Wire
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|---|---|
| Beschreibung | Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messenger und Plattform für digitale Zusammenarbeit |
| Hersteller | Wire Swiss GmbH |
| Unternehmenssitz | Zug, Schweiz |
| Entwicklungsstandort | Berlin, Deutschland |
| Gründung des Unternehmens | 2012 |
| Erstveröffentlichung | 3. Dezember 2014 |
| Betriebssysteme | Android, iOS, Microsoft Windows, macOS, Linux und Webbrowser |
| Programmiersprachen | unter anderem Kotlin, Swift, TypeScript, Rust, C und Haskell |
| Kategorie | Instant Messenger, Kollaborationssoftware |
| Verschlüsselung | Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Messaging Layer Security und Proteus |
| Lizenz | überwiegend GPL-3.0 für Clients und AGPL-3.0 für Serverkomponenten |
| Sprachen | mehrsprachig, darunter Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch |
| Website | wire.com |
Wire ist ein von der Schweizer Wire Swiss GmbH angebotener, Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messenger und eine Plattform für digitale Zusammenarbeit. Die Software ermöglicht Textnachrichten, Sprach- und Videoanrufe, Konferenzen, Dateiaustausch, Bildschirmübertragungen und die Kommunikation in Gruppen und Kanälen.
Wire wurde ursprünglich als Messenger für Privatpersonen entwickelt. Seit der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf Unternehmen, Behörden, öffentliche Einrichtungen und Organisationen mit erhöhten Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und digitale Souveränität. Die Plattform kann als von Wire betriebener Cloud-Dienst oder auf einer eigenen Infrastruktur eingesetzt werden.
Anbieterin ist die Wire Swiss GmbH mit Sitz in Zug. Das Unternehmen betreibt einen bedeutenden Entwicklungsstandort in Berlin. Die Anwendungen und wesentlichen Serverkomponenten werden als quelloffene Software veröffentlicht.[1][2]
Die Kommunikationsinhalte werden standardmässig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Nach Angaben des Anbieters gilt dies für Nachrichten, Dateien sowie Sprach- und Videoanrufe. Die Verschlüsselung muss nicht gesondert aktiviert werden und kann bei regulären Unterhaltungen nicht durch Benutzerinnen, Benutzer oder Administratoren ausgeschaltet werden.[3]
Unternehmen
Die Wire Swiss GmbH wurde 2012 gegründet. Zu den Gründern gehörten Jonathan Christensen, Alan Duric und Priidu Zilmer, die zuvor unter anderem bei Skype und Microsoft gearbeitet hatten. Unterstützt wurde das Unternehmen von Janus Friis, einem Mitgründer von Skype.
Der statutarische Sitz der Gesellschaft befindet sich in Zug. Im Impressum nennt das Unternehmen die Adresse Untermüli 9 in 6300 Zug. Als Geschäftsführer wurden im August 2026 Pierrine Auberson und Benjamin François Schilz aufgeführt.[1]
Die Softwareentwicklung findet zu einem wesentlichen Teil in Berlin statt. Das Unternehmen bezeichnet Wire als europäische Kommunikationsplattform und richtet sein Angebot insbesondere an öffentliche Verwaltungen, Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen, Sicherheitsbehörden und regulierte Branchen.
Wire gab 2022 an, weltweit mehr als 1800 Behörden und Unternehmen als Kunden zu betreuen. Dazu gehörten nach Angaben des Unternehmens auch mehrere Regierungen der Gruppe der Sieben sowie die deutsche Bundesverwaltung.[4]
Geschichte
Gründung und Markteinführung
Wire entstand vor dem Hintergrund der wachsenden Verbreitung mobiler Messenger und internetbasierter Sprachkommunikation. Mehrere Mitglieder des ursprünglichen Teams hatten zuvor an Skype oder anderen Anwendungen für Internettelefonie gearbeitet.
Die erste öffentliche Version wurde am 3. Dezember 2014 für Android, iOS und macOS veröffentlicht. Wire sollte Sprache, Text, Bilder, Musik und Videos in einer einheitlichen, visuell zurückhaltenden Benutzeroberfläche zusammenführen.[5]
In der Anfangsphase stand die Nutzung durch Privatpersonen im Vordergrund. Der Messenger konkurrierte unter anderem mit WhatsApp, Facebook Messenger, Skype, Telegram und später Signal.
Wire unterschied sich durch eine geräteübergreifende Synchronisierung, eine stark gestaltungsorientierte Benutzeroberfläche sowie die Verknüpfung von Nachrichten, Mediendateien und Internettelefonie. Eine Webversion und Anwendungen für weitere Desktop-Betriebssysteme kamen später hinzu.
Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Die ersten Versionen verwendeten noch keine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für sämtliche Nachrichten. Im März 2016 führte Wire eine standardmässige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Nachrichten ein und ergänzte gleichzeitig verschlüsselte Videoanrufe.
Für Nachrichten entwickelte das Unternehmen das Protokoll Proteus. Es basiert auf dem Double-Ratchet-Prinzip und verwendet für jedes registrierte Gerät eigene kryptografische Schlüssel. Dadurch kann eine Person Wire gleichzeitig auf mehreren Smartphones, Tablets und Computern verwenden.
Die Architektur ermöglicht auch den Beginn einer verschlüsselten Unterhaltung, wenn die empfangende Person vorübergehend nicht mit dem Dienst verbunden ist. Zu diesem Zweck werden vorab erzeugte öffentliche Schlüssel, sogenannte Pre-Keys, verwendet.
Veröffentlichung des Quellcodes
Im Jahr 2016 veröffentlichte Wire schrittweise den Quellcode seiner Client-Anwendungen. 2017 folgte der Quellcode der Serverplattform.
Die öffentlichen Repositorien umfassen unter anderem:
- die Anwendung für Android;
- die Anwendung für iOS und iPadOS;
- die Webanwendung;
- die Desktop-Anwendung;
- gemeinsame kryptografische Bibliotheken;
- Audio-, Video- und Signalisierungskomponenten;
- die Serverdienste;
- Werkzeuge für Installation und Betrieb;
- technische Dokumentation.
Die Client-Anwendungen werden überwiegend unter der GNU General Public License veröffentlicht. Der Servercode steht im Wesentlichen unter der GNU Affero General Public License.[6]
Nicht alle internen Werkzeuge des kommerziellen Cloud-Betriebs sind öffentlich. Dazu gehören insbesondere Teile der Abonnement- und Abrechnungsverwaltung sowie interne Automatisierungs- und Testsysteme. Der für den Aufbau und Betrieb einer eigenen Wire-Installation erforderliche Client- und Servercode ist jedoch öffentlich zugänglich.
Ausrichtung auf Unternehmen und Behörden
Wire führte ab 2017 verstärkt Funktionen für professionelle Teams ein. Dazu gehörten zentrale Benutzerverwaltung, Rollen und Berechtigungen, Gästezugänge sowie Werkzeuge für die Verwaltung grösserer Organisationen.
In den folgenden Jahren verlagerte sich der geschäftliche Schwerpunkt vom Massenmarkt für private Messenger auf verschlüsselte Unternehmenskommunikation. Wire positionierte sich damit als Alternative zu Microsoft Teams, Slack, Cisco Webex und anderen Kollaborationsplattformen.
Das Angebot wurde um Funktionen wie Single Sign-on, Verzeichnisintegration, System for Cross-domain Identity Management, Administrationsschnittstellen, Aufbewahrungsregeln und besondere Installationsmodelle erweitert.
Für Organisationen mit hohen Anforderungen an die Kontrolle ihrer Daten entwickelte Wire Möglichkeiten zum Betrieb in privaten Rechenzentren, abgeschotteten Netzen und kundeneigenen Cloud-Umgebungen.
Änderung der Konzernstruktur 2019
2019 wurde die übergeordnete Holdinggesellschaft von Luxemburg in die Vereinigten Staaten verlegt. Die Änderung wurde öffentlich kritisiert, weil Wire zuvor besonders stark mit europäischem und schweizerischem Datenschutz geworben hatte.
Datenschutzaktivisten bemängelten vor allem, dass die Änderung zunächst nicht aktiv und umfassend an die Nutzerinnen und Nutzer kommuniziert worden sei. Das Unternehmen erklärte, der Schritt habe der Finanzierung gedient und ändere weder den Vertragspartner der Nutzer noch die Verschlüsselungsarchitektur oder den europäischen Standort der Server.[7]
Die Dienstleistungen werden weiterhin von der schweizerischen Wire Swiss GmbH angeboten. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verhindert nach dem technischen Konzept, dass eine Holdinggesellschaft, ein Serverbetreiber oder ein anderer Vermittler auf die Inhalte regulärer Unterhaltungen zugreifen kann.
Finanzierungsrunden
Wire nahm 2021 in einer Finanzierungsrunde rund 21 Millionen US-Dollar auf. Die Runde wurde von UVC Partners angeführt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen nach Medienberichten ungefähr 90 Personen und gab an, rund 1800 Geschäftskunden zu betreuen.[8]
Im August 2022 folgte eine Finanzierungsrunde über 24 Millionen Euro. Sie wurde von Cipio Partners und Iconical angeführt. Das Kapital sollte insbesondere für die Weiterentwicklung sicherer Kommunikation, den Ausbau des Unternehmenskundengeschäfts und die Arbeit an offenen Standards verwendet werden.[4]
Messaging Layer Security
Wire gehörte ab 2016 zu den Initiatoren des offenen Standards Messaging Layer Security (MLS). An der Entwicklung beteiligten sich Fachleute aus Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, darunter Cisco, Mozilla, Google, Cloudflare, Meta, Amazon, die ETH Zürich und die Universität Oxford.
MLS wurde 2023 von der Internet Engineering Task Force als RFC 9420 veröffentlicht. Der Standard soll eine effiziente Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Gruppen mit vielen Mitgliedern und häufigen Änderungen der Teilnehmerstruktur ermöglichen.
Wire begann seine Kommunikationsarchitektur von Proteus auf MLS umzustellen. Für die Übergangsphase unterstützt die Plattform sowohl Proteus- als auch MLS-Unterhaltungen. Neue und entsprechend konfigurierte Installationen verwenden zunehmend MLS als Standardprotokoll.[9]
Funktionen
Nachrichten
Wire ermöglicht Einzel- und Gruppengespräche. Nachrichten können Text, Bilder, Videos, Audiodateien, Dokumente, Links und weitere Dateitypen enthalten.
Zu den verfügbaren Funktionen gehören je nach Produktversion:
- Antworten auf einzelne Nachrichten;
- Reaktionen mit Symbolen;
- Erwähnungen von Personen;
- Nachrichtenbearbeitung;
- Löschen eigener Nachrichten;
- zeitlich begrenzte Nachrichten;
- Lesebestätigungen;
- gemeinsame Gruppen und Kanäle;
- Suche innerhalb von Unterhaltungen;
- Dateivorschau;
- geräteübergreifende Synchronisierung.
Zeitlich begrenzte Nachrichten werden nach einem festgelegten Zeitraum aus der Unterhaltung entfernt. Dies verhindert jedoch nicht, dass Empfänger den Inhalt vorher kopieren, fotografieren oder auf andere Weise speichern.
Sprach- und Videoanrufe
Wire unterstützt verschlüsselte Sprach- und Videoanrufe zwischen zwei Personen sowie Konferenzen mit mehreren Teilnehmern.
Die Anwendung bietet unter anderem:
- Einzelanrufe;
- Gruppenanrufe;
- Videokonferenzen;
- Bildschirmfreigabe;
- Stummschaltung;
- Auswahl von Kamera, Mikrofon und Lautsprecher;
- Teilnahme über verschiedene Gerätetypen.
Für die Medienübertragung verwendet Wire unter anderem das Secure Real-time Transport Protocol. Bei klassischen Einzelanrufen werden die Schlüssel über eine mit Datagram Transport Layer Security geschützte Verbindung ausgehandelt.
Auch bei Konferenzen sollen die Medieninhalte Ende-zu-Ende verschlüsselt bleiben. Je nach Installationsmodell können spezielle Konferenzserver für die Weiterleitung der verschlüsselten Datenströme eingesetzt werden.
Dateiaustausch
Dateien und Dokumente können innerhalb von Einzel- und Gruppenunterhaltungen versendet werden. Der Inhalt wird auf dem Gerät der sendenden Person verschlüsselt und erst auf den Geräten der berechtigten Empfänger entschlüsselt.
Der Server speichert und überträgt die verschlüsselten Daten, besitzt nach dem Sicherheitsmodell jedoch nicht die zum Entschlüsseln erforderlichen privaten Schlüssel.
Für Unternehmen bietet Wire zusätzliche Werkzeuge zur Verwaltung, Aufbewahrung und kontrollierten Freigabe von Dateien. Der genaue Funktionsumfang hängt vom Tarif und vom gewählten Installationsmodell ab.
Externe Zusammenarbeit
Organisationen können externe Personen als Gäste in bestimmte Unterhaltungen oder Projekte einladen. Ein Gast erhält nur Zugriff auf die ausdrücklich freigegebenen Bereiche und wird nicht automatisch Mitglied der gesamten Organisation.
Diese Funktion ist für die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Beratern, Projektpartnern und anderen externen Stellen vorgesehen.
Organisationsverwaltung
Die Unternehmensversionen bieten Verwaltungsfunktionen für grössere Benutzergruppen. Dazu gehören:
- zentrale Benutzerverwaltung;
- Rollen und Berechtigungen;
- Single Sign-on;
- SAML-Authentifizierung;
- SCIM-Verzeichnisintegration;
- Mehrfaktor- und Geräteverwaltung;
- Richtlinien für Gäste und externe Kontakte;
- administrative Protokolle;
- Verwaltung erlaubter Anwendungen;
- Integration in Identitäts- und Zertifikatsinfrastrukturen.
Organisationen können je nach Produktvariante eigene Regeln für Anmeldung, Geräte, externe Kontakte und Aufbewahrung festlegen.
Anwendungen und Plattformen
Wire ist für die verbreiteten mobilen und stationären Betriebssysteme verfügbar.
| Plattform | Form der Anwendung | Technische Grundlage |
|---|---|---|
| Android | native mobile Anwendung | Kotlin und gemeinsame Wire-Bibliotheken |
| iOS und iPadOS | native mobile Anwendung | Swift |
| Microsoft Windows | Desktop-Anwendung | Electron und Wire-Webanwendung |
| macOS | Desktop-Anwendung | Electron beziehungsweise native Systemintegration |
| Linux | Desktop-Anwendung | Electron |
| Webbrowser | Webanwendung | TypeScript und Webtechnologien |
Ein Konto kann auf mehreren Geräten gleichzeitig verwendet werden. Wire unterstützt nach eigenen Angaben bis zu acht aktive Geräte pro Konto.[3]
Jedes Gerät besitzt eigene kryptografische Schlüssel und wird in der Geräteliste des Kontos angezeigt. Nutzerinnen und Nutzer können alte oder unbekannte Geräte entfernen.
Für Android wird zusätzlich eine Variante über F-Droid angeboten. Diese kann ohne Google Firebase Cloud Messaging arbeiten und Benachrichtigungen stattdessen über eine direkte Websocket-Verbindung empfangen.
Verschlüsselung und Sicherheit
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werden Nachrichten und Dateien auf dem Gerät der Absenderin oder des Absenders verschlüsselt. Die Entschlüsselung erfolgt erst auf den Geräten der berechtigten Empfänger.
Server, Netzbetreiber und andere Vermittler sehen grundsätzlich nur verschlüsselte Daten. Wire gibt an, keine Kopien der privaten Entschlüsselungsschlüssel zu besitzen und keine Hintertüren in die Verschlüsselung einzubauen.[10]
Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt allerdings nicht gegen alle Risiken. Wenn ein Endgerät kompromittiert, entsperrt oder von Schadsoftware kontrolliert wird, kann ein Angreifer die bereits entschlüsselten Inhalte lesen.
Proteus
Proteus ist das von Wire entwickelte Protokoll für klassische verschlüsselte Nachrichten. Es baut auf dem Double-Ratchet-Verfahren auf und verwendet unter anderem:
- Curve25519 für den Schlüsselaustausch;
- ChaCha20 für die Verschlüsselung;
- HMAC-SHA-256 zur Authentifizierung;
- HKDF zur Ableitung neuer Schlüssel.
Für jede Nachricht wird aus dem aktuellen kryptografischen Zustand ein neuer Schlüssel abgeleitet. Dies soll Vorwärtssicherheit und Schutz nach einer vorübergehenden Kompromittierung ermöglichen.
Proteus verwaltet für jedes Gerät einer Person eine eigene verschlüsselte Sitzung. Bei einer Unterhaltung mit mehreren Personen und Geräten muss eine Nachricht daher für mehrere Empfängergeräte verschlüsselt werden.
Messaging Layer Security
MLS verwendet eine baumförmige Gruppenstruktur zur Verwaltung der Schlüssel. Änderungen der Gruppenmitgliedschaft können dadurch effizienter verarbeitet werden als bei einer grossen Zahl einzelner Punkt-zu-Punkt-Sitzungen.
Der Standard bietet unter anderem:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für grosse Gruppen;
- Vorwärtssicherheit;
- Schutz zukünftiger Kommunikation nach einem Schlüsselwechsel;
- authentifizierte Änderung der Teilnehmerstruktur;
- standardisierte kryptografische Verfahren;
- eine Grundlage für die Zusammenarbeit verschiedener Systeme.
Wire verwendet MLS nicht nur für Textnachrichten, sondern zunehmend als Grundlage für weitere verschlüsselte Funktionen der Plattform.
Geräteverifizierung
Jedes Gerät besitzt einen eigenen kryptografischen Fingerabdruck. Gesprächspartner können diese Fingerabdrücke über einen unabhängigen Kommunikationsweg vergleichen und ein Gerät anschliessend als vertrauenswürdig markieren.
Wird einer überprüften Unterhaltung ein neues Gerät hinzugefügt, zeigt Wire einen Hinweis an. Dadurch sollen unbemerkte Man-in-the-Middle-Angriffe und die missbräuchliche Registrierung zusätzlicher Geräte erschwert werden.
Für grössere Organisationen bietet Wire zusätzlich eine zertifikatsbasierte Identitätsprüfung unter der Bezeichnung ID Shield. Dabei werden Geräte und Identitäten über eine von der Organisation kontrollierte Vertrauensinfrastruktur geprüft.
Metadaten
Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt den Inhalt der Kommunikation, beseitigt aber nicht sämtliche Metadaten. Für den technischen Betrieb muss der Dienst bestimmte Angaben verarbeiten.
Dazu können gehören:
- Kontoname und Benutzername;
- E-Mail-Adresse für Registrierung und Anmeldung;
- Zeitpunkt der Geräteregistrierung;
- Gerätetyp und Gerätebezeichnung;
- technische Sitzungsdaten;
- Mitgliedschaft in Organisationen und Unterhaltungen;
- Zustellinformationen;
- IP-Adressen in technischen Protokollen.
Wire erklärt, nur die für Betrieb, Synchronisierung und Fehlerbehebung erforderlichen Daten zu verarbeiten. Art und Umfang können sich zwischen der öffentlichen Wire-Cloud und einer selbst betriebenen Installation unterscheiden.
Sicherheitsprüfungen
Wire liess Teile der Kryptografie und der Anwendungen durch externe Sicherheitsunternehmen untersuchen.
2017 prüften X41 D-Sec und Kudelski Security insbesondere das Proteus-Protokoll und seine Implementierung. 2018 folgte eine Untersuchung ausgewählter Teile der Anwendungen für Android, iOS und Web sowie des Anruf- und Signalisierungscodes.[11]
Die Prüfer veröffentlichten ihre Berichte und beschrieben gefundene Schwachstellen sowie empfohlene Verbesserungen. Die Untersuchungen stellten keine Garantie für vollständige Fehlerfreiheit dar, erhöhten jedoch die öffentliche Nachprüfbarkeit der Sicherheitsarchitektur.
Wire unterhält einen Prozess zur verantwortungsvollen Meldung von Sicherheitslücken. Ein klassisches öffentliches Prämienprogramm für gefundene Schwachstellen bestand im August 2026 nicht.[12]
Open Source
Die Veröffentlichung des Quellcodes ist ein wesentlicher Teil des Sicherheitskonzepts von Wire. Fachleute können die Implementierung prüfen, eigene Versionen erstellen und die Serverplattform selbst betreiben.
Zu den wichtigsten öffentlichen Repositorien gehören:
| Repositorium | Inhalt | Haupttechnologie |
|---|---|---|
| wire-server | zentrale Serverdienste | Haskell |
| wire-webapp | Webanwendung | TypeScript |
| wire-desktop | Desktop-Anwendung | TypeScript und Electron |
| wire-android | Android-Anwendung | Kotlin |
| wire-ios | Anwendungen für iOS und iPadOS | Swift |
| core-crypto | gemeinsame Kryptografie für MLS und Proteus | Rust |
| kalium | plattformübergreifende Client-Bibliothek | Kotlin Multiplatform |
Der Server besteht aus mehreren Diensten. Dazu gehören Komponenten für Konten, Unterhaltungen, Benachrichtigungen, Websocket-Verbindungen, Dateispeicherung, Single Sign-on und administrative Aufgaben.[13]
Die Markenrechte an der Bezeichnung Wire und den Logos werden durch die Veröffentlichung des Quellcodes nicht freigegeben. Abgeleitete Anwendungen dürfen daher nicht ohne Genehmigung unter der Marke Wire angeboten werden.
Bereitstellungsmodelle
Wire unterstützt unterschiedliche Formen des technischen Betriebs.
Wire Cloud
Bei der öffentlichen Cloud-Variante betreibt Wire die Serverinfrastruktur. Diese Form erfordert für Kundinnen und Kunden den geringsten administrativen Aufwand.
Die primären Serverstandorte befinden sich nach Angaben des Unternehmens in Deutschland. Für Notfallredundanz werden Systeme in Irland verwendet.[14]
Private Cloud
Organisationen können Wire in einer für sie reservierten Cloud-Umgebung betreiben lassen. Dadurch lassen sich Datenflüsse, Zugänge und administrative Zuständigkeiten stärker vom öffentlichen Dienst trennen.
On-Premises
Bei einer On-Premises-Installation wird die Serverplattform im eigenen Rechenzentrum oder in einer selbst kontrollierten Cloud betrieben. Das Unternehmen oder die Behörde kontrolliert dabei die Infrastruktur, Datenbanken, Protokolle und administrativen Zugänge.
Die Serverplattform wird üblicherweise auf Kubernetes installiert. Zu den verwendeten Komponenten gehören je nach Konfiguration unter anderem Cassandra, PostgreSQL, Elasticsearch, MinIO, Redis und verschiedene Dienste für Benachrichtigungen und Medienübertragung.[15]
Eine eigene Installation erfordert Fachkenntnisse für Betrieb, Sicherheitsaktualisierungen, Datensicherung, Überwachung und Hochverfügbarkeit.
Abgeschottete Umgebungen
Für Behörden und sicherheitskritische Einrichtungen können Wire-Installationen in Netzen ohne direkte Verbindung zum öffentlichen Internet betrieben werden. Dabei müssen Funktionen wie Benachrichtigungen, externe Gäste und Föderation an die jeweilige Infrastruktur angepasst werden.
Föderation
Föderation ermöglicht die Kommunikation zwischen getrennten Wire-Installationen. Organisationen können ihre eigenen Benutzerkonten und Server verwalten und dennoch ausgewählte Verbindungen zu anderen vertrauenswürdigen Instanzen erlauben.
Anders als in vollständig offenen föderierten Netzwerken können Betreiber festlegen, mit welchen anderen Installationen eine Verbindung zulässig ist. Dieses Modell ist insbesondere für Behördenverbünde und Unternehmen mit getrennten Sicherheitsbereichen vorgesehen.
Datenschutz und schweizerisches Recht
Vertragspartner für die öffentliche Wire-Nutzung ist die Wire Swiss GmbH. Für die Gesellschaft gelten grundsätzlich das schweizerische Recht und das Bundesgesetz über den Datenschutz.
Da Wire Dienstleistungen innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums anbietet und Daten in Deutschland und Irland verarbeitet, ist je nach Sachverhalt zusätzlich die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union anwendbar.
Wire veröffentlicht eine Datenschutzrichtlinie, technische Sicherheitsdokumente und Transparenzberichte. Darin erläutert das Unternehmen, welche Bestands- und Metadaten verarbeitet werden und wie es mit behördlichen Anfragen umgeht.
Nach dem schweizerischen Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs kann Wire verpflichtet sein, auf rechtsgültige Anordnung vorhandene Informationen herauszugeben. Wegen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besitzt der Anbieter nach eigener Darstellung jedoch keinen Zugriff auf die unverschlüsselten Inhalte regulärer Nachrichten und Anrufe.[16]
Eine Herausgabe vorhandener Kontodaten oder technischer Metadaten ist davon zu unterscheiden. Welche Informationen verfügbar sind, hängt unter anderem vom Produkt, dem Installationsmodell und den Aufbewahrungsfristen ab.
Geschäftsmodell
Wire wird als kommerzielle Softwareplattform entwickelt. Die Einnahmen stammen hauptsächlich aus Abonnements und Verträgen mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.
Die kostenpflichtigen Angebote unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich:
- Zahl der Benutzerinnen und Benutzer;
- Verwaltungsfunktionen;
- Single Sign-on und Verzeichnisanbindung;
- Kundendienst;
- Installationsmodell;
- Compliance- und Archivierungsfunktionen;
- Föderation;
- Anpassung der Anwendungen;
- Betrieb in abgeschotteten Umgebungen.
Für Privatpersonen bestehen eigene Nutzungsbedingungen. Der strategische Schwerpunkt des Unternehmens liegt jedoch auf professioneller und behördlicher Kommunikation.
Anders als werbefinanzierte soziale Netzwerke erklärt Wire, weder Kommunikationsinhalte noch Nutzungsprofile für personalisierte Werbung zu verkaufen.
Nutzung durch Behörden und Unternehmen
Wire wird vor allem dort eingesetzt, wo vertrauliche Informationen zwischen verschiedenen Geräten und Organisationen ausgetauscht werden müssen.
Typische Einsatzbereiche sind:
- interne Unternehmenskommunikation;
- Kommunikation von Führungskräften;
- Krisenstäbe;
- Behörden und Verwaltungen;
- Polizei- und Sicherheitsorganisationen;
- Betreiber kritischer Infrastrukturen;
- Energie- und Versorgungsunternehmen;
- Finanz- und Versicherungsunternehmen;
- Gesundheitsorganisationen;
- externe Projektgruppen.
Die deutsche Bundesverwaltung stellte Wire im Rahmen eines zentralen Vertrages für sensible Kommunikation zur Verfügung. Das Produkt wurde dabei in einer besonders kontrollierten Infrastruktur eingesetzt.
Die Nutzung in sicherheitskritischen Bereichen bedeutet nicht, dass jede öffentliche Version automatisch für klassifizierte Informationen zugelassen ist. Zulassungen und Sicherheitsanforderungen beziehen sich üblicherweise auf bestimmte Produktversionen, Konfigurationen und Betriebsumgebungen.
Kritik und Einschränkungen
Begrenzte Verbreitung bei Privatpersonen
Im Vergleich zu WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram oder Signal besitzt Wire im privaten Massenmarkt eine kleinere Reichweite. Die Kommunikation setzt in der Regel voraus, dass beide Seiten Wire installieren oder über eine Organisation eingeladen werden.
Die geschäftliche Ausrichtung führte dazu, dass Funktionen für Unternehmen und Behörden gegenüber der Gewinnung privater Nutzer an Bedeutung gewannen.
Konzernstruktur
Die Verlagerung der Holdinggesellschaft in die Vereinigten Staaten löste 2019 Kritik aus. Kritiker befürchteten mögliche Auswirkungen des amerikanischen Rechts auf ein Produkt, das mit europäischer und schweizerischer Datenhoheit wirbt.
Wire verwies darauf, dass Nutzerverträge weiterhin mit der Schweizer Gesellschaft geschlossen würden, die Datenverarbeitung in Europa erfolge und die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unabhängig von der Eigentümerstruktur funktioniere.
Metadaten und Endgeräte
Wie andere Ende-zu-Ende-verschlüsselte Messenger kann Wire nicht sämtliche Kommunikationsspuren verbergen. Server müssen bestimmte Daten über Konten, Geräte, Zustellung und Gruppenmitgliedschaften verarbeiten.
Die Verschlüsselung schützt zudem nicht, wenn ein Endgerät kompromittiert ist, eine Person Nachrichten freiwillig weitergibt oder ein Administrator im Rahmen ausdrücklich aktivierter Compliance-Funktionen zusätzliche Aufzeichnungen anordnet.
Komplexität eigener Installationen
Eine selbst betriebene Wire-Installation bietet hohe Kontrolle, verursacht jedoch erheblichen technischen Aufwand. Betreiber müssen Aktualisierungen, Datenbanken, Zertifikate, Netzwerksicherheit, Sicherungskopien und Verfügbarkeit selbst verwalten.
Fehlerhafte Konfigurationen können den Schutz einer Installation beeinträchtigen, obwohl die eigentliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung korrekt implementiert ist.
Abhängigkeit von Benachrichtigungsdiensten
Die regulären mobilen Anwendungen verwenden für Benachrichtigungen Dienste von Apple und Google. Nach Angaben von Wire werden darüber keine Nachrichteninhalte übertragen. Die Betriebssystemanbieter können jedoch erkennen, dass eine Anwendung eine Benachrichtigung erhält.
Die über F-Droid vertriebene Android-Version kann ohne Firebase Cloud Messaging betrieben werden.
Bedeutung für die Schweiz
Wire gehört neben Threema zu den international bekannten Kommunikationsdiensten mit schweizerischem Unternehmenssitz und besonderem Schwerpunkt auf verschlüsselter Kommunikation.
Während Threema vor allem als Messenger für Privatpersonen, Schulen, Behörden und Unternehmen bekannt ist, positioniert sich Wire stärker als umfassende Plattform für organisationsübergreifende Zusammenarbeit, Videokonferenzen und selbst betriebene Infrastrukturen.
Die Ansiedlung in Zug entspricht der Bedeutung des Kantons als Standort internationaler Technologie-, Finanz- und Softwareunternehmen. Die eigentliche Produktentwicklung ist jedoch grenzüberschreitend organisiert und findet zu einem grossen Teil in Deutschland und weiteren europäischen Ländern statt.
Wire ist ein Beispiel dafür, dass eine Schweizer Anbieterin ihre Software unter freien Lizenzen veröffentlicht, zugleich aber ein kommerzielles Geschäftsmodell mit Cloud-Betrieb, Kundendienst und Unternehmensfunktionen verfolgt.
Zukunft
Die Weiterentwicklung von Wire konzentriert sich insbesondere auf Messaging Layer Security, grössere verschlüsselte Gruppen, Föderation und die Integration in bestehende Unternehmens- und Behördeninfrastrukturen.
Weitere Entwicklungsbereiche sind:
- kryptografische Anpassungsfähigkeit gegenüber zukünftigen Angriffen;
- postquantenresistente Verfahren;
- zertifikatsbasierte Identitäten;
- verschlüsselte Kanäle;
- sichere Dateiverwaltung;
- Integrationen mit Fachanwendungen;
- Automatisierung von Benutzer- und Geräteverwaltung;
- Interoperabilität zwischen Kommunikationsplattformen.
MLS schafft grundsätzlich eine technische Grundlage für standardisierte verschlüsselte Gruppenkommunikation verschiedener Anbieter. Eine vollständige Interoperabilität setzt jedoch zusätzlich gemeinsame Regeln für Identitäten, Funktionen, Metadaten, Moderation und Serververtrauen voraus.
Siehe auch
- Wire Swiss GmbH
- Messenger-Dienste in der Schweiz
- Threema
- Signal (Messenger)
- Instant Messaging
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Messaging Layer Security
- Datenschutz in der Schweiz
- Open Source
- Digitale Souveränität
- Bundesgesetz über den Datenschutz
- Cybersecurity in der Schweiz
Weblinks
- Offizielle Website
- Quellcode von Wire auf GitHub
- Wire-Hilfe
- Technische Dokumentation
- Informationen zur Sicherheit
- Datenschutzrichtlinie
- Transparenzbericht
- Meldung von Sicherheitslücken
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Impressum, Wire Swiss GmbH, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Wire Swiss GmbH auf GitHub, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Sicherheit und Datenschutz, Wire Swiss GmbH, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Wire raises €24m to bring secure collaboration into the next era, Wire Swiss GmbH, 11. August 2022, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Sarah Perez: Skype Co-Founder Backs Wire, A New Communications App Launching Today On iOS, Android And Mac, TechCrunch, 2. Dezember 2014, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Ist Wire Open Source?, Wire Hilfe, aktualisiert am 24. März 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Ingrid Lunden, Natasha Lomas: Messaging app Wire confirms $8.2M raise, responds to privacy concerns after moving holding company to the US, TechCrunch, 13. November 2019, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Romain Dillet: Messaging app Wire raises $21 million, TechCrunch, 14. April 2021, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Messaging-Layer-Security (MLS), Wire Hilfe, aktualisiert am 24. März 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Datenschutzrichtlinie, Wire Swiss GmbH, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Markus Vervier: Wire Application Level Audit, X41 D-Sec, 6. März 2018, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Vulnerability Reporting, Wire Swiss GmbH, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ wireapp/wire-server, GitHub, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Serverstandorte, Wire Hilfe, aktualisiert am 24. März 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Deployment Options, Wire Hilfe, aktualisiert am 6. Februar 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Transparenzbericht, Wire Swiss GmbH, abgerufen am 4. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Wire