Technorama

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Swiss Science Center Technorama
Kurzname Technorama
Art Science Center, Wissenschafts- und Technikmuseum
Ort Winterthur, Kanton Zürich
Gründung der Stiftung 26. Juni 1969
Eröffnung 1982
Trägerschaft Gemeinnützige Stiftung
Direktor Thorsten-D. Künnemann
Präsident des Stiftungsrats Torsten Wintergerste
Mitarbeitende rund 144
Besucher 369'211 (2025)
Exponate über 500
Adresse Technoramastrasse 1
8404 Winterthur
Website technorama.ch

Das Technorama, offiziell Swiss Science Center Technorama, ist ein interaktives Wissenschaftszentrum in Winterthur im Kanton Zürich. Es gilt als erstes Science Center der Schweiz und als eines der grössten seiner Art in Europa. Mehr als 500 Experimentierstationen ermöglichen es den Besucherinnen und Besuchern, Erscheinungen aus Physik, Chemie, Biologie, Mathematik, Technik und menschlicher Wahrnehmung selbst zu untersuchen.[1][2]

Im Unterschied zu einem traditionellen Technikmuseum steht nicht die Betrachtung historischer Objekte im Mittelpunkt. Die Exponate sind überwiegend dafür gebaut, berührt, verändert und ausprobiert zu werden. Unter dem Leitgedanken «Begreifen durch Be-greifen» sollen Naturphänomene unmittelbar wahrgenommen und durch eigenes Experimentieren verständlich werden.

Zum Angebot gehören interaktive Dauerausstellungen, wechselnde Sonderausstellungen, sieben Labore, offene Experimentierbereiche, wissenschaftliche Vorführungen, Workshops und Fortbildungen für Lehrpersonen. Seit 2021 ergänzt der rund 15'000 Quadratmeter grosse Park «Technorama Draussen» das Hauptgebäude.

Das Technorama wird von einer gemeinnützigen Stiftung getragen. 2025 besuchten 369'211 Personen das Science Center, darunter 62'189 Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Klassenbesuchs. Damit gehört das Technorama zu den meistbesuchten Museen der Schweiz und ist einer der bedeutendsten ausserschulischen Lernorte für MINT-Fächer.[3]

Name und Selbstverständnis

Der Name «Technorama» setzt sich aus «Technik» und dem aus dem Griechischen stammenden Wortbestandteil «-orama» für eine umfassende Schau zusammen. Die ursprüngliche Stiftung trug den Namen «Technorama der Schweiz». Später lautete die vollständige Bezeichnung «Stiftung Technorama der Schweiz, Wissenschaft und Technik in lebendiger Schau».

Im November 2013 wurde die Organisation offiziell in «Swiss Science Center Technorama» umbenannt. Der traditionelle Kurzname Technorama blieb erhalten und wird sowohl vom Zentrum selbst als auch in der Bevölkerung verwendet.[1]

Das Technorama versteht sich nicht primär als Sammlung wissenschaftlicher Geräte, sondern als Ort der eigenen Erfahrung. Ein Exponat soll ein Naturphänomen möglichst direkt sichtbar, hörbar oder körperlich erfahrbar machen. Erklärende Texte ergänzen das Experiment, stehen jedoch nicht an dessen Stelle.

Die Ausstellung richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Viele Stationen besitzen keine festgelegte Abfolge und keine einzige richtige Bedienungsweise. Besucherinnen und Besucher können eigene Fragen entwickeln, Varianten ausprobieren und die Ergebnisse miteinander vergleichen.

Geschichte

Vorgeschichte

Die Entstehung des Technorama ist eng mit der industriellen Entwicklung Winterthurs verbunden. Die Stadt war seit dem 19. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum des Schweizer Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbaus. Unternehmen wie Sulzer, Rieter und die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik prägten die wirtschaftliche und technische Entwicklung der Region.

1947 wurde ein Verein mit dem Ziel gegründet, ein technisches Museum der Schweiz aufzubauen. Industrieunternehmen aus dem Raum Winterthur, Zürich und Baden stellten historische Maschinen, Modelle, Werkzeuge und andere technische Gegenstände zur Verfügung. Das Gebiet wurde wegen seiner Konzentration von Maschinenbauunternehmen gelegentlich als «Goldenes Dreieck» des Schweizer Maschinenbaus bezeichnet.[1]

Die geplante Institution sollte technische Entwicklungen dokumentieren und zugleich das Verständnis für Industrie und Ingenieurwesen fördern. Bis zur Verwirklichung des Museums vergingen jedoch mehr als drei Jahrzehnte.

Gründung der Stiftung

Am 26. Juni 1969 wurde die Stiftung «Technorama der Schweiz» gegründet. Ihr Zweck bestand darin, Wissenschaft und Technik in einer lebendigen Schau darzustellen und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit an technischen und naturwissenschaftlichen Fragen zu wecken.

Bereits die Stiftungsurkunde sah vor, dass die Einrichtung nicht nur historische Gegenstände zeigen, sondern auch einen direkten und experimentellen Zugang ermöglichen sollte. In der frühen Planungsphase blieb das Konzept dennoch stark an traditionellen Technikmuseen orientiert.[4]

Eröffnung als technisches Museum

1982 wurde das Technorama in Oberwinterthur eröffnet. Die Ausstellung umfasste historische Maschinen, Werkstoffprüfgeräte, Modelle, Musikdosen, industrielle Apparate und weitere Objekte aus der Schweizer Technikgeschichte.

Die Gegenstände wurden durch Texttafeln, Fotografien, Filme und audiovisuelle Präsentationen erläutert. Zu den bekanntesten Einrichtungen gehörte der 18 Meter lange «Spitlight» des Tessiner Ingenieurs Gianni Andreoli, der als grösster Diaprojektor der Welt galt.[1]

Das Museum entsprach zunächst weitgehend dem damals verbreiteten Modell einer technisch-historischen Sammlung. Viele Exponate konnten lediglich betrachtet werden. Nach einem anfänglich grossen Interesse gingen die Besucherzahlen zurück.

Einfluss der Phänomena

1984 wurde in Zürich die naturwissenschaftliche Ausstellung «Phänomena» durchgeführt. Sie präsentierte rund 200 interaktive Stationen zu Wasser, Mechanik, Akustik, Licht, Farben und anderen Naturphänomenen.

Die Ausstellung war von den pädagogischen Ideen Hugo Kükelhaus' beeinflusst. Viele Versuche richteten sich unmittelbar an die Sinne und konnten von den Gästen selbst bedient werden. Die Phänomena wurde später auch in Südafrika, den Niederlanden und Deutschland gezeigt. Insgesamt verzeichneten ihre verschiedenen Ausgaben mehr als 5,4 Millionen Besuche.[1]

Der Erfolg zeigte, dass ein grosses öffentliches Interesse an interaktiven und erfahrungsorientierten Ausstellungen bestand. Die Phänomena wurde dadurch zu einem wichtigen Vorbild für die spätere Neuausrichtung des Technorama.

Krise und Neuausrichtung

1985 befand sich das Technorama in einer schweren finanziellen und konzeptionellen Krise. Die Zahl der Gäste war stark gesunken, und der Stiftung drohte der Konkurs.

Unter dem späteren Direktor Remo Besio begann eine grundlegende Neuausrichtung. Im Juni 1990 verabschiedete die Stiftung ein neues Leitbild. Es verband die sinnlich orientierten Ansätze von Hugo Kükelhaus mit dem Konzept angelsächsischer Science Center.

Ein wichtiges Vorbild war das 1969 von Frank Oppenheimer gegründete Exploratorium in San Francisco. Dort wurden wissenschaftliche Phänomene nicht durch klassische Museumsvitrinen, sondern durch selbst bedienbare Experimente vermittelt.

Das Technorama begann, seine historischen Ausstellungen schrittweise durch interaktive Stationen zu ersetzen. Neue Exponate wurden teilweise in der eigenen Werkstatt entwickelt und gebaut. Gleichzeitig änderte sich die Rolle des Personals: Neben der technischen Betreuung gewannen persönliche Vermittlung, Vorführungen und die Begleitung selbstständiger Experimente an Bedeutung.

Umwandlung zum Science Center

Die planmässige Umwandlung vom technischen Museum zum Science Center wurde im Jahr 2000 weitgehend abgeschlossen. Die Ausstellung bestand nun überwiegend aus interaktiven Experimentierstationen.

Die Neuausrichtung führte zu steigenden Besucherzahlen und zu einem höheren Anteil von Familien, Kindern und Schulklassen. Das Technorama entwickelte sich zu einem national bedeutenden Lernort für Naturwissenschaften und Technik.

2002 wurde an der Hauptfassade das Kunstwerk «Wind Veil» des amerikanischen Künstlers Ned Kahn eingeweiht. Die bewegliche Fassade besteht aus rund 40'000 kleinen Aluminiumplättchen. Der Wind versetzt die einzeln aufgehängten Elemente in Bewegung und erzeugt wechselnde Wellenmuster.[5]

Eingliederung des Jugendlabors

Der Kanton Zürich hatte 1982 ergänzend zum Museum ein Jugendlabor eingerichtet. Dieses wurde 2003 organisatorisch in das Technorama eingegliedert.

2012 wurden die Laborbereiche umfassend umgebaut und erweitert. Seither verfügt das Technorama über sieben Labore: je zwei für Biologie, Chemie und Physik sowie einen konstruktiv ausgerichteten Werkstatt- und Atelierbereich.[1]

Die Labore unterscheiden sich von den frei zugänglichen Ausstellungsstationen. Unter fachlicher Begleitung können Besucherinnen und Besucher dort umfangreichere Versuche durchführen, mit Laborgeräten arbeiten und eigene Konstruktionen herstellen.

Eröffnung des Aussenparks

Am 18. April 2021 wurde der Park «Technorama Draussen» eröffnet. Die Eröffnung erfolgte am Ende einer durch die COVID-19-Pandemie verursachten Schliessung von 119 Tagen.

Der Aussenbereich ermöglichte es, besonders grosse Experimente sowie Phänomene mit Wind, Wasser und Sonnenlicht in einer natürlichen Umgebung zu zeigen. Gleichzeitig entwickelte sich das zuvor vorwiegend als Schlechtwetterziel wahrgenommene Technorama zu einer ganzjährig attraktiven Freizeiteinrichtung.[6]

Didaktisches Konzept

Das didaktische Konzept beruht auf der Annahme, dass nachhaltiges Verständnis häufig durch eigenes Handeln, Beobachten und Vergleichen entsteht. Besucherinnen und Besucher sollen nicht lediglich fertige Erklärungen aufnehmen, sondern selbst Fragen an ein Phänomen stellen.

Typische Experimentierstationen erlauben es, einzelne Bedingungen zu verändern. So können beispielsweise Länge, Gewicht, Geschwindigkeit, Licht, Klang, Strömung oder elektrische Spannung variiert werden. Die Wirkung einer Veränderung wird unmittelbar sichtbar oder spürbar.

Die Stationen sollen verschiedene Formen der Annäherung ermöglichen. Manche Gäste untersuchen ein Experiment systematisch, andere entdecken den zugrunde liegenden Zusammenhang zunächst spielerisch. Das Technorama bewertet beide Zugänge als Teil des Lernprozesses.

Eine wichtige Rolle spielt die soziale Interaktion. Zahlreiche Exponate können nur gemeinsam oder im direkten Vergleich sinnvoll benutzt werden. Gespräche zwischen Kindern, Eltern, Lehrpersonen und anderen Gästen werden dadurch zu einem Bestandteil der Wissenschaftsvermittlung.

Das Technorama hat seine Grundsätze in einem «Didaktischen Manifest» festgehalten. Die erste Fassung erschien 2012. Eine grundlegend überarbeitete Version wurde 2025 veröffentlicht. Sie beschreibt unter anderem Offenheit, Neugier, selbstständiges Handeln und die Wahrnehmung von Naturphänomenen als zentrale Elemente der Vermittlung.[3]

Ausstellungen

Interaktive Experimentierstationen

Im Technorama stehen mehr als 500 Exponate zur Verfügung. Sie sind in thematische Ausstellungsbereiche gegliedert. Das Angebot wird laufend verändert; einzelne Stationen werden überarbeitet, ersetzt oder in Sonderausstellungen zusammengeführt.

Zu den Ausstellungsbereichen gehören beziehungsweise gehörten unter anderem:

  • Mechanikum mit Kreiseln, Pendeln, Federn, Hebeln und anderen mechanischen Systemen;
  • Strom und Magnete zu Elektrizität, Magnetismus und elektromagnetischer Induktion;
  • Kopfwelten über Wahrnehmung, Sinne und die Verarbeitung von Informationen;
  • Licht und Sicht über Optik, Farben, Spiegelungen und Bilder;
  • Wasser, Natur, Chaos über Strömungen, Wirbel und komplexe natürliche Systeme;
  • Mathemagie mit geometrischen, statistischen und mathematischen Experimenten;
  • Holzmaschinen mit mechanischen Kugelbahnen und durch Muskelkraft betriebenen Konstruktionen;
  • Tinkering zum Bauen, Konstruieren und Erproben eigener Maschinen;
  • Sterben und Leben über Biologie und Lebenswissenschaften;
  • Et Cetera mit Experimenten, Spielen und interaktiven Kunstwerken.[7]

Seit März 2025 untersucht die Sonderausstellung «Klangwelten» Töne, Schwingungen, Musik und die körperliche Wahrnehmung von Schall. Rund 30 Exponate ermöglichen es, Klänge sichtbar oder fühlbar zu machen.

Die 2025 eröffnete Ausstellung «Du entscheidest» behandelt Entscheidungen, Verhaltensökonomie, Psychologie und Spieltheorie. Die Ausstellung ist zugleich als Entwicklungsraum angelegt. Rückmeldungen und Beobachtungen der Gäste fliessen in die Weiterentwicklung der Exponate ein.[3]

Entwicklung der Exponate

Viele Experimentierstationen entstehen in der hauseigenen Entwicklungsabteilung und Werkstatt. Eine Idee wird zunächst als einfacher Prototyp gebaut und von Mitarbeitenden sowie Testgruppen ausprobiert.

Bei der Entwicklung müssen wissenschaftliche Genauigkeit, Verständlichkeit, Sicherheit, Robustheit und eine einfache Bedienung miteinander verbunden werden. Da einzelne Exponate täglich von sehr vielen Personen benutzt werden, müssen sie deutlich belastbarer sein als gewöhnliche Laborgeräte.

Prototypen werden teilweise im Bereich «Preview» öffentlich getestet. Besucherinnen und Besucher können unfertige Stationen ausprobieren und Rückmeldungen geben. Erst nach mehreren Überarbeitungen werden erfolgreiche Versuche in eine reguläre Ausstellung übernommen.

Das Technorama entwickelt auch Wanderausstellungen und vermietet Exponate an andere Science Center. Die Sonderausstellung «Spiegeleien» wurde beispielsweise 2025 an das Copernicus Science Centre in Warschau übergeben.[8]

Labore und Workshops

Das Technorama verfügt über sieben Labor- und Werkstattbereiche. Sie ermöglichen selbstständige Versuche, die aus Sicherheits-, Zeit- oder Platzgründen nicht als frei zugängliche Ausstellungsstationen angeboten werden können.

In den Biologielaboren können unter anderem Zellen, Mikroorganismen, Pflanzen und physiologische Vorgänge untersucht werden. Die Chemielabore bieten Versuche mit Stoffeigenschaften, Reaktionen, Farben und analytischen Verfahren. In den Physiklaboren stehen Mechanik, Wärme, Optik, Elektrizität und weitere Themen im Mittelpunkt.

Das konstruktiv ausgerichtete Atelier verfügt über Werkbänke und Materialien für technische Aufgaben. Teilnehmende können beispielsweise Fahrzeuge, Roboter, Kettenreaktionen oder andere mechanische Systeme entwerfen.

Bei sogenannten OpenLabs ist keine vollständig vorgegebene Versuchsanleitung erforderlich. Die Gäste können aus verschiedenen Materialien und Fragestellungen wählen und werden bei Bedarf von Fachpersonen unterstützt.

2025 nahmen 77'877 Personen an Workshops und OpenLabs teil. Diese Zahl liegt über den 73'448 Teilnahmen des Vorjahres.[3]

Vorführungen und Veranstaltungen

Neben den selbst bedienbaren Experimenten veranstaltet das Technorama wissenschaftliche Shows und Demonstrationen. Dabei werden Erscheinungen gezeigt, die wegen ihrer Grösse, Lautstärke, Temperatur oder elektrischen Spannung nur durch geschultes Personal vorgeführt werden können.

Bekannt ist insbesondere die Blitzshow mit grossen Teslaspulen. Dabei entstehen künstliche elektrische Entladungen, die mit Licht- und Toneffekten verbunden werden. Die Anlage wurde in den 2020er-Jahren grundlegend erneuert.

Weitere Vorführungen behandeln unter anderem Sauerstoff, Verbrennung, tiefe Temperaturen, Gase und Druck. Die Präsentationen verbinden sichtbare Effekte mit naturwissenschaftlichen Erklärungen.

Das Science Center führt zudem Abendveranstaltungen durch. Dazu gehören die «Spätschicht», thematische Kulturveranstaltungen, Firmenanlässe und das Format «In Vino Scientia», das wissenschaftliche Vorführungen mit einem gastronomischen Angebot verbindet.

2024 fanden im Rahmen von Abendöffnungen 104 Veranstaltungen mit insgesamt rund 5'300 Gästen statt.[9]

Technorama Draussen

Parkanlage

«Technorama Draussen» ist ein rund 15'000 Quadratmeter grosser Wissenschafts- und Erlebnispark. Seine Fläche ist ungefähr doppelt so gross wie die gesamten Ausstellungsflächen im Hauptgebäude.

Der Park verbindet interaktive Experimente mit Wiesen, Gehölzen, Wasserflächen, Uferbereichen und verschlungenen Wegen. Naturphänomene sollen nicht nur durch technische Modelle dargestellt, sondern in ihrer natürlichen Umgebung erlebt werden.

Rund 30 Exponate und Kunstwerke befassen sich vor allem mit Wind, Wasser, Licht, Bewegung, Gleichgewicht und menschlicher Wahrnehmung. Zahlreiche Anlagen wurden in der Werkstatt des Technorama entwickelt.[10]

Der Aussenbereich ist saisonal geöffnet. Seine genauen Öffnungszeiten können sich je nach Jahr und Witterung ändern.

Wunderbrücke

Das auffälligste Bauwerk des Parks ist die Wunderbrücke. Die begehbare Stahl- und Holzkonstruktion ist 130 Meter lang und erreicht eine Höhe von bis zu 17 Metern.

Vier unterschiedlich geneigte Treppen führen auf die Plattform. Ein Aufzug ermöglicht einen barrierearmen Zugang. Am höchsten Punkt befinden sich eine bewegliche Kragbühne und ein Glasboden.

Die Brücke dient nicht nur als Aussichtspunkt. In und an der Konstruktion befinden sich mehrere Experimente, bei denen Schwingungen, Kräfte, Fallbewegungen, Gleichgewicht und Perspektive untersucht werden können.

Zu den bekanntesten Anlagen gehört «Fallendes Wasser». Ein Behälter entleert in regelmässigen Abständen rund fünf Tonnen Wasser. Das Wasser fällt aus grosser Höhe auf eine gekrümmte Fläche und wird als Fontäne wieder nach oben gelenkt.

Die Wunderbrücke wurde von Conzett Bronzini Partner geplant. Bei der Entwicklung war auch der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein beteiligt.[10]

Landschaft und Riedbach

Im Zuge des Parkbaus wurde der zuvor in einem Betonbett verlaufende Riedbach auf einer Länge von rund 135 Metern revitalisiert. Die Bachbreite, die Ufergestaltung und die Zusammensetzung der Bachsohle wurden variiert.

Dadurch entstand ein naturnäherer Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig wurde das Gewässer für Besucherinnen und Besucher besser wahrnehmbar und in die Experimentierlandschaft integriert.

Für den Park wurden mehr als 800 Bäume gepflanzt. Die Holzverkleidungen der Wunderbrücke bestehen nach Angaben der Projektverantwortlichen aus Bäumen aus der näheren Umgebung Winterthurs.

Das Gesamtbudget für «Technorama Draussen» betrug 16,6 Millionen Franken.[10]

Auszeichnungen

2022 erhielt «Technorama Draussen» den Goldenen Hasen der Architekturzeitschrift Hochparterre als bestes Schweizer Landschaftsarchitekturprojekt des Jahres. Der Park wurde gemeinsam mit dem Winterthurer Büro Krebs und Herde Landschaftsarchitekten entwickelt.[11]

2024 wurde die Anlage zusätzlich mit dem Architekturpreis Winterthur ausgezeichnet. Der Preis würdigte das Zusammenspiel von Landschaftsarchitektur, Ingenieurbau, Naturerlebnis und Wissenschaftsvermittlung.[12]

Sammlungen

Obwohl die interaktive Ausstellung heute im Vordergrund steht, besitzt das Technorama weiterhin historische technische Sammlungen. Sie gehen teilweise auf die seit 1947 zusammengetragenen Bestände zurück.

Ein Teil der früher ausgestellten Maschinen und Industrieobjekte befindet sich in Depots. Bei der Vorbereitung des Projekts «Technorama 2050» wurden einzelne Objekte an andere geeignete Institutionen abgegeben, darunter die Enter Technikwelt Solothurn, die ETH-Bibliothek und das Dampfzentrum Winterthur.[8]

Im Untergeschoss wird eine umfangreiche Sammlung historischen Blechspielzeugs gezeigt. Einen Schwerpunkt bilden Modelleisenbahnen und technisch angetriebene Spielzeuge. Das Technorama bezeichnet sie als eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Blechspielzeug-Eisenbahnen.[7]

Die historischen Bestände dokumentieren nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch die Geschichte des Spielzeugs, des Modellbaus und der Vermittlung industrieller Technik.

Schulen und MINT-Förderung

Schulklassen bilden eine wichtige Besuchergruppe. 2025 kamen 62'189 Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Klassenbesuchs ins Technorama. 2024 waren es 63'370 gewesen.[3]

Lehrpersonen können den Besuch durch Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen und den digitalen «Technorama Explorer» vorbereiten. Die Angebote sollen nicht lediglich einen einzelnen Ausflug ermöglichen, sondern auch Anregungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht vermitteln.

Der Explorer enthält Informationen über Exponate, Themenbereiche und Zugänglichkeit. Lehrpersonen können passende Stationen auswählen und den Besuch an Alter, Unterrichtsthema und Interessen der Klasse anpassen.

Fortbildungen befassen sich mit offenem Experimentieren, der Entwicklung geeigneter Fragestellungen und dem Umgang mit unerwarteten Ergebnissen. Der Lehrgang «Unterricht als Abenteuer» überträgt die didaktischen Grundsätze des Science Centers auf den Schulalltag.

Durch die Verbindung von Ausstellung, Laboren, Workshops und Lehrerbildung gilt das Technorama als grösster ausserschulischer MINT-Lernort der Schweiz.[13]

Organisation

Trägerin ist die gemeinnützige Stiftung Swiss Science Center Technorama. Der Stiftungsrat ist für die strategische Leitung und die Aufsicht über die Geschäftsführung verantwortlich.

Seit September 2025 ist Torsten Wintergerste Präsident des Stiftungsrats. Er folgte auf Werner Inderbitzin, der das Amt seit 2013 ausgeübt hatte. Dem Stiftungsrat gehören Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung an.[3]

Direktor ist seit 2008 Thorsten-D. Künnemann. Die Organisation gliedert sich in Geschäftsleitung und Abteilungen für Ausstellung und Didaktik, Kommunikation und Marketing, Administration, Besucherservice, Labore, Werkstatt und Haustechnik.[4]

2025 beschäftigte die Stiftung 143 Personen, die zusammen 86,55 Vollzeitstellen entsprachen. Auf der Organisationsseite wurden 2026 rund 144 Mitarbeitende beziehungsweise 89 Vollzeitstellen angegeben.[14][4]

Finanzierung

Das Technorama finanziert einen grossen Teil seines Betriebs durch Eintrittsgelder und eigene wirtschaftliche Tätigkeiten. Weitere Einnahmen stammen aus Shop und Gastronomie, Veranstaltungen, öffentlichen Betriebsbeiträgen, Spenden, Stiftungen, Unternehmen und privaten Förderern.

Der Eigenfinanzierungsgrad lag 2025 ohne Spenden und Betriebsbeiträge bei 72 Prozent. Die Betriebskosten ohne Abschreibungen und Finanzaufwand beliefen sich auf rund 11,65 Millionen Franken. Im selben Jahr wurden rund 901'000 Franken investiert.[14]

Die Schweizerische Gesellschaft Pro Technorama unterstützt das Science Center als Förderverein. Daneben besteht die Vereinigung Technorama und Wirtschaft, über die Unternehmen zur Finanzierung und Weiterentwicklung beitragen können.

Öffentliche Beiträge und private Spenden sind insbesondere für grössere Bauprojekte, neue Ausstellungen, Bildungsangebote und die Erneuerung der technischen Infrastruktur von Bedeutung.

Besucherentwicklung

Die Besucherzahlen stiegen nach der Umwandlung zum Science Center langfristig deutlich an. Vor der COVID-19-Pandemie wurden 2019 insgesamt 291'706 Eintritte gezählt.

Wegen der zeitweiligen Schliessungen sank die Zahl 2020 auf 156'935. Im Jahr 2021, in dem das Haus fast vier Monate geschlossen blieb, wurden 214'080 Gäste verzeichnet.[15][6]

Nach dem Ende der Einschränkungen stiegen die Zahlen stark:

  • 2022: 306'728 Eintritte;
  • 2023: 364'286 Eintritte;
  • 2024: 372'932 Eintritte;
  • 2025: 369'211 Eintritte.

2024 stellte damit einen neuen Jahresrekord dar. Im Juli 2025 kamen trotz der leicht niedrigeren Jahreszahl fast 50'000 Gäste. Dies war der bis dahin höchste Monatswert des Technorama.[3]

Das Wachstum führte zugleich zu Engpässen bei Eingang, Garderoben, Gastronomie, Lüftung und Aufenthaltsflächen. Diese Probleme gehören zu den Gründen für das geplante Bauprojekt «Technorama 2050».

Technorama 2050

«Technorama 2050» ist ein umfassendes Sanierungs- und Erweiterungsprojekt für das Hauptgebäude. Die Bezeichnung bezieht sich nicht auf das geplante Eröffnungsjahr, sondern auf die langfristige Ausrichtung des Science Centers.

Das 1982 eröffnete Gebäude wurde ursprünglich für höchstens etwa 250'000 Gäste pro Jahr ausgelegt. Haustechnik, Gebäudehülle und Besucherbereiche entsprechen nicht mehr vollständig den heutigen Anforderungen. Gleichzeitig liegen die jährlichen Besucherzahlen inzwischen deutlich über 300'000.[16]

Das Projekt sieht unter anderem vor:

  • einen grosszügigen zentralen Innenraum mit der Bezeichnung «Piazza» zu schaffen;
  • Ausstellungs-, Eingangs-, Garderoben- und Aufenthaltsflächen zu erweitern;
  • Lüftung, Gebäudehülle und weitere technische Anlagen zu modernisieren;
  • das Restaurant und die Veranstaltungsbereiche auszubauen;
  • Orientierung und Barrierefreiheit zu verbessern;
  • den Vorplatz und Teile des Parkplatzes zu entsiegeln und zu begrünen;
  • bestehende Gebäudestrukturen möglichst weiterzuverwenden;
  • Energieverbrauch und CO₂-Ausstoss zu reduzieren.

Als markantes Exponat der neuen Piazza ist eine etwa zehn Meter hohe Wasserwand vorgesehen. Eine temporäre Ausstellung soll während der Bauphase einen eingeschränkten Weiterbetrieb ermöglichen.

Die Baubewilligung wurde Ende 2024 erteilt. Das Gesamtbudget wird auf 60 Millionen Franken geschätzt. Ende 2025 lagen Finanzierungszusagen vor, die nach Angaben des Technorama etwa drei Viertel der Projektsumme abdeckten.[3]

Die Wiedereröffnung des erneuerten Gebäudes ist für 2030 vorgesehen. Bis zur Realisierung können Zeitplan, Finanzierung und einzelne Bestandteile des Projekts noch angepasst werden.[17]

Inklusion und Barrierefreiheit

Das Technorama arbeitet daran, seine Angebote für Menschen mit unterschiedlichen körperlichen, sensorischen und kognitiven Voraussetzungen zugänglich zu machen.

Ein grosser Teil des Gebäudes und der Wunderbrücke ist mit Rollstuhl erreichbar. Ergänzend werden Informationen zur Zugänglichkeit einzelner Bereiche bereitgestellt.

Für Personen, die sich nicht oder nur eingeschränkt lautsprachlich ausdrücken können, wurden elektronische Kommunikationshilfen und Handbücher mit METACOM-Symbolen eingeführt. Exponatbeschreibungen werden schrittweise durch Piktogramme und leichter verständliche Texte ergänzt.[18]

Das Projekt «Technorama 2050» sieht weitere Ruhe- und Rückzugsorte, ein Orientierungssystem für Menschen mit Sehbehinderung, Audiodeskriptionen und Angebote in Gebärdensprache vor.[19]

Die Vielzahl interaktiver Exponate bringt besondere Herausforderungen mit sich. Nicht jede Station kann ohne Weiteres von allen Menschen bedient oder wahrgenommen werden. Ziel ist daher nicht nur der bauliche Zugang, sondern eine möglichst gleichwertige Erfahrung auf unterschiedlichen Wegen.

Lage und Erschliessung

Das Technorama befindet sich an der Technoramastrasse 1 im Winterthurer Stadtkreis Oberwinterthur. Das Gelände liegt in einem durch Industrie-, Gewerbe- und Wohnbauten geprägten Gebiet östlich des Stadtzentrums.

Vom Bahnhof Oberwinterthur ist das Science Center zu Fuss in ungefähr zehn Minuten erreichbar. Die städtische Buslinie 5 verbindet den Hauptbahnhof Winterthur direkt mit der Haltestelle Technorama.[20]

Für den motorisierten Individualverkehr stehen Parkplätze zur Verfügung. Wegen der begrenzten Zahl empfiehlt das Technorama besonders an stark besuchten Tagen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Im Gebäude befinden sich ein Restaurant, Picknickbereiche, ein Museumsshop, Seminarräume und ein Auditorium. Im Aussenpark stehen zusätzliche Picknickplätze, Grillstellen und saisonale gastronomische Angebote zur Verfügung.

Bedeutung

Das Technorama hat die Entwicklung der Wissenschaftsvermittlung in der Schweiz wesentlich mitgeprägt. Seine Umwandlung von einer historischen Techniksammlung zu einem interaktiven Science Center wurde zum Vorbild für andere Museen und Bildungsinstitutionen.

Das Haus verbindet Freizeitangebot, Museum, Labor und Bildungseinrichtung. Es erreicht Menschen, die klassische naturwissenschaftliche Museen oder Vorlesungen möglicherweise nicht besuchen würden.

Für Winterthur ist das Technorama zugleich ein bedeutendes touristisches Ziel. Seine jährlich deutlich über 300'000 Eintritte tragen zur Stellung der Stadt als schweizerischer Museums- und Kulturstandort bei.

Die hauseigene Entwicklung und Werkstatt ermöglichen es, neue Exponate nicht nur einzukaufen, sondern aus eigenen didaktischen Fragestellungen heraus zu entwerfen. Dadurch verfügt das Technorama innerhalb der europäischen Science-Center-Landschaft über ein eigenständiges Profil.

Seine Bedeutung zeigt sich besonders im Bereich der MINT-Förderung. Der Besuch soll nicht nur Wissen über einzelne physikalische oder biologische Phänomene vermitteln, sondern Neugier, selbstständiges Denken und Vertrauen in die eigene Fähigkeit zum Experimentieren fördern.

Siehe auch

Literatur

  • Swiss Science Center Technorama: Geschäftsbericht 2025. Winterthur 2026.
  • Swiss Science Center Technorama: Didaktisches Manifest. Überarbeitete Ausgabe, Winterthur 2025.
  • Peter Pfyffer: Zur Geschichte des Technorama. Schweizerische Gesellschaft Pro Technorama, Winterthur.
  • Stiftung Technorama der Schweiz: Wissenschaft und Technik in lebendiger Schau. Winterthur 1982.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Swiss Science Center Technorama: Wie alles begann, abgerufen am 2. August 2026.
  2. Swiss Science Center Technorama: Anfassen erwünscht!, abgerufen am 2. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Swiss Science Center Technorama: Geschäftsbericht 2025, abgerufen am 2. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Swiss Science Center Technorama: Rechtsform und Organisation, abgerufen am 2. August 2026.
  5. Technorama 2050: Technorama-Fassade in Bewegung: Das Wind Veil erklärt, abgerufen am 2. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Swiss Science Center Technorama: Geschäftsbericht 2021, abgerufen am 2. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Swiss Science Center Technorama: Ausstellungen, abgerufen am 2. August 2026.
  8. 8,0 8,1 Swiss Science Center Technorama: Werkstatt und Technik 2025, abgerufen am 2. August 2026.
  9. Swiss Science Center Technorama: Veranstaltungen 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  10. 10,0 10,1 10,2 Swiss Science Center Technorama: Technorama Draussen – ein Park entsteht, abgerufen am 2. August 2026.
  11. Swiss Science Center Technorama: Unser Park wird als bestes Landschaftsprojekt 2022 prämiert, 7. Dezember 2022, abgerufen am 2. August 2026.
  12. Swiss Science Center Technorama: Geschäftsbericht 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  13. Technorama 2050: Warum es uns braucht, abgerufen am 2. August 2026.
  14. 14,0 14,1 Swiss Science Center Technorama: Finanzen 2025, abgerufen am 2. August 2026.
  15. Swiss Science Center Technorama: Geschäftsbericht 2020, abgerufen am 2. August 2026.
  16. Technorama 2050: Warum sanieren und erweitern?, abgerufen am 2. August 2026.
  17. Technorama 2050: Projektübersicht, abgerufen am 2. August 2026.
  18. Swiss Science Center Technorama: Inklusion 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  19. Technorama 2050: Was wird anders?, abgerufen am 2. August 2026.
  20. Swiss Science Center Technorama: Anreise, abgerufen am 2. August 2026.