Autobahn A16

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Autobahn A16
Andere Bezeichnung Transjurane
Offizielle Nationalstrasse N16
Europastrasse E27
Anfang Boncourt an der französischen Grenze
Ende Biel/Bienne-Ost, Verzweigung Bözingenfeld
Gesamtlänge rund 85 km
Kantone Jura und Bern
Wichtige Orte Pruntrut, Saint-Ursanne, Delsberg, Moutier, Tavannes, Sonceboz-Sombeval und Biel/Bienne
Ausbau abschnittsweise zwei- oder vierspurige Autobahn beziehungsweise Autostrasse
Tunnel und Galerien 33 mit einer Gesamtlänge von rund 37 km
Brücken und Viadukte 22 mit einer Gesamtlänge von rund 6 km
Baubeginn 1987
Durchgehend eröffnet 3. April 2017
Gesamtkosten rund 6,6 Milliarden Franken
Betreiber Bundesamt für Strassen

Die Autobahn A16, französisch Autoroute A16 und allgemein Transjurane genannt, ist eine schweizerische Nationalstrasse zwischen Biel/Bienne und der französischen Grenze bei Boncourt. Die rund 85 Kilometer lange Verbindung durchquert den Jura, erschliesst den Kanton Jura und den Berner Jura und verbindet diese Regionen mit dem Schweizer Mittelland sowie dem französischen Strassennetz.

Die amtliche Bezeichnung der Nationalstrasse lautet N16, während auf der Signalisation die Nummer A16 verwendet wird. Sie ist zugleich Bestandteil der Europastrasse 27, die von Belfort über Pruntrut, Bern, Martigny und den Grossen St. Bernhard nach Aosta führt.[1]

Die A16 ist nicht auf ihrer gesamten Länge als klassische vierspurige Autobahn ausgebaut. Grosse Teile bestehen aus einer zweispurigen, richtungsgetrennten oder im Gegenverkehr betriebenen Autostrasse. Wegen der schwierigen Topografie verlaufen etwa 43 Prozent der Strecke in Tunneln oder Galerien. Die Transjurane gehört damit zu den technisch aufwendigsten Strassenbauwerken der Schweiz.[2]

Die durchgehende Eröffnung am 3. April 2017 beendete eine rund dreissigjährige Bauzeit. Seither kann die Strecke zwischen Biel und Boncourt unter normalen Verkehrsbedingungen in ungefähr 55 Minuten zurückgelegt werden.

Bezeichnung

Die Bezeichnung Transjurane bedeutet sinngemäss «durch den Jura führend». Sie verweist auf die Funktion der Strasse als Verbindung quer durch die verschiedenen Ketten und Täler des Juragebirges.

Während der Planung und des Baus wurde die Strecke häufig als N16 bezeichnet. Die Bezeichnung N16 steht für ihre rechtliche Einordnung als schweizerische Nationalstrasse. Im allgemeinen Sprachgebrauch sowie auf Wegweisern setzte sich dagegen A16 durch.

Im französischsprachigen Jura ist Transjurane die übliche Bezeichnung. Der Name wurde nicht nur für das Strassenprojekt, sondern auch für Publikationen, Informationsstellen und Ausstellungen über dessen Baugeschichte verwendet.

Verlauf

Die A16 beginnt im Norden an der gemeinsamen Zollanlage von Boncourt und Delle an der schweizerisch-französischen Grenze. Auf französischer Seite setzt sich die Verbindung als RN 1019 in Richtung Belfort fort. Über das französische Strassennetz besteht Anschluss an die Autoroute A36 in Richtung Mülhausen, Besançon und Dijon.

Von Boncourt führt die A16 zunächst südwärts durch die Ajoie. Sie verläuft über oder in der Nähe von Bure, Courtedoux und Pruntrut. Südlich von Pruntrut durchquert sie die Juraketten in mehreren langen Tunneln und erreicht über Saint-Ursanne das Tal der Sorne.

Anschliessend führt die Strecke über Glovelier, Bassecourt und Courfaivre nach Delsberg. Von dort verläuft sie durch das Gebiet von Courrendlin und Choindez in Richtung Moutier.

Südlich von Moutier folgt die Autobahn den Tälern und Schluchten des Berner Juras. Sie führt über Court, Bévilard, Malleray, Loveresse und Tavannes nach Sonceboz-Sombeval.

Der südlichste Abschnitt verläuft über La Heutte und durch die Taubenlochschlucht nach Biel. Im Bözingenfeld trifft die A16 auf die A5. Über die Ostumfahrung von Biel besteht eine Verbindung zur T6 beziehungsweise zur A6 in Richtung Bern.[3]

Streckenfolge

Der amtlich beschriebene Verlauf führt über folgende Gebiete:

Boncourt – Bure – Pruntrut – Saint-Ursanne – Glovelier – Bassecourt – Delsberg – Choindez – Moutier – Court – Loveresse – Tavannes – Sonceboz – La Heutte – Taubenlochschlucht – Biel-Ost.

Die Strasse durchquert dabei mehrere geografisch klar voneinander getrennte Regionen:

  • die Ajoie zwischen Boncourt und Pruntrut
  • den Clos du Doubs bei Saint-Ursanne
  • das Delsberger Becken
  • die Klus von Choindez und das Gebiet um Moutier
  • das Vallée de Tavannes
  • die südliche Jurakette zwischen Sonceboz und Biel

Anschlüsse

Die A16 besitzt 23 Anschlüsse und Halbanschlüsse. Je nach Abschnitt unterscheiden sich deren bauliche Ausführung und Leistungsfähigkeit.

Zu den wichtigsten Anschlüssen gehören:

  • Boncourt
  • Bure
  • Pruntrut-West
  • Pruntrut-Ost
  • Saint-Ursanne
  • Glovelier
  • Bassecourt
  • Delsberg-West
  • Delsberg-Ost
  • Choindez
  • Moutier-Nord
  • Moutier-Süd
  • Court
  • Loveresse
  • Tavannes
  • Sonceboz-Süd
  • La Heutte
  • Péry
  • Frinvillier
  • Biel-Nord beziehungsweise Biel-Ost

Mehrere Anschlüsse erschliessen Industrie- und Gewerbegebiete. Andere dienen vor allem der Anbindung kleinerer Gemeinden und Seitentäler.

Ausbauzustand

Die N16 wurde als Nationalstrasse zweiter Klasse geplant. Aus diesem Grund besitzt sie keinen durchgehend einheitlichen Autobahnquerschnitt.

Auf offenen Abschnitten besteht die Fahrbahn teilweise aus zwei Fahrstreifen mit Gegenverkehr und seitlichen Nothaltebuchten. Wo Verkehrsaufkommen, Gelände und Sicherheitsanforderungen es erlaubten oder erforderten, wurden zwei voneinander getrennte Richtungsfahrbahnen mit insgesamt vier Fahrstreifen gebaut.

Lange Tunnel von mehr als 1000 Metern wurden bei mehreren Abschnitten als einzelne Röhre mit zweispurigem Gegenverkehr ausgeführt. Diese Bauweise verringerte den baulichen Eingriff und die Kosten, stellt aber besondere Anforderungen an Verkehrssicherheit, Lüftung und Ereignisbewältigung.[4]

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist nicht auf der gesamten Strecke gleich. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Ausbau, den Tunnelanlagen, der Sichtweite und den örtlichen Sicherheitsbedingungen. Auf einzelnen Abschnitten kann sie durch elektronische Signale vorübergehend reduziert werden.

Tunnel und Galerien

Wegen der stark gegliederten Landschaft des Faltenjuras mussten zahlreiche Bergketten, Schluchten und instabile Hänge unterquert werden. Insgesamt besitzt die A16 33 Tunnel und Galerien mit einer Gesamtlänge von etwa 37 Kilometern.

Zu den bedeutenden Tunnelanlagen gehören:

Bauwerk Lage beziehungsweise Abschnitt Bedeutung
Tunnel von Bure zwischen Boncourt und Pruntrut rund 3 km langer Tunnel zur Unterquerung des Gebiets südlich von Bure
Tunnel Bois de Montaigre zwischen Bure und Pruntrut zwei Tunnelröhren im Bereich der Creugenat-Viadukte
Mont-Terri-Tunnel südlich von Pruntrut Durchquerung der Jurakette in Richtung Saint-Ursanne
Mont-Russelin-Tunnel zwischen Saint-Ursanne und Glovelier wichtige Verbindung zwischen dem Clos du Doubs und dem Delsberger Becken
Choindez-Tunnel zwischen Delsberg und Moutier Umfahrung von Courrendlin und Choindez
Raimeux-Tunnel zwischen Choindez und Moutier Unterquerung des Mont Raimeux
Umfahrungstunnel Moutier Moutier Entlastung des Stadtgebiets vom Durchgangsverkehr
Graitery-Tunnel zwischen Moutier und Court Unterquerung einer Jurakette und Umfahrung der Schlucht von Court
Tunnel Sous le Mont bei Tavannes Bestandteil des Abschnitts Loveresse–Tavannes
Pierre-Pertuis-Tunnel zwischen Tavannes und Sonceboz moderne Querung der historischen Passlandschaft von Pierre Pertuis

Daneben bestehen zahlreiche kürzere Tunnels, überdeckte Einschnitte und Schutzgalerien. Sie dienen nicht nur der direkten Durchquerung von Bergen, sondern auch dem Lärm-, Landschafts- und Naturschutz.

Brücken und Viadukte

Die A16 umfasst nach Angaben des Bundesamts für Strassen 22 Brücken und Viadukte mit einer Gesamtlänge von rund sechs Kilometern. Andere offizielle Darstellungen unterscheiden zwischen grossen Viadukten und weiteren Brückenbauwerken und nennen deshalb teilweise abweichende Zahlen.

Bekannte Bauwerke sind:

  • die Viadukte von Grand’Combes
  • die Viadukte der Combe Baidîre
  • die beiden Creugenat-Viadukte
  • der Viaduc de la Rosière
  • der Viadukt Eaux des Fontaines
  • die Brücke Fin sous Montoz
  • die Brücke Champ Argent

Die Viadukte ermöglichen die Überquerung enger Täler, Bachläufe und ökologisch bedeutender Geländekorridore. Zahlreiche Bauwerke wurden so gestaltet, dass Wildtiere unter ihnen hindurchwandern können.

Geschichte

Frühe Verkehrsverbindungen

Der Jura bildete seit der Antike eine natürliche Barriere zwischen dem Schweizer Mittelland, dem Rheingebiet und der burgundischen Pforte. Bereits in römischer Zeit bestanden Verkehrswege über die Jurapässe.

Der Übergang von Pierre Pertuis war Teil einer historischen Nord-Süd-Verbindung. Weitere Strassen führten über Les Rangiers, durch die Klus von Moutier und entlang der Birs.

Im 19. Jahrhundert wurden die bestehenden Pass- und Talstrassen ausgebaut. Der Bau der Jurabahnen verbesserte die Verbindungen erheblich, konnte jedoch die wachsenden Anforderungen des motorisierten Strassenverkehrs im 20. Jahrhundert nicht vollständig erfüllen.

Forderung nach einer leistungsfähigen Juraverbindung

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Autoverkehr stark zu. Die bestehenden Hauptstrassen führten durch zahlreiche Ortschaften, enge Schluchten und kurvenreiche Passabschnitte.

Im Jura und im Berner Jura wurde deshalb eine leistungsfähige Verbindung zum Mittelland und nach Frankreich gefordert. Befürworter erwarteten eine bessere wirtschaftliche Erschliessung, kürzere Reisezeiten und eine Entlastung der Ortszentren.

Das Projekt besass auch politische Bedeutung. Im Umfeld der Jurafrage galt eine moderne Verkehrsverbindung als Mittel zur wirtschaftlichen Stärkung der französischsprachigen Juraregion. Nach der Gründung des Kantons Jura im Jahr 1979 blieb die Strecke ein gemeinsames Projekt des Bundes sowie der Kantone Jura und Bern.

Aufnahme ins Nationalstrassennetz

Im Oktober 1984 nahm die Bundesversammlung die N16 in das schweizerische Nationalstrassennetz auf. Damit wurde die grundsätzliche Finanzierung durch Bund und Kantone gesichert.[5]

Die Eidgenossenschaft übernahm im Kanton Jura 95 Prozent der Baukosten. Im Kanton Bern betrug der Bundesanteil zunächst 84 Prozent und seit 2005 rund 87 Prozent.

Baubeginn

Die Hauptarbeiten begannen 1987 im Gebiet von Saint-Ursanne. Zu den ersten grossen Projekten gehörten die Tunnel unter den Rangiers beziehungsweise die Anlagen Mont Terri und Mont Russelin.

Der Bau wurde in zahlreiche Abschnitte unterteilt, die unabhängig voneinander projektiert, bewilligt und eröffnet werden konnten. Dadurch standen einzelne Teile der Transjurane bereits viele Jahre vor der vollständigen Fertigstellung zur Verfügung.

Die lange Bauzeit war auf die schwierige Geologie, aufwendige Tunnelarbeiten, neue Sicherheitsbestimmungen, den Landschaftsschutz und langwierige Planungs- und Bewilligungsverfahren zurückzuführen.

Erste Eröffnungen

Am 13. November 1998 wurde der lange zusammenhängende Abschnitt zwischen Pruntrut-Ost, Saint-Ursanne, Glovelier und Delsberg-West eröffnet. Damit erhielten grosse Teile des Kantons Jura erstmals eine leistungsfähige Schnellstrassenverbindung.

Am 30. September 2005 folgten die Umfahrung von Pruntrut und der Abschnitt Delsberg-West–Delsberg-Ost.

Die Verbindung zwischen der jurassischen Kantonsgrenze und Moutier-Ost wurde Ende 2007 in Betrieb genommen. Im selben Jahr wurde auch die grenzüberschreitende Zollanlage Boncourt–Delle eröffnet.[6]

Fertigstellung der nördlichen Abschnitte

Der Abschnitt Boncourt–Bure wurde am 11. November 2011 eröffnet. Wenige Tage später folgte die Umfahrung von Moutier.

Im August 2014 ging die 8,8 Kilometer lange Strecke zwischen Bure und Pruntrut-West in Betrieb. Sie umfasst unter anderem den Tunnel von Bure, die beiden Tunnel des Bois de Montaigre und die Creugenat-Viadukte.

Am 5. Dezember 2016 wurde mit der Eröffnung von Delsberg-Ost bis zur damaligen Grenze zwischen den Kantonen Jura und Bern der jurassische Teil der Transjurane vollständig in Betrieb genommen.

Vollendung im Jahr 2017

Der letzte noch fehlende Abschnitt lag zwischen Court und Loveresse im Berner Jura. Das 8,8 Kilometer lange Teilstück wurde am 3. April 2017 feierlich eröffnet.

Mit der Inbetriebnahme war die A16 zwischen Boncourt und Biel erstmals durchgehend befahrbar. An der Eröffnung nahm unter anderem Bundespräsidentin Doris Leuthard teil.[7]

Im Oktober 2017 wurde zusätzlich der Ostast der Bieler A5-Umfahrung eröffnet. Dadurch erhielt die A16 eine leistungsfähigere Verbindung in Richtung Bern, Solothurn, Freiburg und Wallis, ohne dass der Verkehr das Zentrum von Biel durchqueren muss.[8]

Eröffnungsdaten im Kanton Jura

Abschnitt Länge Inbetriebnahme
Zollanlage Boncourt 0,2 km 17. Dezember 2007
Boncourt–Bure 4,6 km 11. November 2011
Bure–Pruntrut-West 8,8 km 21. August 2014
Pruntrut-West–Pruntrut-Ost 2,9 km 30. September 2005
Pruntrut-Ost–Nordportal Mont-Terri-Tunnel 5,2 km 13. November 1998
Mont-Terri-Tunnel–Südportal Mont-Russelin-Tunnel 8,0 km 13. November 1998
Mont-Russelin-Tunnel–Delsberg-West 9,9 km 13. November 1998
Delsberg-West–Delsberg-Ost 3,2 km 30. September 2005
Delsberg-Ost–damalige Kantonsgrenze Jura/Bern 4,7 km 5. Dezember 2016

Die Tabelle gibt die bei der Erstellung verwendete kantonale Abschnittseinteilung wieder. Durch den Wechsel der Gemeinde Moutier vom Kanton Bern zum Kanton Jura am 1. Januar 2026 veränderte sich die Kantonsgrenze entlang der A16.[9]

Kosten und Finanzierung

Die Gesamtkosten der Transjurane beliefen sich auf rund 6,6 Milliarden Franken. Davon entfielen nach den bei der Vollendung veröffentlichten Angaben etwa vier Milliarden Franken auf die damals 48 Kilometer lange Strecke im Kanton Jura und 2,6 Milliarden Franken auf die damals 37 Kilometer im Kanton Bern.

Dies entsprach durchschnittlichen Kosten von ungefähr 77 Millionen Franken pro Kilometer. Der hohe Betrag erklärt sich vor allem durch den aussergewöhnlich grossen Anteil an Tunneln, Galerien, Brücken und Viadukten.

Weitere kostensteigernde Faktoren waren:

  • schwierige und teilweise instabile geologische Verhältnisse
  • verschärfte Sicherheitsanforderungen für Strassentunnel
  • Lärm- und Landschaftsschutzmassnahmen
  • archäologische und paläontologische Untersuchungen
  • lange Planungs- und Bauzeiten
  • aufwendige Anschlussbauwerke und Umfahrungen

Der Bund finanzierte den überwiegenden Teil. Im Kanton Jura betrug sein Anteil 95 Prozent. Im Kanton Bern übernahm er zunächst 84 Prozent und seit 2005 rund 87 Prozent der anrechenbaren Kosten.[10]

Landschafts- und Naturschutz

Der Bau der A16 führte durch empfindliche Wald-, Fluss- und Karstlandschaften. Die Streckenplanung musste deshalb zahlreiche Anforderungen des Natur- und Landschaftsschutzes berücksichtigen.

Ein erheblicher Teil der Strasse wurde unterirdisch oder in Geländeeinschnitten geführt. Tunnelportale, Brücken und Stützmauern wurden teilweise nach einheitlichen architektonischen Grundsätzen gestaltet.

In verschiedenen Bereichen entstanden Ersatzlebensräume, renaturierte Bachläufe und ökologische Ausgleichsflächen. Tunnels, Viadukte und grosse Bachdurchlässe dienen zugleich als Querungsmöglichkeiten für Wildtiere.

Bei den Abschnitten Tavannes–Court und Court–Roches wurden bekannte Wildtierkorridore bereits während der Umweltverträglichkeitsprüfung berücksichtigt. Tiere können die Strasse unter Brücken, über Tunneldecken oder durch entsprechend dimensionierte Durchlässe queren.[11]

Archäologische und paläontologische Funde

Die Bauarbeiten ermöglichten grossflächige Untersuchungen von Böden und Gesteinsschichten, die zuvor nicht wissenschaftlich zugänglich gewesen waren. Entlang der Trasse wurden zahlreiche archäologische Fundstellen dokumentiert.

Zu den Entdeckungen gehörten Siedlungsspuren, Gräber, Strassenreste und Gegenstände aus der Bronzezeit, der Eisenzeit, der römischen Epoche und dem Mittelalter.

Besondere internationale Aufmerksamkeit erlangten die Dinosaurierspuren bei Courtedoux und in der Umgebung von Pruntrut. Seit dem Jahr 2000 wurden auf dem Plateau von Courtedoux mehr als 14'000 Trittsiegel dokumentiert. Sie stammen vor allem von Sauropoden und Theropoden und sind ungefähr 152 Millionen Jahre alt.[12]

Die meisten Fundstellen mussten nach ihrer wissenschaftlichen Dokumentation wieder überdeckt werden. Ein Teil des paläontologischen Erbes ist jedoch auf einem Lehrpfad bei Courtedoux und in der Dinotec in Pruntrut öffentlich zugänglich.

Neben Dinosaurierspuren wurden fossile Meeresschildkröten, Krokodilreste, Ammoniten und Überreste eiszeitlicher Säugetiere entdeckt. Das Bauprojekt trug dadurch wesentlich zur Entwicklung der jurassischen Paläontologie bei.

Verkehrliche Bedeutung

Die A16 bildet die wichtigste überregionale Strassenverbindung des Kantons Jura. Sie verbindet die Ajoie, das Delsberger Becken, Moutier und den Berner Jura mit Biel und dem Mittelland.

In nördlicher Richtung verbessert sie die Verbindung zum französischen Territoire de Belfort, zum Elsass und zur Region Bourgogne-Franche-Comté. Über die A36 bestehen Verbindungen in Richtung Mülhausen, Besançon und das Rhonetal.

Die Transjurane dient unterschiedlichen Verkehrsarten:

  • regionalem Pendlerverkehr
  • Güter- und Wirtschaftsverkehr
  • grenzüberschreitendem Verkehr
  • touristischem Verkehr
  • Verbindungen zwischen den jurassischen Zentren
  • Zugang zum Schweizer Nationalstrassennetz

Vor ihrer Eröffnung verlief ein grosser Teil des Durchgangsverkehrs durch Ortszentren und enge Schluchten. Die A16 entlastete unter anderem Pruntrut, Delsberg, Courrendlin, Moutier, Court, Tavannes und weitere Gemeinden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Mit dem Bau der A16 waren grosse Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung der Juraregion verbunden. Die verbesserte Erreichbarkeit sollte Unternehmen den Zugang zu Absatzmärkten, Arbeitskräften und Zulieferern erleichtern.

Besonders bedeutend ist die Strasse für die im Jura und Berner Jura stark vertretene Präzisions-, Maschinen-, Uhren- und Mikrotechnikindustrie. Gewerbe- und Industriegebiete entstanden oder erweiterten sich in der Nähe mehrerer Anschlüsse.

Die Autobahn verkürzte Reisezeiten zwischen Pruntrut, Delsberg, Moutier und Biel. Gleichzeitig verbesserte sie die Verbindung zum Raum Belfort und zur französischen Hochgeschwindigkeitsbahn am Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV.

Die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen unterscheiden sich regional. Eine Autobahn allein kann strukturelle Probleme wie den Rückgang einzelner Industriezweige, Abwanderung oder Fachkräftemangel nicht beseitigen. Sie bildet jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Standortentwicklung.

Sicherheit und Betrieb

Seit der vollständigen Eröffnung wird die A16 vom Bundesamt für Strassen beziehungsweise den zuständigen Gebietseinheiten betrieben und unterhalten.

Der hohe Tunnelanteil erfordert regelmässige Kontrollen und Wartungsarbeiten. Dazu gehören die Prüfung und Erneuerung von:

  • Beleuchtung
  • Lüftungsanlagen
  • Brandmelde- und Löschsystemen
  • Notrufeinrichtungen
  • Videoüberwachung
  • Verkehrslenkung
  • Fluchtwegen
  • Fahrbahnbelägen
  • Entwässerung

Für Unterhaltsarbeiten werden einzelne Abschnitte häufig nachts gesperrt. Da mehrere Tunnel nur eine Röhre besitzen und im Gegenverkehr betrieben werden, kann der Verkehr während Arbeiten nicht immer auf die Gegenfahrbahn verlegt werden.

Umleitungen führen dann über das regionale Hauptstrassennetz. Die Sperrzeiten werden möglichst in verkehrsarme Nachtstunden gelegt.

Rastplätze und Zollanlage

Entlang der A16 bestehen drei Rastplätze ohne Autobahnrestaurants. Einer der bekanntesten ist der Rastplatz Boécourt in der Nähe des Mont-Russelin-Tunnels.

Der Rastplatz Boécourt ist auf beide Fahrtrichtungen verteilt. Er bietet Stellplätze für Personenwagen, Lastwagen, Reisebusse und Wohnmobile sowie Sanitäranlagen und Picknickbereiche.[13]

Am nördlichen Streckenende befindet sich die gemeinsame schweizerisch-französische Zollanlage Boncourt–Delle. Sie wurde auf beiden Seiten der Staatsgrenze errichtet und im Dezember 2007 in Betrieb genommen.

Architektonische Gestaltung

Für die Kunstbauten der Transjurane wurde grosser Wert auf eine erkennbare architektonische Gestaltung gelegt. Tunnelportale, Lüftungsbauwerke, Brücken, Stützmauern und Betriebszentralen sollten nicht ausschliesslich technische Funktionen erfüllen, sondern sich möglichst in die Landschaft einfügen.

Mehrere Tunnelportale besitzen markante geometrische Formen aus Sichtbeton. Wiederkehrende Materialien und Gestaltungselemente geben den über viele Jahre und Bauabschnitte entstandenen Anlagen ein zusammenhängendes Erscheinungsbild.

Die Architektur der Transjurane wurde in Fachpublikationen dokumentiert und gilt als Beispiel für die Verbindung von Verkehrsplanung, Ingenieurbau und Landschaftsgestaltung.

Politische Bedeutung

Die A16 war weit mehr als ein gewöhnliches Verkehrsprojekt. Für den jungen Kanton Jura wurde sie zu einem Symbol der Gleichberechtigung und der besseren Anbindung an die übrige Schweiz.

Während der Jurafrage war die wirtschaftliche und verkehrliche Stellung der Region ein häufig diskutiertes Thema. Viele Jurassier betrachteten die Transjurane als notwendige Voraussetzung für die Entwicklung des neuen Kantons.

Da die Strecke sowohl durch den Kanton Jura als auch durch den beim Kanton Bern verbliebenen südlichen Jura führte, erforderte sie eine langjährige Zusammenarbeit zwischen den beiden Kantonen und dem Bund.

Der Kantonswechsel Moutiers am 1. Januar 2026 veränderte die politische Grenze entlang der Autobahn erneut. Die A16 verbindet jedoch unabhängig von Kantonsgrenzen weiterhin die verschiedenen Teile des historischen Juras miteinander.

Kennzahlen

Merkmal Wert
Gesamtlänge rund 85 km
Bauzeit 1987–2017
Tunnel und Galerien 33
Gesamtlänge der Tunnel und Galerien rund 37 km
Unterirdischer Streckenanteil rund 43 %
Brücken und Viadukte 22
Gesamtlänge der Brücken und Viadukte rund 6 km
Anschlüsse und Halbanschlüsse 23
Rastplätze 3
Zollanlagen 1
Fahrzeit Biel–Boncourt ungefähr 55 Minuten
Gesamtkosten rund 6,6 Milliarden Franken
Durchschnittliche Kosten rund 77 Millionen Franken pro Kilometer

Siehe auch

Literatur

  • République et Canton du Jura, Kanton Bern (Hrsg.): A16 Transjurane. Jura. Éditions D+P, Delsberg 2017.
  • République et Canton du Jura, Kanton Bern (Hrsg.): A16 Transjurane. Jura bernois. Éditions D+P, Delsberg 2017.
  • Bundesamt für Strassen: Strassen und Verkehr 2017. Entwicklungen, Zahlen, Fakten. Bern 2017.
  • Service des ponts et chaussées du canton du Jura: Transjurane A16. Boncourt–Bienne. Delsberg.
  • Tiefbauamt des Kantons Bern: Die Strassengeschichte des Kantons Bern vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Bern 2014.

Einzelnachweise

  1. Strassen und Verkehr 2009, Bundesamt für Strassen, S. 18, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. Strassen und Verkehr 2017, Bundesamt für Strassen, S. 18–19, abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. N16 Transjurane – 85 kilomètres de Boncourt à Bienne, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. N16 Transjurane – caractéristiques, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. N16 Transjurane, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 27. Juli 2026.
  6. Inauguration de la plate-forme douanière de Boncourt-Delle, Republik und Kanton Jura, 12. Dezember 2007, abgerufen am 27. Juli 2026.
  7. Transjurane seit April 2017 durchgehend offen, Bundesamt für Strassen, 2017, S. 18–19, abgerufen am 27. Juli 2026.
  8. Ouverture du contournement Est à Bienne, Republik und Kanton Jura, 27. Oktober 2017, abgerufen am 27. Juli 2026.
  9. Moutier dans le Jura – Contexte historique, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 27. Juli 2026.
  10. Die Transjurane in Zahlen, Bundesamt für Strassen, 2017, S. 18–19, abgerufen am 27. Juli 2026.
  11. Wildtierpassagen an der Transjurane A16, Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern, September 2021, abgerufen am 27. Juli 2026.
  12. Traces de dinosaures, JURASSICA, abgerufen am 27. Juli 2026.
  13. A16-Transjurane: Eröffnung des Rastplatzes Boécourt, Republik und Kanton Jura, 27. Mai 2016, abgerufen am 27. Juli 2026.