Höhronen
| Höhronen | |
|---|---|
| Typ | Bewaldeter Höhenzug |
| Höchster Punkt | 1229 m ü. M. |
| Gebirge | Schweizer Voralpen |
| Kantone | Schwyz, Zug und Zürich |
| Gemeinden | Feusisberg, Oberägeri und Wädenswil |
| Gestein | Subalpine Molasse, Sandstein und Nagelfluh |
| Koordinaten des höchsten Punktes | 47° 09′ 35″ N, 8° 40′ 32″ E |
| Besonderheiten | Dreikantonseck, Landschaft von nationaler Bedeutung |
Der Höhronen ist ein langgezogener, überwiegend bewaldeter Höhenzug der Schweizer Voralpen in den Kantonen Schwyz, Zug und Zürich. Sein höchster Punkt liegt auf 1229 m ü. M. an der Grenze zwischen den Kantonen Schwyz und Zürich.[1]
Der Höhenzug erhebt sich zwischen dem Sihltal, dem Gebiet von Biberbrugg, der Hochebene von Rothenthurm und dem Ägerital. Über seinen Kamm verlaufen längere Abschnitte der Kantonsgrenzen. Am Dreiländerstein treffen die Kantone Zürich, Schwyz und Zug zusammen.
Der Höhronen gehört zur «Glaziallandschaft Lorze–Sihl mit Höhronenkette und Schwantenau», die als Objekt Nummer 1307 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist. Das Schutzgebiet umfasst eine vielfältige Landschaft mit Molassehöhen, Moränen, Mooren, Bachtobeln, Wäldern, Wiesen und Weiden.[2]
Name
Die Bezeichnung Höhronen wird sowohl für den gesamten Höhenzug als auch für dessen höchsten Bereich verwendet. Auf Karten und Wegweisern erscheinen daneben Namen einzelner Kuppen, Übergänge, Waldgebiete und Geländepunkte, darunter Wildspitz, Langenegg, Chrüz, Dreiländerstein und Chlausenchappeli.
Der Name wird im Hochdeutschen üblicherweise mit männlichem Artikel gebraucht: «der Höhronen». In der regionalen Alltagssprache wird häufig lediglich «Höhronen» ohne Artikel verwendet.
Lage und Verlauf
Der Höhronen verläuft ungefähr zwischen dem Raum Schindellegi–Biberbrugg im Osten und dem Gebiet des Ratenpasses im Westen. Der bewaldete Kamm trennt das nördlich gelegene Einzugsgebiet der Sihl von den Moor- und Hügellandschaften in Richtung Rothenthurm und Ägerital.
Der östliche Teil liegt hauptsächlich auf dem Gebiet der Gemeinde Feusisberg im Kanton Schwyz und der Stadt Wädenswil im Kanton Zürich. Die Zürcher Waldgebiete am Nordhang werden teilweise als Richterswiler Egg bezeichnet. Weiter westlich erreicht der Höhenzug das Gebiet der Gemeinde Oberägeri im Kanton Zug.
Der höchste Punkt des Höhronen liegt auf 1229 m ü. M. Der Gipfelbereich ist bewaldet und besitzt keine ausgeprägte felsige Spitze. Dadurch wirkt der Höhronen eher wie ein breiter Bergkamm als wie ein einzelner Berggipfel. Der Schweizer Alpen-Club führt ihn dennoch als eigenständiges Tourenziel.[1]
Zu den weiteren markanten Punkten des Höhenzugs gehört der rund 1205 m hohe Wildspitz. Er ist nicht mit dem gleichnamigen, wesentlich höheren Wildspitz am Rossberg zu verwechseln.
Dreiländerstein
Auf dem Kamm befindet sich der Dreiländerstein. Der Grenzstein kennzeichnet den Punkt, an dem die Kantonsgebiete von Zürich, Schwyz und Zug zusammentreffen. Es handelt sich somit nicht um ein internationales Dreiländereck, sondern um ein Dreikantonseck innerhalb der Schweiz.
Der Dreiländerstein liegt an einem Wanderweg zwischen dem Wildspitz und dem höchsten Teil des Höhronen. Die drei Seiten des Steins sind den angrenzenden Kantonen zugeordnet. Der Ort ist ein häufig besuchtes Zwischenziel auf Wanderungen über den Kamm.[3]
Geologie
Geologisch bildet die Höhronenkette die nördlichste Schuppe der während der Alpenbildung schräg gestellten und überschobenen subalpinen Molasse. Sie gehört zur unteren Süsswassermolasse und wird innerhalb dieser als Teil der sogenannten granitischen Molasse beschrieben.[2]
Das Gestein besteht vor allem aus Sandsteinen, Mergeln und Nagelfluh. Auffällig ist der hohe Anteil an Silikatmineralien in den Sandsteinen sowie an kristallinen Geröllen in der Nagelfluh. Diese Gerölle wurden durch frühere Flusssysteme aus dem sich bildenden Alpenraum herantransportiert und später zu festen Konglomeraten verkittet.
Am Nordhang kommen örtlich Braunkohleflöze mit fossilen Pflanzen- und Tierresten vor. Die Ablagerungen weisen darauf hin, dass sich in diesem Gebiet während der Entstehungszeit der Molasse eine warme, feuchte Auenlandschaft befand.[2]
Die unterschiedliche Widerstandsfähigkeit von Nagelfluh, Sandstein und Mergel beeinflusste die heutige Form des Höhenzugs. Während härtere Gesteinsschichten Rücken und Kuppen bilden, wurden weichere Schichten stärker abgetragen. Zahlreiche Bäche haben die Hänge in schmale, teilweise steile Tobel gegliedert.
Eiszeitliche Prägung
Während der Eiszeiten wurde die Höhronenkette von verschiedenen Seiten durch Gletscher umflossen. In der Umgebung finden sich deshalb Moränenwälle, erratische Blöcke, Schotterablagerungen und weitere Spuren früherer Vergletscherungen.
Zwischen Etzel und Höhronen drang zeitweise ein Seitenarm des Linthgletschers in Richtung Sihltal vor. Er hinterliess unter anderem das gut erhaltene Gletscherzungenbecken der Schwantenau mit einem halbkreisförmigen Moränenwall.[2]
Auch die Entstehung des heutigen Sihltals wurde durch die Gletscher beeinflusst. Moränen und Eismassen lenkten die Schmelzwässer entlang des Höhronen. Die spätere Tiefenerosion der Sihl führte zur Ausbildung der Schluchtabschnitte zwischen Schindellegi, Hütten und dem Sihlsprung.
Landschaft
Der Höhronen besitzt trotz seiner vergleichsweise geringen Höhe einen deutlich ausgeprägten Bergcharakter. Verantwortlich dafür sind die zusammenhängenden Wälder, die steilen Bachtobel und die teilweise abgeschiedenen Bereiche des Kamms. Vom dicht besiedelten Zürichseegebiet aus erscheint die Höhronenkette als markanter, fast vollständig bewaldeter Horizont.
Der grösste Teil des Kamms ist von Wald bedeckt. Offene Flächen finden sich vor allem an den Rändern, in Waldlichtungen und auf den weniger steilen Hängen. Dort wechseln Wiesen, Weiden, Moorflächen, Einzelhöfe und kleinere Waldstücke miteinander ab.
Die Aussicht ist wegen des dichten Waldes nicht überall frei. Von Lichtungen, Waldrändern und einzelnen Rastplätzen eröffnen sich jedoch Blicke auf den Zürichsee, den Ägerisee, den Zugersee, das Voralpengebiet und Teile der Zentral- und Ostschweizer Alpen.
Flora und Fauna
Auf dem Höhenzug wachsen grossflächige Buchen-Tannenwälder. Lokal kommen auch Tannen-Fichtenwälder vor. In feuchten Hanglagen und entlang der Bäche finden sich Ahorn-Eschenwälder und andere an wasserreiche Böden angepasste Waldgesellschaften.[2]
In Lichtungen und auf der Südseite liegen Hoch- und Flachmoore. Die Übergänge zwischen Wald, Ried, Moor, Wiesen und Weiden schaffen auf engem Raum unterschiedliche Lebensbedingungen. Das Gebiet ist dadurch für zahlreiche Pflanzen-, Insekten-, Amphibien- und Vogelarten von Bedeutung.
Zu den empfindlichen Tierarten des Höhronen gehört das Auerhuhn. Während der Balz- und Brutzeit von April bis Juli gelten im Bereich zwischen dem Dreiländerstein und der Langenegg besondere Verhaltensempfehlungen. Besucher werden durch örtliche Hinweise aufgefordert, auf den Wegen zu bleiben und Störungen zu vermeiden.[4]
Am Fuss des Höhenzugs liegen weitere wertvolle Lebensräume. Dazu gehören Moorflächen in Richtung Rothenthurm und Schwantenau sowie das bei Feusisberg angelegte Amphibienlaichgebiet Dreiwässeren. Dort wechseln offene Wasserflächen, Ried- und Sumpfgebiete, Pionierflächen, Blumenwiesen, Bachufer und Waldränder miteinander ab.[2]
Landschaftsschutz
Die Höhronenkette ist Bestandteil des seit 1983 im Bundesinventar geführten Landschaftsobjekts Nummer 1307. Das Inventar erfasst Landschaften und Naturdenkmäler von besonderer Schönheit, Eigenart oder wissenschaftlicher Bedeutung.[5]
Zu den Schutzzielen gehört die Erhaltung der weitgehend unversehrten Silhouette des Höhronen. Ebenso sollen die zusammenhängenden, teilweise abgeschiedenen Waldgebiete, die geologischen Aufschlüsse, die Moorflächen und die traditionelle Kulturlandschaft bewahrt werden.[2]
Der Inventarstatus bedeutet nicht, dass jede wirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen ist. Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Freizeitnutzung und bestehende Infrastrukturen bleiben grundsätzlich möglich. Bei neuen Vorhaben müssen jedoch die besonderen landschaftlichen Werte berücksichtigt werden.
Nutzung
Forst- und Landwirtschaft
Die Wälder des Höhronen werden seit Jahrhunderten zur Gewinnung von Holz genutzt. Die Bewirtschaftung erfolgt durch verschiedene öffentliche und korporative Waldeigentümer. Da der Höhenzug über drei Kantone verläuft, sind mehrere kantonale und kommunale Forstdienste beteiligt.
An den offenen Hängen und in den angrenzenden Hochlagen überwiegen Viehwirtschaft und Weidenutzung. Einzelhöfe, Alpweiden, Waldlichtungen und kleinere Moorflächen prägen das traditionelle Landschaftsbild.
Die naturnahe Bewirtschaftung soll zugleich die Schutzfunktion des Waldes, die biologische Vielfalt und die Erholungsnutzung sichern. Bei Arbeiten in empfindlichen Lebensräumen müssen insbesondere Moorböden, Gewässer und Rückzugsgebiete störungsempfindlicher Tiere berücksichtigt werden.
Wandern
Der Höhronen ist ein beliebtes Wandergebiet zwischen dem Zürichsee, Einsiedeln und dem Ägerital. Mehrere markierte Wege führen über oder entlang des Höhenkamms. Häufige Ausgangs- und Endpunkte sind Biberbrugg, Schindellegi, Rothenthurm und der Raten.
Ein Wandervorschlag der Schwyzer Wanderwege führt vom Bahnhof Biberbrugg über den Wildspitz, den Höhronen, den Raten und St. Jost nach Rothenthurm. Die Strecke ist 13,8 Kilometer lang, benötigt rund 4 Stunden und 15 Minuten und wird als Wanderweg der Schwierigkeit T1 eingestuft. Als geeignete Jahreszeit wird Mai bis Oktober angegeben.[4]
Weite Teile der Gratwege verlaufen durch Wald. Nach längeren Regenfällen können einzelne Abschnitte nass, schlammig oder rutschig sein. Festes Schuhwerk ist deshalb auch bei technisch einfachen Wanderungen zweckmässig.
= Mountainbike
Die von SchweizMobil geführte Route 969 «Höhronen Bike» erschliesst die weitere Umgebung des Höhenzugs. Die Rundroute beginnt und endet in Einsiedeln und führt unter anderem über Schindellegi, Ängiboden, Chlausenchappeli, St. Jost, die Äussere Altmatt und den Katzenstrick.[3]
Auf gemeinsam genutzten Wald- und Alpwegen ist gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Velofahrenden, Wandernden, Forstwirtschaft und Landwirtschaft erforderlich. Abseits der ausgewiesenen Wege kann das Befahren empfindliche Waldböden und Lebensräume beeinträchtigen.
= Wintersport
Im Winter wird der Höhronen für Schneeschuhwanderungen genutzt. Der Schweizer Alpen-Club führt eine Schneeschuhtour auf den 1229 Meter hohen Höhronen mit der Schwierigkeit WT2.[1]
Die geringe Höhe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Winter Nebel, Schneefall, Vereisung und eine erschwerte Orientierung auftreten können. Im Wald verlaufen zudem zahlreiche Forstwege und unmarkierte Abzweigungen. Eine aktuelle Karte und eine den Bedingungen angepasste Ausrüstung sind deshalb wichtig.
Höhronenturm
Auf dem Höhronen stand von 1991 bis 2004 ein markanter Richtfunkturm. Die damalige PTT hatte die Anlage zur drahtlosen Übertragung von Telekommunikationssignalen errichtet. Dem Bau waren langjährige Auseinandersetzungen über die Standortgebundenheit und den Schutz des Landschaftsbildes vorausgegangen.
Mit dem Ausbau der Glasfasernetze verlor die Richtfunkanlage ihre ursprüngliche Bedeutung. Verschiedene Vorschläge sahen eine Weiterverwendung als Aussichtsturm, Forschungsstation oder Standort für andere Funkdienste vor. Die damalige Eigentümerin Swisscom entschied sich dennoch für den Rückbau.
Der Höhronenturm wurde am 9. November 2004 kontrolliert gesprengt. Anschliessend wurden die Überreste beseitigt und das Gelände renaturiert und wieder aufgeforstet.[6]
Die Geschichte des Turms gilt als Beispiel für den Konflikt zwischen dem Ausbau technischer Infrastruktur, der Erhaltung des Landschaftsbildes und der Frage, wie nicht mehr benötigte Bauwerke weitergenutzt werden können.
Erschliessung
Der Höhenzug ist nicht durch eine Bergbahn oder eine öffentliche Fahrstrasse bis zum höchsten Punkt erschlossen. Der Zugang erfolgt über Wanderwege und Forststrassen.
Der Bahnhof Biberbrugg bildet einen wichtigen Ausgangspunkt auf der Ostseite. Von dort führen Wege zum Wildspitz und auf den Höhronenkamm. Auf der Südwestseite können Wanderungen in Rothenthurm oder im Gebiet Raten begonnen werden.
Die verschiedenen Zugänge ermöglichen Überschreitungen, bei denen Ausgangs- und Endpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden werden können. Wegen der zahlreichen Abzweigungen empfiehlt sich dennoch die Verwendung einer aktuellen Landeskarte oder einer digitalen Wanderkarte.
Bedeutung
Der Höhronen ist eine landschaftliche Verbindung zwischen dem Zürichseegebiet, dem Ägerital und der Moorlandschaft von Rothenthurm. Der Höhenzug bildet zugleich eine natürliche Kantonsgrenze und einen weithin sichtbaren Teil des Voralpenrandes.
Seine Bedeutung liegt weniger in einer spektakulären Gipfelform als in der Verbindung von Geologie, Eiszeitgeschichte, Waldlandschaft, Mooren und traditioneller Kulturlandschaft. Durch den Dreiländerstein besitzt der Höhronen zudem eine besondere politische und geografische Symbolik.
Für die Bevölkerung der umliegenden Regionen dient das Gebiet als Naherholungsraum. Gleichzeitig bilden die grossen Waldflächen und störungsarmen Abschnitte wichtige Rückzugsgebiete für Wildtiere. Die Abstimmung zwischen Erholung, Forstwirtschaft und Naturschutz gehört daher zu den zentralen Aufgaben bei der Nutzung des Höhenzugs.
Siehe auch
- Wildspitz (Höhronen)
- Dreiländerstein
- Rothenthurm
- Biberbrugg
- Sihltal
- Ratenpass
- Schwantenau
- Moorlandschaft Rothenthurm
- Schweizer Voralpen
- Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
Weblinks
- Höhronen im Tourenportal des Schweizer Alpen-Clubs
- Wandervorschlag Wildspitz–Höhronen
- Mountainbikeroute Höhronen Bike bei SchweizMobil
- Objektblatt BLN 1307 des Bundesamts für Umwelt
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Schweizer Alpen-Club SAC: Höhronen 1229 m, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Bundesamt für Umwelt: BLN 1307 – Glaziallandschaft Lorze–Sihl mit Höhronenkette und Schwantenau, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 SchweizMobil: Höhronen Bike, Route 969, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Schwyzer Wanderwege: Wildspitz Höhronen, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Schweizer Radio und Fernsehen: Sendeturm gesprengt, Schweiz aktuell vom 9. November 2004, abgerufen am 2. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Höhronen