Pully

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Pully

Blick auf Pully und den Genfersee

Blick auf Pully und den Genfersee

Wappen von Pully

Wappen

Lage von Pully

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Waadt

Bezirk

Lavaux-Oron

BFS-Nummer

5590

Postleitzahl

1009

Koordinaten

46.5103° N, 6.6619° E

Höhe

423 m ü. M.

Fläche

5.84 km²

Einwohner

19'550
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.pully.ch

Pully ist eine politische Gemeinde und Stadt im französischsprachigen Teil des Kantons Waadt in der Schweiz. Sie gehört zum Bezirk Lavaux-Oron und liegt unmittelbar östlich von Lausanne am Nordufer des Genfersees. Das dicht bebaute Gemeindegebiet ist Teil der Agglomeration Lausanne und bildet mit der Kantonshauptstadt einen nahezu zusammenhängenden städtischen Siedlungsraum.

Pully entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einem Weinbau- und Bauerndorf zu einer wohlhabenden Wohnstadt. Die Gemeinde besitzt zwei Bahnhöfe, ein dichtes Netz des öffentlichen Verkehrs, mehrere bedeutende Kulturinstitutionen und einen ausgedehnten Uferbereich mit Hafen, Strandbad und Sportanlagen. Bekannt ist Pully ausserdem für seine römische Villa, die jungsteinzeitlichen Gräber von Chamblandes sowie als Wohnort des Schriftstellers Charles Ferdinand Ramuz und des Generals Henri Guisan.

Am 31. Dezember 2025 zählte Pully 19'550 ständig wohnhafte Einwohner.[1]

Name

Pully wurde 994 unter der Bezeichnung Pulliacum erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter erschienen unter anderem die Schreibweisen Polliacum, Puliei, Pulie, Puliacum, Pulli und Pullie.

Der Ortsname wird gewöhnlich auf den lateinischen Personennamen Pollius oder Paulius zurückgeführt. Die Endung -acum bezeichnete in gallorömischer Zeit ein Landgut oder einen Besitz. Der Name dürfte somit ursprünglich das Landgut eines Mannes namens Pollius bezeichnet haben.[2]

Die Einwohner werden auf Französisch als Pulliérannes und Pulliérans bezeichnet.

Geographie

Pully liegt am östlichen Rand von Lausanne zwischen den Tälern der Vuachère im Westen und der Paudèze im Osten. Das Gemeindegebiet beginnt am Ufer des Genfersees auf rund 375 m ü. M. und steigt über mehrere Geländeterrassen bis zu den Monts-de-Pully auf etwa 800 m ü. M. an.[3]

Die Gemeindefläche beträgt 5,84 Quadratkilometer. Trotz der starken Überbauung bestehen Rebberge, Waldflächen, Parks und landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Besonders im nördlichen Teil der Gemeinde, bei den Monts-de-Pully, hat sich eine teilweise ländliche Landschaft erhalten.

Nachbargemeinden sind Lausanne im Westen, Savigny im Norden, Belmont-sur-Lausanne im Nordosten und Paudex im Osten. Im Süden bildet der Genfersee die natürliche Gemeindegrenze.

Gewässer

Die Vuachère bildet auf einem Teil ihres Verlaufs die Grenze zu Lausanne. Sie entspringt nördlich des Stadtgebiets und mündet westlich von Pully in den Genfersee.

Die Paudèze verläuft durch ein tief eingeschnittenes Tal am östlichen Rand der Gemeinde. Ihr Wasserlauf trennt Pully teilweise von Belmont-sur-Lausanne und Paudex. Entlang der beiden Bäche befinden sich bewaldete Böschungen, Fusswege und ökologisch wertvolle Lebensräume.

Mehrere kleinere, teilweise eingedolte Bäche entwässern die höher gelegenen Quartiere. In den Monts-de-Pully befinden sich Quellgebiete und Landwirtschaftsflächen.

Stadtgliederung

Pully besitzt keine amtlich festgelegten Stadtteile. Die Gemeinde gliedert sich jedoch in mehrere historisch und städtebaulich unterscheidbare Quartiere.

Zentrum und Prieuré

Das historische Zentrum liegt rund um die reformierte Kirche, das Prieuré, die Rue de la Poste und die Bahnhöfe Pully und Pully-Nord. Hier befinden sich die Gemeindeverwaltung, Geschäfte, Restaurants, Museen und weitere öffentliche Einrichtungen.

Das Quartier bewahrt einen Teil seiner älteren Bebauung. Durch die Nähe zu beiden Bahnlinien und zu mehreren Busverbindungen bildet es den wichtigsten kommunalen Verkehrsknoten.

Chamblandes

Chamblandes liegt im südwestlichen Gemeindegebiet nahe der Grenze zu Lausanne. Das Quartier ist nach den dort entdeckten jungsteinzeitlichen Steinkistengräbern bekannt. Der Name Chamblandes wurde in der Archäologie zur Bezeichnung eines bestimmten Grabtyps verwendet.

Heute ist Chamblandes ein überwiegend von Wohnhäusern, Schulen, Kirchen und Grünanlagen geprägtes Quartier. Im unteren Teil reicht es bis in die Nähe des Seeufers.

La Rosiaz

La Rosiaz befindet sich auf einer Geländeterrasse im nordwestlichen Teil der Gemeinde. Das Quartier grenzt an Lausanne und ist eng mit den benachbarten Lausanner Stadtteilen Chailly und Valmont verbunden.

Im 19. Jahrhundert bestanden in La Rosiaz unter anderem eine Brauerei und gewerbliche Betriebe. Später entstanden vorwiegend Wohnquartiere, Schulen und öffentliche Einrichtungen.

Chantemerle und Fontanettaz

Chantemerle und Fontanettaz liegen nördlich beziehungsweise nordöstlich des Zentrums. Die Quartiere entwickelten sich hauptsächlich während des starken Bevölkerungswachstums im 20. Jahrhundert.

In Chantemerle befindet sich die gleichnamige reformierte Kirche mit ihrem weithin hörbaren Glockenspiel. Beide Quartiere verfügen über Schulen, lokale Geschäfte und Busverbindungen.

Der Hafen und das Seeufer

Der Port de Pully liegt am Genfersee südlich des historischen Zentrums. Zum Gebiet gehören ein Yachthafen, Parkanlagen, Sportflächen, Gastronomiebetriebe und der Quai Milliquet.

Der Uferbereich dient als wichtiges Naherholungsgebiet. Die Gemeinde besitzt dort das Strandbad Pully-Plage, Spielplätze, Spazierwege und Anlagen für den Wassersport.

Monts-de-Pully

Die Monts-de-Pully bilden den nördlichsten und höchstgelegenen Teil der Gemeinde. Das Gebiet umfasst einzelne Wohnhäuser, Bauernhöfe, Waldstücke, Felder, Weiden und kommunale Rebflächen.

Beim Ort Trois-Chasseurs befinden sich ein kleiner lokaler Mittelpunkt und eine Haltestelle des öffentlichen Verkehrs. Die Monts-de-Pully bieten Ausblicke über die Agglomeration Lausanne, den Genfersee und die Savoyer Alpen.

Geschichte

Jungsteinzeit

Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit stammen aus der Jungsteinzeit. Im Gemeindegebiet wurden an mehreren Stellen Steinkistengräber entdeckt. Besonders bedeutend ist die Nekropole von Chamblandes, die ursprünglich etwa 60 Gräber umfasst haben dürfte.[4]

Die Toten wurden in rechteckigen Grabkammern aus senkrecht aufgestellten Steinplatten bestattet. Vergleichbare Anlagen aus der Zeit zwischen ungefähr 4300 und 3300 v. Chr. werden in der Archäologie als Steinkisten vom Typ Chamblandes bezeichnet. Solche Gräber sind in verschiedenen Regionen des westlichen Alpenraums nachgewiesen.

Weitere vorgeschichtliche Funde belegen, dass das Gebiet auch während der Bronze- und Eisenzeit genutzt wurde.

Römerzeit

Während der Römerzeit lag Pully im Umfeld von Lousonna, dem römischen Siedlungs- und Handelszentrum im heutigen Lausanne-Vidy. Im Bereich des heutigen Prieuré wurde eine grosse römische Villa errichtet.

Die Anlage entstand vermutlich im 1. Jahrhundert und wurde in hadrianischer Zeit im 2. Jahrhundert zu einem repräsentativen Landsitz ausgebaut. Teile des Gebäudes waren mit Wandmalereien ausgestattet. Besonders bekannt ist ein Fresko mit der Darstellung eines Wagenlenkers.

Die Überreste der Villa wurden 1971 bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Seit 1981 sind Teile der Anlage in einem Schutzbau zugänglich. Das heutige ArchéoLab vermittelt die römische Geschichte des Ortes mit Ausstellungen und Bildungsangeboten.[5]

Mittelalter

Pully gehörte im Frühmittelalter vermutlich zum königlichen Besitz des Königreichs Hochburgund. 994 schenkte König Rudolf III. Güter in Pully der Abtei Saint-Maurice. Später bestanden Besitzrechte des Klosters Payerne und weiterer kirchlicher Institutionen.

Die weltliche Herrschaft lag beim Bischof von Lausanne. Im Dorf entstand ein Priorat, das für die Verwaltung der kirchlichen Güter zuständig war. Das Prieuré und die benachbarte Kirche bildeten den Mittelpunkt der mittelalterlichen Siedlung.

Die Einwohner lebten hauptsächlich von Landwirtschaft, Weinbau, Viehzucht und Fischerei. Aufgrund der Lage an der Strasse zwischen Lausanne und Vevey war Pully zugleich ein Durchgangsort für den regionalen Verkehr.

Berner Herrschaft

Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 gelangte Pully unter bernische Herrschaft. Das Dorf wurde der Landvogtei Lausanne zugeteilt. Gleichzeitig wurde die Reformation eingeführt, und die bisher katholische Kirche diente fortan dem reformierten Gottesdienst.

Die Berner Verwaltung bestätigte verschiedene kommunale Rechte und regelte die Nutzung von Wäldern, Weiden und Rebbergen. Weinbau und Landwirtschaft blieben die wichtigsten Erwerbszweige.

Mehrere wohlhabende Lausanner Familien erwarben in Pully Landhäuser und Weinberge. Dadurch entstanden neben den Bauern- und Winzerhäusern repräsentative Landsitze.

Helvetik und Kantonsgründung

Nach dem Zusammenbruch der bernischen Herrschaft gehörte Pully ab 1798 während der Helvetischen Republik zum Kanton Léman. Mit der Mediationsakte von 1803 wurde daraus der Kanton Waadt.

Pully gehörte zunächst zum Bezirk Lausanne. Seit der waadtländischen Bezirksreform von 2008 ist die Gemeinde Teil des Bezirks Lavaux-Oron.

Industrialisierung und Ausbau des Verkehrs

Im 19. Jahrhundert entstanden neben Landwirtschaft und Weinbau erste industrielle und gewerbliche Betriebe. Um 1830 wurde in La Rosiaz eine Brauerei gegründet. Später folgten unter anderem Färbereien, Bauunternehmen und kleinere Fabriken.

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie entlang des Genfersees im Jahr 1861 verbesserte die Verbindung nach Lausanne, Vevey und in die übrige Westschweiz. Eine zweite Bahnverbindung entstand auf der höher gelegenen Strecke von Lausanne in Richtung Freiburg und Bern. Dadurch erhielt Pully später die beiden Stationen Pully und Pully-Nord.

Die verbesserten Verkehrsverbindungen machten die Gemeinde als Wohnort für Menschen attraktiv, die in Lausanne arbeiteten. Entlang der Bahnlinien und Hauptstrassen entstanden neue Wohnquartiere.

Entwicklung zur Stadt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Pully noch stark von Weinbergen, Gärtnereien und landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. In den folgenden Jahrzehnten setzte eine rasche Verstädterung ein.

Um 1930 lebten etwa 5'000 Menschen in der Gemeinde. 1956 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 10'000, womit Pully nach der statistischen Definition den Status einer Stadt erhielt.[3]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Ein- und Mehrfamilienhäuser, Schulen, Sportanlagen und öffentliche Gebäude errichtet. Die Siedlungsgebiete von Pully und Lausanne wuchsen vollständig zusammen.

Trotz der starken Überbauung blieben einzelne Rebberge, historische Gebäude und die ländlich geprägten Monts-de-Pully erhalten. Die Stadtentwicklung konzentriert sich heute vor allem auf die Verdichtung bestehender Quartiere, die Verbesserung öffentlicher Räume und die Förderung umweltfreundlicher Mobilität.

Bevölkerung

Pully gehört zu den bevölkerungsreicheren Gemeinden des Kantons Waadt. Die Einwohnerzahl nahm besonders zwischen 1900 und 1970 stark zu. Danach verlangsamte sich das Wachstum, setzte jedoch seit Beginn des 21. Jahrhunderts erneut ein.

Ende 2024 zählte die kommunale Bevölkerungsstatistik rund 19'700 Einwohner aus 118 Nationen. Die ständige Wohnbevölkerung gemäss kantonaler Definition betrug Ende 2025 19'550 Personen, davon 13'099 Schweizer und 6'451 ausländische Staatsangehörige.[1]

Französisch ist die Amts- und wichtigste Alltagssprache. Aufgrund der Nähe zu Lausanne und der internationalen Bevölkerung sind daneben Englisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und weitere Sprachen verbreitet.

Pully weist im kantonalen Vergleich einen relativ hohen Anteil älterer Einwohner auf. Gleichzeitig leben zahlreiche Familien mit Kindern in der Gemeinde.

Politik und Verwaltung

Die Exekutive der Stadt ist die fünfköpfige Municipalité. Ihre Mitglieder werden nach dem Majorzverfahren für eine Amtsdauer von fünf Jahren gewählt. Den Vorsitz führt die als Syndique bezeichnete Stadtpräsidentin.

Für die Legislaturperiode vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2031 besteht die Municipalité aus Nathalie Jaquerod, Robin Carnello, Lucas Girardet, Sébastien Fague und Jean-Marc Chevallaz. Nathalie Jaquerod ist Stadtpräsidentin.[6]

Die Legislative bildet der 100 Mitglieder umfassende Conseil communal. Er wird nach dem Proporzverfahren gewählt. Seine Sitzungen sind öffentlich.

Sitzverteilung im Conseil communal 2026–2031
Partei oder Gruppierung Sitze
PLR.Les Libéraux-Radicaux 32
Union Pulliérane 19
Parti socialiste 19
Les Verts 15
Union démocratique du centre 10
Vert'libéraux 5

Die Gemeindeverwaltung ist auf mehrere Gebäude im Zentrum verteilt. Zu den kommunalen Aufgaben gehören Finanzen, Raumplanung, Umweltschutz, Schulen, soziale Dienste, Kultur, Sport, Energieversorgung, Strassenunterhalt und öffentliche Sicherheit.[7]

Wappen

Das Gemeindewappen ist von Silber und Rot gespalten. Es zeigt eine Weintraube in verwechselten Farben mit grünem Stiel und grünen Blättern.

Die Weintraube verweist auf die lange Weinbautradition von Pully. Die Farbteilung in Rot und Silber entspricht den historischen Farben des Waadtlandes und verschiedener regionaler Herrschaften.

Wirtschaft

Pully ist in erster Linie eine Wohn- und Dienstleistungsstadt. Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt nach Lausanne oder in andere Gemeinden der Genferseeregion.

In Pully bestehen zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen aus den Bereichen Handel, Beratung, Immobilien, Gesundheitswesen, Gastronomie, Baugewerbe und persönliche Dienstleistungen. Weitere bedeutende Arbeitgeber sind die Gemeindeverwaltung, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Kulturinstitutionen.

Das kommerzielle Zentrum liegt rund um die Rue de la Poste, die Avenue Samson-Reymondin und die Bahnhöfe. Kleinere Quartierzentren befinden sich in Chamblandes, Chantemerle, La Rosiaz und Fontanettaz.

Weinbau

Der Weinbau besitzt trotz seiner heute geringen Fläche weiterhin eine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Die Stadt Pully ist Eigentümerin von rund vier Hektaren Rebbergen in den Gebieten Rochettaz und Pévret.

Auf den kommunalen Rebflächen werden 14 Rebsorten angebaut. Die daraus erzeugten Weiss-, Rot- und Roséweine werden von der Cave de Pully vermarktet. Die Rebberge gehören zum Weinbaugebiet Lavaux und liegen in der Nähe der als UNESCO-Welterbe geschützten Weinberg-Terrassen von Lavaux.[8]

Verkehr

Eisenbahn

Pully besitzt zwei Bahnhöfe an unterschiedlichen Eisenbahnstrecken. Der Bahnhof Pully liegt an der Simplonlinie zwischen Lausanne und Vevey. Der Bahnhof Pully-Nord befindet sich an der Strecke von Lausanne über Freiburg nach Bern.

Beide Stationen werden von Regionalzügen des RER Vaud bedient. Sie ermöglichen schnelle Verbindungen nach Lausanne sowie in weitere Teile des Kantons Waadt und der Westschweiz.

Die beiden Bahnhöfe liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, sind jedoch nicht durch eine direkte Gleisverbindung miteinander verbunden. Das Gebiet zwischen ihnen bildet einen wichtigen Schwerpunkt der kommunalen Zentrumsentwicklung.

Busverkehr

Mehrere Linien der Transports publics de la région lausannoise verbinden Pully mit Lausanne, Lutry, Paudex, Belmont-sur-Lausanne und den höher gelegenen Quartieren.

Wichtige Haltestellen befinden sich bei Pully-Centre, Pully-Nord, Clergère, Mallieu, Chantemerle, Trois-Chasseurs und am Seeufer. Die Buslinien erschliessen auch Gebiete, die wegen der steilen Topografie von den Bahnhöfen nur schwer zu Fuss erreichbar sind.

Strassenverkehr

Die Hauptstrasse entlang des Genfersees verbindet Pully mit Lausanne, Paudex, Lutry und Vevey. Weitere wichtige Achsen sind die Avenue de Lavaux, die Avenue Général-Guisan, die Avenue des Désertes und die Route de la Conversion.

Über Lausanne und Lutry besteht Anschluss an die Autobahn A9. Die Nähe zur Kantonshauptstadt führt insbesondere während der Hauptverkehrszeiten zu einer hohen Belastung der Durchgangsstrassen.

Die Stadt fördert den Fuss- und Veloverkehr durch neue Verbindungen, Verkehrsberuhigungen und die Umgestaltung öffentlicher Räume. Im Rahmen der Stadtplanung Pully 2040 werden die langfristige Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufeinander abgestimmt.

Schiffsverkehr und Hafen

Der Port de Pully dient hauptsächlich der Freizeitschifffahrt. Der Hafen verfügt über Liegeplätze für Segel- und Motorboote sowie über Einrichtungen für Wassersportvereine.

Entlang des Ufers führt eine Fuss- und Veloverbindung in Richtung Lausanne und Paudex. Der Seeweg besitzt vor allem für Freizeit, Sport und Naherholung eine grosse Bedeutung.

Bildung

Pully verfügt über mehrere Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulanlagen. Die öffentliche Schule wird teilweise gemeinsam mit Paudex und Belmont-sur-Lausanne organisiert.

Zu den bedeutenden Schulstandorten gehören das Collège Principal, die Schulanlagen Chamblandes, Fontanettaz, Mallieu und Arnold Reymond. Das Schulzentrum Arnold Reymond umfasst neben Unterrichtsräumen auch Sport- und Veranstaltungsanlagen.

Die Gemeinde betreibt schulergänzende Tagesstrukturen, Ferienangebote und Einrichtungen für Jugendliche. Musikschulen, Bibliothek, Museen und Kulturinstitutionen ergänzen das Bildungsangebot.

Weiterführende Schulen, Berufsbildungszentren und Hochschulen befinden sich im nahe gelegenen Lausanne.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirche und Prieuré

Die reformierte Kirche von Pully, auch Église du Prieuré genannt, steht auf einer Anhöhe über dem See. Sie geht auf einen mittelalterlichen Vorgängerbau zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut.

Neben der Kirche befindet sich das historische Prieuré. Der Gebäudekomplex enthält Bausubstanz, die teilweise aus der Zeit vor 1415 stammt. Das Prieuré und seine Esplanade bilden zusammen mit der Kirche, der römischen Villa und dem alten Dorfkern ein bedeutendes historisches Ensemble.

Römische Villa und ArchéoLab

Das ArchéoLab bewahrt Teile des römischen Landsitzes unterhalb des Prieuré. Neben den baulichen Resten sind Wandmalereien und archäologische Fundstücke erhalten.

Die Einrichtung richtet sich besonders an Familien, Kinder und Schulklassen. Interaktive Ausstellungen vermitteln Themen wie römische Architektur, Ernährung, Kleidung, Schrift und Alltagsleben.

Musée d’art de Pully

Das Musée d’art de Pully widmet sich der regionalen und nationalen bildenden Kunst. Das Ausstellungsprogramm verbindet historische Positionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst.

Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Wohnstätte von Charles Ferdinand Ramuz. Seine Sammlung umfasst Werke verschiedener Schweizer Kunstschaffender.

La Muette

La Muette war das letzte Wohnhaus des Schriftstellers Charles Ferdinand Ramuz. Er lebte dort von 1930 bis zu seinem Tod im Jahr 1947.

Das 2023 eröffnete Museum La Muette – espaces littéraires widmet sich Ramuz, seinem Werk und der Literatur. Zu den zugänglichen Räumen gehört das weitgehend erhaltene Arbeitszimmer des Schriftstellers.[9]

L’Octogone

L’Octogone – Théâtre de Pully ist eines der wichtigsten Gastspieltheater der Region Lausanne. Es wurde 1979 eröffnet und bietet ein Programm aus Schauspiel, Tanz, Musik, Zirkus und weiteren Bühnenformen.

Weitere kulturelle Einrichtungen sind das Café-Théâtre de la Voirie, die Bibliothèque de Pully und das Kino CityClub.

Verte Rive und Centre Général Guisan

Das Landgut Verte Rive am Genfersee war der Wohnsitz von General Henri Guisan, dem Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft erwarb das Anwesen 1971. Heute befindet sich dort das Centre Général Guisan, ein Ort der historischen Erinnerung, der Forschung und der Begegnung. Zum Anwesen gehören das Wohnhaus, Nebengebäude, ein Park und ein privater Hafen.[10]

Natur und Naherholung

Der Uferbereich des Genfersees ist das wichtigste Naherholungsgebiet der Stadt. Der Quai Milliquet bietet Spazierwege, Grünflächen, Spiel- und Sportanlagen sowie Aussicht auf den See und die Savoyer Alpen.

Das Strandbad Pully-Plage verfügt über Schwimmbecken, Liegewiesen und einen direkten Zugang zum See. Der benachbarte Hafen wird von Segel- und Wassersportvereinen genutzt.

In den Monts-de-Pully führen Wanderwege durch Wälder, Rebberge und Landwirtschaftsflächen. Ein didaktischer Wanderweg verbindet Pully-Nord mit dem Zentrum und informiert über Geschichte, Landschaft und Natur der Gemeinde.

Die Täler der Vuachère und der Paudèze bilden wichtige ökologische Korridore. Die Gemeinde verfolgt Projekte zur Förderung der Biodiversität, zur Aufwertung von Gewässern und zur Vernetzung von Grünräumen.

Pully trägt seit 2017 das Label Energiestadt.

Sport

Die Stadt besitzt mehrere Sporthallen, Fussballplätze, Tennisanlagen, Schwimmbäder und Einrichtungen für den Wassersport. Zu den grösseren Anlagen gehören das Centre sportif de Rochettaz und die Salle omnisports Arnold Reymond.

Der FC Pully betreibt Fussballmannschaften für Erwachsene und Jugendliche. Der Basketballverein Pully Lausanne Foxes zählt zu den traditionsreichen Vereinen des Schweizer Basketballs.

Am See werden Segeln, Rudern, Schwimmen, Stand-up-Paddling und weitere Wassersportarten ausgeübt. Die Gemeinde unterstützt zahlreiche lokale Sportvereine und führt regelmässig Veranstaltungen zur Förderung der Bewegung durch.

Städtepartnerschaft

Pully unterhält seit 1986 eine Städtepartnerschaft mit Obernai im französischen Elsass. Die Partnerschaft umfasst Begegnungen zwischen Behörden, Schulen, Vereinen und Kulturorganisationen.

In beiden Städten erinnern Strassen- und Platznamen an die Verbindung. Im Zentrum von Pully befindet sich die Place d’Obernai.

Persönlichkeiten

  • Charles Ferdinand Ramuz (1878–1947), Schriftsteller; lebte und starb in Pully
  • Henri Guisan (1874–1960), General und Oberbefehlshaber der Schweizer Armee; lebte und starb auf dem Landgut Verte Rive in Pully
  • Marcel Regamey (1905–1982), Jurist, Journalist und Politiker; lebte in Pully
  • Jean-Pascal Delamuraz (1936–1998), Politiker und Bundesrat; lebte zeitweise in Pully
  • François Lachat (1942–2023), Politiker und erster Regierungspräsident des Kantons Jura; in Pully geboren

Literatur

  • Patrick Moinat, Catherine May Castella und André Schmutz: Pully. In: Historisches Lexikon der Schweiz, 2012.
  • Marcel Grandjean: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Vaud. Band IV: Lausanne, villages, hameaux et maisons de l’ancienne campagne lausannoise. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1981.
  • Ville de Pully: Pully en chiffres. Pully.
  • Ville de Pully: Programme de législature 2021–2026. Pully 2022.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Statistique Vaud: Population résidante permanente au 31 décembre 2025, abgerufen am 6. August 2026.
  2. Patrick Moinat, Catherine May Castella und André Schmutz: Pully, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 1. Juni 2012.
  3. 3,0 3,1 Ville de Pully: Programme de législature 2021–2026, S. 3, abgerufen am 6. August 2026.
  4. Ville de Pully: Pully dans l’histoire, abgerufen am 6. August 2026.
  5. Ville de Pully: Affaires culturelles und ArchéoLab, abgerufen am 6. August 2026.
  6. Ville de Pully: Municipalité 2026–2031, abgerufen am 6. August 2026.
  7. Ville de Pully: Conseil communal 2026–2031, abgerufen am 6. August 2026.
  8. Ville de Pully: Vignes de Pully, 25. September 2024.
  9. Ville de Pully: Pully Culture, abgerufen am 6. August 2026.
  10. Centre Général Guisan: La propriété, abgerufen am 6. August 2026.

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