Mülligen

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Mülligen

Mülligen

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Aargau

Bezirk

Brugg

BFS-Nummer

4107

Postleitzahl

5243

Koordinaten

47.45784° N, 8.23938° E

Höhe

362 m ü. M.

Fläche

3.16 km²

Einwohner

1131
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.muelligen.ch

Mülligen ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Kantons Aargau. Das Dorf liegt im unteren Reusstal, rund drei Kilometer südöstlich von Brugg, am nordöstlichen Rand des Birrfelds. Wegen seiner von Wald und Flusslandschaften geprägten Lage bezeichnet sich Mülligen als «Walddorf an der Reuss». Ende 2025 zählte die Gemeinde 1131 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Geographie

Mülligen liegt auf einer Schotterterrasse südlich der Reuss. Der Fluss bildet im Norden und Osten auf längeren Abschnitten die Gemeindegrenze. Da sich die Reuss in diesem Gebiet tief in die eiszeitlichen Ablagerungen eingeschnitten hat, fällt das Gelände vom Siedlungsgebiet stellenweise steil zum Flussufer ab.

Im Südwesten erhebt sich der bewaldete, rund 500 Meter hohe Eiteberg. An dessen Südseite liegen die kleineren Siedlungsbereiche Trotte und Bergacker, die bereits zur offenen Landschaft des Birrfelds überleiten. Der Dorfkern befindet sich auf rund 362 Metern über Meer.[2]

Das Gemeindegebiet umfasst 316 Hektaren. Davon entfallen gemäss Angaben der Gemeinde 107 Hektaren auf Wald. Neben dem kompakten Dorfgebiet prägen Landwirtschaftsflächen, Wald, die Reusslandschaft und ein grosses Kiesabbaugebiet das Erscheinungsbild der Gemeinde.[1]

Nachbargemeinden sind Birmenstorf im Norden und Osten, Birrhard im Süden, Lupfig und Hausen im Westen sowie Windisch im Nordwesten.

Geschichte

Mittelalter und Berner Herrschaft

Mülligen wurde 1273 erstmals urkundlich unter dem Namen «Mulinon» erwähnt. Das Dorf gehörte zum Eigenamt, einem habsburgischen Herrschaftsgebiet in der Umgebung von Windisch und Brugg. Später gelangten Rechte und Besitzungen an das von den Habsburgern gegründete Kloster Königsfelden.[2]

Nach der Eroberung des westlichen Aargaus durch Bern im Jahr 1415 kam auch das Eigenamt unter bernische Landeshoheit. Mit der Einführung der Reformation hob Bern 1528 das Kloster Königsfelden auf und übernahm dessen Güter und Rechte. Das Eigenamt wurde anschliessend als bernische Vogtei verwaltet.

Der Ort blieb während der frühen Neuzeit eine kleine, vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Siedlung. Im Jahr 1688 starben 29 Menschen an der Pest, was ungefähr einem Drittel der damaligen Bevölkerung entsprach. Auch Dorfbrände richteten wiederholt Schäden an. Beim grössten überlieferten Brand wurden 1885 innerhalb eines Tages 13 Häuser zerstört.[2]

Nach dem Ende der bernischen Herrschaft im Jahr 1798 gehörte die Region während der Helvetischen Republik zum Kanton Aargau. Mit der Mediationsakte von 1803 wurden die damaligen Kantone Aargau, Baden und Fricktal zum heutigen Kanton Aargau vereinigt.[3]

Mühle an der Reuss

Die historische Mühle an der Reuss ist eines der ältesten und bedeutendsten Gebäude von Mülligen. Ihre Ursprünge reichen nach Angaben der Gemeinde bis ins 11. Jahrhundert zurück. Da die Anlage über eigene Quellen verfügte, war der Betrieb nicht unmittelbar vom Wasserstand der Reuss abhängig. Die Mühle gehörte zeitweise zu den grössten Getreidemühlen der weiteren Umgebung.[2]

Während ungefähr eines Jahrhunderts befand sie sich im Besitz der Familie des Aargauer Politikers Samuel Schwarz. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb die Gemeinde Windisch 1897 die Mühle und das dazugehörige Land, um die ergiebigen Quellen für ihre Wasserversorgung zu nutzen. Der eigentliche Mühlebetrieb wurde 1914 eingestellt.

Zur Mühle gehörte früher auch eine Gastwirtschaft. Deren Betreiber waren bis 1940 für die Fähre über die Reuss zwischen Mülligen und Birmenstorf verantwortlich. Die Mühle steht unter Denkmalschutz und erinnert an die wirtschaftliche Bedeutung der Wasserkraft und der Getreideverarbeitung für das frühere Dorf.

Johann Heinrich Pestalozzi

Der Pädagoge und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi lebte von 1769 bis 1771 im sogenannten Hof in Mülligen. Während dieser Zeit heiratete er Anna Schulthess. Das einzige Kind des Ehepaars, Hans Jakob, wurde in Mülligen geboren.[2]

Pestalozzi beschrieb den Ort in einem Brief an seine Verlobte als ruhig, ländlich und von sauberem Wasser sowie gesunder Luft geprägt. 1771 zog die Familie auf den Neuhof im benachbarten Birr, wo Pestalozzi seine landwirtschaftlichen und pädagogischen Vorhaben weiterentwickelte.

Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert

Bis ins 20. Jahrhundert war Mülligen hauptsächlich ein Bauerndorf. Viele landwirtschaftliche Betriebe waren Klein- oder Mittelbetriebe und wurden teilweise im Nebenerwerb geführt. Mit der Industrialisierung fanden zunehmend Einwohner Arbeit in den Fabriken von Brugg und anderen Orten der Region.

Eine lokale Überlieferung erinnert an das sogenannte «Bräusi-Tram»: Mülliger Frauen brachten ihren in Brugger Industriebetrieben beschäftigten Männern das Mittagessen. Der Ausdruck bezeichnete keine eigentliche Bahnlinie, sondern den regelmässigen Weg der Frauen zwischen dem Dorf und den Arbeitsplätzen.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Mülligen verstärkt zu einer Wohngemeinde. Neue Wohnquartiere entstanden, während die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurückging. Die Nähe zu Brugg, Baden und Zürich sowie zu den Autobahnen A1 und A3 begünstigte diese Entwicklung.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb über grünem Dreiberg schwarzes Mühlrad.»

Das Wappen ist seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch. Das schwarze Mühlrad nimmt Bezug auf die historische Mühle und macht das Wappen zugleich zu einem redenden Wappen. Abgesehen vom Dreiberg weist es Ähnlichkeiten mit dem Wappen des Adelsgeschlechts von Mülinen auf.

Bevölkerung

Mülligen gehörte lange zu den kleinen Landgemeinden des Aargaus. Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Einwohnerzahl nur wenig. Ein deutlicheres Wachstum setzte nach 1960 ein und verstärkte sich durch die Entstehung neuer Wohnquartiere.

Im Jahr 1960 lebten rund 380 Personen in der Gemeinde. Bis 1990 stieg die Einwohnerzahl auf über 670 und im Jahr 2000 auf rund 780. 2010 lebten bereits mehr als 950 Personen in Mülligen. Ende 2025 verzeichnete die Gemeinde 1131 Einwohnerinnen und Einwohner sowie ungefähr 530 Haushaltungen.[1]

Das Wachstum steht im Zusammenhang mit der guten Erreichbarkeit der regionalen Arbeitszentren. Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt nach Brugg, Baden, ins Birrfeld oder in den Grossraum Zürich.

Politik und Verwaltung

Mülligen besitzt die im Kanton Aargau übliche Organisation einer Einwohnergemeinde. Die Stimmberechtigten entscheiden an der Gemeindeversammlung über Budget, Rechnung, Reglemente, grössere Investitionen und weitere kommunale Geschäfte.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er ist für die strategische Leitung der Gemeinde, den Vollzug der Beschlüsse und die Vorbereitung der Geschäfte der Gemeindeversammlung zuständig. Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Stockfeldstrasse 1.

Neben der Einwohnergemeinde besteht eine Ortsbürgergemeinde. Diese verwaltet insbesondere das traditionelle Ortsbürgervermögen und den ihr gehörenden Grundbesitz.

Wirtschaft

Die Landwirtschaft spielte während Jahrhunderten die zentrale wirtschaftliche Rolle. Heute bestehen nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe. Gleichzeitig haben sich verschiedene Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen angesiedelt.

Ein auffälliger Wirtschaftszweig ist der Kiesabbau südlich des Dorfes. Das Kieswerk Mülligen wird von Holcim Schweiz betrieben. Abbauflächen werden nach ihrer Nutzung schrittweise rekultiviert. Innerhalb der Kiesgrube entstanden zudem Ersatzlebensräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören temporäre Gewässer und offene Kiesflächen, die unter anderem von Uferschwalben genutzt werden.[4]

Von überregionaler Bedeutung ist die Produktionsstation von Swissgenetics. Am Standort Mülligen befinden sich Einrichtungen zur Stierhaltung und zur Produktion von Rindersamen für die Nutztierzucht.[5]

Daneben bestehen kleinere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Die Mehrheit der Erwerbstätigen arbeitet jedoch ausserhalb der Gemeinde.

Verkehr

Durch Mülligen führt eine Kantonsstrasse, die Brugg mit Birmenstorf und Mellingen verbindet. Weitere Strassen führen nach Lupfig, Birrhard und in die umliegenden Gemeinden des Birrfelds.

Im südwestlichen Bereich des Gemeindegebiets liegt das Autobahndreieck Birrfeld, an dem die Autobahn A1 und die Autobahn A3 zusammentreffen. Der nächstgelegene Autobahnanschluss befindet sich im Gebiet zwischen Lupfig und Hausen.

Mülligen ist durch die Postautolinie 363 an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Die Linie bedient die Haltestellen Mülligen Löh, Mülligen Stock und Mülligen Rösslimatte und stellt Verbindungen nach Brugg, Birrhard und Mellingen her. Der Bahnhof Brugg ist mit dem Bus in ungefähr zehn Minuten erreichbar.[6]

Von Brugg bestehen direkte Bahnverbindungen unter anderem nach Baden, Aarau, Zürich und Bern. Für bestimmte Verbindungen am Freitag- und Samstagabend wird ergänzend ein Ruftaxi angeboten.

Für den Langsamverkehr besitzt die Reusslandschaft eine besondere Bedeutung. Wander- und Velowege verbinden Mülligen mit Windisch, Birmenstorf und den Gemeinden des Birrfelds.

Bildung

Die Gemeinde führt einen eigenen Kindergarten und eine Primarschule. Die Schule ist vergleichsweise klein und arbeitet teilweise mit altersdurchmischten Klassen. Für Kinder vom Kindergarten bis zum Ende der Primarschule bestehen schulergänzende Tagesstrukturen.[7]

Die Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler besuchen die Real-, Sekundar- oder Bezirksschule in Windisch.[8] Die nächstgelegenen Mittelschulen befinden sich unter anderem in Baden und Wettingen.

Sehenswürdigkeiten

Historische Mühle

Die ehemalige Mühle an der Reuss ist das bekannteste historische Bauwerk der Gemeinde. Sie dokumentiert die jahrhundertelange Bedeutung der Müllerei und der örtlichen Quellen. Zusammen mit ihrer Lage am Fluss bildet sie einen wichtigen Bestandteil des traditionellen Mülliger Dorfbilds.

Hof

Der «Hof» ist ein herrschaftlich geprägtes Landgut aus dem 18. Jahrhundert. Bekannt wurde das Gebäude vor allem als Wohnort Johann Heinrich Pestalozzis und seiner Familie in den Jahren 1769 bis 1771.

Reusslandschaft und Eiteberg

Die Wälder am Eiteberg und die Wege entlang der Reuss bilden die wichtigsten Naherholungsgebiete. Die abwechslungsreiche Landschaft umfasst Waldhänge, Landwirtschaftsflächen, Flussufer und ehemalige oder noch genutzte Kiesabbaugebiete.

Kultur und Dorfleben

Das gesellschaftliche Leben wird wesentlich von den örtlichen Vereinen getragen. Sport-, Frauen-, Schützen-, Quartier- und weitere Vereine organisieren regelmässig Veranstaltungen und fördern den Austausch zwischen alteingesessenen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Neuzugezogenen.

Amtliche Informationen und Berichte über das Dorfleben erscheinen im «Mülliger Blatt». Die Publikation wird in der Regel monatlich herausgegeben und an die Haushaltungen der Gemeinde verteilt.[9]

Persönlichkeiten

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Statistisches, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Geschichte: Das Walddorf an der Reuss, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Gründung des Aargaus 1803, Kanton Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Holcim Kieswerk Mülligen erhält Auszeichnung für seine Biodiversitätsmassnahmen, Holcim Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Standorte: Mülligen – Samenproduktion und Stierhaltung, Swissgenetics, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Öffentlicher Verkehr, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Tagesstrukturen Mülligen, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Weitere Schulen, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Mülliger Blatt, Website der Gemeinde Mülligen, abgerufen am 3. August 2026.