Aquatis Aquarium-Vivarium

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AQUATIS Aquarium-Vivarium
Ort Lausanne, Kanton Waadt
Adresse Route de Berne 144, 1010 Lausanne
Eröffnung 21. Oktober 2017
Typ Aquarium und Vivarium
Schwerpunkt Süsswasser-Ökosysteme
Ausstellungsfläche rund 3'500 m²
Anlagen 46 Aquarien, Vivarien und Terrarien
Ökosysteme 20
Kontinente 5
Tierbestand über 8'000 Süsswasserfische sowie rund 100 Reptilien und Amphibien
Website aquatis.ch

Das AQUATIS Aquarium-Vivarium (offiziell AQUATIS Aquarium-Vivarium Lausanne) ist ein grosses öffentliches Aquarium und Vivarium in Lausanne im Kanton Waadt. Die Anlage ist auf die Tier- und Pflanzenwelt von Süsswasserlebensräumen spezialisiert und präsentiert Ökosysteme aus Europa, Afrika, Asien, Ozeanien sowie Nord- und Südamerika. AQUATIS gilt als eines der bedeutendsten Süsswasser-Aquarien Europas und wird von Schweiz Tourismus als grösstes Süsswasser-Aquarium-Vivarium Europas bezeichnet.[1]

Die Besucheranlage umfasst rund 3'500 Quadratmeter und erstreckt sich über zwei Stockwerke. In 46 Aquarien, Vivarien und Terrarien werden rund 20 unterschiedliche Ökosysteme dargestellt.[1] AQUATIS verbindet die Haltung lebender Tiere mit einer aufwendig gestalteten Ausstellung über die Bedeutung des Wassers, die Entwicklung der Artenvielfalt und den Schutz gefährdeter Süsswasserlebensräume.

Nach Angaben von AQUATIS werden rund 240 verschiedene Arten präsentiert. Dazu gehören mehr als 8'000 Süsswasserfische aus etwa 200 Arten sowie rund 100 Reptilien und Amphibien aus über 30 Arten.[2]

Lage

AQUATIS befindet sich im Norden von Lausanne an der Route de Berne, unmittelbar bei der Station Vennes der Lausanner Métrolinie M2. Der Standort gehört zum Entwicklungsgebiet rund um den Wissenschafts- und Technologiepark Biopôle.

Die Lage wurde bewusst mit dem öffentlichen Verkehr und einer grossen Park-and-Ride-Anlage verbunden. Von der Lausanner Innenstadt aus ist AQUATIS mit der Métro M2 direkt erreichbar. Die Station Vennes befindet sich praktisch unterhalb des Gebäudekomplexes. Damit gehört AQUATIS zu den grossen touristischen Einrichtungen von Lausanne, die ohne Auto besonders einfach erreichbar sind.

Zum AQUATIS-Komplex gehören neben dem Aquarium-Vivarium auch ein Hotel, gastronomische Einrichtungen und Veranstaltungsräume.

Geschichte

Die Entstehung von AQUATIS steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Gebiets Vennes im Norden von Lausanne und dem Bau der Métrolinie M2. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre entstanden Pläne, oberhalb der vorgesehenen Park-and-Ride-Anlage bei Vennes eine öffentlich zugängliche Einrichtung zu schaffen.

Das spätere Projekt kombinierte ein Aquarium-Vivarium mit einem Hotel und weiteren Einrichtungen. Die Planung entwickelte sich über viele Jahre. Der Gebäudekomplex wurde vom Lausanner Architekturbüro Richter Dahl Rocha & Associés, heute RDR architectes, entworfen.[3]

Eine wichtige Grundlage für den Tierbestand bildete das frühere Vivarium de Lausanne. Ein Teil seiner Reptilien und Amphibien wurde in die neue Anlage übernommen. Dadurch entstand nicht einfach ein neues Aquarium, sondern eine Kombination aus Aquarium und Vivarium mit einem besonderen Schwerpunkt auf Süsswasserökosystemen.

AQUATIS öffnete seine Türen am 21. Oktober 2017.[4] Die Eröffnung schuf in Lausanne eine neue überregional bedeutende Freizeit-, Bildungs- und Tourismuseinrichtung.

Ausstellungskonzept

Im Mittelpunkt von AQUATIS steht das Süsswasser. Anders als klassische Grossaquarien, die häufig hauptsächlich Meereslebewesen präsentieren, konzentriert sich AQUATIS auf Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und andere Binnengewässer.

Der Rundgang folgt dem Wasser durch unterschiedliche geographische Regionen und zeigt, wie stark sich die Lebensbedingungen in Süsswasserökosystemen unterscheiden. Die Besucher bewegen sich dabei durch mehrere thematische Bereiche auf zwei Stockwerken.

Insgesamt werden 20 Ökosysteme aus fünf Kontinenten dargestellt. Zu den thematisierten Gewässerregionen gehören unter anderem der Rhône, grosse afrikanische Seen, der Nil und das Flusssystem des Amazonas.[1]

Neben realen Aquarien und Terrarien werden audiovisuelle Installationen, Projektionen, Landschaftsnachbildungen und interaktive Elemente eingesetzt. Dadurch soll nicht nur die Tierwelt gezeigt, sondern auch der geographische und ökologische Zusammenhang der jeweiligen Lebensräume vermittelt werden.

Europa

Der Rundgang beginnt mit der Süsswasserwelt Europas und der Schweiz. Eine besondere Rolle spielen dabei die Gewässer des Alpenraums und das Einzugsgebiet der Rhône.

Die Darstellung macht deutlich, dass auch scheinbar vertraute europäische Flüsse und Seen komplexe Ökosysteme bilden. Fliessgeschwindigkeit, Temperatur, Sauerstoffgehalt und Beschaffenheit des Gewässergrunds bestimmen, welche Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Abschnitt leben können.

Für einen Standort in Lausanne besitzt die Darstellung der Rhône eine besondere geographische Bedeutung. Der Fluss durchquert den Genfersee, an dessen Nordufer Lausanne liegt, und verbindet verschiedene alpine und westeuropäische Lebensräume miteinander.

Afrika

Die afrikanischen Ausstellungsbereiche zeigen die aussergewöhnliche Vielfalt der Süsswasserfauna des Kontinents. Bedeutend sind insbesondere die grossen Seen und Flusssysteme Afrikas.

Afrikanische Seen gehören zu den bekanntesten Beispielen für die Entwicklung einer grossen Zahl eng verwandter Fischarten innerhalb eines abgegrenzten Ökosystems. Verschiedene Buntbarsche haben sich an unterschiedliche ökologische Nischen angepasst.

Daneben thematisiert AQUATIS grosse afrikanische Flüsse wie den Nil und die Abhängigkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen von dauerhaft verfügbaren Wasserressourcen.

Asien

Die asiatischen Bereiche führen durch Lebensräume eines Kontinents mit sehr unterschiedlichen Klimazonen. Die dargestellten Ökosysteme reichen von Fliessgewässern bis zu tropischen Feuchtgebieten.

Neben Fischen sind in diesem Teil des Rundgangs auch Reptilien und Amphibien von Bedeutung. Die Kombination verschiedener Tiergruppen gehört zum Konzept des Aquarium-Vivariums und unterscheidet AQUATIS von einem ausschliesslich auf Fische ausgerichteten Schauaquarium.

Ozeanien

Auch die Süsswasserwelt Ozeaniens ist Teil des Rundgangs. Die Isolation vieler Inseln und Landmassen führte dort zur Entwicklung charakteristischer Tierarten.

Solche Lebensräume verdeutlichen zugleich die besondere Empfindlichkeit isolierter Ökosysteme. Eingeschleppte Arten, Veränderungen von Gewässern und der Verlust natürlicher Lebensräume können auf endemische Arten erhebliche Auswirkungen haben.

Amerika

Einen besonders auffälligen Abschnitt bildet die Darstellung amerikanischer Süsswassergebiete. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die grossen Flusssysteme Nord- und Südamerikas.

Der Amazonas und sein Einzugsgebiet gehören zu den artenreichsten Süsswasserregionen der Erde. AQUATIS verbindet die Präsentation der Tiere mit einer tropisch gestalteten Umgebung. Eine Amazonas-Zone mit Vegetation vermittelt den Eindruck eines feuchtwarmen Lebensraums.

Zu den im Rahmen des Rundgangs gezeigten Tiergruppen gehören zahlreiche Fischarten sowie Schildkröten, Echsen, Schlangen und Amphibien. Der konkrete Tierbestand kann sich aufgrund von Zuchtprogrammen, Tiertransfers und Veränderungen der Haltung laufend ändern.

Tiere

AQUATIS beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Süsswasserfischen sowie Reptilien und Amphibien. Nach Angaben der Institution werden insgesamt etwa 240 Arten präsentiert, darunter mehr als 8'000 Fische aus rund 200 Arten und etwa 100 Reptilien und Amphibien aus 34 Arten.[2]

Die Tiere werden nicht nach zoologischen Gruppen allein, sondern vor allem nach ihren natürlichen Lebensräumen präsentiert. Dadurch können verschiedene Arten, die in derselben Region oder einem vergleichbaren Ökosystem vorkommen, in einem gemeinsamen ökologischen Zusammenhang betrachtet werden.

Ein Teil der Tierhaltung findet hinter den Kulissen statt. Technische Anlagen zur Wasseraufbereitung, Quarantänebereiche und Einrichtungen für die Tierpflege sind für den Betrieb eines Aquariums dieser Grösse unverzichtbar.

Wassertechnik

Für die Aquarien und anderen Anlagen werden insgesamt ungefähr zwei Millionen Liter Süsswasser eingesetzt.[5]

Die Haltung von Arten aus verschiedenen Klimazonen erfordert unterschiedliche Wassertemperaturen und Wasserparameter. Filtersysteme, Pumpen und weitere technische Einrichtungen halten die Bedingungen in den einzelnen Anlagen möglichst stabil.

Im Gegensatz zu einem Meeresaquarium liegt die technische und inhaltliche Spezialisierung auf unterschiedlichen Formen von Süsswasser. Auch innerhalb von Binnengewässern unterscheiden sich Wasserchemie, Temperatur, Strömung und biologische Zusammensetzung erheblich.

Architektur

Das Aquarium-Vivarium ist auch architektonisch auffällig. Sein annähernd kreisförmiger Baukörper bildet das visuelle Zentrum des AQUATIS-Komplexes.

Besonders charakteristisch ist die Fassade. Rund 100'000 beweglich befestigte Aluminiumscheiben bedecken die äussere Hülle des Gebäudes.[3] Die Scheiben reagieren auf Wind und verändern dadurch fortlaufend ihre Position und Lichtreflexion. Der Effekt erinnert sowohl an die Oberfläche bewegten Wassers als auch an glänzende Fischschuppen.

Die Architektur nimmt damit das Thema Wasser bereits ausserhalb des eigentlichen Aquariums auf. Vor dem Gebäude befindet sich zusätzlich eine flache Wasserfläche, in der sich die Fassade und die Umgebung spiegeln.

Der AQUATIS-Komplex umfasst neben dem Aquarium auch ein Hotel. Beide Baukörper wurden gestalterisch als zusammengehörige Anlage konzipiert, besitzen jedoch eine deutlich unterschiedliche architektonische Erscheinung.

Unterhalb des Komplexes befindet sich eine grosse Park-and-Ride-Anlage. Sie steht in direkter Verbindung mit der Métrostation Vennes und verknüpft damit Freizeitnutzung, Hotellerie und öffentlichen Verkehr an einem Standort.

Bildung und Vermittlung

AQUATIS versteht sich nicht nur als Freizeiteinrichtung, sondern auch als Ort der Umweltbildung. Ein zentrales Thema der Ausstellung ist die Bedeutung von Süsswasser für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Obwohl nur ein vergleichsweise kleiner Anteil des Wassers auf der Erde als unmittelbar verfügbares Süsswasser vorhanden ist, sind Binnengewässer Lebensraum für eine ausserordentlich vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Gleichzeitig gehören Flüsse, Seen und Feuchtgebiete zu den Lebensräumen, die durch Verschmutzung, Verbauung, Wasserentnahme, invasive Arten und Klimaveränderungen unter grossem Druck stehen.

Die Ausstellung versucht diese Zusammenhänge anhand konkreter Ökosysteme verständlich zu machen. Dabei werden Tierbeobachtung, Szenografie und digitale Vermittlung miteinander kombiniert.

Für Schulen und andere Gruppen werden pädagogische Programme und Workshops angeboten. Diese befassen sich beispielsweise mit Lebensräumen, Körperbau und Ernährung von Fischen und verbinden Beobachtungen im Aquarium mit pädagogischer Arbeit.[6]

Artenschutz

Neben der öffentlichen Ausstellung engagiert sich AQUATIS im Bereich des Natur- und Artenschutzes. Die Institution unterstützt Projekte, die sich mit der Erhaltung gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume befassen.

Süsswasserarten sind besonders stark von Veränderungen ihrer unmittelbaren Umgebung abhängig. Schon Eingriffe in einzelne Flussabschnitte, die Trockenlegung von Feuchtgebieten oder Veränderungen der Wasserqualität können isolierte Populationen gefährden.

Aquarien und zoologische Einrichtungen können bei bestimmten Arten durch koordinierte Haltung und Nachzucht eine ergänzende Rolle im Artenschutz übernehmen. AQUATIS verbindet diese Arbeit mit der Vermittlung über die Bedrohung natürlicher Süsswasserökosysteme.[7]

Fondation AQUATIS

Mit AQUATIS verbunden ist die Fondation AQUATIS. Sie widmet sich der Sensibilisierung für den Schutz von Wasser und Süsswasserökosystemen sowie entsprechenden Projekten.

Die Verbindung zwischen einer publikumsorientierten Ausstellung und einer Stiftung ermöglicht es, Themen wie Biodiversität und Gewässerschutz über den klassischen Zoobesuch hinaus zu vermitteln.

Bedeutung für Lausanne

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2017 zählt AQUATIS zu den bedeutenden modernen Besucherattraktionen von Lausanne. Neben Einrichtungen wie dem Olympischen Museum erweitert es das touristische Angebot der Stadt um einen naturwissenschaftlichen und zoologischen Schwerpunkt.

Der Standort im Norden Lausannes unterscheidet sich von den traditionellen touristischen Gebieten am Genfersee und in der historischen Innenstadt. Durch die direkte Anbindung an die Métro ist AQUATIS dennoch eng mit dem Stadtzentrum verbunden.

Die Einrichtung besitzt zudem überregionale Bedeutung. Ihre Spezialisierung auf Süsswasser und die Kombination von Aquarium, Vivarium, Ausstellung und Umweltbildung machen sie innerhalb der schweizerischen Zoolandschaft zu einer Besonderheit.

Besuch

Der Eingang befindet sich an der Route de Berne 144 in 1010 Lausanne. Die nächstgelegene Haltestelle des öffentlichen Verkehrs ist Vennes der Métrolinie M2.

Vom Bahnhof Lausanne ist AQUATIS mit der Métro erreichbar. Dabei führt die M2 in Richtung Croisettes. Durch die unmittelbare Nähe der Station Vennes ist die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr besonders einfach.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise können sich ändern und sollten vor einem Besuch auf der offiziellen Website geprüft werden.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Switzerland Tourism: AQUATIS – largest fresh water aquarium and vivarium in Europe, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 AQUATIS Aquarium-Vivarium Lausanne: Offizielle Website, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 RDR architectes: Aquatis – Cité de l'eau douce, abgerufen am 9. August 2026.
  4. Fondation AQUATIS: AQUATIS Aquarium-Vivarium Lausanne, abgerufen am 9. August 2026.
  5. Fondation AQUATIS: AQUATIS, abgerufen am 9. August 2026.
  6. AQUATIS: Educational workshop, abgerufen am 9. August 2026.
  7. AQUATIS: Conservation, abgerufen am 9. August 2026.