Aventicum

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Aventicum
Siedlungstyp gallorömische Stadt und Kolonie
Antiker Name Aventicum
Vollständiger Koloniename Colonia Pia Flavia Constans Emerita Helvetiorum Foederata
Funktion Hauptort der Civitas Helvetiorum
Provinz zunächst Gallia Belgica, später Germania superior
Entstehung um die Zeitenwende, gesicherte Bauten ab 5/6 n. Chr.
Erhebung zur Kolonie 71/72 n. Chr. unter Kaiser Vespasian
Blütezeit 1. bis frühes 3. Jahrhundert n. Chr.
Geschätzte Bevölkerung bis rund 20'000
Ummauerte Fläche rund 228 ha
Länge der Stadtmauer rund 5,5 km
Heutiger Ort Avenches, Kanton Waadt
Staat Schweiz
Bedeutende Monumente Amphitheater, Theater, Cigognier-Heiligtum, Stadtmauer, Thermen und Tempel
Museum Site et Musée romains d’Avenches
Website aventicum.org

Aventicum war der politische, administrative, religiöse und wirtschaftliche Hauptort der römischen Civitas Helvetiorum, des Gemeinwesens der Helvetier. Die antike Stadt lag auf dem Gebiet des heutigen Avenches im Kanton Waadt, südlich des Murtensees. Sie gehört zu den bedeutendsten und reichsten archäologischen Fundstätten der Schweiz.

Die Stadt entstand um die Zeitenwende. Spätestens seit 5/6 n. Chr. sind ein Hafen am Murtensee, ein rechtwinkliges Strassennetz und erste Gebäude nachgewiesen. Aventicum entwickelte sich im Verlauf des 1. Jahrhunderts rasch zum städtischen Zentrum des helvetischen Gebiets. Unter Kaiser Vespasian wurde es 71 oder 72 n. Chr. zur römischen Kolonie erhoben.

In seiner Blütezeit verfügte Aventicum über ein Forum, mehrere öffentliche Thermen, mindestens acht Tempel, ein Theater, ein Amphitheater, repräsentative Wohnhäuser, Handwerksbetriebe, Hafenanlagen und eine rund 5,5 Kilometer lange Stadtmauer. Die Bevölkerung wird für das 2. Jahrhundert auf bis zu 20'000 Personen geschätzt.[1]

Die Alamanneneinfälle des 3. Jahrhunderts, politische Unsicherheit und wirtschaftliche Veränderungen leiteten den Niedergang ein. Aventicum wurde jedoch nicht unmittelbar aufgegeben. Noch im 4. Jahrhundert fanden Bautätigkeiten statt, und im 6. Jahrhundert war der Ort zeitweise Sitz eines Bischofs. Die mittelalterliche Stadt Avenches entstand auf einer Anhöhe innerhalb des ehemaligen römischen Stadtgebiets.

Heute sind unter anderem das Amphitheater, das Theater, Teile der Stadtmauer, der Turm La Tornallaz, das Cigognier-Heiligtum und weitere Tempel- und Thermenanlagen sichtbar. Zahlreiche Funde werden im Römermuseum von Avenches aufbewahrt.

Name

Der Name Aventicum wird wahrscheinlich vom Namen der keltischen Gottheit Aventia abgeleitet. Sie war möglicherweise eine lokale Wasser- oder Schutzgottheit der Siedlung.

Der Name Aventicum entwickelte sich im Verlauf des Mittelalters zur heutigen Form Avenches. Seit dem 7. Jahrhundert ist daneben die Bezeichnung Wibili belegt. Daraus entstand im Deutschen der ältere Name Wiflisburg, der bis in die Neuzeit verwendet wurde.

Während der frühen römischen Entwicklung könnte die Stadt zeitweise auch den Namen Forum Tiberii getragen haben. Diese Bezeichnung wird aufgrund archäologischer und historischer Hinweise vermutet, ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt.

Nach der Erhebung zur Kolonie lautete der offizielle Name vermutlich:

Colonia Pia Flavia Constans Emerita Helvetiorum Foederata

In einzelnen Überlieferungen erscheint der letzte Bestandteil auch in der Form Confoederata. Der Namensbestandteil Flavia bezog sich auf die flavische Kaiserdynastie, der Vespasian angehörte.

Lage

Aventicum lag auf einer leicht erhöhten Terrasse südlich des Murtensees. Im Nordwesten schloss sich die Ebene der Broye an, während das Gelände im Süden und Osten zu bewaldeten Höhen anstieg.

Die Lage bot mehrere Vorteile. Der Murtensee ermöglichte den Transport schwerer Güter und Baumaterialien. Über die Broye bestand eine Verbindung zum Neuenburgersee und damit zum westlichen Schweizer Mittelland.

Strassen führten unter anderem in Richtung:

Das Stadtzentrum lag in der Ebene. Die mittelalterliche Stadt Avenches entwickelte sich später auf einem Hügel im südwestlichen Bereich der ehemaligen Kolonie.

Vorgeschichte

Die Umgebung von Avenches war bereits vor der Gründung der römischen Stadt besiedelt.

Lange nahm die Forschung an, Aventicum sei von den Römern auf weitgehend unbewohntem Gelände angelegt worden. Neuere Grabungen brachten jedoch spätkeltische Gräber, Gruben und Siedlungsspuren aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zum Vorschein.

Südlich der späteren Stadt lag auf dem Bois de Châtel ein befestigter Siedlungsplatz. Dieses Oppidum wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. von Helvetiern genutzt.

Die Entstehung Aventicums wird häufig mit dem gescheiterten Auszug der Helvetier von 58 v. Chr. in Verbindung gebracht. Nach ihrer Niederlage gegen Gaius Iulius Caesar bei Bibracte mussten sie in ihr angestammtes Gebiet zurückkehren.

Ob unmittelbar danach bereits eine grössere Siedlung bei Avenches entstand, ist nicht gesichert. Die archäologischen Funde zeigen jedoch, dass die Region während der Übergangszeit von der spätkeltischen zur römischen Epoche bewohnt war.[2]

Römische Gründung

Die eigentliche römische Stadt entstand um die Zeitenwende. Dendrochronologische Untersuchungen erlauben eine ungewöhnlich genaue Datierung der frühesten Anlagen.

Für den Bau der Hafenanlagen wurden ab dem Jahr 5 n. Chr. Bäume gefällt. Die Hölzer der ältesten bekannten Häuser stammen aus dem Winter 6/7 n. Chr.

Bereits diese frühen Gebäude waren in ein rechtwinkliges Strassensystem eingebunden. Die Anlage nach einem regelmässigen Raster zeigt, dass Aventicum nicht ungeplant aus einem Dorf hervorwuchs, sondern nach römischen städtebaulichen Grundsätzen entwickelt wurde.

Ein wichtiger Grund für die frühe Bedeutung der Stadt war ihre Funktion als Hauptort der Civitas der Helvetier. Eine Civitas war ein regionales Gemeinwesen, das eine Stadt und ihr umliegendes Territorium umfasste.

Das Gebiet der Helvetier gehörte zunächst zur Provinz Gallia Belgica und wurde später der Provinz Germania superior zugeteilt.

Hauptstadt der Helvetier

Aventicum war nicht die Hauptstadt einer römischen «Schweiz», da ein solcher Staat in der Antike nicht bestand. Es war vielmehr der Hauptort der Civitas Helvetiorum.

Das genaue Gebiet dieser Civitas ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Wahrscheinlich umfasste es einen grossen Teil des schweizerischen Mittellands zwischen Jura und Alpen. Ob es sich bis zum Bodensee oder nur bis zur Limmat erstreckte, ist nicht abschliessend geklärt.

Als Hauptort beherbergte Aventicum die politischen und religiösen Institutionen des helvetischen Gemeinwesens. Lokale Amtsträger verwalteten die Stadt und das umliegende Territorium.

Zu den städtischen und regionalen Organen gehörten:

  • der Stadtrat der Dekurionen;
  • zwei jährlich amtierende höchste Magistrate, die duumviri;
  • Beamte für Bauwesen, Finanzen und öffentliche Ordnung;
  • Priester des Kaiserkults;
  • Vertreter regionaler Untereinheiten, der pagi.

Die einheimische Oberschicht spielte bei der Verwaltung eine zentrale Rolle. Führende helvetische Familien erhielten früh das römische Bürgerrecht und übernahmen römische Ämter.

Besonders bekannt ist die Familie der Camilli. Ihre Angehörigen gehörten über mehrere Generationen zur politischen und religiösen Elite Aventicums.

Ereignisse des Jahres 69

Im Vierkaiserjahr 69 n. Chr. gerieten die Helvetier in einen Konflikt mit Truppen, die den Kaiser Vitellius unterstützten.

Römische Soldaten verwüsteten helvetisches Gebiet und bedrohten Aventicum. Laut dem Geschichtsschreiber Tacitus soll der angesehene Helvetier Claudius Cossus durch sein Auftreten erreicht haben, dass die Stadt verschont wurde.

Das Ereignis zeigt, dass Aventicum bereits vor seiner Erhebung zur Kolonie über eine politisch bedeutende einheimische Führungsschicht verfügte.

Erhebung zur Kolonie

Kaiser Vespasian erhob Aventicum 71 oder 72 n. Chr. in den Rang einer römischen Kolonie.

Die Gründe für diese Auszeichnung sind nicht vollständig bekannt. Vespasians Familie besass persönliche Verbindungen zu Aventicum. Sein Vater Titus Flavius Sabinus war als Finanzbeamter im Gebiet der Helvetier tätig gewesen. Auch Vespasians Sohn, der spätere Kaiser Titus, hielt sich vermutlich zeitweise in Aventicum auf.

Der Koloniestatus stärkte das politische Ansehen der Stadt. Aventicum erhielt eine an römischen Vorbildern orientierte Verfassung und wurde in ein umfangreiches monumentales Bauprogramm einbezogen.

Mit der Erhebung begann oder beschleunigte sich der Bau von:

  • Stadtmauer und Stadttoren;
  • Forumsthermen;
  • Theater;
  • Amphitheater;
  • Cigognier-Heiligtum;
  • grossen Strassenachsen;
  • repräsentativen öffentlichen Gebäuden.

Die Kolonie blieb eng mit der helvetischen Bevölkerung verbunden. Die Bezeichnung Helvetiorum im offiziellen Stadtnamen unterstrich diese Beziehung.

Stadtanlage

Aventicum war nach einem annähernd rechtwinkligen Strassennetz angelegt.

Die Hauptachsen bildeten der decumanus maximus in ungefähr südwestlich-nordöstlicher Richtung und der dazu quer verlaufende cardo maximus.

Das Stadtgebiet wurde in rechteckige oder annähernd rechteckige Baublöcke gegliedert. Diese werden als Insulae bezeichnet. Bis zum 2. Jahrhundert entstanden mehr als 60 solcher Quartiere.

Die Insulae enthielten:

  • Wohnhäuser;
  • Läden;
  • Werkstätten;
  • Lager;
  • Gaststätten;
  • öffentliche Gebäude;
  • religiöse Anlagen.

Das Forum lag im Zentrum der Stadt. Monumentale Heiligtümer und Unterhaltungsbauten befanden sich teilweise ausserhalb des dicht bebauten Kerns.

Nur ein Teil des von der Stadtmauer eingeschlossenen Gebiets war dicht überbaut. Grosse Flächen dienten vermutlich als Gärten, Weiden, Reserveflächen oder Bereiche repräsentativer Anlagen.

Stadtmauer

Die Stadtmauer von Aventicum entstand nach der Erhebung zur Kolonie. Sie war rund 5,5 Kilometer lang und umschloss eine Fläche von ungefähr 228 Hektaren.

Das Bauwerk war nicht nur eine Verteidigungsanlage. In der relativ friedlichen Zeit der Pax Romana diente es auch als sichtbares Zeichen des Ranges und Wohlstands der Kolonie.

Die Mauer verfügte über:

  • mehrere monumentale Stadttore;
  • 73 an der Innenseite angebaute Türme;
  • Wehrgänge;
  • einen vorgelagerten Spitzgraben;
  • Verkleidungen aus gelblichem Kalkstein.

In sumpfigen Bereichen musste das Fundament mit eingerammten Eichenpfählen stabilisiert werden. Diese Hölzer konnten durch dendrochronologische Untersuchungen in die Jahre 72 bis 79 n. Chr. datiert werden.[3]

La Tornallaz

Von den 73 Türmen ist La Tornallaz am besten erhalten. Der Turm liegt nördlich des ehemaligen Osttors.

Sein aufgehendes Mauerwerk überdauerte die nachantike Nutzung des Geländes. Eine moderne Treppenanlage ermöglicht den Aufstieg und einen Überblick über die Landschaft der antiken Stadt.

Osttor und Westtor

Das Osttor lag an einer wichtigen Strasse in Richtung des Rheingebiets. Reisende konnten von seiner erhöhten Lage aus einen grossen Teil der Stadt und ihrer Monumente überblicken.

Das Westtor führte zu den westlichen Verkehrswegen und zu den angrenzenden Nekropolen. Reste seiner Fundamente und der anschliessenden Stadtmauer sind archäologisch nachgewiesen.

Forum

Das Forum war das politische, administrative, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum Aventicums.

Der Platz wurde von Säulenhallen und öffentlichen Gebäuden umgeben. In seiner Umgebung befanden sich wahrscheinlich:

  • eine Basilika für Gerichts- und Geschäftsangelegenheiten;
  • Versammlungsräume;
  • Verwaltungsgebäude;
  • Heiligtümer;
  • Läden;
  • repräsentative Standbilder;
  • öffentliche Thermen.

Auf dem Forum standen Statuen des Kaiserhauses und bedeutender lokaler Persönlichkeiten.

Archäologen entdeckten Fragmente einer überlebensgrossen Statuengruppe aus der Zeit des Kaisers Tiberius. Sie stellte vermutlich Angehörige der julisch-claudischen Dynastie dar.

Thermen

Aventicum besass mehrere öffentliche und private Badeanlagen.

Römische Thermen dienten nicht nur der Körperpflege. Sie waren Orte der Begegnung, Erholung, sportlichen Betätigung und gesellschaftlichen Kommunikation.

Typische Räume waren:

  • das apodyterium als Umkleideraum;
  • das frigidarium mit Kaltwasserbecken;
  • das tepidarium als lauwarmer Raum;
  • das caldarium mit Heisswasserbecken;
  • Schwitzräume;
  • Sport- und Aufenthaltsbereiche.

Die Fussböden und Wände der beheizten Räume wurden durch ein Hypokaustum erwärmt.

Forumsthermen

Die Forumsthermen wurden ab etwa 77 n. Chr. im Zusammenhang mit dem vespasianischen Ausbauprogramm errichtet.

Um 120 n. Chr. entstand an ihrer Stelle eine grössere Anlage. Der Neubau entsprach offenbar den Bedürfnissen einer stark angewachsenen Stadtbevölkerung.

Thermen von Perruet

Die Thermen von Perruet lagen südöstlich des Stadtzentrums. Von ihnen sind Teile der Mauern und beheizten Räume sichtbar.

Die Anlage zeigt die aufwendige technische Ausstattung römischer Badegebäude mit Wasserleitungen, Heizkanälen und unterschiedlich temperierten Räumen.

Amphitheater

Das Amphitheater von Aventicum ist das bekannteste erhaltene Monument der antiken Stadt.

Die erste Anlage entstand wahrscheinlich zu Beginn des 2. Jahrhunderts. Sie wurde später erweitert und erhielt ein monumentales, triumphbogenartiges Hauptportal.

Nach dem Ausbau bot das Amphitheater ungefähr 16'000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Diese Kapazität überstieg die geschätzte Einwohnerzahl eines Teils der Stadt und deutet darauf hin, dass auch Menschen aus dem weiteren Umland die Veranstaltungen besuchten.[4]

Im Amphitheater fanden wahrscheinlich statt:

  • Gladiatorenkämpfe;
  • Tierhetzen;
  • öffentliche Hinrichtungen;
  • Schaukämpfe;
  • religiöse und politische Veranstaltungen.

Im Mittelalter wurde über dem Osteingang ein Turm errichtet. Dieser diente später als Standort des Römermuseums.

Das Amphitheater wird in der Gegenwart auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die antike Bausubstanz steht unter besonderem Schutz und wird regelmässig konserviert.

Theater

Das römische Theater lag südöstlich des Stadtzentrums.

Es diente Aufführungen, Versammlungen, religiösen Feiern und möglicherweise politischen Veranstaltungen. Seine halbkreisförmigen Zuschauerränge waren auf eine Bühne ausgerichtet.

Das Theater bildete gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Cigognier-Heiligtum eine monumentale Achse. Zwischen beiden Anlagen lag ein grosser, wahrscheinlich für Prozessionen und öffentliche Zeremonien genutzter Raum.

In der Spätantike wurde das Theater teilweise zu einer befestigten Anlage umgebaut. Dieser Umbau zeigt, dass das Monument auch nach dem Ende seiner ursprünglichen Nutzung von Bedeutung blieb.[5]

Cigognier-Heiligtum

Das Cigognier-Heiligtum war der grösste Tempelkomplex Aventicums.

Der französische Name Cigognier leitet sich von einem Storchennest ab, das sich früher auf der einzigen lange Zeit aufrecht stehenden Säule befand.

Das Heiligtum bestand aus:

  • einem grossen ummauerten Bezirk;
  • einem von Säulenhallen eingefassten Hof;
  • einem Tempel auf hohem Podium;
  • einem monumentalen Eingang;
  • einer direkten Sicht- und Prozessionsachse zum Theater.

Der Komplex wurde wahrscheinlich im frühen 2. Jahrhundert vollendet. Seine Planung stand in engem Zusammenhang mit den grossen Bauvorhaben, die nach der Erhebung Aventicums zur Kolonie begonnen worden waren.

Die genaue Gottheit, der der Tempel geweiht war, ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich spielte der römische Kaiserkult eine wichtige Rolle.

1939 wurde im Bereich des Heiligtums die berühmte Goldbüste des Kaisers Mark Aurel entdeckt.[6]

Grange-des-Dîmes-Heiligtum

Das Heiligtum von La Grange des Dîmes lag in der Nähe des Cigognier-Komplexes.

Der Tempel stand auf einem erhöhten Podium und besass eine hohe, turmartige Cella. Ein Säulenumgang umgab den zentralen Kultbau.

Aufgrund von Inschriften und archäologischen Funden wird vermutet, dass das Heiligtum dem gallorömischen Gott Mercurius Cissonius geweiht war.

Cissonius war wahrscheinlich eine einheimische Gottheit, die mit dem römischen Mercurius gleichgesetzt wurde. Mercurius galt unter anderem als Beschützer der Händler, Reisenden und Verkehrswege.

Religion

Die Religion Aventicums verband römische, keltische und lokale Traditionen.

Verehrt wurden Gottheiten des römischen Pantheons wie:

Daneben sind gallische oder gallorömische Gottheiten belegt, darunter:

Eine besondere Bedeutung besass der Kaiserkult. Er verband die Verehrung des Kaisers und seiner Familie mit der Loyalität gegenüber dem Römischen Reich.

In der Spätantike breitete sich das Christentum aus. Aventicum wurde zu Beginn des 6. Jahrhunderts Bischofssitz.

Hafen und Wasserwege

Aventicum besass einen Hafen am Murtensee. Dendrochronologische Untersuchungen weisen den Beginn der Bauarbeiten in das Jahr 5 n. Chr.

Der Hafen lag nordwestlich des Stadtzentrums und war über eine Strasse und möglicherweise einen Kanal mit der Stadt verbunden.

Über den See wurden transportiert:

  • Bausteine;
  • Holz;
  • Keramik;
  • Wein;
  • Öl;
  • Getreide;
  • Metallwaren;
  • Luxusgüter.

Der Wasserweg war besonders für schwere Materialien vorteilhaft. Kalkstein und andere Baumaterialien konnten über Seen und Flüsse näher an die Stadt gebracht werden.

Die Lage des antiken Ufers unterschied sich von der heutigen Situation. Veränderungen des Wasserstands, Sedimentablagerungen und spätere Gewässerkorrektionen veränderten die Landschaft der Broye-Ebene.

Wasserversorgung

Die grosse Stadt benötigte beträchtliche Mengen an Trink- und Brauchwasser.

Aquädukte führten Wasser aus Quellen der Umgebung nach Aventicum. Innerhalb der Stadt wurde es über Leitungen, Verteiler und Brunnen weitergeleitet.

Wasser wurde benötigt für:

  • öffentliche Brunnen;
  • Thermen;
  • Privathäuser;
  • Gewerbebetriebe;
  • Gärten;
  • Reinigung;
  • Brandschutz.

Abwasser floss durch Kanäle unter oder neben den Strassen ab. Die Wasserversorgung gehörte zu den technisch anspruchsvollsten Teilen der städtischen Infrastruktur.

Wohnhäuser

Die Wohnbebauung Aventicums reichte von einfachen Unterkünften bis zu luxuriösen Stadtpalästen.

Viele Häuser gruppierten sich um Innenhöfe. Strassenseitig befanden sich häufig Läden und Werkstätten, während die privaten Wohnräume im Innern lagen.

Wohlhabende Häuser besassen:

  • beheizte Räume;
  • Wandmalereien;
  • Mosaikböden;
  • Gärten;
  • Säulenhöfe;
  • private Bäder;
  • Wasserbecken;
  • Speise- und Empfangsräume.

Die Bauweise veränderte sich im Verlauf der Jahrhunderte. Frühe Holz- und Fachwerkbauten wurden vielfach durch Steinbauten ersetzt.

Wegen des feuchten Untergrunds mussten Fundamente an manchen Stellen auf eingerammten Holzpfählen errichtet werden. Die gute Erhaltung dieser Hölzer ermöglicht genaue Datierungen.

Palast von Derrière la Tour

Der sogenannte Palast von Derrière la Tour war das grösste bekannte Wohngebäude Aventicums.

Der Komplex erreichte eine Fläche von ungefähr 15'000 Quadratmetern. Seine Blütezeit lag um 200 n. Chr.

Zur Anlage gehörten:

  • grosse Innenhöfe;
  • Empfangsräume;
  • Wohnbereiche;
  • Wirtschaftsgebäude;
  • Gärten;
  • Mosaiken;
  • aufwendige Wandmalereien.

Der Besitzer gehörte vermutlich zur höchsten lokalen Führungsschicht. Das Gebäude verband private Wohnfunktionen mit öffentlichen oder repräsentativen Aufgaben.[7]

Bevölkerung

Für das 2. Jahrhundert wird die Bevölkerung Aventicums auf bis zu 20'000 Personen geschätzt.

Die Bevölkerung war sozial und rechtlich vielfältig. In der Stadt lebten:

  • Angehörige helvetischer Familien;
  • römische Bürger;
  • Beamte;
  • Priester;
  • Händler;
  • Handwerker;
  • Ärzte;
  • Soldaten und Veteranen;
  • Freigelassene;
  • Sklavinnen und Sklaven;
  • Menschen aus anderen Teilen des Reichs.

Der grösste Teil der Bevölkerung war vermutlich helvetischer Herkunft. Die lokale Oberschicht übernahm römische Lebensformen, Ämter und Namen besonders rasch.

Latein war die Sprache der Verwaltung, der Inschriften und des öffentlichen Lebens. Keltische Sprachen und Traditionen dürften jedoch noch längere Zeit weiterbestanden haben.

Wirtschaft

Aventicum war das wirtschaftliche Zentrum eines grossen landwirtschaftlich geprägten Umlands.

Die Stadt war Markt-, Verwaltungs- und Handelsplatz. Sie versorgte die Bevölkerung und verteilte Waren in das umliegende Gebiet.

Nachgewiesen oder wahrscheinlich sind Tätigkeiten von:

  • Töpfern;
  • Schmieden;
  • Bronzegiessern;
  • Bauhandwerkern;
  • Steinmetzen;
  • Gerbern;
  • Textilhandwerkern;
  • Metzgern;
  • Bäckern;
  • Händlern;
  • Ärzten;
  • Gastwirten.

Importierte Waren kamen aus zahlreichen Teilen des Reichs. Dazu gehörten Wein, Olivenöl, Fischsaucen, Glas, feine Keramik, Marmor und Luxusgegenstände.

Die Landwirtschaft des Umlands lieferte Getreide, Fleisch, Milchprodukte, Leder, Holz und weitere Rohstoffe. Römische Gutshöfe bildeten die Grundlage der regionalen Versorgung.

Nekropolen

Nach römischem Recht lagen die Friedhöfe ausserhalb des bewohnten Stadtgebiets, meist entlang der Ausfallstrassen.

Rund um Aventicum sind mehrere Nekropolen bekannt. Dort wurden Brand- und Körperbestattungen entdeckt.

Die Gräber enthielten je nach Zeitstellung und gesellschaftlicher Stellung:

  • Keramikgefässe;
  • Glas;
  • Schmuck;
  • Münzen;
  • Lampen;
  • Speisen und Getränke;
  • persönliche Gegenstände.

Wohlhabende Familien liessen Grabmonumente, Altäre oder beschriftete Steine errichten.

Ein bedeutender Grabbezirk wurde bei En Chaplix freigelegt. Dort standen monumentale Grabbauten, die vermutlich Angehörigen der lokalen Oberschicht gehörten.

Die Goldbüste des Mark Aurel

Der berühmteste Fund aus Aventicum ist die Goldbüste des Kaisers Mark Aurel.

Sie wurde am 19. April 1939 bei Ausgrabungen in einem Kanal des Cigognier-Heiligtums entdeckt.

Die Büste besteht aus dünnem, getriebenem Goldblech und zeigt den Kaiser in militärischer Kleidung. Sie wird in die Regierungszeit Mark Aurels von 161 bis 180 n. Chr. datiert.

Wahrscheinlich wurde sie bei religiösen Zeremonien oder Prozessionen des Kaiserkults getragen oder ausgestellt.

Warum die Büste in einem Kanal verborgen wurde, ist nicht bekannt. Möglicherweise sollte sie während einer Gefahrensituation vor Plünderung geschützt werden.

Das Original gehört zu den wertvollsten römischen Funden der Schweiz. Im Römermuseum wird aus Sicherheits- und Erhaltungsgründen gewöhnlich eine Kopie gezeigt.[8]

Weitere bedeutende Funde

Die archäologischen Sammlungen umfassen rund eine Million Objekte und Fragmente.

Zu den bedeutenden Fundgruppen gehören:

  • Inschriften;
  • Statuen und Reliefs;
  • Mosaiken;
  • Wandmalereien;
  • Münzen;
  • Schmuck;
  • Waffen;
  • Werkzeuge;
  • medizinische Instrumente;
  • Keramik;
  • Glasgefässe;
  • Alltagsgegenstände;
  • Tier- und Menschenknochen.

Besonders selten sind Fragmente einer römischen Wasserorgel. Sie geben Einblick in Musik und Unterhaltung der römischen Stadt.

Inschriften liefern Informationen über Namen, Herkunft, Ämter, Berufe, Religion und soziale Beziehungen der Bevölkerung.

Blütezeit

Die erste grosse Entwicklungsphase begann unter den Kaisern Tiberius und Claudius. Zwischen etwa 30 und 50 n. Chr. wurden das Forum und repräsentative öffentliche Gebäude ausgebaut.

Nach der Verleihung des Koloniestatus folgte eine zweite Phase intensiver Bautätigkeit.

Im 2. Jahrhundert erreichte Aventicum seine grösste Ausdehnung und Bedeutung. Die Stadt profitierte von der politischen Stabilität, dem Fernhandel und der wirtschaftlichen Entwicklung des Schweizer Mittellands.

Die grossen Monumente zeigten den Rang der Stadt innerhalb der Provinz. Aventicum war jedoch kein Legionslager und lag fern der wichtigsten Reichsgrenzen.

Seine Bedeutung beruhte vor allem auf seiner Funktion als ziviles Zentrum der Helvetier.

Krise des 3. Jahrhunderts

Das Römische Reich wurde im 3. Jahrhundert von Bürgerkriegen, wirtschaftlichen Problemen, Seuchen und Angriffen auswärtiger Gruppen erschüttert.

Um 275 n. Chr. wurde Aventicum bei alamannischen Einfällen erheblich beschädigt. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder aufgegeben.

Früher wurde teilweise angenommen, die Stadt sei damals vollständig vernichtet worden. Archäologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass das Leben weiterging.

Einige Quartiere wurden verlassen, andere blieben bewohnt. Baumaterial aus aufgegebenen Gebäuden wurde für neue Anlagen wiederverwendet.

Die Bevölkerungszahl nahm ab, und das dicht bebaute Stadtgebiet verkleinerte sich.

Spätantike

Im 4. Jahrhundert bestanden weiterhin Siedlungs- und Bautätigkeiten.

Das Theater wurde teilweise in ein befestigtes Bauwerk umgewandelt. Diese Veränderung wird als Reaktion auf die unsicherere politische und militärische Lage verstanden.

Die Bevölkerung konzentrierte sich zunehmend auf leichter zu verteidigende Bereiche. Auch der Bois de Châtel gewann als befestigter Ort erneut Bedeutung.

Das Christentum breitete sich im Verlauf der Spätantike aus. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts wurde Aventicum Sitz eines Bischofs.

Der letzte bekannte Bischof von Avenches war Marius von Avenches. Er verlegte den Bischofssitz 594 nach Lausanne.

Übergang zum Mittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb die Gegend besiedelt, doch die grossflächige antike Stadt zerfiel.

Viele Gebäude wurden als Steinbrüche genutzt. Säulen, Quader und andere Bauteile fanden in mittelalterlichen Kirchen, Befestigungen und Häusern Verwendung.

Die mittelalterliche Siedlung entwickelte sich auf dem Hügel westlich des römischen Zentrums. Ihre erhöhte Lage bot besseren Schutz.

Im 7. Jahrhundert erscheint für den Ort der Name Wibili. Die deutsche Form Wiflisburg blieb über Jahrhunderte in Gebrauch.

Das römische Stadtgebiet wurde zu Landwirtschaftsland. Einzelne Ruinen wie die Cigognier-Säule und Teile des Amphitheaters blieben sichtbar.

Wiederentdeckung

Das Interesse an Aventicum erwachte während der Renaissance.

Humanisten untersuchten lateinische Inschriften und versuchten, die Ruinen mit antiken Ortsnamen zu verbinden. Im 16. Jahrhundert besuchte unter anderem der Schweizer Chronist Aegidius Tschudi die Fundstätte.

1710 wies der Berner Gelehrte Marquard Wild überzeugend nach, dass Avenches mit Aventicum identisch war.

Im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Zufallsfunde dokumentiert. Gleichzeitig gingen viele Objekte durch privaten Handel, Wiederverwendung oder mangelnden Schutz verloren.

1788 veröffentlichte Friedrich Samuel Schmidt eine der ersten wissenschaftlichen Darstellungen der Altertümer von Avenches.

Römermuseum

Die Gemeinde Avenches beschloss 1824, verstreute antike Fundstücke zusammenzuführen und öffentlich aufzubewahren.

1838 übernahm der Kanton Waadt die archäologische Sammlung. Das Museum wurde im mittelalterlichen Turm über dem Eingang des Amphitheaters eingerichtet.

Die Dauerausstellung zeigt unter anderem:

  • eine Kopie der Goldbüste des Mark Aurel;
  • Statuen und Reliefs;
  • Mosaiken;
  • Wandmalereien;
  • Inschriften;
  • Keramik;
  • Schmuck;
  • Münzen;
  • Fragmente einer römischen Orgel;
  • Gegenstände aus dem Alltagsleben.

Das Museum und die archäologische Fachstelle bilden heute gemeinsam die Institution Site et Musée romains d’Avenches.[9]

Association Pro Aventico

Am 3. September 1885 wurde die Association Pro Aventico gegründet.

Die Gesellschaft setzte sich für die Erforschung, Erhaltung und öffentliche Vermittlung der antiken Stadt ein. Sie organisierte systematische Ausgrabungen und unterstützte die Sicherung sichtbarer Monumente.

Seit 1887 veröffentlicht sie das wissenschaftliche Bulletin de l’Association Pro Aventico.

Die Vereinigung arbeitet mit dem Kanton Waadt, der Stadt Avenches, Museen, Hochschulen und archäologischen Institutionen zusammen.

Ihre Tätigkeit trug wesentlich dazu bei, dass wichtige Teile Aventicums nicht überbaut oder zerstört wurden.[10]

Archäologische Forschung

Systematische Grabungen finden seit dem späten 19. Jahrhundert statt.

Ein grosser Teil der antiken Stadt liegt noch heute unter Feldern, Strassen und Gebäuden. Neue Bauprojekte im archäologischen Schutzgebiet müssen deshalb fachlich begleitet werden.

Die Archäologie von Aventicum umfasst:

  • Forschungsgrabungen;
  • Rettungsgrabungen;
  • geophysikalische Prospektion;
  • Luftbildarchäologie;
  • Vermessung;
  • Dendrochronologie;
  • Untersuchung von Tier- und Menschenknochen;
  • Konservierung von Metall, Stein, Glas und organischen Materialien;
  • Restaurierung sichtbarer Monumente.

Ausgrabungen liefern weiterhin neue Erkenntnisse zur spätkeltischen Besiedlung, zur Stadtentwicklung und zum Alltag der Bevölkerung.

Die Zuständigkeit für die archäologischen Untersuchungen liegt bei der waadtländischen Fachstelle Site et Musée romains d’Avenches.

Schutz der Fundstätte

Die wichtigsten Monumente und Teile des archäologischen Stadtgebiets stehen unter kantonalem und nationalem Schutz.

Geschützt sind unter anderem:

  • Amphitheater;
  • Theater;
  • Stadtmauer;
  • Westtor;
  • La Tornallaz;
  • Cigognier-Heiligtum;
  • Thermen von Perruet;
  • Grange-des-Dîmes-Heiligtum;
  • Befestigung auf dem Bois de Châtel;
  • archäologische Sammlung.

Der Schutz ist anspruchsvoll, weil sich das moderne Avenches teilweise über dem antiken Stadtgebiet ausdehnt.

Neue Gebäude, Leitungen und Strassen können bislang unbekannte Strukturen berühren. Deshalb werden Bauvorhaben in der archäologischen Zone kontrolliert und bei Bedarf durch Grabungen begleitet.[11]

Sichtbare Monumente

Heute können mehrere Monumente im Gelände besichtigt werden.

Bedeutende sichtbare Monumente
Monument Ursprüngliche Funktion Besonderheit
Amphitheater Gladiatorenkämpfe und öffentliche Spiele nach dem Ausbau rund 16'000 Plätze
Theater Aufführungen, Zeremonien und Versammlungen bildete eine Achse mit dem Cigognier-Heiligtum
Cigognier-Heiligtum Tempel- und Kultbezirk grösstes Heiligtum der Stadt
Grange-des-Dîmes-Heiligtum gallorömischer Tempel wahrscheinlich Mercurius Cissonius geweiht
Stadtmauer Umgrenzung, Repräsentation und Schutz rund 5,5 km lang
La Tornallaz Turm der Stadtmauer einziger hoch erhalten gebliebener Mauerturm
Thermen von Perruet öffentliche Badeanlage Reste beheizter Räume sichtbar
Palast von Derrière la Tour luxuriöses Wohn- und Repräsentationsgebäude mit rund 15'000 m² grösstes bekanntes Wohnhaus

Die einzelnen Monumente liegen über ein grösseres Gebiet verteilt. Ein archäologischer Rundweg verbindet die wichtigsten Anlagen.

Bedeutung für die Schweizer Geschichte

Aventicum ist eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte des Gebiets der heutigen Schweiz in römischer Zeit.

Die Fundstätte zeigt:

  • die Integration der Helvetier in das Römische Reich;
  • die Entstehung städtischer Strukturen im Mittelland;
  • die Verbindung einheimischer und römischer Traditionen;
  • die Entwicklung einer regionalen Verwaltung;
  • den Einfluss des Kaiserkults;
  • das Alltagsleben verschiedener sozialer Gruppen;
  • den Übergang von der Antike zum Mittelalter.

Aventicum wird häufig gemeinsam mit Augusta Raurica, Vindonissa, Octodurum und der Colonia Iulia Equestris zu den bedeutendsten römischen Fundorten der Schweiz gezählt.

Im Unterschied zu Vindonissa war Aventicum kein militärisches Legionslager. Seine Bedeutung war vorwiegend zivil, politisch, wirtschaftlich und religiös.

Aventicum in der Gegenwart

Die antiken Monumente prägen bis heute das Stadtbild von Avenches.

Das Amphitheater wird neben seiner musealen Funktion für Konzerte und Veranstaltungen genutzt. Dabei müssen Denkmalschutz, Sicherheit und kulturelle Nutzung aufeinander abgestimmt werden.

Das Gelände dient der Forschung, dem Schulunterricht und dem Kulturtourismus. Führungen, Ausstellungen und digitale Angebote vermitteln das Leben der römischen Stadt.

Die archäologische Fundstätte ist zugleich Teil des modernen Siedlungs- und Landwirtschaftsraums. Ihre Erhaltung erfordert eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Archäologie, Behörden, Eigentümern und Bevölkerung.

Chronologie

Geschichte Aventicums
Zeitraum Ereignis
1. Jahrhundert v. Chr. Spätkeltische Siedlungs-, Grab- und Nutzungsspuren im Gebiet von Avenches.
58 v. Chr. Gescheiterter Auszug der Helvetier und Rückkehr in ihr Siedlungsgebiet.
zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Nutzung des Oppidums auf dem Bois de Châtel.
5/6 n. Chr. Bau einer Hafenanlage am Murtensee und Anlage des römischen Strassennetzes.
6/7 n. Chr. Bau der ältesten dendrochronologisch datierten Häuser Aventicums.
etwa 30–50 n. Chr. Erste grosse Blütezeit unter Tiberius und Claudius.
69 n. Chr. Aventicum wird während des Vierkaiserjahrs von römischen Truppen bedroht.
71/72 n. Chr. Kaiser Vespasian erhebt Aventicum zur römischen Kolonie.
ab 72 n. Chr. Bau der monumentalen Stadtmauer.
ab etwa 77 n. Chr. Ausbau der Forumsthermen.
spätes 1. und frühes 2. Jahrhundert Errichtung grosser Tempel-, Theater- und Unterhaltungsanlagen.
2. Jahrhundert Grösste Ausdehnung mit bis zu rund 20'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
um 200 n. Chr. Blütezeit des Palastes von Derrière la Tour.
um 275 n. Chr. Schwere Schäden durch alamannische Einfälle.
4. Jahrhundert Weitere Bautätigkeit und teilweise Befestigung des Theaters.
frühes 6. Jahrhundert Aventicum wird Bischofssitz.
594 Verlegung des Bischofssitzes unter Marius nach Lausanne.
7. Jahrhundert Auftreten des mittelalterlichen Ortsnamens Wibili.
16. Jahrhundert Humanisten beginnen mit der Untersuchung der römischen Ruinen.
1710 Marquard Wild weist die Identität von Avenches und Aventicum nach.
1824 Gründung einer ersten örtlichen Sammlung römischer Funde.
1838 Einrichtung des kantonalen Römermuseums im Turm des Amphitheaters.
1885 Gründung der Association Pro Aventico.
1939 Entdeckung der Goldbüste des Kaisers Mark Aurel.
seit dem 20. Jahrhundert Systematische Grabungen, Restaurierungen und Schutzmassnahmen.

Siehe auch

Literatur

  • Daniel Castella, Pierre Blanc, Matthias Flück, Thierry Huschmid und Marie-France Meylan Krause: Aventicum. Eine römische Hauptstadt. Avenches 2015.
  • Anne de Pury-Gysel: Avenches–Aventicum, Hauptstadt der Helvetier. Zum Forschungsstand 1985–2010. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission, Band 93.
  • Philippe Bridel: Aventicum. Hauptstadt der Helvetier. Avenches.
  • Hans Bögli: Aventicum. Die Römerstadt und das Museum. Avenches.
  • Association Pro Aventico: Bulletin de l’Association Pro Aventico. Avenches, seit 1887.
  • Site et Musée romains d’Avenches: Aventicum, die Römerstadt. Avenches.
  • Felix Stähelin: Die Schweiz in römischer Zeit. Basel.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Aventicum.

Einzelnachweise

  1. Geschichte von Aventicum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Die Anfänge von Aventicum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Stadtmauer von Aventicum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Amphitheater von Aventicum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Theater von Aventicum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Cigognier-Heiligtum. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Palast von Derrière la Tour. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Die Goldbüste des Mark Aurel. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Römermuseum Avenches. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  10. Geschichte der Sammlung und der Association Pro Aventico. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.
  11. Gesetzliche Grundlagen zum Schutz Aventicums. In: Site et Musée romains d’Avenches. Abgerufen am 2026-07-23.