Proton Mail

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Proton Mail
Frühere Bezeichnung ProtonMail
Art E-Mail-Dienst, Webmail
Veröffentlichung 16. Mai 2014
Betreiber Proton AG
Sitz des Betreibers Plan-les-Ouates, Kanton Genf, Schweiz
Gründer Andy Yen, Jason Stockman, Wei Sun
Betriebssysteme Webanwendung, Android, iOS, Microsoft Windows, macOS, Linux
Verschlüsselung Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Zero-Access-Verschlüsselung
Tarifmodell kostenloses und kostenpflichtige Angebote
Sprachen mehrsprachig
Registrierung erforderlich
Website proton.me/mail

Proton Mail ist ein schweizerischer E-Mail-Dienst mit Schwerpunkt auf Datenschutz und verschlüsselter Kommunikation. Der Dienst wurde 2014 unter der Bezeichnung ProtonMail veröffentlicht und wird von der in Plan-les-Ouates im Kanton Genf ansässigen Proton AG betrieben. Proton Mail entstand aus einem Projekt von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich im Umfeld des europäischen Kernforschungszentrums CERN kennengelernt hatten.

Nachrichten zwischen Proton-Mail-Konten werden automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. E-Mails, die von externen Anbietern eingehen, werden nach ihrer Zustellung mit einer sogenannten Zero-Access-Verschlüsselung auf den Servern gespeichert. Dadurch soll Proton den Inhalt der gespeicherten Nachrichten nicht lesen können.[1]

Proton Mail wird als Webanwendung, als mobile Anwendung und als Desktopprogramm angeboten. Über die zusätzliche Anwendung Proton Mail Bridge können kostenpflichtige Konten auch mit herkömmlichen E-Mail-Programmen wie Mozilla Thunderbird, Microsoft Outlook und Apple Mail verwendet werden. Der Dienst ist Bestandteil eines grösseren Proton-Angebots, zu dem unter anderem Proton VPN, Proton Calendar, Proton Drive und Proton Pass gehören.

Geschichte

Entstehung

Die Entwicklung von Proton Mail begann 2013. Mehrere Wissenschaftler und Ingenieure, die am CERN oder in dessen Umfeld arbeiteten, diskutierten über die Folgen staatlicher und kommerzieller Überwachung im Internet. Die Enthüllungen von Edward Snowden über internationale Überwachungsprogramme verstärkten das öffentliche Interesse an verschlüsselter digitaler Kommunikation.

Zu den Gründern gehörten Andy Yen, Jason Stockman und Wei Sun. Das Team wollte einen E-Mail-Dienst schaffen, bei dem die Verschlüsselung für gewöhnliche Nutzerinnen und Nutzer weitgehend automatisch erfolgt. Bestehende Verfahren wie Pretty Good Privacy galten zwar als technisch leistungsfähig, waren jedoch für Personen ohne Fachkenntnisse häufig schwierig einzurichten und zu bedienen.

Der Name ProtonMail bezog sich auf das Proton als Bestandteil des Atomkerns und damit indirekt auf den wissenschaftlichen Hintergrund des Projekts. Die erste öffentliche Version wurde am 16. Mai 2014 veröffentlicht.[2]

Die Nachfrage überstieg nach Angaben der Entwickler rasch die vorhandenen Serverkapazitäten. Neue Konten konnten deshalb zeitweise nur über Einladungen eröffnet werden. Das Projekt wurde zunächst von einem kleinen internationalen Team betreut.

Crowdfunding und Unternehmensgründung

Im Juni 2014 begann eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung der weiteren Entwicklung. Mehr als 10'000 Unterstützer beteiligten sich mit insgesamt über 500'000 US-Dollar. Die Kampagne gehörte damals zu den erfolgreicheren Finanzierungsaktionen für einen Datenschutzdienst.

Im Juli 2014 wurde im Kanton Genf die Proton Technologies AG gegründet, die später in Proton AG umbenannt wurde. Das Unternehmen baute eine eigene technische Infrastruktur auf und entwickelte neben der Weboberfläche Anwendungen für mobile Geräte.

Die Finanzierung beruhte zunehmend auf einem Freemium-Modell. Ein Teil des Dienstes blieb kostenlos, während zusätzliche Funktionen, weitere Adressen und mehr Speicherplatz über kostenpflichtige Abonnemente angeboten wurden.

Offener Quellcode

Im August 2015 veröffentlichte Proton eine neue Version der Webanwendung und machte deren Quellcode öffentlich zugänglich. Dadurch konnten unabhängige Fachleute Teile der Anwendung untersuchen, Fehler melden und die Umsetzung der Verschlüsselung nachvollziehen.

Später wurden auch die mobilen Anwendungen, die Desktopprogramme und weitere Komponenten unter freien beziehungsweise quelloffenen Lizenzen veröffentlicht. Nicht sämtliche Teile der Serverinfrastruktur und der internen Verwaltungssysteme sind öffentlich einsehbar.

Die Veröffentlichung des Quellcodes ermöglicht eine unabhängige Überprüfung, garantiert jedoch nicht automatisch die Fehlerfreiheit der Software. Für eine vollständige Sicherheitsbeurteilung sind zusätzlich die Serverkonfiguration, die Erstellung der veröffentlichten Programmdateien und die betrieblichen Abläufe relevant.

Ende der Einladungsphase

Am 17. März 2016 verliess Proton Mail die öffentliche Testphase. Neue Konten konnten danach ohne Einladung eröffnet werden. Gleichzeitig wurden die offiziellen Anwendungen für Android und iOS weltweit veröffentlicht.[3]

Mit der allgemeinen Verfügbarkeit wuchs Proton Mail zu einem international genutzten E-Mail-Dienst. Das Unternehmen erweiterte den Funktionsumfang um benutzerdefinierte Domains, Filter, Ordner, Kontakte, mehrere Adressen und Angebote für Organisationen.

Proton Mail Bridge

Im Jahr 2017 führte das Unternehmen Proton Mail Bridge ein. Die Anwendung stellt auf dem Endgerät lokale IMAP- und SMTP-Schnittstellen bereit. Dadurch können Nachrichten mit gewöhnlichen E-Mail-Programmen abgerufen und versendet werden, obwohl Proton Mail seine verschlüsselten Postfächer nicht direkt über die üblichen Protokolle zugänglich macht.

Bridge entschlüsselt eingehende Nachrichten lokal und verschlüsselt ausgehende Nachrichten vor der Übertragung an Proton. Die Zugangsdaten, die ein E-Mail-Programm für die Verbindung mit Bridge verwendet, sind nicht mit dem eigentlichen Proton-Kennwort identisch.

Die Anwendung wird für Windows, macOS und Linux angeboten. Sie ist grundsätzlich den kostenpflichtigen Proton-Mail-Tarifen vorbehalten.[4]

Erweiterung zum Proton-Ökosystem

Proton Mail war zunächst das einzige Hauptprodukt des Unternehmens. Im Juni 2017 kam der VPN-Dienst Proton VPN hinzu. Später folgten Proton Calendar, Proton Drive, Proton Pass und weitere Angebote.

Im Mai 2022 vereinheitlichte Proton die Gestaltung und Bezeichnung seiner Dienste. Aus der zusammengeschriebenen Marke ProtonMail wurde offiziell Proton Mail. Die verschiedenen Produkte erhielten ein gemeinsames Kontensystem und eine ähnliche Benutzeroberfläche.

Proton Mail wurde eng mit Proton Calendar verbunden. Termineinladungen können innerhalb des E-Mail-Dienstes angezeigt und dem verschlüsselten Kalender hinzugefügt werden. Dateien aus Proton Drive lassen sich abhängig von der jeweiligen Funktion ebenfalls mit Nachrichten verknüpfen.

Desktopanwendungen

Proton Mail war ursprünglich hauptsächlich über einen Webbrowser oder die mobilen Anwendungen zugänglich. Für die Verwendung mit traditionellen Desktopprogrammen stand Proton Mail Bridge zur Verfügung.

Später entwickelte Proton eine eigenständige Desktopanwendung, die die Weboberflächen von Proton Mail und Proton Calendar in ein eigenes Programm integriert. Die Anwendung wird für Windows, macOS und Linux angeboten. Die Linux-Version befindet sich je nach Veröffentlichungskanal teilweise noch in einer Testphase.[5]

Die Desktopanwendung und Proton Mail Bridge erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Desktopanwendung bietet die vollständige Proton-Oberfläche, während Bridge die Verwendung externer E-Mail-Programme ermöglicht.

Betreiber

Betreiberin von Proton Mail ist die schweizerische Proton AG. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz an der Route de la Galaise 32 in Plan-les-Ouates im Kanton Genf.[6]

Proton wurde von Personen gegründet, die sich im Umfeld des CERN kennengelernt hatten. Das CERN selbst ist jedoch weder Betreiber noch Eigentümer von Proton Mail. Die Proton AG ist ein eigenständiges privates Unternehmen.

Seit 2024 ist die gemeinnützige schweizerische Proton Foundation Mehrheitsaktionärin der Proton AG. Die Stiftung soll die langfristige Ausrichtung des Unternehmens auf Datenschutz und digitale Selbstbestimmung sichern.

Proton finanziert Proton Mail hauptsächlich durch kostenpflichtige Abonnemente. Das Unternehmen erklärt, keine personalisierte Werbung einzublenden und persönliche Daten nicht für Werbezwecke zu verkaufen. Kostenlose Konten werden durch die Einnahmen der zahlenden Kundschaft mitfinanziert.

Funktionsweise

Proton Mail verwendet ein zentrales E-Mail-System mit verschlüsselter Speicherung. Die Nachrichten werden über die Server des Unternehmens gesendet und empfangen. Die Art der Verschlüsselung hängt davon ab, ob Sender und Empfänger Proton Mail oder externe E-Mail-Dienste verwenden.

Zwischen zwei Proton-Mail-Konten wird der Nachrichteninhalt automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die Verschlüsselung erfolgt auf dem Gerät oder innerhalb der Proton-Anwendung des Absenders. Erst das berechtigte Gerät des Empfängers kann die Nachricht entschlüsseln.

Bei E-Mails von oder zu externen Anbietern gelten andere Bedingungen. Das gewöhnliche E-Mail-System wurde nicht für eine automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen unterschiedlichen Diensten entwickelt. Solche Nachrichten können während der Übertragung durch Transport Layer Security geschützt sein, sofern beide beteiligten Server dies unterstützen.

Eingehende Nachrichten externer Anbieter werden nach der Zustellung mit dem öffentlichen Schlüssel des Proton-Mail-Kontos verschlüsselt. Dadurch kann Proton nach eigenen Angaben später nicht mehr auf den gespeicherten Inhalt zugreifen. Dieses Verfahren wird als Zero-Access-Verschlüsselung bezeichnet.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Nachrichten zwischen Proton-Mail-Konten werden automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. Absender und Empfänger müssen dafür keine Schlüssel manuell austauschen. Die Proton-Anwendungen verwalten die notwendigen kryptografischen Schlüssel im Hintergrund.

Proton Mail verwendet Verfahren auf der Grundlage von OpenPGP. Für ein Konto werden öffentliche und private Schlüssel erzeugt. Der öffentliche Schlüssel kann zum Verschlüsseln einer Nachricht verwendet werden, während der private Schlüssel für die Entschlüsselung erforderlich ist.

Der private Schlüssel wird durch ein vom Kennwort abgeleitetes Geheimnis geschützt. Proton speichert ihn in verschlüsselter Form. Nach Darstellung des Unternehmens besitzt Proton nicht die erforderlichen Informationen, um den privaten Schlüssel und damit den Nachrichteninhalt selbst zu entschlüsseln.

Bei Ende-zu-Ende verschlüsselten Nachrichten wird auch der Inhalt von Anhängen geschützt. Bestimmte Metadaten müssen jedoch für den Betrieb des E-Mail-Systems verarbeitet werden.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt nur den Übertragungsweg und die gespeicherten Inhalte innerhalb des vorgesehenen Systems. Wird ein Endgerät durch Schadsoftware kontrolliert, kann eine Nachricht vor der Verschlüsselung oder nach der Entschlüsselung gelesen werden.

Zero-Access-Verschlüsselung

Alle im Proton-Mail-Postfach gespeicherten Nachrichten und Anhänge werden nach Angaben des Unternehmens mit einer Zero-Access-Verschlüsselung geschützt. Dies gilt auch für Nachrichten, die von externen E-Mail-Diensten eingehen.[1]

Bei diesem Modell wird eine externe Nachricht zunächst über das gewöhnliche E-Mail-System an Proton übermittelt. Nach der Annahme durch die Proton-Server wird sie mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängerkontos verschlüsselt.

Zero-Access-Verschlüsselung ist nicht mit einer durchgehenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gleichzusetzen. Während der Zustellung von einem externen Anbieter kann die Nachricht auf dessen Servern und während einzelner Verarbeitungsschritte unverschlüsselt oder lediglich transportverschlüsselt vorliegen.

Auch der externe Absender oder dessen E-Mail-Anbieter kann weiterhin eine lesbare Kopie der Nachricht besitzen. Die spätere verschlüsselte Speicherung bei Proton beseitigt diese externen Kopien nicht.

Verschlüsselte Nachrichten an externe Empfänger

Proton Mail ermöglicht das Senden kennwortgeschützter Nachrichten an Personen, die keinen Proton-Dienst verwenden. Der Nachrichteninhalt wird dabei nicht als gewöhnliche E-Mail an das externe Postfach zugestellt.

Die Empfängerin oder der Empfänger erhält stattdessen eine Benachrichtigung mit einem Link zu einer Proton-Seite. Nach Eingabe des zuvor vereinbarten Kennworts kann die Nachricht entschlüsselt und gelesen werden.

Das Kennwort sollte über einen anderen sicheren Kommunikationskanal ausgetauscht werden. Wird es in einer unverschlüsselten Nachricht an dieselbe E-Mail-Adresse gesendet, geht ein wesentlicher Teil des zusätzlichen Schutzes verloren.

Für kennwortgeschützte Nachrichten kann eine Ablaufzeit festgelegt werden. Nach deren Ablauf ist der Zugriff über den bereitgestellten Link nicht mehr möglich.[7]

Dieses Verfahren kann nicht verhindern, dass der Empfänger den Inhalt kopiert, fotografiert oder anderweitig speichert, solange die Nachricht zugänglich ist.

Kommunikation mit OpenPGP-Nutzern

Proton Mail unterstützt den Austausch von OpenPGP-Schlüsseln mit externen Kontakten. Nutzerinnen und Nutzer können öffentliche Schlüssel importieren und ausgehende Nachrichten an geeignete externe Empfänger verschlüsseln.

Umgekehrt kann der öffentliche Schlüssel einer Proton-Mail-Adresse veröffentlicht oder an andere Personen weitergegeben werden. Externe Absender können damit verschlüsselte Nachrichten an das Proton-Konto senden.

Die Verwaltung erfolgt weitgehend über die Weboberfläche und die Kontaktverwaltung. Dadurch müssen Nutzer die grundlegenden OpenPGP-Befehle normalerweise nicht selbst ausführen.

Für eine sichere Identitätsprüfung muss dennoch verifiziert werden, dass ein öffentlicher Schlüssel tatsächlich zur erwarteten Person gehört. Ein ungeprüfter Schlüssel schützt zwar den Inhalt, kann aber zu einer falschen Identität gehören.

Verschlüsselte Metadaten

Die Verschlüsselung von E-Mails ist durch die technischen Anforderungen des globalen E-Mail-Systems begrenzt. Damit eine Nachricht zugestellt werden kann, müssen bestimmte Adressierungsinformationen von den beteiligten Servern verarbeitet werden.

Absender- und Empfängeradressen werden bei Proton verschlüsselt gespeichert, sind jedoch nicht in derselben Weise Ende-zu-Ende verschlüsselt wie der Nachrichteninhalt. Proton muss sie während des Versands und Empfangs verarbeiten können.

Auch Betreffzeilen werden nach Angaben des Unternehmens verschlüsselt gespeichert, jedoch nicht durchgehend Ende-zu-Ende verschlüsselt.[8]

Weitere technische Metadaten können Zeitstempel, Nachrichtengrösse, beteiligte Server, Spam-Bewertungen und Informationen über die Zustellung umfassen. Ein verschlüsselter E-Mail-Dienst verhindert daher nicht jede Form der Kommunikationsanalyse.

Konten und Adressen

Bei der Registrierung wird ein Proton-Konto eingerichtet. Dieses kann neben Proton Mail auch für andere Proton-Dienste verwendet werden.

Je nach Tarif können eine oder mehrere E-Mail-Adressen erstellt werden. Proton stellt Domains wie proton.me und protonmail.com bereit. Ältere Konten können zusätzlich Adressen unter weiteren historischen Domains besitzen.

Kostenpflichtige Konten können eigene Domains verwenden. Dazu muss die Domain über DNS-Einträge mit Proton Mail verbunden werden. Üblicherweise werden MX-Einträge für die Zustellung sowie SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge für die Authentisierung eingerichtet.

Mehrere Adressen können innerhalb eines Kontos verwaltet werden. Abhängig vom Tarif lassen sich Nachrichten über verschiedene Absenderidentitäten versenden und empfangen.

Zusätzlich unterstützt Proton sogenannte Plus-Adressen. Dabei wird an den lokalen Teil einer Adresse ein mit einem Pluszeichen beginnender Zusatz angehängt. Solche Adressen können zur Sortierung oder zur Erkennung weitergegebener Kontaktdaten verwendet werden.

E-Mail-Aliasse

Durch die Integration des Dienstes SimpleLogin können Proton-Nutzer zusätzliche Alias-Adressen erzeugen. Nachrichten an einen Alias werden an das eigentliche Postfach weitergeleitet.

Ein Alias kann bei der Registrierung auf Websites verwendet werden, ohne die Hauptadresse offenzulegen. Wird eine Adresse später für unerwünschte Nachrichten verwendet, kann der betreffende Alias deaktiviert werden.

Bestimmte Alias-Funktionen sind in Proton Pass und in kostenpflichtigen Proton-Tarifen enthalten. SimpleLogin kann daneben weiterhin als eigenständiger Dienst genutzt werden.

Ein Alias verhindert nicht jede Form der Identifikation. Websites können Personen weiterhin über Zahlungsdaten, Telefonnummern, Cookies, Gerätekennungen oder andere Angaben miteinander verknüpfen.

Webanwendung

Die Webanwendung ist über einen gewöhnlichen Browser erreichbar. Sie bietet Funktionen zum Lesen, Verfassen, Suchen, Sortieren und Verwalten von Nachrichten.

Nachrichten können in Ordner verschoben, mit Labels versehen oder durch Filter automatisch verarbeitet werden. Kostenpflichtige Tarife bieten je nach Angebot zusätzliche Speicher- und Verwaltungsfunktionen.

Die Entschlüsselung der Nachrichten erfolgt im Browser. Dafür wird Programmcode verwendet, der beim Aufruf der Webanwendung vom Proton-Server geladen wird.

Dieses Modell ist bequem, setzt jedoch Vertrauen in die jeweils ausgelieferte Anwendung voraus. Ein kompromittierter Server oder eine manipulierte Webanwendung könnte theoretisch versuchen, Zugangsdaten oder entschlüsselte Inhalte abzugreifen.

Eigenständige Anwendungen verringern die Abhängigkeit von bei jedem Aufruf neu geladenem Browsercode, müssen jedoch ebenfalls aus einer vertrauenswürdigen Quelle installiert und aktuell gehalten werden.

Mobile Anwendungen

Proton Mail bietet offizielle Anwendungen für Android, iPhone und iPad. Sie ermöglichen den Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten und unterstützen Benachrichtigungen über neu eingegangene E-Mails.

Die mobilen Anwendungen enthalten Funktionen zur Organisation des Postfachs, zur Verwaltung von Kontakten, zum Versenden von Anhängen und zur Bearbeitung von Kalenderterminen.

Für Benachrichtigungen können je nach Betriebssystem Dienste von Google oder Apple beteiligt sein. Proton versucht dabei, den Inhalt der eigentlichen Nachricht nicht an den Benachrichtigungsdienst zu übermitteln.

Die Sicherheit hängt auch vom Schutz des mobilen Geräts ab. Ein entsperrtes oder kompromittiertes Gerät kann trotz verschlüsselter Serverspeicherung Zugriff auf bereits entschlüsselte Nachrichten ermöglichen.

Desktopanwendung

Die Proton-Mail-Desktopanwendung stellt Proton Mail und Proton Calendar als eigenständiges Programm bereit. Sie verwendet eine ähnliche Benutzeroberfläche wie die Webanwendung.

Das Programm wird für Windows und macOS sowie in einer Linux-Version angeboten. Es synchronisiert Nachrichten und Termine mit dem Proton-Konto.

Die Desktopanwendung ist von Proton Mail Bridge zu unterscheiden. Sie ist ein vollständiger eigener E-Mail-Client, während Bridge eine Verbindung zwischen Proton und externen Programmen herstellt.

Die Verfügbarkeit der Desktopanwendung kann vom Tarif abhängen. Kostenlose Konten erhalten je nach aktueller Regelung nur einen zeitlich begrenzten Testzugang.

Proton Mail Bridge

Proton Mail Bridge ist eine lokal installierte Anwendung für Windows, macOS und Linux. Sie ermöglicht die Nutzung eines Proton-Mail-Kontos mit Programmen, die IMAP und SMTP unterstützen.[9]

Nach der Anmeldung lädt Bridge die verschlüsselten Nachrichten vom Proton-Dienst und stellt sie dem lokalen E-Mail-Programm in entschlüsselter Form zur Verfügung. Ausgehende Nachrichten werden lokal übernommen, verarbeitet und verschlüsselt an Proton übermittelt.

Die Verbindung zwischen Bridge und dem E-Mail-Programm läuft grundsätzlich nur auf dem eigenen Gerät. Das Programm erhält dafür besondere lokale Zugangsdaten.

Bridge unterstützt unter anderem Mozilla Thunderbird, Microsoft Outlook und Apple Mail. Andere IMAP- und SMTP-Programme können ebenfalls funktionieren, werden aber nicht zwingend offiziell getestet.

Da das externe E-Mail-Programm Nachrichten lokal speichert, hängt der Schutz dieser Kopien von dessen Konfiguration und vom Betriebssystem ab. Eine unverschlüsselte lokale Datenbank kann die serverseitige Verschlüsselung teilweise unterlaufen.

Kontakte

Proton Mail enthält eine Kontaktverwaltung. Namen, Adressen, Telefonnummern und weitere Kontaktdaten können gespeichert und mit dem E-Mail-Dienst verwendet werden.

Bestimmte Kontaktfelder werden digital signiert. Dadurch soll erkennbar werden, wenn sie unbemerkt verändert wurden. Besonders wichtige Felder können zusätzlich verschlüsselt gespeichert werden.

Öffentliche OpenPGP-Schlüssel lassen sich einzelnen Kontakten zuordnen. Proton Mail kann danach erkennen, ob eine externe Nachricht an diese Person verschlüsselt werden kann.

Wie bei anderen synchronisierten Daten hängt die Vertraulichkeit auch von der Sicherheit der angemeldeten Endgeräte ab.

Suche

Eine gewöhnliche serverseitige Volltextsuche ist bei vollständig verschlüsselten Nachrichten schwierig, da der Server den Inhalt nicht lesen kann.

Proton Mail verwendet deshalb auf unterstützten Plattformen einen lokalen Suchindex. Die Anwendung lädt und entschlüsselt die erforderlichen Nachrichtendaten und erstellt daraus auf dem Gerät einen verschlüsselten Index.

Nach der Einrichtung kann nach Wörtern im Nachrichteninhalt gesucht werden, ohne dass Proton den unverschlüsselten Suchindex erhalten soll.

Der Aufbau des Index kann bei grossen Postfächern längere Zeit dauern und zusätzlichen Speicherplatz auf dem Gerät benötigen. Die Funktion steht nicht in jeder Anwendung und auf jedem Gerät im gleichen Umfang zur Verfügung.

Spam- und Phishing-Schutz

Proton Mail verwendet automatische Verfahren zur Erkennung von unerwünschten und betrügerischen Nachrichten. Dabei werden technische Metadaten, Absenderreputation, E-Mail-Authentisierung und weitere Merkmale ausgewertet.

Eingehende Nachrichten können in den Spamordner verschoben oder mit Warnhinweisen versehen werden. Nutzerinnen und Nutzer können Absender blockieren und eigene Filterregeln erstellen.

Bei externen Nachrichten können die Standards SPF, DKIM und DMARC geprüft werden. Diese Verfahren helfen festzustellen, ob ein sendender Server für eine Domain autorisiert ist.

Kein Filtersystem erkennt sämtliche schädlichen Nachrichten. Auch Proton-Mail-Nutzer können durch gefälschte Anmeldeseiten, manipulierte Anhänge und Social Engineering angegriffen werden.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt nicht davor, dass ein berechtigter Absender selbst eine schädliche Nachricht versendet.

Zwei-Faktor-Authentisierung

Proton-Konten können durch eine Zwei-Faktor-Authentisierung geschützt werden. Nach Eingabe des Kennworts ist dann ein zusätzlicher Bestätigungscode oder ein registrierter Sicherheitsschlüssel erforderlich.

Unterstützt werden zeitbasierte Einmalpasswörter und je nach Kontokonfiguration Sicherheitsschlüssel beziehungsweise Passkeys nach modernen Authentisierungsstandards.

Die Zwei-Faktor-Authentisierung erschwert den Zugriff mit einem gestohlenen Kennwort. Sie schützt jedoch nicht vollständig vor Phishing, kompromittierten Geräten oder dem Verlust einer bereits angemeldeten Sitzung.

Bei der Einrichtung werden Wiederherstellungscodes bereitgestellt. Diese sollten getrennt vom Gerät und vor unbefugtem Zugriff geschützt aufbewahrt werden.

Wiederherstellung des Kontos

Das Verschlüsselungsmodell erschwert die Wiederherstellung, wenn eine Nutzerin oder ein Nutzer das Kennwort vergisst. Proton kann nicht einfach ein neues Kennwort setzen und damit sämtliche bisherigen Nachrichten entschlüsseln.

Für das Konto können Wiederherstellungsmethoden eingerichtet werden. Dazu gehören eine externe E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer, eine Wiederherstellungsphrase oder eine besondere Wiederherstellungsdatei.

Eine gewöhnliche Kennwortrücksetzung kann den Zugang zum Konto wiederherstellen, ermöglicht aber nicht zwingend die Entschlüsselung älterer Nachrichten. Dafür wird eine zuvor eingerichtete Methode zur Wiederherstellung der Schlüssel benötigt.

Wer keine geeignete Wiederherstellungsmethode besitzt und das Kennwort verliert, kann dauerhaft den Zugriff auf verschlüsselte Inhalte verlieren.

Eigene Domains

Kostenpflichtige Tarife ermöglichen die Verwendung eigener Internetdomains. Ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Privatperson kann dadurch Adressen wie [email protected] über Proton Mail verwalten.

Für die Einrichtung müssen die DNS-Einträge der Domain angepasst werden. MX-Einträge bestimmen, dass eingehende Nachrichten an Proton zugestellt werden.

SPF legt fest, welche Server Nachrichten im Namen der Domain senden dürfen. DKIM versieht ausgehende E-Mails mit einer digitalen Signatur. DMARC beschreibt, wie empfangende Server mit Nachrichten umgehen sollen, die diese Prüfungen nicht bestehen.

Eine fehlerhafte Konfiguration kann dazu führen, dass Nachrichten nicht zugestellt oder als Spam eingestuft werden. Proton stellt deshalb in der Administrationsoberfläche eine Prüfung der erforderlichen Einträge bereit.

Unternehmen und Organisationen

Proton Mail bietet Tarife für Unternehmen, Vereine, Medienorganisationen und andere Gruppen. Administratoren können Benutzerkonten, Adressen, Domains und Speicherzuweisungen zentral verwalten.

Je nach Tarif lassen sich mehrere Personen unter einer gemeinsamen Organisation zusammenfassen. Einzelne Konten können zusätzliche Adressen und unterschiedliche Berechtigungen erhalten.

Proton positioniert die Geschäftsangebote als Alternative zu E-Mail- und Büroplattformen grosser internationaler Anbieter. Die Dienste können mit Proton Calendar, Proton Drive, Proton Pass und weiteren Anwendungen kombiniert werden.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erschwert bestimmte traditionelle Verwaltungs- und Überwachungsfunktionen. Unternehmen müssen deshalb prüfen, ob Archivierungs-, Aufbewahrungs- und Compliance-Anforderungen mit der jeweiligen Konfiguration erfüllt werden können.

Tarifmodell

Proton Mail wird in einem kostenlosen Basistarif und in mehreren kostenpflichtigen Varianten angeboten. Namen, Preise, Speichergrenzen und enthaltene Funktionen können sich ändern.

Das kostenlose Konto umfasst eine Proton-Mail-Adresse, begrenzten Speicher und grundlegende E-Mail-Funktionen. Es enthält keine personalisierte Werbung.

Kostenpflichtige Tarife bieten unter anderem mehr Speicher, zusätzliche Adressen, Unterstützung eigener Domains, erweiterte Filter und Zugang zu Proton Mail Bridge.

Bündeltarife verbinden Proton Mail mit Proton VPN, Proton Drive, Proton Calendar, Proton Pass und anderen Diensten. Daneben bestehen Angebote für Familien, Paare und Unternehmen.

Das Freemium-Modell soll einen kostenlosen Zugang ermöglichen, ohne den Dienst durch personalisierte Werbung oder den Verkauf von Nutzerdaten zu finanzieren.

Datenschutz

Proton Mail wird von einer schweizerischen Gesellschaft betrieben und untersteht grundsätzlich dem Bundesgesetz über den Datenschutz sowie weiteren anwendbaren Vorschriften.

Die Proton AG erklärt, Inhalte Ende-zu-Ende oder mit Zero-Access-Verschlüsselung zu speichern und deshalb nicht entschlüsseln zu können. Dies gilt nicht zwingend für sämtliche Konto- und Kommunikationsmetadaten.

Zur Kontoverwaltung können unter anderem eine Wiederherstellungsadresse, Zahlungsinformationen, Supportanfragen, Sicherheitsereignisse und technische Angaben verarbeitet werden.

Die Nutzung eines kostenpflichtigen Kontos kann durch die gewählte Zahlungsmethode mit einer Person verknüpft werden. Eine verschlüsselte E-Mail-Adresse ist daher nicht automatisch anonym.

Auch IP-Adressen können in bestimmten Situationen verarbeitet werden. Proton erklärt, die gewöhnliche Nutzung nicht dauerhaft mit einem umfassenden Aktivitätsprofil zu verbinden. Bei einer rechtsgültigen schweizerischen Anordnung kann das Unternehmen jedoch verpflichtet sein, vorhandene Daten herauszugeben oder bestimmte technische Angaben künftig zu erfassen.

Schweizer Rechtsordnung

Ausländische Behörden können Proton nicht unmittelbar nach ihren eigenen nationalen Verfahren zur Herausgabe von Daten verpflichten. Ein Ersuchen muss grundsätzlich über die vorgesehenen schweizerischen Rechtshilfe- oder Behördenwege erfolgen.

Wird eine Anordnung von den zuständigen schweizerischen Stellen genehmigt, muss Proton sie im gesetzlich erforderlichen Umfang befolgen. Das Unternehmen erklärt, rechtswidrige oder unverhältnismässige Anordnungen anzufechten.

Ende-zu-Ende verschlüsselte Inhalte können nach Darstellung von Proton nicht nachträglich entschlüsselt werden, wenn das Unternehmen den privaten Schlüssel nicht besitzt. Vorhandene Metadaten oder nicht verschlüsselte Kontoinformationen können dagegen grundsätzlich herausgegeben werden.

Proton veröffentlicht einen Transparenzbericht mit zusammengefassten Angaben zu rechtlichen Anordnungen. Für das Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen für Proton Mail 9'301 rechtliche Anordnungen, von denen 988 angefochten und 8'313 befolgt wurden.[10]

Die Zahl der befolgten Anordnungen bedeutet nicht, dass in jedem Fall Nachrichteninhalte bereitgestellt wurden. Art und Umfang der vorhandenen Daten unterscheiden sich je nach Konto und rechtlicher Massnahme.

Fall eines französischen Aktivisten

Im September 2021 wurde bekannt, dass Proton nach einer schweizerischen Anordnung technische Daten zu einem Konto erfasst und an schweizerische Behörden übermittelt hatte. Die Informationen wurden im Rahmen internationaler Rechtshilfe an französische Ermittlungsbehörden weitergegeben.

Das betreffende Konto wurde von Aktivisten genutzt, die im Zusammenhang mit der Besetzung von Geschäftsräumen in Paris ermittelt wurden. Proton musste nach eigenen Angaben eine IP-Adresse und Angaben zum verwendeten Gerät protokollieren.

Die Inhalte der E-Mails konnten laut Proton nicht entschlüsselt werden. Der Fall zeigte jedoch, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht sämtliche Metadaten schützt und dass ein Schweizer Anbieter rechtmässige schweizerische Anordnungen befolgen muss.

Nach öffentlicher Kritik änderte Proton einzelne Formulierungen auf seiner Website. Das Unternehmen betonte stärker, dass Proton Mail Schutz der Inhalte, aber keine garantierte Anonymität bietet.

Proton verwies darauf, dass für Personen mit erhöhtem Anonymitätsbedarf zusätzlich Tor oder ein vertrauenswürdiger VPN-Dienst verwendet werden könne. Auch solche Hilfsmittel gewährleisten jedoch keine vollständige Anonymität.

Transparenzbericht

Proton veröffentlicht einen Transparenzbericht, in dem die Zahl rechtlicher Anordnungen für Proton Mail und weitere Dienste nach Jahren zusammengefasst wird.

Der Bericht unterscheidet zwischen eingegangenen, angefochtenen und befolgten Anordnungen. Eine Anordnung kann beispielsweise Kontoinformationen, technische Metadaten oder die künftige Erfassung bestimmter Verbindungsdaten betreffen.

Da nur zusammengefasste Zahlen veröffentlicht werden, lässt sich daraus nicht erkennen, welche Daten in einzelnen Fällen betroffen waren. Proton ist ausserdem möglicherweise gesetzlich daran gehindert, laufende Ermittlungen oder bestimmte Anordnungen öffentlich zu beschreiben.

Der Transparenzbericht dient dennoch als Hinweis darauf, dass der Schweizer Unternehmenssitz keinen vollständigen Schutz vor behördlichen Ermittlungen bietet.

Infrastruktur

Proton betreibt technische Infrastruktur in der Schweiz und in weiteren europäischen Staaten. Das Unternehmen gibt an, wichtige Systeme selbst zu kontrollieren und Daten in ausgewählten Rechenzentren zu speichern.

Die Verschlüsselung soll den Inhalt der Nachrichten unabhängig vom physischen Speicherort schützen. Der Standort bleibt dennoch für die rechtliche Zuständigkeit, die physische Sicherheit und die Verarbeitung von Metadaten von Bedeutung.

Proton verwendet eigene Netzwerkressourcen und arbeitet zugleich mit externen Internet-, Rechenzentrums- und Dienstleistungsanbietern zusammen.

Für die Zustellung von E-Mails ist eine Verbindung mit dem weltweiten E-Mail-System erforderlich. Externe Nachrichten werden deshalb über Server und Netzwerke ausserhalb der Proton-Infrastruktur transportiert.

Verfügbarkeit und Ausfälle

Wie andere zentrale Internetdienste kann Proton Mail von technischen Störungen, Wartungsarbeiten und Netzwerkausfällen betroffen sein.

Bei einer vollständigen Störung können Nutzer vorübergehend weder auf Nachrichten zugreifen noch neue E-Mails senden oder empfangen. Eingehende Server versuchen üblicherweise über einen begrenzten Zeitraum, eine nicht sofort zustellbare Nachricht erneut zu übermitteln.

Proton veröffentlicht Informationen über bekannte Störungen auf einer eigenen Statusseite. Grössere Vorfälle werden teilweise zusätzlich im Unternehmensblog erläutert.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verhindert keine Ausfälle und ersetzt keine eigene Sicherung wichtiger Nachrichten. Nutzer können relevante Daten exportieren oder über Bridge in einem lokalen E-Mail-Programm speichern.

Angriffe und Sicherheitsvorfälle

Proton Mail war wiederholt Ziel von DDoS-Angriffen. Dabei versuchen Angreifer, den Dienst durch eine grosse Zahl automatisierter Anfragen zu überlasten.

Im November 2015 führte eine umfangreiche Angriffswelle zeitweise zu längeren Ausfällen. Das Unternehmen zahlte nach eigenen Angaben zunächst ein gefordertes Lösegeld in Bitcoin, nachdem andere schweizerische Unternehmen und Behörden ebenfalls betroffen waren. Die Angriffe wurden danach jedoch fortgesetzt.

Proton baute in der Folge seinen DDoS-Schutz und seine Netzwerkinfrastruktur aus. Der Vorfall wurde zu einem frühen Beispiel für die Risiken, denen öffentlich bekannte verschlüsselte Kommunikationsdienste ausgesetzt sind.

Sicherheitsforschende haben ausserdem verschiedene theoretische und praktische Angriffe auf verschlüsselte E-Mail-Systeme untersucht. Proton reagierte auf mehrere gemeldete Schwachstellen mit Softwareänderungen und Sicherheitsaktualisierungen.

Digitale Signaturen

Proton Mail kann digitale OpenPGP-Signaturen verwenden. Eine Signatur ermöglicht dem Empfänger zu prüfen, ob eine Nachricht mit dem erwarteten privaten Schlüssel erstellt und nachträglich verändert wurde.

Nachrichten zwischen Proton-Konten werden innerhalb des Systems automatisch signiert und geprüft. Bei externen OpenPGP-Kontakten können öffentliche Schlüssel importiert und verifiziert werden.

Eine gültige Signatur beweist nur, dass der zugehörige private Schlüssel verwendet wurde. Sie bestätigt nicht automatisch die tatsächliche Identität einer Person, sofern der öffentliche Schlüssel nicht auf einem unabhängigen Weg geprüft wurde.

Import und Export

Proton stellt Werkzeuge zum Import von E-Mails, Kontakten und Kalenderdaten aus anderen Diensten bereit. Damit können Nachrichten beispielsweise von Gmail, Outlook oder einem IMAP-Server in ein Proton-Postfach übertragen werden.

Importierte Nachrichten werden nach der Übertragung verschlüsselt gespeichert. Während des Imports müssen sie jedoch auf dem ausführenden Gerät oder innerhalb eines Übertragungsprozesses verarbeitet werden.

Für den Export bietet Proton besondere Anwendungen und Funktionen an. Nachrichten können in verbreiteten Formaten gesichert werden.

Eine lokale Sicherung kann unverschlüsselte oder anders verschlüsselte Kopien enthalten. Nutzer müssen deshalb selbst für einen angemessenen Schutz des Speichergeräts sorgen.

Grenzen des Schutzes

Proton Mail schützt hauptsächlich den Inhalt gespeicherter und entsprechend verschlüsselter Nachrichten. Der Dienst gewährleistet keine vollständige Anonymität.

Absender und Empfänger einer E-Mail, Zeitpunkte, IP-Adressen und andere Metadaten können je nach Situation sichtbar oder ermittelbar sein. Auch externe Kommunikationspartner speichern möglicherweise eigene Kopien und Protokolle.

Eine Nachricht ist nur dann automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt, wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei gewöhnlichen E-Mails an externe Anbieter besteht diese durchgehende Verschlüsselung nicht.

Der Dienst schützt nicht vor kompromittierten Endgeräten, unsicheren Kennwörtern, Phishing oder der freiwilligen Weitergabe von Informationen.

Ein Empfänger kann eine entschlüsselte Nachricht kopieren, fotografieren, weiterleiten oder veröffentlichen. Technische Verschlüsselung kann den späteren Umgang einer berechtigten Person mit dem Inhalt nicht vollständig kontrollieren.

Auch die gemeinsame Nutzung des Proton-Kontos für E-Mail, Kalender, Dateien, Kennwörter und andere Dienste schafft einen zentralen Zugangspunkt. Der Schutz des Kontokennworts und der Wiederherstellungsinformationen ist deshalb besonders wichtig.

Rezeption

Proton Mail wird häufig als einer der bekanntesten verschlüsselten E-Mail-Dienste bezeichnet. Medien heben besonders den Schweizer Unternehmenssitz, die automatische Verschlüsselung zwischen Proton-Konten und das werbefreie Geschäftsmodell hervor.

Positiv bewertet werden die kostenlose Tarifstufe, die quelloffenen Anwendungen, die Unterstützung eigener Domains und die Möglichkeit, externe E-Mail-Programme über Bridge zu verwenden.

Kritik betrifft die Grenzen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei der Kommunikation mit gewöhnlichen E-Mail-Anbietern. Ein Teil der Nutzer kann aufgrund der allgemeinen Werbung für verschlüsselte E-Mail-Dienste annehmen, jede Nachricht werde unabhängig vom Empfänger automatisch durchgehend verschlüsselt.

Weitere Kritik richtet sich gegen die unvermeidbare Verarbeitung von Metadaten sowie gegen missverständliche Aussagen über den Schutz durch die schweizerische Rechtsordnung.

Der Fall des französischen Aktivisten verdeutlichte, dass Proton bei einer gültigen schweizerischen Anordnung zur Erfassung technischer Daten verpflichtet werden kann. Gleichzeitig bestätigte der Fall, dass bereits Ende-zu-Ende verschlüsselte Nachrichteninhalte nicht ohne die notwendigen Schlüssel herausgegeben werden konnten.

Bedeutung für die Schweiz

Proton Mail gehört zu den international bekanntesten Internetdiensten mit Sitz in der Schweiz. Der Dienst trägt zur Wahrnehmung der Schweiz als Standort für Datenschutz-, Sicherheits- und Verschlüsselungstechnologien bei.

Die Entstehung im Umfeld des CERN zeigt die Bedeutung internationaler Forschungseinrichtungen für die Gründung technologieorientierter Unternehmen in der Genferseeregion.

Proton verwendet die schweizerische Rechtsordnung und politische Stabilität als wesentliche Bestandteile seiner Markenidentität. Der Standort wird dabei als Alternative zu Rechtsordnungen grosser US-amerikanischer Internetkonzerne dargestellt.

Gleichzeitig macht Proton Mail sichtbar, dass auch schweizerische Internetunternehmen den nationalen Gesetzen, Ermittlungsverfahren und Auskunftspflichten unterliegen.

Das Unternehmen beschäftigt Mitarbeitende in Genf, Zürich und weiteren internationalen Standorten. Proton Mail bildet weiterhin den historischen Kern des inzwischen umfangreichen Proton-Ökosystems.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 «How Proton Mail messages are encrypted», Proton, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. «Proton Mail launches version 2.0 and goes open source», Proton, 13. August 2015, abgerufen am 26. Juli 2026.
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