Schweizerischer Gemeindeverband
| Schweizerischer Gemeindeverband | |
|---|---|
| Abkürzung | SGV |
| Französischer Name | Association des Communes Suisses |
| Italienischer Name | Associazione dei Comuni Svizzeri |
| Rätoromanischer Name | Associaziun da las Vischnancas Svizras |
| Rechtsform | Verein |
| Gründung | 5. September 1953 |
| Früherer Name | Vereinigung Schweizer Gemeinden |
| Sitz | Bern |
| Mitglieder | 1'480 Gemeinden |
| Mitgliederstand | 1. Juni 2026 |
| Präsident | Mathias Zopfi |
| Direktorin | Claudia Kratochvil-Hametner |
| Adresse | Holzikofenweg 8, 3001 Bern |
| Website | chgemeinden.ch |
Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV; französisch Association des Communes Suisses, italienisch Associazione dei Comuni Svizzeri, rätoromanisch Associaziun da las Vischnancas Svizras) ist ein gesamtschweizerischer Interessenverband der politischen Gemeinden. Er vertritt kommunale Anliegen gegenüber den Bundesbehörden, dem Parlament, nationalen Organisationen und der Öffentlichkeit.
Der Verband wurde 1953 als Vereinigung Schweizer Gemeinden gegründet und trägt seit 1962 seinen heutigen Namen. Rechtlich ist er ein Verein im Sinne von Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Sein Sitz und seine Geschäftsstelle befinden sich in Bern.[1]
Der SGV versteht die Gemeinden neben Bund und Kantonen als dritte institutionelle Ebene des schweizerischen Bundesstaates. Zu seinen wichtigsten Anliegen gehören die Wahrung der Gemeindeautonomie, eine ausreichende Mitsprache der kommunalen Ebene bei Bundesvorlagen, die Stärkung des kommunalen Milizsystems und die Erhaltung leistungsfähiger Gemeinden.
Am 1. Juni 2026 gehörten dem Verband 1'480 der insgesamt 2'110 politischen Gemeinden der Schweiz an. Dies entsprach einem Anteil von rund 70 Prozent.[2]
Zweck und Aufgaben
Nach seinen Statuten fördert der SGV die gemeinsamen Interessen der Schweizer Gemeinden unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Grösse, Struktur, Sprache und regionalen Verhältnisse. Er setzt sich insbesondere für ihre Autonomie und Selbstverwaltungsfähigkeit ein.[1]
Zu den statutarischen Aufgaben gehören:
- die Vertretung der Gemeindeinteressen auf Bundesebene;
- die Förderung der Kompetenz, Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinden;
- die Förderung der Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Gemeinden;
- die Zusammenarbeit mit Organisationen mit ähnlichen Zielsetzungen;
- die Unterstützung kommunaler Aufgaben durch Projekte und Dienstleistungen.
Der SGV ist keine staatliche Behörde. Seine Stellung beruht auf seiner Mitgliederbasis, seiner politischen Vernetzung und seiner Mitwirkung in Vernehmlassungen, Anhörungen, Arbeitsgruppen und anderen Konsultationsverfahren.
Politische Interessenvertretung
Der Schwerpunkt der Verbandstätigkeit liegt in der politischen Interessenvertretung gegenüber Bund und Parlament. Der SGV analysiert Gesetzesvorlagen und Verordnungsentwürfe danach, welche finanziellen, organisatorischen und personellen Folgen sie für die Gemeinden haben können.
Er beteiligt sich insbesondere an:
- Vernehmlassungen des Bundesrates und der Bundesverwaltung;
- Anhörungen parlamentarischer Kommissionen;
- Arbeits- und Begleitgruppen des Bundes;
- Konferenzen zwischen Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden;
- öffentlichen Diskussionen über kommunalpolitische Themen;
- Abstimmungskampagnen, sofern der Vorstand eine Parole beschliesst.
Der Verband veröffentlicht seine Stellungnahmen und politischen Positionen. Die behandelten Bereiche umfassen Raumplanung und Verkehr, Sozialpolitik und Kultur, Migration, Umwelt und Klima, Digitalisierung, Energie, Wirtschaft und Finanzen, Gesundheit und Alter sowie institutionelle Fragen der Gemeinden.[3]
Gemeindeautonomie
Die Wahrung der Gemeindeautonomie gehört zu den zentralen Zielen des SGV. Die Gemeinden sind staatsrechtlich Teil der Kantone. Ihre Organisation, Zuständigkeiten und Autonomie richten sich deshalb in erster Linie nach dem jeweiligen kantonalen Recht.
Artikel 50 der Bundesverfassung hält fest, dass die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts gewährleistet ist. Der Bund muss bei seinem Handeln die möglichen Auswirkungen auf die Gemeinden berücksichtigen und auf die besondere Situation der Städte, Agglomerationen und Berggebiete Rücksicht nehmen.[4]
Der SGV setzt sich dafür ein, dass neue Bundesregelungen nicht lediglich Aufgaben und Kosten an die Gemeinden übertragen. Kommunale Behörden sollen bei der Planung und Umsetzung von Massnahmen frühzeitig einbezogen werden und ausreichend Handlungsspielraum behalten.
Leistungsfähigkeit der Gemeinden
Der Verband betrachtet leistungsfähige Gemeinden als Voraussetzung für einen funktionierenden Föderalismus. Gemeinden erfüllen zahlreiche öffentliche Aufgaben, stehen aber je nach Grösse, Lage und finanziellen Möglichkeiten vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen.
Zu den häufig behandelten Fragen gehören:
- Fachkräftemangel in Gemeindeverwaltungen;
- Rekrutierung von Mitgliedern kommunaler Behörden;
- Digitalisierung der Verwaltungsleistungen;
- interkommunale Zusammenarbeit;
- Finanzierung kommunaler Infrastruktur;
- demografische Entwicklung;
- Versorgung in ländlichen und peripheren Gebieten;
- Gemeindezusammenschlüsse;
- steigende Anforderungen an kleine Verwaltungen.
Der SGV schreibt den Gemeinden kein bestimmtes Organisationsmodell vor. Insbesondere Gemeindefusionen sollen nach seiner Haltung auf freiwilligen Entscheidungen und sorgfältigen lokalen Abklärungen beruhen.
Mitgliedschaft
Aktivmitglieder
Aktivmitglieder können alle Gemeinden werden, die im amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz aufgeführt sind. Auch Bürgergemeinden können aufgenommen werden, sofern sie Aufgaben einer politischen Gemeinde erfüllen.[1]
Jedes Aktivmitglied besitzt unabhängig von seiner Einwohnerzahl eine Stimme. Eine kleine Berggemeinde verfügt damit an der Generalversammlung über dasselbe formelle Stimmrecht wie eine grosse Gemeinde oder Stadt.
Der Beitritt erfolgt durch eine schriftliche Erklärung. Ein Austritt ist auf das Ende eines Verbandsjahres möglich und muss fristgerecht mitgeteilt werden.
Passivmitglieder
Kantonale politische Gemeindevereinigungen gehören dem Verband als Passivmitglieder ohne Stimmrecht an. Daneben können natürliche und juristische Personen aufgenommen werden, welche die Ziele des Verbands unterstützen.
Der regelmässige Austausch mit den kantonalen Gemeindeorganisationen ermöglicht es dem SGV, regionale Anliegen in seine nationale Tätigkeit einzubeziehen. Mit Ausnahme von Basel-Stadt und Graubünden bestanden 2026 in allen Kantonen Gemeindeverbände, Gemeindepräsidentenkonferenzen oder vergleichbare Organisationen.[5]
Mitglieder nach Kantonen
Die Mitgliederanteile unterscheiden sich deutlich zwischen den Kantonen. Die folgende Übersicht gibt den Stand vom 1. Juni 2026 wieder.[2]
| Kanton | Gemeinden | SGV-Mitglieder | Mitgliederanteil |
|---|---|---|---|
| Aargau | 196 | 133 | 68 % |
| Appenzell Innerrhoden | 5 | 2 | 40 % |
| Appenzell Ausserrhoden | 20 | 18 | 90 % |
| Bern | 334 | 245 | 73 % |
| Basel-Landschaft | 86 | 72 | 84 % |
| Basel-Stadt | 3 | 2 | 67 % |
| Freiburg | 119 | 83 | 70 % |
| Genf | 45 | 29 | 64 % |
| Glarus | 3 | 3 | 100 % |
| Graubünden | 100 | 75 | 75 % |
| Jura | 51 | 21 | 41 % |
| Luzern | 79 | 49 | 62 % |
| Neuenburg | 24 | 11 | 46 % |
| Nidwalden | 11 | 11 | 100 % |
| Obwalden | 7 | 7 | 100 % |
| St. Gallen | 75 | 65 | 87 % |
| Schaffhausen | 26 | 24 | 92 % |
| Solothurn | 104 | 93 | 89 % |
| Schwyz | 30 | 21 | 70 % |
| Thurgau | 80 | 79 | 99 % |
| Tessin | 100 | 80 | 80 % |
| Uri | 19 | 15 | 79 % |
| Waadt | 300 | 97 | 32 % |
| Wallis | 122 | 114 | 93 % |
| Zug | 11 | 9 | 82 % |
| Zürich | 160 | 122 | 76 % |
| Schweiz | 2'110 | 1'480 | 70 % |
Die absolute Mitgliederzahl sinkt langfristig auch aufgrund von Gemeindefusionen. Ein Rückgang der Zahl der Mitglieder bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass der Anteil der vertretenen Gemeinden kleiner wird.
Organisation
Die Organe des Verbands sind gemäss Statuten:
- die Generalversammlung;
- der Vorstand;
- die Direktion;
- die Revisionsstelle.
Generalversammlung
Die Generalversammlung ist das oberste Organ des SGV. Sie besteht aus den stimmberechtigten Delegierten der Aktivmitglieder und findet ordentlich einmal jährlich innerhalb der ersten sechs Monate des Kalenderjahres statt.
Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:
- Genehmigung des Jahresberichts;
- Abnahme der Jahresrechnung;
- Festsetzung der Mitgliederbeiträge;
- Wahl des Präsidenten und der Vorstandsmitglieder;
- Wahl der Revisionsstelle;
- Änderung der Statuten;
- Behandlung von Anträgen der Mitglieder.
Ein Zehntel der Aktivmitglieder kann die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung verlangen.[1]
Vorstand
Der Verband wird von einem 17 Personen umfassenden Vorstand geführt. Seine Mitglieder stammen aus kommunalen Exekutivbehörden, kantonalen Gemeindeorganisationen und den eidgenössischen Räten. Sie sollen unterschiedliche Sprachregionen, Gemeindeformen und politische Richtungen vertreten.[6]
Präsident ist seit Juni 2024 der Glarner Ständerat Mathias Zopfi. Er war zuvor Gemeinderat und Vizepräsident der Gemeinde Glarus Süd sowie Mitglied des Glarner Landrates. Die Generalversammlung wählte ihn am 20. Juni 2024 einstimmig zum Nachfolger von Hannes Germann.[7]
Vizepräsident und Vizepräsidentin sind Jörg Kündig und Marie-France Roth Pasquier. Roth Pasquier ist Nationalrätin und Mitglied des Gemeinderates von Bulle.
Geschäftsstelle und Direktion
Die Geschäftsstelle befindet sich am Holzikofenweg in Bern. Sie erarbeitet politische Stellungnahmen, betreut die Kommunikation, organisiert Veranstaltungen und unterstützt Vorstand und Mitglieder.
Direktorin ist Claudia Kratochvil-Hametner. Die Geschäftsstelle verfügt über Fachverantwortliche für die zentralen Politikbereiche des Verbands, darunter Digitalisierung, Wirtschaft und Finanzen, Energie, Raumplanung, Mobilität, Soziales, Kultur, Migration und Integration.[6]
Geschichte
Gründung
Der Verband wurde am 5. September 1953 in Bern als Vereinigung Schweizer Gemeinden gegründet. An der Gründungsversammlung waren 534 Gemeinden vertreten.[8]
Die Gründung stand im Zusammenhang mit dem wachsenden Aufgabenbereich der Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg. Kommunale Behörden waren zunehmend mit Raumplanung, Infrastruktur, Sozialleistungen, Schule, Wasserversorgung und Abfallentsorgung beschäftigt. Gleichzeitig fehlte ihnen auf Bundesebene eine gemeinsame Interessenvertretung.
Erster Präsident wurde Moritz Kämpfen aus Brig. Die Anfangsjahre waren durch geringe finanzielle Mittel und einen noch beschränkten Mitgliederbestand geprägt.
Namensänderung und Ausbau
1962 erhielt die Vereinigung den Namen Schweizerischer Gemeindeverband. Ein Jahr später wurde die Verbandszeitschrift Schweizer Gemeinde gegründet.[9]
In den folgenden Jahrzehnten entstanden mehrere Einrichtungen und Dienstleistungen:
| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 1963 | Gründung der Verbandszeitschrift Schweizer Gemeinde |
| 1966 | Gründung der Pensionskasse des Schweizerischen Gemeindeverbands, später Comunitas |
| 1970 | Aufbau eines Versicherungsberatungsdienstes |
| 1971 | Gründung der Emissionszentrale der Schweizer Gemeinden |
| 1972 | Aufbau einer Kollektivversicherung und einer Revisions- und Organisationsdienstleistung |
Die meisten dieser Dienstleistungen wurden später verselbstständigt, ausgelagert oder eingestellt. Die Pensionskasse Comunitas fusionierte 2017 mit der Vorsorgeeinrichtung Previs. Die Revisions- und Organisationsdienstleistung entwickelte sich zur ROD Treuhand AG.[9]
Verstärkung der politischen Tätigkeit
Seit den 1990er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt stärker auf die politische Interessenvertretung. Der SGV beteiligte sich am Aufbau der Parlamentarischen Gruppe Kommunalpolitik und engagierte sich zusammen mit dem Schweizerischen Städteverband für die Aufnahme eines Gemeindeartikels in die neue Bundesverfassung.
Artikel 50 trat mit der Bundesverfassung von 1999 in Kraft. Die ausdrückliche Erwähnung der Gemeinden stärkte ihre Stellung in den politischen Verfahren des Bundes und gab den kommunalen Verbänden eine zusätzliche verfassungsrechtliche Grundlage für ihre Forderung nach Mitsprache.[9]
Im Jahr 2001 erreichte der SGV mit 2'021 Mitgliedern seinen bisher höchsten Mitgliederbestand. Danach verringerte sich die absolute Zahl vor allem infolge zahlreicher Gemeindefusionen.
Entwicklung seit 2000
Im 21. Jahrhundert beschäftigte sich der Verband verstärkt mit Digitalisierung, demografischem Wandel, kommunaler Infrastruktur, Energiepolitik, Migration, Fachkräftemangel und der Zukunft des Milizsystems.
2019 erklärte der SGV zum «Jahr der Milizarbeit». Gemeinsam mit Gemeinden, Unternehmen, politischen Organisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen wurden Möglichkeiten zur Stärkung der nebenamtlich ausgeübten kommunalen Ämter diskutiert.
2024 endete die langjährige Präsidentschaft von Hannes Germann. Er hatte dem Vorstand seit 1999 angehört und den Verband von 2008 bis 2024 als Präsident geführt. Sein Nachfolger wurde Mathias Zopfi.
Präsidenten
Seit seiner Gründung wurde der Verband von sechs Präsidenten geleitet.[9]
| Präsident | Herkunft | Amtszeit |
|---|---|---|
| Moritz Kämpfen | Brig VS | 1953–1962 |
| Erwin Freiburghaus | Landiswil BE | 1962–1987 |
| Toni Cantieni | Lenzerheide GR | 1987–1995 |
| Ulrich Isch | Nennikofen SO | 1995–2008 |
| Hannes Germann | Opfertshofen SH | 2008–2024 |
| Mathias Zopfi | Glarus Süd GL | seit 2024 |
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
Schweizerischer Städteverband
Der SGV arbeitet bei zahlreichen Themen mit dem Schweizerischen Städteverband zusammen. Die beiden Verbände vertreten unterschiedliche, teilweise überlappende Mitgliederkreise und bringen die kommunale Perspektive gemeinsam in die Bundespolitik ein.
Sie betreuen unter anderem die Parlamentarische Gruppe Kommunalpolitik. Zweimal jährlich organisieren sie während einer Session der eidgenössischen Räte einen Anlass zu einem kommunalpolitischen Thema.[10]
Zu den gemeinsamen Themen gehören die Anwendung von Artikel 50 der Bundesverfassung, Raumplanung, öffentlicher Verkehr, Sozialpolitik, Pflege, Trinkwasserversorgung und die Finanzierung kommunaler Aufgaben.
Kantonale und fachliche Verbände
Der SGV steht in regelmässigem Kontakt mit den kantonalen Gemeindeverbänden und Gemeindepräsidentenkonferenzen. Diese übermitteln kantonale Erfahrungen und helfen bei der Beurteilung der Auswirkungen von Bundesvorlagen.
Zu den Partnerorganisationen im kommunalen Umfeld gehören unter anderem:
- der Schweizerische Verband Kommunale Infrastruktur;
- die Schweizerische Konferenz der Stadt- und Gemeindeschreiber;
- der Schweizerische Verband der Bürgergemeinden und Korporationen;
- Fachverbände des kommunalen Personals;
- Organisationen aus den Bereichen Vorsorge, Versicherung und Digitalisierung.
Der Verband ist zudem Patronatspartner der kommunalen Fachmesse Suisse Public.
Milizsystem
Ein grosser Teil der kommunalen Exekutiv- und Legislativämter wird in der Schweiz im Milizsystem ausgeübt. Die Amtsträgerinnen und Amtsträger arbeiten neben ihrem politischen Mandat weiterhin in einem anderen Beruf.
Der SGV betrachtet das Milizsystem als wichtigen Bestandteil der bürgernahen Schweizer Demokratie. Gleichzeitig haben viele Gemeinden Schwierigkeiten, genügend Kandidatinnen und Kandidaten für Behördenämter zu finden.
Als Gründe gelten unter anderem:
- steigender zeitlicher Aufwand;
- zunehmende fachliche und rechtliche Anforderungen;
- schwierige Vereinbarkeit mit Beruf und Familie;
- öffentliche Kritik und persönliche Angriffe;
- geringe Entschädigung in kleinen Gemeinden;
- abnehmende Bindung an den Wohnort;
- Rekrutierungsprobleme in kleinen und ländlichen Gemeinden.
Der Verband unterstützt Weiterbildungen, Zertifizierungsangebote und Projekte zur politischen Nachwuchsförderung. Er setzt sich auch dafür ein, dass Arbeitgeber die Übernahme eines Milizamtes erleichtern.
Digitalisierung
Die Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen bildet einen wachsenden Schwerpunkt. Kleine und mittlere Gemeinden verfügen häufig nicht über eigene spezialisierte Informatikabteilungen und sind auf gemeinsame Lösungen angewiesen.
Der SGV unterstützt Angebote zu:
- elektronischen Behördendienstleistungen;
- Cybersicherheit;
- Datenschutz;
- künstlicher Intelligenz in der Verwaltung;
- digitaler Archivierung;
- elektronischen Publikationen;
- Erfahrungsaustausch zwischen Gemeinden;
- Aus- und Weiterbildung des Verwaltungspersonals.
Zu den Angeboten und Partnerschaften gehören der Digital-Ratgeber für Gemeinden, Kompetenzkurse, die Plattform GemeindeConnect, die ePublikation für Gemeinden und Städte sowie der Erfahrungsaustausch des Vereins «Myni Gmeind».[11]
Publikationen
Schweizer Gemeinde
Die Verbandszeitschrift Schweizer Gemeinde erscheint seit 1963. Sie berichtet über kommunalpolitische Entwicklungen, Beispiele aus Gemeinden, neue Rechtsgrundlagen, Verwaltungsfragen und Projekte.
Die Zeitschrift enthält neben Verbandsthemen auch Beiträge von Gemeinden, Behörden, Hochschulen, Fachverbänden und Unternehmen. Sie erscheint in deutscher, französischer und italienischer Sprache und wird sowohl gedruckt als auch als Webmagazin angeboten.[12]
Weitere Informationen
Der Verband veröffentlicht ausserdem:
- politische Stellungnahmen;
- Medienmitteilungen;
- Newsletter;
- Leitfäden und Praxishilfen;
- Studien und Gemeindebefragungen;
- Informationen zu Aus- und Weiterbildungen;
- kommunalstatistische Übersichten;
- Jahresberichte.
Die Publikationen sollen nicht nur politische Positionen vermitteln, sondern auch den Austausch bewährter Lösungen zwischen Gemeinden fördern.
Stiftung des Schweizerischen Gemeindeverbands
Neben dem Verein besteht die Stiftung des Schweizerischen Gemeindeverbands. Sie unterstützt Projekte, welche die Gemeinden, ihre Bedeutung und ihre Leistungsfähigkeit stärken.
Gefördert werden insbesondere Vorhaben zur Zusammenarbeit, Digitalisierung, politischen Bildung, regionalen Entwicklung und Bewältigung gemeinsamer kommunaler Herausforderungen. Pro Jahr stehen nach Angaben des Verbands insgesamt 50'000 Franken für Projektbeiträge zur Verfügung. Höchstens drei Gemeinden oder Gemeindeverbünde werden pro Jahr unterstützt.[13]
Eine Mitgliedschaft beim SGV ist Voraussetzung für eine Projektförderung.
Stellung im politischen System
Der SGV besitzt kein gesetzliches Weisungsrecht gegenüber Bund, Kantonen oder Gemeinden. Seine politischen Positionen sind für die Mitgliedsgemeinden rechtlich nicht verbindlich.
Sein Einfluss beruht insbesondere auf:
- der grossen Zahl der Mitgliedsgemeinden;
- der Erfahrung kommunaler Amtsträger im Vorstand;
- der Vertretung durch Mitglieder des National- und Ständerates;
- der Teilnahme an Vernehmlassungen und Arbeitsgruppen;
- der Zusammenarbeit mit kantonalen und nationalen Verbänden;
- der Bereitstellung kommunalpolitischer Fachinformationen.
Die Interessen der Gemeinden sind nicht in allen Fällen einheitlich. Grosse Agglomerationsgemeinden stehen teilweise vor anderen Herausforderungen als kleine Berg-, Land- oder Tourismusgemeinden. Auch die kantonalen Aufgabenverteilungen und finanziellen Verhältnisse unterscheiden sich erheblich.
Der Verband muss deshalb gemeinsame Positionen formulieren, die von möglichst unterschiedlichen Gemeinden getragen werden können. Die nach Kantonen stark variierenden Mitgliederanteile begrenzen zugleich den Anspruch, sämtliche Schweizer Gemeinden unmittelbar zu vertreten.
Bedeutung
Die Gemeinden erfüllen einen wesentlichen Teil der öffentlichen Aufgaben in der Schweiz. Sie sind unter anderem zuständig für lokale Raumplanung, Schulen, Sozialhilfe, Wasserversorgung, Abwasser, Abfallentsorgung, Feuerwehr, Einwohnerdienste, Strassen, Kultur, Sport und Teile der Altersversorgung.
Viele Bundesgesetze werden letztlich durch kantonale und kommunale Behörden umgesetzt. Der SGV weist deshalb regelmässig darauf hin, dass neue Regelungen nur funktionieren können, wenn die Gemeinden frühzeitig einbezogen werden und über ausreichende finanzielle sowie personelle Mittel verfügen.
Als nationaler Dachverband trägt der SGV dazu bei, die sehr vielfältigen kommunalen Erfahrungen in die Bundespolitik einzubringen. Gleichzeitig dient er als Netzwerk für den Wissensaustausch zwischen Gemeinden unterschiedlicher Regionen und Grössen.
Siehe auch
- Gemeinde (Schweiz)
- Politische Gemeinde
- Gemeindeautonomie in der Schweiz
- Föderalismus in der Schweiz
- Milizsystem in der Schweiz
- Schweizerischer Städteverband
- Schweizerischer Verband Kommunale Infrastruktur
- Schweizerischer Verband der Bürgergemeinden und Korporationen
- Schweizerische Konferenz der Stadt- und Gemeindeschreiber
- Suisse Public
- Liste der Gemeinden der Schweiz
Literatur
- Schweizerischer Gemeindeverband: Chronik 1953–2018. Bern 2019.
- Schweizerischer Gemeindeverband: Jahresberichte. Bern.
- Andreas Ladner: Die Schweizer Gemeinden im Wandel. Politische Institutionen und lokale Politik. Lausanne.
- Reto Steiner, Andreas Ladner, Claire Kaiser, Caroline Haus: Gemeindestrukturen im Wandel. KPM-Verlag, Bern.
- Daniel Kübler, Andreas Ladner: Local Government Reform in Switzerland. In: Norbert Kersting, Angelika Vetter: Reforming Local Government in Europe. Opladen.
Weblinks
- Offizielle Website des Schweizerischen Gemeindeverbands
- Mitgliedschaft und Mitgliederstatistik
- Vorstand und Geschäftsstelle
- Geschichte des Verbands
- Politische Positionen und Themen
- Verbandszeitschrift «Schweizer Gemeinde»
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Statuten des Schweizerischen Gemeindeverbands, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Gemeindeverband und Mitgliedschaft, Schweizerischer Gemeindeverband, Stand 1. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Politikbereiche, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 50, Fedlex, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Kantonale Gemeindeorganisationen, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Vorstand und Geschäftsstelle, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Der SGV hat einen neuen Präsidenten: Auf Hannes Germann folgt Mathias Zopfi, Schweizerischer Gemeindeverband, 20. Juni 2024, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Chronik 1953–2018, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 9,3 Geschichte, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Ungehört in Bundesbern? Debatte zur Stellung der Gemeinden im Bundesstaat, Schweizerischer Gemeindeverband, 19. März 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Vorteile einer SGV-Mitgliedschaft, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ «Schweizer Gemeinde» neu auch als Webmagazin, Schweizerischer Gemeindeverband, 19. April 2021, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Stiftung, Schweizerischer Gemeindeverband, abgerufen am 3. August 2026.