Proton VPN
| Proton VPN | |
|---|---|
| Art | VPN-Dienst |
| Veröffentlichung | 20. Juni 2017 |
| Betreiber | Proton AG |
| Hauptsitz | Plan-les-Ouates, Kanton Genf, Schweiz |
| Gründer des Mutterunternehmens | Andy Yen und weitere ehemalige Forschende des CERN |
| Betriebssysteme | Microsoft Windows, macOS, Linux, Android, iOS, ChromeOS |
| Lizenz | Anwendungen überwiegend quelloffen |
| Sprachen | mehrsprachig |
| Registrierung | erforderlich |
| Tarifmodell | kostenloses und kostenpflichtige Angebote |
| Website | protonvpn.com |
Proton VPN ist ein schweizerischer Dienst für virtuelle private Netzwerke, der von der in Plan-les-Ouates im Kanton Genf ansässigen Proton AG betrieben wird. Der Dienst wurde am 20. Juni 2017 als Ergänzung zum verschlüsselten E-Mail-Dienst Proton Mail veröffentlicht.[1]
Proton VPN verschlüsselt den Datenverkehr zwischen einem Endgerät und einem vom Anbieter betriebenen VPN-Server. Gegenüber besuchten Internetdiensten erscheint in der Regel die IP-Adresse des VPN-Servers anstelle der unmittelbar vom Internetanschluss verwendeten Adresse. Der Dienst wird in einer kostenlosen sowie in mehreren kostenpflichtigen Varianten angeboten.
Zu den charakteristischen Merkmalen gehören die als Secure Core bezeichnete Mehrfachverbindung, das zur Umgehung von VPN-Sperren entwickelte Stealth-Protokoll, eine Funktion zur Filterung von Werbung und bekannten Schadseiten sowie quelloffene Anwendungen für verbreitete Betriebssysteme. Proton VPN erklärt, keine Aktivitätsprotokolle über die Internetnutzung seiner Kundschaft zu speichern.
Geschichte
Entstehung im Umfeld von Proton Mail
Das Mutterunternehmen Proton entstand aus einem Projekt von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich am europäischen Kernforschungszentrum CERN kennengelernt hatten. Im Jahr 2014 wurde zunächst Proton Mail veröffentlicht. Der E-Mail-Dienst sollte verschlüsselte Kommunikation für ein breites Publikum zugänglich machen.
Nach Angaben des Unternehmens zeigte sich mit zunehmender Verbreitung von Proton Mail ein Bedarf nach einem Dienst, der nicht nur Nachrichteninhalte, sondern auch den allgemeinen Internetverkehr schützen sollte. Proton VPN wurde deshalb als ergänzendes Angebot entwickelt.
Vor der öffentlichen Veröffentlichung wurde der VPN-Dienst zunächst von einer begrenzten Zahl von Unterstützern und Nutzern getestet. Der offizielle Start erfolgte am 20. Juni 2017. Proton bezeichnete das Angebot bei der Einführung als sicheren und frei verfügbaren VPN-Dienst.[2]
Die Nachfrage nach dem kostenlosen Zugang war nach Unternehmensangaben unmittelbar nach der Veröffentlichung so hoch, dass zeitweise eine Warteliste eingeführt wurde. Im September 2017 wurde die kostenlose Version ohne Warteliste für die Allgemeinheit geöffnet.[3]
Ausbau der Anwendungen
Zu Beginn standen Anwendungen und Konfigurationen nur für einen Teil der verbreiteten Betriebssysteme zur Verfügung. In den folgenden Jahren veröffentlichte Proton eigene Programme für Windows, macOS, Linux, Android und iOS. Daneben wurden Anwendungen für verschiedene Fernsehplattformen, Browser-Erweiterungen und Anleitungen für Router bereitgestellt.
Im Januar 2020 veröffentlichte das Unternehmen den Quellcode seiner VPN-Anwendungen für Windows, macOS, Android und iOS. Gleichzeitig wurden Berichte über externe Sicherheitsprüfungen zugänglich gemacht.[4]
Die Linux-Anwendung wurde im Laufe der Zeit mehrfach neu entwickelt. Neben einer grafischen Benutzeroberfläche existierten zeitweise unterschiedliche kommandozeilenbasierte Programme. Der Funktionsumfang der Linux-Version wich dabei teilweise von den Anwendungen für Windows und macOS ab.
Im Mai 2020 wurde die Android-Anwendung zusätzlich über das freie Softwareverzeichnis F-Droid angeboten. Dadurch kann die Anwendung auf unterstützten Geräten ohne ein Konto beim Google Play Store installiert werden.[5]
Einbindung in das Proton-Ökosystem
Proton VPN wurde zunächst unter der Marke ProtonMail VPN beziehungsweise ProtonVPN geführt. Im Jahr 2022 vereinheitlichte das Unternehmen das Erscheinungsbild seiner Dienste. Seither wird die Bezeichnung überwiegend mit einem Leerzeichen als Proton VPN geschrieben.
Der Dienst ist Teil eines Produktangebots, zu dem neben Proton Mail unter anderem Proton Calendar, Proton Drive und Proton Pass gehören. Für diese Dienste wird ein gemeinsames Proton-Konto verwendet. Bestimmte kostenpflichtige Abonnemente bündeln mehrere Produkte.
Im Jahr 2024 wurde die gemeinnützige Proton Foundation als Mehrheitsaktionärin der Proton AG eingesetzt. Die Stiftung soll nach Angaben des Unternehmens die langfristige Ausrichtung auf Datenschutz und digitale Freiheit sichern.
Unternehmen
Betreiberin von Proton VPN ist die Proton AG. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Plan-les-Ouates im Kanton Genf. Daneben unterhält Proton Büros in mehreren europäischen und asiatischen Städten, darunter Zürich.[6]
Die Proton AG untersteht grundsätzlich schweizerischem Recht. In ihrer Datenschutzerklärung nennt sie als Anschrift Route de la Galaise 32, 1228 Plan-les-Ouates.[7]
Der schweizerische Unternehmenssitz wird im Marketing von Proton VPN besonders hervorgehoben. Das Unternehmen verweist dabei auf die schweizerische Datenschutzgesetzgebung und darauf, dass die Schweiz weder Mitglied der Europäischen Union noch der sogenannten Five-Eyes-Allianz ist.
Der Sitz in der Schweiz bedeutet jedoch nicht, dass alle VPN-Server im Land stehen. Proton VPN betreibt oder mietet Infrastruktur in zahlreichen Staaten. Je nach gewähltem Serverstandort können daher zusätzlich die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen anderer Länder von Bedeutung sein.
Funktionsweise
Nach dem Aufbau einer Verbindung leitet die Proton-VPN-Anwendung den ausgewählten Datenverkehr durch einen verschlüsselten Tunnel zu einem VPN-Server. Dieser Server übermittelt die Daten an das endgültige Ziel im Internet. Die Antwort wird auf dem umgekehrten Weg an das Endgerät zurückgesendet.
Der lokale Internetanbieter kann grundsätzlich erkennen, dass eine Verbindung zu einem Proton-VPN-Server besteht. Er kann den durch den Tunnel übertragenen Inhalt jedoch nicht ohne Weiteres lesen. Der besuchte Internetdienst sieht im Normalfall die Adresse des VPN-Servers und nicht die ursprüngliche öffentliche IP-Adresse der Nutzerin oder des Nutzers.
Ein VPN ersetzt keine durchgehende Verschlüsselung zwischen einer Anwendung und dem angesprochenen Internetdienst. Wird eine Website über HTTPS aufgerufen, ist die Verbindung zusätzlich zwischen dem Browser und der Website verschlüsselt. Unverschlüsselte Verbindungen können nach dem Austritt aus dem VPN-Server grundsätzlich weiterhin einsehbar sein.
Proton VPN schützt auch nicht automatisch vor schädlichen Programmen, betrügerischen Websites, unsicheren Passwörtern oder der Identifikation über Benutzerkonten und Browsermerkmale.
Servernetz
Proton VPN unterhält ein internationales Netz von VPN-Servern. Die Zahl der Server und der verfügbaren Länder wird laufend verändert. Deshalb sind konkrete Angaben zur Grösse des Netzes nur für einen bestimmten Zeitpunkt aussagekräftig.
In den Anwendungen werden die verfügbaren Länder, Serverstandorte und die ungefähre Auslastung einzelner Server angezeigt. Nutzerinnen und Nutzer können entweder automatisch eine Verbindung herstellen oder einen bestimmten Standort auswählen.
Ein Teil der Infrastruktur wird von Proton selbst betrieben. Für zahlreiche Standorte arbeitet das Unternehmen jedoch wie andere internationale VPN-Anbieter mit externen Rechenzentren und Netzbetreibern zusammen. Nach eigenen Angaben verwendet Proton bei allen Servern vollständig verschlüsselte Festplatten.
Einige Standorte werden als Smart Routing beziehungsweise als virtuelle Standorte bereitgestellt. Dabei kann eine IP-Adresse geografisch einem bestimmten Land zugeordnet sein, obwohl die physische Serverhardware in einem anderen Staat steht. Proton kennzeichnet entsprechende Server in seinen Anwendungen und Standortlisten.
Secure Core
Secure Core ist eine von Proton VPN angebotene Mehrfachverbindung. Der Datenverkehr wird zunächst durch einen besonders gesicherten Eingangsserver und danach durch einen gewöhnlichen VPN-Ausgangsserver geführt.
Die Secure-Core-Eingangsserver befinden sich nach Angaben des Unternehmens in Staaten mit vergleichsweise starken Datenschutzbestimmungen. Dazu gehören die Schweiz, Island und Schweden. Proton erklärt, die betreffenden Server selbst zu besitzen und in besonders geschützten Rechenzentren zu betreiben.[8]
Die Architektur soll das Risiko vermindern, dass eine Überwachung oder Kompromittierung des Ausgangsservers unmittelbar zur ursprünglichen IP-Adresse führt. Der Ausgangsserver kennt bei einer solchen Verbindung nur die IP-Adresse des Secure-Core-Servers.
Secure Core erhöht jedoch die Länge des Übertragungsweges. Dadurch steigen gewöhnlich die Latenzzeiten, während die erreichbare Geschwindigkeit sinken kann. Proton weist selbst darauf hin, dass die zusätzliche Weiterleitung Leistung kostet.[9]
Die Funktion bietet keinen vollständigen Schutz vor einer gleichzeitigen Beobachtung beider Enden einer Verbindung. Sie verhindert ebenso wenig die Identifikation über persönliche Konten, Cookies oder kompromittierte Endgeräte.
VPN-Protokolle
OpenVPN
Proton VPN unterstützt OpenVPN über TCP und UDP. OpenVPN ist ein freies und weit verbreitetes VPN-Protokoll, das auf verschiedenen Betriebssystemen und Routern eingesetzt werden kann.
UDP bietet in vielen Netzen eine höhere Geschwindigkeit, während TCP in bestimmten eingeschränkten Netzwerken zuverlässiger funktionieren kann. Die tatsächliche Leistung hängt vom gewählten Server, dem Internetanschluss und der Konfiguration des Endgeräts ab.
WireGuard
WireGuard wird in den Anwendungen von Proton VPN als modernes und vergleichsweise schlankes Verbindungsprotokoll angeboten. Es verwendet eine kleinere Codebasis als OpenVPN und ermöglicht häufig kurze Verbindungszeiten sowie hohe Übertragungsraten.
Das Unternehmen verwendet eine eigene technische Verwaltung der WireGuard-Verbindungen, um die für das Protokoll notwendigen Zuordnungen zwischen Schlüsseln und internen IP-Adressen nicht dauerhaft mit einzelnen Nutzern verknüpfen zu müssen.
IKEv2 und IPsec
Auf bestimmten Plattformen unterstützte Proton VPN auch IKEv2 in Verbindung mit IPsec. Dieses Protokoll eignet sich insbesondere für mobile Geräte, da eine Verbindung nach dem Wechsel zwischen WLAN und Mobilfunk rasch wiederhergestellt werden kann.
Der aktuelle Umfang der IKEv2-Unterstützung ist von der jeweiligen Anwendung und ihrem Entwicklungsstand abhängig. Proton konzentriert seine neueren Anwendungen hauptsächlich auf WireGuard, OpenVPN und das eigene Stealth-Protokoll.
Stealth
Stealth ist ein von Proton entwickeltes Protokoll, das VPN-Verkehr weniger leicht erkennbar machen soll. Es basiert auf WireGuard und ergänzt dieses um Verfahren, die den Datenverkehr gewöhnlichen verschlüsselten Internetverbindungen ähnlicher erscheinen lassen.[10]
Das Protokoll richtet sich insbesondere an Personen in Staaten oder Netzwerken, in denen bekannte VPN-Protokolle blockiert werden. Es soll automatische Filter und sogenannte Deep-Packet-Inspection-Systeme erschweren.
Stealth macht eine VPN-Verbindung nicht vollständig unsichtbar. Netzwerkbetreiber können weiterhin erkennen, dass Daten zu einer bestimmten Serveradresse übertragen werden. Fortschrittliche Sperrsysteme können zudem auch verschleierte Verbindungen zeitweise erkennen und blockieren.
Sicherheitsfunktionen
Kill Switch
Der Kill Switch unterbricht den Internetzugang, wenn die VPN-Verbindung unerwartet abbricht. Dadurch soll verhindert werden, dass das Betriebssystem den Verkehr automatisch über die gewöhnliche Verbindung weiterleitet und dabei die ursprüngliche IP-Adresse verwendet.
Auf einigen Plattformen bietet Proton VPN zusätzlich einen permanenten Kill Switch. In diesem Modus wird jede Internetverbindung ausserhalb des VPN-Tunnels blockiert, auch wenn die Anwendung manuell getrennt oder das Gerät neu gestartet wurde.
Die technische Umsetzung unterscheidet sich je nach Betriebssystem. Ein Kill Switch schützt nicht vor Daten, die bereits vor seiner Aktivierung oder über ausdrücklich ausgenommene Anwendungen übertragen wurden.
DNS-Schutz
Proton VPN leitet DNS-Anfragen standardmässig durch den VPN-Tunnel. Dadurch soll verhindert werden, dass der lokale Internetanbieter oder ein externer DNS-Dienst die abgefragten Domainnamen unabhängig von der VPN-Verbindung sehen kann.
Der Dienst verwendet eigene DNS-Resolver auf seiner VPN-Infrastruktur. In verschiedenen Anwendungen können Nutzer teilweise auch benutzerdefinierte DNS-Server konfigurieren.
NetShield
NetShield ist eine DNS-basierte Filterfunktion. Sie kann Verbindungen zu Domains blockieren, die mit Schadprogrammen, Werbung oder Tracking in Verbindung gebracht werden. Die Funktion ist Bestandteil der kostenpflichtigen Tarife.[11]
Da die Filterung auf Domainnamen beruht, kann NetShield nicht einzelne Werbeelemente blockieren, die über dieselbe Domain wie der eigentliche Inhalt einer Website ausgeliefert werden. Die Funktion ersetzt deshalb keinen vollständigen Inhaltsfilter oder Schutz vor Schadsoftware.
Split Tunneling
Mit Split Tunneling können bestimmte Anwendungen oder Zieladressen vom VPN-Tunnel ausgenommen beziehungsweise gezielt durch ihn geleitet werden. Dies kann nützlich sein, wenn ein lokaler Dienst nur über die gewöhnliche Internetverbindung erreichbar ist.
Ausgenommene Anwendungen verwenden die ursprüngliche Internetverbindung und offenbaren damit gegenüber ihren Zielservern die gewöhnliche IP-Adresse. Eine unübersichtliche Split-Tunneling-Konfiguration kann daher unbeabsichtigt Daten ausserhalb des VPN übertragen.
Portweiterleitung
In bestimmten kostenpflichtigen Tarifen und Anwendungen unterstützt Proton VPN die Weiterleitung eines Ports. Diese Funktion kann unter anderem für Peer-to-Peer-Anwendungen oder selbst betriebene Dienste verwendet werden.
Der zugeteilte Port kann sich nach einer neuen Verbindung ändern. Die Funktion steht nicht auf allen Servern, Betriebssystemen und Tarifstufen zur Verfügung.
VPN Accelerator
VPN Accelerator bezeichnet mehrere technische Optimierungen, mit denen Proton VPN die Datenübertragung über grosse geografische Entfernungen verbessern will. Dazu gehören angepasste Verfahren zur Verarbeitung von Netzwerkpaketen und zur Steuerung von Übertragungsverbindungen.
Die tatsächlich erzielte Verbesserung hängt von der Entfernung zum Server, der Netzqualität, der Serverauslastung und dem verwendeten Endgerät ab. Die Funktion kann die physikalisch bedingte Latenz einer weit entfernten Verbindung nicht beseitigen.
Tor over VPN
Bestimmte Proton-VPN-Server ermöglichen den Zugang zum Tor-Netzwerk, ohne dass auf dem Endgerät zwingend der Tor Browser für die Verbindung zum Tor-Netz installiert werden muss. Der Datenverkehr wird zunächst über das VPN und danach in das Tor-Netzwerk geleitet.
Proton VPN bezeichnet diese Funktion als Tor over VPN. Sie kann den lokalen Internetanbieter daran hindern, eine direkte Verbindung zu einem öffentlich bekannten Tor-Einstiegsknoten zu sehen.
Für anonymes Surfen im Tor-Netzwerk empfiehlt das Tor Project grundsätzlich den Tor Browser, da dieser zusätzliche Schutzmechanismen gegen Wiedererkennung und Browser-Fingerprinting enthält. Ein gewöhnlicher Browser erhält solche Eigenschaften nicht allein durch einen Tor-over-VPN-Server.
Anwendungen
Windows
Die Windows-Anwendung bietet unter anderem eine grafische Serverauswahl, automatische Verbindungen, Secure Core, NetShield, Split Tunneling, Kill Switch und verschiedene VPN-Protokolle.
Ein Teil der Funktionen ist nur in kostenpflichtigen Tarifen verfügbar. Die Anwendung kann so eingestellt werden, dass sie beim Start des Betriebssystems automatisch eine Verbindung herstellt.
macOS
Die macOS-Anwendung unterstützt die grundlegenden Verbindungsfunktionen sowie abhängig von der jeweiligen Version Secure Core, NetShield, Kill Switch und verschiedene Protokolle.
Aufgrund unterschiedlicher Netzwerkschnittstellen und Sicherheitsmodelle von Apple können einzelne Funktionen von der Windows-Version abweichen.
Linux
Für Linux stellt Proton eine grafische Anwendung sowie Softwarepakete für ausgewählte Distributionen bereit. Unterstützt werden insbesondere verbreitete Systeme auf der Grundlage von Debian, Ubuntu und Fedora.
Der Funktionsumfang war historisch teilweise geringer als bei Windows und macOS. Nicht offiziell unterstützte Distributionen können je nach technischer Erfahrung über manuelle OpenVPN- oder WireGuard-Konfigurationen verbunden werden.
Android und ChromeOS
Die Android-Anwendung ist über den Google Play Store, über F-Droid und als direkt herunterladbare Installationsdatei erhältlich. Auf kompatiblen Chromebooks kann die Android-Version auch unter ChromeOS eingesetzt werden.
Zu den Funktionen gehören automatische Verbindungen, alternative Routing-Verfahren, NetShield, Split Tunneling und der systemweite Android-Kill-Switch.
iOS und iPadOS
Für iPhone und iPad steht eine Anwendung im App Store zur Verfügung. Sie verwendet die von Apple bereitgestellten VPN-Schnittstellen und unterstützt mehrere Verbindungsprotokolle.
Einige betriebssystembedingte Funktionen unterscheiden sich von den Android- und Desktop-Anwendungen.
Browser-Erweiterungen
Proton VPN bietet Erweiterungen für ausgewählte Webbrowser an. Diese leiten nur den Datenverkehr des jeweiligen Browsers durch die VPN-Verbindung. Andere Anwendungen des Geräts verwenden weiterhin den gewöhnlichen Internetanschluss.
Die Browser-Erweiterung ist deshalb nicht mit einer systemweiten VPN-Anwendung gleichzusetzen. Sie kann jedoch verwendet werden, wenn nur einzelne Browser-Sitzungen über einen anderen Standort geführt werden sollen.
Router und Fernsehgeräte
Der Dienst kann auf kompatiblen Routern eingerichtet werden. Dadurch nutzen alle über den Router verbundenen Geräte die VPN-Verbindung, auch wenn für sie keine eigene Proton-VPN-Anwendung verfügbar ist.
Daneben existieren Anwendungen für bestimmte Smart-TV- und Streaming-Plattformen. Verfügbarkeit und Funktionsumfang hängen vom jeweiligen Betriebssystem und App-Store ab.
Kostenloser Tarif
Proton VPN bietet seit seiner Einführung einen kostenlosen Zugang an. Dieser wird nach Angaben des Unternehmens durch Einnahmen aus kostenpflichtigen Abonnementen finanziert.
Der kostenlose Tarif enthält keine Werbung und sieht kein festes monatliches Datenlimit vor. Auch für kostenlose Konten gilt nach Angaben von Proton dieselbe Richtlinie zur Nichtprotokollierung der Internetaktivität.[12]
Gegenüber den kostenpflichtigen Tarifen ist die Auswahl der Standorte und Funktionen eingeschränkt. Die Anwendung wählt teilweise automatisch einen verfügbaren kostenlosen Server aus. Funktionen wie Secure Core, Tor over VPN, NetShield und Portweiterleitung sind im kostenlosen Angebot nicht oder nur eingeschränkt verfügbar.
Obwohl Proton keine feste Drosselung für den kostenlosen Tarif angibt, können stark ausgelastete Gratisserver geringere Geschwindigkeiten erreichen als kostenpflichtige Server. Bezahlende Kundinnen und Kunden erhalten bei der Serverauslastung eine höhere Priorität.
Das kostenlose Angebot wird von Proton auch als Instrument gegen Internetzensur positioniert. Bei politischen Krisen und staatlichen Netzsperren verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben wiederholt starke Zuwächse bei den Registrierungen.
Kostenpflichtige Tarife
Die kostenpflichtigen Angebote umfassen einen eigenständigen VPN-Tarif sowie Abonnemente, die Proton VPN mit weiteren Proton-Diensten verbinden. Die Preise, Namen und enthaltenen Leistungen werden regelmässig angepasst.
Bezahlte Konten erhalten Zugang zu einer grösseren Zahl von Serverstandorten, höheren Verbindungskapazitäten und zusätzlichen Funktionen. Dazu gehören je nach Tarif Secure Core, NetShield, Peer-to-Peer-Unterstützung, Streaming-optimierte Server, Tor over VPN und Portweiterleitung.
Proton bietet ausserdem Lösungen für Unternehmen und Organisationen an. Dabei können zentrale Benutzerkonten, Zugriffsrechte und dedizierte Gateways verwaltet werden. Ein Gateway ermöglicht einer Organisation, einen festgelegten Satz von VPN-Servern und Ausgangsadressen zu verwenden.
Datenschutz und Protokollierung
Proton VPN erklärt, keine Protokolle über besuchte Websites, übertragene Inhalte, DNS-Anfragen oder die dauerhaft zuordenbare Nutzung einzelner VPN-Sitzungen zu führen. Die Richtlinie gilt nach Angaben des Unternehmens sowohl für kostenlose als auch für zahlende Nutzer.[13]
Für die Verwaltung eines Kontos können dennoch andere Daten anfallen. Dazu gehören die hinterlegte E-Mail-Adresse, Zahlungsinformationen, Supportanfragen, Angaben zur Kontosicherheit und freiwillig übermittelte Diagnoseberichte.
Die Bezeichnung No Logs bedeutet deshalb nicht, dass das Unternehmen überhaupt keine personenbezogenen oder technischen Daten bearbeitet. Sie bezieht sich in erster Linie auf die Nutzung der VPN-Verbindungen und die damit übertragenen Internetaktivitäten.
Proton veröffentlicht eine gesonderte Datenschutzerklärung für Proton VPN. Darin beschreibt das Unternehmen, welche Konto-, Zahlungs- und Missbrauchsschutzdaten verarbeitet werden. Die kostenlose Version ist ebenfalls von der dort beschriebenen No-Logs-Richtlinie erfasst.[14]
Schweizer Rechtsordnung
Da Proton VPN von einer schweizerischen Gesellschaft betrieben wird, untersteht das Unternehmen grundsätzlich dem Bundesgesetz über den Datenschutz und weiteren schweizerischen Rechtsvorschriften.
Die Schweiz verpflichtet VPN-Anbieter nach Darstellung von Proton nicht generell dazu, den Verlauf der Internetaktivitäten ihrer Kundschaft zu speichern. Das Unternehmen erklärt deshalb, auch aufgrund einer späteren Anordnung keine rückwirkend nicht vorhandenen Aktivitätsprotokolle herausgeben zu können.
Dies bedeutet nicht, dass Proton ausserhalb jeder behördlichen Zuständigkeit steht. Schweizer Behörden können im Rahmen eines rechtmässigen Verfahrens Auskünfte oder andere Massnahmen verlangen. Welche Informationen bereitgestellt werden können, hängt davon ab, welche Daten beim Unternehmen tatsächlich vorhanden sind.
Proton führt in seinem Transparenzbericht Angaben zu rechtsverbindlichen Anordnungen auf, die von schweizerischen Behörden genehmigt wurden. Der Bericht wird laufend aktualisiert.[15]
Nach Angaben von Proton wurde die No-Logs-Richtlinie im Jahr 2019 in einem Rechtsfall praktisch bestätigt. Das Unternehmen sei zur Herausgabe von VPN-Protokollen aufgefordert worden, habe aber keine entsprechenden Daten bereitstellen können, weil diese nicht vorhanden gewesen seien.
Der rechtliche Schutz eines VPN hängt nicht allein vom Sitz seines Betreibers ab. Werden Server in anderen Staaten verwendet, können die dortigen Behörden auf die lokale Infrastruktur oder den jeweiligen Rechenzentrumsbetreiber einwirken.
Sicherheitsprüfungen
Proton liess seine Anwendungen und seine No-Logs-Richtlinie wiederholt durch externe Sicherheitsunternehmen untersuchen. Berichte über diese Prüfungen werden auf der Website des Unternehmens veröffentlicht.
Im Jahr 2020 wurden die Anwendungen für Windows, macOS, Android und iOS zusammen mit der Veröffentlichung des Quellcodes extern geprüft. Spätere Untersuchungen betrafen überarbeitete Anwendungen, neue Funktionen und die tatsächliche Umsetzung der No-Logs-Richtlinie.
Proton berichtet seit mehreren Jahren über jährliche Prüfungen seiner No-Logs-Praxis. Das Unternehmen veröffentlicht nach eigenen Angaben die vollständigen Berichte dieser Untersuchungen.[16]
Eine externe Prüfung bezieht sich gewöhnlich auf einen festgelegten Zeitraum, eine bestimmte Softwareversion und einen begrenzten Untersuchungsumfang. Sie stellt deshalb keine dauerhafte Garantie dafür dar, dass sämtliche künftigen Versionen und alle Teile der Infrastruktur fehlerfrei sind.
Quelloffene Software
Die offiziellen Proton-VPN-Anwendungen werden überwiegend als quelloffene Software entwickelt. Der Quellcode ist über öffentliche Projektarchive zugänglich.
Die Veröffentlichung ermöglicht unabhängigen Fachpersonen, die Programme auf Sicherheitsprobleme, unerwünschte Datenübertragungen und Fehler zu untersuchen. Änderungen können zwischen verschiedenen Versionen nachvollzogen werden.
Quelloffene Anwendungen bedeuten jedoch nicht, dass die gesamte Serverinfrastruktur öffentlich einsehbar ist. Konfigurationen, interne Verwaltungssoftware, Überwachungssysteme und betriebliche Abläufe können weiterhin proprietär oder nicht öffentlich sein.
Auch die Veröffentlichung des Quellcodes beweist nicht automatisch, dass eine über einen App-Store verbreitete Binärdatei exakt aus diesem Code erstellt wurde. Reproduzierbare Builds und unabhängige Paketprüfungen können eine solche Zuordnung erleichtern.
Zensurumgehung
Proton VPN wird in Staaten mit eingeschränktem Internetzugang häufig zur Umgehung von Netzsperren eingesetzt. Das Unternehmen betreibt ein VPN Observatory, das auffällige Zunahmen der Nutzung im Zusammenhang mit politischen Ereignissen und staatlichen Sperrmassnahmen dokumentiert.
Nach Angaben von Proton stieg die Nachfrage wiederholt während Protesten, Wahlen, militärischen Konflikten oder der Sperrung sozialer Netzwerke. Das Unternehmen nennt unter anderem Iran, Russland, Belarus, Myanmar und die Türkei als Länder, in denen der Dienst zur Umgehung von Zensur eingesetzt wurde.[17]
Mit alternativen Routing-Verfahren versucht die Anwendung, blockierte Proton-Server und Anmeldesysteme über nicht gesperrte Infrastruktur zu erreichen. Das Stealth-Protokoll soll zusätzlich die Erkennung der VPN-Verbindung erschweren.
In stark kontrollierten Netzwerken kann die Nutzung eines VPN selbst rechtlichen Beschränkungen unterliegen. Ein technischer Zugang bedeutet daher nicht, dass die Verwendung in jedem Staat ohne persönliches Risiko möglich ist.
Peer-to-Peer und Dateiaustausch
Auf dafür gekennzeichneten Servern unterstützt Proton VPN Peer-to-Peer-Verkehr. Dazu gehört die Nutzung des BitTorrent-Protokolls für rechtmässige Dateiverteilungen.
Die Möglichkeit, den Datenverkehr über einen VPN-Server zu leiten, ändert nichts an den geltenden Urheberrechten. Das Herunterladen oder Verbreiten geschützter Inhalte kann abhängig von Land, Zweck und Umfang rechtliche Folgen haben.
Mit der Portweiterleitung können bestimmte Peer-to-Peer-Anwendungen eingehende Verbindungen annehmen. Dies kann die Erreichbarkeit und Übertragungsgeschwindigkeit verbessern, erhöht aber gleichzeitig die direkte Angriffsfläche der betreffenden Anwendung.
Streaming
Kostenpflichtige Proton-VPN-Server werden teilweise für den Zugang zu Streaming-Plattformen optimiert. Durch die Auswahl eines Serverstandorts erscheint die Verbindung gegenüber dem Streamingdienst mit einer IP-Adresse aus dem betreffenden Land.
Streaminganbieter versuchen häufig, Adressen kommerzieller VPN-Dienste zu identifizieren und zu sperren. Die Funktionsfähigkeit eines bestimmten Dienstes oder Standorts kann sich deshalb jederzeit ändern.
Ein VPN verändert weder den Wohnsitz noch die vertraglichen Rechte eines Abonnements. Die Verwendung zur Umgehung geografischer Beschränkungen kann gegen die Nutzungsbedingungen einer Plattform verstossen.
Grenzen des Dienstes
Proton VPN kann die IP-Adresse gegenüber besuchten Diensten verbergen, gewährleistet aber keine vollständige Anonymität. Websites können Personen weiterhin über Konten, Cookies, Browser-Fingerprinting, Zahlungsdaten oder andere Merkmale erkennen.
Die Verbindung schützt nur den Verkehr, der tatsächlich durch den Tunnel geleitet wird. Fehlerhafte Split-Tunneling-Regeln, DNS-Lecks, nicht unterstützte Protokolle oder eine unterbrochene Verbindung können Daten ausserhalb des VPN übertragen.
Ein VPN schützt nicht vor Schadsoftware auf dem Endgerät. Ein kompromittierter Computer kann Daten vor der Verschlüsselung erfassen oder nach dem Empfang auslesen.
Auch Secure Core kann keine Sicherheit garantieren, wenn das Endgerät, das Benutzerkonto oder der endgültige Internetdienst kompromittiert ist. Die Funktion vergrössert hauptsächlich den Aufwand für bestimmte netzwerkbasierte Überwachungsangriffe.
Der Anbieter selbst bleibt ein zentraler Vertrauenspunkt. Nutzerinnen und Nutzer müssen darauf vertrauen, dass die veröffentlichte Software, die Serverkonfiguration und die Protokollierungsrichtlinie den Angaben des Unternehmens entsprechen.
Rezeption
Proton VPN wird in Medien und technischen Vergleichstests häufig wegen seines kostenlosen Tarifs ohne festes Datenlimit, seines Schweizer Sitzes und der quelloffenen Anwendungen hervorgehoben.
Positiv bewertet werden ausserdem die Veröffentlichung externer Prüfberichte, Secure Core und die Unterstützung moderner VPN-Protokolle. Das Angebot wird besonders häufig im Zusammenhang mit Datenschutz und der Umgehung staatlicher Internetzensur genannt.
Kritisiert wurden zeitweise die geringere Zahl kostenlos verfügbarer Standorte, Leistungseinbussen bei Secure-Core-Verbindungen sowie Funktionsunterschiede zwischen den Anwendungen für verschiedene Betriebssysteme.
Wie andere kommerzielle VPN-Dienste betreibt Proton ein eigenes Partnerprogramm und wird auf zahlreichen Vergleichsseiten beworben. Bewertungen solcher Seiten können durch Provisionen beeinflusst sein. Für eine unabhängige Beurteilung sind deshalb technische Untersuchungen, veröffentlichte Prüfberichte und die Datenschutzbedingungen wichtiger als reine Ranglisten.
Bedeutung in der Schweiz
Proton VPN gehört zu den international bekanntesten digitalen Diensten mit Hauptsitz in der Schweiz. Gemeinsam mit Proton Mail trägt der Dienst zur Wahrnehmung der Schweiz als Standort für datenschutzorientierte Internetangebote bei.
Das Unternehmen verwendet den Schweizer Sitz als wesentlichen Bestandteil seiner Markenidentität. Dabei verbindet es den Standort mit politischer Stabilität, Datenschutzrecht und einer ausserhalb der Europäischen Union liegenden Rechtsordnung.
Gleichzeitig zeigt Proton VPN, dass ein schweizerischer Internetdienst nicht auf den nationalen Markt beschränkt sein muss. Die Anwendungen, Server und Unterstützungsangebote richten sich an eine internationale Kundschaft.
Für die schweizerische Technologiebranche ist Proton auch wegen seiner Herkunft aus dem Umfeld des CERN und seiner Entwicklung von einem E-Mail-Projekt zu einem Anbieter mehrerer international genutzter Dienste von Bedeutung.
Siehe auch
- Proton AG
- Proton Mail
- VPN-Dienste in der Schweiz
- Virtuelles privates Netzwerk
- Datenschutz in der Schweiz
- Internet in der Schweiz
- Internetsicherheit
- Tor (Netzwerk)
- WireGuard
- OpenVPN
Weblinks
- Offizielle Website von Proton VPN
- Offizielle Dokumentation
- Quellcode der Proton-VPN-Anwendungen auf GitHub
- Transparenzbericht und Warrant Canary
- Datenschutzerklärung von Proton VPN
Einzelnachweise
- ↑ ProtonMail launched Proton VPN as a secure and free VPN service, Proton VPN, 20. Juni 2017, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ ProtonMail launches free VPN service, Proton VPN, 20. Juni 2017, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ We are opening up our free VPN to the general public, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ All Proton VPN apps are now open source and audited, Proton VPN, 21. Januar 2020, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ The ProtonVPN Android app is on F-Droid, Proton VPN, 18. Mai 2020, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Meet the team behind Proton, Proton, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Privacy Policy, Proton, Stand 12. Mai 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Defend your privacy with Secure Core VPN, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Understanding and increasing VPN connection speeds, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Defeat censorship with Stealth, our new VPN protocol, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ How to use NetShield Ad-blocker, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Free VPN to protect your privacy, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Does Proton VPN keep logs?, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Proton VPN Privacy Policy, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Proton VPN transparency report and warrant canary, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Proton VPN passes annual external audit of no-logs policy, Proton VPN, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Building an internet that puts people first, Proton, abgerufen am 26. Juli 2026.