Hüttnersee
| Hüttnersee | |
|---|---|
| Lage | Hütten / Samstagern, Kanton Zürich |
| Gemeinden | Wädenswil, Richterswil |
| Höhe | 658 m ü. M. |
| Fläche | 0,165 km² |
| Maximale Tiefe | 13,3 m |
| Mittlere Tiefe | 6,3 m |
| Volumen | 1,045 Mio. m³ |
| Einzugsgebiet | ca. 2,5 km² |
| Aufenthaltszeit des Wassers | ca. 120 Tage |
| Abfluss | Mühlebach |
| Koordinaten | 47° 11′ 00″ N, 8° 40′ 30″ E |
Der Hüttnersee ist ein kleiner See im südlichen Teil des Kantons Zürich. Er liegt auf 658 m ü. M. beim Ortsteil Hütten der Stadt Wädenswil, nahe der Grenze zum Kanton Schwyz. Das Nord- und Ostufer mit der öffentlich zugänglichen Badeanlage gehört zur Ortschaft Samstagern in der Gemeinde Richterswil.[1]
Der See wird in der Region auch Hüttnerseeli genannt. In der amtlichen Vermessung ist teilweise die Schreibweise Hüttner See anzutreffen. Mit einer Fläche von rund 0,165 km² gehört der Hüttnersee zu den kleineren natürlichen Seen des Kantons Zürich. Trotz seiner geringen Grösse besitzt er eine erhebliche landschaftliche und ökologische Bedeutung.
Geographie
Der Hüttnersee liegt in der hügeligen Landschaft des Zimmerbergs zwischen dem Zürichsee und dem oberen Sihltal. Das Seegebiet befindet sich in einer von Landwirtschaft, Feuchtgebieten, Riedwiesen und kleineren Waldflächen geprägten Landschaft.
Die Wasserfläche umfasst rund 0,165 km². Die maximale Tiefe beträgt 13,3 Meter, die mittlere Tiefe 6,3 Meter. Das Wasservolumen wird mit etwa 1,045 Millionen Kubikmetern angegeben. Die mittlere Aufenthaltszeit des Wassers im See beträgt ungefähr 120 Tage.[2]
Das hydrologische Einzugsgebiet umfasst rund 2,5 km². Ein grosser Teil davon wird landwirtschaftlich genutzt.[2]
Entstehung
Der Hüttnersee ist ein eiszeitlich geprägtes Gewässer. Nach Untersuchungen des Naturforschers Walter Höhn-Ochsner entstand die Seemulde vor etwa 15'000 Jahren gegen Ende der letzten Eiszeit. Eine Seitenzunge des Linthgletschers schürfte die Mulde aus, während Moränenmaterial den natürlichen Abfluss behinderte.[3]
Der ursprüngliche See war deutlich grösser als heute. Er erstreckte sich auch über Flächen, die inzwischen verlandet sind und heute als Riedgebiete erscheinen. Besonders das südwestlich gelegene Storchenweidli geht auf diesen Verlandungsprozess zurück. Zufliessende Bäche transportierten Geschiebe, Sand und Ton in das Becken. Entlang der Ufer entwickelten sich später Schilf- und Seggenbestände sowie Torfböden.[3]
Die heutige Landschaft rund um den Hüttnersee zeigt deshalb typische Merkmale einer glazial geformten Moränenlandschaft mit See, Feuchtgebieten und sanften Höhenzügen.
Geschichte und Name
Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Sees stammt vom 6. August 1520. Damals wurde das Gewässer als Bibetsee bezeichnet. Dieser Name blieb bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich.[1]
Auf der Zürcher Kantonskarte von Hans Conrad Gyger aus dem Jahr 1667 erscheint bereits die Bezeichnung Hüttnersee. Sie setzte sich später allmählich gegenüber dem älteren Namen durch.[1]
Der See war früher für seinen Bestand an Fischen und Krebsen bekannt. Bereits im frühen 16. Jahrhundert sind Auseinandersetzungen um Fischereirechte dokumentiert. Die Fischerei stand zunächst in Zusammenhang mit der Johanniterherrschaft Wädenswil. Nach deren Verkauf an die Stadt Zürich im Jahr 1549 gingen auch die entsprechenden Fischereirechte an Zürich über.[3]
Eine der ältesten bekannten bildlichen Darstellungen des Hüttnersees schuf der niederländische Künstler Jan Hackaert im Jahr 1655. Auch historische Reiseberichte erwähnen den Fisch- und Krebsreichtum des Gewässers.[3]
Gemeindezugehörigkeit
Der überwiegende Teil des Hüttnersees liegt beim Ortsteil Hütten. Hütten war bis Ende 2018 eine eigenständige politische Gemeinde. Am 1. Januar 2019 wurden Hütten und Schönenberg in die Stadt Wädenswil eingemeindet.[4]
Das Nord- und Ostufer des Sees liegt dagegen auf dem Gebiet der Gemeinde Richterswil. Dort befindet sich auch die Freizeitanlage Hüttnersee bei Samstagern.[5]
Natur- und Landschaftsschutz
Die Landschaft rund um den Hüttnersee steht bereits seit 1945 unter kantonalem Schutz. Wegen ihrer ausserordentlichen ökologischen und landschaftlichen Qualität wurde das Gebiet als kantonales Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.[6]
1993 wurde die Schutzordnung mit der Verordnung über den Schutz von Natur- und Landschaftsschutzgebieten mit überkommunaler Bedeutung in Hütten und einem Teilgebiet von Richterswil angepasst. Die Wasserfläche gehört zur See- und Uferschutzzone. Ziel ist insbesondere die Erhaltung der Gewässer und Ufer als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie der Schutz des Landschaftsbildes.[6]
Zu den ökologisch wertvollen Flächen gehören Riedwiesen, Schilfbestände und weitere Feuchtlebensräume. Der Hüttnersee ist Teil der vielfältigen Natur- und Kulturlandschaft des Zimmerbergs. Der Kanton Zürich zählt den Hüttnersee zusammen mit dem Türlersee und weiteren Feuchtgebieten zu den landschaftlich besonders wertvollen Elementen der Region.[7]
Bestimmte Freizeitaktivitäten sind aus Naturschutzgründen eingeschränkt. Das Befahren des Hüttnersees mit Schiffen und Schwimmkörpern ist grundsätzlich verboten; dies betrifft auch Stand-up-Paddling. Für bestimmte Ruderboote können Ausnahmebewilligungen bestehen.[6]
Wasserqualität und Belüftung
Der Hüttnersee wurde im 20. Jahrhundert stark mit Nährstoffen, insbesondere Phosphor, belastet. Ein wesentlicher Grund dafür waren Einträge aus dem Einzugsgebiet. 1972 wurde das Schmutzwasser der damaligen Gemeinde Hütten zur Abwasserreinigungsanlage Richterswil abgeleitet. 1991 wurde zusätzlich eine Sanierungsleitung für abgelegene Liegenschaften erstellt, wodurch keine ungeklärten Abwässer mehr direkt in den See gelangten.[2]
Seit Dezember 1983 wird eine kombinierte Zirkulationsunterstützungs- und Belüftungsanlage betrieben. Sie erhöht den Sauerstoffgehalt im See und soll unter anderem verhindern, dass grössere Mengen von im Sediment gespeichertem Phosphor wieder ins Wasser gelangen.[2]
Die Wasserqualität hat sich gegenüber der starken Belastung früherer Jahrzehnte verbessert, erreicht jedoch weiterhin nicht in allen Bereichen den angestrebten Zustand. Gemäss der kantonalen Beurteilung für 2025 befand sich der See bezüglich des Phosphorgehalts in einem mässigen Zustand, während die Algenmenge als schlecht beurteilt wurde.[2]
Seit Herbst 2022 tritt die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens) zeitweise beziehungsweise über längere Perioden in erhöhter Dichte auf. Trotz der Belüftungsanlage kann sich während des Sommers in mehreren Metern Tiefe eine sauerstoffarme Zone bilden. Der Kanton beabsichtigt deshalb, die Anlage weiterhin zu betreiben.[2]
Die Wasserqualität des Hüttnersees wird vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich regelmässig überwacht.[8]
Freizeit und Baden
Der Hüttnersee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet im südlichen Kanton Zürich. Spazier- und Wanderwege führen durch die Landschaft rund um den See und die angrenzenden Riedgebiete.
Am Nordostufer befindet sich die Freizeitanlage Hüttnersee auf Richterswiler Gemeindegebiet. Die Badeanlage wurde bereits 1949 eröffnet.[3] Sie liegt innerhalb einer speziell ausgeschiedenen Erholungszone des Schutzgebiets.
Das Baden ist im dafür vorgesehenen Bereich erlaubt. Nach Angaben der Gemeinde Richterswil erfolgt es auf eigene Verantwortung, da keine Badeaufsicht vorhanden ist. Die Anlage verfügt während der Sommersaison auch über einen Restaurationsbetrieb.[5]
Schwimmen und Naturschutz bestehen am Hüttnersee damit nebeneinander: Während der Badebereich ausdrücklich der Erholung dient, sollen empfindliche Ufer- und Riedflächen möglichst ungestört bleiben.
Der Hüttnersee in der Überlieferung
Wie bei zahlreichen Schweizer Seen entstanden auch um den Hüttnersee lokale Sagen. Eine von Walter Höhn überlieferte Erzählung berichtet von einem Wald mit einem Pilgerbrunnen, der einst an der Stelle des heutigen Sees gelegen haben soll. Ein geheimnisvoller Besenmann habe einem Pilger vorausgesagt, dass der Brunnen bei seiner Rückkehr verschwunden sein werde. Als der Pilger wenige Tage später zurückkam, habe sich an der Stelle des Waldes eine dunkle Wasserfläche ausgebreitet.[3]
Auch in neuerer Zeit wurde diese lokale Überlieferung aufgegriffen. Im Zusammenhang mit der SRF-Sendung SRF bi de Lüt – LIVE in Richterswil im Jahr 2024 wurde eine Sage vom Hüttnersee filmisch thematisiert.[5]
Bedeutung
Der Hüttnersee verbindet auf engem Raum verschiedene Funktionen. Er ist ein natürliches Landschaftselement, ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen, ein historisch bedeutendes Gewässer und zugleich ein regional wichtiges Erholungsgebiet. Durch die Schutzbestimmungen und die kontinuierliche Überwachung der Wasserqualität soll ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Freizeitnutzung erhalten werden.
Seine Lage oberhalb des Zürichsees, die umgebenden Riedlandschaften und die weitgehend offene Kulturlandschaft machen den Hüttnersee zu einem charakteristischen Bestandteil des südlichen Zimmerbergs.
Siehe auch
- Hütten (Wädenswil)
- Wädenswil
- Richterswil
- Samstagern
- Türlersee
- Zürichsee
- Liste der Seen im Kanton Zürich
Weblinks
- Wasserqualität der Zürcher Seen – Kanton Zürich
- Freizeitanlage Hüttnersee – Gemeinde Richterswil
- Hüttnersee – Baukultur Wädenswil
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Baukultur Wädenswil: Hüttnersee, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Kanton Zürich, AWEL: Hüttnersee – Beurteilung des Seezustands, Stand 12. Januar 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Peter Ziegler: Der Hüttnersee, in: Publikation 1987, S. 64–70, Baukultur Wädenswil, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Stadt Wädenswil: Fusions-Check – Hütten und Schönenberg seit der Eingemeindung, 7. Februar 2024, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Gemeinde Richterswil: Freizeitanlage Hüttnersee, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Regierungsrat des Kantons Zürich: Beschluss Nr. 777/2020 zum Hüttnersee, 2020.
- ↑ Kanton Zürich: Schutzverordnung Zimmerberg/Knonauer Amt – Gemeinsam Naturwerte erhalten, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Wasserqualität von Seen, abgerufen am 14. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Hüttnersee