Olympisches Museum

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Olympisches Museum
Französischer Name Le Musée Olympique
Englischer Name The Olympic Museum
Museumsart Sport-, Geschichts- und Kulturmuseum
Ort Lausanne, Kanton Waadt, Schweiz
Quartier Ouchy
Adresse Quai d’Ouchy 1
1006 Lausanne
Eröffnung 23. Juni 1993
Gründer Internationales Olympisches Komitee
Trägerschaft Olympic Foundation for Culture and Heritage
Architekten Pedro Ramírez Vázquez und Jean-Pierre Cahen
Umfassende Erneuerung 2013
Sammlungsschwerpunkt Geschichte der Olympischen Spiele und der Olympischen Bewegung
Koordinaten 46,5086° N, 6,6339° O
Website www.olympics.com/museum

Das Olympische Museum (französisch Le Musée Olympique, englisch The Olympic Museum) ist ein Sport-, Geschichts- und Kulturmuseum in Lausanne. Es befindet sich im Quartier Ouchy in einem Park oberhalb des Genfersees. Das Museum wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) gegründet und widmet sich der Geschichte der Olympischen Spiele, der Entwicklung der Olympischen Bewegung sowie den Beziehungen zwischen Sport, Gesellschaft, Kunst und Kultur.

Das Museum bewahrt nach Angaben des IOK die weltweit grösste und umfassendste Sammlung zum olympischen Kulturerbe. Zu den Beständen gehören Sportgeräte, Medaillen, Fackeln, Plakate, Fotografien, Filme, Dokumente, Kunstwerke, Kleidungsstücke und persönliche Gegenstände von Athletinnen und Athleten. Die Ausstellungen verbinden historische Originalobjekte mit audiovisuellen Installationen und interaktiven Angeboten.[1]

Das Olympische Museum gehört zu den bekanntesten kulturellen Einrichtungen Lausannes und unterstreicht die Stellung der Stadt als Sitz des IOK und als sogenannte Olympische Hauptstadt. Das Museumsareal umfasst neben dem Ausstellungsgebäude einen Skulpturenpark, Veranstaltungsräume, ein Restaurant, einen Museumsladen und Einrichtungen für Bildung und Forschung.

Geschichte

Idee Pierre de Coubertins

Die Idee eines zentralen Museums für die Olympische Bewegung geht auf Pierre de Coubertin zurück, den Initiator der modernen Olympischen Spiele und Mitbegründer des IOK. Coubertin stellte sich eine «Neue Olympia» vor, in der historische Zeugnisse, zeitgenössischer Sport, Bildung und die Werte des Olympismus miteinander verbunden werden sollten.

Nachdem das IOK 1915 seinen Sitz nach Lausanne verlegt hatte, begann die Organisation, Dokumente, Bücher, Fotografien, Kunstwerke und Erinnerungsstücke zur Geschichte der Spiele zusammenzutragen. Die Bestände waren zunächst an verschiedenen Orten untergebracht und standen nur eingeschränkt für Ausstellungen und Forschungszwecke zur Verfügung.

Coubertins Vorstellung ging über ein gewöhnliches Sportmuseum hinaus. Der geplante Ort sollte die Erinnerung an die Spiele bewahren, zugleich aber auch als Zentrum für Bildung, Forschung und kulturellen Austausch dienen. Diese Grundidee prägte später sowohl das Museum als auch das benachbarte Olympische Studienzentrum.[2]

Entstehung des heutigen Museums

Die konkrete Verwirklichung des Museumsprojekts wurde besonders unter dem damaligen IOK-Präsidenten Juan Antonio Samaranch vorangetrieben. Samaranch betrachtete die Vermittlung der olympischen Geschichte als eine zentrale Aufgabe der Organisation und unterstützte den Bau eines repräsentativen Museums in Lausanne.

Als Standort wurde ein Gelände in Ouchy am Ufer des Genfersees ausgewählt. Die Lage verband die Nähe zum historischen Zentrum Lausannes mit dem See, öffentlichen Parkanlagen und dem internationalen Charakter des Quartiers.

Das Gebäude wurde vom mexikanischen Architekten Pedro Ramírez Vázquez und vom Schweizer Architekten Jean-Pierre Cahen entworfen. Ramírez Vázquez war unter anderem für grosse Kultur- und Sportbauten bekannt, während Cahen die Einbindung des Museums in die Lausanner Landschaft und die örtlichen baulichen Bedingungen mitgestaltete.

Das Olympische Museum wurde am 23. Juni 1993 durch Juan Antonio Samaranch eröffnet. Das Datum erinnerte zugleich an die Gründung des IOK am 23. Juni 1894 in Paris.[3]

Entwicklung seit 1993

Das Museum entwickelte sich rasch zu einer wichtigen touristischen und kulturellen Institution in Lausanne. Neben der Dauerausstellung wurden regelmässig Sonderausstellungen zu einzelnen Sportarten, Austragungsorten, Athletinnen und Athleten, olympischer Kunst, Gestaltung und gesellschaftlichen Fragen organisiert.

Die wachsenden Sammlungen und neue Anforderungen an Museen machten im Laufe der Zeit eine umfassende Modernisierung notwendig. Insbesondere digitale Medien, neue konservatorische Standards, Barrierefreiheit und die stärkere Einbeziehung der Besucherinnen und Besucher veränderten die Anforderungen an die Ausstellungsgestaltung.

Im Jahr 2013 wurde das Museum nach einer umfassenden baulichen und museologischen Erneuerung wiedereröffnet. Die Dauerausstellung erhielt eine neue Struktur, und die Präsentation wurde durch interaktive Stationen, grossformatige Projektionen, audiovisuelle Archive und neue Veranstaltungsflächen ergänzt.[4]

Zum 30-jährigen Bestehen im Jahr 2023 teilte das IOK mit, dass das Museum seit seiner Eröffnung nahezu sechs Millionen Besucherinnen und Besucher empfangen habe.[5]

Gebäude und Architektur

Lage am Genfersee

Das Museum liegt an einem Hang zwischen dem Seeufer von Ouchy und den höher gelegenen Wohnquartieren Lausannes. Das Gelände bietet einen weiten Blick über den Genfersee auf die Savoyer Alpen.

Der Bau wurde in die Hanglage eingebettet. Dadurch erscheint das Gebäude vom See aus weniger massiv, als es sein tatsächliches Volumen vermuten lässt. Terrassen, Freitreppen, Wasserflächen und bepflanzte Bereiche verbinden das Museum mit dem umgebenden Park.

Der Haupteingang wird vom Quai d’Ouchy über eine breite Treppenanlage erreicht. Der Weg führt durch den Olympischen Park und ist als Teil des Museumserlebnisses gestaltet. Bereits im Aussenraum begegnen die Besucher olympischen Symbolen, Kunstwerken und sportbezogenen Installationen.

Gestaltung

Die Architektur verbindet monumentale und zurückhaltende Elemente. Helle Natursteinflächen, Glasfronten und klar gegliederte Baukörper prägen das Erscheinungsbild. Grosse Fenster öffnen das Gebäude zum See und zu den Alpen.

Das Innere ist so angelegt, dass die Besucherinnen und Besucher schrittweise durch die verschiedenen Themen der Ausstellung geführt werden. Treppen, Rampen und offene Sichtbeziehungen verbinden die Ausstellungsebenen miteinander.

Nach der Erneuerung von 2013 wurde die Gebäudetechnik modernisiert und die nutzbare Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche erweitert. Die neue Gestaltung sollte sowohl historische Originalobjekte schützen als auch flexible Räume für audiovisuelle und interaktive Präsentationen schaffen.

Olympischer Park

Das Museum ist von einem öffentlich zugänglichen Park umgeben. Der Olympische Park bildet den Übergang zwischen dem Seeufer und dem Museumsgebäude und ist zugleich ein Freilichtbereich der Institution.

Im Park befinden sich Skulpturen und Kunstwerke internationaler Künstlerinnen und Künstler. Die Werke behandeln Themen wie Bewegung, Kraft, Gleichgewicht, Wettkampf, menschlichen Körper und gemeinschaftliche Erfahrung. Damit wird die historische Verbindung zwischen Sport und Kunst aufgegriffen, die bereits Pierre de Coubertin als Bestandteil des Olympismus betrachtete.

Weitere Elemente des Parks erinnern unmittelbar an sportliche Leistungen. Dazu gehören eine kurze Laufbahn, sportbezogene Markierungen und Installationen, welche Grössen und Leistungen aus dem Spitzensport veranschaulichen. Besucherinnen und Besucher können dadurch Rekorde und sportliche Dimensionen körperlich nachvollziehen.

Eine grosse Brunnenanlage am Eingang gehört zu den auffälligsten Elementen des Areals. Die Treppen und Terrassen des Parks werden zudem für Veranstaltungen, Empfänge und kulturelle Aktivitäten genutzt.[6]

Sammlung

Umfang

Die Sammlung umfasst Objekte und Dokumente aus der gesamten Geschichte der modernen Olympischen Spiele sowie ausgewählte Zeugnisse zu den antiken Spielen. Sie wird fortlaufend ergänzt, insbesondere nach neuen Austragungen der Olympischen Sommer- und Winterspiele.

Nach den vom Olympischen Studienzentrum zum 30-jährigen Bestehen veröffentlichten Angaben umfasste das olympische Kulturerbe im Jahr 2023 unter anderem:

Bereich Umfang nach Angaben von 2023
Dreidimensionale Objekte nahezu 100'000
Fotografien und andere Bilder rund 900'000
Film- und Videoaufnahmen rund 58'000 Stunden
Archivdokumente etwa 1,25 Laufkilometer
Publikationen des Olympischen Studienzentrums rund 38'000

Diese Zahlen beziehen sich auf die zusammenhängenden Museums-, Archiv-, Bild-, Film- und Bibliotheksbestände des olympischen Kulturerbes und nicht ausschliesslich auf die gleichzeitig ausgestellten Objekte.[1]

Objekttypen

Zu den bekanntesten Sammlungskategorien gehören olympische Fackeln und Medaillen. Die Gestaltung dieser Objekte dokumentiert politische, technische und künstlerische Entwicklungen der verschiedenen Austragungsorte.

Daneben bewahrt das Museum Sportgeräte, Wettkampfkleidung und persönliche Gegenstände bekannter Olympiateilnehmender. Solche Objekte werden häufig direkt von Athletinnen, Athleten, nationalen olympischen Komitees oder Organisationskomitees übergeben.

Zur Sammlung gehören beispielsweise Geräte, mit denen bedeutende sportliche Leistungen erzielt wurden. Die Verbindung eines Originalobjekts mit Filmaufnahmen, Fotografien und persönlichen Berichten ermöglicht es, einzelne Wettkämpfe aus unterschiedlichen Perspektiven zu vermitteln.

Im Jahr 2022 übergab der indische Speerwerfer Neeraj Chopra dem Museum den Speer, mit dem er bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille gewonnen hatte. Solche Übergaben zeigen, dass die Sammlung nicht nur historische Bestände bewahrt, sondern laufend um Zeugnisse der jeweils jüngsten Spiele ergänzt wird.[7]

Grafische und audiovisuelle Bestände

Die grafischen Sammlungen enthalten offizielle Plakate, Embleme, Piktogramme, Briefmarken, Eintrittskarten, Diplome, Programme und Werbematerialien. Sie dokumentieren die visuelle Identität jeder Austragung und die Entwicklung moderner Grafik- und Kommunikationsgestaltung.

Die fotografischen Bestände reichen von frühen Aufnahmen der ersten modernen Spiele bis zu digitalen Bildern der Gegenwart. Film- und Videoarchive bewahren Wettkämpfe, Eröffnungs- und Schlussfeiern, Interviews, Dokumentationen und Aufzeichnungen aus dem Umfeld der Olympischen Bewegung.

Die audiovisuellen Quellen besitzen nicht nur musealen, sondern auch dokumentarischen und wissenschaftlichen Wert. Sie werden für Ausstellungen, Medienproduktionen, Forschung und Bildungsangebote verwendet.

Dauerausstellung

Die Dauerausstellung führt von den antiken Spielen über die Wiederbegründung der Olympischen Spiele im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sie behandelt nicht nur sportliche Resultate, sondern auch Organisation, Zeremonien, Gestaltung, Medien, Technik und gesellschaftliche Bedeutung.

Antike Olympische Spiele

Der erste Teil stellt die Spiele im antiken Olympia vor. Er erläutert ihre religiöse, politische und gesellschaftliche Funktion in der griechischen Welt.

Modelle, Rekonstruktionen und digitale Darstellungen vermitteln einen Eindruck von den antiken Sportstätten und Wettkämpfen. Gleichzeitig wird verdeutlicht, dass zwischen den antiken Spielen und den modernen Olympischen Spielen keine ununterbrochene institutionelle Kontinuität besteht.

Entstehung der modernen Spiele

Ein weiterer Bereich widmet sich Pierre de Coubertin und der Gründung des IOK im Jahr 1894. Dokumente, Fotografien und Kunstwerke zeigen, wie sich die Idee internationaler Olympischer Spiele entwickelte.

Behandelt werden die ersten modernen Spiele von Athen 1896, die Entstehung olympischer Symbole sowie die schrittweise Ausweitung des Programms und der teilnehmenden Staaten.

Die Ausstellung thematisiert auch die Olympischen Winterspiele, die Jugendspiele und die Entwicklung der internationalen Sportverbände.

Austragungsorte und Gestaltung

Jede Austragung der Spiele entwickelt eine eigene visuelle und kulturelle Identität. Deshalb bilden Plakate, Embleme, Maskottchen, Piktogramme, Fackeln, Medaillen und Zeremonien einen wichtigen Teil der Ausstellung.

Die Präsentation zeigt, wie Austragungsorte ihre Geschichte, Architektur und kulturellen Traditionen darstellen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie sich internationale Designströmungen, Medien und technische Möglichkeiten auf die Erscheinungsbilder der Spiele auswirkten.

Athletinnen und Athleten

Ein zentraler Teil des Museums widmet sich den Menschen, die an den Spielen teilnehmen. Persönliche Gegenstände, Interviews und Wettkampfaufnahmen erzählen von Vorbereitung, Erfolg, Niederlage, Verletzungen und sportlicher Laufbahn.

Interaktive Stationen ermöglichen es, Reaktionsvermögen, Gleichgewicht oder andere sportliche Fähigkeiten zu testen. Die Angebote sollen keine vollständigen sportwissenschaftlichen Messungen ersetzen, sondern körperliche Leistungen anschaulich vermitteln.

Neben bekannten Siegerinnen und Siegern werden auch Themen wie Teamarbeit, Fairness, Respekt und die Teilnahme ohne Medaillengewinn behandelt.

Zeremonien und Symbole

Die olympische Flamme, der Fackellauf, die Ringe, die Flagge, der Eid und die Siegerehrungen gehören zu den wiederkehrenden Symbolen und Ritualen der Olympischen Spiele.

Das Museum erklärt deren Entstehung und Veränderung. Originalfackeln, Medaillen, Filmausschnitte und Musikaufnahmen verdeutlichen, wie sich die Zeremonien an politische, kulturelle und technische Bedingungen anpassten.

Herausforderungen des modernen Sports

Die Ausstellung behandelt auch kontroverse und gesellschaftlich relevante Fragen. Dazu gehören Doping, Kommerzialisierung, politische Instrumentalisierung, Gleichstellung, Ausschluss und Aufnahme von Sportarten, technische Hilfsmittel sowie die ökologischen Folgen grosser Sportveranstaltungen.

Diese Themen werden in wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungsformaten vertieft. Das Museum versteht die olympische Geschichte dadurch nicht nur als Abfolge sportlicher Höhepunkte, sondern auch als Teil der allgemeinen Zeitgeschichte.

Sonderausstellungen

Neben der Dauerausstellung organisiert das Museum regelmässig zeitlich begrenzte Ausstellungen. Die Themen reichen von einzelnen Sportarten und Austragungsorten bis zu Kunst, Fotografie, Mode, Architektur, Technik und gesellschaftlichem Wandel.

Sonderausstellungen ermöglichen es, Teile der Sammlung zu zeigen, die in der Dauerausstellung keinen festen Platz haben. Häufig werden Leihgaben, zeitgenössische Kunst und digitale Medien einbezogen.

Die Ausstellungen greifen auch Themen kommender oder kürzlich abgeschlossener Olympischer Spiele auf. Dadurch kann das Museum aktuelle Entwicklungen dokumentieren, ohne die Dauerausstellung ständig grundlegend verändern zu müssen.

Olympisches Studienzentrum

Das Olympische Studienzentrum (englisch The Olympic Studies Centre) ergänzt die öffentliche Museumsarbeit durch wissenschaftliche Dokumentation, Archivierung und Forschung. Es befindet sich in der Villa du Centenaire auf dem Gelände am Quai d’Ouchy.

Das Zentrum bewahrt die historischen Archive des IOK, Bibliotheksbestände und zahlreiche digitale Dokumente. Es unterstützt Forschende, Studierende, Sportorganisationen, Medien und Bildungseinrichtungen bei der Suche nach Informationen zur Olympischen Bewegung.

Die Olympische Weltbibliothek (Olympic World Library) dient als digitaler Katalog und Informationszugang. Ein Teil der Publikationen und Dokumente kann online eingesehen werden, während besonders wertvolle oder nicht digitalisierte Quellen vor Ort konsultiert werden müssen.[8]

Museum und Studienzentrum erfüllen damit unterschiedliche, aber miteinander verbundene Aufgaben. Das Museum richtet sich hauptsächlich an ein breites Publikum, während das Studienzentrum die wissenschaftliche Arbeit und langfristige Dokumentation unterstützt.

Bildung und Vermittlung

Die Bildungsarbeit bildet einen wesentlichen Teil des Museumsauftrags. Angebote richten sich an Schulen, Familien, Lehrpersonen, Sportvereine und andere Gruppen.

Geführte Besichtigungen verbinden die Ausstellung mit Aufgaben, Gesprächen und praktischen Aktivitäten. Thematische Führungen behandeln unter anderem die Geschichte der Spiele, olympische Werte, Fairness, Sport und Technik sowie die gesellschaftliche Rolle des Sports.

Für Schulklassen stehen Unterrichtsmaterialien und vorbereitende Dokumente zur Verfügung. Die Angebote können je nach Alter und Lernziel angepasst werden. Führungen werden unter anderem auf Französisch, Englisch und Deutsch angeboten.[9]

Das Museum beteiligt sich ausserdem an Programmen zur olympischen Wertebildung. Dabei werden insbesondere das Streben nach persönlicher Leistung, Fairness, Respekt, Freundschaft und die Verbindung von Körper, Wille und Geist thematisiert.

Kunst und Olympismus

Pierre de Coubertin betrachtete Sport, Kultur und Bildung als miteinander verbundene Bestandteile des Olympismus. Diese Vorstellung zeigt sich sowohl in der Sammlung als auch in der Gestaltung des Museums.

Historisch fanden bei mehreren Olympischen Spielen Kunstwettbewerbe statt. Künstlerinnen und Künstler reichten Arbeiten aus Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei ein, die einen Bezug zum Sport besitzen mussten.

Das Museum dokumentiert diese Geschichte und zeigt zugleich moderne Arbeiten, die Bewegung, Körper und Wettkampf thematisieren. Kunstwerke befinden sich sowohl im Gebäude als auch im Olympischen Park.

Die Verbindung von Sport und Kunst unterscheidet das Olympische Museum von einem ausschliesslich auf Resultate, Rekorde und Sportgeräte ausgerichteten Sportmuseum.

Bedeutung für Lausanne

Lausanne ist seit 1915 Sitz des Internationalen Olympischen Komitees. Zahlreiche internationale Sportverbände und sportbezogene Organisationen haben sich ebenfalls in der Stadt oder in der Region niedergelassen.

Das Olympische Museum bildet den wichtigsten öffentlich zugänglichen Ort, an dem diese internationale Funktion der Stadt sichtbar wird. Während das Olympische Haus in Vidy hauptsächlich als Verwaltungs- und Arbeitsort des IOK dient, richtet sich das Museum in Ouchy an die Allgemeinheit.[10]

Für den Tourismus besitzt das Museum eine erhebliche Bedeutung. Es verbindet den Besuch einer international bekannten Institution mit der Uferlandschaft des Genfersees, dem Hafen von Ouchy und weiteren Sehenswürdigkeiten Lausannes.

Bei den Olympischen Jugend-Winterspielen Lausanne 2020 war das Museum ein wichtiger symbolischer Ort. Die Spiele verstärkten die öffentliche Wahrnehmung Lausannes als Zentrum der Olympischen Bewegung.

Organisation und Trägerschaft

Das Museum wurde vom IOK gegründet. Rechtlich und organisatorisch wird es durch die Olympic Foundation for Culture and Heritage vertreten, eine Stiftung nach schweizerischem Recht mit Sitz am Quai d’Ouchy in Lausanne.[11]

Zur Tätigkeit der Stiftung gehören neben dem Museum die Bewahrung des olympischen Kulturerbes, Bildungsprogramme, kulturelle Projekte und die Förderung des Zugangs zu olympischem Wissen.

Die Sammlungen werden von Fachpersonen aus den Bereichen Museologie, Archivwesen, Bibliothekswissenschaft, Konservierung, Fotografie, Film und digitale Dokumentation betreut.

Besuch

Das Olympische Museum befindet sich am Quai d’Ouchy 1 und ist vom Lausanner Stadtzentrum mit der Metrolinie M2, mit Bussen, zu Fuss oder über die Uferpromenade erreichbar. Die nächstgelegene Metrostation ist Ouchy-Olympique.

Zum Museumsangebot gehören die Dauer- und Sonderausstellungen, der Olympische Park, ein Laden und ein Restaurant mit Blick auf den Genfersee. Für den Besuch der Innenausstellungen wird Eintritt erhoben; der Park ist grundsätzlich frei zugänglich.

Öffnungszeiten, Preise und Sonderausstellungen können sich ändern und werden auf der offiziellen Website veröffentlicht. Im Jahr 2026 war das Museum regulär von Dienstag bis Sonntag geöffnet.[12]

Rezeption

Das Museum verbindet Elemente eines Geschichtsmuseums, eines Sportmuseums und eines Erlebniszentrums. Seine Präsentation richtet sich sowohl an sporthistorisch interessierte Personen als auch an ein internationales Publikum ohne besondere Vorkenntnisse.

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Verbindung von Originalobjekten mit Film, Ton und interaktiven Medien. Dadurch werden sportliche Leistungen nicht nur als statistische Resultate, sondern als persönliche und gesellschaftliche Ereignisse dargestellt.

Da das Museum institutionell eng mit dem IOK verbunden ist, präsentiert es die Geschichte aus der Perspektive der Olympischen Bewegung. Kontroverse Themen werden zwar behandelt, die grundsätzliche Zielsetzung bleibt jedoch die Vermittlung und Förderung des Olympismus.

Siehe auch

Literatur

  • Le Musée Olympique: Das Ereignis. Zeitschrift des Olympischen Museums. Lausanne.
  • International Olympic Committee: The Olympic Museum Lausanne. Lausanne.
  • Olympic Foundation for Culture and Heritage: The Story of the Olympic Games. Lausanne.
  • John Goodbody: Living the Olympic Odyssey. In: Olympic Review, April–Juni 2014.
  • Anne Chevalley: Olympic Park, Lausanne. Olympisches Museum, Lausanne.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 30th Anniversary of The Olympic Museum, Olympic Studies Centre, Juni 2023, abgerufen am 28. Juli 2026.
  2. 30th Anniversary of The Olympic Museum, Olympic Studies Centre, Juni 2023, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. 30th Anniversary of The Olympic Museum, Olympic Studies Centre, Juni 2023, abgerufen am 28. Juli 2026.
  4. Das Olympische Museum, Lausanne Tourisme, abgerufen am 28. Juli 2026.
  5. 30th Anniversary of The Olympic Museum, Olympic Studies Centre, Juni 2023, abgerufen am 28. Juli 2026.
  6. A visit to the Olympic Museum, Lausanne Tourisme, abgerufen am 28. Juli 2026.
  7. India’s Neeraj Chopra gives gold-medal-winning javelin from Tokyo 2020 to The Olympic Museum, IOC Newsroom, 27. August 2022, abgerufen am 28. Juli 2026.
  8. The Olympic Studies Centre and its collections, Olympic Studies Centre, abgerufen am 28. Juli 2026.
  9. Guided tours, The Olympic Museum, abgerufen am 28. Juli 2026.
  10. Olympic House, Lausanne Tourisme, abgerufen am 28. Juli 2026.
  11. Privacy Policy, Olympic Foundation for Culture and Heritage, abgerufen am 28. Juli 2026.
  12. Das Olympische Museum: Öffnungszeiten und Besucherinformationen, Lausanne Tourisme, abgerufen am 28. Juli 2026.