquider Anlagen und die Absicherung von Zins-, Währungs- und Marktrisiken.

Organe

Generalversammlung

Die Generalversammlung ist das oberste Organ von Raiffeisen Schweiz. In ihr werden die angeschlossenen Raiffeisenbanken durch Delegierte vertreten.

Die Generalversammlung genehmigt unter anderem die Jahresrechnung, entscheidet über die Verwendung des Gewinns, wählt den Verwaltungsrat und die Revisionsstelle und beschliesst Änderungen der Statuten.

Die Eigentümerbanken tauschen sich zusätzlich an Eignerversammlungen und in regionalen oder thematischen Gremien aus. Diese Strukturen sollen sicherstellen, dass die unterschiedlichen Interessen der grossen und kleinen Raiffeisenbanken sowie der verschiedenen Sprachregionen berücksichtigt werden.

Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat trägt die Verantwortung für die strategische Führung und die Oberaufsicht von Raiffeisen Schweiz und der Raiffeisen Gruppe. Er besteht seit der Generalversammlung vom Juni 2026 aus neun Mitgliedern.[13]

Präsident ist seit dem 19. Juni 2026 Basil Heeb. Vizepräsident ist Pascal Gantenbein. Der Verwaltungsrat arbeitet mit mehreren Fachausschüssen, darunter dem Prüf-, Risiko-, Strategie- und Innovations- sowie dem Nominations- und Vergütungsausschuss.

Zu seinen Aufgaben gehören die Genehmigung der Gruppenstrategie, die Festlegung der Risikopolitik, die Ernennung der Geschäftsleitung und die Überwachung der Einhaltung gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen.

Geschäftsleitung

Die Geschäftsleitung führt das operative Geschäft von Raiffeisen Schweiz. Sie besteht aus sieben Mitgliedern und wird vom Verwaltungsrat gewählt.[14]

Vorsitzender der Geschäftsleitung ist seit dem 1. Dezember 2025 Gabriel Brenna. Die weiteren Mitglieder leiten die Bereiche Finanzen und Services, Produkte und Investment Services, Raiffeisenbank Services, Informatik, Firmenkunden und Märkte sowie Risiko und Compliance.

Raiffeisen Schweiz führte 2021 ein Vergütungsmodell ohne individuelle Bonuszahlungen ein. An deren Stelle trat eine begrenzte kollektive Erfolgsbeteiligung. Damit sollen die Zusammenarbeit und der langfristige Erfolg der Gruppe stärker gewichtet werden.

Geschäftsfelder der Raiffeisen Gruppe

Spar- und Zahlungsverkehr

Die regionalen Raiffeisenbanken bieten Privatpersonen und Unternehmen Konten, Karten, E-Banking, Mobile Banking und weitere Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs an.

Ende 2025 beliefen sich die Kundeneinlagen auf 225,8 Milliarden Franken. Ihr Marktanteil im schweizerischen Einlagengeschäft lag bei 15,2 Prozent.[3]

Die Kundeneinlagen bilden eine zentrale Refinanzierungsquelle der Gruppe. Ende 2025 waren 92,6 Prozent der Kundenausleihungen durch Kundeneinlagen gedeckt.

Hypothekargeschäft

Die Finanzierung von Wohneigentum ist das grösste Geschäftsfeld der Raiffeisen Gruppe. Ende 2025 betrugen die Hypothekarforderungen 230,9 Milliarden Franken. Der Marktanteil im schweizerischen Hypothekargeschäft erreichte 18,4 Prozent.[3]

Die Banken bieten Festhypotheken, geldmarktgebundene Hypotheken und Finanzierungslösungen für Neubauten, Käufe, Renovationen und energetische Sanierungen an. Die Beratung umfasst zunehmend den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie, einschliesslich Bewertung, Finanzierung, Modernisierung und Verkauf.

Die starke Konzentration auf Hypotheken macht die Entwicklung des schweizerischen Immobilienmarkts, der Zinsen und der regulatorischen Eigenmittelanforderungen für Raiffeisen besonders bedeutend.

Firmenkundengeschäft

Raiffeisen betreut kleine und mittlere Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Gewerbeunternehmen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und grössere Firmenkunden.

Zum Angebot gehören Betriebskredite, Investitionsfinanzierungen, Leasing, Garantien, Zahlungsverkehr, Devisengeschäfte, Unternehmensnachfolgen und strukturierte Finanzierungen.

Ohne Berücksichtigung der staatlich garantierten Covid-19-Kredite betrug das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft Ende 2025 rund 57 Milliarden Franken.[3]

Vorsorge und Vermögensverwaltung

Die Gruppe bietet Wertschriftendepots, Anlagefonds, Vermögensverwaltungsmandate, Anlageberatung sowie Produkte der privaten und beruflichen Vorsorge an.

Ende 2025 beliefen sich die verwalteten Kundenvermögen auf 282,1 Milliarden Franken. Das Depotvolumen stieg innerhalb eines Jahres um 15 Prozent auf 59,7 Milliarden Franken.[3]

Zum digitalen Angebot gehört die Vermögensverwaltung Raiffeisen Rio. Daneben bestehen traditionelle Beratungs- und Vermögensverwaltungsmandate mit unterschiedlichen Anlagezielen und Risikoprofilen.

Mitgliedschaft

Mitglied einer Raiffeisenbank können natürliche und juristische Personen werden, sofern sie die Voraussetzungen der jeweiligen regionalen Genossenschaft erfüllen. Dazu gehört in der Regel ein Wohn-, Arbeits- oder Wirtschaftsbezug zum Geschäftskreis der Bank.

Mitglieder zeichnen mindestens einen Anteilsschein. Der maximale Umfang einer Beteiligung wird durch die Statuten der jeweiligen Bank begrenzt. Die Anteilsscheine werden nicht an einer Börse gehandelt.

Die Mitgliedschaft umfasst insbesondere:

  • Stimm- und Wahlrechte;
  • Teilnahme an Generalversammlungen oder Urabstimmungen;
  • mögliche Verzinsung der Anteilsscheine;
  • Zugang zu Mitgliedervorteilen;
  • Mitwirkung an der Entwicklung der eigenen Raiffeisenbank.

Ende 2025 zählte die Gruppe rund 2,13 Millionen Genossenschaftsmitglieder. Für die Verzinsung der Anteilsscheine waren insgesamt 94,8 Millionen Franken vorgesehen. Mitgliedervorteile im Gesamtwert von rund 335,8 Millionen Franken wurden weitergegeben.[3]

Zu den Vorteilen können ermässigte Eintritte in Museen, Freizeitangebote, Veranstaltungen und weitere regionale oder nationale Vergünstigungen gehören. Umfang und Bedingungen können sich je nach Bank und Mitgliedschaftsmodell unterscheiden.

Sicherheits- und Haftungssystem

Die Raiffeisen Gruppe verfügt über ein gruppeninternes Sicherheits- und Haftungssystem. Es verbindet die wirtschaftlich selbstständigen Banken miteinander und soll Schwierigkeiten einzelner Institute innerhalb der Gruppe auffangen.

Ein Solidaritätsfonds kann Verluste und Schadensfälle decken, welche die finanziellen Möglichkeiten einer einzelnen Raiffeisenbank übersteigen. Zusätzlich bestehen statutarische Verpflichtungen der Raiffeisenbanken gegenüber Raiffeisen Schweiz.

Das Genossenschaftskapital von Raiffeisen Schweiz belief sich Ende 2025 auf 3,031 Milliarden Franken. Es befand sich vollständig im Eigentum der angeschlossenen Raiffeisenbanken.[2]

Die einzelnen Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz sind ausserdem dem schweizerischen Einlagensicherungssystem Esisuisse angeschlossen. Das gruppeninterne Sicherheitsnetz und die gesetzliche Einlagensicherung sind rechtlich voneinander zu unterscheiden.

Systemrelevanz und Aufsicht

Die Schweizerische Nationalbank stufte die Raiffeisen Gruppe mit Verfügung vom 16. Juni 2014 als inlandorientierte systemrelevante Bankengruppe ein.[15]

Als systemrelevant gelten ihre Funktionen im schweizerischen Einlagen- und Kreditgeschäft sowie im Zahlungsverkehr. Ein schwerwiegender Ausfall könnte wegen der Grösse, Vernetzung und Marktanteile der Gruppe erhebliche Folgen für die Volkswirtschaft und das Finanzsystem haben.

Die Systemrelevanz führt zu erhöhten Anforderungen an Eigenmittel, Liquidität, Verlusttragfähigkeit und Notfallplanung. Raiffeisen muss der FINMA regelmässig einen Stabilisierungs- und einen Notfallplan vorlegen.

Die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz unterstehen der Aufsicht der FINMA. Für die gruppenweite Einhaltung regulatorischer Anforderungen ist Raiffeisen Schweiz verantwortlich.

Kennzahlen

Raiffeisen Schweiz

Die eigenständige Jahresrechnung von Raiffeisen Schweiz ist von der konsolidierten Rechnung der gesamten Gruppe zu unterscheiden.

Kennzahl 2024 2025 Veränderung
Bilanzsumme 74,075 Milliarden Franken 80,782 Milliarden Franken +9,1 %
Kundenausleihungen 6,17 Milliarden Franken 7,41 Milliarden Franken +20,1 %
Finanzanlagen 12,170 Milliarden Franken 17,562 Milliarden Franken +44,3 %
Genossenschaftskapital 2,531 Milliarden Franken 3,031 Milliarden Franken +19,8 %
Eigenkapital 2,893 Milliarden Franken 3,399 Milliarden Franken +17,5 %
Geschäftsertrag 871,9 Millionen Franken 857,2 Millionen Franken −1,7 %
Geschäftserfolg 46,4 Millionen Franken 35,4 Millionen Franken −23,6 %
Jahresgewinn 35,2 Millionen Franken 37,0 Millionen Franken +5,1 %
Vollzeitstellen 2'332 2'316 −16

Der hohe Anteil von Forderungen und Verpflichtungen gegenüber Banken ergibt sich aus der Funktion von Raiffeisen Schweiz als Zentralorganisation und Liquiditätsdrehscheibe der Gruppe.[2]

Raiffeisen Gruppe

Kennzahl 2025
Bilanzsumme 323,0 Milliarden Franken
Kundeneinlagen 225,8 Milliarden Franken
Hypothekarforderungen 230,9 Milliarden Franken
Verwaltete Kundenvermögen 282,1 Milliarden Franken
Eigenkapital 24,9 Milliarden Franken
Geschäftserfolg 1,29 Milliarden Franken
Gruppengewinn 1,09 Milliarden Franken
Kundinnen und Kunden 3,77 Millionen
Genossenschaftsmitglieder 2,13 Millionen
Raiffeisenbanken 212
Bankstellen 761
Bancomaten 1'463
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 12'997
Vollzeitstellen 10'972
Marktanteil im Hypothekargeschäft 18,4 %
Marktanteil bei Kundeneinlagen 15,2 %

Der Gruppengewinn lag 2025 mit 1,09 Milliarden Franken um 9,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Hauptgrund war der Rückgang des Ergebnisses aus dem Zinsengeschäft. Gleichzeitig nahmen die Kundeneinlagen, Hypotheken und verwalteten Vermögen deutlich zu.[16]

Strategie und Digitalisierung

Die Gruppenstrategie «Raiffeisen 2025» wurde 2020 beschlossen und später bis Ende 2026 verlängert. Zu ihren Schwerpunkten gehören die konsequente Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse, die Weiterentwicklung vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter und die Standardisierung sowie Digitalisierung interner Prozesse.[17]

Weitere Ziele sind die Positionierung als nachhaltige Genossenschaft, die Nutzung neuer Technologien und eine breitere Verteilung der Erträge. Dadurch soll die Abhängigkeit vom Hypothekar- und Zinsengeschäft reduziert werden.

Digitale Systeme werden zentral von Raiffeisen Schweiz entwickelt oder beschafft. Dazu gehören E-Banking, Mobile Banking, digitale Anlageangebote, elektronische Beratungswerkzeuge und automatisierte Prozesse im Zahlungs- und Hypothekargeschäft.

Trotz der Digitalisierung hält Raiffeisen am physischen Geschäftsstellennetz und an der persönlichen Beratung fest. Digitale Kanäle und lokale Bankstellen sollen sich ergänzen.

Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement

Die genossenschaftliche Struktur verbindet Raiffeisen mit dem Anspruch, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert in den Regionen zu schaffen. Die Raiffeisenbanken zahlen lokale und kantonale Steuern, beschäftigen Mitarbeitende in ihren Geschäftskreisen und unterstützen Vereine, Veranstaltungen und gemeinnützige Einrichtungen.

Raiffeisen Schweiz koordiniert gruppenweite Nachhaltigkeitsziele. Dazu gehören die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekten bei Anlagen und Finanzierungen, die Verringerung der betrieblichen Emissionen und die Förderung energieeffizienter Immobilien.

Die Gruppe unterstützt unter anderem das Programm «erneuerbar heizen» und berücksichtigt die energetische Qualität von Immobilien in der Beratung. Im Anlagebereich bestehen nachhaltigkeitsorientierte Fonds und Vermögensverwaltungsmandate.

Die 2016 gegründete Plattform Lokalhelden.ch ermöglicht die Finanzierung gemeinnütziger Projekte durch Crowdfunding. Die Nutzung der Plattform ist für die Projektinitianten grundsätzlich gebührenfrei.[18]

Raiffeisen unterstützt zudem Sport, Kultur und Bildung. Zu den schweizweit sichtbaren Engagements gehören der Schweizer Schneesport, lokale Sportvereine, Museen und kulturelle Veranstaltungen.

Bedeutung für den Schweizer Bankenmarkt

Raiffeisen nimmt im Schweizer Finanzsystem eine besondere Stellung ein. Anders als Grossbanken oder Kantonalbanken besteht die Gruppe aus zahlreichen selbstständigen Genossenschaften, die über eine gemeinsame Zentralorganisation verbunden sind.

Die dezentrale Struktur ermöglicht eine starke lokale Verankerung. Kreditentscheide können unter Berücksichtigung regionaler Verhältnisse getroffen werden, während Raiffeisen Schweiz zentrale Fachkompetenz und gruppenweite Systeme bereitstellt.

Mit einem Hypothekarvolumen von mehr als 230 Milliarden Franken gehört Raiffeisen zu den wichtigsten Finanziererinnen von Wohneigentum in der Schweiz. Die Gruppe besitzt zugleich eine bedeutende Stellung im Spar-, Zahlungs- und Firmenkundengeschäft.

Die Konzentration auf den Schweizer Binnenmarkt reduziert bestimmte internationale Risiken, führt jedoch zu einer starken Abhängigkeit vom inländischen Immobilienmarkt und vom Zinsumfeld. Weitere Herausforderungen bestehen in der Regulierung systemrelevanter Banken, der Cybersicherheit, dem Fachkräftemangel und der Koordination der rechtlich selbstständigen Mitgliedsbanken.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Organisation der Raiffeisen Gruppe, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Geschäftsbericht Raiffeisen Schweiz 2025, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Geschäftsbericht Raiffeisen Gruppe 2025, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Geschichte von Raiffeisen in der Schweiz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Der lange Weg zum Namen Raiffeisen Schweiz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  6. E-Banking und Digitalisierung bei Raiffeisen, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Ausbau des Anlagegeschäfts, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Raiffeisen verkauft Notenstein La Roche an Vontobel, Raiffeisen Schweiz, 24. Mai 2018, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Corporate Governance und Reform 21, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Reform 21 – Raiffeisen Gruppe gestaltet die Zukunft, Raiffeisen Schweiz, 14. Juni 2019, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Verselbstständigung der Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Die Raiffeisenbanken, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  14. Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  15. Aufsichtsrechtliche Offenlegung und Systemrelevanz, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  16. Raiffeisen mit starkem Wachstum – Jahresabschluss 2025, Raiffeisen Schweiz, 11. März 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  17. Strategie Raiffeisen 2025, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  18. Entstehung von Lokalhelden.ch, Raiffeisen Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.