Friedhof Fluntern
| Friedhof Fluntern | |
|---|---|
| Ort | Fluntern, Zürich |
| Adresse | Zürichbergstrasse 189 8044 Zürich |
| Stadtkreis | Kreis 7 |
| Eröffnung | 1887 |
| Erweiterungen | 1907, 1928, 1948/49 |
| Fläche | ca. 33'250 m² |
| Betreiber | Grün Stadt Zürich |
| Lage | Zürichberg, beim Zoo Zürich |
| Öffentlicher Verkehr | Haltestelle Zürich, Zoo |
Der Friedhof Fluntern ist ein städtischer Friedhof im Quartier Fluntern im Zürcher Stadtkreis 7. Er liegt am Zürichberg unmittelbar neben dem Zoo Zürich und gehört aufgrund seiner landschaftlichen Lage, seiner historischen Gestaltung und zahlreicher Grabstätten bekannter Persönlichkeiten zu den bekanntesten Friedhöfen der Stadt Zürich.
Besondere internationale Bekanntheit besitzt der Friedhof als letzte Ruhestätte des irischen Schriftstellers James Joyce. Die Bronzefigur an seinem Grab gilt als Wahrzeichen der Anlage. Ebenfalls in Fluntern beigesetzt sind unter anderem der Literaturnobelpreisträger Elias Canetti, die Schauspielerin Therese Giehse sowie bedeutende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Architektur, Politik und Kultur.[1][2]
Lage
Der Friedhof befindet sich an der Zürichbergstrasse 189 auf den Höhen des Zürichbergs. Er grenzt an bewaldete Bereiche des Zürichbergs und liegt nur wenige Schritte vom Zoo Zürich sowie von der Tram- und Bushaltestelle Zoo entfernt.
Durch seine erhöhte Lage unterscheidet sich der Friedhof deutlich von vielen innerstädtischen Begräbnisstätten. Teile der Anlage bieten Ausblicke in Richtung Stadt, während der alte Baumbestand und der unmittelbar anschliessende Wald dem Gelände einen ruhigen, parkartigen Charakter verleihen.
Die Nähe zu Wald, Zoo und den Grünräumen des Zürichbergs führt dazu, dass der Friedhof nicht nur als Bestattungsort, sondern auch als Teil des zusammenhängenden Grünraums am Zürichberg wahrgenommen wird.
Geschichte
Der heutige Friedhof Fluntern wurde im Jahr 1887 eröffnet. Fluntern war zu diesem Zeitpunkt noch eine selbstständige Gemeinde. Die Bevölkerung des damaligen Vorortes Zürichs war im Verlauf des 19. Jahrhunderts stark gewachsen, wodurch die bisherigen Begräbnisplätze den Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr genügten.
Auf der Allmend Fluntern entstand deshalb ein neuer Gemeindefriedhof. Die ursprüngliche Anlage war vergleichsweise klein und nach einem klaren, symmetrischen Grundschema gestaltet. Charakteristisch waren geradlinige Wegeachsen und deutlich voneinander abgegrenzte Grabfelder.
Mit der Eingemeindung Flunterns nach Zürich im Jahr 1893 wurde auch das Friedhofswesen Teil der städtischen Organisation. Zeitweise bestand die Absicht, den Friedhof Fluntern zugunsten einer grösseren zentralen Friedhofsanlage für den Stadtkreis aufzugeben. Der Friedhof blieb jedoch bestehen.
Aufgrund der weiteren Bevölkerungsentwicklung wurde die Anlage mehrfach vergrössert. Erweiterungen erfolgten 1907 und 1928. Eine weitere Vergrösserung wurde 1948/49 vorgenommen.[3]
Während die älteren Teile weiterhin durch geometrische Weg- und Grabstrukturen geprägt sind, wurde die Gestaltung in den jüngeren Bereichen freier. Dadurch entwickelte sich der Friedhof über mehrere Jahrzehnte zu einer Anlage, in der unterschiedliche Vorstellungen der Friedhofs- und Landschaftsgestaltung des späten 19. und des 20. Jahrhunderts nebeneinander sichtbar sind.
Anlage und Gestaltung
Der Friedhof umfasst rund 33'250 Quadratmeter. Die verschiedenen Erweiterungsphasen lassen sich bis heute in der Struktur des Geländes erkennen. Im historischen Kern dominieren gerade Wege, Achsen und regelmässige Grabfelder. Andere Bereiche besitzen stärker geschwungene Wege und grössere Grünflächen.
Von besonderer Bedeutung ist der alte Baumbestand. Hohe Bäume bilden zusammen mit Sträuchern, Rasenflächen und den angrenzenden Waldpartien einen Übergang vom gestalteten Friedhof zum natürlichen Landschaftsraum des Zürichbergs.
Neben einfachen Reihen- und Urnengräbern befinden sich auf dem Friedhof zahlreiche Familiengräber. Einige davon besitzen aufwendig gestaltete Grabsteine, Plastiken oder andere künstlerische Elemente. Dadurch ist die Anlage zugleich ein Zeugnis verschiedener Epochen der Zürcher Grabmalkultur.
Der Friedhof Fluntern wird von der Stadt Zürich auch unter Gesichtspunkten der Gartendenkmalpflege behandelt. Im Jahr 2026 befasste sich der Stadtrat mit einer Anpassung des Schutzperimeters der Anlage im Zusammenhang mit Planungen im Bereich der Tramwendeschlaufe Zoo.[4]
Friedhofkapelle
Zum Friedhof gehört eine eigene Friedhofkapelle. Sie bietet Platz für ungefähr 100 Personen und ist rollstuhlgängig. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Orgel sowie technische Einrichtungen für musikalische Beiträge und Ansprachen.
Die Kapelle dient insbesondere Abdankungsfeiern. Abdankungen mit Sarg werden gemäss den aktuellen Vorgaben der Stadt Zürich in dieser Kapelle nicht durchgeführt.[1]
Das Gebäude der Kapelle bildet zusammen mit den Verwaltungsräumen einen der baulichen Schwerpunkte des Friedhofs.
Grabarten und Aschebeisetzung im Wald
Auf dem Friedhof Fluntern bestehen unterschiedliche Formen der Beisetzung. Dazu gehören Erd- und Urnen-Reihengräber, Familiengräber und Gemeinschaftsgräber. Daneben gibt es besondere Angebote für Urnenbeisetzungen.
Eine Besonderheit ist der Wald für Aschebeisetzung in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Friedhofsgeländes. Dort kann die Asche Verstorbener im Wald beigesetzt werden. Angeboten werden unter anderem Gemeinschaftsbäume und Familienbäume. Damit verbindet die Stadt Zürich traditionelle Friedhofsformen mit naturnahen Formen der Bestattung.[1]
Grab von James Joyce
Die international bekannteste Grabstätte auf dem Friedhof Fluntern ist jene des irischen Schriftstellers James Joyce (1882–1941), des Autors von Werken wie Ulysses und Finnegans Wake.
Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich und wurde am 15. Januar auf dem Friedhof Fluntern zunächst in einem einfachen Grab beigesetzt.[5]
1966 wurde Joyce in ein neues Grab umgebettet, in dem auch seine 1951 verstorbene Ehefrau Nora Barnacle ihre letzte Ruhestätte erhielt. Die Umbettung fand am 16. Juni statt, dem als Bloomsday bekannten Gedenktag, der eine zentrale Rolle in der internationalen Joyce-Rezeption spielt.
Das Grab wird von einer lebensgrossen Bronzefigur des Schriftstellers geprägt. Die Skulptur wurde vom amerikanischen Bildhauer Milton Hebald geschaffen. Joyce ist sitzend mit einem Buch dargestellt. Die Figur entwickelte sich zu einem der bekanntesten Grabdenkmäler Zürichs und gilt heute als Wahrzeichen des Friedhofs.[1]
Auch Joyces Sohn Giorgio Joyce und weitere Angehörige der Familie sind in der Grabstätte beigesetzt.
Die Verbindung von James Joyce mit Zürich reicht weit über seinen Tod hinaus. Der Schriftsteller hielt sich während verschiedener Phasen seines Lebens in der Stadt auf. Heute erinnert neben dem Grab in Fluntern insbesondere die Zürich James Joyce Foundation an sein Leben und Werk.
Weitere bekannte Persönlichkeiten
Der Friedhof Fluntern weist eine ungewöhnlich grosse Zahl von Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf. Darunter befinden sich Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler, Politiker und Vertreter des Zürcher Kulturlebens.[2]
Zu den bekanntesten hier beigesetzten Personen gehören:
- Elias Canetti (1905–1994), Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger von 1981
- Therese Giehse (1898–1975), Schauspielerin
- Paul Karrer (1889–1971), Chemiker und Nobelpreisträger für Chemie
- Leopold Ružička (1887–1976), Chemiker und Nobelpreisträger für Chemie
- Paul Scherrer (1890–1969), Physiker und Hochschullehrer
- Karl Moser (1860–1936), Architekt
- Kurt Früh (1915–1979), Filmregisseur
- Daniel Keel (1930–2011), Gründer des Diogenes Verlags
- Anita Augspurg (1857–1943), Frauenrechtlerin und Pazifistin
- Lida Gustava Heymann (1867–1943), Frauenrechtlerin und Pazifistin
- Friedrich Hegar (1841–1927), Komponist, Dirigent und Geiger
- Emil Oprecht (1895–1952), Verleger und Buchhändler
- Max Rychner (1897–1965), Schriftsteller und Journalist
- Leopold Szondi (1893–1986), Psychiater und Heilpädagoge
- Peter Szondi (1929–1971), Literaturwissenschaftler
- Åke Senning (1915–2000), Herzchirurg und Pionier der modernen Herzmedizin
- Sigmund Widmer (1919–2003), Zürcher Stadtpräsident
- Peter Zeindler (1934–2023), Schriftsteller und Journalist
Die Stadt Zürich veröffentlicht einen Orientierungsplan, in dem zahlreiche prominente Grabstätten eingetragen sind. Dadurch können Besucherinnen und Besucher die entsprechenden Gräber gezielt finden.
Elias Canetti
Eine weitere international bedeutende Grabstätte ist jene des Schriftstellers Elias Canetti. Canetti verbrachte einen wichtigen Teil seines Lebens in Zürich und starb 1994 in der Stadt. Bereits in seiner Jugend hatte er einige Jahre in Zürich gelebt; später kehrte er dauerhaft zurück.
Canettis Grab befindet sich in unmittelbarer Nähe jenes von James Joyce. Die räumliche Nachbarschaft der beiden international bedeutenden Schriftsteller trägt wesentlich zum Ruf des Friedhofs Fluntern als literarischem Erinnerungsort bei.
Canetti erhielt 1981 den Nobelpreis für Literatur. Sein umfangreicher Nachlass befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich.
Bedeutung als Kultur- und Erinnerungsort
Friedhöfe erfüllen neben ihrer eigentlichen Funktion als Bestattungsorte auch eine historische und kulturelle Aufgabe. Beim Friedhof Fluntern ist diese Bedeutung besonders ausgeprägt. Zahlreiche Grabstätten erinnern an Persönlichkeiten, die Wissenschaft, Literatur, Theater, Architektur und Politik in Zürich und weit darüber hinaus geprägt haben.
Besonders die Gräber von James Joyce und Elias Canetti ziehen Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland an. Der Friedhof ist damit Teil der internationalen Literaturgeschichte Zürichs.
Auch aus stadtgeschichtlicher Sicht ist die Anlage von Bedeutung. Ihre verschiedenen Erweiterungen dokumentieren die Entwicklung Flunterns von einer selbstständigen Gemeinde am Stadtrand zu einem Quartier der wachsenden Stadt Zürich. Gleichzeitig zeigt die Gestaltung, wie sich die Vorstellungen von Friedhofsarchitektur und Landschaftsplanung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert verändert haben.
Natur und Erholung
Die parkähnliche Gestaltung und die Lage am Zürichberg machen den Friedhof Fluntern zu einem ruhigen Grünraum. Der Übergang zwischen Friedhof und Wald ist an verschiedenen Stellen fliessend. Besonders die älteren Bäume und die wenig versiegelten Flächen verleihen Teilen der Anlage einen waldartigen Charakter.
Wie andere historische Friedhöfe Zürichs besitzt Fluntern dadurch neben seiner religiösen und erinnerungskulturellen Funktion auch Bedeutung als städtischer Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Dabei bleibt die Rücksichtnahme auf die Funktion des Areals als Bestattungs- und Trauerort von zentraler Bedeutung.
Erschliessung
Der Haupteingang befindet sich an der Zürichbergstrasse 189. Unmittelbar beim Friedhof liegt die Haltestelle Zürich, Zoo. Sie wird unter anderem von der Tramlinie 6 bedient; an Sonntagen verkehrt dort zusätzlich die Tramlinie 5.
Durch die Nähe zum Zoo Zürich ist der Friedhof aus der Innenstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Das Friedhofsgelände selbst ist gemäss Stadt Zürich rund um die Uhr zugänglich.[1]
Siehe auch
- Fluntern
- Zürichberg
- Zoo Zürich
- Friedhöfe in Zürich
- Friedhof Enzenbühl
- Friedhof Sihlfeld
- James Joyce in Zürich
Literatur
- Daniel Foppa: Berühmte und vergessene Tote auf Zürichs Friedhöfen. Limmat Verlag, Zürich.
- Statistik Stadt Zürich: Friedhöfe und Bestattungswesen in der Stadt Zürich einst und jetzt. Zürcher Statistische Nachrichten, Zürich 1941.
- Statistik Stadt Zürich: Der Friedhof-Flächenbedarf der Stadt Zürich. Zürcher Statistische Nachrichten, Zürich 1950.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich: Friedhof Fluntern, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich: Prominente Verstorbene im Friedhof Fluntern, Stand Januar 2024.
- ↑ Statistik Stadt Zürich: Der Friedhof-Flächenbedarf der Stadt Zürich, Zürcher Statistische Nachrichten, 1950.
- ↑ Stadt Zürich, Stadtratsbeschluss Nr. 2396/2026 vom 8. Juli 2026: Grün Stadt Zürich, Gartendenkmalschutz, Zürichbergstrasse 189, Friedhof Fluntern, Zürich 7-Fluntern, Anpassung Schutzperimeter.
- ↑ Zürich James Joyce Foundation: Angaben zu James Joyces Bestattung in Zürich, abgerufen am 9. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Friedhof Fluntern